Snape stöhnte innerlich auf. Nicht nur, dass sie anscheinend keine Angst in seiner Gegenwart empfand, nein sie fühlte sich augenscheinlich auch sicher genug neben ihm einzuschlafen. Er seufzte leise und dieses Geräusch brachte Bewegung in Hermine. Zuerst dachte er sie wäre aufgewacht, dann aber bemerkte er, wie ihr Kopf immer schwerer zu werden schien und sich langsam aber sicher in seine Richtung zu neigen begann. Wie erstarrt saß er da und ließ es wider besseren Wissens geschehen, dass der Kopf seiner Schülerin an seiner Schulter zum Liegen kam.

Er war sich nicht bewusst gewesen wie nah er neben ihr gesessen hatte, aber jetzt war es zu spät und er überlegte wie er nun aus dieser misslichen Situation einigermaßen elegant entfliehen konnte. Er schalt sich dafür, dass er sie nicht einfach aufgefordert hatte zu gehen, und dass er in seinem Anflug von unnötigem Stolz sich einfach neben sie gesetzt hatte. Würde er sie jetzt wecken wäre das eine peinliche Situation für sie beide. Als er bemerkte, dass ihre Hand auf seinem Umhang ruhte und sie zweifelsohne wach werden würde bei dem Versuch seinerseits aufzustehen, nahm er vorsichtig seinen Zauberstab und hielt ihren Kopf in der Schwebe, während er sich mit aller Vorsicht aus seinem Umhang schälte.

Da er bemerkte, dass jeder Versuch ihr seinen Umhang zu entwenden ohne sie zu wecken scheitern würde, faltete er ihn einfach zusammen und bettete ihren Kopf darauf. Er hasste sich in diesem Moment dafür, aber der Anblick der schlafenden Granger machte ihn hilflos. Er brachte es nicht über sein Herz sie jetzt zu wecken und sie bloßzustellen, denn irgendwie - so musste er es sich eingestehen - fand er es bemerkenswert, dass sie es fertig brachte trotz seiner Anwesenheit einzuschlafen. Er ging davon aus, dass sie ihm seinen Umhang später zurückgeben würde, und als er sich versichert hatte, dass sie immer noch schlief, machte er sich auf den Weg zurück ins Schloss und betete inständig es möge ihm niemand begegnen der ihn auf seinen fehlenden Umhang ansprechen würde.


Hermine schrak zusammen, als plötzlich eine Eule, die im Baum neben ihr saß, laut zu rufen begann. Sie schlug die Augen auf und war im ersten Moment verwirrt. Wo war sie? Ihr Blick fiel auf den schwarzen Stoff auf dem ihr Kopf gelegen hatte und sie starrte geschlagene zwei Minuten darauf, weil ihr Kopf nicht glauben mochte, was unweigerlich passiert sein musste. Sie war neben Severus Snape eingeschlafen und musste wie es aussah wohl gegen ihn gesunken sein, denn warum sonst hätte er seinen Umhang dagelassen? Kurz fragte sie sich warum er sie nicht einfach geweckt hatte, aber sie wusste sie würde darauf ebenso keine rationale Antwort finden, wie auf sein Verhalten heute Vormittag.

Auf einmal wurde ihr bewusst, dass es schon fast Sperrstunde war und sie nahm mit Erleichterung zur Kenntnis, dass das angekündigte Gewitter anscheinend an Hogwarts vorbeigezogen war, jedenfalls sah sie gerade noch die Sonne hinterm See untergehen und ihre Kleider waren auch trocken. Ein Windstoß ließ sie frösteln und so eilte sie den Weg zurück ins Schloß, Snapes Umhang in ihren Händen und ratlos, was sie damit tun sollte. Kurz bevor sie das Tor erreichte erwischte sie doch noch ein Regenschauer und so kam sie durchnässt und frierend im Schloss an.