22. Die Überprüfung

„Luna Lovegood ist wirklich ein Fall für sich!", lachte Hermine, „es ist mir immer ein Rätsel, wie sie auf all diese verrückten Dinge kommt!"

„Eine glücklicherweise seltene Familiengabe", vermutete Severus, „oder ein Gehirnschaden, irgendetwas in dieser Richtung."

„Ja, vielleicht, aber sie ist nett und ein wirklich guter Freund", erwiderte Hermine, „daher konnte ich ihr auch nicht die Teilnahme am Patenritual abschlagen."

„Ach, weißt Du", meinte Severus belustigt, „irgendwie passte sie da auch sehr gut hinein!"

„Oh, ja, da hast Du recht!", stimmte Hermine grinsend zu, „aber bevor wir zum Patenritual kommen, erinnere ich mich da noch an einen ganz besonderen Spaß!"

„So?", Severus schaute sie erstaunt an, „und der wäre?"

„Na, da denk mal in Ruhe drüber nach, ich gehe mal schnell ins Bad", verkündete Hermine und löste sich aus seiner Umarmung, „Aber ich gebe Dir einen Tipp: Überprüfungen!"

„Grmbf!", machte Severus mit abgrundtiefer Verachtung, es war ihm wieder eingefallen „Wie könnte ich das je vergessen! Bei Merlin! Das war das Peinlichste was ich je durchstehen musste!", antwortete er grummelnd.

„Aber Du musst zugeben, im Nachhinein war es echt witzig!", kicherte seine alberne Frau und hüllte sich in sein Oberhemd.

„Witzig?", empörte sich Severus, „Also wirklich! Ich fand es erniedrigend und immer noch ein guter Grund, ihm einen unverzeihlichen Fluch auf den Hals zu jagen, Freund hin oder her!"

„Unsinn", widersprach Hermine bester Laune, „Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so gelacht habe. Wie gut, dass Kingsley das Ganze gesichert hat. Es war zu köstlich!"

„Köstlich?", knurrte Severus mit Todesverachtung, „Es war ein ganz, ganz schlechter Scherz!"

In der Tat! Da hatte sich ihr sogenannter Freund und Vertrauter, der Zaubereiminister von England, Schottland und Wales doch tatsächlich bemüßigt gefühlt einen albernen Scherz mit ihnen zu treiben. Als wenn er sonst nichts zu tun gehabt hätte. Unglaublich!

Alles begann damit, dass es just am Nachmittag des Patenrituals an der Kerkertüre klopfte und er, bereits etwas ärgerlich über die Störung dieses wichtigen Tages, öffnete.

Vor ihm stand ein unbekannter Mann mit schütterem Haar und einer dicken Brille. Er trug eine prall gefüllte Aktenmappe unter dem Arm und blinzelte dem langen Herrn der Kerker freundlich entgegen.

„Guten Tag, Professor Snape!", grüßte er, „schön dass ich Sie sogleich antreffe". Er wandte sich mit einem breiten Lächeln Eileen zu, die Severus gerade auf ihr Nachmittagsschläfchen einstimmte, indem er sie ein wenig hin und her trug, „Oh, schon ein Kind!", er zückte aus seiner Aktentasche Feder und ein dickes Formular, klemmte die Mappe unter seinen Arm und kreuzte auf dem Papier emsig dies und das an.

Severus zog eine Augenbraue in die Höhe und fragte abweisend „Wer sind Sie und was wollen Sie?"

„Ich bin Pinkas Braun, Sir, Büro für Magische Verbindungen, Sonderbeauftragter für die Überprüfung solcher."

„Wie bitte?", auch die zweite Augenbraue ging fragend nach oben.

„Ich bin Pinkas Braun", begann der Ministeriumsbeamte erneut und hob seine Stimme um einige Phon an, wahrscheinlich vermutete er eine Schwerhörigkeit bei seinem Gegenüber, jedenfalls notierte er gleich wieder etwas in seinen Papieren.

„Ja, ja, ich habe Sie schon gehört", winkte Severus schnell ab, immerhin sollte Eileen schlafen und nicht durch irgendwelche Paragrafenreiter des Ministeriums wieder munter werden, sie reckte ärgerlicherweise schon ihren Hals nach diesem Menschen.

„Sehr schön", freute sich Mister Braun, „wären Sie dann so freundlich, mir ein wenig Ihrer Zeit zu schenken, denn ich habe da einige wichtige Fragen zu klären."

„So, Fragen? Welche Fragen sollen das denn sein?", wollte Severus voller Misstrauen wissen und etwas zu verschenken hatte er schon gar nicht.

„Fragen betreffend Ihrer Verbindung mit, äh…", er blätterte in seinen Unterlagen, „ach ja! Mit Miss Hermine Granger."

„Was gibt es denn da zu fragen?", verstand Severus den Anlass des Besuches immer noch nicht und wich keinen Inch, um Mister Braun in sein Wohnzimmer zu lassen.

„Nun, so einiges, will ich meinen", antwortete Mister Braun und wies auf das dicke Formular in seinen Händen, „Aber keine Sorge, ich glaube nicht, dass Sie etwas zu befürchten haben."

„Nicht! Na, da bin ich ja froh!", murmelte Severus spöttisch, „Aber bevor ich Ihnen Zeit und vor allem Glauben schenke, sollten Sie sich besser ausweisen, Mister Braun."

„Aber natürlich, Professor Snape, hier ist meine Vollmacht und hier der Ausweis des Ministeriums." Er kramte wieder in seiner Aktentasche und hielt Severus die genannten Dokumente vor die Nase.

Hogwarts Tränkemeister zückte sogleich seinen Zauberstab und sprach einige Prüfzauber, die aber leider alle ergaben, dass Mister Braun wohl tatsächlich ein offizieller Gesandter des Ministeriums war.

„Schön, dass ich Sie überzeugen konnte, Professor!", lächelte der Beamte zufrieden, als Severus seinen Stab mit düsterem Gesichtsausdruck wegsteckte und ein wenig zur Seite trat, damit Mister Braun eintreten konnte. Nur zu gerne hätte er ihn in sein Büro geführt, aber dort war es zu kalt für Eileen, daher bot er missmutig Mister Braun einen Platz am Esstisch an, wo dieser sogleich ein Arsenal an Papieren ausbreitete, Tinte und Feder ordentlich zurechtlegte, sowie seine Taschenuhr vor sich legte und ein kleines Fläschchen mit klarer Flüssigkeit hin stellte.

„Bitte nehmen Sie Platz, Professor Snape, dann können wir beginnen", bat er und wies höflich auf einen der Stühle.

„Zu freundlich! Aber vorher sagen Sie mir noch, was das hier ist", er deutete auf das kleine Fläschchen.

„Was? Das hier?", tat Mister Braun erstaunt, „Ach, das ist Veritasserum, es gehört zur Standardausrüstung der Sonderbeauftragten, denn Sie können sich gar nicht vorstellen, was man uns für Märchen auftischt!"

„Aha!", machte Severus und es bestand kein Zweifel, dass er die Verabreichung von irgendwelchen Tränken wohl zu verhindern wüsste, darauf konnte sich Mister Braun verlassen, egal was er für eine Legitimation besaß! „Dann erklären Sie mir doch nochmals genau das Anliegen Ihres Besuches", verlangte er grimmig und setzte sich Mister Braun gegenüber.

„Ich dachte, das hätte ich bereits", Mister Braun zog erstaunt die Augenbrauen in die Höhe, lächelte dann aber gütig und meinte, „Aber ich wiederhole es gerne, denn wir legen großen Wert auf ein transparentes Verfahren." Er nahm seine Brille ab und putzte sie umständlich, „Wie es in Ihrem Ehevertrag vermerkt ist, hat das Ministerium die Aufgabe in unregelmäßigen Abständen die magischen Verbindungen zu überprüfen, das geschieht unangemeldet und in Einzelgesprächen."

„Sie überprüfen die Ehen von Zauberern und Hexen?", war Severus völlig überrascht.

„Genau", freute sich Mister Braun über die rasche Auffassungsgabe seines Gastgebers.

„Aber davon habe ich ja noch nie etwas gehört!", allerdings nicht, obwohl er nicht gerade viele Verheiratete näher kannte, war ihm dieses Vorgehen völlig neu.

„Das können Sie auch nicht, Professor", schüttelte Mister Braun geduldig den Kopf, „denn dieses Vorgehen ist vertraulich und unterliegt der Geheimhaltung, damit die Ergebnisse nicht durch vorherige Absprachen verfälscht werden können."

„So…", nicht, dass diese Informationen wesentlich zur besseren Verständigung von Mister Brauns Anliegen beigetragen hätten, zudem fiel es ihm wirklich schwer an ein solches Prozedere zu glauben. Aber wenigstens hatte sich Eileen über Mister Brauns leicht leiernde Erklärungen entschlossen die Augen zu schließen. Etwas abwesend streichelte er ihr sanft den Rücken. Gerade wollte er noch einige seiner Fragen stellen, da kam ihm Mister Braun schon zuvor.

„Wissen Sie was, Professor, ich fange einfach mal an, wenn Ihnen noch etwas unklar sein sollte, dann können wir das ja zwischendurch klären."

Er notierte die Uhrzeit an den oberen Rand des Pergamentes, „Als erstes überprüfe ich immer die Daten", verkündete er, „das ist ein sehrguter Einstieg und lockert stets die Stimmung auf. Also, ist Ihr Name Severus, Tobias Snape?"

„Nein! Mein Name ist Severus Snape!", korrigierte ihn Severus sehr bestimmt und presste die Lippen fest aufeinander.

„Hier steht aber, dass Sie einen zweiten Vornamen haben", verwunderte sich Mister Braun.

„Den habe ich vor über zwanzig Jahren streichen lassen!", knurrte er eisig.

„Ach so, na, dann ist das sicherlich ein Übertragungsfehler", Mister Braun kritzelte emsig einige Zeilen an den Rand des Papiers, „Stimmt es denn dann, dass Sie am 09.01.1960 in Birmingham, Stadtteil Spinners End als einziges Kind der Hexe Eileen, Emogen, Estell Snape, geborene Prince und dem Muggel Tobias, Jasper Snape geboren worden sind."

„Das ist korrekt!", antwortete Severus mit düsterem Blick.

„Sehr gut! Sehen Sie, das ist gar nicht schwer", freute sich Mister Braun diese Hürde bereits ohne nennenswerten Schaden überwunden zu haben, „Hier steht weiter, dass Sie am 09.01.2004 die Hexe Hermine, Jean Granger, einziges Kind der Muggel Henry, Paul Granger und Jean, Charlotte Granger, geborene Fermoyle geheiratet haben."

„Das ist ebenfalls richtig", bestätigte Severus und spürte den dringenden Wunsch Mister Braun vor die Tür zu setzen stetig steigen.

„Ausgezeichnet", befand Mister Braun und schaute lächelnd auf, „Und warum?"

„Warum was?"

„Warum haben Sie Miss Granger geheiratet, immerhin ist sie fast zwanzig Jahre jünger."

„Wegen ihres Geldes!", schnaubte Severus ironisch, doch als er sah, dass Mister Braun diese Information emsig aufschrieb, beeilte er sich anzufügen, „das war ein Scherz, natürlich habe ich Miss Granger nicht wegen ihres Geldes geheiratet."

„Ach nicht", schaute Mister Braun etwas irritiert, „warum denn dann?"

„Aus was für Gründen heiraten denn Menschen normalerweise?", stellte Severus ungeduldig die Gegenfrage und zog seine Augenbrauen fragend in die Höhe.

„Da gibt es statistisch gesehen mehrere Gründe", Mister Braun kratzte sich nachdenklich am Kinn und atmete tief durch, bevor er aufzählte, „zum einen wollen manche gerne einmal eine Traumhochzeit erleben, mit all ihren Freunden in festlicher Umgebung – und wo wir schon dabei sind, wie war Ihre Hochzeit so, Professor?"

„Sie war sehr erfreulich. Danke der Nachfrage!", knurrte Severus säuerlich.

„Schön für Sie!", er machte einige Notizen, bevor er fortfuhr „Dann haben wir da noch die Familienplanung, die meisten wollen eine Familie gründen und das ist in der Verlässlichkeit der Ehe sicherer", er befeuchtete seinen rechten Zeigefinger und blätterte einige Seiten in seinem Skript weiter, „Wollten Sie eine Familie gründen, Sir?"

„Nein!", allerdings nicht!

„Aber Sie haben jetzt ein Kind", der Ministerialbeamte blätterte verwirrt wieder nach vorne, „Eileen, Jean Granger-Snape, geboren am 21.12.2004."

„Das ist offensichtlich richtig", schnaubte Severus und deutete auf das schlafende Kind auf seinen Armen.

„Dann war dieses Kind also nicht der Ehegrund", schloss Mister Braun messerscharf.

„Nein!"

Mister Braun vermerkte das mit betrübtem Blick.

„Dann vielleicht Einsamkeit?", bot er an.

„Wie, Einsamkeit?", verstand Severus nicht.

„Nun, Sir, nichts für ungut, aber Sie sind nicht mehr der Jüngste, vielleicht waren Sie einsam und haben die Gunst der Stunde genutzt, um Miss Granger an sich zu binden."

„Nein, ich war nicht einsam!", entgegnete er heftig, verdammt, absolut nicht! Jedenfalls wusste er es damals nicht besser!

„Oder vielleicht wollten Sie sich im Alter absichern?"

„Auch das nicht!", immerhin bekam er eine Pension.

„Hm", überlegte Mister Braun leicht ratlos, „wo Sie ja schon den finanziellen Aspekt einer Eheschließung bestritten haben, bleibt dann wohl nur noch einer, die gute alte Liebe! Sie wird zwar oft bemüht, aber wenn ich Ihnen meine ehrliche Meinung sagen soll", er beugte sich verschwörerisch vor, „halte ich diesen Grund für völlig überbewertet!"

„So!", schnappte Severus und funkelte sein Gegenüber böse an.

„Aber es soll ja Ausnahmen geben", meinte Mister Braun schnell, als er den Blick sah, „Waren Sie und Miss Granger so eine Ausnahme, Professor?"

„Ich nehme es wohl an, denn auch mir fallen sonst keine Gründe für eine Ehe zwischen Miss Granger und mir ein."

Idiot! Zwar war das nicht ganz richtig, immerhin gab es da noch Freundschaft und Leidenschaft, aber das würde er diesem Menschen hier natürlich nicht sagen.

„Sehr erfreulich für Sie", nickte Mister Braun, doch seinem Gesicht sah man deutlich an, dass er ihm kein Wort glaubte.

„Danke", höhnte Severus und wünschte Mister Braun mit seinen ganzen Papieren zur Hölle.

„Kommen wir dann zur nächsten Frage. Wie ist es, Professor", er leckte wieder an seinem Zeigefinger und drehte das Formular um, „denken Sie immer an bedeutungsvolle Daten?"

„Was sind denn für Sie bedeutungsvolle Daten?", erkundigte sich Severus und legte Eileen über die andere Schulter.

„Nun, Geburtstage, Hochzeitstage oder sonstige Termine, die für Ihre Beziehung mit Miss Granger von Bedeutung sind", konkretisierte Mister Braun sogleich.

„Ich besitze ein recht gutes Gedächtnis", antwortete Severus und streichelte Eileen beruhigend über den Rücken. Er hätte sie ja am liebsten in ihre Wiege gelegt, aber er wollte diesen Menschen hier nicht unbeaufsichtigt lassen. Wer wusste schon, was der in der Zwischenzeit alles kontrollierte.

„Dann nennen Sie mir bitte sowohl den Hochzeitstag, als auch den ersten Tag Ihrer Beziehung und den Tag des ersten Streits."

„09.01.2004, 27.12.2002", antwortete Severus sogleich auf die ersten beiden Fragen, „Das mit dem Streit ist wohl schwieriger, da ich mich sehr gerne mit Miss Granger streite, aber die Art von Streit, die Sie wohl meinen würde ich auf den April 2003 datieren."

„Sehr schön", war Mister Braun ganz begeistert, „und wie stehen Sie so zum sozialen Umfeld Ihrer Frau", fragte Mister Braun weiter, „Also, wie kommen Sie mit ihrer Familie und mit ihren Freunden aus?"

„Die Eltern meiner Frau sind mehr als akzeptabel und ihre Freunde leben noch, das dürfte doch als Antwort ausreichen, meinen Sie nicht?"

„Wenn Sie meinen", erklärte Mister Braun zögerlich, aber der Blick seines Gegenübers ließ ihn schnell zur nächsten Frage kommen, „Haben Sie die Ehe vollzogen, Professor?"

„Wie bitte? Wir haben ein Kind miteinander, was denken Sie denn?", verdammt, bemerkte Severus, er musste sich zusammenreißen, sonst bekam er noch einen roten Kopf wenn er an die Hochzeitsnacht dachte und überhaupt an die ganze Reise nach Australien.

„Ach, wissen Sie, Sir, ich denke nicht! Beamte denken höchst selten, das verfälscht ihre Objektivität! Ich frage nur!", antwortete Mister Braun unbeeindruckt, „Also, haben Sie die Ehe mit Miss Granger vollzogen?"

„Ja, das habe ich", zürnte Severus mit unterirdischem Grollen.

„Schön!", gab Mister Braun mit einem Federstrich diesen Punkt gnädig auf und kam zur nächsten Frage, „Haben Sie Ihre Frau schon mal betrogen, Sir?"

„Wie?", hatte er das jetzt recht verstanden?

„Betrogen", erklärte Mister Braun deutlich, „Im Sinne eines intimen Kontaktes mit einer anderen Person, als ihrer Frau.

„Nein! Das habe ich nicht!", knurrte Severus empört.

„Auch nicht in Gedanken?", Mister Braun zeigte ein verständnisvolles Lächeln, „es gibt viele schöne Blumen am Wegesrand", säuselte er verträumt.

„Aber keine, die ihr gleicht!", grollte Severus mit finsterem Blick und zusammengebissenen Zähnen.

„Sehr schön", wieder ein Haken mehr, hoffentlich waren sie bald durch, „Haben Sie nach wie vor intimen Kontakt mit Ihrer Frau?", kam Mister Braun zu einem weiteren Punkt in seiner Liste.

Verdammt, das ging jetzt aber wirklich zu weit! „Das geht Sie gar nichts an!", wollte ihn Severus wütend anschreien, doch im letzten Augenblick kam ihm die gerade eingeschlafene Eileen wieder in den Sinn und so wurde aus seinem Schreien ein sehr bedrohliches Knirschen.

„Ich verstehe Sie ja, Sir, und es ist auch für mich nicht besonders spaßig, aber es muss leider sein", seufzte Mister Braun und putzte sich erneut die Brille, „Denn wenn ich keinen positiven Bericht abliefere, wird Ihre Eheberechtigung aufgehoben."

„Was? Ich habe eine Eheberechtigung?", schnappte Severus nach Luft, „Ungeheuerlich! Und was passiert, wenn Sie diese Berechtigung, von der ich noch nie etwas gehört habe, aufheben?"

„Ganz einfach, Sie sind nicht mehr verheiratet", zuckte Mister Braun mit den schmalen Schultern.

„Nun", atmete Severus erleichtert auf, „das ist nicht das Wichtigste auf der Welt, also machen Sie, dass Sie raus kommen!"

„Wenn dies Ihr Wunsch ist, komme ich dem natürlich nach, Professor Snape, aber was wird Miss Granger dazu sagen?", gab Mister Braun zu bedenken.

Verdammt! Das war ein gutes Argument. Severus kniff die Augen zusammen.

„Vor allem", Mister Braun blätterte wieder emsig in seinen Akten, „wo es mehrere Interessenten für Miss Granger gäbe, wenn Ihre Ehe gelöst würde."

„Was soll das heißen?", schnellte Severus alarmiert von seinem Stuhl auf, was Eileen grummelnd ein Auge öffnen ließ.

„Ganz einfach, Professor. Dass schon mehrere Männer, im Falle einer Trennung von Ihnen, Sir, ihre Rechte an Miss Granger angemeldet haben!"

„Das ist ja ungeheuerlich!", ihm wurde ganz anders und Eileen legte solidarisch ihre Stirn in tiefe Falten, zog das Näschen kraus und beschwerte sich ärgerlich. Zu ihrer und zu seiner eigenen Beruhigung eilte er einige Schritte vor seinem Esstisch auf und ab. Bestimmt dieser Simon Beaty oder sonst so ein Idiot, sie war eben sehr beliebt und sehr schön! Verdammt, verdammt, verdammt!

„Nun", Mister Braun schüttete noch mehr Öl ins eifersüchtige Feuer von Hogwarts Tränkemeister, indem er in seine Akten starrte und ergänzte, „wenn ich mir Ihre Frau so anschaue, ist dies wohl ein recht normales Begehren."

„Sie haben sich meine Frau überhaupt nicht anzuschauen!", polterte Severus und Eileen riss erschreckt beide Augen auf. Verflixt, er drückte sie mit einem schnellen „Scht, es ist alles gut, mein Schatz!", an sich, was sie ihm allerdings nicht ganz abnahm und verstört ihre Unterlippe vorschob. Oh, oh, das war kein gutes Zeichen!

„Ihre Tochter glaubt Ihnen nicht", erkannte auch Mister Braun mitleidig die Zeichen des heraufziehenden Geschreis, „Wir machen lieber schnell weiter. Er suchte die nächste Frage, „Ach je!", er ruckte unruhig auf seinem Stuhl herum, „Jetzt kommen die etwas pikanteren Fragen", murmelte er besorgt.

„Ich fand ihre Fragen schon jetzt mehr als übergriffig, Mister Braun", zischelte Severus drohend und wiegte seine schreiende Tochter beruhigend hin und her, „daher sollten Sie sich gut überlegen, welche Sie noch stellen!"

„Wie gesagt, die Fragen sind vorgegeben und von einer unabhängigen Sachverständigenkommission entworfen und geprüft worden."

„Ich will lieber nicht wissen was die Mitglieder ihrer Sachverständigenkommission an unerlaubten Tränken zu sich genommen haben, bevor sie ihre Arbeit aufgenommen haben!"

„Das ist aber eine sehr unschöne Unterstellung, Professor!", antwortete Mister Braun leicht beleidigt.

„Ich finde Ihre Fragen mehr als unschön, Mister Braun!", entgegnete Severus gnadenlos.

„Ich werde es unter Beschwerden und Rückmeldungen zum Überprüfungsverfahren notieren, Sir, aber jetzt muss ich Sie leider fragen, wie oft Sie intimen Kontakt mit Miss Granger haben?"

„Wie?", schnappte Severus entsetzt, „Das nennen Sie pikant, das ist unverschämt und vor allem geht Sie das absolut gar nichts an!"

„Das hatten wir doch schon!", seufzte Mister Braun.

„Das ist mir egal, ich werde Ihnen auf solche unverschämten Fragen keine Antwort geben!"

„Dann kann ich aber diese Frage nicht positiv werten, Professor."

„Na, dann lassen Sie es eben, verdammt!", das hier war ja die Höhe!

Sichtlich widerwillig machte Mister Braun einen dicken Kringel auf sein Formular und kam zur nächsten Frage: „Welche Arten von intimen Kontakt bevorzugen Sie und welche Miss Granger?", erkundigte er sich und sah Severus aufmerksam an.

„Wenn ich Ihnen schon die Frage nach der Häufigkeit nicht beantwortet habe", säuselte Severus bitterböse, „denken Sie allen ernstes, dass Sie dann eine Antwort auf diese Frage bekämen?"

„Nein, wahrscheinlich nicht, aber ich musste sie wenigstens stellen und Sie gleichzeitig darauf hinweisen, dass ich dies vermerken muss", erklärte Mister Braun betrübt.

„Dann tun Sie das und scheren sich dann raus!", riss Severus der Geduldsfaden.

„Das geht erst dann, wenn ich alle Fragen gestellt habe", stellte Mister Braun ein wenig verschnupft klar.

„Dann beeilen Sie sich, verdammt noch mal, denn meine Tochter braucht ihren Schlaf", und er brauchte dringend etwas, woran er seine Wut und seinen Ärger abregieren konnte!

„Gut, kommen wir zum letzten Abschnitt: Haben Sie, während sie intim mit Miss Granger waren, schon an andere Frauen gedacht?"

„Nein!"

„An andere Männer?"

„Wie? Nein, verdammt!"

„An andere Wesen?"

„Ich werde Sie gleich mit einem tödlichen Fluch belegen, der Sie an nichts anderes, als an andere Wesen denken lässt, wenn Sie noch einmal wagen sollten, eine solche Frage an mich zu stellen!", zürnte Severus ehrlich zornig.

„Ich werte das mal als ein ‚Nein'"

„Sollten Sie es anders werten, wird dies Ihre letzte Wertung sein, das schwöre ich Ihnen!"

„Was sind Ihre stärksten Phantasien?"

„Momentan ist es eine sehr verbotene und sehr schmerzhafte in der gewisse Sonderbeauftragte die Hauptrolle spielen. Ich erkläre sie Ihnen gerne näher!"

„Äh, nein, nicht nötig, ich gehe dann besser gleich zur letzten Frage über. Würden Sie Miss Granger nochmals heiraten, Professor?"

„Nicht, ohne vorher diesen Passus in meinem Ehevertrag zu streichen, wo es um eine wie auch immer geartete Überprüfung geht, das können Sie mir glauben!"

„Das ist doch dann eher ein ‚Ja', oder?"

„Das können Sie sich selbst überlegen und jetzt wünsche ich Ihnen einen guten Tag!", Severus stand auf und wies zur Tür.

„Halt, halt, Professor, so einfach geht das leider nicht. Ich muss zuerst die Ergebnisse Ihrer Befragung mit einem unbeeinflussbaren Bewertungszauber einordnen und diese dann mit den Resultaten aus der Befragung von Miss Granger vergleichen."

„Wie?" hielt Severus erstaunt inne, „Sie haben meine Frau ebenfalls befragt?"

„Natürlich", nickte Mister Braun, „heute morgen in Edinburgh"

„Woher wussten Sie, dass meine Frau dieser Woche lehrt?", sie machte nämlich für Ambros Carter Vertretung, der an einem Kongress im vorderen Orient teilnahm.

„Ich habe so meine Quellen", zuckte Mister Braun die Schultern.

„So, haben Sie das! Und was hat Sie Ihnen gesagt?"

„Das ist natürlich vertraulich, Professor, aber ich kann Ihnen schon sagen, dass sie deutlich kooperativer war und sich durchaus Verbesserungen in Ihrer Partnerschaft vorstellen kann."

„Wie bitte?", ihm rutschte das Herz in die Hose.

„Verbesserungen, Sir", wiederholte Mister Braun.

„Was für Verbesserungen meinen Sie denn da?"

„Das darf ich Ihnen nicht sagen, aber Sie könnten Miss Granger ja fragen", schlug Mister Braun freundlich vor.

„Das werde ich auf alle Fälle!" und wie er das täte, direkt in einer dreiviertel Stunde, wenn sie endlich von der Uni nach Hause käme, um sich umzuziehen und mit ihm zum Patenritual zu apparieren.

„Schön, eine offene Kommunikation ist doch eine gute Grundlage für jede Beziehung."

„Und was jetzt?", fauchte Severus, als sich der Sonderbeauftragte nicht rührte.

„Ach ja, ich werde Ihnen nach dem Prüfzauber im günstigsten Fall die Verlängerung ihrer Eheberechtigung aussprechen können oder, was leider auf Grund ihrer etwas unkooperativen Antworten wahrscheinlicher ist, die Aberkennung der beschriebenen Berechtigung mitteilen müssen."

Er sah Severus mitleidig an und zückte seinen Zauberstab, „Es könnte natürlich auch sein, dass Sie Glück haben und mit einer Auflage davon kommen."

Severus wollte gerade den Mund aufmachen, um sich nach der Art einer solchen Auflage zu erkundigen, da schloss Mister Braun aber schon die Augen und wischte ein paar Mal mit seinem Zauberstab über dem dicken Formular herum, woraufhin sich auf einem leeren Pergament mit grüner Tinte nach und nach Buchstaben, Worte und Sätze bildeten. Ein kleines „Pling" zeigte an, dass der Zauber beendet war.

„Ah ja", machte Mister Braun und las sich die wenigen Zeilen sorgsam durch.

„Was steht da?", verlangte Severus zu wissen und beugte sich etwas näher an das Papier heran.

„Sie haben wirklich großes Glück, Professor Snape, es bedarf lediglich einer kleinen Auflage, dann kann für den nächsten Zyklus die Berechtigung doch noch mal ausgesprochen werden."

„So und was ist das für eine Auflage?"

„Nicht Großes, wirklich", freute sich Mister Braun, „Sie müssen nur an einem öffentlichen Ort, mit mindestens zwei Dutzend Menschen Miss Granger in angemessener Form ihre Zuneigung zeigen. Denn einer der Mängel, die Miss Granger angemerkt hat, lassen Sie mal sehen…"

Er kramte in seiner Aktentasche herum und zog ein weiteres umfangreiches Formular heraus, „war, dass Sie stets in der Öffentlichkeit so täten, als wenn Sie sie nicht näher kennen würden."

„Das hat verdammt noch mal seine Gründe!", verteidigte sich Severus heftig.

„Oh, und die wären?", fragte Mister Braun interessiert und sah ihn aufmerksam an.

„Bei Merlin!", jetzt wurde es ihm endgültig zu bunt, „Das geht Sie gar nichts an und jetzt raus hier und ihre Auflage können Sie sich sonst wo hin stecken, zusammen mit all ihren Formularen und Akten! Haben wir uns verstanden?"

„Sie wäre schon mit einem Tanz beim Ball des Ministeriums im Mai zufrieden", merkte Mister Braun noch an, während er emsig seine Sachen zusammenpackte.

„Wenn ich mit meiner Frau tanze, dann deswegen, weil es mir Spaß macht oder sie mich darum bittet, aber ganz bestimmt nicht wegen irgendwelcher Auflagen!", stellte Severus klar.

„Schade", zuckte Mister Braun bedauernd mit den Schultern, dann darf ich mich verabschieden. Sie erhalten dann in nächster Zeit Nachricht von uns. Guten Tag!"

„Was für ein guter Tag soll das denn sein?!", polterte Severus und knallte die Türe hinter Mister Braun ins Schloss. Dann eilte er mit Eileen zu deren Wiege, damit das Kind endlich Schlaf finden würde, sonst konnte er einen ruhigen Verlauf des Patenrituals vergessen. Obwohl er nach diesem Gespräch nicht wusste, ob es einen ruhigen Verlauf von irgendwas heute überhaupt noch geben würde, egal ob Eileen schlafen würde oder nicht!

Gerade hatte er die Schlafzimmertüre leise hinter sich geschlossen, als es schon wieder an der Türe klopfte.

Verdammt, wer war das denn jetzt, denn die Zeit drängte mittlerweile, denn auch er musste sich noch umziehen.

„Was?", bellte er, während er die Kerkertüre aufriss.

„Entschuldigung, Sir", stammelte ein sehr ängstlich aussehender Ravenclawschüler der zweiten Jahrgangsstufe und hielt seinem sichtlich wütenden Tränkeprofessor einen Briefumschlag entgegen, „den hier soll ich Ihnen geben, Sir"

„Gut!", knurrte Severus und riss ihm den Brief aus der Hand. Der Ravenclaw war so dankbar, dass er seinen Botendienst lebendig überstanden hatte, dass er sich schnellstens aus dem Staub machte.

Misstrauisch beäugte Severus den Umschlag, er war vom Ministerium, Büro für Magische Verbindungen. Verdammt, die waren doch sonst nicht so schnell im Ministerium!

Etwas hektisch riss er das Kuvert auf und starrte mit tief gefurchter Stirn auf die zwei Worte, die dort in grüner Tinte auf der Visitenkarte des Zaubereiministers standen: „April, April!"

Danach schaffte er es nur noch mit dem letzten bisschen Selbstbeherrschung einen Stillezauber über Eileens Zimmer zu legen, bevor viele, sehr viele, sehr wüste und vor allem sehr laute Beschimpfungen durch die Kerker Hogwarts hallten.

Wenig erhebend waren auch die Reaktionen seiner unsolidarischen Ehefrau, die sich wirklich gar nicht mehr beruhigen konnte und erst aufhörte zu lachen, als ihr der Bauch weh tat.

Er fand es immer noch unmöglich. Wirklich!