Hya!

Diesmal findet sich Bella in so einer Art Bewerbungsgespräch wieder und kann es nicht so recht glauben!

liebe Grüße

Tali

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Alice PoV

OHHH ich liebe die Vorweihnachtszeit!

Immer wieder kommen Kinder in ihren Träumen hierher und wir zeigen ihnen unser wunderschönes Städtchen.

Außerdem zaubert Liam jetzt alle die Leckerein, die wir uns das ganze Jahr aus seinen Kreationen ausgesucht haben.

Im ganzen Haus riecht es nach Orangen, Äpfeln, Zimt.

Ich liebe es mit diesem Geruch aufzuwachen. Auch wenn meine lieben Brüder mich immer wieder damit aufziehen.

Und heute weiß ich, dass ein guter Tag ist.

Ich weiß es einfach.

Kate und ich sind heute damit beauftragt, die verirrten Wunschzettel einzusammeln, die auf Grund ungenauer Adressangaben oder Unleserlichkeit nicht in unserer Poststelle angekommen sind, sondern irgendwo in Christmas Town herum fliegen.

OHHHH! Siobhan trägt das neue dunkelblaue Kleid, das ich für uns entworfen habe.

„Du siehst aus wie ein Weihnachtsengel!"

Lachend dreht sich Sio für mich. „Das hast du toll gemacht.", lobt sie.

Der Geruch des frischen Kaffees lockt nach und nach alle an.

Häufig übernimmt Siobhan die Küche, wenn es ums Frühstück geht, denn Liam ist oft schon so mit neuen Ideen beschäftigt, dass es ihn nur aufhalten würde.

„Wo hast du deinen Mann gelassen?", flüstere ich ihr über die Theke zu.

„Er schläft noch. Liam hat bis heute Morgen um drei an einem Menü getüftelt."

Deswegen auch dieser Mundwässernde Geruch die Nacht hindurch.

Gerade häuft sie gebratenen Speck, Orangen und Ei auf zwei Teller, füllt eine große Thermoskanne mit Kaffee und eine weitere mit frischem Ingwertee.

Wenn es eine Weihnachtsmutter gäbe, dann ist sie die Vorlage dafür, auch optisch, mit ihrer kurvigen Figur, dem warmen Funkeln und ihrer Fürsorglichkeit.

Sie streicht Edward liebevoll durchs Haar, als sie ihm Kaffee und Pfannkuchen vorsetzt.

Mein lieber Bruder plagt sich seit Wochen mit unserer unbesetzten Stelle herum.

Man könnte nach tausenden Jahren unsere Effektivität anzweifeln, oder den Mythos Weihnachten gänzlich zerstören, wenn wir nicht langsam einen Ersatz finden.

In Edwards Haut will ich gerade wirklich nicht stecken, aber muss er deswegen seit Tagen schlechte Laune haben?! Es ist doch bald Weihnachten! Yippie!

Ich freue mich so unfassbar auf das Fest und zu aller erst auf den heutigen Tag.

Es wird etwas Gutes passieren!

„Wohin willst du mit dem Tablett?", blicke Sio fragend an. Ich habe Emmett gerade gehört und wenn wir nicht wollen, dass unser Teddy sich gemeinsam mit Jake durch unsere Vorräte frisst, dann sollte jemand da sein, der ihm Einhalt gebietet.

„Garrett und Santa sind heute Morgen schon in den Schnee gegangen, um die Rentiere auszuwählen. Sie werden Hunger haben. Und die beiden werden die Zeit vergessen und das Essen und wenn sie heimkommen, wird Kate Garrett zwingen wenigstens einen kurzen Stopp in der Küche zu machen. Und Santa wird vorgeben, zu viel zu tun zu haben und im Büro verschwinden. Ohne etwas gegessen zu haben!"

„Lass mich. Kate und ich müssen eh gleich losgehen. Und Garrett freut sich bestimmt, wenn sie vorbei kommt."

Es ist schon unglaublich, dass die beiden sich noch gefunden haben, nachdem sie Jahrhunderte miteinander gestritten haben. Vor zehn Jahren erst haben sie festgestellt, dass sie das alles nur gemacht haben, weil sie einander lieben. Ach, so schön.

Und da wir Elfen aufhören zu altern, haben sie nun ihr Leben lang etwas voneinander. Wie schön.

Katrina liebt ihren Mann. Weil er nicht vor ihr kuscht und immer dieses herausfordernde Funkeln im Blick hat. Garrett ist ein Abenteurer und hat Ecken in unserer wunderschönen Winterwelt entdeckt, die vor ihm niemand kannte.

Kate ist ebenso abenteuerlustig, auch wenn ihr liebreizendes Äußeres darüber hinweg täuscht. Sie passen perfekt zusammen.

Auch wenn Elfen Teleportieren können, ist es gar nicht so leicht, die beiden Männer ausfindig zu machen.

Sie machen gerade einen riesen Krawall um heraus zu finden, welches Tier für die Schlittenfahrt an den Weihnachtstagen geeignet ist.

Ihre Wangen und Nasen sind vor Kälte rot, ein Zeichen, wie lang sie schon hier sind.

Kate und Garrett necken sich, ich lächele Santa an und erkundige mich höflich, ob denn schon Entscheidungen gefallen sind.

Ich kann verstehen, dass sich alle Kinder einen dicken, bärtigen und hochzufriedenen alten Mann vorstellen. Immerhin unterstützen wir diese Idee seit Menschengedenken.

Die Realität, weicht ein winzig kleines bisschen davon ab.

Ich liebe Weihnachten und möglicher Weise bin ich in Santa Claus verliebt.

Nachdem Kate und ich zwei Säckchen voll von Weihnachtspost aufgelesen haben, unser Gebiet für heute abgearbeitet ist, weiß ich einfach, dass heute noch etwas Gutes passieren wird.

Auch wenn meine Brüder, Edward und Emmett, der hoffentlich einen neuen Baum für die große Halle besorgt hat, immerhin haben er und Jacob den anderen gestern beim Toben niedergerissen, mich mit meiner Vorahnung aufgezogen haben.

Santa, Garrett und Kate lächelten nur, als ich ihnen davon erzählt habe. Santa, weil nie ein missgünstiges Wort über seine Lippen ginge, Garrett, weil er selbst Zeuge meiner Vorahnungen geworden ist und Kate, weil sie meine Freundin ist.

In den letzten Metern gehen Kate und ich zu Fuß. Wir rücken einige verrutschte Zuckerstangen und Lebkuchenbäumchen wieder gerade.

Peter und Eleazar verteilen gerade Futter im Schnee, damit unsere Tiere auch wirklich etwas finden.

Das wäre gar nicht nötig, wenn Caius nicht versuchen würde, seinen Cousin aus dem Amt zu drängen. Und es gibt wohl einige Klauseln im Vertrag von Christmas Town und „Being Santa Claus", die es ihm ermöglichen könnten.

Dieser blöde Grinch Caius. Er wird uns irgendwann noch Weihnachten stehlen.

Eine dieser Klauseln besagt, dass unsere Besetzung lückenlos zu sein hat, doch bisher haben wir keine passenden Bewerber gefunden.

Wir sind das letzte Jahr auch problemlos damit durch gekommen, bis Aro, einer von Caius Freunden, dem Santas Einfluss auf die ganze Welt nicht passt, festgestellt hat, dass wir ein Elf weniger sind, als in den Jahren davor.

Und wenn wir keinen Bewerber finden, müssten wir einen ihrer angebotenen Mitarbeiter nehmen oder uns auf ein Verfahren einstellen.

Ja, auch Santa Claus unterliegt solch banalen Regeln.

„Alice?", Kate reißt mich aus meinen Gedanken. „Sieh mal. Das ist keiner von uns."

Sie deutet in eine Schneewehe am Rand, unweit von unserer Zentrale.

Dort springt so eben eine junge Frau aus dem Schnee empor.

OHHH ich wusste, es würde etwas Gutes passieren! Ich wusste es einfach!

„OHHH KATE!", ich klatsche aufgeregt in die Hände. „Uiii, sie ist es! Ich wusste es! Yipiiee! Ich habe doch gesagt, es wird geschehen! Und das noch bevor es dunkel wird. Hm, na ja, in dunkler, finsterer Nacht hätte es mehr Flair gehabt, aber na ja, jetzt ist es eben noch hell, es wütet auch kein böser Schneesturm…"

„Noch nicht. Du weißt, dass Caius Schnee machen kann. Und er wir wieder einen Sturm über Christmas Town hinweg schicken. Das weiß ich ganz genau."

Beide beobachten wir die junge Frau, die scheinbar Orientierungsschwierigkeiten und Gleichgewichtsprobleme im Schnee hat.

„Bist du dir sicher, dass sie die Richtige ist?"

„Sie ist Bella. Sie IST die perfekte Besetzung für die freie Stelle! Vertrau mir!"

Auch wenn sie grässlich angezogen ist. Aber das wird sich hier ja Santa sei Dank ändern.

„Du kannst sie essen, wenn du möchtest. Sie sind echt.", rufe ich ihr zu, als sie die Zuckerstangen am Wegrand begutachtet.

Erschrocken wirbelt sie zu uns herum und verliert beinahe das Gleichgewicht.

Sie zieht sich den Schal fester um den Hals und wieder einmal frage ich mich, ob wir die Kälte anders wahrnehmen, als die Menschen. Denn im Moment frieren weder Kate, noch ich selbst.

„Du bist Bella, richtig?", erkundige ich mich. „Kate, sie ist es! Wir haben noch gar nicht mit dir gerechnet!"

Kate blickt mich an. „Sie ist spät dran, dass weißt du genauso gut wie ich, Alice."

Doch mit einem Mal lächelt Kate und ihre ganze Erscheinung leuchtet.

„Hallo. Mein Name ist Kate und das ist Alice. Und du bist tatsächlich Isabella?"

„Bella!", korrigieren Bella und ich zeitgleich. Ich kann es nicht fassen.

„Du magst es auch nicht, wenn man dich mit deinem vollen Namen anspricht.", sehe ich mich gezwungen, Kate zu Recht zu weisen.

„Ja, so heiße ich. Wo genau bin ich? Seid ihr auf dem Weg zu einer Weihnachtsfeier?"

Kate und ich sehen uns an. Wir tragen unsere Elfenkleidung. Einen roten Mantel mit grüner Verzierung, darunter stehen unsere roten Röcke hervor, um unsere Beine winden sich zuckerstangenfarbene Strumpfhosen, und unsere Stiefeletten sind grün und warm.

„Oh nein, das ist Dienstkleidung.", erklären wir. „Du bist am Nordpol. Aber komm mit, es wird bald dunkel und es soll heftig schneien!", Kate.

Ich ergreife ihren Arm und hake mich ein, um sie in die richtige Richtung zu lenken.

„Nordpol? Ja klar, und ihr seid wirklich Weihnachtselfen und wir besuchen jetzt den Weihnachtsmann!", Bella. Oh ungläubige Bella.

„Richtig!"

Isabella PoV

Und an der Tür, vor der wir stehen bleiben steht tatsächlich:

SANTA CLAUS

CEO

CHRISTMASTOWN

NORTH POLE

Alice strahlt über das ganze Gesicht. Auch ich komme nicht umhin, mich mit ihr zu freuen, sie ist infektiös. Noch ein Grund mehr, dass ich nicht ganz bei Sinnen sein kann.

„Und was passiert, nach dem ich Santa getroffen habe? Treffe ich das Christkind? Aber Alice, wenn Rosalie wirklich das Christkind ist, würde ich das lieber überspringen und direkt wieder nachhause gehen."

Wieder lacht Alice ihr glockenhelles mitreißendes Lachen.

„Du hast keinen Spaß an der Vorfreude kann das sein, liebe Bella?", verstehe nicht, ob Alice auf irgendetwas anspielt.

Wenn sie fragen möchte, ob ich mich an Weihnachten genauso freue, wie sie? Nein. Für mich ist Weihnachten immer stressig. Ich hasse das elende Gedränge in den Geschäften, die Meldung in Onlineshops, dass es erst nach Weihnachten wieder lieferbar ist, das gezwungene Beisammensein von Freunden und Familie. Deswegen kam es mir vor zwei Jahren gelegen, dass ich in an der Uni in Seattle angenommen wurde und so von Arizona wegzog. Und es ist gar nicht so schlecht, dass Dad ein gebrochenes Bein hat, denn er ist so wie ich gern allein. Rene, Mom, hingegen, lädt grundsätzlich Freunde und Verwandte ein und macht ein riesiges Festessen. Was inzwischen eine Cateringfirma organisiert, denn Rene und die Küche stehen seit ich denken kann auf Kriegsfuß. Das endete früher immer in verbranntem Toast unterm Baum.

Und bei Dad gibt es nur uns und das, was ich kochen werde.

Also nein, ich breche nicht in haltlose Freude aus, wenn das erste Weihnachtslied im Radio läuft.

Bevor Alice ihre kleine Faust zum Klopfen auf die Tür legen kann, öffnet ein junger Mann mit zersausten bronzefarbenen Haaren.

„Alice, was will…", als er mich ansieht, kann ich die Erschöpfung in seinen grünen Augen sehen.

„Das ist Bella. Wir wollen zu Santa und du solltest schön mitkommen, Brüderchen. Bells, das ist Edward, mein kleiner Bruder.", nun, kleiner als Alice war er wirklich nicht.

Während Edward und ich uns entgeistert anstarren, drängelt sich Alice an ihrem Bruder vorbei.

„Du musst schon Platz machen, damit Bells hereinkommen kann.", ermahnt Alice.

Edward schüttelt irritiert den Kopf, macht zwei Schritte nach hinten, so dass ich auch eintreten kann.

Okay. Jetzt bin ich also im Büro des Weihnachtsmanns.

Es ist so, wie ich es mir immer vorgestellt habe.

Es ist wohlig warm, in Erdtönen, mit schweren Eichenmöbeln. Im Kamin knistert ein Feuer.

Strümpfe sind daran befestigt. Es riecht nach Tannengrün, ah da, ein kleiner Weihnachtsbaum.

Über all stehen Schalen mit Obst und Nüssen, aber auch Gebäck. Am Baum hängen Engel, Kugeln, Lebkuchenmänner.

Auf einem großen Mahagonifarbenen Schreibtisch steht ein ansehnliches Lebkuchenhaus.

„From Lucy to Joul", steht auf einem Zettel der am Schornstein befestigt ist. Wenn ich mich recht entsinne, hat Santa in vielen nordischen Ländern einen Namen der mit „Joul" oder ähnlichem beginnt.

Wie süß, dass Santa die Geschenke von Kindern so liebvoll behandelt.

Frage mich, ob eines der Bilder die ich als Kind gemalt habe, auch in Christmas Town zu finden sein wird.

Herrje, jetzt glaube ich den ganzen Spuk schon selbst. Es gibt Santa Claus nicht.

Edward führt uns näher an den großen Schreibtisch, Alice dreht sich suchend im Raum um.

Mit einem Mal weht ein kühler Wind herein, als ich eine Glastür öffnet, die nach draußen in den Schnee führt.

„Verzeiht mir, aber die Rotkehlchen gaben keine Ruhe, bis sie etwas zu essen bekommen haben.", die Stimme ist weich und warm. Tief und wohlig, wie eine tröstende Umarmung. Ich fühle mich gleich beruhigt, sicher. Blicke den Mann an, der sich Schneeflocken aus den blonden Haaren schüttelt. Er ist größer als Edward. Etwas muskulöser gebaut, wie mir auf den ersten Blick erscheint, als er seine gefütterte Strickjacke aussieht, über den großen Bürosessel hinter dem Tisch hängt. Auf dem Tisch steht ein Schild mit der Aufschrift Santa Claus.

Er reicht mir die Hand, lächelt Alice an und wendet seinen Blick dann Edward zu. Fragend.

Alice' Wangen überzieht dieselbe Röte wie in Liams Küche, doch in diesem wohligen Licht sieht sie noch hinreißender aus.

Edward schüttelt nur den Kopf und zieht einen Stuhl herbei.

Ed macht eine ausladende Handbewegung in die Richtung von Alice und mir.

Der blonde Mann an Santas Schreibtisch wendet seine Aufmerksamkeit lächelnd Alice zu, mit einer unfassbaren Intensität eines Azurblauen Augenpaars.

„Alice, was können wir an diesem verschneiten Abend für dich tun?"

„Habt ihr alle Rentiere zusammen?", sprudelt es aus Alice heraus, als habe sie meine Anwesenheit völlig vergessen.

Der Mann nickt schmunzelnd, blickt mich freundlich an. In meinen Gedanken blitzen Bilder meiner Kindheit auf. Als Kind war ich Felsenfest davon überzeugt, dass ich Santa beim Verteilen der Geschenke erwischt hatte und er mit mir gesprochen hat. Diese azurblauen Augen…

„Das ist Bella.", berichtet Edward.

„Bella. Bella, Bella…?", er scheint darüber nach zu denken, ob er meinen Namen bereits gehört hat.

Alice starrt mich mit weit aufgerissenen Augen an, bevor sie wieder in ihre Frohnatur verfällt und vom Stuhl aufspringt.

„Eigentlich Isabella. Isabella Swan!", gut, jetzt bin ich verwirrt. Ich habe ihr nicht gesagt, wie mein Nachname ist.

Edward lächelt amüsiert, als habe er meine Gedanken gehört und verkneife sich eine Antwort.

„Oh, dann ich Charlie Swan dein Vater? Es freut mich, dass sein Wunsch so verfrüht in Erfüllung gegangen ist.", antwortet der Mann hinter Santas Schreibtisch.

Ich werde wahnsinnig. Woher weiß dieser Mann von meinem Dad?!

„Verzeih bitte, wie unhöflich.", der Blonde erhebt sich und reicht mir erneut die Hand, haucht einen Handkuss auf meinen Handrücken.

„Santa Claus, sehr erfreut."

OKAY. Jetzt kann ich mich nicht mehr halten.

Der junge Mann vor mir, der höchstens – allerhöchstens- aussieht wie 25 will mir erzählen, dass er der dicke Mann mit Bart ist. Ich breche in schallendes Gelächter aus.

Doch keiner der drei Anwesenden lacht mit mir, sie grinsen sich nur an.

„Unsere Marketing Abteilung arbeitet hervorragend. Ist es doch das Image des netten älteren Herren, wahlweise mit weißem Rauschebart, dass die Kinder glücklich macht. Außerhalb der Weihnachtszeit nennt man mich Jasper. Jasper Claus. Immer noch sehr erfreut, Bella Swan."

Jasper. Damit kann ich arbeiten.

„Du bist doch nicht wirklich Santa Claus?"

„Doch, seit fast 400Jahren."

„Und davor?", so leicht entwischt er mir nicht.

„Mein Großvater. Der hatte zumindest einen weißen Bart. Wenn auch nicht ganz so rauschend, wie in eurer Vorstellung."

„Wie kommt es, dass Kinder die glauben, sie hätten dich gesehen, einen dicken Mann mit Bart sehen?"

„Was glaubst du, Bella? Wen hast du gesehen, als du auf mich gewartet hast? Damals, ein Jahr bevor du mit deiner Mom nach Arizona gezogen bist?"

Starre ihn an. Wie kann er das wissen?

Ich muss eine ganz üble Kopfverletzung haben.

„Alle Kinder sehen den Santa, den sie sehen wollen. Ich ziehe mir den roten Anzug an, alles andere ist die Magie ihres Glaubens. Deine Freundin Jessica hätte in jener Nacht einen etwas anderen Santa gesehen. Angelas Vorstellung weicht auch in einigen Details von deiner Idee ab."

„Du bist nicht Santa!", als ich aufspringe, stoße ich gegen die Tischplatte und verliere beinah das Gleichgewicht. Nur knapp verfehle ich das schöne Lebkuchenhaus auf dem Tisch, weil Edward mich ins Gleichgewicht zieht.

Bisher habe ich nur Fröhlichkeit und Wohlwollen in ihren Gesichtern gesehen, doch als das Häuschen in Gefahr war, stand ihnen allen der Schreck bis zum Hals.

In Jaspers Gesicht sogar blankes Entsetzen. Doch er ist auch der erste, der sich wieder im Griff hat.

„Setzen wir uns.", weist er uns an.

„Wieso bist du hier?", Edward, immer noch etwas ungehalten.

„Brüderchen.", setzt Alice an. „Du hast doch sicherlich schon davon gehört, dass ich die perfekte Besetzung für unsere freie Stelle habe."

„Alice, du meinst doch nicht etwa…!"

Jasper sieht mich über den Tisch an, während sich die beiden Geschwister anstarren.

„Du möchtest also Jule- Ma werden?"

„Ich weiß gar nicht was das ist. Und auch nicht, wie ich hierher, also nach Christmas Town gekommen bin. Hör zu: Wenn du Santa Claus bist, wünsche ich mir dass ich aufwache und wieder zuhause bin. Okay?!"

Jasper lächelt verschwörerisch.

„Jule-Ma bedeutet Weihnachtsmutter, Santas Mutter. Manche glauben, dass sie die Werkstätten verwaltet.", dafür fällt mir sofort Siobhan als Stereotyp ein. „In Russland wird sie Snegurotschka genannt, das Schneemädchen, die Enkelin von Ded Maros."

Blicke Jasper gebannt an. Geschichten kann er hervorragend erzählen.

„Bis zur letzten Weihnacht hat Esme diese Figur verkörpert, doch dann… fand sie eine andere Wirkungsstätte. Nun suchen wir Hände ringend nach einem neuen Schneemädchen, meiner Jule-Ma."

Zum Schneemädchen kommt mir das Mädchen mit den Ringellocken in den Sinn. Nessie hat Alice sie genannt. Und wenn sich Maggie ihr wildes Haar zähmen würde, auch sie.

Und die Weihnachtsmutter ist für mich eindeutig Siobhan.

„Nessie hat eine Aufgabe. Sie bringt die ersten Schneeglöckchen und Krokusse. Und Maggie malt die Eisblumen auf unsere Scheiben. Siobhan ist die Eismutter, kann also auch nicht eine weitere Funktion übernehmen.", erklärt Edward.

„Was ist eine Eismutter?"

„Sie ist so eine Art Frau Holle, sie macht Schnee. Allerdings braucht sie für den Winter die anderen Eisheiligen. Maggie ist Liams kleine Schwester.", erläutert Alice.

„Komm schon Bells, gib dir ein bisschen Mühe, es ist der tollste Job am Nordpol zu arbeiten! BEI SANTA CLAUS!", Alice' Augen leuchten, wie bei Kindern am Weihnachtsmorgen.

Mir fällt auf, dass sie längst dazu übergangen ist, meinen Spitznamen zu benutzen.

Wieder ist es Jaspers samtige Stimme, die alle Aufmerksamkeit auf sich lenkt.

„Bist du dabei, Bella?"

Ich will protestieren, ich habe Charlie versprochen mit ihm Weihnachten zu verbringen, aber da ich Träume oder im Koma liege oder was auch immer und das alles nicht wirklich ist, nicke ich, ergreife Jaspers ausgestreckte Hand.

„Edward wird dir Morgen alles erklären und den Vertrag mit dir durch gehen. Alice, würdest du Snow ihr Zimmer zeigen? Bis dein Haus Einzugsbereit ist, natürlich."

Ich bin immer noch perplex, als Alice mich hinaus schiebt.

Sie war unnatürlich schweigsam, in Santas Büro. Nun sprudelt es nur so aus ihr heraus.

„Alice, wieso ist es so wichtig für euch, dass es diese Weihnachtsmutter gibt?"

„Wir sind ein Familienbetrieb, Bells. Was erzählen wir den Menschen, wenn eine ihrer Figuren nicht zum Fest erscheint?", ich habe das Gefühl, dass es nicht die ganze Wahrheit ist. Aber ich werde Edward morgen danach fragen, sollte ich nach dem Aufwachen noch immer „hier" sein.

Blicke aus einem Fenster, die Nacht liegt nun über dem Schnee und tatsächlich wütet draußen ein Schneesturm.

„Wo ist diese Esme eigentlich? Und was hat es mit diesem Lebkuchenhaus auf sich? Ich habe wirklich gedacht. Jasper kriegt einen Herzinfarkt!"

Alice's blaue Augen büßen einen Moment ihren Frohsinn ein, doch dann legt sie ihren Schalter wieder um und lächelt.

„Es heißt Santa. In der Vorweihnachtzeit bis zum 8. Februar nennen wir ihn Santa. Erst dann wieder Jasper. Ja. Esme war Snegurotschka in den letzten 276Jahren. Sie ist fantastisch. Auch als Weihnachtsmutter. In dem Punkt haben sie, Sio und Carmen eine Menge gemeinsam. Aber wieso sie letztes Jahr weggegangen ist, ist eine sehr lange Geschichte. Sie ist auch schön. Für Esme.", Alice lächelt melancholisch.

„Also, ich habe Zeit."

Alice lacht kurz. „Aber ich nicht, ich habe morgen früh wieder Arbeit. Frag doch Eddie, wenn er dir morgen alles zeigt.", es klingt beinahe verschwörerisch, wie Alice von ihrem Bruder spricht.

Als wir an meinem weihnachtlich dekorierten Zimmer, es hätte nicht anders sein können, ankommen und Alice mir entwischen will, fällt mir rechtzeitig das Christkind wieder ein.

„Erzähl mir die Geschichte!", fordere ich.

Alice lächelt milde.

„Rosalie ist in deinem Verständnis sicherlich das Christkind. Die blonde Schönheit mit einer Krone und Flügeln. Wie nehmen an, dass der menschliche Mythos „Christkind" auch darauf beruht, dass sie jemand gesehen hat, als sie ihren Bruder auf eine seiner Touren begleitet hat. Vorher gab es diese Figur in ihrem glauben nicht. In unserer Welt jedoch… ist ein anderes Mädchen das Christkind. Tatsächlich ein Kind. Allerdings ist die Ähnlichkeit zu Rose nicht zu verleugnen. Und ja, Rosalie und Santa sind wirklich Zwillinge. Auch wenn Rose gern so tut, als sei die die Ältere, ist doch Jasper der Erstgeborene. Schlaf gut Bells. Bis morgen.", bevor sie die Tür schließt.

Woher habe ich nur all diesen Humbug? Ich habe keine Ahnung von den Gebräuchen und Namen in anderen Ländern und ich weiß, dass Santa in Finnland Joulupukki heißt und das es die Snegurotschka wirklich in russischen Märchen gibt. Ded Maros, Väterchen Frost.

Ich habe nicht mal gewusst, dass Santa bis zum heidnischen Lichtfest am 8. Februar feiert/ arbeitet.

Bitte, lass das alles nur ein Traum sein und ich bin entweder bei Jess auf der Couch eingeschlafen oder ich habe mir tatsächlich eine sehr schwerwíegende Kopfverletzung zugezogen.

Christmas Town.

Santa ohne Bart und Bauch.

Und sexy Weihnachtselfen, wenn ich an Edward denke.

Oh mei.

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