„Das waren wirklich schwere Wochen", murmelte Severus.
„Das kannst Du laut sagen, so was muss ich absolut nicht noch einmal haben", stimmte Hermine aus vollem Herzen zu, „und dass ich mittlerweile mit nur einer Trankkur im Jahr auskomme, ist ein wahrer Segen, das Zeug ist immer noch furchtbar!"
„Hauptsache es hilft!", meinte Severus lapidar.
„Sicher, aber Du musst es auch nicht trinken!", schnaubte Hermine und schüttelte sich.
„Aber brauen", entgegnete Severus mit leidensvoller Miene, „und das macht auch nicht besonders viel Spaß!", in der Tat! Das Zeug stank beim Entstehungsprozess mindestens so grauenhaft, wie es schlecht schmeckte.
„Das könnte ich auch selbst, wie Du weißt", gab Hermine hochmütig zu bedenken, was natürlich ebenfalls stimmte.
„Und warum muss ich das dann immer noch tun?", wollte Severus im Gegenzug frech wissen.
„Weil ich finde, dass Du auch einen kleinen Teil zu meinem Wohlbefinden beisteuern kannst, immerhin ist es garantiert angenehmer diesen Trank zu brauen, als mich zu pflegen."
„Na, aber nur, weil es schneller geht", behauptete Severus, obwohl das natürlich gelogen war. Er konnte es nicht ertragen, sie krank zu sehen, da nahm er das bisschen Geruchsbelästigung gerne in Kauf und das wusste seine Frau selbstverständlich auch. Darum erntete er mit dieser Behauptung auch nur einen vergleichsweise kleinen Knuffer.
„Das Beste an all dem war aber, dass ich immerhin pünktlich zur Taufe und zum Patenritual wieder fit war!", fiel Hermine grinsend ein, während sich ihr Mann theatralisch die Seite rieb.
„Nun", grunzte Severus, „da hättest Du ja auch beide Male wirklich was verpasst!"
„Oh ja", kicherte Hermine, „das kannst Du laut sagen!"
In der Tat!
Hermine hatte ihn schon lange vor der Geburt von Eileen gebeten, ihre Tochter nicht nur magisch durch einen Paten absichern zu lassen, sondern auch Taufen lassen zu dürfen. Wie gesagt, ihm sollte es recht sein, auch wenn er an all dies nach wie vor nicht glaubte.
Als Ort hatte sie sich St. Giles, die alte Hauptkirche von Edinburgh gewählt. Das lag nicht an der schönen Kirche selbst, sondern an Father Geoffrey Barnes, einem der dort zuständigen Priester. Er nahm seinen Lunch nämlich im selben Pub ein, den auch Hermine für ihre Mittagpausen hin und wieder besuchte. Hermine hatte einen überraschenden Laut von sich gegeben, als sie ihn dort das erste Mal getroffen hatte. Father Geoffrey ähnelte nämlich Henry Granger wie aus dem Gesicht geschnitten. Gut, dass er auch ähnlich klug und liebenswürdig war und so freundeten sich die beiden langsam, aber sicher an.
Natürlich durfte Hermine ihm nicht erzählen, dass sie eine Hexe war und als Professorin für Zaubertränke in der uralten und geheimen Universität, die unter der Burganlage der Stadt verborgen lag, arbeitete. Sie entschied sich dazu Severus Erklärung zu nehmen und sich als Dozentin für Chemie und Pharmazie an einem praktischerweise ebenfalls in der Nähe liegenden Institut auszugeben. So musste sie wenigstens nicht zu viel lügen, etwas, dass ihr besonders gegenüber dem Geistlichen sehr unangenehm war. Hilfreich war dabei, dass Father Geoffrey keinen blassen Schimmer von Chemie und Pharmazie hatte und an diesen Gebieten auch gottlob keinerlei Interesse zeigte, so beschränkten sich ihre Gespräche zumeist auf philosophische und theologische Themen.
Als Hermines Schwangerschaft dann offensichtlich wurde, war Father Geoffrey ganz aus dem Häuschen gewesen, denn er hatte selbst fünf Kinder und bereits vier Enkelkinder und seine jüngste Tochter erwartete ebenfalls gerade Enkelkind Nummer fünf und sechs.
Father Geoffrey war mehr als gerührt, als Hermine ihn bat, Eileen zu taufen. Er schlug den Nachmittag des Ostersonntags als Tauftermin vor und bat Hermine und Severus zu einem Vorbereitungsgespräch Anfang Februar zu sich in sein Büro. Er hatte eigentlich vorgehabt zu diesem Gespräch zu ihnen nach Hause zu kommen, aber davon wusste Hermine ihn dann doch noch abzubringen, zwar nicht ganz unmagisch, aber was war schon ein so kleiner Confundo-Verwechslungszauber.
So erschienen Severus und Hermine pünktlich zum Tee vor der Pfarrhaustüre. Ihnen öffnete eine kleine, korpulente Dame, die sich als Father Geoffreys Frau herausstellte und sie sogleich mit einem Redeschwall überschüttete, dabei aber gleichzeitig bei Severus sämtliche Sympathien verlor. Sie führte sie nämlich unter vielen freundlichen Worten zum Büro ihres Mannes und kündigte dort ihren Besuch an. „Jeff, Schatz, die Grangers sind hier, aber ich finde wirklich nicht, dass Misses Grangers Vater Dir ähnlich sieht!"
„Wie bitte?", schnappte Severus.
„Oh, das liegt daran, dass er nicht mein Vater ist", beeilte sich Hermine zu antworten und warf ihrem leicht geschockten Kerkermeister einen besorgten Blick zu.
„Nicht? Ach so! Nun", machte sich Misses Barnes nichts aus ihrem Irrtum, sondern beugte sich verschwörerisch zu Hermine hinüber, „kein Problem, meine Liebe, solange er nicht ihr Ehemann ist."
„Ja, nicht auszudenken", knurrte Severus pikiert. Leider hatte er sehr gute Ohren, was Misses Barnes aber auch nicht groß störte, denn sie lachte herzlich über ihren Witz und verkündete dann, „So, ich hole noch schnell einen schönen heißen Tee und dann lass ich Euch auch schon alleine" Damit drehte sie sich auf dem Absatz herum und verschwand summend in der Küche.
Father Geoffrey kam derweil um seinen Schreibtisch herum und drückte Hermine froh die Hand, „Schön Sie wiederzusehen, Hermine, wie geht es Ihnen?"
„Ganz gut, Father, darf ich Ihnen Professor Severus Snape vorstellen, meinen Mann."
„Oh", machte Father Geoffrey mit sichtlichem Unbehagen, „dann sollte ich mich schnell für die Bemerkungen meiner Frau entschuldigen, Professor Snape", er reckte ihm versöhnlich die Hand entgegen.
„Nun ja…", knurrte Severus und ließ offen, ob ihm eine Entschuldigung bereits ausreichte. Wer wusste schon, ob Father Geoffrey diplomatischer war, „Allerdings kann ich", ergänzte er an den Geistlichen gerichtet, „anders als Ihre Frau, die frappierende äußere Ähnlichkeit mit meinem Schwiegervater durchaus bestätigen."
„Da mir Hermine mehr als einmal sehr plastisch erläutern konnte, dass er ein wirklich guter Mensch ist, bin ich über diesen Vergleich alles andere als traurig!", zeigte sich Father Goeffrey erfreut und bot beiden einen Platz in der kleinen Sitzgruppe an.
Das Arbeitszimmer des Pfarrers war groß und voller Bücher, wie bei ihnen zu Hause, ging es Severus durch den Sinn, als er sich unauffällig umsah, nur war bei ihren Büros gegenüber des Schreibtisches kein solch großes Kreuz an der Wand und es fehlten dort auch jegliche Bilder von Heiligen, Engeln und klugen Sinnsprüchen. Nun, jeder wie er es mochte.
Sie hatten sich gerade gesetzt, als die Tür erneut aufgerissen wurde.
„So, hier ist auch schon der Tee", flötete Misses Barnes, platzierte ein großes Teeservice auf dem Tisch und goss jedem eine Tasse ein, „auch ein paar kleine Gebäckstücke fanden sich noch in der Küche, sie sind vom Treffen des Frauenbundes übrig. Lassen Sie es sich schmecken." Sie schaute die Gäste strahlend an, „Schade, dass Sie den Täufling nicht mitgebracht haben, ich hätte mich derweil zu gerne um ihn gekümmert."
„Unsere Tochter hält ihr Nachmittagsnickerchen und ihre zukünftige Patin passt auf sie auf", erklärte Hermine und kam ihrem Mann zuvor, der schon den Mund aufgemacht hatte, um Misses Barnes klar zu machen, dass Menschen, die ihn für Hermines Vater hielten, garantiert nicht auf Eileen aufpassen dürften, nicht dass diese seiner Tochter noch weismachte, dass er wirklich zu alt für ihre Mutter war.
„Schön, schön! Kinder brauchen einen geordneten Tagesablauf und feste Bezugspersonen", trillerte Misses Barnes, „wissen Sie übrigens, dass unsere jüngsten Enkelkinder ebenfalls Ostern getauft werden? Es sind Zwillinge, zwei prächtige Jungs, Peter und Paul."
„Nein, bisher noch nicht", grummelte Severus wenig begeistert. Das auch noch! Nicht dass die anderen Familienmitglieder der Familie Barnes ähnlich unzerstörbar gute Laune hätten, wie Misses Barnes.
„Oh, es wird herrlich, Jeff kann Taufen so gut", schwärmte die Pastorengattin, „mir kommen jedes Mal vor Ergriffenheit die Tränen und das nach über dreißig Jahren! Weißt Du noch damals…"
„Ist gut, meine Liebe, das würde jetzt doch etwas zu weit führen", würgte Father Geoffrey den begeisterten Redeschwall seiner Frau ab und versuchte sie geschickt zur Tür zu kom pli men tie ren.„Ich weiß, Du hörst das nicht gerne, aber es die reinste Wahrheit, Gott ist mein Zeuge!", beschwor Misses Barnes und wich keinen Inch, „Hochzeiten kann er übrigens fast noch besser", sie bekam einen seligen Gesichtsausdruck, bevor sie Hermine erwartungsvoll anschaute, „Sind Sie und Mister Granger schon kirchlich getraut?"
„Ja", nickte Hermine schnell, „Mein Mann und ich haben in Australien geheiratet."
„Schade", bedauerte Misses Barnes, „aber ich sage immer, zur Not geht immer noch eine Beerdigung."
„Aber doch nicht etwa unsere, oder?", keuchte Hermine doch leicht entsetzt.
„Natürlich nicht, meine Liebe", schüttelte Misses Barnes lachend den Kopf, „aber eine gute Vorausplanung hat noch nie geschadet."
„Sehr richtig, meine Liebe, wie sieht es denn mit der Vorausplanung des Abendessens aus?", probierte Father Geoffrey eine neue Methode seine gesprächige Frau los zu werden.
„Oh", machte die auch gleich erschrocken, „Du hast recht, ich Dummerchen, das hätte ich ja beinahe vergessen! Wenn man mit netten Menschen plaudert… Bis später dann", damit schloss sie endlich die Türe hinter sich und alle drei atmeten unwillkürlich tief durch.
„Tut mir sehr leid", entschuldigte sich Father Geoffrey, „sie ist eine Seele von Mensch und ich wäre ohne sie aufgeschmissen, aber sie kann auch fürchterlich nerven."
Darum verbrachte Father Geoffrey seine Mittagspause auch lieber in einem Pub, als im trauten Heim, ging es Severus durch den Sinn, kein Wunder! Er würde bei so einer Frau für einen Job im Ausland sorgen, natürlich ohne sie!
Doch Hermine meinte gutmütig, „Der Tee und das Gebäck sind jedenfalls erstklassig!", was tatsächlich so war.
Nun er musste zugeben, auch das anschließende Gespräch mit Father Geoffrey war nicht so schlecht, wie er befürchtet hatte. Dieser wusste zum Beispiel zu erzählen, dass der Name Eileen vom irischen Namen ‚Eibhlin' herrührte, was ‚das Licht' oder ‚die Helle' bedeutete.
Eine Erklärung, die besonders Hermine sehr passend fand, „Sie macht sogar finsterste Kerker hell", raunte sie ihrem Mann glücklich zu, „Ja, das auch", stimmte der gnädig zu.
Severus fand aber Father Geoffreys weitere Erklärung noch bedenkenswerter, denn er erklärte, dass der irische Name nur eine Übersetzung für den griechischen Namen ‚Helena' sei und natürlich wusste jeder im Raum etwas über die Tochter des Zeus.
„Helena galt als die schönste Frau ihrer Zeit", berichtete Father Geoffrey begeistert, er hatte eine Schwäche für die griechische Mythologie „Ihre Schönheit soll so groß gewesen sein, dass jeder Mann, der sie sah, Helena besitzen wollte."
„Ja, aber wenn ich mich recht erinnere", ergänzte Hermine mit kurzem Blick auf ihren Mann, „Dann wollte ihr irdischer Vater sie keinem der vielen Bewerber zur Frau geben, weil er schrecklich eifersüchtig war."
„Wie?", machte Severus, er dachte gerade eingehend darüber nach, wie gut er alle eifersüchtigen Väter dieser Welt verstehen konnte, die jegliche Verehrer ihrer Töchter auf den fernsten Mond oder wahlweise in die heißeste Hölle wünschten, „Nein, nein, das war keine Eifersucht, das war Klugheit, immerhin fürchtete er den Zorn der Abgewiesenen", berichtigte sie Severus, „und man weiß ja, wie recht er damit hatte, immerhin war sie der Auslöser für den trojanischen Krieg!"
„Letztlich hat sie aber Menelaos, den späteren König von Sparta gewählt, dem sie ihre Tochter Hermione gebar", schmunzelte Father Geoffrey.
„Ach ja, das hatte ich vergessen", murmelte Severus und schaute seine Frau mit einem winzigen, aber liebevollen Lächeln lange an.
Uneins waren sich die beiden aber, als sie Father Geoffrey schließlich grinsend unterbrach und sich erkundigte, nach welchem Elternteil Eileen denn schlagen würde.
„Nach ihrem Vater", war sich Hermine sofort sicher, „sie hat seine Augen, seine Haarfarbe und ist genauso stur wie er!"
Worauf Severus energisch widersprach, „Gar nicht, sie kommt ganz klar nach ihrer Mutter, sie hat zum Glück ihre Nase, wird gerne auf Händen getragen und ist ähnlich eigenwillig wie sie!"
„Ah ja", lachte Father Geoffrey, „sie scheint mir ja ein sehr interessantes Kind zu sein."
In der Tat, da hatte er wohl in jedem Falle recht und wie interessant das Kind wirklich war, konnte Father Geoffrey und seine Familie hautnah erleben, denn Eileen mischte seinen schönen, würdigen Taufgottesdienst erheblich auf. Sie und die ganze Zauberersippschaft in ihrem Schlepptau.
Zu den Grangers und Potters, Professor Ambros Carter mit seiner Frau Kathrin, kam nämlich auch ein großer Teil des Weasley-Clans und Arthur Weasley konnte sich mal wieder nicht zurückhalten und untersuchte eingehend die Funktionsweise der Lautsprecheranlage und fragte den Organisten ein Loch in den Bauch. Molly Weasley hatte sich in ihre Festtagsrobe geworfen und sorgte damit zusammen mit Kingsley Shaklebolts farbenprächtigem Äußeren für ziemliches Aufsehen bei Familie Barnes. Das machte das etwas enge Tweetkostüm in den Farben des McGonagall-Clans in das sich Minerva gequetscht hatte, auch nicht mehr wett.
Den Vogel schoss jedoch Luna Lovegood ab, die den Termin der Patenfeier mit diesem vertauscht hatte und sphärisch, wie immer, mitten in die Zeremonie schwebte.
„Oh, ein Ritual zur Erweckung der springlebendigen Wasserquribs, ich habe darüber gelesen, wie nett!", meinte sie mit sanftem Lächeln zur Küsterin, die daraufhin sicherheitshalber ein ganzes Stück von ihr wegrückte.
Eileen hatte jedenfalls ihren Spaß an allem. Schaute sich alles mit großen, wachen Augen an, lachte mit den Gästen und sogar mit Father Geoffreys Frau und war mehr als guter Dinge. Sie fand großes Gefallen am Singen und Beten und an den vielen Lichtern rings um sie herum.
Alles war klasse, bis zu dem Punkt, an dem der Pfarrer ihr unter feierlichem Segen das Wasser über den Kopf gießen wollte. Dafür hob er die große silberne Kanne empor, während Jean Granger, als ihre Taufpatin, sie über das Becken hielt. Dabei versuchte sie Eileen durch leise Worte abzulenken, was aber nicht recht gelang, denn das laute Beten des Pfarrers war viel interessanter, und so schaute sie mit zusammengekniffenen Augen zu Father Geoffrey empor, zog aber misstrauisch ihre Nase kraus, als der die Kanne nah an ihren Kopf brachte und leicht nach vorne kippte. Irgendetwas schien ihr nicht geheuer. Und als dann auch schon das Wasser in drei kurzen Schüben auf sie herab rann, schob Eileen verstimmt ihre Unterlippe vor, reckte mit einem sehr unwilligen Laut kurz ihre Ärmchen empor und ein heftiges Beben war die Folge. Der Boden zitterte und die Kerzenleuchter klirrten und alle Taufgäste suchten erschrocken Halt zu finden.
Beinahe hätte Father Geoffrey vor Schreck die Kanne fallen lassen, aber er fing sich im letzten Augenblick. Das Ganze dauerte zwar keine fünf Sekunden, sorgte aber für eine echte Panik unter den anwesenden Muggeln. Auch Eileens Taufgesellschaft war ganz aus dem Häuschen, wohl aus völlig anderen Gründen, aber egal. Severus drängte sich jedenfalls aufgeregt näher zum Taufbecken.
„Was war das?" fragte er atemlos und schaute aufgeregt abwechselnd seine Frau und seine Tochter an, die ob des plötzlichen Bebens ängstlich angefangen hatte zu weinen und Jean darum fest in die Arme geschlossen hatte, während Henry ihr das Köpfchen mit einem weichen Handtuch abtupfte.
„Ich war es nicht", wehrte Hermine leise ab und starrte ebenfalls voller Überraschung ihre Tochter an, „Wir auch nicht!", schüttelten die Potters, die Carters und Weasleys und alle anderen Zauberer und Hexen den Kopf, als Severus seinen fragenden Blick in die Runde warf.
„Ein Wunder! Ein Osterwunder", jubelte Misses Barnes indes und fiel voller Verzückung auf die Knie.
„Bitte, bewahren Sie alle Ruhe und machen Sie sich keine Sorgen", versuchte Father Geoffrey nachdem er sich wieder gefangen hatte, alle zu beruhigen, vor allem seine begeisterte Frau „sicher nur ein kleiner Erdstoß."
„Oh nein, Jeff, das war sicher ein Zeichen!", war seine Frau mit roten Wangen völlig anderer Meinung und reckte ihren Zeigefinger bedeutungsschwer gegen den Himmel. Und auch Severus glaubte an keine natürliche seismologische Erklärung, sondern erkundigte sich wispernd bei Hermine, „Meinst Du, dass es das war, was ich meine, dass es war?"
„Da ich denke, dass ich weiß, was Du denkst, was es war, glaube ich, dass Du recht haben könntest", flüsterte die und nahm ihrer Mutter die wahrscheinliche Verursacherin des ganzen Trubels ab.
„Großer Merlin! Wundervoll!", war der Kindsvater ganz aus dem Häuschen.
Ganz im Gegensatz zur Familie Barnes, die alle wie erschreckte Hühner durcheinanderliefen und sich lautstark für oder gegen die These von dem Wunder aussprachen.
„Natürlich war das ein Zeichen, meine Teuerste", antwortete Father Geoffrey irgendwann mit lauter Stimme und beschwörendem Blick, „Ein Zeichen nämlich für die gewaltige und mächtige Schöpfung unseres Gottes und ein klares Zeichen, diesen Taufgottesdienst in seinem großen und herrlichem Namen sofort und in Würde fortzuführen!"
Und das tat er dann auch, allerdings weitaus zügiger, als gewohnt, sehr zum Leidwesen seiner Frau, die für ihre Enkel gerne eine längere und feierlichere Feier gehabt hätte. Aber Peter und Paul schliefen eh tief und fest und Father Geoffrey wollte bestimmt kein weiteres Zeichen mehr.
Das konnte Severus nur recht sein, denn er brannte mit völlig untypischem Grinsen darauf, dass endlich das letzte Amen erschallte und die Orgel zu einem frohen Schlusslied ansetzte, denn jetzt riss er seine Tochter aus Hermines Armen und wirbelte sie froh empor, dabei murmelte er immer wieder, „Wundervoll! Einfach wundervoll! Ich bin so stolz auf Dich!"
Eileen gefiel das wie erwartet sehr, aber ihre Mutter schüttelte über ihren Ehemann heftig den Kopf, „Dass Du daran überhaupt je einen Zweifel hattest, Severus!"
„Es hätte theoretisch immerhin sein können und da braucht es schließlich einen eindeutigen Beweis oder eben ein deutliches Zeichen!", rechtfertigte sich Severus.
„Noch mehr Zeichen, wie das seltsame Verhalten von Arteminias Feder?", wisperte Hermine ironisch.
„Vielleicht eine kleine Bestätigung", überlegte Severus.
„Ja", stimmte auch Father Geoffrey milde lächelnd zu, während er sich den Schweiß von der Stirne wischte, „der Mensch ist eben ein begreifendes Wesen. Ich gratuliere Ihnen herzlich zur Taufe Ihrer Tochter, Professor Snape", und meinte gerührt, „und besonders freue ich mich über Ihre Freude! Die Taufe ist eben wie der zeichenhafte Anfang von etwas ganz Großem!"
„Allerdings, das ist wahrlich zu erwarten!", mischten sich Kingsley und Ambros Carter froh ein und strichen der nun wieder sehr zufrieden ausschauenden Professorentochter liebevoll über den schwarzen Flaum.
Lachen mussten dann doch noch alle Anwesenden, als Misses Barnes ihren Mann voller Begeisterung herzte und küsste und dann entsetzt erkennen musste, dass es Henry Granger war.
Der nahm das Ganze aber locker und meinte charmant, dass er schon sehr lange nicht mehr auf diese Art die Bekanntschaft von fremden Frauen gemacht hätte.
„Das liegt vor allem an dem hier, mein Lieber!", erklärte ihm Jean lachend und deutete auf ihren Ehering.
„Nun", konnte sich Severus nicht verkneifen der Pastorengattin zuzuraunen, „Ich denke, das kann gut und gerne als klarer Beweis gelten, dass auch Sie finden, dass Mister Granger ihrem Mann ähnlich sieht, nicht wahr, Misses Barnes."
Und Luna Lovegood ergänzte froh, „Vielleicht ist Misses Granger ja einem erweiterten Arrangement zugetan. Im Horoskop des Klitterers stand, dass die Sterne gerade günstig für außergewöhnliche Beziehungskonstellationen sind", eine Nachricht, die Misses Barnes, erschüttert die Gesichtszüge entgleisen ließ.
„Ich glaube nicht, Miss Lovegood, dass Misses Barnes an etwas in dieser Art gedacht hat", widersprach Henry Granger lachend, „es handelte sich sicherlich um ein Missverständnis."
„Ah, ja, das macht Sinn, denn die Sterne stehen auch für Missverständnisse günstig", lächelte Luna.
„Toll", raunte Ron seinem Freund Harry zu, „dann sollte irgendwer ihr endlich erklären, dass dies kein Ritual zur Erweckung der springlebendigen Wasserquribs ist, was immer Wasserquribs auch sein mögen."
Severus jedenfalls war trotz der Wasserquribs und der Sternenkonstellation allerbester Stimmung! Seine Tochter war eine Hexe und Misses Barnes brachte für die nächsten zwei Stunden keinen Ton mehr heraus, einfach herrlich!
