Erstaunt blickte Severus Snape von seinem Schreibtisch hoch, als es an seiner Kerkertür klopfte. Mit einer Bewegung seines Zauberstabes ließ er die Tür aufschwingen und sah draussen eine etwas zerzauste und bibbernde Hermine Granger stehen. Er sag ihr an, dass sie einen Wärmezauber benutzt hatte um sich zu trocknen, denn augenscheinlich schien sie doch noch in den Regen geraten zu sein. Er ersparte sich jedoch ausnahmsweise seinen höhnischen Kommentar und sah sie nur wortlos an.
"Sir... ich... ihr Umhang", stammelte sie unsicher und hielt ihm seinen Umhang zögernd entgegen.
"Sie haben ihn bis zu meiner Tür getragen, da können Sie auch die zwei Schritte zu meinem Pult tragen", brummte er und sah sie dabei nicht einmal an. Hermine trat immer noch zögernd in den Raum und erschrak als er hinter ihr die Türe ins Schloss fallen ließ. Plötzlich schien ihr seine Gegenwart doch etwas Angst zu machen, nahm er mit einem Stirnrunzeln zur Kenntnis. Sie kam vor seinem Pult zum stehen und wusste nicht wo sie den Umhang ablegen sollte, lag doch der Tisch voller Pergamenten, Büchern und anderen Tränkeutensilien.
Endlich hob er seinen Kopf und blickte ihr in die Augen. In diesem Moment hätte sie versinken können in ihnen, in ihrem Schwarz, das so unergründlich war wie Snapes Verhalten. Er schien zu bemerken was in ihr vorging, doch sah er keinen Anlass den Moment zu zerstören, denn auch wenn er es nicht wahrhaben wollte, ihm gefiel der Ausdruck auf ihrem Gesicht und die Tatsache, dass sie wieder etwas Selbstsicherheit gewonnen hatte. Abrupt stand er auf, ging um sein Pult herum und nahm ihr seinen Umhang ab. Auch sie schien wieder in der Realität zu landen, senkte ihren Blick jedoch nicht sondern sah ihm weiterhin in die Augen als sie sagte:
"Danke, dass Sie mich nicht geweckt haben, Sir."
"Ich wollte uns nur beiden eine unangenehme Situation ersparen", meinte er spröde und legte das Stück Stoff aus seinen Händen über die Lehne seines Stuhles.
"Es... es tut mir Leid, dass ich eingeschlafen bin, Professor, es ist nur ich... ich war müde weil ich letzte Nacht nicht gut geschlafen habe und da am See war es so ruhig und Sie waren..." Sie unterbrach sich mit einem Mal und biss sich auf die Lippe. Snape hob eine Augenbraue.
"Ich war...?", hakte er nach und Hermine bemerkte, dass er seit sie sein Büro betreten hatte beinahe freundlich zu ihr gewesen war. Zumindest für seine Verhältnisse. Jetzt senkte das Mädchen doch wieder ihren Blick und sagte nur leise:
"Ihr Anwesenheit war irgendwie beruhigend, Sir." Snapes Augenbraue hob sich noch weiter angesichts dieser aufrichtig gemeinten Aussage und seine Maskerade der Selbstsicherheit kam beträchtlich ins Wanken, war er es doch nicht gewöhnt Nettigkeiten solcher Art zu hören. Doch rechtzeitig besann er sich wieder und meinte nur knapp, dass die Sperrstunde jeden Moment beginnen würde und es besser sei, wenn sie jetzt ginge. Hermine nickte und er sah auf ihrem Gesicht einen Ausdruck der Enttäuschung, die er auch in sich selbst wahrnahm, die er sich aber nicht erklären konnte. Er würde doch nicht etwa dieses Mädchen... Er seufzte leise und brachte damit Hermine dazu wieder zu ihm aufzusehen. In ihrem Blick sah er das Spiegelbild seiner Gefühle und er wusste, dass sie jetzt gehen musste, wenn er nicht einen gewaltigen Fehler begehen wollte.
