„Ein Grund, warum ich damals so unglaublich glücklich war, könnte auch die Tatsache gewesen sein, dass da doch einige Dinge anders liefen, als vor unserer Hochzeit!", überlegte Hermine nach einer kleinen Weile des seligen Erinnerns und sah ihren Mann vorwurfsvoll an.
„So, welche denn?", wollte der wissen.
„Nun", antwortete Hermine, „ich sage nur Oxford und Abschlusszeugnisse und Edinburgh und Berufungsfeier."
„Also wirklich, meine Liebe", tat Severus völlig unwissend, „ich bin zwar alt, habe aber absolut keine Ahnung, was Du mir damit sagen willst!"
„Ja, das ist mir schon klar, Du Schuft, aber ich helfe Dir gerne auf die Sprünge", schnaubte Hermine.
„Dieses Mal wirst Du aber doch so richtig mit mir kommen, Severus? So von Anfang an und hoch offiziell, oder?", mit kritisch-misstrauischem Blick schaute Hermine ihren Mann durch den Badezimmerspiegel an. Sie bürstete gerade ihre widerspenstigen Haare und er rasierte sich die letzten Bartstoppeln von seinem Kinn.
„Wohin komme ich denn ganz offiziell und von Anfang an richtig mit?", erkundigte er sich und linste zu ihr herunter.
„Nun zu meiner Berufungszeremonie nach Edinburgh"
„Oh, das…", machte Severus mit leidendem Gesicht, „was bekomme ich denn dafür?"
„Severus!", wenn Blicke töten könnten, läge er jetzt mausetot in seinem Badezimmer herum. Als Silberfisch sozusagen…
„Schon gut, natürlich komme ich mit!", beeilte er sich grinsend zu antworten, bevor sie ihm einen unverzeihlichen Fluch an den Hals hexen würde, den Mund hatte sie nämlich schon mal geöffnet.
„Ambros würde mich mit einem üblen Trank vergiften, wenn ich nicht käme", grummelte er. und befreite sein Rasiermesser von Schaum und überflüssigem Barthaar
„Du hast Angst vor Ambros Carter?", fragte seine Frau verblüfft und ihr Mund klappte wieder zu.
„Natürlich, er ist zwar alt und klein, aber ziemlich gefährlich!", behauptete Severus ernsthaft und schüttete Aftershave auf die linke Handfläche, „allerdings habe ich noch viel mehr Angst vor dieser jungen, braunhaarigen Hexe, die seit einigen Jahren hier unten im Kerker haust und von der man sich die tollsten Dinge erzählt."
„So", horchte Hermine interessiert auf, „was erzählt man sich denn so?"
„Sie soll auf Drachen reiten können!", flüsterte er geheimnisvoll.
„Uh, das ist ja wirklich aufregend!", schmunzelte sie.
„Und sie legt sich mit Bergtrollen an!", ergänzte er bedeutungsschwer.
„Diese Hexe ist nicht nur abenteuerlustig sondern auch verrückt!", lachte Hermine.
„Ja, das könnte durchaus sein, denn das stärkste Stück ist, dass sie sich sogar böse Tränkemeister gefügig machen kann. Sie werden willenlos und ergeben sich mit Haut und Haar, wenn sie sie sehen!"
„Junge, Junge! Ich glaube vor dieser wahnsinnigen Wunder-Helden-Hexe hätte ich an Deiner Stelle auch Angst!" befand Hermine gut gelaunt und cremte sich das Gesicht ein, „Darum erwarte ich auch, dass Du nächsten Mittwoch gestriegelt und geschniegelt und voller Stolz bereitstehen wirst."
„Aber nur, wenn ich zuvor noch mal kurz präzisieren dürfte, wie ich mir eine Belohnung für meine Anstrengungen konkret vorstelle."
„Anstrengungen?" meinte Hermine sich verhört zu haben.
„Korrekt!", Severus setzte ein Wolfsgrinsen auf, „immense Anstrengungen, um genau zu sein und dafür wäre eine leidenschaftliche Liebesnacht doch durchaus angemessen."
„Hm", machte Hermine und dachte kurz nach, bevor sie befand, „das ist wohl alles in allem recht akzeptabel"
„Sehr gut", zeigte sich Severus hocherfreut, „Wie wäre es heute Nacht?"
„Pf! Ich bezahle doch nicht im Voraus!", lehnte Hermine seine Forderungen kategorisch ab, „außerdem musst Du unbedingt noch das ein oder andere oben drauf legen, zum Beispiel ein oder zwei Tänze."
Severus entfleuchte ein tiefes Stöhnen, „Auch das noch!", murmelte er ergeben.
„Und gute Laune und freundliches und höfliches Auftreten wären auch nicht schlecht."
„Wie bitte? Ich hatte wohl vergessen zu erwähnen, dass die eben erwähnte Hexe auch noch eine geschickte Erpresserin ist!"
„Geschickte Verhandlungsführerin, wenn ich bitten darf!", korrigierte Hermine mit erhobenem Zeigefinger.
„Ja, ja, geschickte Verhandlungsführerin!", schnaubte Severus, „Sie haben großes Glück, Miss Granger, dass wir Slytherins dafür bekannt sind, alles andere als kleinlich zu sein und daher kann ich Ihnen wohl eine freundliche Teilnahme und zwei Tänze gewähren, dafür erwarte ich aber eine wirklich leidenschaftliche Liebesnacht!"
„Die bekommst Du doch immer, wenn ich mich so zurückerinnere. Außer...", sie sah ihn schelmisch an.
Er zog misstrauisch seine Augenbrauen zusammen, „Außer was?"
„Na ja, da kann man halt nichts machen, Du bist ja schon älter….", zuckte sie mit den Schultern.
„Was soll das denn heißen?", echauffierte sich Severus und stemmte empört die Hände auf die Hüften, was zu einem heftigen Lachanfall bei seiner frechen Frau führte.
„Du bist unmöglich, Hermine Granger!", befand er entrüstet.
„Ja, aber genau das brauchst Du, damit Dir nicht langweilig wird", behauptete sie keck und küsste ihn zärtlich.
„Mir wird nie langweilig", verbesserte sie Severus energisch, „und seitdem Du hier unten Quartier bezogen hast, kann ich Langeweile schon gar nicht mehr buchstabieren!"
„Schön, dann werde ich sehr genau darauf achten, dass sich daran nichts ändert!", flötete sie und verschwand mit hochzufriedenem Ausdruck aus dem Bad.
Die letzten drei Wochen waren wirklich aufregend gewesen. Alles war neu, für Hermine, aber auch für Ambros und die Kolleginnen und Kollegen an der Uni, die von der Neuaufteilung der Professur betroffen waren. Viel Arbeit und Hermine, wie auch Ambros stürzten sich dermaßen auf diese neue Aufgabe, dass es ihm schon beim Zuschauen schwindlig wurde. Hoffentlich hatten sie sich nicht zuviel zugemutet. Ambros war immerhin nicht mehr der jüngste und Hermine musste sich ja noch nebenher mit Filius in ihre zweite Meisterzeit einfinden.
Außerdem war da ja noch der Umstand, dass Hermine nicht nur neue Arbeitsstellen zu bewältigen hatte und nicht mehr automatisch und ständig in seiner Nähe war, sondern beide mussten sich auch daran gewöhnen, dass sie nun miteinander verheirat waren und auch so in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden würden.
Hermines offizielle Einführung war damit der erste öffentliche Auftritt der beiden als Ehepaar, daher konnte Severus schon verstehen, warum sie soviel Wert darauf legte, dass sie auch gemeinsam dort erscheinen würden, denn nicht wenige Zeitgenossen hielten diese Ehe eh für eine reine Schein- oder Zweckgemeinschaft, wobei die Erklärungen für die Gründe durchaus differierten…
Und obwohl Severus bei aller Liebe nichts weniger im Leben wollte, als mit seiner jungen Frau händchenhaltend oder gar knutschend in der Öffentlichkeit gesehen zu werden, tat er ihr den Gefallen, was auch daran lag, dass sich die Feierlichkeit zu ihrer Berufung wirklich sehr von der Zeugnisfeier in Oxford unterschieden.
Na ja, und gleichzeitig auch wieder nicht.
Hermines Aufregung zum Beispiel war mindestens so groß, wenn nicht sogar noch etwas größer als vor gut einem Jahr. Sie wälzte Bücher um Bücher über die traditionellen Rituale, übte vor dem Spiegel Knickse und Verbeugungen und konnte nicht mehr richtig essen und schlafen. Recht anstrengend dieser Zustand, denn alles ging mit der immer gleichen bangen Frage einher: „Meinst Du wirklich, dass ich die geeignete für den Job bin?" und egal wie oft er es ihr bestätigte, es reichte doch nicht.
Daher wurden seine Antworten mit der Zeit auch verständlicherweise ein klein wenig weniger euphorisch, was sie wiederum dazu veranlasste noch unsicherer zu werden, „Du meinst es ja gar nicht ernst!"
„Natürlich meine ich es ernst", versicherte ihr Severus dann stets, „aber selbst die ernst gemeinteste Antwort verliert an Kraft, wenn man sie alle fünf Minuten wiederholen muss!"
„Du übertreibst maßlos!", behauptete seine uneinsichtige Frau glatt.
„Absolut nicht, aber ich kann es Dir gerne beweisen!", und das tat er dann auch und sprach einen kleinen Zauber, der jedes Mal, wenn Hermine die erwähnte Frage in irgendeinem Zusammenhang stellte, ein kleines Sternchen vor ihren Augen erschienen ließ, welches sich dann mit jeder weiteren Anfrage ihrerseits summierte. Da kam schon ein ziemlicher Sternenhimmel zusammen.
„Schon gut!", gab sie nach zwei Wochen genervt auf, „ich gebe zu, dass Du recht hattest und ich unrecht und jetzt sorg augenblicklich dafür, dass dieser blöde Zauber aufhört, sonst simuliere ich über Deinem Haupt einen Kometeneinschlag von historischem Ausmaß!"
„Nicht nötig!", freute sich Severus und sprach einen ‚Finite', „Dein Eingeständnis ist mir Entlohnung genug!"
Bei all diesen Erschwernissen in der Vorbereitung gab es doch einen sehr schönen Unterschied zu Oxford. Er durfte nämlich mithelfen, die Professorenrobe auszusuchen und mit ihr dieses atemberaubende Kleid auswählen zu dürfen, war alle Mühen wert. Wie eine zweite Haut schmiegte sich der mattglänzende, hellbraune Samt an ihren Körper und ließ keinen Raum für Spekulationen. Ein solches Kleid konnte nun wirklich nicht jede tragen, es verzieh nichts. Aber bei Hermine sah es phantastisch aus. Er musste mehrmals schlucken und sich energisch zur Ordnung rufen, um seine Contenance zu bewahren, als sie aus Madame Malkins Umkleidekabine kam und ihn nach seiner Meinung befragte.
„Ich bin mir nicht sicher", krächzte er, „ob die Gründungsväter und -mütter ein solches Kleid im Sinn hatten, als sie das Regelwerk für die Bekleidung der Professoren festlegten". Die Universität schrieb für die Robe der Professoren nämlich lediglich Farbe und Stoff vor und bestand auf einem festlichen und würdigen Gesamteindruck. Alles andere war dem jeweiligen Geschmack des Professors oder der Professorin überlassen.
„Meinst Du nicht?", überlegte Hermine und schaute eingehend an sich herunter, was ihm einen guten Einblick in ihr beachtliches Dekolletee erlaubte.
„Nein, gewiss nicht!", war sich Severus mit jeder Sekunde immer sicherer, „denn kein Student kann sich bei einem solchen Kleid auf das konzentrieren was Du sagst", und er auch nicht!
„Dann ist es ja gut", grinste Hermine zufriedener als eine Katze vor einer Schüssel mit Sahne, „dass ich es nur bei Feierlichkeiten tragen werde, da sage ich nicht so viel." Nun, das war zwar ein wenig untertrieben, aber immerhin hatte es keine Auswirkungen auf die Zensuren der Studenten…
Madam Malkins Urteil war ebenfalls sehr aufbauend, sie prüfte immer wieder kritisch den Sitz des Kleides und den Fall des Stoffes, ließ Hermine umhergehen und sich verbeugen, sitzen und wieder aufstehen und meinte dann abschließend, „Nun, Madam Granger, bei einer anderen Kundin würde ich jetzt wohl denken, ‚wer nichts kann, muss wenigstens gut aussehen'. In Ihrem Fall darf ich aber sagen, ‚Sie verfügen über genauso viel Eleganz und Anmut, wie über Intelligenz und Verstand'!"
„Oh! Vielen Dank, Madam Malkin", strahlte Hermine erfreut, „aber das Kleid ist auch phantastisch!"
Als endlich der große Tag gekommen war, konnte sie, wie nicht anders erwartet, nichts essen und war bereits um 5:10 Uhr hellwach. Danach nervte sie ihn den ganzen Morgen mit ihrer Nervosität und ihrer Unruhe und er war wirklich dankbar, dass ihre Eltern gegen Mittag kamen und sich ihre Mutter gemeinsam mit ihr um die letzten nötigen Vorbereitungen kümmerte. Er genoss lieber mit Henry zwei ruhige Partien Schach, bevor auch er sich in einem der Gästezimmer duschen ging und sich schließlich in seinen Festumhang werfen musste. Pünktlich um 15:30 Uhr kamen dann Hermine mit ihrer Mutter aus ihrem Zimmer und er, wie auch sein Schwiegervater mussten scharf nach Luft schnappen, denn ihnen traten zwei sehr, sehr schöne Damen gegenüber.
„Nun", fragte Jean rein rhetorisch, als sie die Blicke ihres Mannes und ihres Schwiegersohns sah, „meinen die Herren, das es so gehen könnte und sie sich wegen uns nicht zu schämen brauchen?"
„gfmbf", nuschelte Henry etwas undeutlich und bekam einen Hustenanfall. Auch Severus musste sich erst etwas räuspern und übersetzte heiser, „Hoffentlich schämt ihr Euch nicht wegen uns!"
„Nein!", lachte Hermine geschmeichelt, „denn auch Ihr beide seht sehr, sehr gut aus!"
„Ein Glück, alleine hätten wir Euch in diesen Kleidern auch nicht dort hin gelassen!", ergänzte Severus und konnte sich nicht satt sehen an Hermines schlanker Silhouette.
Jean trug, anders als im vergangenen Jahr, ein eher schlichtes, schwarzes Abendkleid, was der Wirkung aber keinerlei Abbruch tat, denn so kam ihre helle, fast alabasterfarbene Haut mit den unzähligen Sommersprossen und ihr hochgestecktes rotbraunes Haar noch etwas besser zur Geltung. Bei Merlin! Die Grangerfrauen wussten definitiv, was ihnen stand.
In Edinburgh dann trafen sich alle Angestellten der Universität und die Ehrengäste in den Räumen des Dekan, dort hatte die Universitätsleitung einen kleinen Umtrunk mit Häppchen und Kanapees gerichtet und auch dort sorgte das Eintreffen der Grangerfrauen für großes Geraune und zu vielen, vielen bewundernden Komplimenten.
Der Dekan seufzte sogar sichtlich beeindruckt, „Wenn ich auch sonst nichts erreicht habe in meiner beruflichen Karriere, so werde ich doch als derjenige Dekan in die Analen eingehen, der für die Einstellung der hübschesten Professorin verantwortlich war," und Ambros Carter ergänzte grinsend, „Nun, mein Lieber, das ist doch schon mal mehr, als einige Deiner Vorgänger vorweisen konnten!", und erntete für diese freche Bemerkung viele Lacher.
„Aus diesem Grund habe ich Dich übrigens auch geheiratet", raunte Severus der strahlenden Hermine leise zu, „damit man von mir einst sagen wird, ‚Er war zwar ein hässlicher und zwielichtiger Idiot, aber er hat die schönste und klügste Frau Englands für sich gewinnen können!"
„Du bist kein Idiot, nur ein Verrückter, Severus!", war Hermines Antwort, „Denn Du bist weder hässlich noch zwielichtig und ich bin weder die schönste, noch die klügste Frau Englands!"
„Doch, das bist Du!", war er völlig anderer Ansicht, „jedenfalls für mich und die meisten Menschen in diesem Raum!"
„Da siehst Du mal wieder, dass auch Universitäten nicht zwangsläufig Orte der Wahrheit und des Wissens sind!", erwiderte sie, aber Severus sah natürlich sehr genau, wie gut ihr all die Komplimente und Bewunderung taten und er war sich sicher, dass das bestimmt alles hilfreich für die anschließende Zeremonie war.
Sehr hilfreich, um genau zu sein und nur, indem er sich dies immer wieder ins Gedächtnis rief, konnte er seine durchaus spürbare Eifersucht wegen der vielen begehrlichen Blicke ringsherum auch relativ gut unter Kontrolle halten!
Jedenfalls für eine Weile!
