18. Kennenlernen

„Es war eine wirkliche Herausforderung!", sinnierte er leise und streichelte ihren Arm entlang.

„Da hast Du recht, mein Lieber", nickte Hermine seufzend, „aber es war auch schön, sehr schön sogar."

„Wie wahr, wie wahr", spottete ihr Mann, „der ästhetische Anblick und wohlriechende Duft voller Windeln, gepaart mit dem lieblichen Klang eines schreienden Kindes und das mitten in der Nacht, mitten in einer Mahlzeit, mitten in einem Bad und mitten in einem leidenschaftlichen Akt sind einfach nicht zu überbieten. Von Blähungen, Fieber und sonstigen Kleinigkeiten gar nicht zu sprechen! In der Tat, sehr schön!"

Hermine musste lachen, „Ja, es hatte auch seine Schattenseiten, aber es war trotzdem schön", beharrte sie und kuschelte sich an seine Brust.

Nun, ja, bei aller Anstrengung und vor allem bei aller Umstellung die ein Kind für einen Eigenbrödler im vorgerücktem Alter bedeutete, der Kinder nur für Plagen hielt und der sich nicht wirklich daran erinnern konnte, jemals einen Säugling von Nahem gesehen zu haben, waren diese ersten Wochen mit Eileen wirklich eine ganz besondere, eine zutiefst kostbare Zeit gewesen.

Und ihm fielen auch genügend Beispiele ein, die diese Aussage ganz genau belegen.

Da war zum Beispiel dieser unglaubliche Augenblick gewesen, als seine brandneue Tochter zum ersten Mal satt, trocken und wach gewesen war, dafür aber Hermine ein wohlverdientes Nickerchen machte und ihn somit völlig allein mit einem Neugeborenen gelassen hatte.

Aus seiner anfänglichen Unsicherheit, die ihn alle drei Minuten zur Wiege eilen ließ, um nachzusehen, ob sie noch atmete, wurde echte Panik, als Eileen nach einer Weile anfing sich leise, aber vernehmlich zu beschweren.

Großer Merlin, was hatte sie nur? Hunger? Nein, sie hatte gerade vor einer halben Stunde erst getrunken, außerdem ordnungsgemäß ein Bäuerchen gemacht und anschließend eine frische Windel erhalten.

Verdammt, was denn noch?

Oh, sie hatte doch wohl keine Schmerzen? Großer Merlin! Wirkliche Sorge erfüllte ihn. In den eineinhalb Fachbüchern, die er gelesen hatte (heimlich natürlich) hatte öfters gestanden, dass Neugeborene Schwierigkeiten mit der Verdauung haben könnten, aber auch plötzliche Fieber, Ausschläge und andere Schrecklichkeiten seien durchaus im Bereich des Möglichen.

Sein erster Impuls war es, sogleich Hermine zu wecken. Guter Gedanke, sie hatte zwar auch nicht mehr Erfahrungen, aber sie war immerhin die Mutter!

Er stand schon fast vor dem Bett seiner Frau, als er inne hielt und lieber nochmals zurück zur Wiege im Wohnzimmer eilte. Denn wenn Eileen keine Schmerzen haben sollte und ihr Leben nicht in ernster Gefahr wäre, dann würde seine, normalerweise äußerst friedliche Gattin, sehr unleidlich über die Störung ihres Schlafes werden, sie litt eh noch unter der Geburt und unter der Umstellung, den ihr ihr Körper und der Vierstundenrhythmus ihrer Tochter bescherte.

Daher machte er auf dem Absatz kehrt und beugte sich vorsichtig über die Wiege. Hm, er zog seine Augenbrauen zusammen und studierte dieses winzige Wesen eingehend. Eigentlich sah sie wirklich nicht nach Schmerzen aus. Es hörte sich eher wie Klagen an. Er beugte sich noch etwas näher zu ihr hinunter. Also, wenn es nicht zu dumm wäre, könnte man meinen, sie wolle nur mal wissen, ob es da noch andere Menschen um sie herum gäbe und ob die sich nicht mal mit ihr beschäftigen könnten.

Albern, natürlich, immerhin war sie ja gerade mal zwei Tage alt. Aber er sah seine seltsame These bestätigt, als sie kurz ihre Augen aufschlug und ihn erblickte. Denn sofort hörte sie auf zu jammern. Zufrieden wollte sich Severus schon wieder entfernen, immerhin wusste sie ja jetzt, dass er da war und er musste sich wirklich so langsam mal mit den Aufsätzen der sechsten Klasse beschäftigen, da fing sie wieder an. Sogleich brachte er sich erneut in ihr Blickfeld und Eileen war still.

Aha!

Zur Kontrolle versuchte er das gleiche Spiel noch ein-, zweimal und seine These war bestätigt. Trotz dieses wissenschaftlichen Erfolgs warteten aber immer noch seine Aufsätze und daher reckte er sich besonders weit über die Wiege.

„Sieh", sprach er langsam und betont, da er nicht wusste, wie gut sie ihn schon verstehen würde, „Du musst Dich nicht sorgen, ich bin ganz in der Nähe. Präzise gesagt, dort in meinem Büro. Denn Deine Geburt hat uns ziemlich in Rückstand gebracht, so dass ich wirklich noch viel zu tun habe. Deine Mutter schläft im Augenblick, es war nicht so leicht für sie. Also sei bitte leise und beschäftigte Dich mit… äh,… mit einem Buch oder wegen mir auch mit diesen Dingen dort!", er wies mit spitzen Fingern auf diverse Kuscheltiere, die die freudigen Besucher gestern und vorgestern da gelassen hatten.

Dann zog er seine Weste glatt und fand, dass er die Situation doch recht professionell geregelt hatte.

Leider fand Eileen das nicht. Ganz und gar nicht. Ihr Klagen setzte sofort wieder ein, sobald er seinen Kopf zurückzog und wurde sogar noch um einiges ungeduldiger.

Verflixt.

„Hör zu", wies er sie nun streng an, „so geht das nicht! Ich kann doch hier nicht die ganze Zeit herum stehen, dass musst Du doch einsehen!"

Ganz genau!

Tat sie aber nicht! Kinder!

Mit einer Mischung aus Ärger, Ungeduld und Unsicherheit neigte er sich erneut tiefer über ihr Bettchen und jetzt sogar sehr nah zu ihr hinunter. Vielleicht konnte man sie ja niederstarren. Das half immerhin bei Schülern und die waren ja auch Kinder, irgendwie.

Na also! Funktionierte! Eileen hörte auf zu greinen, allerdings wurden jetzt ihre Augen ganz groß, sie wedelte mit ihren Ärmchen herum, verzog das Näschen und reckte und streckte sich.

Bei Merlin, was sollte das denn jetzt? Vielleicht ein Anfall? Na, gefährlich sah es nicht aus. Er zückte diskret seine Taschenuhr und linste aufs Ziffernblatt. Verdammt, die Zeit rannte ja nur so. Wenn er noch den ersten Stapel vor dem Abendessen abarbeiten wollte, musste er sich sputen.

Nachdenklich legte er die Stirn in Falten, Hermine nahm sie immer auf den Arm, wenn sie herumquengelte.

Nein, das kam gar nicht in Frage! Panik ergriff ihn. Nachher nahm sie davon Schaden. Sie war so winzig. Wenig größer nur, als seine Hand.

Er hatte sie bisher nur einmal angefasst, nämlich als Poppy sie ihm nach der Geburt in die Hände gedrückt hatte, um die Nabelschnur zu durchtrennen. Er war wie versteinert gewesen. Eileen hatte ihn aus einem kleinen verquollenen Auge schreiend angeblinzelt, als wenn sie sich noch überlegen müsse, was dieser schwarze Kerl da direkt vor ihrer Nase denn darstellen solle und ob er für etwas gut sein könne und bevor sie schon so schnell erkennen konnte, dass sie einen echt lausigen Vater abbekommen hatte und alles Schreien dieser Welt durchaus berechtigt war, was ihn betraf, hatte er sie so schnell es eben ging an ihre Mutter weitergereicht.

Grundgütiger! Ihm trat jetzt noch der Schweiß auf die Stirne, wenn er daran zurückdachte.

Von da an genügte es ihm völlig, sie anzusehen – aus gebührendem Abstand und nur wenn keiner es sah, versteht sich, aber dann zugegeben ausgiebig und gern.

Denn ehrlich gesagt, sie war interessant.

Die winzige Stupsnase und die Mundpartie erinnerten ihn eindeutig an Hermine, doch dass das pechschwarze Haar und die pechschwarzen Augen, wirklich von ihm sein sollten, dass war irgendwie unwirklich. Theoretisch eben. Er kam noch etwas näher. Sie war schon ein kleines Wunder. So ein zierliches Wesen, das aus einem winzigen Ei und einem noch winzigeren Samen entstanden war. Damals, in dieser herrlichen Nacht unter einem grandiosen Vollmond in Pomona Sprouts Gewächshaus.

Großer Merlin! Er musste seufzen und ein klein wenig lächeln, wenn er daran zurückdachte. Es war so schön gewesen! Als er aber bemerkte, dass seine Tochter ihn immer noch musterte, vielleicht sogar noch intensiver, räusperte er sich schnell und stellte das Lächeln sogleich ein.

Nun gut! Er zog seine Weste gerade und seine Augenbrauen zusammen.

Nicht, dass er hier noch sentimental wurde! Romantisch und albern! Niemals!

Allerdings… sie war wirklich interessant!

Hm… Hermine hatte geschwärmt, dass ihr Haar ganz weich wäre. Nun, vielleicht eine gute Gelegenheit, das nachzuprüfen. Er sah sich kurz um, nicht dass seine Frau wieder einmal unbemerkt hinter ihm stand, dann streckte er sehr vorsichtig seine Hand aus und fuhr ihr zögerlich über den dunklen Schopf. Tatsächlich. Fühlte sich gut an, sehr gut sogar. Er wiederholte es und auch Eileen schien es zu gefallen. Das Näschen legte sich in Falten und der Mund verzog sich genüsslich.

Nun, vielleicht sollte er es doch wagen sie aus dieser engen Wiege heraus zu holen. Wenn sie ihn fragen würde, er wollte da auch nicht den ganzen Tag herumliegen.

Sehr vorsichtig griff er mit beiden Händen rechts und links unter ihre Ärmchen. Was hatten Poppy und Jean gesagt? Genau! Der Kopf müsse immer gestützt werden, sonst würde er abfallen. Na ja, so ähnlich. Jedenfalls hielten seine Zeigefinger ihren Nacken gerade.

Etwas ungeschickt, aber immerhin ohne Schäden und Geschreie hob er sie so aus ihrem Bettchen und hielt sie prüfend eine Armlänge vor sich.

Sie war ganz leicht, leichter sogar, als die Zaubertranklehrbücher der fünften und sechsten Klasse, vom Grundlagenwerk des Arsenius Bunsen ganz zu schweigen. Also wog sie praktisch gar nichts! Dabei hatte Hermine immer so über das Gewicht ihres Bauches geklagt. Pf, Frauen!

Allerdings hing dieses Kind eindeutig durch, ihr Köpfchen verschwand fast zwischen ihren Schultern und in seinen Händen und die Bäckchen wurden so nach oben gedrückt, dass sie schon fast nichts mehr sehen konnte. Sie machte keinen sehr frohen Eindruck, „Nun, Deine Haltung, junge Dame, lässt eindeutig zu wünschen übrig!", murmelte er mit einem winzigen Grinsen und legte sie sich in die Armbeuge. So machte Hermine es immer. Das gefiel ihr wohl auch besser, denn sie schloss die Augen und atmete tief durch.

Mit einem kleinen Lächeln brummelte ihr Vater feststellend, „Wir haben es also gerne gemütlich, Miss Granger-Snape."

Als er sie so ansprach, machte sie ihre Augen sogleich wieder auf und als er interessiert den Kopf zu ihr herunterneigte, legte sie erst die Stirn in Falten und ihre Augen wurden wieder groß und größer und ihr Blick war plötzlich so intensiv, dass ihm ein eigenartiger Schauer den Rücken hinunter rieselte. Wie seltsam, ihm wurde ganz anders. Dabei sah sie ihn doch bloß an. Sie sah ihn ganz fest an. Er musste schlucken. Und etwas blinzeln. Und sich dann räuspern.

„Ähm…", verdammt, da war ein dicker Kloß in seinem Hals.

„Ja", setzte er wieder an, „nun, Du… Du weißt vielleicht gar nicht, wer ich bin", fiel ihm siedendheiß ein und er räusperte sich zur Sicherheit noch mal, „Also, ich sollte mich besser kurz vorstellen, mein Name ist Severus Snape, Professor Severus Snape, um genau zu sein. Ich bin Hogwarts Lehrer für Tränkekunde und nun ja, ich bin Dein Vater."

Er schaute sie etwas bang an. Wie würde sie auf diese Information reagieren? Nicht dass sie es für furchtbar hielt und in Tränen ausbrach oder sich sogar übergab.

Aber Merlin sei Dank, nichts dergleichen geschah. Vorerst jedenfalls nicht! Sie hatte es wahrscheinlich noch nicht richtig begriffen, bei solch kleinen Kindern dauerte es vielleicht ein wenig länger, bis sie so etwas verarbeitet hatten.

Trotzdem, er hatte es nun einmal unternommen ihr von Anfang an reinen Wein einzuschenken, und Eileen hatte auch den Augenkontakt noch nicht unterbrochen, sondern intensivierte sogar noch ihren Blick. Daher fuhr er leise und stockend fort, „Ich befürchte, es wird nicht leicht für Dich und mich, denn Du musst wissen, ich verstehe von solch kleinen Kindern nicht das Geringste und es macht mir sogar etwas Angst", er nahm tief Luft, „Nun, um genau zu sein, ziemlich große Angst, und ich bin mir sehr sicher, dass Du es mit einem anderen Vater wesentlich besser getroffen hättest!"

Er nickte langsam und schwermütig, bevor er leise seufzte, „Aber es ist nun mal so wie es ist und ich hoffe inständig, dass Du nicht allzu viele Charaktereigenschaften von mir mitbekommen hast und von den körperlichen Vorzügen, wie Nase, Teint oder Haare gänzlich verschont bleibst."

Eileen blinzelte einige Male und reckte ihre Arme hoch zu seinem Gesicht, „Aber wenn Du willst, verspreche ich Dir hier und jetzt, dass ich alles dafür tun werde, dass Du nicht übermäßig unter der Tatsache, dass ich Dein Vater bin, leiden musst", er beugte sich hinunter bis zu ihrem Ohr und hauchte, „Und ich wäre zutiefst glücklich, wenn Du soviel Geduld mit mir aufbringen wolltest, wie es Deine Mutter seinerzeit getan hat."

Ein kehliger Laut war von Eileen zu hören, den er nicht zu interpretieren wusste, aber er klang wenigstens nicht böse oder traurig. Das war doch schon ein besserer Anfang, als er es mit unzähligen Schülerinnen und Schülern erlebt hatte. Erleichtert atmete er tief ihren Duft ein. Ein Geruch, der ihm sogleich ausnehmend gut gefiel.

Als er sich wieder aufrichten wollte, merkte er allerdings, dass dies nicht ging! „Aua!", murmelte er erschrocken. Sie hatte ihre Hände in seinen Haaren vergraben und es kostete ihn einiges an vorsichtigem und durchaus schmerzhaftem Ziehen, bis sie sie endlich wieder frei gab.

Verflixt! Für so eine kleine Person, hatte sie aber bereits erstaunlich viel Kraft. Freilich wusste er jetzt auch, warum Hermine stets ihre Haare zusammen band, wenn sie sich mit Eileen beschäftigte.

Nun, wieder eine neue Erfahrung.

Nach dieser ersten, wenn auch etwas förmlichen und anschließend handgreiflichen Annäherung, machte er einige Schritte auf und ab und wiegte sie dabei leicht hin und her.

Hm, auch nicht schlecht, so konnte er zudem viel besser denken. Er schaute sich kurz um.

Es gab da ja noch einige weitere Basisinformationen, die für sie zu wissen nicht uninteressant waren „Ich sollte Dir ebenfalls sagen, dass wir hier unten in den Kerkern von Hogwarts wohnen, der besten Schule für Hexerei und Zauberei auf der ganzen Welt", er zeigte stolz auf sein Wohnzimmer und die abgehenden Zimmer, „Wenn Du elf Jahre alt sein wirst, erhältst auch Du höchstwahrscheinlich Deinen Brief und wirst hier eingeschult werden", er spähte besorgt zu ihr hinunter, „Ich sagte ‚höchstwahrscheinlich', weil natürlich schon die theoretische Möglichkeit besteht, dass Du eine Squib bist, also eine nicht magische Person zweier magisch begabter Eltern. Es ist zwar nicht davon auszugehen, denn Deine Mutter ist eine sehr mächtige Hexe und auch ich habe einiges an magischem Potential einzubringen, zudem ist da dieses komische Ding mit der Feder der ersten Zaubereiministerin passiert, als ich Dich registrieren gelassen habe, aber das mit der Magie kann man eben nie wissen."

Tatsächlich hatte er bisher noch mit keinem einzigen Gedanken erwogen, dass seine Tochter keine Hexe sein könnte. Er legte seine Stirn in Falten und starrte ins prasselnde Kaminfeuer. So etwas kam aber in den besten Familien vor! Ein Phänomen, das zwar nicht so häufig war, wie magische Kinder nicht magischer Eltern, aber es kam eben vor. Immerhin war Argus Filch einer, dessen Mutter als Unsägliche im Ministerium und sein Vater als Zauberkunstmeister in Hogwarts tätig gewesen waren. Bei Merlin! Nicht nur der Makel, ihn als Vater zu haben, nein, dann auch noch ohne Magie in einem Magierhaushalt und in einer Magiergesellschaft zu leben, welch ein schlimmes Schicksal. Er schaute voller Kummer in das kleine Gesichtchen seiner Tochter. Wirklich, es wäre sehr schwierig für sie und bestimmt auch für Hermine und ihn, sollte sie kein oder nur ein geringes magisches Potential haben.

Er würde diese Sorge vorsichtshalber bei nächst bester Gelegenheit behutsam bei Hermine anklingen lassen und natürlich ein sehr genaues Auge auf diese kleine Person hier haben, damit er diese Zweifel schnellst möglich aus dem Weg räumen könnte. Hoffentlich!

Er räusperte sich energisch, nicht dass sie noch etwas von seinen Bedenken mitbekam und vor lauter Angst anfing zu weinen! Mit festem Schritt setzte er seinen Weg vor dem Kamin fort, „Also, junge Dame, kommen wir zurück zu Hogwarts", versuchte er seine Gedanken in andere Bahnen zu lenken, „Es gibt vier Häuser und der Sprechende Hut wird Dich, wenn Du denn eine Hexe bist, zu gegebener Zeit in eines einteilen. Natürlich besteht für mich kein Zweifel daran, dass Du dann eine Slytherin wirst, immerhin bin ich der Hauslehrer der Slytherins!", er bemerkte, dass ihm diese Aussicht ausnehmend gut gefiel und eine Welle des Stolzes und der Vorfreude ihn durchflutete! Diesem Gedanken würde er sich in der nächstbesten ruhigen Minute intensiv widmen.

„Deine Mum, Professor Hermine Granger und auch ich selbst, sind ebenfalls hier zur Schule gegangen", fuhr er gut gelaunt fort, „Natürlich nicht zur gleichen Zeit, nein! Ich war schon der Lehrer Deiner Mutter und wahrscheinlich werde ich auch Deiner sein." Er zog die Augenbrauen zusammen, „Das wird Dich zur gegebener Zeit nicht besonders erfreuen, denn ich bin wohl alles andere als beliebt. Aber das liegt im Grunde genommen nicht an mir", stellte er klar, „sondern an den Dummköpfen die ich zu unterrichten habe!"

Er seufzte leicht, „Deine Mum konnte mich damals auch nicht leiden. Aber nicht, dass Du denkst, dass deine Mutter ein Dummkopf war, nein, beileibe nicht, aber sie hatte grauenhafte Freunde, die einen desolaten Einfluss auf sie hatten und zudem war sie furchtbar besserwisserisch und altklug und hat mir den letzten Nerv geraubt. Sie war eine Plage, bei Merlin!"

Eileen gähnte ausgiebig und reckte ihren rechten Arm in Richtung seiner Nase. „Ich gebe allerdings zu, dass ich ebenfalls nicht besonders nett zu ihr war", grinste er diabolisch, „weder in ihrer Schulzeit noch später, als sie bei mir unbedingt ihre Meisterzeit ableisten wollte!"

Er beäugte seine Tochter kritisch, „Deine Mutter ist schrecklich dickköpfig und stur und ich hoffe doch sehr, dass Du auch diese Charaktereigenschaft nicht geerbt hast!"

Oje, wenn er sich so überlegte, was beide Elternteile an schlechten Eigenschaften einzubringen hatten, bedurfte es wahrlich eines Wunders, damit Eileen einigermaßen geraten würde.

„Generell", fuhr er fort, „wäre es gut, wenn Du Dich trotzdem mehr an Deiner Mutter orientieren würdest, sie ist nämlich nicht nur dickköpfig und manchmal furchtbar besserwisserisch, sie ist vor allem auch ausgesprochen hübsch und äußerst gescheit und hat ein großes Herz. Sie ist sowieso ein guter Mensch, einer auf den man sich verlassen kann."

Er seufzte und blinzelte zu ihr hinunter, „Wie? Ja, Du hast recht, das hört sich so an, als habe ich sie sehr gern", er räusperte sich wieder, zog seine Augenbrauen zusammen und flüsterte, „nun, ehrlich gesagt, sogar mehr als das, weit mehr als das…"

Allerdings! Wenn er daran dachte, dass er sich ein Leben ohne sie überhaupt nicht mehr vorstellen konnte und schon gar nicht mehr vorstellen wollte, dann war das sogar noch untertrieben. Bei Merlin, und je länger er sich diese junge Dame auf seinem Arm so anschaute, hatte er das sichere Gefühl, dass sich soeben noch jemand in sein Herz schlich.

Verflixt. Wo sollte das nur hinführen?!

Ja, wohin? Er schaute seine Tochter an und wusste nicht, ob er seine guten Vorsätze ihr gegenüber erfüllen konnte, er wusste nicht, ob sein Bemühen ausreichen würde oder ob sie ihn nicht eines Tages doch mit dem gleichen Blick anschauen würde, mit dem er selbst seinen Vater wohl zu oft bedacht hatte und aus dem deutlich zu lesen war, ‚Ich hasse und verachte Dich und versuche jeden Tag aufs neue Dich zu vergessen!' Denn er war sich schon nach diesen zwei Tagen sicher, dass er diesen Blick von ihr nicht ertragen könnte. Bei Merlin! Er musste sich wirklich sehr anstrengen und am Besten Hermine um Hilfe bitten, damit sie ihn auf Dinge aufmerksam machte, die nicht in Ordnung waren.

Eileen gähnte wieder ausgiebig und rieb sich die Augen. Ah, die junge Dame wurde müde, ja, es war auch sehr anstrengend umhergetragen zu werden und sich das Gebrummel ihres alten Vaters anhören zu müssen. Er sollte sie besser zurück in ihre Wiege legen, damit sie ein Nickerchen machen könnte. Andererseits schien sie sich auf seinem Arm recht wohl zu fühlen und ihm gefiel es auch, sie umherzutragen und ihr alles eingehend zu erklären, daher beschloss er ihr noch etwas mehr von sich und seinem Leben zu erzählen und eilte mit ihr in Hermines Büro. Dort hingen nämlich unzählige Bilder herum und er zeigte ihr als erstes ihre Großeltern Jean und Henry Granger, „Du hast sie sicherlich gestern und vorgestern schon gesehen, sie waren hier und haben Dich ebenfalls schon umhergetragen", er musste an Henry Grangers seligen Gesichtsausdruck denken, als Hermine ihm seine Enkeltochter in den Arm gelegt hatte und Jean hatte sich heimlich einige Tränen der Ergriffenheit wegtupfen müssen, „Sie haben in London eine Zahnarztpraxis und sind zwar Muggel, aber das ist nicht schlimm, sie sind prächtige Leute und Du hast großes Glück sie zu haben!"

Dann erklärte er ihr ausgiebig das viergeteilte Wappen Hogwarts und bedachte sogar Harry Potter und Ron Weasley, die ja auf einigen Bildern zu sehen waren, mit wenigen nicht zu bösen Kommentaren. Sie sollte sich ihr eigenes Urteil über die Chaoten bilden.

Schnell hatte er auch das Bild von Minerva McGonagall gefunden, „Sie ist die aktuelle Schulleiterin von Hogwarts und wir haben sie gefragt, ob sie Deine Patin sein möchte, seither ist sie schier außer sich vor Entzücken und erzählt es überall herum", er schüttelte den Kopf, „sie war schon meine Lehrerin und schreibt traditionell die Briefe an die neuen Schülerinnen und Schüler, vielleicht bekommst Du Deinen auch noch von ihr, wir werden sehen."

Sein Blick schweifte über die vielen Bilder und blieb an dem mit dem Konterfei eines alten Zauberers mit strahlend blauen Augen und einem kleinen Zwinkern im Blick hängen, „Ja, und das ist Albus Dumbledore, einer der größten Zauberer unserer Zeit. Er war sehr lange Schulleiter von Hogwarts und ich habe ihm viel zu verdanken. Er war mein Freund und ich habe auch versucht ihm einer zu sein, aber ob das so gut war, vage ich immer noch zu bezweifeln."

Er seufzte und wies Eileen lieber auf das herrliche Bergmassiv hin, dass sich auf einem anderen Bild zeigte, „Hier habe ich Deine Mutter im vorletzten Sommer um ihre Hand gebeten und von dort ist auch das Ginkobäumchen, dass uns die Schülerschaft zur Hochzeit geschenkt hat. Wenn das Wetter besser ist, zeige ich ihn Dir, er ist etwas ganz besonderes!"

Ja, das würde er tun! „Und wenn wir dann schon mal draußen sind, musst Du Dir auch den großen See und die Peitschende Weide ansehen und da wären ja auch noch Hogsmeade und die Winkelgasse…" Er merkte, dass er sich sehr darauf freute seiner Tochter seine Welt zu zeigen und da gab es wirklich viel zu entdecken, das Quidditchfeld, der verbotene Wald, die Gewächshäuser und überhaupt das ganze Schloss mit der großen Halle und den vielen Türmen, die Räume der Slytherins und sein Labor. Es gab wirklich viel, sehr viel zu sehen!

Nur heute nicht mehr. Mit einem belustigten Laut bemerkte er, dass seiner Tochter die Augen zugefallen waren und sie friedlich eingeschlummert war. Nun, morgen war auch noch ein Tag und übermorgen und danach auch noch. Bevor er sie zurück in ihre Wiege legte, steckte er ein letztes Mal seine lange Nase in ihre Halsbeuge und flüsterte ihr ins Ohr, „Ich habe mich sehr gefreut Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben, Miss Granger-Snape und stehe Ihnen jederzeit zur Verfügung, wenn es Ihnen wieder einmal langweilig sein sollte und Sie gerne etwas umhergetragen und unterhalten werden wollen. Es hat mir außerordentlich viel Spaß gemacht!"

Allerdings, die letzte Stunde war sehr schön gewesen und auch wenn er die Aufsätze in seinem Büro immer noch nicht bearbeitet hatte, das hier war nicht nur mindestens ebenso wichtig gewesen, nein, es hatte ihn auch mit einem tiefen Gefühl des Glücks und der Zufriedenheit erfüllt.

Etwas, was diese blöden Aufsätze niemals schaffen konnten!