Schon morgens beim Frühstück hatte Hermine ein seltsames Gefühl, sodass sie kaum einen Bissen hinunterbrachte. Immer wieder schielte sie unauffällig zu Snape, der jedoch ruhig und streng wie immer am Lehrertisch saß und gerade wie es aussah von Professor Flitwick in ein Gespräch verwickelt werden sollte, auf das er jedoch augenscheinlich nicht einzugehen gedachte, denn er starrte nur stumm vor sich hin und murrte hin und wieder ein paar Worte. Einmal blickte er hoch und fing Hermines Blick auf, woraufhin diese gerade nich verhindern konnte nicht zusammen zu zucken und schnell auf ihr Frühstück auf dem Teller vor ihr starrte.
Danach wagte sie es nicht mehr einen Blick zum Lehrertisch zu werfen und hoffte nur stumm er würde dem keinerlei Bedeutung zumessen. Was ihrem Befinden nicht gerade zuträglich war war ausserdem die Tatsache, dass ihr nach dem Frühstück gleich eine Doppelstunde Zaubertränke bevorstand, und so war sie trotz ihrer Appetitlosigkeit alles andere als froh, als die große Halle allmählich leerer wurde und die Schüler sich zu ihren Klassenräumen begaben.
Sie alle saßen schon an ihren Plätzen und führten leise Gespräche, als die Tür des Kerkers aufflog und Professor Snape mit wehendem Umhang hereintrat und durch die Gänge der Tische ans Pult schritt. Wie immer schaffte er es mit seiner kalten Art seine Schüler augenblicklich zum Verstummen zu bringen und zog ihre volle Aufmerksamkeit auf sich. Dass diese Aufmerksamkeit mehr auf Angst denn auf Respekt oder gar Bewunderung beruhte schien ihn dabei nicht groß zu stören.
"Seite 227, Abschnitt drei", kam es gedehnt aus seinem Mund und Hermine nahm ihr Buch aus ihrer Tasche und schlug die gewünschte Seite auf. Da sie jedoch sämtliche Schulliteratur sowieso bereits in- und auswendig kannte, genügte es ihr den Abschnitt zu überfliegen un sich dessen Inhalt ins Gedächtnis zu rufen. Die Zeit die ihr danach nich blieb, bis auch alle anderen fertiggelesen hatten, nutzte sie um erneut ihrem Professor zaghafte Blicke zuzuwerfen. Er saß an seinem Pult und kratzte mit seiner Feder auf ein Stück Pergament vor sich und Hermine fragte sich unwillkürlich, was er wohl schreiben mochte.
Ein paar Strähnen seiner schwarzen Haare fielen ihm ins Gesicht und Hermine gab einen überraschten Laut von sich, als sie sah, wie er sie in einer für ihn äußerst untypischen Bewegung aus dem Gesicht strich. Wie durch dieses Geräusch wieder in die Gegenwart gerufen ruckte Snapes Kopf in die Höhe und das Gryffindor-Mädchen konnte gerade noch den Kopf senken und betete inständig, dass er nichts von ihrer Beobachtung bemerkt hatte. Fast erleichtert stieß sie ihren unmerkbar angehaltenen Atem aus, als er ihnen nun auftrug, das eben gelesene Wissen in der Realität umzusetzen und sie begab sich wie alle anderen zu ihren Kesseln um ihrer gestellten Aufgabe nachzukommen.
Sie hatte sich jedoch zu früh gefreut, denn als der Unterricht vorbei war und sie gerade mit Ron und Harry aus dem Raum gehen wollte, gefror ihr fast das Blut in den Adern als sie eine tiefe Stimme hörte.
"Miss Granger..." Langsam wandte sie sich in die Richtung der Stimme. "... wenn sie die Freundlichkeit hätten einen Moment hier zu bleiben." Sein Blick war unergründlich wie eh und je und Hermine war plötzlich überzeugt sich getäuscht zu haben in diesem Gesicht jemals etwas anderes gesehen zu haben als diese perfekte Maske der Gleichgültigkeit. Das Mädchen blickte unsicher zu ihren Freunden die sich jedoch auch nur ratlose Blicke zuwarfen und ihr mit Gesten zu verstehen gaben, dass sie draussen warten würden. Als die beiden die Türe hinter sich geschlossen hatten wandte Hermine sich Professor Snape zu und blickte ihn zögernd an.
"Professor...?", meinte sie fragend.
"Miss Granger", kam es zurück, "wenn Sie meinen ich würde es nicht merken, dass mich jemand ständig beobachtet, dann haben Sie sich ausnahmsweise mal getäuscht", begann er in seiner arroganten Art wie immer. Hermine blickte ihn nur verstört an.
"Professor... Sir", stotterte sie, doch er ließ sie gar nicht wirklich zu Wort kommen.
"Ich weiß ja nicht warum Sie meiner Person so viel Beachtung schenken, ich wäre jedoch sehr angetan wenn Sie dies in Zukunft unterlassen würden und in meinem Unterricht lieber aufpassen und sich um Ihre eigenen Angelegenheiten kümmern würden", blaffte er sie weiter an. Da Hermine wusste, dass sie ihrem Tränkeprofessor keinerlei Widerspruch entgegenbringen brauchte, wenn sie sich nicht noch mehr Ärger einhandeln wollte, nickte sie nur stumm und blickte zu Boden. "Haben Sie mich verstanden, Miss Granger", fragte er sie in scharfem Ton und seine schwaren Augen verengten sich unheilverkündend.
"Ja, Sir!", erwiderte das Mädchen deutlich und wagte es ihren Blick zu haben und ihrem Gegenüber in die Augen zu sehen. Wenigstens ihren letzten Rest Stolz wollte sie nicht aufgeben.
"Gut, Sie können gehen, Granger", kam es von Snape zurück und mit einer Handbewegung Richtung Tür schwang diese auf und ließ zwei Gestalten zum Vorschein kommen, die allem Anschein nach verzweifelt versucht hatten etwas von ihrem Gespräch aufzuschnappen.
"Potter, Weasley! Jeweils 10 Punkte Abzug für Gryffindor wegen unerwünschtem Belauschen eines Gesprächs!", fuhr Snape die beiden Jungen an, die unbeholfen im Türrahmen gestanden hatten und recht erfolglos versucht hatten ihr Handeln zu verbergen.
"Und jetzt gehen Sie mir bitte aus den Augen, alle drei!" Mit diesen Worten fühlt Hermine zwei Hände auf ihren Schultern, die sie eher unsanft durch die Tür schoben, bevor diese krachend ins Schloss fiel. Vor der Tür sahen Ron und Harry sie fragend an und wollten wissen, was er ihr denn zu sagen gehabt hätte, doch Hermine schüttelte nur den Kopf und drückte sich an ihren zwei besten Freunden vorbei, bevor sie die beiden wortlos stehen ließ und aus den Kerkern eilte, hinaus ins Freie.
