Hiko Feuerkind

5. Kapitel - Der nächste Schritt

Nachdem Saira enttäuscht in ihr Gemach zurückkehrte versuchte sie sich eine neue Möglichkeit zu überlegen. Eigentlich konnte sie froh sein das ihr Gemahl offenbar keine Geliebte hatte. Doch damit war ihr nicht wirklich geholfen. Wenn sie es nicht schaffte, ihn körperlich zu verführen, vielleicht gab es da andere Dinge. Der Prinz war ein Krieger, doch sicherlich würde er sich nicht dazu herablassen mit einer Menschenfrau in der Arena zu üben. Ob er mit ihr eine lange Wanderung durch das Reich unternehmen würde, war ebenso fraglich. In Begleitung von Leibwächtern stand es der Prinzessin frei, mit einem Pferd auszureiten. Vielleicht sollte sie um die Gesellschaft ihres Gefährten bitten. Eine Option, die sie sich für die nächsten Tage vornahm.

Am Abend riss ein klopfen die junge Frau aus ihren Gedanken. Eine ältere rothaarige Dämonin stand vor der Tür.
" Verzeiht Prinzessin. Ihr seid auf der Suche nach einer Konkubine. Vielleicht kann ich euch helfen.", begann diese freundlich.

Saira blickte sie mit einem finsteren Ausdruck an:" Eine Möchtegern Konkubine reicht mir.", kam von ihr und damit schloss sie die Tür.
Doch die Youkai hatte ihren Fuß in den Spalt gestellt und hinderte die Prinzessin an ihrem Vorhaben. Sie lachte leise und erklärte:" Mein Name ist Hiko. Jetzt bin ich zwar die Gefährtin des Generals aber in jungen Jahren bin ich die Geliebte eines Lords gewesen."
Sie entstammte einem südlichen Fuchsclan, soviel wusste Saira. Sie hatte einen hochrangigen Gefährten im Schloss. Deshalb dachte sie erst eine andere Dämonin wollte ihr auch nur einen Bären aufbinden. Doch vielleicht entsprach alles der Tatsache. Sie anzuhören schadete vermutlich nicht. Nachdenklich musterte Saira das Wesen eine Weile, dann ließ sie die Rothaarige eintreten.
" Ihr seid eine Konkubine gewesen?", wollte die Prinzessin wissen.
Die Youkai bestätigte:" Meine Herkunft ist nicht ohne Makel, deshalb fand ich keinen Gemahl, bis dieser Lord mir seine Aufmerksamkeit schenkte. Nach seiner Vermählung schob er mich ab. Ohne den General, wer weiß, was aus mir geworden wäre. So kann ich mich glücklich schätzen und ich weiß, dass ich um meinetwillen geliebt werde.", hier legte die Rothaarige eine kurze Pause ein und fügte dann hinzu:" Das ist doch auch in eurem Interesse edle Prinzessin. Deshalb solltet ihr nicht wie eine Konkubine handeln, indem ihr euch aufreizend kleidet oder gar seine körperlich Nähe sucht."
Beide Wesen hatten sich niedergelassen und saßen bequem auf einem Berg Kissen, Saira höher als die Gefährtin des Generals.
Während Hiko sprach sah sich die Menschenfrau die Dämonin genauer an. Ihr Alter entsprach sicherlich beinahe dem doppelten von Emi. Dennoch stand sie erst in der Blüte ihres Lebens und sah immer noch schön aus. Als Mensch konnte man Dämonen zwecks ihrer Lebenserwartung beneiden, doch darüber dachte Saira gerade nicht nach. Sie fragte:" Welche Vorschläge habt ihr für mich?"

Hiko lächelte und begann dann ihre Ratschläge zu offenbaren:" Zeigt eurem Gemahl, das ihr existiert. Seid an den Orten, wo auch er ist. Dabei dürft ihr ihm nicht nachlaufen, sondern müsst schon vorher da sein. Dann entlastet ihn von einigen Verpflichtungen, indem ihr sie selbst übernehmt, aber handelt in seinem Sinn."
" Also Dinge die eine zukünftige Fürstin tut.", fragte Die Prinzessin nach.
" So meine ich das. Sesshomaru hat als Erbprinz noch nicht so viele Aufgaben, deshalb ist es nicht viel, was ihr tun könnt. Doch es gibt sicherlich noch andere Dinge. Findet heraus, welche Interessen er hat, zeigt ihm das auch euch etwas daran gelegen ist."
Um es zu verdeutlichen, erzählte sie wie es ihr gelang die Aufmerksamkeit des Generals zu gewinnen, wenn es auch eher zufällig geschah.
Noch während die Youkai berichtete fand Saira weitere Möglichkeiten. Kleinigkeiten zwar nur aber wenn ihr Plan aufging, würde Sesshomaru nur noch ihr Bild vor Augen haben. Tag und Nacht an sie denken. Sie würde dafür Sorgen, dass sie ihm in unvergesslicher Erinnerung blieb. Wenn es so weit war, würde ihr geliebter Prinz ihr nicht mehr widerstehen können, hoffte sie.
Wenig später verabschiedete sich Hiko mit dem versprechen der Prinzessin weiterhin gute Ratschläge zu erteilen.

Indessen saß Inu no Taisho unter dem Schloss in einer der Höhlen. Er wählte absichtlich eine der Äußeren. So konnte er jederzeit schnell ins Freie durch einen versteckten Zugang. Im Moment beschäftigten ihn zwei Dinge. Das Schwert Tenseiga verweigert ihm seine Dienste. Das letzte Mal hat er es benutzt um Izayoi zuretten. Doch als er am Vormittag im Wald eine seiner Übungen absolvierte, tötete er versehentlich ein weibliches Tier. Weil es gerade Junge geworfen hatte, wollte der Fürst es wiederbeleben. Doch das Schwert reagierte nicht. Den Grund konnte sich Taro nicht erklären. Deshalb sah er es als notwendig an, den Schmied zu besuchen.
Ein weiterer Umstand, der ihn beschäftigte, Sairas Vater. Noch immer verstand der Daiyoukai nicht wie dieser seine Tochter einfach so, wegen dem eigenen Leben verschenken konnte. Ein Verdacht kristallisierte sich heraus.
Kaum betrat seine Gefährtin die Höhle um Neuigkeiten aus dem Schloss zubringen begann der Lord über seine Vermutung zusprechen. " Die ganze Zeit lässt mich ein Gedanke nicht los. Weshalb Sairas Vater mir seine Tochter als Konkubine schickt. Ein wertvolles Geschenk. Ich glaube in seinen Augen wäre das eher eines seiner edlen Pferde gewesen."
Emi ließ sich von ihrem Gemahl in die Arme nehmen. Dann wollte sie wissen:" Worauf willst du hinaus?"
Während Taro seine Fürstin auskleidete, teilte er seinen Verdacht mit:" Was ist wenn Saira in Gefahr wäre?"
" Das wäre eine Möglichkeit aber dann hätte Saira es uns doch mitgeteilt. Sicherlich ist das weit hergeholt", versuchte Emi die Idee zu widerlegen.
Doch Taro hielt daran fest. Sein nächstes Argument überzeugte die Fürstin. " Vermutlich kennt sie diese Gefahr gar nicht. Stell dir vor es, handelt sich dabei um unsere Tochter. Da gibt es etwas oder jemand der sie bedroht. Was tust du. Du schickst sie zu einem Wesen, das unser Kind beschützen kann."
" Jemanden wie dich.", kam von Emi, was schon fast als Zustimmung zu werten war. Doch dann brachte sie den nächsten Zweifel vor: " Aber als Konkubine?"
" Ja, weil dieser Dämon der Einzige ist, der sich weder Sklaven hält noch Konkubinen. Dieser jemand würde die versteckte Botschaft erkennen. ", antwortete Inu no Taisho. Dann leiser:" Nur dass ich wohl in dem Punkt versagt habe."

Diesmal kam nicht sofort eine Antwort von der Dämonin. Sie sah nur lange ihren Gemahl an. Dessen Argumente waren nicht von der Hand zu weisen. Sairas Vater kannte Taro sehr gut und schätzte ihn. Einer der wenigen Menschenfürsten auf dem Festland, der diese Freundschaft schon seit Jahren aufrechterhielt. Emi selbst begegnete ihm nur einmal, als dieser noch sehr jung war. Ein ehrlicher, stolzer Fürst, der nie die Belange seines Reiches unter seine eigenen Interessen stellte. Im Grunde genommen ehrbar.
Im gleichen Moment fiel der Fürstin noch eine Bemerkung ein, die sie ihrem Sohn gegenüber äusserte.
" Oh je. Das würde ja bedeuten, dass sie wirklich in Gefahr ist.", entfuhr es ihr. Auf einmal beugte sich Emi zur Seite, stützte ihr Kinn in eine der Hände und seufzte.

Ihr Gemahl schmälerte seine Augen:" Emi diesen Blick kenne ich nur zugut. Was hast du diesmal angestellt?"
Sie erschrak etwas und sah Taro an. Dieser erwiderte den Blick mit einer abwartenden Haltung. Die Fürstin erklärte:" So etwas Ähnliches habe ich unseren Sohn gesagt. Dass wir das Gerücht streuen könnten, der Bund dient nur zu Saira Sicherheit. Es lag in meiner Absicht zu vermeiden, dass man unsere kleine Prinzessin bedauert nur weil Sesshomaru zu stolz ist einen Menschen zu beschlafen."
Der Geruchsinn von Dämonen, besonders Hunden hatte den Nachteil, dass sie alles riechen. Jeder im Schloss wusste, das der Prinz sein Lager nicht mit seiner Gemahlin teilte. Das inzwischen ein Gerücht zwecks einer Geliebten kursierte drang bis jetzt noch nicht an Emis Ohren.
" Deine Idee ist gut. Immerhin gibt es nur vier Wesen, die von dem kompletten Vertrag wissen, selbst der Zeremonienmeister kennt nur diesen einen Punkt.", lobte Taro seine Gemahlin.
" Dann werde ich das Gerücht streuen. Doch damit spielen wir unserem Sohn in die Hände. Jetzt wo er jedes Detail der Vereinbarung kennt, schmiedet er schon Reisepläne.", gestand dann diese.

Sofort ließ sich Taro alles erzählen. Nun trat genau das ein, was er befürchtete. Da er Totosai aufsuchen wollte, konnte er die Sache mit dem Schwert für den Erbprinzen regeln. Ein Wort von Inu no Taisho genügte und es würde nie geschmiedet. So fasste er seinen nächsten Schritt in Worte:" Also hat unser Sohn jetzt Kenntnis von den Details. Dann müssen wir ihn hindern das Schloss zu verlassen. Als Erstes werde ich Totosai aufsuchen und ihn bitten dieses Schwert zu vernachlässigen."
" Ich habe das Gefühl, das dir sehr viel daran liegt, dass unser Sohn den Bund mit Saira vollzieht." schlussfolgerte Emi und äußerte ihren Verdacht somit.
Diesmal lächelte Taro geheimnisvoll, als er erläuterte: " Weißt du ich bin sicher das Saira genau die Richtige ist um Sesshomaru die Augen über Menschen zu öffnen. Sie passen beide zusammen. Eines Tages wird unser Sohn das erkennen. Und was den Erben angeht, bist du doch diejenige, die mich auf diesen einem Umstand hingewiesen hat."
Trotz ihres Gespräches liebkosten und streichelte sich das Fürstenpaar gegenseitig. Taro umfasste sanft die Brüste seiner Gemahlin und neckte sie mit den Fingern, dann zogen seine Lippen feuchte Spuren durch das Tal dazwischen den Bauch hinab. Plötzlich unterbrach er sein tun und konzentrierte sich auf Emis Mitte. Beinnahe ehrfürchtig strich er dann mit seiner Hand zärtlich über den Bauch und sagte:" Du hast empfangen. Ich spüre ganz schwach eine zweite dämonische Energie bei dir."

Die Dämonin legte nun selbst ihre Klauenhand an die gleiche Stelle. Sie staunte erneut, wie früh ihr Gemahl das erkennen konnte. Er war wohl einer der wenigen Youkais der bereits so einen Hauch von Leben spürte. Doch ihre eigenen Gefühle überwältigen Emi. Sie bereute nicht, den Schritt gegangen zu sein. Nun besaß sie einen Gemahl, der sie liebte, und würde bald ein weiteres Kind haben. Deshalb flüsterte sie nun:" Es macht mich glücklich."
Inu no Taisho hielt Emi im Arm und gab ebenfalls zu:" Mich ebenso, meine geliebte Gemahlin."

Viel später kam die Fürstin noch einmal auf Sairas Vater zusprechen. " Wegen unserer Prinzessin. Sollten wir nicht Maßnahmen ergreifen, wenn sie wirklich in Gefahr ist?"
" Das werden wir. Ich spreche mit dem General und danach werde ich Sairas Vater aufsuchen müssen. Leider dauert diese Reise einige Zeit, mehrere Wochen, vielleicht Monate. Zeit, die ich eigentlich nicht von dir fernbleiben wollte."
" Ja aber wenn dein Verdacht richtig ist, musst du die Umstände herausfinden. Vielleicht könnte es wichtig sein.", riet die silberweiß haarige Youkai eindringlich.
Dies sah der Fürst auch ein. Es lag immerhin in seinem Interesse. Dennoch gab es da eine Kleinigkeit, die er bedauerte. " Und das Baby Emi? Mein Versprechen.", erinnerte Taro.
Nur kurz dachte die Dämonin nach. Sie legte ihre Hand an die Wange ihres Gemahls, während sie sagte:" Wie ich dich kenne wirst du es halten. Selbst bei Inuyashas Geburt hat dich nicht einmal deine schwere Verwundung oder das Schloss voller Soldaten aufhalten können."
Danach gab es keine großen Worte mehr zwischen ihnen. Noch am selben Tag begab sich der Fürst zu Totosai. Nach seiner Rückkehr bat er Emi um einen Gefallen. Anschließend suchte Taro das Gespräch mit dem General und setzte diesen von der geplanten Änderung in Kenntnis. Bald darauf reiste Inu no Taisho ab.

Um den Auftrag ihres Gemahls auszuführen, suchte Emi ihren Sohn auf. Dieser befand sich gerade in einem Gespräch mit seiner Gemahlin.
Sesshomaru hatte sie in die Bibliothek bestellt, um seine zukünftigen Pläne mit ihr zu besprechen.
Saira trug einen fürstlichen Kimono aus edlen Stoffen und mehrere Lagen. Es war sehr ungewohnt diese Kleidung auf dem Körper zu spüren, vor allem das Gewicht. Ihre eigene Kleidung bezeichnete man eher als leicht und luftig, trotz das ihr Körper immer vollständig verhüllt war.

Kaum betrat Saira den Raum, sah der Prinz von der Landkarte auf. Würdevoll, das war der erste Eindruck den Sesshomaru von seiner Gemahlin bekam.
Bestimmt würde sie niemanden erzählen, dass sie zusammen mit ihrer Dienerin den ganzen Tag geübt hatte, bis sie ihre Schritte beim Tragen des Kimonos auf diese Weise setzen konnte. Elegant ließ sie sich nach Aufforderung nieder.
Die Prinzessin lächelte etwas. Sicherlich hatte sie mit ihrem Auftritt gerade ihren Gemahl überrascht. Zu deutlich bekam sie mit, dass sein Blick länger als gewöhnlich auf ihr ruhte. Für einen kurzen Moment gab es auch in den goldenen Augen einen leichten Schimmer, als ob sie wärmer strahlten.
In der Tat huschte der Hauch von Bewunderung durch seine Gedanken. Doch nur weil sich seine Gemahlin wie eine Japanerin kleidete, würde er seine Pläne nicht ändern. So teilte er mit:" Sobald mein neues Schwert was ich in Auftrag gab, fertig ist werde ich abreisen. Bereits vor unserer Vermählung plante ich einige Reisen, die ich nun nicht länger aufschieben möchte."
" Das hat nicht zufällig etwas mit einer bestimmten Klausel in unserem Vertrag zutun." Saira musste die Frage einfach stellen.
Doch wie immer zeigte Sesshomaru keine Reaktion. Deshalb fügte sie hinzu:" Dich zu bitten deine Reise aufzuschieben oder meine Begleitung zu akzeptieren ist vermutlich sinnlos."
Nun ließ sich der Prinz doch zu einer Bemerkung herab: " Ich verbleibe nicht länger als nötig im Schloss."
Keiner von ihnen bemerkte wie Emi lautlos eintrat. Erst als ihre Stimme erklang, hatte sie die Aufmerksamkeit des Prinzenpaares: " Sesshomaru, ich enttäusche dich nur ungern, doch das wirst du müssen."
Gleich fügte die ältere Fürstin hinzu, die ihrem Sohn ebenso ein Dokument überreichte:" Gratuliere. Dein Vater hat dich soeben zum neuen Lord der westlichen Länder ernannt."

6. Kapitel - Erfüllte Wünsche?

Emi hört Gerüchte und lässt sich zu einer impulsiven Handlung hinreißen. Demzufolge wird auch der Unmut des neuen Lords der westlichen Länder geweckt.