„Das, was mir in der ersten Zeit mit Eileen am Schwersten gefallen ist, waren die vielen nächtlichen Unterbrechungen", gab Hermine unumwunden zu und gähnte vernehmlich.
„Natürlich, wenn man ein solch übermäßiges Schlafbedürfnis hat wie Du, dann ist das ja kein Wunder!", spottete Severus und zog die Decke höher über ihre nackten Schultern, „allerdings muss ich Dich doch jetzt und hier eindringlich daran erinnern, dass auch ich durch die unmöglichen Essenszeiten unserer Erstgeborenen stark in Mitleidenschaft gezogen worden bin!"
„Was? Du?", empörte sich Hermine und schüttelte über ihren Mann den Kopf, „Wie das denn, immerhin musste ich sie doch stillen!"
„Vielleicht, aber das ging ja leider nicht ohne meine Hilfe!", behauptete er und überhörte ihr Schnauben gekonnt, „Wer weiß, was da sonst draus geworden wäre! Dabei wären mir gewisse andere, anregende Störungen wesentlich lieber gewesen!"
„Nein, zu diesen Störungen kamen wir in dieser Zeit eher weniger", gab Hermine zu.
„Stimmt", auch er verkniff sich mühsam ein Gähnen, „denn dafür waren wir viel zu müde!"
„Verdammt!", fluchte der junge Vater in den Kerkern von Hogwarts unleidlich und fühlte sich steinalt, „Warum muss dieses Kind eigentlich andauernd herumschreien?"
„Weil es uns etwas mitteilen will und noch nicht sprechen kann", nuschelte die Mutter des klagenden Kindes undeutlich und schälte sich mühevoll aus dem warmen, weichen Bettzeug.
„Und warum kann es das immer noch nicht?", grummelte Severus und linste auf den Muggelaufziehwecker seiner Frau, er zeigte 2:30 Uhr. Grundgütiger, er war gefühlt erst vor fünf Minuten eingeschlafen, höchstens!
„Weil unsere Tochter gerade mal sechs Wochen alt ist, es wäre sehr seltsam, wenn sie das jetzt schon könnte", belehrte Hermine ihn gähnend und schlüpfte in ihren Morgenmantel.
„Kann sie denn dann nicht wenigstens leiser schreien!", beschwerte sich ihr Ehemann mit zusammengezogenen Augenbrauen.
„Nein, denn sonst bekomme ich das ja nicht mit!", argumentierte sie und warf ihm einen tadelnden Blick zu, „und jetzt hör auf hier herumzunörgeln und schlaf weiter!"
„Würde ich ja, wenn Deine Tochter nicht so einen Lärm machen würde!", widersprach Severus und schaute zu seiner Frau hinüber, um es ja nicht zu verpassen, wenn sich ihr unglaublich verschlafener Gesichtsausdruck in dieses wundervolle Strahlen verwandelte, sobald sie sich über die Wiege beugte. Er gab zu, dass diese erstaunliche Wandlung ihn jedes Mal aufs Neue faszinierte.
Ah, jetzt gleich war es soweit, Hermine band sich schon ihr wildes Haar zu einem Zopf und hatte das mit grünem Samt ausgekleidete Bettchen erreicht, „Hallo, mein Schatz", flüsterte sie gurrend mit warmer, weicher Stimme und strich ihrer Tochter zärtlich über den schwarzen Flaum, der ihren kleinen Kopf bedeckte, „Ist ja gut, wir haben Dich ja gehört. Hast Du etwa schon wieder Hunger, Du kleine Nimmersatt?"
„Wenn Sie nicht sprechen kann, dann wird sie Deine Frage auch aller Wahrscheinlichkeit nach nicht beantworten", konnte sich Severus nicht verkneifen anzumerken und wusste doch, dass seine Frau ihn in diesen Augenblicken gar nicht hörte, sie war so auf das kleine Bündel in der Wiege konzentriert, dass sie beißende Kommentare von grantigen Ehemännern nicht mitbekam. War vielleicht auch besser so.
„Dann komm mal her, meine Süße", murmelte sie liebevoll und nahm Eileen vorsichtig aus dem Bettchen. War das Klagen schon deutlich schwächer geworden, als die Kerzen im Schlafzimmer aufflammten und sich Hermine ihrer Tochter zugewandt hatte, so erstarb es gänzlich, als Eileen sich auf den Armen ihrer Mutter wiederfand. „Komm, mein Liebling, wir gehen ins Wohnzimmer, damit Dein Vater weiterschlafen kann, außerdem ist es da wesentlich wärmer, nicht dass Du Dich noch erkältest."
„Ja, tut das nur, immerhin brauche ich meinen Schlaf", grummelte der und drehte sich auf die andere Seite.
Nur dummerweise hielt er es so, wie immer, keine drei Minuten aus. Verdammt. Mit einigen unflätigen Flüchen über die unmöglichen Essenszeiten seiner Tochter, schwang er seine langen Beine aus dem Bett und angelte nach Hausschuhen und Morgenmantel.
Er ging doch besser mal nachsehen, was die beiden da so machten, nicht dass seine schlafbedürftige Frau noch über das Füttern einschlief.
Als er ins Wohnzimmer kam, hatte Hermine es sich bereits auf dem Sofa vor dem prasselnden Kamin gemütlich gemacht und Eileen saugte hingebungsvoll an ihrer linken Brust.
Mit finsterem Gesichtsausdruck kam er näher und blieb schließlich vor der Couch einige Augenblicke stehen, um die kleine Szene genau zu betrachten. Natürlich wusste er, dass Hermine alles gut und sicher im Griff hatte, aber darum ging es ja auch gar nicht, vielmehr gab er vor sich selbst gerne zu, dass er es einfach liebte seine Frau und seine Tochter so zu sehen. Es erfüllte ihn aus unerklärlichen Gründen stets mit einem ungeheuren Gefühl der Ehrfurcht und der tiefen Geborgenheit. Es rührte etwas tief in ihm an und obwohl er es nicht in Worte fassen konnte, war es von einer solchen Größe, dass er jedes Mal schlucken musste.
Hermine hatte anscheinend schon auf ihn gewartet und sah ihn mit einem auffordernden Lächeln an, „Das hat aber lange gedauert", flüsterte sie neckend, „Eileen hat sich schon einige Male nach Dir erkundigt!"
„Pf", machte Severus ungläubig, aber doch ein wenig geschmeichelt und mit einem tiefen Seufzer ergab er sich sehr schnell in sein Schicksal und nahm ebenfalls auf dem Sofa Platz, dann öffnete er seine Arme und sogleich rückte seine grinsende Frau heran, um sich samt Tochter fest an ihn zu kuscheln und ein sehr zufriedenes Schnurren von sich zu geben.
Unglaublich wundervoll. Dies waren seit Eileens Geburt die Höhepunkte seines Tages oder eben seiner Nacht. Er durfte nicht nur zuschauen, nein, er war auch Teil und das tiefe Gefühl der Geborgenheit und Zufriedenheit, ja des puren Glücks überrollte ihn fast. Mit jeder Sekunde wurde der Kloß in seinem Hals größer und wenn er nicht über eine solch ungeheure Selbstdisziplin verfügt hätte, wäre die Gefahr groß gewesen, so etwas Dummes zu tun, wie vor Glück unnütze Tränen zu vergießen.
Bei Merlin! Undenkbar!
Natürlich riss er sich energisch zur Ordnung, lediglich ein kleiner Seufzer war zu hören, den seine schlaue Frau allerdings völlig richtig interpretierte, denn ihre rechte Hand tastete nach oben und streichelte sanft über des Tränkemeisters stoppelige Wange.
Sie genoss es gleichermaßen. Zwar befand sie nach eigenen Worten das starke Saugen des Säuglings an ihrer empfindlichen Brust anfänglich als sehr seltsam und auch ein wenig schmerzhaft, allerdings verringerte sich so eben auch der unangenehme Druck in ihrer Brust und bald war auch das Ziehen und leichte Stechen verschwunden.
Beide ließen sich stets Zeit für die regelmäßigen Mahlzeiten ihrer Tochter. Sie hatten schnell gelernt, dass Hektik und Eile zu einem sehr unzufriedenen Baby und gestressten Eltern führte. Sehr hilfreich war dabei Eileens ungewöhnlich präziser Rhythmus. Nach ihren Schlaf- und Essenszeiten konnte man fast die Uhr stellen. Allerdings wurde sie auch sehr schnell, sehr unleidlich, wenn man sich um diesen Rhythmus nicht sogleich kümmerte. Diese Ungeduld hatte sie sicherlich von der mütterlichen Seite, denn er war ja schließlich die Geduld und Ruhe in Person!
Eine Weile war nur das Prasseln des Kaminfeuers, das sanfte Ticken der Wohnzimmeruhr und Eileens Sauggeräusche zu hören und Severus hatte sein Kinn auf Hermine Kopf gelehnt und streichelte ganz leicht über die winzig kleine, zerbrechliche Faust seiner Tochter.
„Sie trinkt gut heute", flüsterte Hermine und wechselte die Brust, als der Milchstrom langsam versiegte und Eileen unruhig wurde.
„Hm", brummte er bestätigend und zog beide noch etwas näher zu sich heran. Er fand es außerordentlich faszinierend, wie dieses winzige Wesen mit kräftigem Sog dafür sorgte, dass Nahrung sprudelte. Er hatte es nämlich schon selbst versucht, so leicht, wie es aussah war es nicht.
Er wurde von einem kleinen Husten aus seinen Gedanken gerissen, die sich zugegebenermaßen gerade mehr mit der überaus reizvollen Milchverpackung, als mit der Milchförderung beschäftigten. Eileen hatte sich verschluckt und bekam einen hochroten Kopf. Hermine nahm sie sofort hoch, klopfte leicht auf ihren Rücken und versuchte sie mit leisen Worten zu beruhigen. Aber erst ein kleines weißes Rinnsal schaffte der Kleinen Erleichterung. Severus reichte seiner Frau routiniert das Spucktuch, so was kannte er schon.
„Sie ist wie ihre Mutter, die bekommt auch nicht schnell genug den Hals voll", konnte sich Severus nicht verkneifen frech in Hermines Ohr zu flüstern, was ihm einen sehr schmerzhaften Rippenstoß einbrachte und das Versprechen, „Darüber reden wir noch, mein Lieber!"
Eileen wiederum hatte nach ihrer Hustenattacke sogleich das Saugen erneut aufgenommen und ohne dass er es gemerkt hatte nach dem Zeigefinger seiner rechten Hand getastet. Mit festem Griff hielten ihre winzigen Finger ihn nun umfangen und er streichelte zärtlich über die kleine Faust, die soviel Kraft entwickeln konnte und merkte auch nicht, dass ein feines Lächeln sich auf seine Lippen geschlichen hatte. So vergingen weitere zehn Minuten, bis auch der große Hunger seiner Tochter für die nächsten vier Stunden völlig gestillt war und sie nur noch sporadisch nuckelte.
„Ich denke, sie ist satt", meinte Hermine lächelnd, küsste den dunklen Schopf ihrer Tochter und setzte sich vorsichtig auf, dann hielt sie ihm Eileen entgegen und verlangte grinsend „Hier, achte darauf, dass sie ein Bäuerchen macht." Sie packte auf seine linke Schulter das Spucktuch und legte ihm dann Eileen vorsichtig in die Arme.
„Natürlich", grummelte Severus, „Frau Mutter möchte selbstverständlich nicht vollgespuckt werden, das überlassen wir dem armen Vater."
Hermine fischte aus ihrer Morgenrocktasche zwei Einlagen und schob sie in die Cups ihres Still-BHs, „Ganz recht!", lachte sie leise und gab Tochter und Mann einen weiteren Kuss, „und Frau Mutter geht jetzt zu Bett und überlässt auch alles Weitere dem phantastischen Vater dieses phantastischen Kindes. Viel Spaß Euch beiden!", Dann gähnte sie noch mal ausgiebig und war schneller im Schlafzimmer verschwunden, als man „Geh nur und lass mich allein!", hätte sagen können.
„Da siehst Du es, Eileen", murmelte Severus resigniert, „Deine Mutter denkt nur an sich und ihre Bedürfnisse. Wir sind ihr ganz egal". Er stand auf und schob seine Tochter in die richtige Position, dann nahm er ein gleichmäßiges Auf und Ab vor dem Kamin auf, wobei er nicht vergaß Eileen einige grundlegende Dinge zu erklären, die sie, als neues Mitglied dieser Familie natürlich noch nicht wissen konnte.
„Es ist aber so, Tochter", begann er, „dass Du Dir schon etwas darauf einbilden kannst, was Deine Mutter so angeht", er streichelte sanft ihren kleinen Rücken hinauf und hinab, „wenn ich sie nämlich bisher ab und an aus dem Schlaf geweckt habe, dann hat sie mich nicht angestrahlt oder gar so verständnisvoll mit mir gesprochen, wie Du es gewohnt bist. Oh nein! Du musst wissen, Deine Mutter kann sehr unleidlich sein, wenn man sie im Schlaf stört. Sie knurrt dann wie eine hungrige Löwin und wirft einem tödliche Blicke zu, die jeden Basilisken vor Neid erblassen lassen."
Er hielt inne, denn Eileen wendete ihr Köpfchen, gerade so, als wenn sie ihrem Vater zu verstehen geben wollte, dass er bitte weitererzählen solle.
„Ja, Du hörst recht", machte er darum gerne weiter, „so friedfertig und gutmütig sie sonst auch sein mag, ihr Schlaf ist ihr heilig und nur Du darfst ihn ungestraft unterbrechen. Ich hoffe, Du weißt das zu schätzen!"
Eileen gab einen tiefen Atemzug von sich, was der Tränkemeister als pure Zustimmung wertete.
„Dabei waren meine Störungen ihres Schlafes in der Vergangenheit durchaus nötig und völlig uneigennützig, sogar selbstlos um genau zu sein, denn die Dinge, die ich nur zu gerne mit Deiner schönen Mutter unternommen hätte, bedürfen in der Regel zweier wacher Personen", er warf Eileen einen leicht beschämten Blick zu, „zweier erwachsener Personen versteht sich!" Er zog seine Augenbrauen zusammen und räusperte sich vernehmlich. „Was das für Dinge sind, fragst Du Dich gerade? Nun, das musst Du im Augenblick noch nicht wissen, Tochter, Erwachsenenzeugs eben. Am Besten kümmerst Du Dich die nächsten zwanzig bis dreißig Jahre nicht darum", Eileens linke Hand krallte sich in das Revers seines Morgenmantels, „Die meisten Kerle sind nämlich lange nicht so selbstlos und edelmütig wie Dein Vater. Daher lässt Du am besten die Finger von ihnen und widmest Dich voll und ganz Deinen Eltern und Deiner Bildung!"
Er blickte über seine lange Nase kritisch auf seine Tochter. Denn in Eileens Bauch grummelte es ein bisschen, dann verzog sie auch schon das Gesicht, wurde knallrot und spannte den ganzen Körper an, schließlich entwich die überschüssige Luft in Bauch und Gedärm sowohl oben als auch unten, was Severus feine Nase doppelt irritierte. Er spähte missfällig auf seine Schulter und war doch recht angenehm überrascht, dass es nur ein kleiner Tropfen war, den seine Tochter auf dem Tuch reproduziert hatte. Blieb also nur noch nachzuschauen, ob sie eine frische Windel benötigte. Mit schnellem Schritt trat er in die neugeschaffenen Räume, die seine Frau zusammen mit Filius Flitwick vor einigen Wochen für Eileen gezaubert hatten.
Direkt an das Wohnzimmer schloss sich ein geräumiges Schlafzimmer mit einem eigenen Bad an. Dort waren alle nötigen Wickelutensilien untergebracht. Mittlerweile gekonnt, befreite er Eileen vom Strampelanzug und öffnete mit aller gebotenen Vorsicht den Verschluss der Windel.
Merlin sei Dank, alles in Ordnung. Nur ein wenig Nässe und keine größeren Hinterlassenschaften. Ein kleiner Schlenker seines Stabes reichte und eine trockene Windel sorgte für ein rundherum versorgtes Kind. Natürlich hätte er seine Tochter auch magisch an und ausziehen können, aber Hermine hatte ihm in einem ellenlangen Vortrag sehr eindringlich zu verstehen gegeben, dass kleine Kinder viel Körperkontakt, Ansprache und Zuwendung brauchten, um sich gut entwickeln zu können. Außerdem machte es ihm wirklich Spaß, sie verzog so herrlich ihr Gesicht, wenn er mit seiner langen Nase neckend über ihren nackten Bauch strich, „Wie Deine Mum!", grinste er jedes Mal und pustete zum Abschluss über die weiche Haut.
„So, und jetzt musst Du schlafen, Tochter", entschied er anschließend und löschte die Lichter in Eileens zukünftigen Räumen. „Denn sieh mal, es ist schon sehr spät und Du bist noch sehr klein, da benötigt man viel Schlaf und ich wäre ebenfalls einigen ungestörten Stunden Ruhe gegenüber nicht abgeneigt, denn morgen habe ich die dritte Klasse Slytherin und Gryffindor zu unterrichten."
Eileen gähnte herzhaft und vergrub ihre Finger wieder in die weichen Falten des väterlichen Morgenrocks.
„Wenn Du es genau wissen willst, es steht morgen ein sehr interessanter Trank auf dem Plan", fuhr er fort und erklärte seiner Tochter eingehend die Kniffe und Besonderheiten, die der Minimiertrank so zu bieten hatte. Er merkte erst gar nicht, dass sie eingeschlafen war, sie war einfach eine zu gute Zuhörerin, wie er belustigt feststellte. Mit einem Wisch löschte er die Kerzen und öffnete leise die Schlafzimmertüre. Hermine hatte eine Kerze über der Wiege brennen lassen und er klaubte seine Tochter behutsam von der Schulter, um sie vorsichtig in ihr Bettchen zu legen und sorgsam zuzudecken, dann legte auch er sich zurück in sein Bett und löschte das letzte Licht.
Seine Frau neben ihm schlief schon längst wieder, dennoch dauerte es nicht lange und sie rückte näher und kuschelte sich schließlich in seine Arme. Darauf hatte er nur gewartet. Ein tiefer, tiefer Atemzug vertrieb den neuerlichen Kloß in seinem Hals und er schloss zufrieden seine Augen.
„Bis zum nächsten Geschrei, eine gute Nacht Euch beiden!", flüsterte er in den stillen Raum hinein und war ebenfalls prompt eingeschlafen.
