Ganz anders als im Ministerium war die Winkelgasse dicht bevölkert. Schützend und mit unwilligem Blick legte er einen Ignorierzauber auf sich und schlug den Kragen seiner Robe hoch. Es blies ein kalter und ungemütlicher Wind durch die Straße und er sah zu, dass er schnell das große, blankpolierte Bronzetor der Zaubererbank Gringotts erreichte.
Drinnen, in der großen Marmorhalle steuerte er den erstbesten freien Schalter an, nickte dem arrogant schauenden Kobold kurz zu und verlangte, „Ich möchte ein neues Verlies errichten."
„Was wünschen Sie für ein Verlies?", knarzte der Kobold und blinzelte ihn misstrauisch an, „Hochsicherheits- oder normale Sicherheitsstufe?"
„Normal genügt", entschied Severus.
„Auf welchen Namen?"
„Eileen, Jean Granger-Snape"
Der Kobold zückte eine Feder und trug den Namen ohne eine einzige Regung in ein Formular ein, „Wer soll eine Zugangsberechtigung erhalten?"
„Nur Miss Granger-Snape selbst und auch erst an ihrem siebzehnten Geburtstag, außer es würde sich um eine echte Notlage handeln", antwortete Severus und merkte das der neue Name noch etwas ungewohnt in seinen Ohren klang, aber wider Erwarten alles andere als schlecht, „zudem möchte ich", fuhr er fort, „eine monatliche Transferzahlung von meinem Verlies Nummer 8385 auf das neue Verlies veranlassen." Er schob seinen Schlüssel über den Tresen.
„Wie hoch soll diese Transferzahlung sein?", erkundigte sich der Kobold und prüfte den Schlüssel auf Echtheit.
„Eine Galleone", das sollte reichen, damit sie, wenn sie Volljährig geworden wäre und ihn bis dahin schon ertragen haben musste, wenigstens ein gewisses Startkapital zur Verfügung hatte, um vielleicht irgendwo ein Studium zu absolvieren oder einen Beruf zu erlernen.
„Gut", der Kobold drückte einen Stempel auf das Formular und schob es ihm zur Unterschrift herüber, „das macht zwei Galleonen Bearbeitungsgebühr und drei Galleonen für das Verlies."
Auch die Herren Kobolde schlugen aus allem Geld, ging es ihm durch den Sinn. Wenn das so weiterging, konnte er sich dieses Kind nicht wirklich leisten! Seufzend zückte er erneut seinen Geldbeutel.
„Danke für Ihr Vertrauen", sagte der Kobold mit verkniffenem Gesicht, was vielleicht eine Art Lächeln darstellen sollte und strich die ihm gereichten Galleonen ein. Dann schnippte er mit den Fingern und es erschien ein kleiner goldener Schlüssel auf dem eine 2112 eingestanzt war.
„Nicht verlieren, sonst kommt die Dame nur mit ihrer Geburtsurkunde in das Verlies."
„Danke!", er nahm den Schlüssel entgegen und nickte dem Kobold knapp zu, bevor er erneut auf die kalte Straße trat.
Sein nächster Weg führte ihn in die kleine Seitengasse ganz am Ende der Winkelgasse. Zu Sernorins.
Sehr zu seiner Freude trat Madam Sernorin selbst durch den Vorhang in den Verkaufsraum, als die leise Glocke sein Kommen ankündigte und als sie ihn sah, strahlten ihre Augen und sie fragte ganz aufgeregt, „Es ist da, nicht wahr, Professor?"
„Ja, in der Tat, unsere Tochter wurde heute Nacht geboren", nickte er und verkniff sich das kleine Lächeln nicht, dass sich in Anbetracht ihrer Begeisterung auf seine Lippen geschlichen hatte.
„Wunderbar! Einfach wunderbar! Sind Mutter und Tochter wohlauf?"
„Ja, das sind sie, nur noch etwas müde von den Anstrengungen."
„Das kann ich gut verstehen, oh ich freue mich so für sie beide!", beteuerte sie und das sah man ihr tatsächlich auch an. Sie deutete auf die kleine Sitzgruppe, „Bitte setzen Sie sich, Professor, ich würde gerne mit Ihnen auf die Geburt Ihrer Tochter anstoßen."
„Das ist wirklich sehr freundlich, Madam, aber ich habe versprochen sehr bald wieder zurück in Hogwarts zu sein", lehnte Severus höflich ab und warf einen Blick auf seine Taschenuhr.
„Oh, wie schade, aber das hat natürlich Vorrang", bedauerte Madame Sernorin sichtlich betrübt, „Und wie kann ich Ihnen sonst weiterhelfen?"
„Ich möchte mich lediglich erkundigen, ob nachträgliche Veränderungen an unseren Eheringen möglich sind?"
„Sie wollen sich doch jetzt nicht etwa scheiden lassen?", fragte Madame Sernorin mit ironischem Unterton.
„Nein!", schüttelte Severus den Kopf, „im Augenblick eher nicht."
„Gut! Dann wären Sie auch ein echter Idiot, Professor! Aber wenn Sie sich nicht scheiden lassen wollen, dann möchten Sie wohl Ihre Tochter darin aufnehmen?", schloss Madam Sernorin und als er nickte, antwortete sie auch sogleich, „Aber natürlich ist das möglich, hatten sie an etwas Spezielles gedacht?"
„Nein, die Idee kam mir auch erst heute morgen, aber wenn es durchführbar ist, dann werde ich dies natürlich erst mit meiner Frau besprechen, aber Sie dürfen sich ebenfalls gerne Gedanken darüber machen", er lächelte sie kurz an, „wir kommen kurz vor Ende der Weihnachtsferien vorbei und dann können wir eine Entscheidung treffen."
„Sehr gut, Professor Snape, bis dahin haben wir einen Vorschlag erarbeitet!"
„Und dann", er kramte in seiner Rocktasche herum und reichte ihr den kleinen, goldenen Schlüssel, „Hätte ich gerne eine ansprechende Verpackung hierfür."
„Ein Gringottsverlies?", vermutete Madame Sernorin richtig.
„Genau, für meine Tochter, aber es soll erst zu ihrem siebzehnten Geburtstag zu öffnen sein oder dann, wenn sie sich in arger Not befindet", man wusste ja nie, was noch so kommen würde.
„Ich werde Ihnen bei Ihrem nächsten Besuch auch hierzu einen entsprechenden Entwurf unterbreiten!", nickte Madam Sernorin, „Wie wird Ihre Tochter denn heißen?"
„Wir", er räusperte sich kurz, „haben ihr den Namen Eileen gegeben."
„Ah ja", nickte Madam Sernorin, „da kommen mir doch schon ein oder zwei sehr interessante Ideen. Ich werde sehen was sich machen lässt!"
„Sehr gut, aber meine Frau soll von dem Schlüssel und der besonderen Funktion des Schmucks nichts erfahren", bat Severus etwas verlegen.
„So? Nun gut, dann behalten wir das eben für uns", lächelte Madame Sernorin „waren das alle Ihre Anliegen?"
„Ja, fürs Erste!"
„Ausgezeichnet!", sie reichte ihm ihre Hand, „dann wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie ein frohes Weihnachtsfest."
„Vielen Dank, Madam, ich Ihnen und Ihrer Familie ebenfalls", er schüttelte die Hand kurz, verbeugte sich dann vor Madame Sernorin und wandte sich schon Richtung Tür, als ihm doch noch ein weiterer Gedanke kam, „Hm…", er blieb stehen und dachte einen Augenblick nach.
„Ja, Professor?", erkundigte sich Madam Sernorin.
„Entschuldigen Sie die Frage, Madam, aber halten Sie es für angemessen, wenn ich meiner Frau ein Schmuckstück schenken würde?"
„Nun", begann Madam Sernorin gedehnt, „diesen Wunsch verspüren viele Männer in den Stunden und Tagen nach der Geburt eines Kindes."
Severus hob die linke Augenbraue, „Was viele tun, interessiert mich eher weniger, wie Sie wissen."
„Ja", lachte Madam Sernorin, „das ist mir wohl bekannt, aber einer Juwelierin eine solche Frage zu stellen und eine ehrliche Antwort zu wollen, tun sicherlich auch nicht viele."
„Oh, gewiss", Severus wurde ein kleines bisschen rot, „Sie haben recht, es war töricht."
„Nein", wehrte Madam Sernorin lächelnd ab, „das war es nicht, denn Sie haben ja mich gefragt und ich sage Ihnen, dass ein Schmuckstück sicherlich eine gute Wahl wäre."
„Aber?", horchte Severus nach.
„Nun, Professor", seufzte Madam Sernorin, „ich habe vier Kinder bekommen und das wirklich gerne und wie Sie sich sicherlich denken können, hatte mein Mann damals auch diesen Wunsch und war nicht geizig in seinen Gaben. Aber nach dem zweiten Kind habe ich ihm gesagt, er solle damit aufhören und mir anstatt kostbarer Armbänder oder Ketten zu schenken, lieber beim Windelnwechseln helfen oder die Kinder versorgen, damit ich mal einen Nachmittag frei hätte und raus aus dem Haus und raus aus dem Geschäft käme", sie lachte kurz auf, „er war sehr schockiert."
„Ich verstehe", nickte Severus.
„Gut!", freute sich Madam Sernorin, „aber erzählen Sie bitte keinem, das ich das gesagt habe, so etwas ist nicht gut fürs Geschäft."
„Ich verspreche es! Und ich danke Ihnen vielmals", er verbeugte sich erneut, „Wir sehen uns Anfang des neuen Jahres!"
„Ich freue mich schon darauf, nehmen Sie bitte Grüße mit!"
Auf dem Weg von Hogwarts Apparierpunkt zurück zum Schloss gingen ihm Madam Sernorins Worte noch einmal durch den Sinn und ihm kamen da auch gleich einige Ideen, was Hermine anstatt eines Geschenkes gut gefallen könnte. Natürlich immer vorausgesetzt, dass seine Tochter es mit ihm alleine aushielt.
„Nun, Severus Snape", murmelte er leise zu sich selbst, „ansonsten wirst Du besser die monatliche Einzahlungshöhe auf zwei Galleonen erhöhen und Dich eben auch mit einem Schmuckstück oder etwas vergleichbarem von Deiner Verpflichtung gegenüber Hermine freikaufen müssen."
Ein Gedanke der ihm gar nicht gefiel. Wegen Eileen nicht, aber vor allem wegen Hermine nicht, es würde sie sicherlich traurig machen, da war er sich ziemlich sicher.
Vor der Türe zur Krankenstation zückte er schnell seine Taschenuhr. Hm, er hatte doch länger gebraucht, als er gedacht hatte und als er den Knauf aufdrehte, vernahm er schon fröhliches Gemurmel. Sie hatten sich also wohl schon ein eigenes Bild von Mutter und Kind gemacht.
Tatsächlich waren in Hermines Krankenzimmer alle bester Laune.
„Ah, da bist Du ja wieder!", freuten sich seine Schwiegereltern und Henry, der gerade seine Enkeltochter stolz auf seinen Armen hielt, meinte zu Eileen, „Sieh mal, da ist Dein Dad, wir hatten schon Sorge, dass er durchgebrannt wäre."
„Ich hatte kurz darüber nachgedacht, aber dann ist mir eingefallen, dass ich meine Zahnbürste hier vergessen und auch keine frischen Socken eingepackt hatte", antwortete Severus ungerührt, „Daher habe ich beschlossen doch zurückzukommen", und sein Blick huschte zu Hermine hinüber, die zwar immer noch müde, aber wirklich glücklich aussah.
„Ach", grinste Kingsley, „gib schon zu, dass Du mit Miss Trelawney eine spontane Babyfeier gestartet hast."
„Nein, dafür sieht sie ihrer Großtante viel zu ähnlich! Aber Du hättest mich ruhig vorwarnen können!", beschwerte sich Severus.
„Nein, der Spaß, mir Dein Gesicht vorzustellen, wenn Du die Türe der Registratur aufmachst, war es schon wert! Außerdem ist sie eigentlich ganz in Ordnung und meiner Meinung nach wirklich begabt."
„Vielleicht ist sie das, es war jedoch sehr seltsam, als sie mich mit diesen riesigen Augen angeschaut hat, als das mit der Feder geschehen ist."
„Mit der Feder?", fragte Kingsley überrascht und bekam ähnlich große Augen wie Miss Trelawney, „mit Artemisias Feder?"
„Ja, als ich sie genommen habe", bestätigte Severus und auch Minerva und Ambros sahen ihn ganz gespannt an.
„Ist das nicht die magische Schreibfeder der ersten Zaubereiministerin?", fragte Hermine aufgeregt, „Die, von der man sich erzählt, dass sie eine Nachfahrin Merlins gewesen wäre und die Feder aus einem Splitter des Schwertes Excalibur gefertigt hätte?"
„Ja, so etwas in der Art berichtete Miss Trelawney", bestätigte Severus, obwohl ihm das mit Merlin neu war.
„Grundgütiger!", murmelte Kingsley beeindruckt und Minerva und Ambros nickten.
„Was meint Ihr denn damit?", fragte Ron, und auch Ginny und Harry und natürlich auch die Grangers verstanden nicht, warum eine Schreibfeder so etwas Außergewöhnliches sein sollte.
„Artemisias Feder notiert nicht nur die Namen und Daten aller magischen Menschen auf den britischen Inseln", erklärte Minerva andächtig, „sie hat auch die großartige Macht in die Zukunft zu schauen."
„Aber das tut sie, laut den Büchern nur sehr selten", wisperte Hermine und sah Severus fest an.
„Richtig", nickte Minerva, „man erzählt sich, dass sie bei Dily Derwent Geburtsregistratur ihrem Vater einen riesigen Schrecken eingejagt hat."
„Wobei einige nicht so nette Biografen dieser Zeit diesen Aussetzer damit erklären, dass Mister Derwent bereits Vater von sechs Töchtern war", wandte Ambros schmunzelnd ein.
„Großer Merlin!", Severus rollte mitleidig mit den Augen.
„Aber auch Mister Dumbledore berichtete von Ähnlichem bei der Eintragung von Albus", wusste Minerva.
„Also nur bei herausragenden Zauberern oder Hexen", schloss Henry und schaute auf das kleine Mädchen in seinen Armen.
„Ja und nein!", antwortete Ambros, „Es sind wirklich herausragende Zauberer und Hexen, aber eben nicht nur gute", er seufzte tief.
„Wohl wahr! Denn vergessen wir Gellert Grindelwald nicht, der zwar auf dem Kontinent aufwuchs, aber hier geboren und eingetragen wurde", gab Kingsley zu bedenken, „Er war auch herausragend, aber eben auch sehr gefährlich."
„Voldemort auch?", fragte Harry leise.
„Nein, denn kein Zauberer und keine Hexe haben ihn registriert, das geschah automatisch, darum konnte es in diesem Fall auch keine Reaktion der Feder geben", schüttelte Minerva den Kopf und alles schwieg einen kurzen Augenblick.
„Wie auch immer", beendete Hermine die Stille mit fester Stimme, „bevor unsere Tochter ausziehen kann, um was für große Taten auch immer zu vollbringen, sollten wir alles dafür tun, dass sie froh und glücklich wird, damit sie wachsen kann und laufen und sprechen lernt, gut von böse unterscheiden kann und vieles, vieles mehr lernt, denn das sind alles Dinge die erst einmal viel, viel wichtiger sind, als Prophezeiungen."
„Da hast Du völlig recht, mein Schatz!", bestätigten ihre Eltern.
Aber Kingsley war noch nicht ganz so schnell mit dem Thema durch, „Auch ich stimme Dir zu, Hermine, aber mich würde noch interessieren, was Patricia Trelawney zu dieser Reaktion gesagt hat?" und er sah Severus gespannt an.
„Sie war völlig familienuntypisch ganz begeistert und meinte es wäre ein sehr gutes Omen", antwortete Severus mit großem Zweifel in der Stimme.
„Ausgezeichnet!", atmete Englands Zaubereiminister tief und befreit auf, „dann können wir wirklich großes von dieser kleinen Dame erwarten."
„Mister Shacklebolt", mischte sich Jean grinsend ein, „haben Sie etwa etwas anderes von unserer Enkeltochter erwartet?"
„Nein, Dr. Granger", lachte Kingsley, „meine Vermutungen wurden nur soeben mal wieder bestätigt!"
„Das sehe ich genau so", meinte auch Ginny und streichelte über die Wange der Kleinen, „Professor Snape, Ihre Tochter ist einfach wunderbar! Und sie hat zwei Augen und eine Nase und einen Mund und auch sonst ist alles so, wie es sich für eine Neugeborene gehört. Sie ist eine ganz hübsche und brave."
Severus reckte den Hals und meinte trocken, „Wenn ich mich nicht täusche, schläft sie ja im Augenblick auch."
„Aber erst vor wenigen Minuten, und nur weil sie so professionell umhergetragen wurde", zwinkerte Misses Potter Hermines Vater zu.
„Das habe ich bei Hermine gelernt", lächelte Henry, „sie wurde auch für ihr Leben gerne getragen.
„Und Du hast sie auch für Dein Leben gerne herumgeschleppt", lachte Jean und gab ihrem Mann einen Kuss, „Am Ende wollte sie nirgends sonst mehr einschlafen, das war nicht so lustig, als Du die drei Wochen in Asien warst!"
„Ich habe es ja auch nur zwei Wochen ohne Euch beide ausgehalten", gab Henry zu und dachte auch im Moment augenscheinlich nicht daran, seine schlafende Enkeltochter in ihre Wiege zu legen, die übrigens wieder mit rotem Samt ausgeschlagen war, wie Severus wohl bemerkt hatte.
Es wurde ein ausgelassener und sehr fröhlicher Nachmittag und die schlafende Eileen wanderte von Arm zu Arm, wurde geherzt und eingehend betrachtet und gekost. Doch Poppy stand augenscheinlich nur bedingt auf Ausgelassenheit und Fröhlichkeit in ihrem Reich, daher warf sie alle, außer Severus gegen fünf Uhr gnadenlos von der Krankenstation.
„Morgen könnt ihr die junge Dame zu Hause besuchen und müsst mir meinen schönen ruhigen Krankenflügel nicht weiter in einen Rummelplatz verwandeln!", schimpfte sie, aber keiner nahm es ihr weiter übel, dafür glänzten ihre Augen auch viel zu sehr.
Als aber endlich auch der letzte Gast verschwunden war und nur noch Severus übrig geblieben war, baute sich Poppy vor Hermines Bett auf und fragte vorwurfsvoll, „Nun, willst Du nicht auch endlich nach Hause gehen?"
„Oh, darf ich?", staunte Hermine voller Vorfreude.
„Natürlich, Mutter und Kind sind gesund und voller schrecklichem Übermut", attestierte Madam Pomfrey zufrieden und winkte Severus heran, der auch sogleich seinen Zauberstab zückte und einen kleinen Lokomotor über die Wiege sprach. Dann hob er geschwind Hermine auf seine Arme und machte sich mit seinen beiden Frauen auf in den Kerker, nicht, dass Poppy es sich anders überlegte.
„Ich wäre durchaus in der Lage selbst zu gehen", merkte Hermine freundlich an.
„Ich weiß", brummte ihr Mann belustigt.
„So, und warum trägst Du mich dann?", erkundigte sich Hermine und schmiegte ihren Kopf in seine Halsbeuge.
„Sicher ist sicher, nicht dass Du zwischen dem Krankenflügel und den Kerkern noch ein hochwichtiges Projekt zu erledigen hast, das keinen Aufschub duldet!"
„Ach weißt Du", überlegte Hermine grinsend, „wo ich gerade darüber nachdenke…"
„Aha, wusste ich es doch!", seufzte Severus.
„Nein, keine Sorge, mir fällt da gerade nichts besonderes ein, außer in mein Bett zu wollen", lächelte sie ihn selig an, „mit Dir natürlich."
„Und dieser kleinen Dame hier, nehme ich an."
„Ja, richtig!", nickte sie und schlang ihren Arm noch etwas fester um seinen Nacken.
Merlin sei Dank begegneten ihnen weder Menschen noch Gespenster und vor allem nicht Peeves. Doch irgendwann auf den menschenleeren Gängen, räusperte sich Hermine leise, „Das mit Artemisias Feder", begann sie und hob ihren Kopf.
„Ja, was ist mit ihr?", fragte Severus und konzentrierte sich gerade sehr darauf, dass Eileens Wiege nicht an der scharfen Ecke anstieß, die die Abzweigung in die Kerker anzeigte.
„Was denkst Du darüber?", wollte sie wissen.
Severus sah seine Frau kurz an, dann glitt sein Blick zu der Wiege hinüber, in der seine Tochter friedlich schlief und er ließ sich Zeit mit einer Antwort bis sie durch die Kerkertüre in ihre Wohnung gelangt waren und die Türe sich hinter ihnen geschlossen hatte.
„Nun", setzte er an und brachte beide auf geradem Weg ins Schlafzimmer, „ich bin mir nicht sicher…"
„Es hat Dich erschreckt, nicht wahr?", vermutete Hermine und ließ sich ächzend in die Kissen sinken.
„Allerdings", gestand Severus und setzte sanft die Wiege direkt neben dem magischen Fenster ab, bevor er sich mit einem tiefen Seufzer auf die Bettkante setzte und sich über die Augen fuhr, „Es war wie eine riesige Welle, die über mich hinweggefegt ist", flüsterte er und nahm nur am Rande Hermines streichelnde Hand wahr, die seinen Rücken hinauf und hinab fuhr, „ich kann Dir nicht sagen, ob es gut oder schlecht war", er blinzelte zu ihr hinüber, „es war so verwirrend. So viele Gefühle und Eindrücke. So etwas habe ich noch nie erlebt."
„Ich denke Prophezeiungen sind immer verwirrend", antwortete Hermine leise, „mindestens so sehr, wie Geburten", eine Antwort, die ihm ein kleines Lächeln auf die Lippen zauberte. Er drehte sich zu ihr herum und nahm sie fest in seine Arme.
„Egal was kommen mag", murmelte er in ihr Ohr und sie nickte heftig in seine Umarmung, um fest zu antworten, „Ja, Severus, egal was kommen mag, solange wir es nur zusammen angehen."
„In der Tat!", grummelte er zufrieden und schloss einen Augenblick die Augen, bevor ihm noch etwas Wichtiges einfiel, „Ach, übrigens, ich war bei Sernorins."
„Oh!", machte Hermine und rückte von ihm ab.
„Ich soll Dich herzlich grüßen."
„Danke, wie nett", sie sah ihn erwartungsvoll an, „und was wolltest Du dort?"
„Ich habe mich erkundigt, ob man Eileen in unsere Ringe aufnehmen kann."
„So?", Hermine hob erfreut eine Augenbraue in die Höhe, „Und was hat Madam Sernorin geantwortet?"
„Das es kein Problem ist, wenn Du es auch willst."
„Ich finde das war eine sehr gute Idee von dir, Severus!", strahlte Hermine und zog ihn wieder nah zu sich heran.
„Schön", freute sich der und brummte leise, „dann solltest Du Dir eingehend Gedanken über eine angemesse Form machen, um Madam Sernorin Ende der Weihnachtsferien unsere Vorstellungen mitzuteilen."
„Das werde ich gerne, mein Lieber", sie gähnte vernehmlich, „aber nicht mehr heute, denn ich bin ehrlich geschafft und außerdem wird Eileen in kaum zwei Stunden schon wieder wach und hat Hunger", sie löste sich ein wenig von ihm und sank tiefer in die Kissen, „bis dahin sollte ich eine kleine Mütze voller Schlaf genommen haben."
„Nun, diese ministerielle Aufstellung zu allen Rechten und Pflichten magischer Eltern können wir auch morgen noch durcharbeiten", er fischte Miss Trelawneys Unterlagen aus der Innentasche seines Gehrockes.
„Ja, das reicht wohl", stimmte Hermine zu, „denn dass wir auf ihr Schreien sofort reagieren und keinen Silentio verwenden, ihr regelmäßig Nahrung zukommen lassen und dafür sorgen, dass sie es warm und trocken hat, dafür brauchten wir keine Ministeriumsaufstellung."
„Allerdings nicht!", auch Severus entwich ein kleines Gähnen, auch Vaterpflichten waren eben sehr anstrengend, vielleicht sollte er sich ein wenig auf seine Couch legen. Er linste kurz zu seiner Frau hinüber und verwarf diesen Gedanken wieder. Es war viel besser das deutlich bequemere Bett für ein kleines Nickerchen zu nehmen, egal, was seine Uhr so anzeigte.
Er musste es ja keinem erzählen.
Genau so wenig, wie die Reaktion der Feder. Man würde einfach sehen was die Zukunft so bringen würde. Aber ob Minerva und all die anderen da so diskret sein würden, wagte er zu bezweifeln. Nun, zur Not gab es ja immer noch einige wirksame Obliviatezauber….
