Im Ministerium war wenig los, man merkte, dass sich viele bereits in den Weihnachtsferien befanden, aber das Registrierungsbüro war natürlich trotzdem besetzt. Auf sein Anklopfen antwortete eine leise, höchst sphärische Stimme „Herein."
Hm… Irgendwie kam ihm die bekannt vor und während er den Türknauf drehte warf er noch einen kurzen Blick auf das Türschild. P. Trelawney. Ach, du großer Merlin!
Tatsächlich sah er sich kurz darauf einer Frau Mitte Zwanzig gegenüber, die Hogwarts Wahrsagelehrerin schockierend ähnlich sah. Das lange braune Haar hatte sie unstrukturiert nach oben gesteckt, die rosafarbene Robe hing an ihr herunter, genau wie die diversen Schals in verschiedenen Lilatönen und sie sah ihn mit großen Augen an, die durch die dicke Brille, die sie trug noch riesiger erschienen.
„Oh, hallo!", hauchte sie und lächelte ihn verklärt an.
„Äh", das hier musste doch ein schlechter Scherz sein! Er räusperte sich, ernsthaft um Fassung ringend. „Guten Morgen, Miss Trelawney, ich möchte meine Tochter eintragen lassen", schnarrte er dann.
„Wie schön, ich freue mich!", strahlte die junge Beamtin und klatschte ganz begeistert in die Hände. Nun, wunderte sich Severus, vielleicht gab es nicht viele Geburten bei magischen Eltern oder aber sie wurde nach der Anzahl der Registrierungen entlohnt. Selbstverständlich konnte sie auch einfach nur ähnlich verrückt wie ihre Verwandte sein.
Egal was es war, fürs Arbeiten schien sie jedenfalls nicht bezahlt zu werden, denn sie tat gar nichts, außer ihn penetrant anzulächeln.
„Nun, welche Angaben benötigen Sie für Ihre Akten?", versuchte er geschickt, das ganze Prozedere voranzutreiben.
„Nicht viele, wirklich."
Ah ja… „Und welche wären das?"
„Nur die Namen der Eltern und des Kindes und den genauen Zeitpunkt ihrer Geburt", säuselte die junge Trelawney und wies auf ein unglaublich großes und dickes Buch, das auf einem reich verzierten Pult lag.
„Dort hinein?", fragte Severus und trat einen Schritt an die große Kladde heran.
„Nein, das können Sie nicht, Sir", schüttelte sie den Kopf und kicherte belustigt, „das kann niemand! Sie müssen es hier in dieses Formular eintragen."
„Gut, dann geben Sie mir eine Feder und Tinte", verlangte Severus, denn nirgends war irgendein Schreibutensil zu sehen.
„Gerne, aber zuerst müssen Sie die Gebühr bezahlen, Sir", lächelte sie.
„Gebühr? Und wie viel ist das?"
„Eine Galleone, Sir."
Also wirklich! Das Ministerium machte aber auch aus allem Geld, grummelte er innerlich und zog sein Geldsäckchen aus der Innentasche seines Gehrockes.
„Vielen Dank, Sir", nickte die junge Ministeriumsangestellte, als er ihr das Goldstück reichte und jetzt kam auch Leben in sie, erstaunlich schnell huschte sie zu einem großen Schrank, dem sie ein Pergament entnahm, das sie auf ihren Schreibtisch legte. Dann eilte sie zu einem weiteren Schrank, der mit vielen magischen Schlössern versehen war und auf dem unzählige Runen und Zeichen kunstvoll eingeschnitzt waren.
Sie legte die Galleone oben auf den Kasten und sprach lautlos verschiedene Zauber und Beschwörungen. Interessiert schaute Severus dabei zu, wie die Galleone scheinbar eingesogen wurde, jedenfalls war sie plötzlich verschwunden, dafür sprang aber das Schloss des Schrankes auf und auf rotem Samt lag eine goldene Schreibfeder. Diese holte sie sehr vorsichtig heraus und brachte sie Severus.
„Hier Sir, jetzt können Sie ihre Angaben machen", verkündete sie stolz.
Etwas zögerlich streckte Severus seine rechte Hand nach dem Schreibgerät aus und hatte schon die Frage nach der immer noch fehlenden Tinte auf den Lippen, doch als er die Feder aus ihrer Hand nahm überrollte ihn eine solch unglaubliche Welle von heftigen Emotionen, dass er nahe daran war sie fallen zu lassen. Doch Miss Trelawney schien dies geahnt zu haben, denn sie hatte blitzschnell seine Hand mit ihrer umklammert und so ein Herunterfallen verhindert.
Verdammt! Was war das denn? So plötzlich diese verwirrenden Gefühle über ihn hereingebrochen waren, so plötzlich waren sie wieder weg und er wollte schon aufatmen, als seine Augen die von Miss Trelawney trafen. Sie waren wie große Spiegel und er konnte sich darin selbst sehen, sein ganzes Ich erkennen, bis auf den tiefsten Grund seiner verkommenen Seele.
Ihm wurde schwindlig und sein Herz begann zu rasen. Nur mit allergrößter Mühe löste er schließlich den Blickkontakt und beide atmeten auf. Er erleichtert, sie, wie es ihm schien, eher bedauernd.
„Was war das?", krächzte er atemlos und machte einen Schritt zurück. Er brauchte dringend mehr Abstand.
„Das war Artemisia Lufkin´s goldene Feder", antwortete Miss Trelawney ehrfürchtig.
„Nein, ich meine das andere!", schüttelte Severus genervt den Kopf.
„Das war ein sehr selten auftretendes Phänomen von Artemisias Feder", strahlte Miss Trelawney.
„Aha… Und was bedeutet es?", verstand Severus das Ganze immer noch nicht.
„Sie müssen wissen, Sir, Artemisia Lufkin war eine sehr berühmte Zaubereiministerin, die erste Frau in diesem Amt und sie war eine begnadete Zauberkunstmeisterin die einen großen Sinn für die Verwaltung und das Staatswesen hatte. Seit ihrer Zeit erfassen wir jedes Kind magischer Eltern und eben auch die magischen Kinder nicht magischer Personen. Dies passiert für Zauberer und Hexen offiziell hier in der Registratur", sie deutete auf das dicke Buch, „und für die Kinder aus Muggelfamilien automatisch. Es gibt übrigens zwei dieser Bücher, eines hier und eines in Hogwarts", sie lächelte ihn verklärt an, „Aber dieses Phänomen das Sie eben erlebt haben, ist etwas ganz besonderes und so, wie ich es einschätze, ist es als ausgesprochen gutes Omen zu werten."
„Aha", machte Severus zweifelnd.
„Vorausgesetzt, dass die Galleone nicht gestohlen war", schränkte Miss Trelawney ein.
„Nein, war sie gewiss nicht!", unglaublich, sah er aus wie ein Dieb?!
„Sehr gut, dann können wir für die Zukunft Ihrer Tochter auf das Beste hoffen", fasst die Beamtin froh zusammen.
„Aha…Haben Sie das gleiche gefühlt wie ich?", hakte er nach.
„Ja, das habe ich, daher bin ich mir auch so sicher, dass es ein wirklich gutes Zeichen ist", sie zeigte mit ihrem dürren, langen Zeigefinger auf das Formular, „wenn Sie aber jetzt Ihre Angaben machen würden, Sir. Tinte ist nicht nötig."
Immer noch nicht restlos zufrieden mit ihrer Antwort, nahm Severus trotzdem sehr vorsichtig die Feder wieder in die Hand und schrieb seinen Namen und den Namen Hermines in das Formular. Übrigens mit grüner Tinte, wie ihm erstaunt auffiel. Er hatte immer gedacht, dass die grüne Farbe der Hogwartsbriefe auf Minervas persönliche Vorliebe zurückzuführen wäre.
Gerade wollte er auch noch alle weiteren Angaben zu seiner Person machen, da vervollständigte sich das Formular von selbst, nur das Feld wo der Name des Kindes, sein Geschlecht, sein Geburtstag und seine Geburtsstunde eingetragen werden mussten, blieben leer.
Schnell hatte er die nötigen Angaben gemacht und das Pergament Miss Trelawney zurückgegeben.
„Danke Professor Snape", nickte sie, dann sah sie ihn ernst an „Haben Sie sich schon Gedanken über die Patin oder den Paten für Ihre Tochter gemacht, Sir?"
„Ja, das haben wir, Professor Minerva McGonagall wird das Patenamt übernehmen."
„Wie schön!", freute sich Miss Trelawney, „Eine sehr gute Wahl, wenn Sie mir die Anmerkung erlauben. Sollen wir dann schon den Termin für das Ritual bestimmen?"
„Gibt es da Vorgaben?"
„Nun, sollten die Eltern des Kindes an einer ernsten Krankheit des Körpers oder des Geistes leiden, oder insgesamt schwach oder alt oder stark gefährdet sein, so sollte das Patenritual möglichst schnell durchgeführt werden", sie schenkte ihm einen eindringlich prüfenden Blick.
‚Was sollte das denn jetzt?' ging es Severus pikiert durch den Sinn, gut er war nicht mehr der jüngste und nicht wenige hielten seine Frau für geistesgestört, immerhin hatte sie sich mit ihm eingelassen, aber dieser mitleidige Blick hätte sie sich trotzdem sparen können, „Nein, so eilig ist es nicht", antwortete er daher auch möglichst hoheitsvoll.
„Das freut mich sehr", atmete Miss Trelawney erleichtert auf, sie war wirklich sehr mitfühlend, bei Merlin! „Nach den Regeln des Zaubergamots von 1367 ist es üblich nach 100 Tagen das Ritual durchzuführen". Sie drehte sich zu einem Regal und zückte eine Tabelle, „Das wäre dann am 31. März oder am 01. April nächsten Jahres, Sir."
„Ich werde es mit meiner Frau besprechen und mich dann noch einmal melden", entschied Severus, wenn ihn nicht alles täuschte war um diese Zeit herum Ostern und Hermine hatte ihm schon sehr entschieden klar gemacht, dass ihr, wie bei ihrer Hochzeit, das magische Ritual nicht ausreichen würde. Nun, wenn es ihr so am Herzen lag, das doppelte Heiraten war ihm ja bisher auch nicht schlecht bekommen…
„Dann sollten Sie sich aber bis Mitte Januar entschieden haben", bat Miss Trelawney, „denn unser zuständiger Ministeriumszauberer ist für ein Forschungsjahr auf die Molukken aufgebrochen und ich bin die einzige, die sonst noch eine Berechtigung für dieses Ritual besitzt."
Oh, sie würde das Ritual ausführen, na, mal sehen, was Hermine dazu sagen würde.
„Ich gebe Ihnen rechtzeitig bescheid", versicherte Severus und konnte sich ein winziges Grinsen nur mit Mühe verkneifen.
„Gut", war Miss Trelawney zufrieden und brachte jetzt Artemisias Feder zurück in den kunstvoll verzierten Schrank. Die Türe aber ließ sie offen. Dort hinein legte sie auch das Pergament, schloss die Türe und sprach wieder einige gemurmelte Sprüche. Dann öffnete sie den Verschluss wieder und entnahm ihm ein sorgsam gesiegeltes Schriftstück mit einem dicken Briefumschlag dazu.
„Hier, Professor, Herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihrer Tochter", strahlte sie und überreichte ihm die Papiere, „Diese Urkunde müssen Sie bei allen amtlichen Anlässen, wie dem Patenritual, Heirat oder Tod vorlegen. Wir behalten zur Sicherheit eine Kopie hier."
„Und was ist das?", er betrachtete neugierig den dicken Briefumschlag.
„Das sind Erläuterungen über Ihre Rechte und Pflichten als Eltern und ein ausführliches Horoskop, das die Sternenkonstellationen zur Stunde der Geburt ihrer Tochter exakt deutet."
„Und ist sie jetzt dort in dem Buch verzeichnet?", er deutete auf die dicke Kladde.
„Das", erklärte Miss Trelawney, „wird Ihre Tochter spätestens an ihrem elften Geburtstag definitiv erfahren, wenn sie als magische Person den Brief aus Hogwarts erhält."
„Alle Zauberer und Hexen, die einen Brief erhalten haben und noch erhalten sind also dort verzeichnet?", schloss Severus und reckte den Hals um einen besseren Blick auf das Buch zu erhalten.
„Ja, seit 910, egal ob sie das elfte Lebensjahr erreichen durften oder nicht. Artemisia hat alle alten Register Englands, Schottlands, Wales und Irlands in diesem hier zusammenfassen lassen."
„Und die anderen?"
„Sie meinen die unmagischen Kinder magischer Elternteile? Die werden natürlich auch ordentlich geführt, aber in einem anderen Buch."
„Nun, das ist wirklich interessant", befand Severus und er merkte, das er nur zu gerne einen Blick in das seltsame Buch geworfen hätte, aber er hatte eben, als er sich ihm genähert hatte schon die Schutzzauber gespürt die das kostbare Register umgaben. Daher räusperte er sich und zückte seine Taschenuhr, „War das alles, Miss Trelawney?"
„Ja, Sir, vielen Dank und grüßen Sie Ihre Frau und meine Großtante Sybill herzlich von mir."
„Das tue ich, einen schönen Tag Ihnen", damit steckte er die Urkunde und den Briefumschlag in seine Robe und nickte Miss Trelawney freundlich zu, sie war entschieden angenehmer als ihre Großtante. Etwas seltsam zwar, aber das schien wohl in der Familie zu liegen.
Er wollte sich schon zurück auf den Weg nach Hogwarts machen, als ihm noch etwas einfiel.
Mit entschlossenem Blick warf er das Flohpulver in einen der vielen Kamine in der Eingangshalle des Ministeriums und verlangte laut und deutlich „Winkelgasse".
