13. Vermeldungen

„Ha!", machte Hermine plötzlich und schlug ihm vorwurfsvoll auf den Oberarm, „wenn ich daran zurückdenke, wie Du nach den Ferien diese überraschende Neuigkeit verkündet hast!"

„Wie? Nun", reckte Severus etwas beleidigt das Kinn und rieb sich seinen Oberarm, „es war immerhin das erste Mal und Du musst zugeben, bei Sera war ich schon sehr viel routinierter!"

„Gott sei Dank!", stöhnte Hermine, „Und Du hast auch nicht mehr so lange gewartet es öffentlich zu machen."

„Ich persönlich hätte es noch lange nicht gesagt, wenn es nicht plötzlich so heiß geworden und Dein dicker Bauch einfach nicht mehr zu verbergen gewesen wäre! Nach der Geburt hätte es auch noch gereicht!"

„Ja, das hast Du damals auch dauernd gesagt!", erinnerte sich Hermine mit resigniertem Augenrollen.

Die große Halle Hogwarts war brechend voll mit lauter Schülerinnen und Schülern voller Hunger und Durst. Nichts Ungewöhnliches eigentlich, wenn nicht die anwesenden Schülerinnen und Schüler im Augenblick so wenig an Hunger und Durst gedacht hätten, sondern vielmehr an all ihre unzähligen Sünden und Vergehen und das nur, weil sich ihr Tränkeprofessor mit finsterstem Blick erhoben hatte und sie mehr als düster nieder starrte.

Kein gutes Zeichen, absolut nicht! Da waren sich alle einig. Ausnahmslos!

Es wäre bestimmt ein guter Zeitpunkt für ein wenig Veritasserum im Kürbissaft gewesen, ging es dem besagten Tränkeprofessor kurz durch den Kopf, hier würde man sicherlich noch einige geheime Untaten ans Licht befördern können!

Aber eigentlich hatte er ganz andere Sorgen.

Bei Merlin! Völlig andere Sorgen!

Mit einem tiefen Seufzen schaute er zu seiner Frau herunter, die ziemlich angespannt und mit besorgtem Gesichtsausdruck neben ihm saß und sich sicherlich gerade die schlimmsten Horrorvorstellungen über den weiteren Verlauf seiner Bekanntmachung machte.

Nun, da musste sie jetzt durch, denn immerhin war es ihre Schuld, dass er jetzt hier stand, anstatt sich mit sichtlichem Appetit über das leckere Hähnchenfilet im Teigmantel herzumachen, das für heute auf dem Speiseplan stand. Musste sie auch darauf bestehen enge Shirts und Blusen zu tragen und sich standhaft weigern dann wenigstens mit weitfallenden, kaschierenden Roben herumzulaufen, und das alles nur, weil es plötzlich Anfang September endlich Sommer werden wollte und es ihr zu heiß wäre?

Pf! Als ob das ein wirklicher Grund wäre! Immerhin gab es so etwas wie Kühlungszauber!

Außerdem hatte er ihr mehrfach angeboten diese blöden Vermeldungen selbst zu übernehmen, da brauchte sie sich auch keine Gedanken über seine mangelnde Begeisterung zu machen. Doch mit diesem Vorschlag war sie gar nicht einverstanden gewesen, „Du bist hier Lehrer und stellvertretender Schulleiter und ich nur Deine Frau, also ist das Dein Job!", hatte sie kategorisch abgelehnt und dann hinzugefügt, „Wenn ich das jetzt machen würde, denkt jeder, dass Du Dich nicht freust!"

Nun, das mit dem Freuen war ja auch so eine Sache. Er hasste Veränderungen und dass ein Kind eine ganze Menge Veränderungen mit sich bringen würde, hatte er in den letzten Wochen bereits zur Genüge erfahren müssen. Wer wusste denn schon, ob das nicht noch viel schlimmer werden würde?

Bei Merlin, er freute sich wirklich nicht besonders. Vielleicht war er im Geheimen ein wenig gespannt und neugierig, aber Freuen? Nein, Freuen war etwas ganz anderes. Er hatte sich auf die Zutatenexpedition gefreut, sehr sogar und es war zu seinem riesengroßen Bedauern nur eine Schmalspurversion davon Realität geworden und er freute sich auf jede leidenschaftliche Umarmung und auf jeden ruhigen und gemütlichen Abend mit seiner Frau vor dem Kamin, alles Dinge, die in den letzten Wochen rar geworden waren, wegen dieser ärgerlichen Übelkeit und das war garantiert erst der Anfang vom Ende jeglichen Friedens. Ja, er freute sich auf alles Mögliche, aber auf ein Kind…

„Jetzt mach schon", Hermine stupste ihn diskret in die Seite.

„Hm?", verdammt, er war wirklich gerade gedanklich etwas abgedriftet, hoffentlich hatte das sonst niemand gemerkt. Schnell räusperte er sich.

„Meine Damen und Herren!", schnarrte er leise und sofort hielt alles den Atem an.

„Ich habe Ihnen mitzuteilen, dass meine Frau und ich am Ende diesen Jahres", er machte eine Pause und schaute Hermine nochmals kurz an, „nun, wir werden ein Kind bekommen", vollendete er den Satz und wünschte sich und seine Frau auf den Mond.

Die Schülerschaft schien ob seines Gesichtsausdrucks und seines Tonfalls nicht recht zu wissen, ob das nun eine gute oder eher eine schlechte Nachricht war und so war die Reaktion auf diese Vermeldung auch recht verhalten. Ganz im Gegensatz zu den Kolleginnen und Kollegen, die sich voller Freude und Entzücken, mit vielen „Ah´s" und „Oh´s" auf die beiden stürzten und sie sprichwörtlich unter ihren Glückwünschen begruben. Minerva brach sogar in Tränen aus. Unglaublich, sie bekam das Kind doch nicht!

Ach, wie er so etwas hasste! Aber hatte er es nicht bereits erwähnt, da mussten sie durch.

Er gab sich auch alle Mühe nicht zu grimmig drein zu schauen, aber als Sybille Trelawney mit wehenden Schals auf ihn zugeeilt kam und mit der sphärischsten Stimme die er je bei ihr vernommen hatte vermeldete, „Ich wusste es natürlich schon seit Monaten, es war in meinen Tarotkarten ganz eindeutig zu erkennen, aber ich wollte Ihnen nicht zuvorkommen, mein Lieber", konnte er ein leises Schnauben und einen ungläubigen Blick nicht ganz unterdrücken. Was die Wahrsagelehrerin aber nicht im Geringsten zu stören schien, denn sie lächelte Hermine verschwörerisch an, „Und dass es ein Junge wird, war ebenfalls mehr als offensichtlich."

„Aha!", machte Hermine und raunte Severus unbemerkt zu, „wenn Sybille Trelawney einen Jungen voraussagt, können wir unbesehen auf ein Mädchen setzen!"

„Also, ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn sie zur Abwechslung mal recht hätte!", brummte Severus, denn dass es ein Junge würde, war seine einzige Hoffnung in all dem ganzen Schlamassel.

„Es ist doch egal, was es wird, Hauptsache es ist gesund", war Hermines Antwort sowohl an Professor Trelawney, als auch an ihn.

Da hatte sie natürlich recht, aber dennoch hätte sowohl die seltsame Wahrsagelehrerin, als auch er noch einiges zu der gewünschten oder vorhergesagten Geschlechterfrage zu sagen gehabt, aber Hermines Blick belehrte ihn und Sybille sich doch lieber dem schon ziemlich abgekühlten Abendessen zuzuwenden.

Na ja, dachte er durchaus erleichtert, als sie nach dem Essen (dank eines Aufwärmzaubers immerhin nicht allzu kalt) zurück in ihre Kerker gingen, wenigstens hatte er das hier schon mal hinter sich gebracht.

„So", schöpfte auch Hermine tief Luft, wahrscheinlich konnte sie Gedanken lesen, „dieses war der erste Streich…"

„Wie bitte? Und was ist der zweite?", hielt Severus aufgeschreckt inne und sah ihr besorgt hinterher.

„Also, ich glaube kaum, dass diese Neuigkeit lange geheim zu halten ist", war sich Hermine sicher, „und wenn ich eine Wette abschließen müsste, wie lange es dauert, bis der Tagesprophet oder eines der anderen Hexenblättchen davon Wind bekommt, würde ich auf maximal zwei Tage tippen."

„Was?", entsetzte sich Severus, seine gerade einsetzende Erleichterung begann sich in Luft aufzulösen „Davon hast Du bisher nichts gesagt!"

„Warum auch? Das war doch mehr als klar!", zuckte Hermine mit den Schultern und bedeutete ihm endlich zu kommen, immerhin galt es noch einen Trank fertig zu brauen.

Er folgte ihr mit erschütterndem Blick und tiefer Sorgenfalte auf der Stirn, „Wir hätten einen Geheimhaltungszauber sprechen können!", fiel ihm ein, als er die Kerkertüre hinter sich schloss und musste sich die Haare raufen, wenn er an diese sabbernden und geifernden Reporterfritzen dachte.

„Das bringt doch eh nichts", hielt seine unbekümmerte Frau dagegen, hängte ihre Robe an die Garderobe und tauschte sie gegen den Laborkittel, „irgendwann kommt es eh raus, spätestens wenn ich nächste Woche zu der Heilerin ins St. Mungos muss."

„Dafür gibt es doch Ignorierzauber, verdammt!", genau, warum konnte sie nicht an die einfachsten Dinge denken, wenn es darauf ankam? Verhütungstränke z.B.!

„Severus!", seine Frau baute sich mit auf den Hüften gestemmten Händen vor ihm auf, „Wir sind erwachsene Menschen, Mann und Frau, die seit neun Monaten ganz legal und hochoffiziell miteinander verheiratet sind und darum ist es auch keine Schande, dass wir Ende des Jahres ein Kind bekommen!"

„Natürlich nicht", versuchte er sie zu beruhigen, denn Aufregung führte leicht zu Übelkeit – sehr schlecht! „es muss doch nur nicht gleich jeder wissen!"

„Doch", beharrte Hermine ärgerlich und öffnete die Labortüre, „denn die Hälfte der Zaubererwelt glaubt, dass ich Dich nur aus Berechnung geheiratet habe!"

„Unsinn!", Berechnung? Welche Berechnung sollte das denn sein?

„Kein Unsinn!", hielt Hermine trotzig dagegen und prüfte den Zustand ihres Kessels.

„Doch, purer Unsinn!", blieb auch Severus standhaft und warf ebenfalls einen Blick auf den sanft blubbernden Kesselinhalt, „wenn überhaupt, dann denkt die Hälfte der Zauberwelt, dass ich Dich mit einem Imperius belegt hätte oder Du mich nur aus Mitleid oder wahlweise auch aus Verwirrung geheiratet hast!"

„Na also, sag ich doch!", reckte Hermine ihm die Rührkelle entgegen, „Dann werden sie jetzt eben eines Besseren belehrt!"

„Pah! Sie werden alles Mögliche denken", antwortete Severus grummelnd, „zum Beispiel dass es von jemand anderem ist oder aber, dass es im Labor gezeugt wurde!" Hm, er sah sich kurz um, das Labor war ebenfalls kein schlechter Ort für gewisse Taten, wie ihm gerade wieder einfiel…

„Siehst Du! Und das kommt nur davon, weil Du Dich weigerst mich in der Öffentlichkeit überhaupt nur zu umarmen, geschweige denn zu küssen oder gar etwas anderes!", funkelte Hermine ihn an und schlug in ihrem Tränkebuch nach, was als nächstes bei ihrem Trankprojekt zutun sei.

„Ich weiß nicht, was Du willst", knurrte Severus und wies auf den Krug mit frischem Quellwasser, „und ich war mir bisher auch nicht im Klaren darüber, dass Du ein Interesse daran hast, mit mir vor aller Welt Sex zu haben!"

„Wie bitte?" empörte sich Hermine und hätte beinahe sowohl den Krug, als auch die gefrorenen Sonnenstrahlen mitsamt ihrem goldenen Aufbewahrungskästchen fallen gelassen, die sie gerade geholt hatte „Es geht hier doch nicht ums Sexhaben!"

„Nein?", hob ihr frecher Ehemann ungläubig die linke Augenbraue und rührte vorsichtig dreimal rechtsherum.

„Nein! Verflixt!", schnappte Hermine erzürnt, „Es geht darum, dass ich kein Problem damit habe, dass alle Welt weiß, dass ich Dich wie verrückt liebe und dass ich von Dir ein Kind erwarte und dass ich es völlig normal finden würde, wenn es Dir mit mir vielleicht ähnlich gehen sollte!"

„Mir reicht es völlig, wenn die wenigen Menschen, die mir etwas bedeuten wissen, dass ich Dir ebenfalls recht zugetan bin und dass Du ein Kind erwartest, das höchstwahrscheinlich von mir ist!", verkündete ihr Ehemann ungerührt und versuchte sich auf die fünfundzwanzig Tropfen, die er von dem Quellwasser dazugeben sollte und auf die zweieinhalb fehlenden Priesen der Sonnenstrahlen zu konzentrieren. Was natürlich alles etwas schwierig war, wenn man nebenher seine Frau noch ein wenig ärgern musste.

„Severus!", stampfte Hermine auch wunderbar erschüttert mit dem Fuß auf.

„Ja, bitte?!", tat ihr Mann unschuldig und konnte sich ein kleines Grinsen nur mit Mühe verkneifen. Ach, sie sah zum Anbeißen aus, wenn sie wütend war.

„Wenn Du Zweifel daran haben solltest wer der Vater dieses Kindes hier ist", knurrte sie und deutete auf ihren leider deutlich zu erkennenden Bauch, „dann solltest Du vielleicht mal mit Poppy Pomfrey sprechen."

„Das habe ich schon längst, aber sie weigert sich standhaft mir etwas zu sagen!", log er frech, aber er hatte schon gemerkt, dass sie ihn durchschaut hatte. Schade!

„Ha!", drehte Hermine auch sofort den Spieß herum, „was kein Wunder ist, denn ich habe es ihr verboten!"

„Verboten?", seine rechte Augenbraue ruckte ebenfalls empor und beinahe hätte er sich verzählt.

„Ja, verboten", bestätigte Hermine und ihre Augen glitzerten, „ich wollte aus nachvollziehbaren Gründen natürlich nicht, dass Du so doch noch erfährst, wie mich dieser übermütige, junge Zauberer mit der süßen roten Nase und dem Schalk in seinen schwarzen Augen, in dieser herrlichen Winternacht dort draußen auf dem See so verrückt gemacht hat, dass wir es anschließend nicht einmal mehr in ein anständiges Bett geschafft haben, sondern in Pomonas Gewächshaus einfallen mussten."

„Was? Das ist ja schockierend!", machte er entsetzt, aber das Wolfsgrinsen, das um seine Lippen zuckte führte seine Empörung ad absurdum.

„Ja, das denke ich auch", seufzte Hermine genießerisch und trat dicht an ihn heran, „aber es war auch echt der Wahnsinn! Ehrlich! Viel besser, als in einem Labor!"

„So, so…", er stellte belustigt den Krug und auch die goldene Schale mit den Sonnenstrahlen beiseite, nickte ihr zu, damit sie den Spruch sprechen könnte und nutzte die Gelegenheit ihren wundervollen Duft tief einzuatmen.

Als sie fertig war und der Trank sich tiefrot gefärbt hatte, holte er aus dem obersten Regal die kleine Phiole mit Löwenblut und das Behältnis mit Mutterkornsamen, „Und was ist aus diesem jungen, schwarzäugigen Zauberer geworden, triffst Du ihn noch ab und an?", fragte er brummelnd, nachdem er auch diese beiden Zugaben ganz nach Vorschrift in den Kessel gegeben hatte.

„Ach, nein, das ist eine tragische Geschichte", wusste Hermine mit dramatischem Blick, während sie zwei winzige Blätter Marihuana kleinschnitt, „er hat sich just in dem Augenblick, als er von der Schwangerschaft erfuhr in eine geheimniskrämerische, pessimistische alte Unke verwandelt. Eine, die sich dafür schämt Gefühle zu haben."

„Gar nicht!", behauptete die Unke mit beleidigtem Blick und gab eine Zauberstabspitze Bärenklau in den Kessel.

„Oh doch!", war sich seine Frau völlig sicher, „aber ich habe mich schweren Herzens damit abgefunden." Sie seufzte mitleiderregend, warf die Blätter in den Kessel und streichelte sachte über ihren Bauch, „ich hoffe nur nicht, dass er diese unbegreifliche Eigenschaft an sein Kind weitervererbt hat!"

„Dann würde es wenigstens ein sehr diskretes Kind werden", er starrte hoffnungsvoll ihren Bauch an.

„Oh ja, unglaublich diskret!", spottete Hermine und nahm ihm den Rührlöffel ab, um nun ihrerseits dreimal linksherum zu rühren, „Ich will aber kein diskretes Kind, ich will eines, das mir seine Liebe und Zuneigung zeigen kann und nicht dreimal überlegen muss, ob es das auch in der Öffentlichkeit tut!"

„Was aber sehr klug wäre!", gab Severus zu bedenken.

„Klugheit ist nicht alles!", hielt Hermine dagegen, „Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es ihm an Klugheit mangeln wird, immerhin weiß ich persönlich ganz genau, wer der Vater ist", sie bedachte ihn mit einem kurzen undurchsichtigen Blick.

„Das ist gut", antwortete Severus ungerührt, „denn sich mit einem solch unbedachten Windbeutel von Kerl einzulassen, dabei noch den Verhütungstrank zu vergessen und dann noch wochenlang nicht zu bemerken, dass Du schwanger bist, zeugt nicht von besonderer Klugheit Deinerseits!"

„Nun gut", gab Hermine etwas zerknirscht zu, „Einige dieser Aspekte treffen wohl zu, aber ich setze dem entgegen, dass es wirklich alles andere als leicht war sich diesen hochinteressanten, dunklen Typen zu angeln. Dabei habe ich wohl all meine Klugheit aufgebraucht."

„Verschenkte Liebesmüh! Das hat dieser Mensch wahrscheinlich gar nicht gemerkt!"

„Nein, wahrscheinlich nicht, denn er hat ein mieses Ego!", grinste Hermine.

„Wie bitte?"

„Ganz mieses Ego", wiederholte Hermine gerne und löschte das Feuer unter dem Kessel, „aber es ist bestimmt gut so, dass er nicht gar so sensibel ist und lange nichts davon bemerkt hat, dass ich ihn unwiderstehlich fand, denn sonst hätte er wahrscheinlich die Flucht ergriffen!"

„Höchstwahrscheinlich!", stimmte Severus zu und stellte zufrieden die magische Sanduhr auf eine halbe Stunde ein. Solange musste der Trank nämlich ruhen.

„Richtig! Und damit hätte er all das Schöne verpasst!", strahlte Hermine, „zum Beispiel das hier!", sie zog ihn ziemlich energisch am Revers zu sich heran, stellte sich dann auf ihre Zehenspitzen und schlang die Arme um seinen Hals, um ihm einen sehr schönen Kuss zu geben.

„Hm, das wäre wohl wirklich ein echter Verlust gewesen!", gab Severus zu und schob sie sanft zum Laborhocker, damit sie ihm noch weitere schöne Dinge zeigen konnte.

Ja, sie hatte recht, denn wenn man all das Gute und Schöne der letzten Jahre zusammenzählte, das er durch und mit ihr erfahren und erlebt hatte, dann war das jetzt hier ein wirklich kleiner Wehrmutstropfen. Einer, der durchaus zu ertragen war.

„Wann wirst Du es Deinen Studenten erzählen?", fragte er, nachdem die Sanduhr durch einen scharfen Pfeifton angezeigt hatte, dass sie sich leider wieder der Arbeit widmen müssten.

„Morgen", murmelte Hermine und streichelte ein letztes Mal seine Wange entlang, „ich habe Vorlesung, da sind die meisten da."

„Morgen schon", jammerte Severus erneut, „Dann weiß es der Tagesprophet übermorgen auf alle Fälle!"

„Wie gesagt", zuckte Hermine wiederum mit den Schultern, „das wird nicht zu vermeiden sein!"

Als sie aber den nun sonnengelben und etwas zähflüssigen Mutmachtrank in die bereitgestellten Flakons füllte, fragte sie ein wenig zögerlich, „Severus?"

„Ja?", er hielt inne und sah sie aufmerksam an.

„Würdest Du morgen zu meiner Vorlesung kommen?", ihr Blick huschte kurz zu ihm empor und sie nagte an ihrer Unterlippe.

„Hm", machte Severus erstaunt, da waren ihr die eigenen Vermeldungen wohl auch nicht so einerlei! Wer hätte das gedacht! Seine unerschrockene Löwenfrau! „Nur, wenn Du über einen spannenden Trank referierst", antwortete er.

„Er ist nicht besonders spannend", gab Hermine sich leicht windend zu, „aber es ist nun mal so, dass ich sehr froh darüber wäre, wenn Du da wärst."

„So, und warum?", stellte er sich dumm, „Denn ich werde Dich bestimmt nicht öffentlich küssen oder ähnliches."

„Nicht? Oh, wie schade!", spottete sie und verkorkte auch den letzten Flakon.

„Ja, sehr schade", stimmte er ironisch zu, während er den Kessel reinigte „und ich weiß auch nicht, ob es so gut wäre, wenn ich komme!"

„Aha? Warum nicht?", fragte Hermine interessiert und überlegte sichtlich, ob sie alle Mutmachtränke in den Schrank räumen sollte oder den ein oder anderen noch draußen lassen sollte.

„Ich könnte Dich mit einigen kniffligen Fragen in Schwierigkeiten bringen", gab Severus zu bedenken.

„Quatsch, Deine Fragen bringen mich nie in Schwierigkeiten!", wischte Hermine seine Bedenken weg.

„Nein? Was denn dann?"

„Na", sie deutete auf ihren Bauch, „Das ist doch mehr als offensichtlich, mein Lieber!"

„Ja, ich gebe zu, Du hast recht!", nickte Severus kleinlaut und er hatte das untrügliche Gefühl, dass seine Schwierigkeiten gerade erst anfingen.

„Und wie ist es jetzt, hast Du morgen Zeit?", kam Hermine auf ihre Bitte zurück.

„Wie? Ach ja, vielleicht, vielleicht auch nicht", ließ er sie noch ein wenig zappeln.

„Bitte! Ich könnte mir auch eine nette Belohnung für Dich überlegen", stellte Hermine lockend in Aussicht.

„Nun, wenn es eine wirklich sehr nette Belohnung ist", gab Severus nach, „Dann könnte ich es mir überlegen."

„Ich verteile nur nette Belohnungen, wie Du weißt."

„Ja, das kann ich bestätigen", gab Severus zu, „Also, wenn das so ist…."

„Danke!", atmete sie tief durch.

„Dank mir nicht zu früh!", grummelte ihr gestrenger Ehemann, „Nicht dass ich doch noch aufstehe und allen verkünde, dass meinem Wissen nach das Kind zu Deiner Schande von einem übermütigen Idioten ist, der sich ab und an für unwiderstehlich und romantisch hält!"

„Ach, Severus, habe ich Dir schon mal gesagt, dass ich diesen übermütigen Idioten wirklich unwiderstehlich finde?", erkundigte sich Hermine froh und zog ihn erneut zu sich heran.

„Nein!"

„Dann sollte ich das wohl mal tun, damit er nicht für immer hinter dieser düsteren Unke verschwindet!", entschied Hermine bestimmt und grinste ihn ziemlich vielsagend an.

Nun, im Grunde genommen fand er diesen Idioten auch nicht gar so schlecht, denn manchmal etwas verrückt zu sein, machte zugegebenermaßen unglaublichen Spaß!

Spaß machte ihm die ganzseitige Titelstory des Tagespropheten zwei Tage später zwar absolut nicht, aber Hermine, Minerva und Poppy waren der festen Meinung, dass es noch weitaus schlimmere Schlagzeilen hätte geben können, als ‚Das ungleichste Paar der Zaubererwelt bekommt ein Kind! Wird Hogwarts finsterer Tränkemeister Vater?'

Na, das mochte zwar sein, aber besser machte diese Erkenntnis das Ganze in Severus Augen auch nicht. Da half der Beruhigungstrank, den ihm Hermine unbemerkt in seinen Antikatertrank gemischt hatte doch schon weit mehr! Der Kopfweh- und Magentrank war ja auch wahrlich dringend nötig gewesen, weil die Studenten und das Kollegium in Edinburgh am Tag zuvor mit einer wilden Spontanparty auf die Neuigkeiten ihrer Professorin reagiert hatten und weil er aus lauter Gutmütigkeit selbstverständlich zu ihrer Vorlesung gekommen war, hatte er auch gefühlt mit jedem Anwesenden auf das zu erwartende Kind trinken müssen. Bei Merlin, war ihm danach schlecht gewesen!

Aber so hatte Hermine den Mutmachtrank doch nicht gebraucht. Jedoch hatte er sich wohlweislich für weitere Vermeldungen einen Flakon abzweigt. Bei dieser Frau wusste man nie, was als nächstes bekanntzugeben war und immerhin war er kein Gryffindor!

Wahrlich nicht! Bei Merlin!