„Ach, es war wirklich aufregend!", lächelte Hermine selig, als sie sich zusammen mit ihrem alten Mann nochmals die Berufungszeremonie in Erinnerung gerufen hatte.
„Allerdings", konnte der nur zustimmen, denn gefallen hatte es auch ihm! Sehr sogar.
„Oh", machte Hermine, „und es war auch echt witzig!"
„So, und was genau verdient Deiner Meinung nach das Prädikat ‚witzig' bei all den würdigen und traditionsreichen Ritualen?"
„Weißt Du noch, als ich meine erste Vorlesung gehalten habe?", fragte Hermine lachend.
„Natürlich erinnere ich mich. Sie war gar nicht mal so schlecht, aber witzig würde ich sie nicht nennen", antwortete Severus und schaute sie fragend von der Seite an.
„Doch! Das war so klasse", lachte Hermine, „wirklich klasse!"
„Gut, dann erzähle mir, was so klasse war!", forderte Severus gespannt.
„Hallo, Süße!"
Hermine drehte sich überrascht um und blickte einem jungen Mann mit blondem Lockenkopf ins Gesicht, „Äh, falls ich gemeint sein sollte, ebenfalls ‚Hallo'", antwortete sie.
„Klar bist Du gemeint, wer sonst?", entgegnete der junge Kerl und ließ sich mit einem gewinnenden Grinsen ihr gegenüber nieder, „wo siehst Du denn hier sonst noch ein solch zuckersüßes Mädchen?"
„Ah ja!", war Hermines leicht sarkastischer Kommentar auf diese Anmache und als ihr Gegenüber sie auch weiterhin erwartungsvoll anblickte, erkundigte sie sich vorsichtig, „Kennen wir uns etwa?"
Sie war an diesem Tag schon am frühen Vormittag an die Uni gefloht, denn ihre erste Vorlesung stand an. Daher hatte sie bisher auch keine Zeit für einen anständigen Lunch gefunden. Als ihr Magen aber eine dringende Nahrungsaufnahme anzeigte, erinnerte sie sich zudem an Ginnys Bitte aus einem Spezialgeschäft für Quidditschspieler, das ganz in der Nähe der Uni lag, ein besonderes Pflegeöl für ihren Rennbesen zu besorgen. Nun, da ein wunderschöner, kalter Wintertag lockte, hatte sie beides miteinander verbunden und sich hier in einem kleinen Pub in einer der alten Gassen nahe der Uni zu einem verspäteten Mittagessen niedergelassen. Sie hatte ein leckeres Schinkensandwich und einen starken Tee bestellt, um nochmals in Ruhe die Unterlagen für ihre Vorlesung durchzugehen.
„Leider noch nicht, aber das wird sich doch hoffentlich ab sofort ändern", antwortete ihr neuer Verehrer und zwinkerte ihr frech zu, „Schöne Frauen sollte man nämlich immer kennen."
„So?", Hermine zog die Augenbraue empor, „sollte man das?" Dieser Supercharmeur hatte einen großen Becher mit Kaffee und zwei Muffins auf seinem Tablett und begann zu Hermines Verwunderung damit eine erstaunliche Menge Zucker in sein Getränk zu schaufeln.
„Aber klar, es wäre eine Sünde, wenn ich diese Gelegenheit verstreichen ließe", er streckte ihr seine Rechte entgegen, „Ich bin Mik, drittes Semester." Er deutete auf ihren Notizblock.
Allem Anschein hatte der junge Mann, der ihr jetzt gegenüber saß, das Wappen der Universität erkannt und sie so als Mitglied der magischen Gemeinschaft und Teil der Tränkefakultät identifiziert.
Hermine reichte ihm ihre Hand, „Freut mich, Mik", antwortete sie, trotz seiner etwas plumpen Anmache war er ein sympathischer junger Mann mit offenem Blick aus grauen Augen, der allerdings in naher Zukunft an einem Zuckerschock sterben würde, wenn er so weitermachte, denn nun goss er auch noch Unmengen von klebrigem Sirup auf die armen Muffins.
„Bist Du neu hier?", fragte er dabei seelenruhig.
„Ja, ich habe gerade erst angefangen", nickte Hermine wahrheitsgemäß, ihre Berufung lag ja nur wenige Tage zurück.
„Toll, dann sehen wir uns ab jetzt ja häufiger und ich kann Dir alles zeigen, wenn Du willst", er strahlte sie froh an.
„Das ist aber wirklich sehr nett!", Hermine musste ebenfalls lächeln, er hielt sie allem Anschein nach für eine Studentin, ach, wie schmeichelhaft „Und wie ist es hier so?"
„Och, ganz o.K. Die Profs sind fair und haben echt was drauf", er senkte seine Stimme, „aber vor allem gibt es hier super Pups und Treffpunkte, egal ob magisch oder nicht, da steppt voll der Hippogreif, sag ich Dir!"
„Das hört sich doch gut an", stimmte Hermine den enthusiastischen Schwärmereien des jungen Studenten zu und aß die letzten Reste ihres Sandwichs.
„Carter ist ja echt der Oberguru, an den kommt keiner ran, in ganz England nicht und wenn Du mich fragst, auch keiner auf dem Kontinent", Mik leckte sich über die Lippen und steckte genüsslich die erste Gabel mit einem triefenden Muffinstück in den Mund, „und die anderen sind auch nicht übel, alles Spezialisten vom Feinsten. Immerhin sind wir hier die Besten, was Tränkekunde angeht", er klopfte sich stolz auf die Brust, „Klein aber fein!"
„Ja, das ist allgemein bekannt", stimmte Hermine nickend zu und bestellte noch einen Tee, „Und darum bin ich auch wirklich froh, hier anfangen zu dürfen."
„Hat Dich Carter ausgesucht?", erkundigte sich Mik und muffelte seinen Muffin.
„Ja, das hat er", bestätigte Hermine und erinnerte sich an das Treffen bei ihrer Abschlussfeier, als er ihr völlig überraschend den Posten angeboten hatte und sie damit in echte Entscheidungskonflikte gebracht hatte.
„Dann wirst Du schon was drauf haben, Carter hat einen Blick für Potential", meinte Mik gönnerhaft.
„Vielen Dank! Ich würde mich sehr freuen, wenn das so wäre", Hermine nippte genüsslich an ihrem Tee.
Miks Blick verdüsterte sich, „Allerdings weiß man noch nicht so richtig, wie es hier weitergehen wird."
„Aha und was genau soll das heißen?", Hermine beugte sich interessiert vor.
„Carter reduziert und sie haben so eine Neue eingestellt, die hat diese Woche angefangen."
„Davon habe ich gehört, ist das nicht gut?", Hermine ließ ihre Tasse wieder sinken.
„Was kann daran gut sein, dass Carter seinen halben Lehrstuhl abgibt und wir eine bekommen, die gerade erst ihren Meister gemacht hat."
„Er wollte bestimmt eine Entlastung haben", schlug Hermine vor und ihr Herz sackte in die Hose.
„Mag ja sein, aber kann so eine Unerfahrene uns das beibringen, was Carter uns beigebracht hätte?", fragte Mik zweifelnd.
Hermine zuckte mit den Schultern und wollte schon zu ihrer Ehrenrettung vorbringen, dass sie sich wirklich alle Mühe geben wollte, als Mik fortfuhr, „Entweder ist sie so eine Intelligenzbestie, die schon als alte Hexe geboren wurde", mutmaßte er, „oder so ein verrückter Wissenschaftsprof wie Mccormick, der weiß auch nicht, dass es außerhalb seines Labors noch Leben gibt."
„Professor Esra Mccormick?", das war der steinalte und sehr mitgenommene Professor für experimentelle Tränkekunde, ihm fehlten diverse Körperteile und nach einhelliger Meinung auch ein Teil seines Verstandes. Gottlob stand der kurz vor seiner Pensionierung.
„Richtig, der hat echt ´nen Knall und die Neue wird nicht besser sein, wahrscheinlich ist sie aber nur durch Beziehungen an die Stelle gekommen, reicher Daddy oder ne Verwandte von einem der Räte."
„Möglich", schluckte Hermine und dachte an Severus Verbindungen zur Edinburgher Fakultät.
„Und weißt Du auch was böse Zungen so erzählen", er winkte sie noch näher zu sich heran.
„Nein, noch nicht", Hermine schwante Böses und sie beugte sich besorgt über den Tisch.
„Der Dekan soll nicht nur wissenschaftliches Interesse an ihr haben", er sah sie bedeutungsvoll an und Hermine entglitten die Gesichtszüge, „Was? Ist er dafür nicht etwas alt?"
„Er sieht nur alt aus und außerdem wissen wir doch alle: Alter schützt vor Torheit nicht!", rezitierte Mik mit erhobenem Zeigefinger und widmete sich wieder seinen Muffins.
„Das ist ja furchtbar!", Hermine war von diesen Eröffnungen wirklich erschüttert, „Hat der Dekan denn keine Frau?", fiel ihr zudem noch ein.
„Doch, schon, aber was die nicht weiß, macht sie nicht heiß", Mik schien eine Vorliebe für Sprichwörter zu haben.
„Unglaublich!", fasste Hermine das Gehörte zusammen und nahm einen tiefen Schluck Tee. Der sollte ja bekanntlich beruhigen.
„Schade", muffelte Mik mit vollem Mund, „dass ich letzte Woche die Einführung nicht mitbekommen habe, hätte mir die Frau ja mal gerne angesehen, aber ich war bei meiner Mutter in Schweden."
„Oh, Schweden", Hermine zog die Augenbrauen empor, „Wohnt sie da?"
„Ja, ich bin aus der Nähe von Uppsala, sie ist dort als Redakteurin bei der Fachzeitschrift ‚Potions today' und recherchiert aktuell einen Artikel über Wechseltränke."
„Wie spannend", jetzt konnte sie auch seinen netten Akzent besser einschätzen. Ein Schwede also.
„Ja, nicht übel", nickte Mik stolz, „aber erzähl´, warst Du denn bei der Einführung dabei?"
„Ja, allerdings, das war ich", und wie sie das war!
„Und, wie fandest Du die Neue?"
„Nun, ich glaube, sie war ziemlich aufgeregt", überlegte Hermine.
„Kein Wunder", schnaubte Mik, „bestimmt ist ihr klar geworden, was sie da für einen Job übernommen hat!"
„Das könnte gut sein", gab Hermine seufzend zu, „sie sah auch sehr beeindruckt von allem aus."
„Das wäre ich an ihrer Stelle auch!", erklärte Mik und ergänzte spitzbübisch, „Ich glaube ich erwähnte es bereits, aber wir sind die Besten!"
„Ja, das habe ich schon das ein oder andere Mal gehört", lachte Hermine, wurde aber von einem tiefen ‚Dong', ‚Dong' unterbrochen. Der Stundenschlag von St. Giles mahnte zum Aufbruch.
„Oh, Entschuldigung, aber ich muss zurück", erklärte Hermine mit einem Blick auf ihre Uhr, bezahlte ihren Tee und ihr Sandwich und packte schnell ihre Unterlagen zusammen.
„Äh, wie? O.K., dann geh ich jetzt auch", entschloss sich Mik spontan und stopfte den restlichen Muffin in den Mund, „Was hast Du denn jetzt", fragte er, als er das in Sirup ertränkte Gebäck mit Kaffee hinuntergespült hatte und einige Münzen auf den Tisch warf.
„Allgemeine", antwortete Hermine.
„Toll!", strahlte Mik, „Ich auch, war im ersten Semester öfters im Ausland, darum muss ich Allgemeine nachholen. Bin leider bei Historische gelandet, alles andere war schon besetzt", er seufzte, „da ist die Neue, ich kann mir also sofort ein Bild von ihr machen und Du?"
„Ich habe auch Historische gewählt", erwiderte Hermine, „allerdings völlig freiwillig", sie schaute ihn bekümmert an, „aber da wusste ich ja noch nicht, dass die zuständige Professorin ein besserwisserischer, altbackener und nur durch Beziehungen an diesen Posten gekommener Frischling ist."
„Ach, wir werden es überleben!", gab Mik die Hoffnung nicht auf und schaute verwundert auf seine Armbanduhr, „Du bist aber noch reichlich früh für Allgemeine!"
„Ich will gut vorbereitet sein", erklärte Hermine.
„Ach, der Eifer der Anfänger", lachte Mik herablassend und folgte ihr eilig.
Sie drängten sich an vielen Touristen vorbei, die bei dem guten Wetter ebenfalls den schmalen Pfad des Schlossberges hinab nahmen, um zu dem kleinen Park zu gelangen, der das alte und das neue Edinburgh voneinander trennte und an dessen Stirnseite eben auch der geheime Eingang zur Tränkeuniversität lag.
„Wie heißt sie eigentlich?", fragte Mik irgendwann, kurz bevor sie ihr Ziel erreicht hatten.
„Wer?"
„Na, die Neue!"
„Das wissen Sie nicht?", staunte Hermine verwundert.
„Nein, aber Du darfst mich ruhig duzen, auch wenn ich schon im dritten bin und Du erst im ersten!"
„Danke, sehr freundlich!", grinste Hermine schief, „Sie heißt Granger, Hermine Granger."
„Na, der Name ist wirklich schon mal ziemlich altbacken."
„Echt?", das auch noch… „Ich glaube den hat ihr Vater ausgesucht. Er ist ein großer Shakespearefan und liebt besonders das ‚Wintermärchen'"
„Was Du nicht alles weißt, erzählt sie das überall herum?"
„Nein, ich habe meine Quellen!", und in diesem Falle sogar sehr fundierte Quellen.
„Wie schon gesagt, der Eifer der Anfänger!", er schnaubte laut, „Außerdem ist die Geschichte ganz, ganz seltsam."
„Die aus dem Wintermärchen?", fragte Hermine nach.
„Ja, seltsam und an den Haaren herbeigezogen!"
„Da ist was dran, obwohl es sehr gut geschrieben ist", bemerkte Hermine zur Ehrenrettung der Geschichte.
„Ist ja auch von Shakespeare!"
„Richtig! Ich habe mich übrigens schon immer gefragt, warum ‚Ein Wintermärchen' unter die Kategorie ‚Komödie' gezählt wird", lachte Hermine.
Sie kamen zum leeren Vorlesungssaal und Mik blieb stehen, doch Hermine eilte weiter den Gang entlang, „Wo willst Du denn hin?", fragte er erstaunt.
„Muss noch was erledigen", winkte Hermine ihm über die Schulter grinsend zu, „wir sehen uns später."
„Warte!", rief Mik ihr enttäuscht hinterher, „Du hast mir noch gar nicht Deinen Namen verraten."
„Doch!", lachte Hermine und bog in den Gang zu den Professorenbüros ab. Immerhin war das ihre erste Vorlesung und sie musste sich jetzt erst einmal mental auf diese Premiere vorbereiten.
Das Gesicht, das Mik Holmgren machte, als Professor Hermine Granger eine halbe Stunde später die Türe zum Vorlesungssaal öffnete und ans Pult trat, war wirklich köstlich, es zeigte pure Fassungslosigkeit und man konnte klar erkennen, dass er darüber nachdachte, einer Täuschung aufgesessen zu sein, denn er rieb sich tatsächlich mehrfach die Augen.
Nun, sie war sich gewiss, dass er sich wieder fangen würde. Sie jedenfalls gab ihr bestes, ihn und die kleine Gruppe an Zuhörerinnen und Zuhörern, unter ihnen Ambros Carter, Dekan McIntosh und netterweise auch Hogwarts düsterer Tränkemeister für einen Trank aus dem späten Mittelalter zu begeistern, der Verwechslungen hervorrief, um auch den Letzten davon zu überzeugen, dass sie diesen Job vielleicht doch verdient hatte.
Es schien ihr nicht schlecht gelungen zu sein, denn sie nahm sehr zufrieden die anerkennenden Stampf- und Klopfbekundungen der Studierenden am Ende der Vorlesung wahr und so konnte sie sich ganz am Schluss einen kleinen Kommentar nicht verkneifen,
„Werte Studierende, werte Meisterinnen und Meister, ich bin mir sehr bewusst, dass ich nicht Ambros Carter bin und es nie sein werde und ich kann Ihnen daher nur bedingt das nahebringen, was er Ihnen erklären und zeigen würde. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es auch bei mir einige spannende Dinge gibt, die es lohnen, sie sich anzuhören und anzusehen. In jedem Fall werden wir den heutigen Trank im nachfolgenden Seminar, zu dem sich", sie schaute kurz auf ihre Unterlagen „immerhin sieben sehr mutige oder sehr verzweifelte Studentinnen und Studenten eingetragen haben, vertiefen. Alle die nach dieser Vorlesung doch noch Lust bekommen haben sich uns anzuschließen, sind herzlich eingeladen. Wir sehen uns in einer Stunde, ich freue mich! Vielen Dank!"
Sie lächelte in die Runde, packte ihre Unterlagen zusammen und machte sich auf den Weg in ihr Büro, um ihre zitternden Glieder schnellstens auf ihre Couch zu werfen. Denn egal wie es ihr gelungen war, während der Vorlesung ihre Aufregung zu vergessen, jetzt waren ihr klopfendes Herz und ihre wackligen Knie wieder da und sie war sehr dankbar, dass der Elfenservice der Uni ihr eine heiße Kanne Tee und einige Kekse bereitgestellt hatte.
Doch gerade als sie nach der Kanne greifen wollte, klopfte es an ihrer Bürotüre.
„Herein", rief sie und schüttete sich eine Tasse ein.
„Professor Granger?", es war Mik, der seinen Lockenkopf zur Türe hereinsteckte.
„Oh, hallo Mik! Kommen Sie herein", freute sich Hermine und musste über sein beschämtes Gesicht grinsen, als er mit gesenktem Haupt im Türrahmen stehen blieb.
„Nein, danke. Ich wollte mich nur entschuldigen, Madam", er raufte sich die Haare, „Sie wissen schon, wegen eben."
Hermine hob belustigt ihre Augenbrauen, „Was gab es denn da zu entschuldigen?"
„Nun", er wurde rot, „wegen meiner ganzen Spekulationen und Befürchtungen"
„Ach, das", winkte Hermine ab, „ich hatte schon Sorge, dass sie sich dafür entschuldigen wollten, mit mir gemeinsam den Lunch eingenommen zu haben."
„Nein, ganz im Gegenteil", er wurde noch röter, „das hat mir echt Spaß gemacht."
„Gut, mir auch", gab Hermine zu, „und ich würde mich freuen, wenn Sie auch an meinem Seminar gleich teilnehmen würden. Ich könnte mich auch dazu hinreißen lassen eine Kanne Kaffee und einige Muffins zu besorgen, denn wegen mir, konnten Sie die letzten ja gar nicht richtig genießen."
„Nicht nötig, Professor", schüttelte Mik den Kopf, „ich komm auch so, denn ich habe mich eingehend davon überzeugt, dass die neue Professorin weder altbacken noch besserwisserisch ist und sie scheint auch Ahnung von der Materie zu haben."
„Toll, das ist sehr beruhigend!", lachte Hermine, „Und ich kann auch einen unbrechbaren Eid schwören, dass ich nichts mit dem Dekan habe!"
„Warum sollten Sie etwas mit dem Dekan haben, Professor Granger?", fragte eine bedrohlich dunkle Stimme hinter Mik und ließ den jungen Studenten einen kleinen Satz nach vorne machen.
„Weil man doch sonst als so junge Meisterin nie an einen solchen Job gekommen wäre", antwortete Hermine gerne und erklärte Mik, „Darf ich vorstellen, Mister Holmgren, das ist Professor Severus Snape, mein Mann."
„Äh, Ihr Ehemann?", stammelte er sichtlich enttäuscht.
„Ja", lächelte Hermine, „seit genau sechs Wochen."
„Tja, das ist…, nun…. Dann noch nachträglich herzlichen Glückwunsch", konnte er sein Pech nur schwer fassen, atmete dann aber tief durch und verbeugte sich artig in Severus Richtung, „Sehr angenehm, Sir, auch Ihnen noch meinen nachträglichen Glückwunsch. Und ich möchte mich noch einmal bei Ihnen entschuldigen, Professor Granger, das war wirklich dumm von mir!", ergänzte er und brachte sogleich unauffällig einige Meter Sicherheitsabstand zwischen sich und dem dunklen Ehegatten.
„Kein Problem, das mit den Beziehungen soll ja durchaus schon vorgekommen sein", zuckte Hermine mit den Schultern.
„Ich geh dann mal jetzt, wir sehen uns in Ihrem Seminar", er drückte sich vorsichtig an Severus vorbei.
„Ja, ich freue mich", nickte Hermine, „ach, Mister Holmgren?"
„Ja, Professor?"
„Vielleicht haben Sie ja in der nächsten Woche mal wieder Lust mit mir den Lunch einzunehmen?"
„Oh, ja, gerne, Madam", freute sich Mik ehrlich und wand sich mit einem durchaus hoffnungsvollem Grinsen zur Türe, das aber schlagartig verschwand, als er in Severus Gesicht schaute, „Äh, auch Ihnen alles Gute, Sir!", wünschte er auch Severus und schon war er verschwunden.
„Was wollte dieser Schnösel?", fragte Severus misstrauisch und schloss die Türe.
„Er hat mich heute Nachmittag in einem Pub in der Altstadt getroffen und mich für eine Studentin gehalten", kicherte Hermine und ließ sich wieder auf ihr Sofa fallen.
„Aha!", schloss Severus messerscharf, „Und er hat sicherlich versucht Dich näher kennenzulernen."
„Ja, er hat mich versucht anzubaggern", freute sich Hermine, „ist das nicht toll?"
„Nein!"
„Ach, Severus, Du alter Spaßverderber!", rollte Hermine mit den Augen und winkte ihn zu sich heran.
„Gar nicht!", schmollte der, kam aber ihrer Bitte nach und trat näher zur Couch heran.
„Doch, ich fand es sehr nett", sie griff nach seiner Hand und zog ihn zu sich herunter.
„Er ist bestimmt erst 20 oder 22!", grollte Severus und fand nur die Ungestümtheit seiner Frau nicht schlecht.
„Ja, das ist ja das Beste daran!", erklärte Hermine begeistert und küsste ihn wild, „das heißt nämlich, dass er mich für jünger gehalten hat!"
„Ich halte Dich auch für jünger!"
„Genau, darum habe ich Dich auch geheiratet!", verkündete Hermine bester Laune, „und jetzt musst Du mir sagen, wie Du meine Vorlesung fandest, ich glaube sie war nicht schlecht, was denkst Du?"
„Nun, nicht übel für eine Studentin", gab Severus gnädig zu, er war zugegebenermaßen noch immer bei geifernden jungen Studierenden, die sich in der nächsten Zeit in Massen an seine Frau heranschmeißen würden. Eine Vorstellung, die ihm ganz und gar nicht gefiel, egal wie viel Spaß Hermine daran hatte. Basta!
„Und was hat Ambros und der Dekan gemeint?", fragte Hermine weiter, es war immer so lästig, ihrem Mann jedes einzelne Wort aus der Nase zu ziehen.
„Das kannst Du sie selbst fragen, sie wollten gleich vorbeikommen."
„Oh, dann sollte ich besser aufhören mit Dir auf meiner Couch rumzuknutschen."
„Ja, obwohl es nicht übel ist, sehr bequem! Aber das können wir ja heute Abend noch nachholen", stellte Severus in Aussicht, „Nur gegen eine Tasse Tee hätte ich nichts einzuwenden. Ich würde Dir sogar als kleine Gegenleistung erzählen, was mir an durchaus akzeptablen Aspekten Deiner Vorlesung in Erinnerung geblieben ist."
„Dafür bekommst Du sogar noch einen Keks!", freute sich Hermine und schenkte ihm vorher noch einen sehr verheißungsvollen Kuss.
Aber genau wie Severus angekündigt hatte, klopfte es schon viel zu bald und Professor Carter kam mit dem Dekan herein, um ebenfalls viele durchaus akzeptable Aspekte der ersten Vorlesung von Professor Hermine Granger zu beleuchten.
Zum anschließenden Seminar kamen übrigens mehr als doppelt so viele Studenten, wie angemeldet. Ein sehr gutes Zeichen und ein noch besseres Zeichen war es, dass keiner der Anwesenden es hinterher bereute, dort gewesen zu sein.
Auch Mik Holmgren nicht.
