3. Kapitel - Die Vermählung

Sesshomaru bekam seine Eltern drei Tage nicht zu Gesicht. Immer wenn er nachfragte, gab es die gleiche Antwort. Emi sei indisponiert und Lord Taro unterwegs.
Dem Erbprinzen kam es zwar verdächtig vor, doch im Endeffekt waren seine Eltern ihm keine Rechenschaft schuldig. Da der General des Reiches keine Einwände erhob, begab sich Sesshomaru zu dem Schmied Totosai, um sich ein Schwert zu bestellen.
Das Interesse des Youkais galt immer noch Tessaiga, doch das wollte sein Vater nicht abgeben. Schon oft fragte sich Sesshomaru weshalb sein Vater drei Schwerter benötigte. Einige Jahre zuvor wagte der Erbprinz ihn diesbezüglich zufragen. Nachdenklich
blickte der Fürst ihn an und erwiderte damals:" Du bist zu jung und noch nicht eines der Schwerter würdig."
Sesshomaru dachte lange über die Aussage nach, sie ergab für ihn keinen Sinn. Ebenso über das Gespräch in den Dünen nach Taros Kampf mit Ryukotsusei. Sein Vater stellte ihm damals zwei Fragen. Weshalb es ihm nach immer größeren Kräften verlangte
und ob er jemanden beschützen wollte.
Die Antwort damals war einfach, weil er der mächtigste Youkai werden wollte, seinen Vater eines Tages übertreffen. Als Lord der westlichen Länder musste er stark sein, sein Reich regieren können, gegen Feinde bestehen. Aber jemanden beschützen? Etwa einen Menschen. Weshalb auch. Die einzigen Menschen, mit denen er Kontakt hatte, waren Wegelagerer, Banditen oder Soldaten. Einfach Abschaum, die kaum jemand vermissen würde.
Inzwischen wurde Sesshomaru noch etwas bewusst, nämlich das sein Vater mit seiner Antwort in den Dünen unzufrieden war.
Als aber bei einem Ausflug in die nähere Umgebung Inuyasha in Lebensgefahr geriet und dessen dämonische Hälfte von ihm Besitz ergriff, konnte selbst Inu no Taisho kaum noch zu dem Hanyou durchdringen. Erst als der Kleine den Griff von Tessaiga berührte,
normalisierte er sich wieder.
Danach verbrachte Lord Taro viel Zeit in der Bibliothek, unterhielt sich mit dem Floh Myouga und suchte sogar Totosai auf. Danach fasste der Fürst einen Entschluss, der dem älteren Bruder gar nicht gefiel. Der Prinz sah die Notwendigkeit ein, obwohl sich seine Zustimmung in Grenzen hielt.
Jetzt, wo er jedoch wusste, dass Taro das Schwert Tessaiga an Inuyasha weiterreichen würde, sobald der Hanyou es führen konnte, musste der Erbprinz Voraussicht walten lassen. Bis jetzt war er noch das Vorbild des Hanyous.
Doch wer wusste schon ob aus der jetzigen Bruderliebe, die der Jüngere ihm entgegenbrachte, nicht eines Tages Hass wird. In diesem Fall ergriff Sesshomaru jetzt Maßnahmen, gab bei dem alten Schmied ein Schwert in Auftrag, dass Tessaiga ebenbürtig oder stärker sein würde. Diese Waffe war auf seinen zukünftigen Reisen sicherlich auch ganz nützlich. Trotz seiner baldigen Vermählung würde er seine Pläne nicht ändern, sondern nur verschieben. Es gab noch viele Orte, die er aufsuchen wollte. Besonders das Festland. Dort gab es eine Menge starker Dämonen, mit denen er sich messen wollte. Jeder erfolgreiche Kampf gab ihm neue Stärke und damit mehr Macht. Mit einer Gemahlin und einem Erben sicherte er auch gleichzeitig die Zukunft des westlichen Reiches.

Bei seiner Rückkehr von Totosai empfing Taro seinen Sohn in der großen Halle. Wie auch beim letzten Mal saß Emi an der Seite ihres früheren Gemahls.
" Sesshomaru du wolltest über einen Termin informiert werden, wir dachten an den nächsten Vollmond.", erklärte der Fürst.
Emi sagte sehr leise so das nur Taro und ihr Sohn es hörten:" Wenn es dir recht ist, Sesshomaru."
" Dann habt ihr eine Entscheidung getroffen? Eine passende Gemahlin gefunden.", wollte der jüngere Hundedämon wissen.
Taro wechselte kurz einen Blick mit der silberweißhaarigen Dämonin an seiner Seite. Danach berichtete er:" Das haben wir. Diese Prinzessin ist, wenn man den Worten deiner Mutter glauben kann, schön zu nennen. Wie du dich ausdrücktest ansehnlich.
Außerdem ist sie im Schwertkampf bewandert und kann im Notfall eure Welpen beschützen. Eigentlich eine perfekte Gemahlin."
" Mehr verlange ich auch nicht.", erwiderte der Erbprinz. " Gibt es noch weitere Details, die ich wissen sollte?"
Taro wechselte erneut einen Blick mit der Fürstin, bevor er fortfuhr:" Ihr Name ist Saira und sie ist dem Bund nicht abgeneigt. Sie hatte bereits das vergnügen dein Porträt zu bewundern und fand großen Gefallen an dir."

Als Sesshomaru seinen Kopf wandte, wussten seine Eltern das zum ersten Mal dessen Neugierde geweckt wurde.
Tatsächlich dachte der Erbprinz gerade nach. Wenn seine zukünftige Gemahlin diese ganze Sache erfreut anging, dann gab sie sich ihm sicherlich auch freiwillig hin. Ihr gemeinsames Kind konnte er getrost in ihrer Obhut belassen. Wenn sie bereits dem Vater zugetan war, würde sie einen Nachkommen sicher ebenso schätzen. So hatte das Ganze wenigsten etwas Gutes.

Lord Taro verstand aber das Zögern seines Sohnes falsch. So bot er ihm an:" Wenn dir es noch zu früh ist den Bund einzugehen, dann solltest du es uns sagen. Wir würden deine Vermählung begrüßen, doch die endgültige Entscheidung überlassen wir dir."
Sesshomaru überlegte eine Weile sorgfältig. Sein Vater gab ihm gerade die Chance noch zurückzutreten. Doch aufgrund seiner Pläne tat er es nicht. Deshalb lautete seine Antwort:" Den Bund werde ich mit der Prinzessin eurer Wahl eingehen. Es liegt nicht in meiner Absicht, sie vor den versammelten Gästen zu beschämen, indem ich sie zurückweise. Saira wird meine Gefährtin werden."
Inu no Taisho schnappte kurz nach Luft. Zum Glück bekam es nur Emi mit.
Nur wenig später verabschiedete sich Sesshomaru und verließ den Raum. In einem der Gänge traf er den Haushofmeister und fragte ihn welche Youkais in den letzten Wochen zu Besuch im westlichen Schloss weilten. Der Hasendämon dachte kurz nach und erklärte das nur der Herrscher des südlichen Reiches, ein älterer Fuchsdämon mit seiner Gemahlin zu Gast war.
Erst als Sesshomaru gegangen war fiel dem Youkai noch die menschliche Prinzessin ein aber der Prinz hatte nur nach Youkais gefragt, deshalb nahm der Haushofmeister diesen Umstand nicht so wichtig.
Sesshomaru indessen grübelte noch eine Weile über die Aussage nach. Der Herr des Südens zeugte bisher nur Söhne, keine Tochter in dem entsprechenden Alter. Wenn diese Youkai aber sein Bild kannte, musste sie doch erst neulich zu Gast gewesen sein.
Das Bild selbst von dem sein Vater sprach hing noch nicht lange an diesem Ort, seit etwa einem halben Jahr. Es fiel ihm jedoch niemand ein der infrage kommen könnte. Bis Vollmond dauerte es nicht mehr lange, dann würde das Rätsel sicherlich gelöst.

Inu no Taisho verließ mit Emi den Saal und zog sich in seinen Arbeitsraum zurück. Hier setzte er sich nieder und stützte den Kopf in die Klauenhand. Bis zu diesem Moment hatte sich der Fürst beherrscht. Erst jetzt allein mit seiner Geliebten zeigte er Emotionen.
Sein Ausdruck zeigte deutliche Anzeichen von Verzweiflung.
" Ich fürchte ich stecke in ernsten Schwierigkeiten.", murmelte Taro plötzlich.
Etwas verwirrt wollte Emi wissen:" Weshalb? Unser Sohn ist doch noch immer einverstanden."
" Ich dachte Emi das du intelligenter bist oder hast du nur noch Augen für mich. Das ehrt mich.", begann der Fürst mit einem merkwürdigen Blick. Seit er und Emi wieder das Lager miteinander teilten sahen sie sich beide mit anderen Augen. Diesmal gab es nur Liebe keinen Zwang in ihrem Verhältnis. Deshalb nahmen sie sich vor, ebenso bei Vollmond den Bund einzugehen.
Die Hundedämonin teilte ihrem zukünftigen Gemahl mit:" Du willst darauf hinaus, das Sesshomaru vor Zeugen äußerte, den Bund auf jeden Fall einzugehen. Unser Sohn wird jetzt nicht mehr zurückstecken. Zum Glück haben wir noch einen Ausweg für ihn."
" Genau das meinte ich. Das Problem ist nur, er hat den Vertrag immer noch nicht gelesen. Wenn er es nicht bald tut, sollte ich mir besser einen Fluchtplan überlegen. Mit der ganzen Sache und seiner Äußerung habe ich ihn in eine fast ausweglose Situation gebracht. Das wird er mir nie verzeihen. "
Emi bedachte Taro mit einem abschätzigen Blick. Es klang fast so als fürchtete sich der Fürst vor seinen Sohn. Doch dann schlussfolgerte sie, dass Taro einen Kampf mit Sesshomaru vermeiden wollte, schon allein wegen Saira.
" Die Höhlen unter dem Schloss,", schlug die Dämonin dann vor." Dort sucht er dich garantiert nicht. Außerdem könnten wir uns trotzdem noch sehen."
Taro sah Emi direkt an und dann schaute er auf ihren Bauch. Noch war es nicht sicher dennoch glaubten sie beide das die Fürstin ein Kind empfangen hatte.
Jetzt nahm er deshalb Emi in die Arme, streichelte ihr über den Rücken und versprach:" Die Höhlen sind eine gute Idee. Keine Sorge ich bleibe in der Nähe, schon allein deinetwegen und unserem Kind. Du musst die Geburt nicht allein durchstehen."
Danach küssten sie sich und das eine ergab das andere. Irgendwann nach endlosen Zärtlichkeiten murmelte Taro der Dämonin ins Ohr:" Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so großen gefallen an dem Tisch finde. Neuerdings beschert er mir unglaubliche Momente."
Emi lachte leise und stimmte zu:" Dann sollten wir ihn pfleglich behandeln, damit wir noch etliche genussvolle Erlebnisse hier haben."
Sobald Emi ihn verlassen hatte, begann Inu no Taisho über einige Sachen nachzudenken. Das Wichtigste betraf Sesshomaru. Der Fürst kannte seinen Sohn nur zugut und ahnte schon, wie er sich nach der Vermählung verhalten würde.
Um dem vorzubeugen, traf er einen Entschluss. Vielleicht fand er damit eine Möglichkeit, dass Vertrauen und die Vergebung seines Sohnes, wieder zu bekommen. Er gab ihm einfach das was Sesshomaru am meisten begehrte, nicht die Schwerter, sondern etwas viel Wertvolleres.

Nur wenige Tage später traf auch Saira mit ihrer derzeitigen Ersatzfamilie ein.
Eines Abends konnte die Prinzessin nicht schlafen und wandelte durch die Gänge. Heimlich betrachtete sie noch einmal das Bildnis. Auf dem Rückweg zu dem ihr zugeteilten Gemach kam ihr der Erbprinz entgegen. Den Youkai in natura zu sehen überwältigte sie fast vor Freude. Dessen attraktives Aussehen übertraf noch das Porträt. Dieses Bild konnte dem echten Sesshomaru nicht gerecht werden. Dieser elegante majestätische Gang, die stolze Haltung. Selbst die emotionslosen Gesichtszüge taten seinem guten Aussehen keinen Abbruch. Von so einem Wesen träumten sicherlich viele Youkais oder Menschenmädchen.
Dann ging der Hundedämon nah an der Prinzessin vorbei. Sie errötete leicht, spürte ein Kribbeln im Bauch und das Herz schlug schneller. Beinahe verlor Saira sich in Wunschträumen, riss sich aber im letzten Augenblick zusammen und neigte höflich den Kopf.
Sesshomaru hing seinen eigenen Gedanken nach, sodass er diese Reaktion nicht richtig mitbekam. Nur kurz blieb er irritiert stehen, widmete dieser Frau aber keinen zweiten Blick, sondern ging gleich darauf weiter.
' Menschen.', dachte Sesshomaru nur abschätzig.

Dann rückte der Tag vor Vollmond heran. Das ganze Schloss fieberte in freudiger Erwartung. Immerhin gab es bei Dämonen nur wenige Vermählungen. Deshalb war so ein Ereignis immer eine große Sensation.
Selbst Sesshomaru spürte in sich eine leichte Anspannung. Immerhin stand er bald dem Wesen gegenüber, mit dem er in Zukunft sein Leben und das Lager teilen sollte, zumindest bis zur Geburt seines Erben.
Dann öffnete sich die große Saaltür und der General seines Vaters führte die Braut herein. Sie war vollkommen verschleiert. Sie trug keinen Kimono, sondern den Sitten ihres Volkes entsprechend lange bis auf den Boden reichende Gewänder. Dennoch konnte man einen anmutigen Gang erahnen.
Neben dem Erbprinzen blieb der General stehen, verbeugte sich kurz und ging dann zur Seite.
Sesshomaru dem es bis zu dem Zeitpunkt völlig gleichgültig schien, welche Braut seine Eltern wählten, ruckte mit dem Kopf herum. War es im ersten Augenblick schon verwunderlich, das er das Gesicht der Prinzessin nicht sehen durfte, so war der Geruch eine echte Überraschung. Das meinte sein Vater doch nicht ernst.
Beinahe hätte er auf geknurrt. Dennoch beherrschte sich der Youkai und warf nur einen Blick zu seiner Mutter. Erst in diesem Augenblick stellte er fest das sein Vater mit Abwesenheit glänzte.
Deshalb fragte er die ältere silberweiß haarige Dämonin:" Ist mein verehrter Vater unhöflich oder gibt es zwingende Gründe nicht hier zu sein."
Emi antwortete:" Du kennst ihn doch. Sobald Probleme an den Grenzen mit Drachen auftauchen, kann er nicht anders und sorgt für Frieden.", dabei versuchte sie ihre Stimme neutral zuhalten, als ob es ihr gleichgültig war.
Probleme mit Drachen? Davon hörte er nichts. Wohl eher ein Problem mit seinem Sohn. Doch das sprach der Hundedämon nicht aus.

Deshalb musterte er jetzt diesen verschleierten Menschen neben sich. Noch hatte die Zeremonie nicht angefangen. Was sollte er tun. Sein Vater konnte doch nicht ernsthaft glauben, dass er den Bund mit einem Menschen einging.
Der Zeremonienmeister sah den Erbprinzen an und räusperte sich dann:" Verzeiht Herr aber im Vertrag steht, dass ihr eure zukünftige Gemahlin vor der Vermählung den Schleier abnehmen dürft, um ihr Gesicht zu betrachten."
' Im Vertrag', durchfuhr es Sesshomaru. Mit einem Schlag wurde ihm sein Versäumnis bewusst. Dieses Schreiben lag unbeachtet in seinen Gemächern. Er fragte sich gerade, was noch so alles dadrin stand. Jetzt war es zu spät.
Dennoch hob er seine Hand und entfernte den zarten Stoff vom Gesicht der unbekannten Frau. Auf den Anblick war er nicht vorbereitet. Seine zukünftige Gemahlin hatte braune lockige Haare, die bis zur Hüfte reichten. Ihre blauen Augen faszinierten den Prinzen sofort. Dann entdeckte er die kleine Narbe, hob seinen Finger und strich sanft darüber." Woher stammt sie?"
Saira erschauerte. Diese einfache Berührung ging ihr unter die Haut. Schnell erklärte sie:" Eine Unachtsamkeit beim Schwerttraining mit dem edlen Lord Taro. Anstatt mich in Tagträumen zu verlieren, hätte ich den Schlag abwehren sollen."
" In einem echten Kampf hätte es deinen Tod bedeuten können.", gab Sesshomaru zurück. Es lag keine Sorge darin eher Tadel.
Ein sanftes Lächeln huschte dem Menschenmädchen über das Gesicht:" Damals war ich ein 12 jähriges Mädchen voller dummer Träume. Ich trage die Narbe mit stolz, sie erinnert mich daran niemals meine Achtsamkeit zu vergessen. Außerdem hat euer Vater vielmehr darunter gelitten."
Sesshomaru bedachte die Prinzessin zum Schluss mit einem undefinierbaren Blick bevor er sich zu dem Youkai wandte, der die Verbindungszeremonie durchführte.
Weder dieser Youkai noch die Anwesenden schienen eine Ahnung zu haben, dass sich der Erbprinz mit einer menschlichen Prinzessin vermählen wollte. Nachdem er Sairas Schleier abnahm, hörte er nur zu deutlich das Gemurmel der Gäste und Schlossbewohner. Vermutlich gab es nur einen Schuldigen, sein Vater. Immerhin arrangierte der Fürst alles. Wenn Sesshomaru aber seine Mutter heimlich beobachtete, war die ältere Youkai auch etwas nervös. Hatte Emi ein schlechtes Gewissen, war sie in alles eingeweiht? Vermutlich.

Dann dachte Sesshomaru wieder an Saira. Die Prinzessin sah tatsächlich ganz ansehnlich aus. Die Narbe verunzierte sie nicht. Außerdem ging sie den Bund freiwillig ein. Weshalb hatte er nicht schon vor einigen Tagen Verdacht geschöpft. Saira befand sich im Gefolge dieses menschlichen Fürsten, der mit seiner Familie einige Tage hier im Schloss zu Besuch weilte und den man jetzt unter den Anwesenden fand.
Dennoch sahen sie sich heute nicht zum ersten Mal. In einem Gang begegnete der Prinz ihr kurz. Als Saira an ihm vorüberging schenkte sie ihn das gleiche Lächeln wie auch jetzt. Diese blauen Augen strahlten dabei. Den Geruch nach Blumen fand er ebenso angenehm. Wenn sie nur kein Mensch wäre.
Als Konkubine hätte er sie vielleicht geschätzt aber als seine Gemahlin und Mutter seines Erbens. Niemals. Hanyous waren schwache Geschöpfe, nicht einmal davor gefeit den Verstand zu verlieren, wenn das Dämonenblut überhandnimmt.
Was bezweckte sein Vater mit dem Ganzen. Dessen Handeln konnte der Prinz nicht nachvollziehen. Wenn Saira eine Youkai wäre, würde ihn der Umstand glücklich machen, doch ein Mensch? Ein weiteres Problem war seine Äußerung seinem Vater gegenüber. Sie fand vor Zeugen statt, deshalb gab es kein zurück für ihn, ansonsten büßte Sesshomaru an Glaubwürdigkeit ein. Gerade als er sich mit seinem Schicksal abfinden wollte, kam dem Prinzen etwas in den Sinn. Einen Vorteil hatten Menschen. Sie alterten schnell und starben. Weshalb dann nicht warten. Beinahe hätte Sesshomaru gelächelt.
Egal wie lange er jetzt nachgrübeln würde, jeder im Saal erwartete seine Entscheidung. So befahl er:" Beginnt mit der Vermählung!"
Da sich Sesshomaru auf den Youkai konzentrierte entging ihm wie sich Emi abwandte und zu einer verborgenen Nische schaute. Dort stand Inu no Taisho, mit einem leichten Stirnrunzeln und beobachtete die Zeremonie.

Die ganze Zeit strahlte der Erbprinz eine stoische Ruhe aus. Nur ein ganz aufmerksamer Beobachter würde sehen, wie sehr er versuchte sich zu beherrschen.
Offensichtlich log sein Vater nicht, was Sairas Interesse anging. Sie schien wirklich sehr angetan von ihm. Ganz spurlos ging ihre Nähe an ihm auch nicht vorüber. Gelegentlich streifte sein Blick über die Prinzessin. Immer wieder musste er sich erinnern, dass sie
nur ein schwacher nutzloser Mensch war, ebenso vergänglich wie diese ganze Rasse.
Dann zum Schluss, als die Verbindung theoretisch vollzogen war, kam der Prinz erneut in einen kleinen Konflikt.
Sesshomaru blickte auf seine neue Gemahlin. Musste er sie jetzt küssen. Niemals. Deshalb packte er ihre Schultern und drehte sie etwas. Dann beugte er sich so zu ihr das es den Anschein hatte. Aber anstatt ihre Lippen in einem Kuss einzufangen, flüsterte er:
" Ich habe nicht die Absicht einen Menschen zu küssen. Was immer mein Vater geplant hat, es wird nicht aufgehen."
" Noch nicht.", flüsterte sie ebenso leise zurück.
Die einzige Reaktion darauf war ein kalter Blick aus geschmälerten Augen. Danach hob der Prinz seine neue Gemahlin hoch und ging mit ihr aus dem Saal. Jeder erwartete, dass die frisch Vermählten ihr gemeinsames Gemach aufsuchten, wo Sesshomaru zum ersten Mal seine Gefährtin beschlief um den Bund zu vollziehen.
Doch der Hundedämon hatte bereits andere Pläne. Ganz oben auf der Liste stand das Lesen eines Vertrages.

Kaum das der Saal geleert war kam Fürst Taro aus seinem Versteck. Nachdenklich sagt er als Erstes zu Emi:" Unser Sohn plant etwas. Diesen Blick kenne ich nur zugut."
Dann lächelte er die Hundedämonin an und befahl dem Zeremonienmeister:" Da ihr gern eurer Aufgabe nachkommt, dürft ihr uns beide ebenso vermählen. Ich bin sicher ein drittes Mal müsst ihr es nicht tun."
Der Youkai schmunzelte etwas. Das Fürstenpaar diesmal hier stehen zusehen deutete auf eine neue Art des gemeinsamen Lebens hin. Er sah, welche Liebe plötzlich zwischen ihnen herrschte, deshalb konnte er sich sicher sein. Dieser Bund währte bis in die Ewigkeit.

4. Kapitel Der Schein trügt.

Saira findet eine Dienerin und gewinnt damit eine Vertraute, schafft sich aber gleichzeitig auch eine Feindin...