„Ja, Eileens Patenritual war schon ein ganz besonderes Erlebnis", grinste Hermine.
„Richtig, aber auch das von Sera, drei Jahre später war sehr schön", erinnerte sich Severus, schränkte aber ein, „Wobei lange nicht so spektakulär."
„Nein, aber Deine Gabe war genau so wunderbar", ergänzte Hermine mit einem liebevollen Blick auf ihren Gatten. Bezeichnenderweise bekam ihre Tochter Serafine zu ihrer Patenfeier einen ähnlich gearbeiteten Anhänger wie ihre Schwester geschenkt, nur mit der Gestalt eines Engels auf beiden Seiten.
„Also wenn ich die Retrospektive der letzten vier Stunden mal zusammenfassen dürfte", bot Severus an, als sie sich gegen ein Uhr in der Nacht endlich aufrafften, um ins Bett zu gehen.
„Zusammenfassungen sind meist sehr hilfreich", wusste Hermine und reckte ihm Mitleid heischend ihre Arme entgegen, um ihm so diskret zu verstehen zu geben, dass eigenständiges Gehen angesichts der vorgerückten Stunde völlig indiskutabel sei.
„Dann würde ich sagen", er hob sie mitleiderregend seufzend auf seine Arme, „das erste Jahr unserer Ehe brachte viel Aufregung, viel Arbeit, viel Ungeplantes, viel Übelkeit..."
„Und gaaanz viel Glück mit sich!", vervollständigte Hermine die Zusammenfassung ihres schwarzseherischen Ehemanns gerne, bevor dem noch mehr Fürchterliches in den Sinn kam und schmiegte ihr Gesicht in seine Halsbeuge.
„Nun, auch das ist im Bereich des Möglichen", gab er mit einem frechen Grinsen zu, bevor ihm noch ein entscheidender Gedanke kam „Aber würdest Du nicht doch Einiges anders machen, wenn Du könntest?", fragte er und legte sie vorsichtig aufs Bett.
Hermine zog erstaunt die Augenbrauen hoch, „Was denn?"
„Nun, vielleicht eine andere Arbeitstelle wählen?", begann Severus mit etwas Unverfänglichem.
„Nein, ich finde meinen Job klasse!", kam es sofort. Gut! Das hatte er auch nicht anders erwartet.
„Und die Kinder?", das war schon deutlich brisanter, denn die waren ja wirklich gar nicht, oder aus ihrer Sicht gesehen, wenigstens nicht so schnell geplant gewesen und hatten zudem für vielerlei Planänderungen gesorgt. Aber auch da musste Hermine nicht lange überlegen, sondern antwortete fest,
„Auf gar keinen Fall, sie sind ein echtes Geschenk und ein wahres Glück!", ja, das sah er ebenso. Keine Frage!
„Gut Kinder und Job wären also auch nach wie vor Deine Wahl gewesen, aber was wäre eigentlich die Alternative gewesen?", wollte er nebenher wissen, als er sich nach einem kurzen Besuch im Bad neben sie legte und seinen Arm zärtlich um sie herum schlang.
„Die Alternative zu was?", murmelte Hermine und zog die Bettdecke bis zum Kinn, die Temperaturen waren mehr als mäßig.
„Na, die Alternative zu uns beiden und den beiden jungen Damen zwei Zimmer weiter", präzisierte ihr Mann und schob sich sein Kissen zu recht.
„Nun, da fallen mir zwei, drei Varianten ein", überlegte Hermine und kuschelte sich gähnend in seine Arme, „zum Beispiel hätten wir uns nach meiner Meisterzeit in Freundschaft trennen können."
„Ja, in der Tat", nickte er zögernd, wenig erfreut.
„Jeder von uns beiden hätte sein Leben gelebt. Eifrig gelehrt und geforscht, Freundschaften und Feindschaften gepflegt, Karriere gemacht. Hübsch getrennt, Du hier und ich in Edinburgh."
„Hm, vielleicht", stimmte er wieder zu, aber er war sich ziemlich sicher, dass er ohne sie in eine ganz andere Richtung gearbeitet hätte. Die dunkeln Künste hatten ihn immer stark angezogen und man konnte sich in ihnen so unglaublich leicht verlieren. Diese speziellen Forschungsergebnisse hätte er dann natürlich auch nicht veröffentlicht, ganz im Gegenteil. Die dunklen Künste gediehen nur im Dunkeln und Geheimen und so hätte wahrscheinlich auch nie jemand wirklich mitbekommen, dass er nicht nur als zwielichtiger Doppelspion, sondern auch als Tränkemeister einiges zu bieten hatte.
Ach ja, ohne sie wäre vieles anders verlaufen…
Er räusperte sich, schaute ihr tief in die Augen und sein Herz klopfte heftiger gegen seinen Brustkorb, als er sich langsam aber sicher auf den eigentlichen Knackpunkt zu bewegte, „Und wo kommt bei diesem Szenarium die Freundschaft ins Spiel oder wären wir dann nur sehr entfernte Freunde?"
„Die Freundschaft zwischen Dir und mir?", lachte Hermine leise auf, „Tja, die würde sich sicherlich in regelmäßigen Treffen und gemeinsamen Projekten ausdrücken." Sie grinste ihn schelmisch an, „Aber vielleicht gäbe es auch eine kleine, heimliche Daueraffäre, denn ich muss zugeben, dass ich Dich nun mal unglaublich anziehend finde, da wären mir gelegentliche gemeinsame Aktionen und freundschaftliche Treffen deutlich zuwenig gewesen. Die ein oder andere wilde Liebesnacht hätte ich auch dann nicht missen wollen."
„Hört sich doch nicht schlecht an", befand er mit einem kleinen zufriedenen Grinsen und küsste sie schnell.
„Nein, tut es nicht", nickte Hermine, bevor sie aber ein wenig von ihm abrückte und ihn ernst ansah „allerdings würde mir trotzdem etwas Entscheidendes fehlen!"
„Und das wäre?", horchte er auf.
„Einfach jemand, mit dem ich meinen Alltag, mein Leben teile", antwortete sie schlicht, „nicht nur gelegentlichen Austausch, nicht nur geplante, wohlüberlegte Treffen, nicht nur ein paar Abenteuer", ihr Blick wurde sehr intensiv, „ich liebe es mit Dir zu leben, Severus, auch wenn wir unterschiedliche Rhythmen haben, unterschiedliche Angewohnheiten und Bedürfnisse. Ich möchte morgens mit Dir aufwachen und meine Abende mit Dir verbringen, ich möchte mein Leben mit Dir teilen und will Teilhaben an Deinem und das jeden Tag."
„Ja…. Davor hatte ich damals ja die meiste Sorge!", murmelte er trotz aller Erleichterung und konnte den Blick nicht von ihr lassen.
„Das glaube ich Dir unbesehen, mein Lieber!", lächelte Hermine, „aber gib es zu, soo schlecht, wie befürchtet ist es dann doch nicht geworden."
„Nein, nicht ganz so schlecht", lächelte Severus zurück, bevor er wieder ernst wurde und eine weitere Variante der Zukunftsalternativen anführte, „Vielleicht hättest Du aber auch jemand anderen gefunden, der besser zu Dir und Deinem Rhythmus passt", wagte er einzuwerfen und er merkte doch schon, dass ihn allein der Gedanke zutiefst unglücklich machte.
„Ja, vielleicht", gab Hermine nachdenklich zu, „aber würde er dann auch sonst so gut zu mir passen", sie zog mit einem kleinen anrüchigen Grinsen die Augenbraue hoch.
„Vielleicht nicht, aber was ist mit dem Alter und den ganzen anderen Differenzen, zum Beispiel unsere unterschiedlichen spirituellen Ansichten?"
„Ich halte das Alter nach wie vor für unerheblich. Ob ich das in 50 Jahren noch so sehe, kann ich Dir natürlich nicht sagen. Bisher jedenfalls hat es mich noch nicht gestört", lachte sie, bevor sie ergänzte „und ich glaube ganz fest, dass Du ein sehr spiritueller Mensch bist, Severus Snape. Jemand der dermaßen verbissen nach Beweisen sucht, hat nur Angst vor seinem Glauben!"
„Wie bitte?"
„Denk an Deinen Glauben an Eileens Zauberkraft", warf Hermine ein.
„Das war kein Glaube, sondern zum Glück unbegründete Zweifel", stellte Severus klar.
„Sag ich doch, denn jemand kann nur Zweifel haben, wenn er auch einen Glauben hat!", erklärte Hermine schmunzelnd, „aber wie dem auch sei, mir macht das nichts. Zudem", gab sie zu bedenken, „schätze ich es sehr, dass Du nicht selten anderer Ansicht bist, denn dann forderst Du mich heraus, meinen Geist, mein ganzes Fühlen und Denken und das ist unglaublich bereichernd."
„Du erscheinst mir in der Tat unbelehrbar!", befand Severus und verwickelte sie kurz in einen ohne Zweifel sehr zufriedenstellenden Kuss.
„Ja, ganz gewiss!", gab Hermine sofort zu, als sie wieder Luft bekam.
„Und wie ist das jetzt mit dieser vermaledeiten Anfrage Deiner Ältesten?", wollte Severus wissen, als seine Frau mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen die Augen schloss, immerhin würde das morgen früh garantiert zur Sprache kommen, das wusste er genau! „Was sage ich ihr denn nun, wie das mit dem Glück ist und mit dem Leben nach dem Ja-Sagen?"
„Ach, Severus!", gähnte Hermine, „Ich meinte, das hätte ich bereits mehr als klar gemacht, aber wenn Du es noch mal ganz genau hören willst, dann frag mich morgen früh wieder, jetzt ist es zu spät und ich bin einfach zu müde." Als sie aber sein enttäuschtes Gesicht bemerkte, fügte sie schnell an, „Aber ich glaube mal, dass wir Eileen eine sehr zufriedenstellende Antwort geben können!"
„So, aha, nun gut", war Severus fürs erste zufrieden.
„Jawoll", stimmte Hermine zu, „da sieht man mal wieder, dass ein paar Stunden Couchnachhilfe mit praktischen Übungen wirkliche Wunder bewirken können!"
„Vergiss mal lieber nicht, wer hier Nachhilfe von wem brauchte", erinnerte Severus sie gerne.
„Ach ja", grinste Hermine und gab ihm einen Gutenachtkuss, „jetzt wo Du es sagst."
In der Tat, es waren wirklich schöne Erinnerungen, die sie sich beide in den letzten Stunden ins Gedächtnis gerufen hatten, egal wie viel Übelkeit und Sorge auch dabei vorkam, er wollte keine davon missen.
Obwohl er sich sicher war, dass ihnen bei längerer Betrachtung der Dinge noch viel mehr schöne, spannende, erheiternde oder bedeutsame Episoden in den Sinn gekommen wären. Aber das konnten sie ja vielleicht morgen Abend vertiefen, er hätte jedenfalls nichts dagegen. Wahrscheinlich brachte auch ein Ortswechsel, wie der Teppich vor dem Kamin, der Raum der Wünsche oder ihr Sommerhaus in Cornwall noch weitere aufschlussreiche Erinnerungen zu Tage.
Ha, das waren doch blendende Aussichten!
Aber nicht mehr heute, Hermine hatte recht, es war spät und der Abend war zwar sehr schön, aber eben auch anstrengend gewesen.
Und der neue Morgen kam viel zu schnell. Seine innere Uhr ließ ihn pünktlich gegen fünf Uhr erwachen und er nutzte die Zeit bis seine Frauen ebenfalls die Augen aufschlugen mit Körperpflege und einigen Vorbereitungen zu einem neuen Trankprojekt in seinem Labor.
Gegen sieben dann informierte ihn der Warnzauber, dass auch seine beiden Mädchen erwacht waren. Mit einem kleinen Lächeln wandte er sich zum Zimmer der beiden.
„Guten Morgen meine Damen!", wünschte er seinen Töchtern und sorgte mit einem Schlenker seines Zauberstabes für frische Luft und etwas mehr Licht.
„Morgen, Dad!", nuschelte Eileen noch deutlich verschlafen und reckte und streckte sich genüsslich. Diese Phase hatte ihre Schwester Sera wie immer schon lange hinter sich und hüpfte bereits auf ihrem Bett herum. Und als sie ihren Vater entdeckte, fiel sie ihm voller Freude um den Hals.
„Da bist Du ja endlich, Dad!", freute sich seine Zweitgeborene euphorisch, „Können wir heute in den Verbotenen Wald gehen."
„Was? Nein!", woher hatte dieses Kind eigentlich diese gute Laune und diese unmöglichen Ideen am frühen Morgen?
„Aber warum nicht?", fragte sie enttäuscht und schob ihre Unterlippe ein klein wenig vor.
„Warum denkst Du, dass er verbotener Wald heißt?", wollte ihr gestrenger Vater wissen und lockerte ihren festen Griff um seinen Hals, seine Gesichtsfarbe wechselte bestimmt gerade in ein ungesundes blau.
„Weil er gefährlich ist?", versuchte sie eine Antwort und gab ihm einen dicken, feuchten Kuss.
„Richtig!" nickte Severus, „Und daher ist er auch verboten!"
„Aber Du und Hagrid, ihr geht doch auch hin!", gab sie zu bedenken.
„Wir sind erwachsen und wissen, wie wir uns gegen die gefährlichen Wesen, die dort leben zur Not wehren können!", genau, nur den Übermut seiner Jüngsten hatte er nicht im Griff.
„Aber wenn Du doch mitgehst, kannst Du Dich doch auch für uns gleich mit wehren!", gab Sera noch lange nicht auf.
„Auch das geht nicht, denn Ihr habt gar keine Zeit für den Verbotenen Wald. Es gilt vielmehr einen reich gefüllten Tagesplan zu bewältigen", beendete Severus die Diskussion, „wie Du Dich sicherlich erinnerst, floht ihr heute morgen direkt nach dem Frühstück zu den Potters, denn Eure Mum muss mit Euch am Nachmittag Schuhe und diverse Kleidungsstücke kaufen, weil Ihr beide Euch trotz eindringlicher Ermahnungen standhaft weigert das Wachsen einzustellen."
„Ach ja", fiel es Sera wieder ein, „Aber ich habe mich echt bemüht nicht größer zu werden, Dad, und die Sandalen passen auch noch, sie sind nur ein bisschen kaputt."
„Genau, eine von Euch beiden weigert sich zudem standhaft pfleglicher mit ihren Sachen umzugehen."
„Ja, Eileen", kicherte Sera, was ihr einen gut gezielten Schlag mit dem zweiten Kopfkissen ihrer großen Schwester bescherte. Eine prima Vorlage für eine morgendliche Kissenschlacht fanden die Mädchen, wenn da nicht der vorwurfsvolle Blick ihres Vaters gewesen wäre.
„Grandpa sagt, dass die Dinge heutzutage nicht mehr so gut hergestellt werden, wie früher und darum schneller kaputt gehen", half Eileen ihrer wilden Schwester.
„Richtig und Mums Reparaturzauber halten auch nicht mehr so gut wie früher!", ergänzte Sera mit treuem Gesichtsausdruck.
„Na, ich denke eher, dass Du einfach zu viel Kraft und zu viele verrückte Ideen hast, diese Kombination hält kein Schuh, keine Hose und kein Reparaturzauber auf Dauer aus", war sich Severus sicher.
„Wenn wir heute einkaufen gehen, dann können wir doch morgen in den Verbotenen Wald!", kam Sera ein neuer Gedanke.
„Nein, auch das geht nicht", schüttelte Severus entschieden den Kopf, dieses Kind gab wirklich nie auf, „denn morgen flohen wir alle nach London, die Patentante Deiner Mutter weiht ihr neues Büro in der Londoner City ein und nach der Einweihungsparty gibt es anschließend bei Grandpa und Grandma Tee und Kuchen!"
„Jippi, das ist ja fast genau so gut wie der Verbotene Wald!", freute sich Sera, sie liebte Kuchen.
„Ja und Tante Martha hat bestimmt viele tolle Geschichten von tollen Häusern und fernen Ländern zu erzählen", murmelte Eileen hoffnungsvoll, denn Tante Martha war eine gefragte Architektin, die zudem spannend und bildreich erzählen konnte.
„Bestimmt, sie war immerhin für ein halbes Jahr auf dem Mond", wusste Sera.
„Nein, sie war nicht auf dem Mond", korrigierte Severus sie und nötigte sie endlich seinen Hals zu verlassen und ins Bad zu gehen, „sie war im Jemen."
„Grandma sagt, dass wäre fast wie auf dem Mond", grummelte Sera, ihr gefiel es nämlich stets sehr gut auf Dads Armen und sie zog dramatisch eine kleine Schnute, ließ sich dann aber doch mit großem Seufzen an ihm herab gleiten und trottete mit ziemlich wenig Begeisterung zum Zähneputzen.
„Willst Du nicht auch aufstehen?", fragte Severus Eileen und schaute seine Älteste verwundert an, die es sich gerade wieder in ihren Kissen gemütlich machte.
„Nein, ich will erst eine Antwort auf meine Frage", grinste sie und rückte zur Seite, damit ihr Dad auf der Bettkante Platz nehmen konnte „immerhin hast Du doch mit Mum eingehend darüber beraten, oder?"
„Woher willst Du das wissen?", zog Severus alarmiert die Augenbrauen in die Höhe, nicht dass Hermines Zauber ein Leck hatte. Nicht auszudenken!
„Weil noch bis ganz spät in der Nacht im Wohnzimmer Licht brannte", antwortete Eileen wie aus dem Zauberstab geschossen und ein freches Grinsen umspielte ihre Lippen, sie kannte ihren schamhaften Vater eben auch ganz genau.
„Ich hatte noch das ein oder andere mit Deiner Mum zu besprechen, da kann es natürlich sein, dass wir auch über Deine Frage gesprochen haben", gab Severus würdevoll zu.
„Und was hat sie gesagt?", sah sich Eileen zufrieden bestätigt und schaute ihn aufmerksam an.
„Das es nach dem Ja-Sagen noch viel, viel besser wird, als vorher je zu vermuten war!", antwortete Hermine an seiner Stelle von der Türe aus, zog mit einem großen Gähnen den Gürtel ihres Morgenmantels enger und band ihr widerspenstiges Haar zu einem Zopf zusammen.
„Echt, ist das so?", fragte Eileen gespannt und freute sich sichtlich, als ihre Mum sowohl ihr, als auch ihrem Dad einen „Gute-Morgen-Kuss gab und sich anschließend genüsslich auf dem Schoß ihres Dads niederließ.
„Alles in allem betrachtet, ist an dieser Aussage nichts zu bemängeln", nickte Severus ebenfalls und schlang aus sicherheitstechnischen Gründen seine Arme um die schmale Hüfte seiner Frau, nicht dass die herunterfiel, „Allerdings ist es nicht so, dass alles, was nach dem Ja-Sagen kommt, immer nur erfreulich und rosarot wäre!"
„Nein", bestätigte Hermine und lehnte sich an seiner Brust an, „ganz gewiss nicht, aber das wäre ja auch stinkend langweilig!"
„Wahrscheinlich", stimmte ihr Gatte zu.
„Höchstwahrscheinlich", korrigierte ihn seine manchmal ziemlich besserwisserische Frau, „gerade das es eben nicht immer nur leicht ist, macht es richtig gut. Man muss alles miteinander teilen, nicht nur die Sonnenseiten, sondern auch das, was überraschend, ungeplant über einen hereinbricht, was nicht sogleich gelingt, was schwer ist oder auch was einem völlig gegen den Strich geht."
„Genau! Und das Leben spielt sich ganz bestimmt nicht nur auf dem Sofa ab!", präzisierte Severus vorsorglich und küsste möglichst unbemerkt den weichen Nacken seiner Frau.
„Denn stell Dir vor, Eileen", ergänzte Hermine, „wir hätten nur auf dieser Couch herumgelegen, dann wären wir träge und fett geworden."
„Und dann hätten wir Dich und Sera auch nie bekommen", ergänzte Severus.
„Richtig und ich hätte nie in Edinburgh anfangen können", zählte Hermine weiter auf, „Dein Dad hätte seine Schüler nicht mehr quälen können und auch sonst wäre das Leben ganz schnell eintönig und trostlos geworden."
„Aber die Couch ist trotzdem nicht schlecht, oder?", grinste Eileen.
„Nein, das ist sie ganz und gar nicht", antwortete Hermine schnell, bevor ihr Mann sich wieder über die Qualität ihres Sofas auslassen konnte, „darum kehren wir auch immer mal wieder dahin zurück. Das ist auch der Grund, warum jeder Mensch einen Ort braucht, wo er zuhause ist, wo er hingehört."
„Und wir gehören hierher!", erkannte Eileen mit leuchtenden Augen.
„Ja, das tun wir, hier sind wir zuhause, das ist sozusagen unser Basislager von dem aus wir wilde Abenteuer bestehen und zu ruhmreichen Taten aufbrechen!", erklärte Hermine mit leuchtenden Augen.
„Was für ruhmreiche Taten?", wolle Sera interessiert wissen, die gerade ihren Mund abwischte und aus dem Bad kam.
„Die ruhmreichen Taten eines tollkühnen Zauberers und einer schlauen Hexe natürlich!", wusste Hermine und reckte ihren Arm theatralisch in die Luft, „Freiheit und Abenteuer, Ruhm und Reichtum! Darum müssen sich auch alle Granger-Snapes sogleich für das nächste Abenteuer rüsten!"
„Das Einkaufabenteuer?", fragte Sera vorsichtig.
„Ja, das auch, aber wer weiß, vielleicht wird völlig unerwartet aus dem Hoseneinkaufstag ein gewaltiges Abenteuer!", entgegnete Hermine mit geheimnisvoller Stimme, schnappte sich ihre Jüngste, um sie kurz aber liebevoll zu knuddeln.
„Ja, meine Damen, in dieser Familie muss man immer bereit zur nächsten gewagten Unternehmung sein", stimmte Severus mit einem tiefen Seufzen zu, „denn seitdem ich Eure Mutter näher kennenlernen durfte, musste ich deutlich mehr Abenteuer bestehen, als ich mir je erträumt hatte", er gab ihr einen sehr kleinen Kuss, „vor allem kommen sie immer so überraschend!"
„Spontaneität und Kreativität sind eben wichtige Eigenschaften!", freute sich Hermine, stellte Sera wieder auf ihre Füße und klatschte froh in die Hände, „So und nun macht Euch alle endlich fertig, denn sonst sind sämtliche Schuhe, Hosen und Pullover in ganz Edinburgh ausverkauft!"
„Aber Mum, da gibt es doch Millionen von Schuhen und Hosen und Pullover", schüttelte Sera nachsichtig den Kopf, ihre Mutter übertrieb manchmal ziemlich.
„Ja, aber was ist mit denen, die Du gerne hättest?", gab sie zu bedenken.
„Ich will welche mit Blumen drauf! Und ein Shirt mit rosa Herzen!", rief Sera aufgeregt, „Für Dad können wir auch etwas Hübsches mitbringen!", eine Ankündigung, die bei ihrem Vater für ein erschüttertes Augenrollen sorgte.
„Sehr gute Idee, Sera, wir bringen ihm rote Ringelsocken mit, die passen sehr gut zu seinen schwarzen Hosen", kicherte seine alberne Frau.
„Klasse", lachte auch Eileen und schwang nun endlich ihre Beine aus dem Bett, „Aber ich habe letzte Woche in einem Schaufenster ein schwarzes Kaputzenshirt gesehen mit einem riesigen Totenkopf drauf, das wäre auch nicht schlecht."
„Nein, auf Totenköpfe steht er seit einigen Jahren nicht mehr so sehr", verwarf Hermine diese Idee wieder.
„Und auf Schlangen ebenfalls nicht", wusste Eileen.
„Wir könnten vielleicht Tante Molly bitten ihm einen Pullover zu stricken, in grün mit dem Schriftzug: Achtung meistens giftig", fiel Hermine noch ein.
„Danke, danke, meine Damen, aber ich erwerbe meine Kleidung entweder bei Madam Malkin oder bei Misses Willoughby, aber vor allem lieber alleine", entschied Severus schnell, bevor diese Verrückten auf noch schlimmere Gedanken kamen und warf seine freche Frau von seinem Schoß, um für das Frühstück zu sorgen.
„Schade, dann bleibt es wohl beim Einheitsschwarz in Deinem Kleiderschrank", kicherte Hermine.
„Es muss doch irgendwas geben was bleibt", zuckte Severus arrogant mit der Schulter, „so wie die Couch, von der willst Du Dich ja auch nicht trennen!"
„Auf gar keine Fall", lachte Hermine und machte sich auf, um sich anzuziehen.
Ja, er wollte es auch auf gar keinen Fall anders haben.
Diese drei Frauen in seinen Kerkern brachten ihn zwar um den Verstand und raubten ihm manchmal jeglichen Nerv, aber sie waren das ganz große Glück seines Lebens und wenn es nach ihm ging, dann konnte wirklich alles so bleiben wie es war und unter seiner und Hermines ganz persönlicher Geschichte durfte ebenfalls stehen: Und sie lebten glücklich und zufrieden, bis ans Ende ihrer Tage!
Oh, das würde ihm gut gefallen!
Sehr, sehr gut gefallen!
In der Tat!
-ENDE-
