„Sag mal, wie kamt ihr eigentlich darauf, das Thema ‚abendliches Rumknutschen auf des Tränkemeisters Couch' näher zu beleuchten", wollte Hermine einige Zeit später am Abend wissen und spielte dabei kopfschüttelnd mit Severus Haaren, „ich dachte die zwei wollten die Geschichte von gestern zu Ende vorgelesen bekommen, darin kam meines Wissens nach doch gar kein Sofa vor?"
„Wie man es nimmt", überlegte Severus und streichelte im Gegenzug ihren nackten Arm auf und ab, „Als ich meinem väterlichen Auftrag nachgekommen bin und sich das junge Glück in der Geschichte endlich in trockenen Tüchern befand, kam Deiner schlauen Erstgeborenen anstatt zu schlafen eine sehr philosophische Fragestellung in den Sinn, die wir dann natürlich noch ansatzweise beleuchten mussten."
„Aha! Eine philosophische Sofabetrachtung also und wo kommen die speziellen Aktionen auf der Couch ins Spiel?"
„An der Stelle wo es um das Glücklichsein ging", erklärte Severus und überlegte, ob er die Decke über Hermines rechte Brust ziehen sollte, entschied sich aber dagegen, der Anblick war zu schön, „Eileen wollte nämlich wissen, wie das so ist, mit dem ‚… und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende'."
„Und da hast Du ihnen erklärt, dass alle Prinzen und Prinzessinnen nach der Hochzeit nur noch auf der Couch herum liegen und miteinander knutschen?", lachte Hermine.
„Nein, natürlich nicht! Obwohl das nicht die schlechtesten Zukunftsaussichten sind, wenn man denn eine bequemere Couch hätte!", seufzte er und rückte prüfend hin und her.
„Lenk nicht ab, die Couch ist super, erzähl lieber von vorne!", verlangte Hermine.
„Ja, das ist wohl besser!", nickte Severus brummend und fasste mit wenigen Sätzen, äußerst eloquent, wie ihm schien, die wichtigsten Eckpunkte der Geschehnisse zusammen, während seine Frau sehr interessiert seinen Schilderungen lauschte. Schade nur, dass sie dabei das nette Kraulen seines Nackens einstellte.
„… Also hat Eileen mir dringend geraten, Dich um Hilfe bei der Beantwortung der Frage zu bitten, denn immerhin wären wir ja verheiratet und müssten es wissen", schloss Severus seine kurze Zusammenfassung ab.
„So, so, und was hast Du geantwortet?", wollte Hermine gespannt wissen und widmete sich nun seiner Brust.
„Das verrate ich erst, wenn Du mir sagst, was Du geantwortet hättest", erwiderte ihr Mann schlau.
Hermine lachte belustigt auf, „Ach ja, ich hätte beinahe vergessen, dass ich ja anstatt des Prinzen, einen alten, gerissenen Slytherin geheiratet habe!"
„Sehr richtig, meine Liebe, ein Umstand der Dir übrigens schon vor dem ‚Ja', wohlbekannt war!", grinste Severus unbeeindruckt und sah sie dann gespannt an, „Also, was hättest Du gesagt?"
„Nun, dann lass mal überlegen", Hermine schob, wie ihre Tochter vorhin, ihren linken Arm unter den Kopf und legte ihre Stirn in ernste Denkfalten.
Ihre Überlegungen dauerten sehr lange und dass sie dabei auch ihre rechte Hand nachdenklich ans Kinn legen musste war auch alles andere als erquicklich!
„Wie lange musst Du denn da überlegen?", erkundigte sich daher Severus nach einer Weile unwillig.
„Tja, das ist eben eine schwierige Frage!", verteidigte sich Hermine, schaute ihn mit verstecktem Grinsen schräg von der Seite her an und behauptete glatt, „Ach, weißt Du, wenn ich so recht nachdenke, ich kann mich gar nicht mehr richtig erinnern…"
„Wie bitte?", empörte sich Severus erschüttert und rückte deutlich von ihr ab, jedenfalls soweit es auf dieser schmalen Couch ging.
„Es ist ja schon eine ganze Weile her", erklärte Hermine entschuldigend, „aber vielleicht kannst Du Dich ja noch daran erinnern."
„Ich? Ich soll mich besser daran erinnern, als Du? Dabei behauptest Du doch dauernd, dass ich alt wäre!"
„Ja, das ist ja auch so", nickte Hermine bester Laune, „aber im Alter soll ja besonders das Langzeitgedächtnis sehr präsent sein!"
„Du bist unverschämt, das ist Dir schon klar!", entrüstete sich ihr alter Ehemann.
„Nun, vielleicht ein bisschen", gab Hermine gerne zu, „so was lernt man ganz schnell hier unten in den Kerkern! Also, was ist, hilfst Du mir?", sie klimperte Mitleid heischend mit den Augenlidern.
„Wenn es denn sein muss!", stöhnte Severus.
„Wirklich sehr hilfsbereit von Dir, mein Lieber!", grinste Hermine zufrieden.
„Denk nur nicht, dass ich das ohne Gegenleistung tue!", stellte Severus klar und sein Blick ließ Schlimmes erahnen.
„Auch nichts Neues bei Euch Slytherins! Aber an welche Gegenleistung hast Du denn da so gedacht?", erkundigte sich Hermine besser gleich.
„Das überlege ich mir noch und werde es Dir zu gegebener Zeit gerne mitteilen!" meinte Severus ausweichend, denn bei dieser Frau musste man sich alle Optionen offen halten, „aber ein Glas Rotwein wäre schon mal ein guter Anfang."
„Ja, das geht klar, ein Wein soll ja auch anregend wirken", war Hermine sofort einverstanden und verließ ihren schönen warmen Platz an seiner Seite, um sich schnell in sein Oberhemd zu hüllen und nach den Weinvorräten zu schauen. Sie kam mit einer guten Flasche französischem Bordeaux und zwei Gläsern zurück.
„Sehr schön!", freute sich Severus und rieb sich die Hände, „wo soll ich denn beginnen?"
„Im Alltag nach dem ‚Ja-sagen'", meinte Hermine und goss ihm und sich selbst ein Glas ein.
„Gut! Dann lass mich mal nachdenken. Nach dem Ja-sagen kam Australien", begann Severus, schlug einladend ihre rote Decke zur Seite und nahm ihr beide Gläser ab, damit sie sich wieder zu ihm gesellen konnte.
„Genau", Hermine nickte zustimmend, als sie wieder neben ihm Platz genommen hatte. Sie nahm ihm lächelnd ein Glas ab und stieß mit ihm an.
„Hm", machte Hermine, „eine gute Wahl."
Auch Severus nickte zustimmend und ergänzte, „Genau wie die Hochzeitsreise, nicht wahr?"
„Oh ja", seufzte Hermine glücklich. Wirklich, da gab es gar keinen Zweifel, diese Woche in Australien gehörte zu seinen schönsten Erinnerungen und selbst wenn die Temperaturen dort für seinen Geschmack deutlich zu hoch gewesen waren, alles andere war einfach perfekt gewesen.
„Und nach dieser wundervollen Woche, die Du fast zur Gänze im Wasser verbracht hast", fuhr Severus fort.
„Oder genau so oft in unserem wohltemperierten Schlafzimmer", ergänzte Hermine geflissentlich.
„Ja, auch das", grinste Severus genüsslich, „kam der Beginn Deiner Meisterzeit bei Filius."
„Allerdings", grummelte sie und warf ihm einen sehr bezeichnenden Blick zu „und ich muss es immer mal wieder erwähnen, dass dies zu meiner ersten Meisterzeit ein Unterschied wie Tag und Nacht gewesen ist!"
„Ich weiß gar nicht was Du meinst!", tat Severus völlig unwissend.
„Natürlich nicht, Du alter Quäler!", säuselte Hermine, „Es begann schon damit, dass mein zweiter Meister wenigstens an meinem ersten Tag anwesend war und sich ehrlich gefreut hat mich zu sehen!"
„Der hatte ja auch noch keine Erfahrungen mit Dir als Meisterschülerin!", verteidigte sich Severus sogleich.
„Du damals auch nicht!", konterte Hermine, „Außerdem war ich nach drei Monaten auch nicht dermaßen am Ende meiner Kräfte, wie bei Dir."
„So? Ich meine mich aber deutlich daran zu erinnern, dass es Dir nach sechs Monaten nach Beginn Deiner Meisterzeit bei Filius deutlich schlechter ging, als im vergleichbaren Zeitraum bei mir oder täusche ich mich da?", entgegnete Severus.
„Oh, nein, da hast Du wohl recht", gab Hermine stöhnend zu.
„Es stimmt immer, was ich sage", behauptete Severus arrogant, „aber wir wollen der ganzen Geschichte nicht zu sehr vorgreifen, also der Reihe nach. Du hattest also einen neuen, sehr laschen Meister"
„Nein, ich hatte einen neuen, sehr netten und sehr unterstützenden Meister", korrigierte ihn Hermine, „Und zur Abwechslung einer, der mich ganz oft gelobt und mich bestärkt und nicht ständig niedergemacht hat!"
„Wie ich schon sagte, nicht alle Meister zeigen den gleichen Einsatz zum Wohle ihrer Schülerinnen und Schüler!", war Severus auch weiterhin völlig unbeeindruckt.
„Soso!", schnaubte Hermine, „ich glaube ja eher, dass er sogleich erkannt hat, was er an mir hatte."
„Na", meinte Severus skeptisch, „es ist doch wohl eher so, dass Du bei ihm einige entscheidende Dinge weggelassen hast."
„Ach, und was sollte das sein?"
„Er musste nicht zusammen mit Dir in einem mehr als mickrigen Zelt schlafen, Du hast ihn nicht unbedingt vor Stieren beschützen wollen und ihn nicht auf diverse Berge geschleppt!"
„Nein, denn das heb ich mir nur für ganz besondere Menschen auf!", kicherte Hermine mit einem kleinen Seufzen, „Aber dafür war ich mit Filius auf dem Mond und auf dem Meeresgrund!"
„Pf, wer will denn da schon hin!", behaupte Severus abfällig.
„Hallo? Generationen von Menschen träumten genau davon!"
„Nein, Generationen von Muggeln träumten vielleicht davon, aber die träumten auch vom Fliegen!", verbesserte sie Severus.
„Trotzdem! Es war gar nicht schlecht, absolut nicht! Aber mir fällt noch ein Unterschied ein!", antwortete Hermine und zog ihn zu sich herunter.
„Und der wäre?"
„Er hat mich nach meiner Meisterzeit bei ihm nicht heiraten müssen!"
„Das wäre rein formal auch nicht gegangen, Miss Granger, da selbst in Zaubererkreisen Bigamie nicht gestattet ist", entgegnete Severus, nutzte aber die Gelegenheit sie kurz zu küssen.
„Schade, zwei Männer hätte doch auch was", sinnierte Hermine mit breitem Grinsen, als sie den Kuss löste.
„Wie bitte? Nein! Ganz gewiss nicht", schüttelte Severus erst energisch den Kopf, bevor ihm ein netter Gedanke kam, „wobei, zwei Frauen vielleicht eine nicht uninteressante Variante wären…"
„Das mit den zwei Frauen kommt auch erst später", lachte Hermine.
„Stimmt", stöhnte Severus, „und ich muss zugeben, dass ich mit der einen Frau damals schon alle Hände voll zu tun hatte, denn sie steht im Ruf ein wenig hyperaktiv zu sein!"
„Das ist doch auch kein Wunder, es war ja alles so spannend und aufregend!", antwortete Hermine ganz begeistert und bekam glänzende Augen, „Weißt Du noch, was Filius und ich für wundervolle Pläne für das Jahr gemacht haben!" Sie seufzte tief auf. „Wir wollten uns die Raumzauber nochmals genau anschauen und auch die Alarmzauber vertiefen. Die Haushaltzauber vielleicht ein wenig streifen, um dann zu den wirklich schwierigen und kniffligen Dingen zu kommen, den Zaubersprüchen und Zauberrätseln, den Beschwörungen, Flüchen und Verwünschungen, den Duellzaubern und der hohen Zauberkunst."
Hermines Augen strahlten noch heute, wenn sie davon berichtete. Geistige Herausforderungen aller Art machten ihr seitjeher einen unglaublichen Spaß und Severus wusste noch genau, mit wie viel Schwung und Begeisterung sie sich in ihre zweite Meisterzeit geworfen hatte.
Jeden Abend berichtete sie ihm eingehend von ihren Projekten, legte ihm Zaubersprüche und deren Kniffe haarklein auseinander, diskutierte mit ihm Unstimmigkeiten aus und besprach mit ihm ihre Pläne für den nächsten Tag und er gab es nicht gerne zu, aber er lernte ein Menge durch sie und er war wegen Hermines leuchtenden Augen auch nicht wenig eifersüchtig auf Filius.
Doch dem kleinen Filius Flitwick konnte man im Grunde genommen nicht böse sein, denn dessen eigene Freude über Hermines Eifer und Enthusiasmus war ebenso erfrischend und sogar ein wenig ansteckend und er genoss die gemeinsamen Mahlzeiten mit den beiden tatsächlich sehr.
„Eure wilden Pläne hätten locker drei Meisterzeiten gefüllt", brummelte Severus belustigt.
„Ja es war wohl etwas viel, aber wir konnten uns eben nicht entscheiden was wir weglassen wollten!", gestand Hermine ein.
„Ich gebe ja auch zu, dass wir von vielem, was in diesen zwei Jahren Thema war, später sehr profitieren konnten!", bestätigte Severus und dachte an die Ergebnisse ihrer Forschungen für ihre Wohnung hier und das Sommerhaus in Cornwall.
„Richtig, denken wir nur an meine erste Aufgabe, aus meinem nicht mehr benötigten Schlafzimmer ein Büro zu zaubern", nickte Hermine.
Genau! Dafür hatte Hermine ihre ganze Habe ins Wohnzimmer und ins Schlafzimmer geräumt und Filius hatte mit zwei Zauberstabwischen dafür gesorgt, dass das gemütliche Zimmer wieder ein düsterer Kerkerraum wurde, in dem es etwas modrig roch und an dessen Wänden noch die Eisenringe der letzten Gefangenen vor sich her rosteten. Wirklich nicht sehr einladend. Filius hatte sich mit einem bedauernden Schulterzucken zu Hermine herumgedreht und gemeint. „Zwei Wochen dürften Dir doch reichen, oder?"
„Höchstens", hatte Severus an ihrer Stelle gemahnt, denn er wollte nicht ständig über Berge von Kartons und meterhohen Bücherstapeln stolpern, wenn er zu Bett gehen wollte.
Natürlich hatte es Hermine in zwei Wochen geschafft. Eine Herausforderung, die sie mit wirklicher Bravour gemeistert hatte. Filius hatte ihr sofort das erste ‚Ohnegleichen' ins Meisterbuch geschrieben und besonders die einladende Atmosphäre des Raumes gewürdigt, die nicht zuletzt vom genialen Licht- und Heizsystem stammte, das den Raum warm, hell und freundlich machte.
Hermine hatte sich dafür von der Decke in der großen Halle inspirieren lassen und den Zauber ein wenig modifiziert, sie legte keinen Wert darauf, dass es in ihrem Zimmer regnete oder schneite, aber in den Kerkern etwas vom aktuellen Tageslicht mitzubekommen fand sie sehr angenehm.
Auch ärgerten sie seit Anfang an die mehr als mäßigen Temperaturen in den Kerkern, denen die großen Kamine auch nur teilweise Herr wurden. Daher entwickelte sie zusätzlich eine Fußbodenheizung, die mit warmem Wasser ähnlich arbeitete, wie die Systeme der römischen Thermen und Badehäuser und die für eine angenehme Grundtemperatur von 14° C sorgte. Übrigens beides Zauber und Macharten, die Severus nach eingehende Prüfung auch für das Wohn- und Schlafzimmer, aber vor allem für das Badezimmer haben wollte.
Hermine hatte ihn damals gefragt, ob sie auch sein Büro überarbeiten sollte, aber er hatte nach einigem Überlegen abgelehnt. Helle, warme und freundliche Räume passten wohl nicht ganz zum Image des düsteren Kerkermeisters von Hogwarts.
Etwas das Filius ebenfalls eindrücklich im Meisterbuch festhielt, waren die diversen Regal- und Ordnungssysteme, die sie sich hatte einfallen lassen, um ihre unzähligen Fachbücher und Manuskripte auf möglichst kleinem Raum übersichtlich unterzubringen. Sie hatte eine ganze Weile darüber gebrütet, wie sie vor allem ihre vielen Aufzeichnungen ordnen und so aufbewahren könnte, dass sie leicht wiederzufinden waren, ohne dabei viel Platz zu vergeuden. Der große, aus hellem Holz gearbeitete Schrank mit seinen unzähligen Fächern, der diese kniffligen Bedingungen alle erfüllte, war wahrscheinlich schon eine Meisterarbeit für sich.
Minerva war ebenfalls sehr angetan und hätte ihr für die Einrichtung nur zu gerne eine komplette Büroausstattung aus dem reichen Fundus der Schule überlassen, aber Hermine bestand darauf, dass sie sich die nötigen Möbel selbst kaufte. „Erstens", erklärte sie Severus und Minerva als Begründung, „bin ich kein Mitglied der Lehrerschaft oder hier in einer anderen Art und Weise angestellt, also wäre es streng genommen Bereicherung und zweitens, sollten wir mal von hier weggehen wollen oder müssen, dann will ich nicht bei Null anfangen."
Nun, gut!
Sie nahm zur Deckung der Kosten das Gehalt, das Severus ihr im ersten Jahr gezahlt hatte und verbrachte mit ihrer Mutter zwei ganze Tage bei einem befreundeten Tischler in London, der ihr die gewünschten Möbel nach ihren Vorstellungen maßgenau anfertigte. Die diversen, diffizilen Zauber brauchten dann auch nochmal einige Tage. Auf Filius Frage, warum sie nicht einfach in den einschlägigen Zauberläden einkaufen wollte, die über eine Vielzahl an magischen Möbeln verfügten, kam es wie aus dem Zauberstab geschossen, „ich verzaubere meine Dinge lieber selbst, da weiß ich wenigstens welche Magie drin steckt!"
Nun, da hatte sie wohl recht.
Der Tagesablauf, den ihre neuen Jobs so mit sich brachten, hatte sich erstaunlich schnell eingespielt. Es war im Grunde genommen ganz einfach. Die Vormittage gehörten der Zauberkunst, die Nachmittage der Tränkekunst und die Abende ihm. Na ja, jedenfalls zumeist, aber auch das war eine andere Geschichte…
Direkt nach dem Frühstück, bei dem sie mit Filius die letzten anstehenden Aufgaben besprach, verschwand sie in der Regel entweder in die Bibliothek oder in ihr Büro. Dort wälzte sie staubige Bücher und Manuskripte, brütete über komplizierte Zaubersprüche und setzte dabei im ersten Monat zweimal ihren schönen, neuen Schreibtisch in Brand, weil sich doch noch irgendein kleiner Fehler in ihre durchaus genialen Sprüche geschlichen hatte. Wie gut, dass es sehr geeignete Lösch- und Reparaturzauber gab und dass Hermine diese nach diesem ersten Monat perfekt beherrschte.
Zur Mittagszeit tauchte sie dann wieder auf und erstattete Filius und auch ihm während des Essens eingehend Bericht über ihre Fortschritte, Fehlschläge und Erkenntnisse und holte sich zudem den einen oder anderen Ratschlag von ihm oder den anderen Lehrerinnen und Lehrern. Danach nutzte sie zusammen mit Severus dessen Freistunde, um seine Meinung bezüglich ihrer anstehenden Vorlesungen und Seminare zu hören oder andere interessante Dinge mit ihm zu tun. Gegen zwei Uhr flohte sie schließlich nach Edinburgh, um dort ihren Aufgaben an vier Tagen in der Woche nachzukommen.
Gegen acht Uhr am Abend kam sie dann zurück, hungrig und müde, aber in der Regel sehr zufrieden mit sich und der Welt.
„Es war wirklich alles einfacher als zuvor gedacht", murmelte Hermine und Severus nickte schnaubend, „Aber die Aufregung, die vor allem Deine Professorenstelle in Edinburgh mit sich brachte, die hatte ich mir genau so vorgestellt."
„Ja, allerdings! Großer Gott, Severus", schüttelte Hermine lachend den Kopf, „weißt Du noch wie schrecklich nervös ich damals war?"
„Natürlich weiß ich das noch!"
Und wie er das noch wusste!
Bei Merlin!
„Ich hatte solch große Angst zu versagen, das kannst Du Dir gar nicht vorstellen", wisperte sie beschämt.
„Das zeigt Deinen Sinn für die Realität, denn es waren ja auch wahrlich große Fußstapfen", brummte Severus und zog sie fest in seine Arme.
„Wohl wahr, darum habe ich mich auch mehr als einmal verflucht, dass ich Ambros Angebot so einfach angenommen habe."
„Du warst und bist aber genau die richtige, Hermine", war sich ihr Mann völlig sicher und küsste ihre Nasenspitze.
„Vielleicht", antwortete sie lächelnd, „aber damals hatte ich Angst vor meiner eigenen Courage, Severus. Begriffe wie Überheblichkeit, Selbstüberschätzung und krankhafter Ehrgeiz gingen mir ständig durch den Sinn."
„Ja, so sind sie, die Gryffindors", neckte sie Severus.
„Wir geben unsere Fehler wenigstens zu", schmollte Hermine.
„Nun, ich könnte Dir auch sagen, dass ich die von Dir erwähnten und in Deinem Haus durchaus häufig anzutreffenden Charaktereigenschaften nicht für die Hauptgründe Deines Verhaltens ansehe."
„Nein? Was denn dann?", horchte Hermine auf.
„Ich könnte mir denken, dass es wohl Deine unglaubliche Begeisterungsfähigkeit ist, die Dich zu solch aberwitzigen Dingen treibt, von denen Du bei kühler Betrachtung eher Abstand nehmen würdest."
„Wirklich, denkst Du das?", fragte Hermine freudig überrascht.
„Ja, Begeisterung gepaart mit Ehrgeiz und Übermut", grinste Severus und brachte sich in Sicherheit, denn solche Frechheiten ließ seine Frau selten ungesühnt.
„Du bist unmöglich, Severus Snape!", zürnte Hermine auch sogleich, „Und dabei wollte ich gerade erwähnen, dass ich noch ganz genau weiß, wie ich damals jeden Morgen aufgewacht bin und so glücklich war, dass ich dachte, ich müsste es laut in die Welt hinaus rufen."
„Gut, dass Du es nicht getan hast", war sich Severus sicher, „sonst hätten Dich noch mehr Menschen für verrückt gehalten als eh schon!"
„Das wäre mir völlig egal gewesen!", meinte Hermine entschieden.
„Dir schon…"
„Dir auch", wusste Hermine und pikste ihm ihren Zeigefinger in die Rippen, „denn wenn ich nicht völlig daneben liege, ging es Dir ähnlich, mein Lieber!"
„Da sieht man mal, wie Liebe die Sinne vernebelt", grinste Severus brummelnd, aber ihm war schon klar, dass sie ihm nicht glaubte. Wie auch! Denn er konnte sich an eben dieses unbeschreibliche Gefühl des Glückes noch ebenso gut erinnern wie sie, es begleitete ihn immerhin seit dieser Zeit bis zum heutigen Tag. Natürlich nicht mehr ständig so überwältigend, wie damals, aber es war immer noch da, wie er gerade im Augenblick mehr als deutlich spüren durfte und das war doch schon mehr, als so manches Glück in den Märchen dieser Welt von sich sagen konnte!
