23. Das Patenritual

„Das war wirklich total witzig!", grinste Hermine immer noch, als sie wieder aus dem Bad kam und sich wieder neben ihm niederlies.

„Nein, immer noch nicht", stellte Severus klar, „Allerdings war das Gesicht das unser werter Zaubereiminister ein Jahr später machte, als ihm sein bester Auror mit panischem Ausdruck, zitternder Stimme und fahlem Gesicht eröffnete, dass sich eine ganze Armee aus Zombies, Werwölfen, Vampiren und Gargoyles im Foyer des Ministeriums befinden würde, um den Kopf des Ministers zu fordern, sehr, sehr erhebend und sozusagen eine kleine Wiedergutmachung."

„Ja, das war auch richtig gut", stimmte Hermine ihrem Mann bei, immerhin hatten nicht wenige kleine, feine Zauberkunsttricks, die er sich von Hermine dafür erbeten hatte, die Glaubwürdigkeit dieser Aktion entscheidend unterstützt.

Rache war schon eine wirklich befriedigende Angelegenheit, ging es Hogwarts Tränkemeister zufrieden durch den Sinn. Da gab es gar nichts gegen einzuwenden, egal was Hermine dazu meinte.

„Zudem finde ich immer noch, dass ein solches Horrorszenarium eine ausgesprochen gute Übung für das Krisenmanagement des Ministeriums war", überlegte Severus leicht spöttisch, „Es ist wirklich sehr beruhigend, dass Englands Minister nicht sogleich in Ohnmacht fällt wenn es brenzlig wird, sondern lediglich seine Sekretärin."

Und die hatte ja auch noch nie Humor besessen!

Nachdem sich Severus wieder einigermaßen beruhigt und seiner Frau bei Merlin und allen anderen großen Zauberern geschworen hatte Kingsley vielleicht doch nicht zu verfluchen und dieser sich wie Hermine zuvor von dem riesigen Lachanfall der ihn minutenlang geschüttelt hatte wieder erholt hatte, konnten sich alle doch noch auf das große magische Patenritual konzentrieren. Dies stellte, anders wie die eher förmliche Registratur, ein tiefgreifender magischer Akt dar. Dazu trug auch der geheimnisumwitterte Ort bei, dessen Zugang nur einer handvoll Ministeriumsbeamter bekannt war und den man nur über einen speziellen Portschlüssel erreichen konnte.

Hermine war noch niemals bei einem solchen Ritual dabei gewesen und ziemlich gespannt. Aber Harry, Ginny, und Ron die ja alle schon Paten waren, hielten sich seltsamerweise sehr zurück und auch aus Severus und Minerva war nicht allzu viel Informatives heraus zu locken, was diese magische Notfallabsicherung konkret betraf. Nur zu gerne hätte Hermine ja ausgiebig dazu recherchiert, aber ihre Erkrankung, die Taufvorbereitungen und natürlich Eileen ließen ihr leider nicht die nötige Zeit, so musste sie sich also gedulden, etwas, dass ihr bekanntlich sehr schwer fiel. Zu dumm auch, dass sie bei James Patenritual gerade auf Hochzeitreise gewesen war!

Nun, sie hielt sich tapfer, aber man merkte schon wie aufgeregt sie war, als endlich die gesamte Familie Granger/Snape, Minerva McGonagall, die Potters, Ron Weasley, Kingsley Shacklebolt und eben Luna Lovegood versammelt vor dem Büro von Miss Trelawney aufschlugen und Severus mit einem kleinen Lächeln, angesichts der Aufgeregtheit seiner Frau leise an ihre Türe klopfte, weil Eileen gerade eingeschlafen war.

Seltsamerweise tat sich aber gar nichts und nach einem kurzen Blickwechsel mit Kingsley versuchte er es erneut, dieses Mal ein wenig lauter. Immer noch nichts, er wollte es gerade wieder versuchen, als eine sichtlich derangierte Miss Trelawney, mit nassem Haar und nasser Kleidung völlig unsphärisch um die Ecke gestürmt kam. Ein Zustand, der ihrem Äußeren nicht gerade zuträglich war.

„Oh, da sind Sie ja schon", murmelte sie und wischte sich einige der wirr herabhängenden Haarsträhnen aus dem Gesicht. Hermine, Ron und Harry warfen sich einen bezeichnenden Blick zu.

„Hatten wir nicht 18:00 Uhr vereinbart, Miss Trelawney?" fragte Severus erstaunt und zückte seine Taschenuhr, die exakt sechs Uhr anzeigte.

„Selbstverständlich, selbstverständlich", bestätigte Miss Trelawney schnell und knetete ihre Hände, „es ist nur so, dass sich einige kleine Probleme aufgetan haben, die ich gerne noch vor Ihrer Ankunft behoben hätte."

„So, welche Probleme sind das denn?", erkundigte sich Hermine vorsichtig und reichte Miss Trelawney eine von Eileens Windeltüchern, um sich abzutrocknen.

„Zumeist Klimatische", antwortete Miss Trelawney und nickte Hermine dankbar zu, während sie erst einmal ihre Brille ausgiebig trocken wischte.

„Und was heißt das genau, Patricia?", mischte sich Kingsley besorgt ein.

„Nun, Zaubereiminister, einige Familienangehörige des letzten Patenrituals waren – nun ja, sagen wir mal - etwas heißblütig. Es war wohl einfach zu nah am Vollmond."

„Oh, verflixt! Darum muss die Teilnahme von Werwölfen ja auch angezeigt werden", Kingsley schien fürchterliches zu schwanen.

„Ja, was sie aber nicht getan haben", seufzte Miss Trelawney, „leider war es mir trotz größtmöglicher Anstrengungen nicht möglich die Herrschaften zu beruhigen", sie sah betrübt in die Runde, „die umherfliegenden Flüche und Verwünschungen waren zwar nicht besonders schlimm und es gab auch nur fünf Verletzte, aber einige haben in die sehr empfindliche Magie des Ritualorts eingegriffen und diese ein wenig aus dem Gleichgewicht gebracht."

„Oh je", machte Kingsley besorgt und Miss Trelawney nickte bedeutungsschwer.

„Und was heißt das jetzt für uns?", meldete sich Minerva McGonagall zu Wort, „Muss das Ritual verschoben werden?"

„Nein, ich denke, es wird gehen, aber Sie sollten besser alle einen Schirm mitnehmen und wahrscheinlich auch für warme Kleidung sorgen", sie beugte sich zu ihrem Chef hinüber, „die Wetterzauber sind am stärksten in Mitleidenschaft gezogen worden."

„Nun, wenn es sonst nichts ist", zuckte Kingsley Shacklebolt, „die Herrschaften leben zumeist in Schottland, da ist das Wetter die kleinste Sorge!"

Dazu hätte man wahrlich viel sagen können. Vor allem Minerva hatte schon den Mund zu einigen entsprechenden Erwiderungen aufgemacht, aber Miss Trelawney erstickte ihre Proteste, indem sie ihr eine dicke Winterrobe mit langem Schal und Mütze anzauberte und auch die restliche Patenritualgesellschaft in dicke Winterkleidung hüllte. Danach bewaffnete sie sie alle mit Regenschirmen und schaute fragend in die Runde der nun dick Vermummten, „So, wenn keine Werwölfe unter ihnen sind, können wir es wagen!"

Natürlich schüttelte die gesamte Patengesellschaft sofort einvernehmlich mit dem Kopf. Nur Ron, der alte Kindskopf konnte es sich nicht verkneifen leise zu ergänzen, „Nein, nur Pseudo-Fledermäuse", was ein echtes Wolfsknurren beim Kindsvater hervorrief, aber glücklicherweise von Miss Trelawney nicht weiter verfolgt wurde, denn sie klatschte froh in die Hände und bat erleichtert, „Sehr gut, dann folgen Sie mir bitte!"

Als alle der jungen Ministeriumsbeamtin durch zwei, drei lange, düstere Gänge folgten bemerkte Harry leise zu Ron, „Sie bewegt sich wie ihre Tante, sie sieht aus wie ihre Tante, meinst Du nicht, es könnte sich um ein und die selbe Person handeln?"

„Nein, das ist unmöglich", schüttete Ron grinsend den Kopf, „die hier hat Dir noch nicht einmal den Tod vorausgesagt und wir sind schon zehn Minuten hier."

Das war ein echtes Argument, fand Harry und auch Hermine und Ginny nickten sich lachend zu.

Nach einiger Zeit blieb ihre Führerin vor einer unscheinbaren Türe stehen, legte ihre Hand auf das Türblatt und öffnete sie mit einem Körpererkennungszauber. Sie winkte ihnen dann ihr in einen völlig leeren, dafür aber wie eine große Halle anmutenden riesigen Raum zu folgen in dem lediglich ein dickes Seil auf der Erde lag.

„Na, die Ausstattung lässt aber etwas zu wünschen übrig", murmelte Henry Granger belustigt, als er sich in dem kahlen Raum umsah und auch Hermine schien irgendwie enttäuscht.

„Keine Sorge. Das ist nur eine Art Bahnhof, Mister Granger. Bitte treten sie hier in die Mitte", bat Miss Trelawney, „und stellen Sie sich im Kreis auf."

Als alle ihrer Bitte nachgekommen waren, drückte sie Jean Granger, die neben ihr stand das eine Ende des Seils in die Hand, „Jetzt müssten Sie nur noch alle dieses Tau anfassen. Es ist ein Portschlüssel, der Zug sozusagen, der durch einen speziellen Zauberspruch, welcher an das große Register gekoppelt ist, aktiviert wird, sobald ich die beiden Enden verbinde."

„Besser ein Zug als ein Flugzeug", murmelte Henry Granger, der das Fliegen mindestens so sehr hasste, wie seine Tochter.

„Sollten wir Deinem Vater nicht sagen, dass das Reisen mit Portschlüsseln in der Tat wesentlich eher mit einem Flug als mit einer Zugreise zu vergleichen ist?", flüsterte Ginny Hermine leise zu, die aber schnell den Kopf schüttelte, „Besser nicht, sonst besteht er noch darauf, erst seine Reisetabletten holen zu gehen."

„Es kommt aber bestimmt auch nicht gut, wenn sich der Großvater des Kindes als erstes auf den Boden der heiligen Stätte übergibt."

„So schlimm wird es wohl nicht werden", hoffte Hermine mit einem kritischen Blick auf ihren Vater.

Das Seil war gerade so lang, dass alle es bequem anfassen konnten und als das Ende bei Miss Trelawney angekommen war, fragte sie, „Sind Sie alle bereit?"

Henry Granger schien zwar ein wenig skeptisch, nickte aber tapfer. Hermine atmete noch einmal tief ein und aus, denn Portschlüssel waren auch nicht ihre liebste Reiseform, als Miss Trelawney aber schon die Augen schloss und beide Enden des Taus verband.

Sogleich setzte das bekannte, unangenehme Gefühl ein, das alle Reisen mit Portschlüsseln begleitete und bei den Grangers für einen sehr erschreckten Laut sorgte. Es war ihre erste persönliche Erfahrung mit Portschlüsseln.

Gottlob dauerte die Reise nur wenige Sekunden und alle landeten doch recht sanft auf einer großen, freien Waldlichtung, die von riesigen, majestätischen Steinblöcken umrandet war, welche von unzähligen Fackeln geheimnisvoll beleuchtet wurden.

„Oh", machte Hermine blinzelnd, als sie sich umsah und man konnte es geradezu in ihrem Kopf rattern sehen.

„Sieht ein wenig aus wie Stonehenge", flüsterte Jean ihrem Mann zu, der nicht wenig grün um die Nase herum war und sah sich beeindruckt um.

„Nein, nein!", murmelte Hermine ehrfurchtsvoll, „das ist viel, viel größer. Großer Gott! Das ist die Stätte der Alten! Die Bücher sind voll davon! Es ist der wichtigste magische Ort überhaupt!"

„Sehr richtig, Professor Granger! Willkommen in Safle hen1, Englands großer magischer Stätte", erklärte Miss Trelawney mit einem erheblichen Maß an Stolz in der Stimme, „Hier ist wirklich unbestritten der älteste und mächtigste Ort auf den Inseln. Hier erhielt bereits Merlin seinen Paten und alle Zaubereiminister Englands und Irlands, sowie die Vorsitzenden der Zaubergamots und alle Leitungen der wichtigsten magischen Institutionen werden hier traditionell vereidigt." Sie lächelte Professor McGonagall zu, „Natürlich auch die Schulleiter Hogwarts."

„Genau, Miss Trelawney", nickte Minerva mit dem gleichen Stolz und ihr Blick huschte zu Severus hinüber, der sich allerdings mit gemischten Gefühlen umsah. Natürlich war auch er damals hier gewesen.

„Unglaublich", flüsterte Hermine und betrachtete eingehend die mächtigen Steinsäulen, deren Schatten sich im Schein der Fackeln, leicht hin und her bewegten.

„Der Wahnsinn!", murmelte sie ein ums andere Mal völlig hin und weg, bis dass sie plötzlich stehen blieb und ihren Freunden und vor allem ihrem Ehemann einen vorwurfsvollen Blick zuwarf, „Warum hat mir das eigentlich keiner vorher gesagt, dass das Patenritual in Safle hen stattfindet? Ich hätte mich viel besser vorbereiten können!"

„Wie?", schüttelte Harry mit breitem Grinsen energisch den Kopf, „Und uns dann Dein Gesicht entgehen lassen? Nein, das sollte eine Überraschung sein!"

„Aber das ist Safle hen!" entgegnete Hermine und rang die Hände, „es gibt keinen Ort wie diesen. Er hat ganz besondere Macht."

„Und was ist das für eine Macht", fragte Jean.

„Das ist eines der vielen Dinge, Dr. Granger die das Ministerium vor der Bevölkerung geheim hält", erklärte Luna freundlich und kam damit Miss Trelawney zuvor, die schon zu einer erklärenden Antwort ansetzen wollte, „aber natürlich hat mein Vater und die anderen Klitterermitarbeiter es schon längst herausgefunden."

„Nun", lächelte die junge Ministeriumsbeamtin, „wie auch immer, aber Sie können die von Ihrer Tochter beschriebene Macht ganz leicht selbst spüren, wenn Sie nur die Augen schließen."

Tatsächlich strahlte der ganze Ort unbestritten eine sehr intensive und besondere Atmosphäre aus. Severus konnte sich noch ganz genau daran erinnern, wie er diese außergewöhnliche Magie zum ersten Mal gespürt hatte. Wie gesagt, damals, als er Schulleiter von Hogwarts werden sollte. Er hatte diese Berufung zusammen mit Albus mit langer Hand vorbereitet, sehr geschickt lanciert, so dass der dunkle Lord der Meinung war, selbst auf diese famose Idee gekommen zu sein. Das Legitimations- oder Einsetzungsritual war nur der Schlussstein gewesen. Doch Albus hatte ihn gewarnt. „Du musst wissen, Safle hen prüft Dich", hatte er gesagt, „es ist nicht immer angenehm, aber lass es zu, dann wird er erkennen, dass Du der Richtige bist."

Ha, hatte er damals gedacht, er und der Richtige, ganz bestimmt war er das nicht, aber das Versprechen, das er Albus gegeben hatte und das Versprechen das er Lily gegeben hatte zwangen ihn weiterzugehen und zu bleiben. Sie hatte ihn fast erdrückt, diese unglaubliche Macht dieses Ortes. Viel hätte nicht gefehlt und er wäre geflohen. Aber wie Albus es vorhergesagt hatte, hatte das überwältigende, drängende Gefühl allmählich nachgelassen und anscheinend hatte der Ort seine Gründe, dieses Amt zu wollen, akzeptiert.

Auch jetzt spürte nicht nur er, sondern alle Anwesende diese ganz besondere Macht des Ortes und vielleicht war es auch das, was Eileen bewog ihre Augen plötzlich wieder aufzumachen und ihr Nickerchen zu verschieben. Vielleicht waren es aber auch die Auswirkungen des Portschlüssel oder aber noch wahrscheinlicher, das laute Donnergrollen, das sich aus den tiefschwarzen Wolken am Himmel über ihnen vernehmen lies.

„Oh, das wieder!", seufzte Miss Trelawney mit kurzem kritischem Blick zum Himmel. „Wir sollten uns beeilen. Bitte treten Sie näher", wies sie auf das Zentrum der Anlage. Dort stand ein auffälliger, tiefschwarzer Steinblock.

„Was ist das denn für ein Gestein? Ist das etwa ein Meteorit?" fragte Jean leise, als sie sich dem Stein näherten.

„Ja und Nein, Misses Granger, das ist Celestone, der Mächtige", erklärte Luna mit einem kleinen Lächeln und Kingsley ergänzte „Richtig, Celestone, der Himmelsstein. Die Legende sagt, dass er die Magie auf die Erde gebracht hat."

„Das ist keine Legende, Mister Kingsley", widersprach Luna, „es ist zweifelsfrei bewiesen, dass es Merlin höchstpersönlich war, der ihn von einem fernen Planeten geholt hat."

„Nun, eigentlich fallen Meteoriten einfach so vom Himmel", flüsterte Jean ihrem Mann zu, der sich anscheinend wieder gefangen hatte, seine Gesichtsfarbe war wieder normal.

„Außerdem kann Merlin ja hier nicht seinen Paten bekommen haben, wenn er den Stein erst von wer weiß woher holen musste", wandte Ron ein.

„Dir fehlt immer noch die Fähigkeit das Offensichtliche hinter dem Offensichtlichen zu sehen, Ronald", schüttelte daraufhin Luna ungerührt den Kopf.

„Ja, ganz offensichtlich!", murmelte Ron und verdrehte die Augen.

„Der Wahnsinn!", konnte Hermine nur wiederholen, „Zum Celestone kommen die Insignien der Macht zurück, wenn der Träger oder die Trägerin stirbt oder das Amt abgibt."

„Allerdings!", bestätigte Miss Trelawney, „Sie kommen hierher zurück und nur der neue, rechtmäßige Nachfolger kann sie entnehmen."

„Welche Insignien sind das denn?", fragte Harry überrascht.

„Es sind kostbare Amulette, die von Kobolden vor Urzeiten aus Gold und Platin getrieben wurden und die in der Mitte ein Stück des Celestone bergen", murmelte Severus.

„Ja, aber…", setzte Ron mit gefurchter Stirn an.

„Sie sind nur hier sichtbar", kam Kingsleys ihm zuvor und deutete auf seine und Minervas Brust, wo sich plötzlich genau die beschriebenen Anhänger zeigten, „außerhalb Safle hen´s kann man die Amulette nur sehen, wenn es unabdingbar ist, sich zu legitimieren."

„Wenn sie nicht sichtbar sind, dann sollte man sich gut daran erinnern, wo man sie abends vor dem Zubettgehen ablegt", grinste Ron.

„Man kann sie nicht ablegen oder verlegen, Mister Weasley", entgegnete Minerva, „und man kann sie nicht stehlen oder einfach so weitergeben. Was in der Tat sehr praktisch und vor allem äußerst beruhigend ist!"

Als alle nah an dem ca. einmaleineinhalb Meter großen Quader standen, konnte man sehen, dass der seltsame Himmelsstein oben glatt poliert war und eine deutliche Kuhle aufwies.

„Bitte geben Sie das Kind an Ihre Frau, Professor Snape und sie muss es dann dort hineinlegen", bat Miss Trelawney Hermine.

„Legt er es deshalb nicht selbst dort hin, weil sich im Haar der Frauen in den ersten sechs Monaten des Jahres so viele Jispels sammeln?", wollte Luna neugierig wissen, worauf Hermine wohl skeptisch schaute, aber sich dennoch unsicher durchs Haar fuhr.

„Nein, Miss Lovegood", winkte Miss Trelawney ungerührt ab, „mit diesem Phänomen hat das nichts zu tun. Es lag nur daran, dass Professor Snape das Kind hielt und es damit an seine Frau übergeben musste, damit auch sie mit dieser Geste ihr Einverständnis zum Ritual kundtut. Hätte sie das Kind getragen, hätte ich den Professor gebeten sie zu nehmen und auf den Celestone zu legen.

„Ah", verstand selbst Luna die Hintergründe und schien zufrieden. Vorerst jedenfalls.

Kaum hatte aber Severus Eileen an Hermine übergeben und sie sie dann in die Kuhle gelegt, zuckten plötzlich Blitze durch die Luft und es begann augenblicklich wie aus Kübeln zu regnen. „Oh, bei Merlin! Schon wieder ein Zeichen?" fragte Severus überrascht und spannte schnell den Schirm über seine Frau und seine Tochter.

„Nein, Sir", meinte Miss Trelawney bedauernd und schlug die Kapuze ihrer Robe über den Kopf, „Obwohl man wahrlich keine Wahrsagerin sein muss, um die Magie Ihrer Tochter zu spüren, ist dies hier leider einer der Auswirkungen des Schadens durch die Flüche. Das hört aber gleich wieder auf."

„Aha!", machte Hermine und warf ihrem Ehemann einen Blick zu, der ganz klar, „wie viele Zeichen braucht Du denn noch?" sagte.

„Beweise sind immer gut!", konterte ihr Mann daraufhin ungerührt.

Tatsächlich dauerte das Gewitter kaum eine halbe Minute, bevor es in einen kräftigen und sehr ungemütlichen Schneesturm überging, der von einer ebenfalls unerfreulich heftigen Hitzewelle abgelöst wurde, die alle sofort in Schweiß badete, was ja kein Wunder bei all der Kleidung war, die sie so trugen.

„Wenigstens scheint Eileen sich zu amüsieren", seufzte Ginny mit Blick auf das quietschvergnügte Baby und entledigte sich ihres Schals und der Handschuhe.

„Geht das jetzt die ganze Zeit so, Patricia?", fragte Kingsley, als es auch noch begann zu Hageln.

„Nein, gleich kommt eine längere Zeit der Beruhigung", winkte Miss Trelawney ab, „dann können wir weitermachen.

Genau wie die Nichte von Hogwarts verrückter Wahrsagelehrerin gesagt hatte, war nach dem Hagel nur noch ein kurzer starker Wind aufgekommen und dann hätte man meinen können, all das nur geträumt zu haben, wenn denn die dicken Hagelkörner nicht überall herumgelegen hätte.

„So", freute sich Miss Trelawney und atmete auf, „Jetzt bitte ich die Patin sich hier aufzustellen", sie sah sich nach Minerva um, „Bitte Professor McGonagall, genau hier", dirigierte sie Hogwarts Schulleiterin auf einen Punkt direkt neben dem schwarzen Stein, dann blickte sie Severus und Hermine an. „Die Eltern bitte genau auf die andere Seite, sehr gut. Alle anderen bitte einen Schritt zurücktreten und in einem gleichmäßigen Kreis verteilen."

Als alle ihren Anweisungen nachgekommen waren, nickte sie zufrieden in die Runde.

„Mit dem Patenritual übergeben die Eltern ihr Kind einer dritten Person an Kindesstatt für den Fall, dass ihnen etwas passiert oder sie nicht mehr in der Lage sind für ihr Kind zu sorgen. Natürlich soll die Patin oder der Pate auch die Eltern beraten und ihnen helfend zur Seite stehen. Ist dies Ihnen allen klar?" Sie sah Minerva, Hermine und Severus mit einem durchdringenden Blick an.

„Ja, Miss Trelawney, das ist uns klar", antwortete Severus für alle.

„Gut", sie wandte sich an Minerva, „Werden Sie, Professor McGonagall dieses Amt freiwillig übernehmen?"

„Ja, das werde ich", strahlte Minerva und ergänzte stolz, „und ich darf anmerken, dass es mir eine wirkliche Ehre ist."

„Wie schön", freute sich auch Miss Trelawney, „Sie wissen, dass Sie von nun an, bis zum 17. Geburtstag an dieses Kind gebunden sein werden und das Kind an Sie?"

„Ja, das ist mir bewusst", nickte Minerva feierlich.

„Sehr gut, dann spreche ich jetzt den Bindespruch", sie räusperte sich, schloss die Augen und hob ihren Zauberstab.

„Als Wächterin des Steines, Hüterin der Bücher und Meisterin des Zeremoniells rufe ich Himmel und Erde zu meinen Zeugen", murmelte sie mit ruhiger Stimme und ein seltsames Glimmen ging plötzlich von ihr aus, das stetig stärker wurde, „Das Gestern, das Heute und das Morgen bis zum Jährlingstag nehme ich als Bürgen. Diesem Kind hier", sie klopfte sachte auf Eileens Brust was das Glimmen auch auf die hochaufmerksame Professorentochter übertrug, „Eileen, Jean Granger-Snape, erstgeborene Tochter von Hermine, Jean Granger und Severus Snape," fuhr Miss Trelawney fort und ein breites, hellblaues Band, das einer Blütenranke gleich dem Himmelsstein entspross schlängelte sich langsam empor und umfasste Eileens rechtes Ärmchen. „wird Minerva, Augusta McGonagall von dieser Stunde an, bis zum Tag ihrer Volljährigkeit als Patin zur Seite gestellt."

Kaum hatte Miss Trelawney ihre Einsetzungsworte beendet, wuchs das blaue Band weiter und legte sich leicht wie ein Windhauch um Hermines und dann um Severus rechten Arm. Dort verweilte es aber nicht, sondern wuchs weiter, um sich zu Minervas linkem Arm zu wenden.

Miss Trelawney schlug nach einigen still gemurmelten Beschwörungen die Augen wieder auf und sah mit einem zufriedenen Lächeln, dass das Band zu leuchten und wie im Wind zu flattern begann. Nach einem kurzen Nicken, schloss sie erneut die Augen und wischte mit ihrem Stab komplizierte Formen durch die Luft und murmelte erneut einige unverständliche Worte. Als Resultat zersprang das blaue Band unter den erstaunten und beeindruckten „Ah´s und Oh´s der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in tausend kleine Glitzerstückchen, die wie ein wunderbarer Feuerregen hell leuchtend zum Himmel aufstiegen und dort verglühten.

„Wunderschön", fand Jean Granger fasziniert.

„Das ist einer der Weiterentwicklungen von Patricia", erläuterte Kingsley stolz, „Früher zuckten immer Blitze und heftige Donner ließen den Boden erzittern."

„Ja, alles machtvolle Zeichen, aber das hat die Kinder immer so erschreckt", erläuterte Miss Trelawney und es war mehr als offensichtlich, dass sie sich sehr über das Lob ihres Chefs freute.

„So!", fuhr sie dann fort, „Faktisch sind Sie jetzt schon die Patin dieses Kindes. Alles was jetzt folgt, festigt den Zauber nur noch. Würden Sie darum nun Ihre linke Hand ausstrecken, Professor McGonagall?", bat sie sodann und als Minerva diesem Wunsch nachgekommen war, sprach Miss Trelawney einen weiteren Spruch und ein sehr schönes, kleines goldenes Medaillon erschien auf der offenen Handfläche von Hogwarts Schulleiterin. Als nächstes zog Miss Trelawney eine kleine goldene Schere aus ihrer Robe und schnitt eine winzige Strähne von Eileens kohlrabenschwarzem Haar ab, legte es in das Medaillon, das daraufhin ebenfalls zu glühen begann und sich nach einem kurzen gemurmelten Spruch und einem kleinen Stups mit ihrem Zauberstab magisch schloss.

„Das ist das Zeichen ihrer Legitimation als Patin, Professor", erklärte Miss Trelawney, „Es erscheint, wenn sie die Patenschaft antreten müssen oder sie sich in anderen Fällen beim Ministerium ausweisen müssen."

Die kleine Pause, die entstand, als Minerva das Medaillon anlegte nutzte Harry, um Hermine leise zuzuraunen, „Bei James hatte der Ministeriumsbeamte echte Schwierigkeiten irgendwelche Haare zu finden. Er hat schon gedroht sie magisch wachsen zu lassen."

„Immer noch besser als das alte Blutritual, das hatte so viele schwarzmagische Anteile, dass dem Ministerium in Zeiten von Voldemort Angst und Bange wurde!", flüsterte Kingsley.

„Das kann ich gut verstehen", antwortete Hermine erleichtert.

Als die stolze Patin sich die Kette mit dem Medaillon angelegt hatte schaute Miss Trelawney sie fragend an, „Gibt es Patengaben, Professor?"

„Ja", antwortete Minerva mit kratziger Stimme und wischte sich eine Träne der Ergriffenheit aus den Augenwinkeln. „Ich habe nach Rücksprache mit meiner Familie eine große schottische Festtagsrobe im McGonagalltartan anfertigen lassen, die natürlich mitwächst."

Eine Ankündigung die bei dem Kindsvater zu einem tiefen Seufzen führte. Auch das noch! Ihm reichte schon eine Wolldeckenhexe, da musste seine Tochter doch nicht auch noch im grün-blauen Karo herumlaufen.

„Und obwohl mir schon bewusst ist, dass nicht alle dieses Geschenk entsprechend zu würdigen wissen", sie schenkte Severus einen vernichtenden Blick, „werden mit einem solchen Geschenk seit alters her alle Rechte und Pflichten einer McGonagall übertragen", sie sah erst Hermine und Severus und dann Eileen lange an, bevor sie ergänzte, „Was bedeutet, dass sie einmal meine rechtmäßige Erbin sein wird."

„Aber Minerva", keuchte Hermine auf diese überraschende Ankündigung und auch Severus zog überrascht die Augenbrauen in die Höhe, „das ist doch… das geht doch nicht! Hast Du Dir das auch gut überlegt?"

„Selbstverständlich habe ich das!", lachte Hogwarts Schulleiterin und brach nun gänzlich in Tränen aus, „Ich bin mir sehr sicher, dass ich mit Eileen eine sehr gute Wahl getroffen habe!"

„Ausgezeichnet", freute sich Miss Trelawney als sich fast die ganze Patengesellschaft in den Armen lag und klatschte in die Hände, „Gibt es weitere Gaben?"

„Ähm, ja", nickte Severus nach einem kurzen Räuspern und mit einem schnellen Blick auf seine Frau, die ihn überrascht ansah.

„Davon hast Du mir gar nichts gesagt", flüsterte sie.

„Ich weiß, es ist auch ein persönliches Geschenk von mir an meine Tochter. Nach allem fand ich es angemessen, dass auch ich als ihr Vater ihr eine Kleinigkeit zukommen lasse", antwortete er und deutete auf Hermines rechte Hand, „außerdem fand ich Deine Ideen für unsere Ringe so ansprechend."

Natürlich erzählte er ihr nicht, dass er so auch eine geschickte Art gefunden hatte, den Gringotts-Schlüssel unbemerkt zu verstecken.

Er zog mit einem winzigen Grinsen ein kleines Kästchen mit dem Zeichen der Sernorins aus der Innentasche seiner Robe und reichte es Miss Trelawney. Diese nickte anerkennend, als sie das Logo sah und öffnete es vorsichtig. Auch Hermine beugte sich nahe heran, um das Geschenk in Augenschein zu nehmen.

Da lag auf schwarzem Samt ein kleiner, runder Anhänger mit feiner, goldner Kette in Größe eines Sickels, der auf der einen Seite aus Gold gefertigt eine Sonne darstellte und auf der anderen Seite aus Weißgold einen Mond. Das Material war, wie Hermines und Severus Eheringe fein geknittert und in die Oberfläche waren dezent Zeichen und Zahlen eingraviert, die zusammengenommen Eileens Namen und ihr Geburtsdatum auf der Seite der Sonne ergaben, auf der Mondseite aber die Namen ihrer Eltern und der ganz speziellen Vollmondnacht im April.

„Oh, Severus, es ist wunderschön", murmelte Hermine.

„Ich weiß", war Severus zufriedener Kommentar und er beugte sich sehr nahe an das Ohr seiner Frau hinunter, um ihr leise zuzuflüstern, „so wie die Mutter dieses Kindes, die nur deswegen keine vergleichbare Gabe erhält, weil mir Misses Sernorin eindringlich davon abgeraten hat."

„So, hat sie das? Nun, sie ist sehr weise", lächelte Hermine, „aber Du hättest es mir ruhig vorher sagen können."

„Nein, Du hättest es mir bestimmt ausgeredet."

„War es so teuer?", fragte Hermine besorgt.

„Wir werden uns leider diese Tochter jetzt nicht mehr leisten können", seufzte Severus, „und sollten sie besser sogleich an ihre Patin abschieben."

„Du Verrückter, Du würdest es keinen Tag ohne sie aushalten!", war sich Hermine sicher.

„Ja, vielleicht", grinst er frech, „darum habe ich auch eine Patin gewählt, die im gleichen Haus wohnt!"

„Meine werten Hexen, Zauberer und Muggel", verschaffte sich Miss Trelawney erneut Gehör und schaute äußerst zufrieden in die Runde, „Am Schluss dieses Rituals darf ich Ihnen allen noch die Glückwünsche des Ministeriums, aber auch meine persönlichen Glückwünsche aussprechen", sie lächelte erst Hermine, Severus und Minerva an und blickte dann auf Eileen, „und ich freue mich schon sehr darauf mitzuerleben, in welcher Weise sich die Reaktion von Artemisias Feder zeigen wird. Wir können wahrlich Großes von dieser kleinen Hexe hier erwarten."

Kingsley nickte mit breitem Grinsen und Luna Lovegood ließ alle laut und deutlich wissen, „bestimmt wird sie endlich die Flemminge aus ihrer Gefangenschaft bei den Knittlingen befreien. Das ist etwas wirklich Großes!"

„Was sind Flemminge, Miss Lovegood und wo sollen sie gefangen sein?", fragte Kingsley verwundert.

„Wir wissen doch alle, dass dies ein streng geheimes Projekt ist", winkte Luna gut gelaunt ab, „aber mein Vater hat noch letzte Woche einen langen Bericht darüber verfasst."

„Ah ja!", lächelte Miss Trelawney unergründlich, „wir freuen uns schon sehr darauf die Studien ihres Vaters eingehend zu studieren, sie sind stets ein Quell der Freude!"

„Oh", war Luna tatsächlich freudig überrascht, „genau das finde ich auch!"

„Sehr schön", räusperte sich jetzt Henry Granger und rieb sich die Hände, „Wenn ich jetzt noch die Heimreise überlebe und Sie alle noch ein wenig Zeit hätten, würde meine Frau und ich uns freuen, Sie in unser Lieblingsrestaurant einzuladen, denn ich denke, es gibt einiges zu feiern!"

Eine Ankündigung, die bei allen zu großer Zustimmung führte und keiner schlug die Einladung aus. Nur Miss Trelawney musste schweren Herzens ablehnen, denn die Reparatur der Wetterzauber duldete leider keinen Aufschub.

Wirklich schade, denn erstens war Sybill Trelawneys Nichte wirklich gar nicht so übel und zweitens verpasste sie so viele weitere unglaubliche Luna Lovegood-Geschichten um geheimnisvolle Wesen, Bräuche und strenggeheime Ministeriumsprojekte.

1 Stätte der Alten