Entgegen ihrer eigenen Erwartungen und sicherlich entgegen den Erwartungen ihres Professors, machte Hermine Snapes Anwesenheit nichts aus. Im Gegenteil fand sie es angenehm hier in seiner Gesellschaft hier zu sitzen, wenn diese auch eigentlich nur dazu dienen sollte sie zu vertreiben. Sie fand es entspannend einmal Zeit mit einem Menschen zu verbringen - wenn man es denn so nennen konnte - der nicht die ganze Zeit auf sie einplapperte und von für sie meist völlig belanglosen Dingen sprach wie Quidditch oder sich über zu viel Hausaufgaben und ungerechte Benotungen beschwerte, wie sie es von Harry und Ron gewöhnt war.

Beinahe war das Mädchen versucht den Kopf schief zu legen und die Gestalt neben ihr näher zu betrachten, aber da sie sich noch gut der Konsequenzen ihrer letzten Beobachtungen erinnern konnte, beschränkte sie sich darauf aus den Augenwinkeln seine Hände zu betrachten, die, wie ihr erneut ins Gedächtnis gerufen wurde, sich vor nicht allzu langer Zeit nich auf ihren Schultern befunden hatten. Beim erneuten Gedanken an diese eigenartige Berührung schauderte es sie, wenn sie auch nicht genau wusste wieso, und sie bemerkte, dass ihrem Professor diese Regung nicht verborgen geblieben war.


"Kalt, Granger?", fragte er sie mit ebensoviel Verachtung in seinem Blick den er ihr von der Seite zuwarf, wie in seiner Stimme. Er hoffte sie würde nun endlich gehen, wenn er auch feststellen musste, dass ihre Gesellschaft bei Weitem nicht so unangenehm war wie er gedacht hatte. Sie hatte ihn nicht angesprochen und auch ansonsten keinerlei Reaktion auf seine Anwesenheit gezeigt. Er schien ihr nicht mal Angst oder Unbehagen zu bereiten, eine Tatsache, die er fast mit Erstaunen zur Kenntnis nahm. Er war es gewöhnt, dass Leute in seiner Gegenwart zusammenzuckten und ihr Unwohlsein nur selten verbergen konnten.

Er merkte sogar bei Lucius Malfoy, seinem eigentlichen Freund, oder bei anderen Todessern, wie sie seine Person mieden und seine Anwesenheit vielleicht nicht fürchteten, aber wie sie ihnen doch unangenehm war. Der einzige Mensch, der ihn weder zu fürchten noch zu missbilligen, sondern beinahe zu mögen schien, war Albus Dumbledore. Aber gut, was sollte der größte Zauberer aller Zeiten auch Angst vor einem seiner Angestellten haben.


"Nein, Sir", antwortete Hermine wahrheitsgemäß auf Snapes Frage ob ihr kalt war. Sie war einigermaßen überrascht gewesen, dass er sie überhaupt angesprochen hatte, doch dann war ihr eingefallen, dass sein Ziel vermutlich immer noch war sie von hier zu vertreiben, und ein Gefühl der Enttäuschung machte sich in ihr breit. Warum eigentlich?, fragte sie sich wütend. Was war in sie gefahren, dass sie enttäuscht war, dass ihr Lehrer, ihre Anwesenheit nicht schätzte? Das war Snape, wie in aller Welt konnte sie so etwas erwarten? Sie zog ihre Knie nich etwas enger an sich und umschlang sie mit ihren Armen. Dadurch, dass er sie angesprochen hatte, hatte sie nun einen Grund ihn anzusehen und so legte sie ihren Kopf auf ihre Knie und betrachtete ihren Professor.


"Haben Sie vergessen was ich Ihnen heute gesagt habe, bezüglich Ihrer Blicke, Granger?", knurrte Snape verächtlich, als er sah wie sie ihren Kopf auf ihre Knie bettete und ihn unverwandt ansah. Was wollte sie nur damit bezwecken? Dass er nicht gerade attraktiv war, das wusste er selbst, also was beabsichtigte sie? Und machte ihn ihr Blick etwa gerade nervös? Unwillig schüttelte er den Kopf und bereite es im selben Augenblick schon wieder, konnte sie ja nichts von seine Gedanken ahnen, die dieser Bewegung vorausgegangen waren.

"Ich sehe die Leute gerne an wenn ich mit ihnen rede, Professor", meinte das Mädchen nun und er merkte, dass dahinter keinerlei Boshaftigkeit steckte, was ihn allerdings noch mehr beunruhigte. Was wollte sie von ihm und warum verschwand sie nicht endlich? "Nun, da ich nicht vorhabe Sie in ein Gespräch zu verwickeln können Sie nun ruhig wieder wegsehen", meinte er und der bedrohliche Unterton in seiner Stimme, sowie sein Blick den er nun seinerseits auf ihr ruhen ließ, taten ihr Übriges um ihren Blick wieder auf den See zu lenken.

Als auf einmal Bewegung in sie kam, dachte Snape sie würde nun gehen und ihm seine Bank überlassen, doch sie streckte lediglich ihre Beine aus und schlang ihre Arme stattdessen um ihren Körper, ob aus Unsicherheit oder Kälte vermochte er nicht zu beurteilen. Nun war es an ihm sie von der Seite zu betrachten, und dank ihrer Haarpracht konnte er dies wesentlich unbemerkter tun als sie. Er hatte immer gedacht sie wäre unscheinbar und gewöhnlich, doch nun sah er, dass aus dem kleinen vorlautem Mädchen eine junge Frau geworden war.

Er stockte bei diesem Gedanken, weil das etwas war, was er auf keinem Fall über eine Schülerin denken wollte, und über sie am allerwenigsten. Trotzdem konnte er seinen Blick noch nicht von ihr lassen und er merkte plötzlich, dass sie ihre Augen geschlossen hatte. Er sah wie sich ihr Brustkorb regelmäßig hob und senkte und ihm wurde mit einem Mal bewusst, dass sie eingeschlafen war.