HYA!
Christmas Town ist ein Hort von Vetternwirtschaft! Unglaublich!
Und nicht jedes Kindermärchen hat ein Happy End! Bella erfährt, was ihre neuen Aufgaben sind und die Wahrheit über Santa Claus.
Ganz liebe Grüße
Tali
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Isabella PoV
Als ich blinzelnd meine Augen öffne, kann ich die Rotkehlchen sehen. Eins hüpft auf meinem Fensterbrett herum. Mir ist, als sehe es mich an.
„Ja, ich glaube auch, dass ich falsch abgebogen bin.", murmele ich, als ich aufstehe. Jetzt spreche ich schon mit Vögeln die auf meinem Fenstersims sitzen.
Ich sehe mich um und stelle unweigerlich fest, dass ich noch immer im selben Zimmer bin wie gestern Abend. Also bin ich noch immer in Bizarroland, in „Christmas Town".
Ich muss mir wirklich böse Verletzungen zugezogen haben.
Draußen vor meinem Fenster poliert Emmett gerade mehrere Schlitten, die aussehen, als hätte ein Erwachsener darin Platz.
Ich kann Rosalie erkennen, die im Schlitten an irgendetwas herumwerkelt. Beinahe hätte ich gesagt, sie wechselt Sicherungen am Armaturenbrett. Aber das ist kein Auto und es ist nicht echt!
Mein knurrender Magen erinnert mich daran, das ich nicht mehr sagen kann, wie lange mein letztes richtiges Essen her ist, wenn man Liams Plätzchen nicht dazu zählt.
Als ich gerade die Tür öffnen will, steht Edward plötzlich vor mir.
„Guten Morgen, Bella. Ich wollte so eben an deine Tür klopfen."
Er sieht erholter aus, als gestern. Seine grünen Augen haben die Farbe von einem Frühlingswald. Oh. Erm, also er hat sehr hübsche grüne Augen. Seine Haare sind nicht ganz so zerzaust, wie gestern, aber anscheinend sollen sie so.
Ich muss feststellen, dass die Elfenmontur den jungen Mann nicht entstellt. Er trägt einen roten Pullover mit grüner Knopfleiste und dunkelgrüne Jeans und dunkelgrüne Schuhe. Ich habe die ganze Nacht von ihm ohne Elfenkostümierung geträumt.
Auch mir hat jemand, nennen wir sie Alice, ein rotes Strickkleid raus gelegt. Allerdings darf ich meine Schuhe anscheinend behalten.
„Alice darf sich deiner Garderobe erst dann vollends bemächtigen, wenn du die Probezeit bestanden hast."
Woah, davon war gestern aber nicht die Rede! Von keinem der beiden!
„Ich werde dir alles erklären, dachte aber, du könntest erstmal ein gutes Frühstück vertragen."
Oh ich liebe ihn, wenn er mir jetzt sagt, dass es auch am Nordpol Kaffee gibt.
Gibt es hier keinen Kaffee, muss ich den süßen Edward leider umbringen.
Edward schmunzelt, als er mir den Weg weist.
„Also, Edward?", aufmerksam blicken mich wache grüne Augen an. „Diese Jule- Ma, ist Santas Mutter und seine Enkelin, wenn Santa auch Ded Maros ist? Wie geht das?"
„Das hast du richtig erfasst. Sehr gut. Es sind verschiedene Märchen. Die Figur ist die Selbe. Eine Frau, die von der männlichen Weihnachtsfigur auf eine familiäre Weise sehr geliebt wird. In bestimmten Religionen ist die Mutterfigur ein starkes Thema, in anderen verkörpert das junge Mädchen all ihre Tugenden."
Okay, dass dachte ich mir schon.
Oh, ich rieche Kaffee!
Siobhan strahlt wie ein junger Morgen. Gestern habe ich sie älter als mich geschätzt, heute bin ich mir nicht sicher.
Ihre Wärme ist wie die Umarmung einer Mutter, als sie mir Kaffee einschenkt und Pfannkuchen mit Speck serviert. Mein Lieblingsfrühstück!
„Du bist in Christmas Town.", sagt Nessie fröhlich während sie in ein Marmeladenbrötchen beißt. Als würde das alles erklären.
Ich bin etwas überrascht, als Liam auftaucht und uns allen Zuckerstangen anbietet.
Nicht, weil er von einem neuen Geschmackserlebnis spricht, sondern weil er Siobhan küsst. Er ist locker 15 Jahre älter als sie, aber niemanden scheint das zu interessieren.
„Das ist schon in Ordnung. Auch wenn sie nicht so aussehen, sind sie seit über 200Jahren verheiratet. Und Siobhan ist einige Zeit vor Liam geboren worden.", erklärt Edward.
Oh heiliger Sankt Nikolaus!
Ich habe Alice noch nicht gesehen. Edward sagt, sie sei längst bei der Arbeit.
Edward ist ein guter Fremdenführer, mit ihm erscheint das alles hier weniger unwirklich. So als würde ich wirklich einen neuen Job anfangen. Haha.
Ich glaube, ich bin in meinem eigenem Kindheitstraum vom Nordpol gelandet.
Die Werkstätten, die Wohnräume, die Art wie gearbeitet wird, die Menschen – Elfen und Wichtel, die hier herum laufen sind genauso, wie ich sie mir immer vorgestellt habe.
Benjamin ist ein Wichtel der besonderen Art, der Dinge bewegen kann und Eis und Feuer heraufbeschwört.
Tia näht in Sekunden schnelle ganze Outfits.
Es ist unfassbar, dann festzustellen, dass Christmas Town ein florierendes Unternehmen ist.
Edward zeigt mir, dass sie Kleidung in die ganze Welt verkaufen, Spielzeuge, Rezepte.
Liam und Maggie hätten wir den Run auf die Cake Pops zu verdanken. Und Alice, dass Coca Cola einen roten Weihnachtsmann erfunden hat.
Es ist unglaublich. Ich bin in einer „Schönen Bescherung" gelandet! Haben Jess und ich den Film vielleicht gerade angeschaut, als ich eingeschlafen bin und ich träume noch immer, weil ich Wein einfach nicht vertrage?!
„Die Kinder lieben die Rentiere. Willst du sie sehen? Auch wenn ich dich enttäuschen muss, sind sie nicht mehr die Originalbesetzung. Rudolph ist über 500Jahre alt und fliegt nur noch ungern im großen Gespann. Aber keine Sorge, Jingles' Nase leuchtet blau."
Rentiere. Okay, die gibt es immerhin auch in der Realität.
Und auf dem Weg ins Freigehege, kann ich Edward endlich all die anderen Fragen stellen, von denen er mich in der Stadt so hervorragend abgelenkt hat.
„Edward?"
„Musst du wirklich danach fragen?", seufzt der Angesprochene.
„Kannst du Gedanken lesen oder wie machst du das?!"
„Du denkst sehr laut, weißt du das?", antwortet er indes.
„Wirst du mir sagen, was es mit dem Christkind und dieser Jule-Ma auf sich hat? Alle anderen die hier arbeiten wissen es bestimmt auch. Und ich nicht? Das ist Diskriminierung!"
„Zuerst muss ich dich bitten, deinen Vertrag genau zu lesen, und bei den Geschenken zu unterschreiben!"
Erwähne niemals das erste Christkind vor Santa Claus
Berühre niemals das Lebkuchenhaus auf Santa Claus' Tisch
Das sind äußert seltsame Zusatzklauseln, aber gut, der Rest klingt in Ordnung.
„Schneemänner zerstören steht auf Geldstrafe?"
„Es könnte ein Eisheiliger sein. Wenn du sie absichtlich demontierst, zieht das Konsequenzen nach sich. Frag mal Emmett. Viele der Klauseln haben wir erst in den letzten 100 Jahren eingefügt. Seitdem Emmett bei uns ist."
Ich kenne Emmett noch nicht gut, aber ich mag ihn!
So, und jetzt will ich ein Weihnachtsmärchen hören!
Edward redet davon, dass wir uns besser auf die Bank aus Schokotafeln setzen sollten. Es fangen immer alle zu weinen an, wenn sie die Geschichte hören.
„Nicht alle Märchen haben ein Happy End, Isabella."
Okay, jetzt macht er mir Angst. Wir sind am Nordpol, in Christmas Town haben immer alle gute Laune und es passiert nie etwas Schlechtes! Die fünfjährige Bella stampft gerade mit ihren Füßen wütend auf den Boden. Es kann hier nichts Schlimmes passiert sein.
Ich denke an Alice und Traurigkeit ist ein Fremdwort.
„Jule-Ma Esme ist nach letztem Weihnachten in deine Welt umgezogen. Das geht, weißt du. Dann altern wir ganz normal, verlieren durch die Aufgabe unserer Position aber auch unsere Zauberkraft. Weil wir, haben wir uns einmal für deine Welt entschieden, nicht mehr dauerhaft zurückkehren können. Esme hat noch einen Teil ihrer Kräfte, weil Santa es so will. Weil sie unter anderem auch für ihn weggegangen ist.
Sie versucht jemanden davon zu überzeugen, dass es Weihnachten wirklich gibt. Dieser junge Mann, Carlisle Cullen, ist ein junger Arzt, der sehr früh aufgehört hat, an den Weihnachtsmann zu glauben. Er lässt sich nicht einmal vom Kaufrausch des Erwachsenen Weihnachten erfassen. In seiner Wohnung gibt es nicht einen grünen Zweig."
Edward lächelt liebevoll.
„Dieses Jahr hat Esme einen Trick angewandt. Sie hat seine Waschmaschine überlaufen lassen, die in der Küche stand und nun muss er die Feiertage in ihrem Haus verbringen, dass nur so vor Weihnachten schreit. Oder Kalt essen."
„Woher kennt Esme diesen jungen Mann?"
„Persönlich kennen gelernt hat sie ihn, als sie eines der Kinder im Krankenhaus besuchen war. Außerhalb der heißen Phase können wir Hobbies in eurer Welt nachgehen. Esme arbeitet zurzeit mit kranken Kindern. Ich glaube, sie fand Carlisle sehr sympathisch. Im öffentlichen Verständnis sieht er sehr gut aus. Und dann musste sie feststellen, dass Carlisle keinen Bezug zur Weihnacht hat. Zu keinem ihrer Formen. Und sie hat miterlebt, wie schlecht es Santa dadurch gegangen ist und hat beschlossen, etwas daran zu ändern. Nun lebt sie seit dem 9. Februar in deiner Welt. Willst du sie sehen?"
Edward holt ein kleines Fernrohr heraus, zieht es aus.
„Sieh hindurch."
Erst bin ich sehr verwundert, doch als ich hineinschaue, sehe ich nicht wie erwartet noch mehr Schnee, sondern eine junge Frau mit Karamellbraunem Haar, die ein Haus feierlich dekoriert. An ihrem Kühlschrank pinnen zig Bilder, die Kinder von Santa Claus gemalt haben.
„Carlisle wird gleich herein kommen.", Edward.
Ich sehe einen wunderschönen jungen Mann, dessen Augen genauso Azurblau sind, wie Jaspers.
Esme und Carlisle sehen aus, wie aus einem Prospekt für die perfekte Familie. Esme leuchtet von innen heraus, Carlisle hingegen begutachtet Esmes Dekowerk kritisch.
„Noch mehr Lichter, Es?"
„Ja, mein Lieber, und hör auf zu meckern, sonst zeige ich dir nicht, wo ich die Mistelzweige aufgehängt habe!" Esme lacht, als Carlisle sie ungestüm küsst.
„Sie sind erst seit wenigen Wochen richtig zusammen. Carlisle ist mit seinem Job verheiratet.", unterbricht Edward meinen Fokus auf die beiden, die sich so liebvoll ansehen, dass ich weinen möchte.
Aber ich verstehe nicht, warum Esme Christmas Town wegen Santa verlassen hat.
„Waren sie und Santa mal ein Paar?"
Edward lacht befreit.
„Nein, das Cousinchen und Jasper stehen sich jedoch sehr nah."
„Die Jule- Ma ist deine Cousine?!", blicke erneut in das Fernrohr und bin nun in der Lage, Ähnlichkeiten zu erkennen. Uhh, okay, das Esme Mistelgrüne Unterwäsche trägt, hätte ich nicht sehen müssen.
„Sie versucht alles, um Carlisle wieder auf den rechten Weg zu bringen.", schmunzelt Edward.
„Wenn sie und Santa nur Freunde sind, warum ist sie dann weggegangen?"
Ed nickt einigen Wichteln zu, die an uns vorüber ziehen. Um uns herum haben sich einige Hasen gescharrt, Ed verteilt großzügig ein paar Möhren.
„Wenn Carlisle wieder an den Geist der Weihnacht glauben würde, wenn er dies Gefühl, das Weihnachten mit sich bringt, wieder spüren würde, würde es Santa ans Herz gehen.
Die Geschichte zu Carlisle beginnt vor fast 400Jahren. Jasper war vor nicht allzu langer Zeit zu Santa geworden. Sein Großvater hat seinen Alterssitz in eurer Welt gewählt.
Damals war Jasper verheiratet. Er hat sie so sehr geliebt. Maria und er haben ein kleines Mädchen zur Welt gebracht. Das erste Christkind. Sie war so schön und so lieblich. Alle haben Lucy geliebt. Von ihr ist das Lebkuchenhaus auf seinem Schreibtisch."
Ich möchte die ganze Zeit OHHHHH machen. Moment, das Häuschen ist 400Jahre alt?!
„Ja, und Lucy hat ‚für Joul' darauf geschrieben, weil ihre Mutter niemals zu gelassen hätte, dass sie ‚athair', Vater, darauf schreibt. Also hat sie es dem Joulupukki gewidmet.
Maria war keine nette Person. Sie war wunderschön und liebreizend, bis sie hatte, was sie wollte. Als Lucy geboren wurde und Santa einen Teil des Jahres mit Weihnachten beschäftigt gewesen ist und seine restliche Zeit in Lucy investierte, fing sie an, Jasper zu betrügen. Ja, er mag seine Zeit nicht gerecht aufgeteilt haben, aber er war noch keine 100 als er zum Julemann geworden ist. Irgendwann hat Maria ihre Sachen und Lucy gepackt und ist nach Dänemark gezogen. Sie wollte ihrer Tochter jeglichen Kontakt zu Santa verbieten, aber einmal im Jahr, konnte er sie besuchen. Maria hat alles getan, um bei ihren nachfolgenden Kindern und ihren Enkeln, den Glauben an Santa auszumerzen, aber Lucy hat bis in ihren Tod, an ihn geglaubt und dieses Wissen auch an ihre Kinder und Nichten und Neffen weiter gegeben."
Ich bin wirklich den Tränen nah. Wer würde den Weihnachtsmann betrügen?
„Es gibt hier genügend Gestalten, die nicht in Christmas Town wohnen. Die unseren Santa oder einen von uns Elfen nicht mögen. Maria hat genügend Möglichkeiten gehabt."
„Was hat Carlisle mit dieser Geschichte zu tun?", wenn es nicht gleich eine fröhliche Wende gibt, breche ich in Tränen aus.
„Carlisle ist ein direkter Nachfahre von Lucy. Und somit ein Urenkel von Santa."
Deswegen die Ähnlichkeit!
„Er sieht genau aus wie Lucy! Nur dass er eben ein Mann ist. Und in Carlisle scheint das Bemühen von Marias Familie Erfolg gehabt zu haben. Als Carlisle drei Jahre alt war, hat er aufgehört, an Santa zu glauben und Jasper hat keine Möglichkeit mehr gehabt, ihn zu besuchen. Es bricht Santa das Herz. Er glaubt, er habe etwas falsch gemacht. Bei Lucy, bei allen nachfolgenden Generationen. Es bricht ihm das Herz. Carlisle erinnert ihn ständig an die Wunden, die er eigentlich überwunden hatte. Und dann steckt nicht ein Fünkchen Weihnachten in seinem Enkel.", Edward schüttelt traurig den Kopf.
„Aber Esme glaubt, dass etwas da ist?"
Wieder lächelt Edward liebevoll.
„Die Jule-Ma hat die Sanftmut und Vernunft einer Mutter, aber auch die reine und unschuldige Hoffnung der Snegurotschka. Esme glaubt immer an das Gute in den Lebewesen. So war sie schon, bevor sie Jule- Ma geworden ist. Sie ist toll. Wir vermissen sie alle. Aber wir wissen, dass sie glücklich ist. Sie liebt diesen Jungen, weißt du."
Dass sie in den Weihnachtsrabauken verliebt ist, konnte sogar ich sehen.
Ich bin kein Fan von Soap Operas, aber in meinem angeschlagenen, verwirrten Kopf, fantasiere ich mir Dinge zusammen…
Mrs. Claus betrügt Santa Claus. Mrs. Claus lässt sich scheiden. Es gibt Sorgerechtsungereihmtheiten. Unglaublich.
Und Ladies and Gentleman, ich Bella Swan, Königin der Fettnäpfen und Ungeschicktheiten, Tochter meines Vaters, bin die neue Snegurotschka!
Wer's glaubt.
Wenn ich das Angela erzähle! Ang wird glauben, ich hätte irgendwelche Substanzen geraucht!
Als ich aufsehe, steht Edward bereits vor mir und streckt mir lächelnd die Hand entgegen.
„Das ist alles schon sehr lange her. Und es geht steil auf Heilig Abend zu. Komm, Jingles ist super zutraulich.", plaudert Ed drauf los. Die Fähigkeit eine Situation zu entschärfen, teilt er mit seiner Schwester.
Lasse mich von Edward in den Stand ziehen.
Einen Moment funkeln seine Augen Waldgrün.
„Sei nicht traurig, Snow. Nicht wegen Santa.", seine melodische Stimme ist hypnotisierend. Dieser Moment hat etwas Magisches.
Doch verfliegt der Ernst aus seinem Gesicht, ein schiefes Lächeln stiehlt sich in das Elfengesicht.
„Es ist übrigens dein Job, Santa bei Laune zu halten."
WAS?!
Edward lacht scheppernd. Das teilt er mit Emmett.
„Du bist die Zuversicht. Du bist die liebende Mutter, die wohl gesonnen in die Zukunft blickt.", erläutert mir Ed meine Aufgabe.
Aber wird Santa auf mich hören? Ich bin 22 Jahre alt und noch keine 24Stunden in Christmas Town. Wäre ich an Santas Stelle, würde ich eher Rat und Zuversicht bei Siobhan – ja die Eismutter hat es mir angetan – oder Carmen suchen.
„Oh süße, ahnungslose Bella.", blicke Edward erwatungsvoll an. „Deine Probezeit endet, sobald du Jule-Ma geworden bist. Als Jule- Ma bist du Vertraute Nummer eins. Das war schon immer so und es wird immer so sein."
Entgeistert starre ich den Mann vor mir an, während wir durch den Schnee stampfen. Also, eigentlich stampfe nur ich, Edward gleitet graziös die Schneeverwehungen entlang.
„Entschuldige bitte die Unordnung, Caius Sturm hat gestern etwas mehr verweht, als wir angenommen haben."
Wer Caius ist, weiß ich auch immer noch nicht so genau. Santas Cousin, hat Alice gesagt.
Mein größeres Problem ist gerade aber: was wenn ich als Jule-Ma versage? Kann ich Snegurotschka sein? Und wenn ich eine Frage zur Jobbeschreibung habe, an wen wende ich mich?
„Wenn du irgendwelche Sorgen hast, sprich sie aus, Bella.", wie soll mir Edward helfen? Okay, mir würde da… aber das ändert nichts an der Situation.
„Bella? Wir sind da.", blicke erschrocken auf. „Das ist Jingles.", Edward strahlt über das ganze Gesicht, als er dem Rentier die Ohren krault.
Das Rentier vor mir hat eine blaue Nase. Blau wie in Buntstift-, Kinderhimmel- Blau.
Die Augen des Tieres beobachten mich weise. Fast so, als würde es verstehen.
„Sie verstehen alles was du sagst. Nordpolrentiere sind äußerst intelligent.", um Edwards Aussage zu bekräftigen, schnaubt Jingles.
Ich lächele das Ren an, kraule seinen Nasenrücken.
Ja klar. Die Tiere verstehen mich. Und gleich erzählt er mir, dass Santa mit den Rotkehlchen vor seinem Büro gesprochen hat.
„Das hat er. Er ist Santa Claus. Er spricht alle Sprachen."
OKAY.
Fassen wir zusammen.
Santa Claus ist ein gut aussehender, geschiedener Mittzwanziger, ohne Bart, der sich mit Vögeln unterhält.
Der Mann vor mir würde auch in engen Strumpfhosen zum Anbeißen aussehen.
Ich glaube, ich werde wahnsinnig.
Gleich erzählt er mir, dass Alice der Geist der Weihnacht ist.
„Na ja, so ähnlich.", nuschelt Edward, aber vielleicht habe ich mir das nur eingebildet.
Werden wir diesen Weihnachtself also auf die Probe stellen.
Gut, da waren Rudolph, Blitzen, Dancer, Prancer…
„Vixen, Comet, Cupid, Donner und Dasher.", Edward grinst. „Was? Deinem sehr angestrengtem Gesichtsausdruck zu urteilen, hättest du sie niemals zusammen gekriegt."
Blicke ihn an, hoffe ich gucke so vernichtend, wie ich mir das vorstelle.
„Und du sagst, die Tiere sind zu alt zum Fliegen?"
„Comet hat heut noch Spaß daran. Die anderen genießen ihren Ruhestand. Möchtest du Rudolph kennen lernen?"
Jingles schnaubt. „Ja, du bist auch ganz toll. Aber deinen Ruhm hast du nun mal deinem Großonkel zu verdanken.", beschwichtigt Edward das Ren.
Es war ja klar, dass ein sexy Elf einen Knacks weg haben muss. Sexy und ein Weihnachtself gehen nun mal nicht Hand in Hand.
Edward zieht eine Augenbraue in die Höhe, verkneift sich aber jeglichen Kommentar.
Nein, nein, nein!
Ich habe gedacht, dass es den Tod am Nordpol nicht gibt. Carmen hatte gesagt „Christmas Town ist der Ort, in dem niemand dir stirbt.".
Garrett steht mit drei eingespannten Rentieren einem Mann in Kutte gegenüber.
Die Sonne funkelt auf die Winterlandschaft herab. Ich kann Vögel singen hören. Im Licht glänzt die Klinge des Fremden.
Er sieht aus, wie der Sensenmann.
Oh nein oh nein oh nein!
„Gevatter! Santa zum Gruße!", ruft Edward ungewöhnlich laut zu den beiden Männern hinüber.
Garrett grinst breit und winkt ausschweifend.
Die Gestalt in der Kutte wendet sich ebenfalls um, doch sein Gesicht bleibt durch die Kapuze verborgen. Ich kann Nicken erkennen.
„Hei Ho!", ruft Garrett.
Zum ersten Mal, seit meiner Ankunft in dieser verrückten Fantasie, befällt mich Angst. Kalt und klamm.
„Edward?", flüstere ich und versuche seine Hand zu greifen.
In seinen Augen liegt keine Furcht.
Edward packt mich an der Hand und mit einem Blinzeln kommen wir neben Garrett zum Stehen.
Obwohl ich direkt vor dem Mann stehe, den Edward „Gevatter" und ich Sensenmann nenne, kann ich nicht in den Schatten seiner Kapuze blicken. Er strahlt Kälte ab.
„Gevatter, das ist Snow. Jule- Ma Isabella.", stellt Edward mich höflich vor.
„Jule- Ma Isabella, sehr erfreut, Gevatter Tod.", der Tod nimmt meine zitternde Hand und neigt leicht den Kopf. Eine vage Andeutung eines Handkusses.
Ich falle gleich in Ohnmacht.
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