15. Eileen Granger-Snape

„Und dann wurde Eileen geboren", lächelte Hermine warm.

„Ja, das wurde sie!", nickte Severus mit sehr stolzem Gesicht, „aber das war ja nun wirklich eine Geschichte für sich", er schenkte ihr einen bezeichnenden Blick.

„Absolut, mein Lieber!", stimmte Hermine sogleich zu, „und eine wahrlich unglaubliche!" (Anmerkung der Autorin: diese Geschichte ist unter dem Titel „Geschenke" veröffentlicht)

„Genau, ich weiß ja auch nicht, warum wir immer in solche Geschichten hineingeraten!", stöhnte Severus, als er sich an einige haarsträubende Einzelheiten erinnerte.

„Ich auch nicht, echt", schwor Hermine, „und bevor Du wieder auf den Gedanken kommst, dass ich an allem schuld bin, so möchte ich das in diesem Falle weit, weit von mir werfen!"

„Gut", gab Severus zu, „an dieser speziellen Aktion warst weder Du noch ich schuld an irgendetwas, aber das hat ja an der ganzen unglaublichen Geschichte leider so gar nichts geändert."

Wie wahr! Und das mit der unglaublichen Geschichte war übrigens nicht nur seine und Hermines ganz persönliche Meinung! Nein, sondern die der gesamten englischen Zaubererwelt, denn sie füllte mal wieder eine ganze Sonderausgabe des Tagespropheten und kostete Severus damit eine Menge zusätzlicher Nerven. Als wenn er davon seit dem engeren

Zusammentreffen mit dieser brünetten Hexe nicht schon genug verloren hätte!

Bei Merlin und dann auch noch das!

Musste seine erste Tochter doch unbedingt in einem Südsee-Urlaubs-Paradies geboren werden, das seines Gleichen suchte.

Leider war der Aufenthalt dort weder geplant noch freiwillig gewesen, sondern einer Verkettung unglücklicher Zufälle geschuldet. Und sehr zu seinem Bedauern konnte er diese ganze ärgerliche Sache wirklich nicht Hermine in die Schuhe schieben. Verflixt. Das es letztlich dennoch so glimpflich abgelaufen war, verbuchten beide noch sehr lange unter der Rubrik „großes Glück gehabt". Es hätte wahrlich nicht viel gefehlt und es hätte eine wirkliche Katastrophe gegeben, denn die Geburt war alles andere als leicht gewesen.

Eileen wurde zur Mitwinterwende geboren und eigentlich sollte sie völlig anders heißen.

Wie?

Nun, das wussten ihre Eltern leider bis dato auch noch nicht so genau, aber auf Eileen, den Namen von Severus Mutter, war vorher niemand gekommen. Er fiel Hermine ja auch völlig spontan ein, als sie nach nicht enden wollenden Stunden voller schlimmer Wehen, zum ersten Mal den dunklen Schopf und die nachtschwarzen Augen ihrer Tochter sah.

Severus war von dieser Spontaneingebung seiner Frau alles andere als begeistert gewesen. Wegen des traurigen Lebenslaufs seiner Mutter deutete er es als schlechtes Omen. Aber da er gerade erst so unglaublich erleichtert war, diese furchtbare Geburt hinter sich gebracht zu haben, ohne das einer von ihnen Schaden genommen hatte, fügte er sich schließlich unter der Bedingung, dass ‚Jean' ihr zweiter Name werden müsse. Dagegen hatte Hermine gar nichts einzuwenden. Doch als sie dann auch noch darauf bestand, dass er seine Tochter am nächsten Morgen unter dem Familiennamen Granger-Snape eintragen lassen sollte, gab es beinahe einen handfesten Krach im Südseeparadies.

Ihm wollte partout nicht in den Kopf, warum das arme Kind auch noch mit seinem Namen geschlagen sein sollte! Hatte es nicht schon genug Leid zu tragen, indem es die nächsten Jahren mit ihm als Vater zurecht kommen musste? Wahrlich berechtigte Argumente, wie er fand. Nur seine Frau sah das so gar nicht ein und stellte sich mehr als stur!

Zum drohenden Streit kam es nur nicht, weil beide gerade so außerordentlich müde und glücklich waren, daher gab Severus auch hierbei nach, schwor ihr aber bei der höchstwahrscheinlichen späteren Beschwerde ihrer Tochter, sofortiges unsolidarisches Abstreiten irgendetwas mit dieser Entscheidung zu tun gehabt zu haben!

Hermine schien dies nicht im Geringsten zu beunruhigen. Nun, kein Wunder nach 12 Stunden Wehen.

Das Südseeurlaubsparadies war vor allem deswegen so ungünstig für Geburten gewesen, da sie dort völlig auf sich allein gestellt gewesen waren. Es konnte nämlich keiner herein und keiner heraus! Gegen die Ängste die er in diesen Stunden ausgestanden hatte, waren die Zeiten des Dunklen Lords wahrlich Sommerurlaube. Allerdings konnte er die Kenntnisse, die er in den Jahren seiner Spionagetätigkeit gesammelt hatte, dort sehr gut nutzen, denn so hatte Hermine es vielleicht nicht sogleich bemerkt, wie viele Sorgen er sich um sie gemacht hatte, immerhin sollte er ihr ja Halt und Stütze sein.

Als dann endlich, endlich der Zauber erlosch und Poppy Pomfrey zur Hilfe eilen konnte, da sagte ihr Blick, dass seine Ängste wohl durchaus berechtigt gewesen waren. Hermine war am Ende ihrer Kräfte und das Erscheinen von Hogwarts Heilerin war wohl gerade noch so zur rechten Zeit gekommen. Sie nahm dann auch sogleich das Zepter in die Hand und führte die beiden gekonnt durch die eigentliche Geburt.

Das Gefühl an einem solch besonderen Ereignis hautnah teilhaben zu dürfen, erfüllte Severus noch Jahre danach mit großer Ehrfurcht und Hochachtung. Er wusste nicht, ob er es an Hermines Stelle gekonnt hätte. Aber sie hatte es gemeistert und sie hatte es trotz der vielen widrigen Umstände mit Bravour gemeistert.

Nie zuvor im Leben hatte er mehr Stolz für seine Frau empfunden.

Poppy gab dann schließlich gegen drei Uhr in der Früh ihr Einverständnis die ganze Familie Granger/Snape heim nach Hogwarts zu holen. Wegen der großen Erschöpfung und Überanstrengung der jungen Mutter bestand sie darauf, dass Hermine und ihre Tochter die Nacht auf der Krankenstation verbringen sollten, zwecks besserer Überwachung. Hogwarts Heilerin wollte kein Risiko eingehen. Er hatte dafür Verständnis, wenn er sich auch ungeheuer auf sein Bett gefreut hatte. Gnädigerweise erlaubte Poppy ihm bei Hermine zu bleiben, aber nur, damit seine Frau besser schlafen konnte.

Trotzdem eine sehr nette Geste von Hogwarts Heilerin, in der Tat!

„Weißt Du noch?", fiel Hermine gerade eine weitere kleine Episode ein und strahlte ihren Ehemann an, „unsere erste gemeinsame Nacht als Familie?"

„Nacht?" schnaubte Severus mit leidendem Ausdruck ungläubig, „welche Nacht?"

Allerdings! Denn die so dringend benötigte Nachtruhe an diesem 21. Dezember dauerte nicht besonders lange. Bereits wenige Stunden später, die Sonne schob sich gerade über den Horizont, weckte sie ein seltsames Klagen und Weinen, dessen Ursprung beide erst nicht so recht zuordnen konnten, bis ihnen wieder schlagartig alle Ereignisse der letzten Tage in den Sinn kamen und sich Hermine plötzlich hell wach, eilig aus dem Bett beugte, um ihre Tochter aus der nahen Wiege zu holen.

„Was hat sie?", knurrte Severus und rieb sich die Augen.

„Na, was schon, Hunger hat sie, nicht wahr?", säuselte Hermine und lachte ihre Tochter an, die tatsächlich beim Anblick ihrer Mutter das Klagen deutlich reduziert hatte.

„Schon wieder?", grummelte Severus und warf einen skeptischen Blick auf seine Taschenuhr.

„Ungefähr alle vier Stunden", erklärte Hermine nebenher, während sie sich sehr vorsichtig zurück in die Kissen legte und ihre Tochter liebevoll an sich drückte, „ja mein Schatz, das ist halt so, wenn man einen so kleinen Bauch hat und man ganz schnell wachsen will, um die Welt zu erkunden", sie knöpfte das Nachthemd auf und legte Eileen an.

Ihr brummeliger Ehemann blinzelte den beiden einige Augenblicke lang zu. Eileen schien noch nicht so recht zufrieden zu sein. Hermine auch nicht und ruckte versuchsweise etwas hin und her, dabei verzog sie leicht das Gesicht.

„Hast Du noch Schmerzen?", fragte er besorgt und musterte sie kritisch, „Soll ich Poppy rufen?"

„Nein, das ist nicht nötig, denn das ist normal, immerhin ist mein ganzer Bauch innen wund und muss noch abheilen."

„Kann das Poppy nicht mit einem Zauber oder einem geeigneten Trank beheben?", fragte Severus und griff nach hinten zu seinem Kissen. „Hier, lege das unter und komm etwas näher, dann habt ihr zwei es vielleicht ein wenig bequemer."

„Danke", flüsterte Hermine lächelnd und schmiegte sich in seinen Arm und tatsächlich schien dies besser zu sein, denn Eileen begann sogleich viel gleichmäßiger zu saugen, „Natürlich könnte Poppy das mit einem einzigen Zauberstabwisch erledigen", kam Hermine auf Severus Frage zurück, „immerhin kann sie viel schlimmere Verletzungen heilen, aber sie hat mir erklärt, dass sich dieses Vorgehen nicht bewährt habe. Im Körper einer Frau laufen in der Schwangerschaft und vor allem in den ersten Tagen nach der Geburt, unglaublich viele Prozesse ab, die dadurch empfindlich gestört werden."

„Und die Tränke?", denn wenn er sich nicht versehen hatte, dann war nur ein Schmerztrank und ein Aufpäppeltrank unter den fünf oder sechs Fläschchen gewesen.

„Die beschleunigen das nur, so dass eine Hexe sich nicht sechs bis acht Wochen im Wochenbett schonen muss, sondern nur etwa zwei bis drei."

„Wie bitte? Heißt das, dass Du jetzt zwei oder drei Wochen im Bett liegen wirst?", fragte er erschüttert.

„Nein, die Couch ist auch eine geeignete Alternative", grinste Hermine, „Aber Bäume werde ich wohl auch da nicht ausreißen können."

„Schade, dann muss Hagrid doch wieder alleine für die Weihnachtsdekoration sorgen", witzelte Severus schon beruhigter, die Couch war nicht schlecht, außerdem hatte das den unbestreitbaren Vorteil, dass er stets wusste, wo sie zu finden war.

„Ja, das wird er, denn ich muss mich um diverse andere Dinge kümmern."

„So? Und die wären?"

Hermine seufzte leise, „wenn ich weiter stille, was ich schon ganz gerne täte, obwohl es sich schon komisch anfühlt", sie ruckelte ein wenig hin und her, „wird in drei, vier Tagen die eigentliche Milch einschießen und wir werden sehen, ob es genug ist oder ob Eileen und ich damit zurecht kommen."

„Ich bin der Meinung, dass dies schon recht akzeptabel ausschaut!", bemerkte Severus wohlwollend, obgleich er außer auf einigen Abbildungen in einem Buch noch nie eine stillende Frau gesehen hatte.

„Danke Dir", lächelte Hermine und gab ihm einen kleinen Kuss, „aber das ist ja noch nicht alles, der ganze Körper stellt sich erneut um und darum kann es auch wieder zu Stimmungsschwankungen und anderen Übeln kommen. Aber ich sage Dir Bescheid, wenn es soweit ist!"

„Bei Merlin! Das ist nicht nötig, das erkennt jeder Idiot sogleich!", grollte Severus.

„Du Armer, ich werde Dich für Deine Geduld entsprechend belohnen!", versprach Hermine lächelnd.

„So?", Severus zog erwartungsvoll eine Augenbraue empor.

„Ja klar, Dich und mich auch. Allerdings erst, wenn Poppy dafür ihr O.K. gegeben hat", schränkte Hermine bedauernd ein, „aber ich notiere mir alles sorgsam, damit ich nichts vergesse, versprochen!"

„Gut!", brummte Severus, damit konnte er leben, denn Hermine war ja sehr gewissenhaft. Außer in der regelmäßigen Einnahme des Verhütungstrankes, wie man an diesem kleinen Menschenkind auf Hermines Armen deutlich ablesen konnte, aber darauf würde er in Zukunft sehr genau achten!

Sie wurden aus ihren diversen Gedanken gerissen, als Eileen plötzlich rot anlief und wie verrückt hustete. Dabei lief ihr ein bisschen von der Flüssigkeit aus Hermines Brust aus dem Mund. Sogleich nahm sie sie hoch und klopfte ihr ganz leicht auf den Rücken.

„Oh, hast Du Dich verschluckt", gurrte Hermine, „Du musst Dich nicht so beeilen, es ist doch genug da und alles für Dich alleine, mein Schatz!"

Glücklicherweise beruhigte sich Eileen recht bald und nahm das Saugen erneut auf. Dieses Mal allerdings etwas vorsichtiger, wie ihm schien.

„Also, das mit der Milch…", er stockte und sah sie schief von der Seite her an.

„Ja?"

„Heißt dass, das Deine Brüste dann noch größer werden?", er starrte finster auf Hermines bereits jetzt deutlich angewachsene Oberweite.

„Ja, höchstwahrscheinlich", nickte Hermine und schenkte ihm einen bezeichnenden Blick.

„Hm", machte er und zog eine Augenbraue nachdenklich in die Höhe.

„Gib schon zu, Du alter Schwerenöter, dass Dir das sehr gefallen würde", schnaubte Hermine, „alle Männer stehen auf große Brüste."

„So, tun sie das?"

„Natürlich, tun sie das! Das weiß doch jede! Je größer, desto besser!"

„Ah ja! Werden sie denn dann in diesem Format bleiben?", fragte er im Gegenzug.

„Nein", schüttelte Hermine leichte den Kopf, „nach dem Abstillen werden sie wahrscheinlich wieder wie vorher."

„Gut, dann empfinde ich das neue Format als eine reizvolle Abwechslung", freute sich Severus erleichtert, „denn eigentlich fand ich sie so wie sie waren sehr ansprechend. Egal, was alle anderen Männer so denken."

„Vielleicht haben sie dann aber etwas von ihrer Standfestigkeit verloren", gab Hermine leicht besorgt zu bedenken.

„Auch nicht schlecht", grinste Severus, „denn dann passen sie besser zu meinen diversen Körperteilen, die ebenfalls in absehbarer Zukunft ihre Standfestigkeit verlieren könnten…"

„Ach Du je!", machte Hermine erschüttert.

„Genau, gleiches Recht für alle", befand Severus gut gelaunt und zog seine Frauen noch näher an sich heran.

„Geht das jetzt immer so?", wollte er wissen, als Hermine die Kleine nach über einer dreiviertel Stunde und einem sehr unfeinen Rülpser wieder in die Wiege legte.

„Ja!", gähnte Hermine, „bestimmt noch einige Wochen und Monate", sie kuschelte sich dicht an ihn, „und hoffen wir mal, dass sie nicht unter Verdauungsstörungen leidet, sonst bekommen wir richtig Freude!"

„Können wir sie dann vielleicht zurückgeben?", erkundigte sich Severus angesichts solcher Aussichten.

„Nein, Du Verrückter, sie ist vom Umtausch ausgeschlossen", murmelte Hermine belustigt und war auch schon wieder eingeschlafen.

Ach, ihm blieb auch gar nichts erspart!

Die nächste Störung kam dann gegen zehn Uhr am Morgen. Severus schreckte aus dem Schlaf, als Poppy leise hereinkam, um nach dem Rechten zu sehen, dabei zog sie die Vorhänge einen kleinen Spalt auf und der helle Strahl der Wintersonne, der daraufhin auf sein Gesicht fiel, ärgerte Hogwarts lichtscheuen Kerkermeister, so dass er seufzend entschied, dass er eben genug geschlafen hatte und auch dringend eine Rasur, eine Dusche und ein großes, großes Frühstück benötigte. Sehr behutsam löste er sich von seiner tief und fest schlafenden Frau, unterzog seine ebenfalls schlafende Tochter einer kurzen, aber gründlichen visuellen Inspektion, zog seine Robe über den Schlafanzug und schlurfte gewohnt knurrig an einer schrecklich fidelen Madam Pomfrey vorbei zum Kamin der Krankenstation, um von dort hinunter in seine Räume zu kommen. Es hätte ja noch gefehlt, dass er in diesem Zustand über irgendwelche Schüler stolpern würde.

Doch auch das war nur eine bedingt gute Idee gewesen, wie er schnell erkannte, denn in seinem Wohnzimmer standen nicht nur unzählige höchst ärgerliche Gebinde, Sträuße und Präsente, sondern auch eine ganze Schar Menschen herum, die allem Anschein nach nur auf ihn gewartet hatten.

„Severus!", rief Jean Granger als erste und stürzte auf ihren sehr zerknautscht aussehenden Schwiegersohn zu, „Wie geht es Euch, ist das Kind endlich da?"

„Bei Merlin!", entfuhr es Severus entsetzt und starrte auf seine Schwiegereltern, die Potters, Ron Weasley, Minerva, Ambros Carter und Kingsley, „Was macht ihr alle hier, verdammt?"

„Auf Euch warten, was sonst!", antwortete Henry angespannt und Minerva ergänzte, „Wo ist Hermine?"

„Auf der Krankenstation," antwortete er und fand die Antworte seines Schwiegervaters noch nicht ausreichend.

„Warum?", Henry und auch Jean wurden bleich, „Ist etwas schief gelaufen?"

„Nein", schüttelte Severus den Kopf, „Madam Pomfrey will noch einige Untersuchungen machen. Wir sind schon in der Nacht zurückgekommen. Hermine schläft noch."

„Und was ist mit dem Kind?", beharrte Jean.

„Es liegt in einer ehemals schreiend roten Gryffindorwiege und schläft", antwortete Severus und versuchte sich möglichst unauffällig Richtung Badezimmer zu bewegen.

„Ah, es ist da!", jubelte da die ganze Meute voller Begeisterung, sogar Minerva schien überhört zu haben, dass er ihre Wiege gestern Nacht einer kleinen Modifikation unterzogen hatten, denn sie wollte gespannt wissen, „Und was ist es jetzt?"

Severus seufzte tief, „Ein Mädchen."

„Klasse!", freuten sich alle, aber besonders die Frauen, und er sah aus den Augenwinkeln, dass Ginny Potter und Jean Granger ihren Männern sehr zufriedene Blicke zuwarfen. Bestimmt hatten sie gewettet und genossen es jetzt Rechtbehalten zu haben.

Aber damit waren die Fragen noch lange nicht zu Ende, ganz im Gegenteil, jedem fiel noch etwas ganz Wichtiges ein, dass er oder sie sofort wissen musste: „Wie sieht sie denn aus?", „Wie groß und wie schwer ist sie?", „Wie soll sie heißen?", „Hat sie etwa Deine Nase?" „Ist sie gesund?", „Wie war die Geburt, gab es Komplikationen?"

Severus sah schon, dass sie sich nicht abschütteln lassen würden, bevor sie nicht alles aus ihm herausgepresst hätten, daher bat er gebieterisch um Ruhe, zog seine Robe glatt und räusperte sich. Dann streckte er den Rücken durch,

„Nun, mir fehlt zwar jegliche Erfahrung mit solchen Neugeborenen, aber aus meiner Sicht ist sie durchaus passabel, in der Tat", er nickte zufrieden und ein kleines Lächeln zupfte an seinen Mundwinkeln, als er sich seine brandneue Tochter vor Augen führte.

Doch nur einen Augenblick, denn dann fielen ihm die ganzen kritischen Punkte ein, die er bereits bemerkt hatte und er fuhr mit unheilschwangerer Stimme fort, „obwohl ich persönlich finde, dass sie mir sehr klein vorkommt. Hermine schätzt sie lediglich auf zwanzig oder einundzwanzig Zoll. Auch ihr Gewicht ist wohl etwas bedenklich, das Tränkebuch der ersten Klasse wiegt sicherlich mehr!"

Er schaute bedeutungsvoll in die Runde, „Nun, was ihr Äußeres angeht, kann ich keine genauen Angaben machen, außer dass sie ein schwarzes Auge und ziemlich lichtes schwarzes Haar hat. Es schien in Hermines Bauch auch nicht besonders angenehm gewesen zu sein, denn sie war ziemlich zerknittert und rot und als sie auf die Welt kam hat sie sehr, sehr laut geschrien."

Er zuckte bedauernd mit den Schultern, „Das ist alles, was ich sagen kann, sie scheint nur drei Dinge im Sinn zu haben, Essen, Schlafen und Schreien."

Seine präzisen und kurzen Informationen schienen jedoch nicht ganz angekommen zu sein, denn alle schauten ihn voller Unverständnis an.

„Professor!", schüttelte Ginny schließlich den Kopf, „Zwanzig, einundzwanzig Zoll? Das ist ziemlich groß für ein Neugeborenes. James war nur Achtzehneinhalb Zoll lang bei seiner Geburt und es war schwer genug ihn auf die Welt zu bringen" worauf Mister Potter heftig nickte und Ronald Weasley sich hinter dem Ohr kratze und fragte, „Ist das Tränkebuch der ersten Klasse nicht dieser Wälzer von Arsenius Bunsen, der bestimmt an die sechs Pfund wiegt?"

„Ich würde auf sieben bis acht tippen", stimmte Ambros Carter augenrollend zu.

„Du sagtest was von einem schwarzen Auge?", erkundigte sich auch Kingsley vorsichtig, „Hat sie nur eines oder hat das andere eine andere Farbe?"

„Nein", Severus schüttelte den Kopf etwas verwirrt von den Anmerkungen der anderen, „natürlich hat sie zwei Augen, aber sie hat bisher nur eines aufgemacht".

„Was sagt denn Madam Pomfrey zu all dem?", wollte Jean wissen.

„Unsere Heilerin ist unerträglich guter Laune, daher gehe ich davon aus, dass trotz der angesprochenen Punkte alles doch den Umständen entsprechend gut verlaufen ist"

„Sehr gut!", atmete Henry erleichtert durch, „das ist eigentlich das Wichtigste!"

„Ja, das sehe ich ebenfalls so", bestätigte Severus, „Und bevor meine Angaben noch weiter in Frage gestellt werden, solltet Ihr Euch ein eigenes Bild machen!"

„Das denke ich auch, denn Deine Ausführungen sind ziemlich seltsam!" entschied Minerva gnadenlos, „aber ich wüsste doch noch gerne, wie sie denn nun heißen soll."

„Ja, der Name…", stöhnte Severus erneut, „auf ausdrücklichen Wunsch ihrer eigensinnigen Mutter werde ich sie nach einer Dusche, einer Rasur und einem Frühstück auf den Namen Eileen, Jean Granger-Snape eintragen lassen."

„Oh! Eileen, Jean! Bravo!", rief alles durcheinander und beglückwünschten Jean Granger überschwänglich.

„So, wenn das also geklärt ist, gehe ich mich jetzt waschen und anziehen, dann können wir sehen, ob Hermine und die Kleine schon wach sind."

„Sehr gut, ich glaube nämlich wirklich, dass es besser ist, wenn wir uns ein eigenes Bild von seiner mickrigen, zerknitterten, einäugigen Tochter machen", meinte Ginny grinsend und alles nickte einvernehmlich.

„Aber wir trinken vorher gerne einen Tee mit Dir, denn Du musst uns noch genau erzählen, wie es dort in Eurem Zwangsurlaub war", entschied Minerva, „Man erzählt sich ja die tollsten Dinge!"

„Es war nur halb so spannend, glaube mir und das kann Euch Hermine bestimmt besser erzählen", versuchte sich Severus zu drücken.

„Natürlich, die fragen wir nachher auch noch", freute sich Minerva.

„Wenn es denn sein muss", ergab sich Severus in sein Schicksal, wenn seine Chefin diesen Blick drauf hatte, gab es eh kein Entrinnen, „aber erst gehe ich mich waschen!"

„Ja, geh nur", Minerva rieb sich gut gelaunt die Hände, „wir ordern in der Zwischenzeit Frühstück für uns alle, denn diese ganze Aufregung macht wirklich hungrig."

„Und ob, Professor!", warf Ron sehnsüchtig ein.

Als er zwanzig Minuten später frisch geduscht wieder in sein Wohnzimmer trat, saßen alle schon gespannt an seinem reich gedeckten Esstisch. Freundlicherweise ließen sie ihm Zeit in Ruhe zu frühstücken, bevor er in groben Zügen die Geschehnisse der letzten drei Tage schildern musste. Natürlich ließ er etliche Dinge aus, die ihm viel zu privat erschienen, obwohl ihm schon klar war, dass Hermine da nicht so diskret sein würde. Trotzdem klopfte ihm Henry am Schluss seiner Ausführungen anerkennend auf die Schulter und Jean gab ihm sogar gerührt einen Kuss auf die Wange.

„Gut! Sehr gut!", befand Kingsley mit dem breitesten Lächeln das er je an ihm gesehen hatte und stand auf, „Ich denke, es ist Zeit ein „Hoch" auf den jungen Vater auszurufen und das kann man nicht mit Tee tun", er schnippte zwei Mal mit den Fingern und vor jeder Dame stand ein Glas Champagner und vor jedem Herrn ein Glas Feuerwhiskey.

„Auf Hermine und Severus und auf ihre Tochter Eileen, Jean!", rief Englands Zaubereiminister laut und alle stimmten froh in den Toast ein, erhoben ihre Gläser und stießen miteinander an.

„Schon gut!", murmelte Severus, er war solche Dinge nicht gewöhnt. Als er aber in Minervas strahlende Knopfaugen blickte, fiel ihm ein weiterer Auftrag seiner Frau ein.

„Ähm", er räusperte sich, „Nun, da wir hier nun schon zusammensitzen, möchte ich die Gelegenheit nutzen und Dich Minerva um die Übernahme des magischen Patenamtes bitten. Würdest Du das für unserer Tochter Eileen tun?", er sah sie fragend an.

Die Reaktion auf diese Bitte war etwas unerwartet, nachdem sie voller Überraschung Augen und Mund aufgerissen hatte und unverständliche Laute aus ihrer Kehle drangen, verschluckte sie sich derart an ihrer Spucke, dass sie dunkelrot anlief und nahe an einem Erstickungstod war, bevor sie ungläubig stammelnd fragen konnte, „Ich, wirklich?"

„Nicht, wenn Du jetzt stirbst!", antwortete Severus trocken.

„Aber nein! Ich meine ja, ja, das würde ich gerne! Sehr gerne sogar", konnte Hogwarts Schulleiterin ihr Glück noch gar nicht fassen und brach zu allem Unglück auch noch in Tränen aus.

Bei Merlin! Was für ein Tag! Das musste sofort ein Ende haben!

„So, Schluss jetzt mit diesem ganzen sentimentalen Kram", entschied er daher energisch, als auch noch Jean und Ginny solidarisch zu schniefen anfingen und Minerva umarmten. Er zog seine Weste glatt, „Ich appariere jetzt ins Ministerium und Ihr räumt hier auf, wir treffen uns in einer oder zwei Stunden auf der Krankenstation", er wies auf die ganzen Blumen ringsherum, „Und vergesst dieses ganze stinkende Gestrüpp nicht, das Schloss ist immerhin groß genug, da müssen ja diese Dinge nicht hier herum stehen."

„Du kannst meinen Kamin nehmen", bot ihm Minerva immer noch ganz überwältigt an, „dann bist Du schneller wieder zurück."

„Danke!", antwortete Severus etwas misstrauisch, denn er überlegte gerade, ob seine Chefin darauf spekulierte, dass er heute noch Unterricht halten sollte – ach nein, es waren ja Ferien.

„Das Büro für die Registratur der magischen Bevölkerung ist im dritten Untergeschoss. Nummer 3-4-5", riet Kingsley noch mit einem sehr seltsamen Gesichtsausdruck, als er auch schon nach seinem Winterumhang gegriffen hatte und eilig seinen völlig überlaufenen und gefühlsduseligen Kerker verließ.