5. Professor Hermine Granger

„Gut, ich gebe zu, dass es tatsächlich in diesem speziellen Fall einige Unterschiede gab", stimmte Severus gutmütig zu, „aber eines war absolut identisch!"

„So? Und was war das?", wollte Hermine wissen.

„Mein Stolz auf die Hauptperson und ihr blendendes Aussehen", flüsterte ihr Ehemann ihr mit tiefer Stimme ins Ohr, „beides war unglaublich!"

Eine Aussage, die seine Frau mit einem dicken, glücklichen Kuss belohnte.

Mächtige Trompetenklänge erschallten von der oberen Balustrade des großen Saales der ehrwürdigen Universität für Tränkekunde in Edinburgh und kündigten den feierlichen Einzug des Dekans und der Professoren an.

Sogleich verstummte das leise Gemurmel der Gäste, die die Wartezeit für angeregte Gespräche genutzt hatten und alles erhob sich. Als Erstes sah man den Zeremonienmeister der Hochschule, einen sehr alten Zauberer mit einem solch langen weißen Bart, dass er immer wieder aufpassen musste, dass er nicht über ihn stolperte. Auf seiner Schulter thronte eine riesige Kröte, die alle mit wachem Blick betrachtete. Dahinter kam eine ganze Legion in lederne Harnische gekleideter Elfen, die mächtige Banner trugen. Es waren die Standarten der Gründerfamilien und der Stifter, der englisch/irischen Tränkegilde, der schottischen und irischen Clans aber auch die Hoheitszeichen des englischen und irischen Zaubereiministeriums und der verschiedenen Zaubererschulen und Institute. Auch das Banner Hogwarts war darunter, wie Severus sogleich auffiel.

Dicht dahinter schritten die zwölf Hexen und Zauberer des beratenden und prüfenden Kuratoriums der Tränkehochschule, sie setzten sich aus den genannten Förderern und Geldgebern zusammen und wurden alle acht Jahre neu gewählt. Er selbst hatte diesen Posten bereits drei Mal abgelehnt, derzeit saß Pomona Sprout für Hogwarts in diesem Gremium.

Als nächstes folgte der persönliche Assistent des Dekans, der dessen private Standarte trug und immer wieder laut aufforderte: „Erhebet Euch, Hexen und Zauberer! Erhebet Euch für den Dekan der hochangesehenen und ersten Tränkehochschule der Inseln! Erhebet Euch für den ehrenwerten Professor Peter Mcintosh! Erhebet Euch Meisterinnen und Meister für den Vorsteher der ältesten und bedeutendsten Tränkelehrstätte der westlichen Welt, Meister Peter Mcintosh. Erhebet Euch!"

Severus rieselte ein Schauer den Rücken hinab, als er daran dachte, dass so seit dem ersten Dekan, Meister Abakus McMillan vor über tausend Jahren jeder Dekan bei offiziellen Anlässen ausgerufen wurde. Und ganz gewiss sahen alle Dekane dermaßen würdig und prächtig aus, wie Peter Mcintosh, denn der bodenlange braune Hermelinfellmantel war einem König angemessen. Die dunkelbraune enge Samtrobe mit Kniehosen stammte ebenfalls aus den Gründungszeiten und der Kopfputz war eine weiche Mütze, die ebenfalls aus Samt, Hermelinfell und Seide bestand, gekrönt von drei langen, farbenprächtigen Pfauenfedern.

Professor Mcintosh war ein im Grunde seines Herzens gutmütiger und liebenswerter Mann, bescheiden und unkompliziert. Ganz anders also, als Oxfords Dekan Zacheus Wimmerby. Aber dank seiner großen und stämmigen Gestalt, seiner langen weißen Bartkoteletten und seinem Igelschnitt sah er nicht minder respektabel aus. Besonders jetzt, als er mit ernstem Blick auf seinen goldenen, reich verzierten Stab gestützt durch den festlich geschmückten Saal schritt und hoheitsvoll nach rechts und links grüßte.

Er war schon seit seiner Jugend mit Ambros Carter befreundet, sie hatten sich hier in Edinburgh kennengelernt und Peter Mcintosh hatte sogleich dessen geniales Talent erkannt und machte es sich seither zur Aufgabe seinem Freund mit größter Umsicht und Zuneigung den Rücken freizuhalten und vor allem dessen deutliche Schwächen im Bereich der Verwaltung und Organisation auszugleichen. Dabei genoss Dekan Mcintosh selbst international hohes Ansehen für seine zukunftsweisenden Artikel und Abhandlungen über die Möglichkeiten der Tränkekunde in den nächsten Jahrzehnten. Severus hatte alle seine Aufsätze sehr aufmerksam gelesen und war in vielen Aspekten mit Peter Mcintosh einer Meinung.

Der Dekan wurde flankiert vom Schatzkanzler der Hochschule und der Vorsteherin des Büros für Versorgung und Ausstattung, beide trugen schwarze Roben mit braunen Krägen und eine schwarze Mütze.

In gemessenem Abstand folgte dann das Kollegium. Allen voran der Cheftränkemeister Ambros Carter. Sein Mantel und seine Robe unterschieden sich fast in Nichts von dem des Dekans, sie waren nur ein klein wenig heller von der Farbgebung, außerdem hatte seine Mütze nur zwei Federn. Hinter ihm schritten die übrigen Professoren der fünf Lehrstühle und die Gelehrten der beiden ergänzenden Fachrichtungen ‚Hilfsmittel zur Tränkebraukunst' und ‚Geschichte der Tränkebraukunst'.

Dann folgte wieder ein Bannerträger, dessen Standarte für die Studentenschaft stand und jetzt zogen die zweihundertfünfzig eingeschriebenen und handverlesenen Studierenden der Hochschule ein. Diese trugen alle schlichte, dunkelbraune Roben, die einen schwarzen Kragen und schwarze Ärmelaufsätze besaßen und hatten eine ähnliche braune Mütze auf dem Kopf wie die Professoren. Auf ihrer Brust prangte das Wappen der Universität, eine Kröte auf lila Grund, die ein Auge auf und eines geschlossen hielt.

Hermine hatte sich bei ihren intensiven Recherchen nach der Bedeutung des Wappens erkundigt und erfahren, dass das geschlossene Auge der Kröte für Ruhe und Muße stand, das offene für Wachsamkeit und Vorsicht, alles Eigenschaften die sehr hilfreich waren in der hohen magischen Braukunst.

Die Kröte als Wappentier selbst ging ebenfalls auf den ersten Dekan zurück, von dem es hieß, dass er stets eine sprechende Kröte mit sich herumgetragen hätte, die zwar nicht sehr viel Fachverstand in der Braukunst, dafür aber einen umwerfenden Humor gehabt hätte. Die nachfolgenden Generationen fanden das Wappentier ebenfalls sehr passend, verwandelt sich eine Kröte doch in ihrem Leben mehrfach, so wie die Tränke nie so blieben, wie sie waren. Die Farbe Lila war ebenfalls ein Hinweis auf die Tränkekunde, deren internationale Erkennungsfarbe diese Mischfarbe war.

Die braunen Roben hatten dagegen eine einfache Bewandtnis. Die Gründerväter und -mütter stammten fast alle aus Schottland und Irland und sie konnten sich lange nicht auf eine gemeinsame Robenfarbe einigen. Da entschied der besagte Dekan, dass man alle Farben der verschiedenen Familien und Stämme zusammenmischen würde und die Farbe die herauskäme als gemeinsame Robenfarbe annehmen würde. Nun, darauf konnte man sich dann schließlich einigen.

Natürlich kam aus all den unterschiedlichen grün, blau, rot und gelb der verschiedenen Tartans ein undefinierbares Braun heraus, das die damalige Schulleiterin Hogwarts, der man eine geheime Liaison mit dem Edinburgher Dekan nachsagte, als Hauptförderer flux mit Schwarz kombinierte.

Nachdem sich unter Fanfarenklängen die Professoren auf den fünf reich verzierten Lehrstühlen, die Lehrbeauftragten auf kleinen Sesseln und der Dekan auf seinem herausgehobenen, prächtigen Thron inmitten seines Kollegiums niedergelassen hatten, nahm auch die Schülerschaft in den ersten Reihen, geordnet nach Semestern, ihre Plätze ein.

Als alles saß, erhob sich Dekan Mcintosh wieder und bat mit einer kleinen Geste seines Stabes um Aufmerksamkeit. Sogleich trat Ruhe ein.

„Verehrte Gäste, werte Meisterinnen und Meister, Hexen und Zauberer der Tränkezunft, hochverehrte Lehrer und wissbegierige Suchende, heute ist ein großer Tag für unsere altehrwürdige Hochschule, denn wir erheben heute eine neue Meisterin in den Stand der Professorinnen und ernennen sie zur ordentlichen Lehrmeisterin und Inhaberin eines unserer fünf Lehrstühle."

Wildes Gestampfe war die in Edinburgh übliche Antwort auf eine solche Ankündigung.

„Wie hinreichend bekannt ist, wird unser erster Tränkemeister, Professor Ambros Carter seinen Lehrstuhl, den er seit fünfundsechzig Jahren erfolgreich und zur Ehre unserer Hochschule innehatte, teilen, damit sich die reichhaltigen Aufgaben die eine solche Professur und die damit verbundenen Ehrenämter mit sich bringen, auf zwei Schulterpaaren verteilen können."

Wieder hochachtungsvolles Stampfen und gemurmelte Zustimmung.

„Lange habe ich zusammen mit Professor Carter und den Damen und Herren des Kuratoriums nach einer geeigneten Person für diese Aufgabe gesucht und sie schließlich in der außergewöhnlichen Tränkemeisterin Hermine Jean Granger gefunden."

Auch jetzt hörte man freundliches Stampfen.

„Meisterin Granger hat mit herausragenden Leistungen in den Fächern Tränkekunde, Zauberkunst und Verwandlung in der renommierten Universität von Oxford abgeschlossen", jetzt schlichen sich einige Buhrufe in die Rückmeldungen der Studentenschaft ein, die Universitäten von Oxford und Edinburgh lieferten sich seit Jahrhunderten eine wissenschaftliche Fehde.

„Zudem absolvierte sie ihre Meisterjahre bei einem der besten Tränkemeister Englands, Meister Severus Snape, wurde vom Gildemeister selbst vorgeschlagen und veröffentlichte bereits einige ihrer Arbeiten in diversen Fachjournalen, die hohes Interesse in den Reihen der Tränkemeisterschaft fanden. Uns haben bei einer eingehenden Prüfung besonders ihre interdisziplinären Fähigkeiten und ihre schon fast sprichwörtliche Intelligenz überzeugt. Fähigkeiten die sie nicht nur für unsere eigene Universität überaus interessant machten, wie ich an dieser Stelle anfügen möchte. Wir können uns glücklich schätzen, dass sie uns den Vorzug vor anderen bedeutenden Institutionen und Hochschulen gegeben hat."

Die Studentenschaft schien trotz des Makels, dass ihre neue Professorin in Oxford studiert hatte, ebenfalls froh und bekundete durch ihr Getrampel und Gejohle heftige Zustimmung.

Severus schaute zu den jungen Leuten hinüber und sah sich wieder selbst dort sitzen. Möglichst weit hinten und am Rand wenn es ging und selbstverständlich sehr diskret und verhalten stampfend und johlend. Er war bei der Berufung von Professor McCormick dabei gewesen und er wusste noch wie heute, dass er damals zwar immer noch anders als alle anderen gewesen war, keine Kameradschaften oder gar Freundschaften gepflegt hatte aber dennoch eine ganz gehörige Portion Stolz gefühlt hatte, hier dazu zu gehören.

„Werte Meister und Studierende", fuhr Meister Mcintosh fort, „obwohl jung an Jahren, wissen wir hier auf den Inseln doch alle nur zu gut, zu was Meisterin Granger außer der Tränkekunst sonst noch so in der Lage ist und was ihr die gesamte freie magische Welt zu Verdanken hat!"

Allerdings, das wussten alle und so brauste der ganze Saal kurz wie ein Orkan.

„Das konnte sie nicht nur durch Intelligenz und Wissen, sondern vor allem durch Persönlichkeit und einen festen Charakter erreichen und das war letztlich der ausschlaggebende Grund für unser Ersuchen an Meisterin Granger.

Seit Beginn dieser Hochschule wird in diesem Mauern nicht nur dem Wissen Tribut gezollt, sondern auch auf die persönliche Weiterentwicklung unserer Studierenden Wert gelegt, damit sich unsere Studentinnen und Studenten der hohen Verantwortung, die mit der Tränkebraukunst einhergeht bewusst sind und diese zum Wohle der magischen Gemeinschaft und aller Menschen auf dieser Welt einsetzen. Dafür sind Vorbilder nötig, die diese Verantwortung vorleben, Hexen und Zauberer, die nicht nur an sich selbst und ihren Vorteil, nicht nur an Ruhm und Reichtum denken, sondern die in der Lage sind unseren Werten zu genügen! Eine solche Persönlichkeit, so sind wir sicher, haben wir in Meisterin Granger gefunden!"

Wilder Jubel ließ die Aula wieder erzittern, was Dekan Mcintosh sehr zufrieden lächeln ließ. Er hob seinen Stab und stieß ihn dreimal auf den Boden, was die großen Flügeltüren im hinteren Bereich des Saales wieder aufschwingen ließ „Daher rufe ich Ihnen nun zu: Erhebet Euch, Professoren und Gelehrte, Erhebet Euch Ihr Studierenden, Erhebet Euch, verehrte Gäste, Erhebet Euch für Meisterin Hermine Granger!"

Dieser Aufforderung kamen alle sogleich nach und es dauerte nicht lange, da schritt eine sichtlich um Haltung bemühte Hermine in ihrem wahnsinnig aufregenden Kleid hinter dem Zeremonienmeister her, was zu einem anerkennenden und wohlwollenden Gemurmel führte.

Aber sie hatte keine Augen für die bewundernden Blicke und keine Ohren für die vielen Komplimente, ihre Augen suchten unruhig den Raum ab, bis sie ihn schließlich entdeckt hatte, erst dann sah man sie erleichtert durchatmen und jetzt hatte sie auch Zeit würdig und vornehm nach rechts und links zu grüßen.

Nur dafür hatte er einen für ihn ungewöhnlichen Platz gewählt. Am Mittelgang in der ersten Reihe, damit er sich leicht drehen und sie ihn schon vom Eingang her sehen konnte.

Direkt neben ihm saßen ihre Eltern und die Zauberminister Irlands und Englands, wobei letzterer ihm ein anerkennendes „Bezaubernd wie immer", zuraunte.

Natürlich, was sonst und dazu passten auch das stolze Lächeln ihres Vaters und ihrer Mutter und wenn er nicht aufpasste, wohl auch sein eigenes. Aber soweit durfte es selbstverständlich nicht kommen. Immerhin waren unzählige Pressefritzen anwesend und er wusste alle ihre Blicke auf sich gerichtet. Daher riss er sich energisch zusammen. In der ersten Reihe zu sitzen hatte eben auch viele Nachteile, ein echtes Opfer eben. Und das brachte ihn wieder zu den wirklich wichtigen Dingen, denn wenn er schon nicht stolz grinsen durfte, dann konnte er die Zeit eben dazu nutzen sich konkrete Pläne für die Zeit nach der Feierlichkeit zu überlegen. Romantische und leidenschaftliche Pläne, versteht sich, immerhin hatte sie ihm einiges versprochen!

Derweil sich Hogwarts Tränkemeister noch den schönsten und wildesten Vorstellungen hingab, schritt die Zeremonie auch schon zu ihrem eigentlichen Höhepunkt. Severus musste still lächeln, anders als in Oxford wurden in Edinburgh wesentlich weniger Reden geschwungen, da blieb anschließend mehr Zeit fürs Feiern!

Alle fünf Meisterinnen und Meister die einen Lehrstuhl innehatten, das waren neben Ambros Carter, der für die Allgemeine Tränkekunde stand und gleichzeitig das Feld der Historische Tränke und der Internationalen Tränke abdeckte, die Professorin Eugenie Cullen für Heiltränke, der sehr alte und reichlich desolat aussehender Professor für experimentelle Tränke Esra Mccormick, der Professor für die Trankzutatenkunde Bennet Callahan, sowie die Professorin für interdisziplinäre Tränkekunde Vivianne Ledoux. Diese fünf verteilten sich zusammen mit dem Dekan der Universität gleichmäßig auf dem kreisförmigen Ornament das in kunstvoller Parkettarbeit auf dem Boden des Podiums zu sehen war und zückten ihre Zauberstäbe.

„Meisterin Granger", bat Dekan Mcintosh an Hermine gewand, die am Fuß des Podiums darauf wartete, dass alle ihre Plätze eingenommen hatten, „treten Sie herbei und heben Sie Ihren Zauberstab empor."

Sogleich schritt Hermine die wenigen Stufen nach oben und reihte sich in die Runde der Sechs ein, ihr Oberkörper hob und senkte sich immer noch voller Aufregung, aber ihr Gesicht glühte auch, als sie den Stab erhob.

Als sich die Spitzen der Zauberstäbe beinahe berührten, sprach der Dekan „Conciliare" und es begann ein leichtes grünes Glimmen, das immer heller wurde und schließlich die ganze Gruppe einschloss.

„Sprechen Sie mir nach, Meisterin Granger", forderte der Dekan, „Ich gelobe"

„Ich gelobe", wiederholte Hermine mit zittriger Stimme.

„Dass ich all meine Kräfte"

„Das ich all meine Kräfte"

„Und mein gesamtes Wissen"

„Und mein gesamtes Wissen"

„Zur Ehre dieser Hohen Schule der Braukunst"

„Zur Ehre dieser Hohen Schule der Braukunst"

„Und zur Ehre der gesamten magischen Bevölkerung einsetze,"

„Und zur Ehre der gesamten magischen Bevölkerung einsetze,"

„auf dass es auch mir selbst Weisheit und Ehre erbringen möge."

„auf dass es auch mir selbst Weisheit und Ehre erbringen möge."

„Vielen Dank", nickte Dekan Mcintosh zufrieden, schloss die Augen und murmelte einige stille Worte, die aus dem grünen Schein einen lila Funkenregen werden ließ, der sich dann in eine feurige Zunge verwandelte, die um die Hexen und Zauberer in dem Kreis herumbrauste und die Erde beben ließ.

Hermines Eltern wichen erschrocken zurück und auch einige der anderen Gäste waren mehr als überrascht. Als das Beben fast nicht mehr auszuhalten war, das Klirren der Kronleuchter und das Dröhnen ringsherum allen Anwesenden in den Ohren weh tat, da erst hob der Dekan den Zauber auf und verkündete in die erleichternde Stille, „damit sind Sie, Meisterin Granger, von dieser Stunde an ein vollwertiges Mitglied unseres Kollegiums und erhalten nunmehr Ihren Lehrstuhl."

Er winkte dem Zeremonienmeister zu, der schnell und geschickt Ambros Carters Stuhl in die Mitte der nun etwas zurückgetretenen Professorinnen und Professoren schweben ließ.

Dann reichte dieser dem Dekan ein großes goldenes Schwert, das Professor Mcintosh mit einer tiefen Verbeugung entgegennahm und sogleich an Professor Carter weitergab. Dieser dankte ebenfalls und nickte Hermine freundlich zu. Dann nahm er tief Luft, umklammerte das Heft des Schwertes fest mit beiden Händen und holte aus, um den Stuhl durch einen gezielten Hieb des Schwertes mitten entzwei zu schlagen.

Natürlich war das Schwert ein magisches und so teilte es die beiden Hälften leicht und gleichmäßig und es entstanden sofort deutlich sichtbare magische Ersatzbeine und eine Verbreiterung der Sitzauflage, damit beide Stuhlhälften nicht umfielen und man dort auch bequem Platz nehmen konnte.

Als aus den beiden Hälften zwei vollständige Stühle geworden waren, ließ der Zeremonienmeister die beiden Stühle zurück in die Reihe der anderen Stühle schweben.

Die Professoren begaben sich nun zu ihren jeweiligen Sitzen, blieben aber davor stehen, denn Hermine musste noch ihre äußeren Insignien bekommen.

Diese brachte der Zeremonienmeister herbei. Es war als erstes der prächtige Mantel aus hellbraunem Samt mit Hermelinfell abgesetzt, den auch die anderen Professoren trugen. Dekan Mcintosh legte ihn Hermine mit sichtlichem Stolz um die Schultern und schloss ihn vorne mit einer goldenen Spange. Dann griff er nach einer samtenen Kappe, die ähnlich gearbeitet war wie seine eigene und setzte sie vorsichtig auf Hermines Kopf. Hm, sie stand ihr gar nicht schlecht, ging es Severus durch den Sinn und er musste zugeben, dass seine Frau einen wirklich glanzvollen und würdigen Eindruck machte.

Als letzte Gabe erhielt sie die Schlüssel der Lehrsäle, der Labore und der Außentüren, die in Taillenhöhe an eine kleine Schlaufe des Kleides befestigt wurden. Dann verbeugte sich der Dekan vor der brandneuen Professorin und diese knickste tief und ehrerbietig vor ihm und danach vor den anderen Professoren. Jetzt erst nahmen alle Platz und endlich brandete ein lange zurückgehaltenes ohrenbetäubendes Tosen im gesamten Raum auf, das schließlich in ein rhythmisches Stampfen und Klatschen überging.

Waren in Oxford Feierlichkeit, Essen und Tanz fein säuberlich voneinander getrennt, so führte in Edinburgh einfach eines in das andere. Nahtlos sozusagen, denn die geklatschten und gestampften Zustimmungen der Gäste mündete irgendwie in frohe Musik, in herzliche Glückwünsche und in ein opulentes Festmahl mit integriertem Tanz, wie es nur die Schotten fertigbringen. Der Höhepunkt bildete ein uraltes Ritual, in dem die neue Professorin von der Studentenschaft auf ihrem Lehrstuhl hochgehoben und im Rhythmus der Trommeln und Dudelsäcke nach einer archaischen Melodie im Kreis herumgetragen wurde. Trotz ihrer Höhenangst fand Hermine das Spektakel durchaus anregend und die Studenten hatten ihren Spaß, besonders, da die neue Professorin ein solch geringes Körpergewicht mitbrachte. Bei so manch anderem neuen Professor oder Professorin hatte das schon ganz anders ausgesehen.

Hermine fühlte sich den ganzen Abend wie in Trance, was wohl daran lag, dass es nach den feierlichen Zeremonien dermaßen hoch her ging, dass sie gar nicht mehr zum Verschnaufen kam und selbst Severus sich von all der Begeisterung und der ausgelassenen Stimmung anstecken ließ. So tanzte er sogar dreimal mit seiner bezaubernden Frau, deren Augen heller strahlten als ihre Elfenquarzhalskette aus glühenden Tigeraugensteinen.

Er brachte sie erst in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages dazu mit ihm heim zu kommen, solange musste sie noch tanzen, essen, trinken und wichtige Gespräche führen. So was schlaucht und so war es auch nicht verwunderlich, dass sie kaum zurück in ihren Räumlichkeiten, vor lauter Seligkeit auf ihre Couch fiel und ehe Severus sie noch gänzlich von Schuhen, Mantel und Mütze befreit hatte in einen tiefen Schlaf versank, aus dem sie erst gegen Mittag des nächsten Tages erwachte.

Natürlich hatte er sie auch in ihr Bett getragen und sie sorgsam zugedeckt. So erhielt er als Dank für all seine Mühen zwar keine leidenschaftliche Liebesnacht, dafür aber einen umso leidenschaftlicheren Liebesnachmittag. Eine Variante, die durchaus seinen Reiz hatte, wie beide fanden, immerhin kamen sie den ganzen Tag nicht aus ihrem Schlafzimmer heraus.