…Die Seele kann sich jedoch auch verschließen.
Wenn das Gefäß sich weigert gegen alles,
Dann kann die Seele sich verschließen.
Selbst wenn das zweite Seelenstück direkt vor einem ist,
Wenn das Gefäß sich verschließt und zwingt die Seele zu selbigen,
Dann ist es schwer die Seele zu heilen.
Manchmal braucht es dann einfach einen Schubs von außen,
Damit sie sich wieder aufschließt…
Als ich am Morgen aufgewacht bin, war mir schlecht, also bin ich nicht zum Frühstück gegangen. Damit ging es dann los. Erst wusste ich ganz genau, dass alles was ich sah und hörte meiner Phantasie entsprungen war, doch dann wurde es lauter, die Bilder klarer und es wurde unerträglich. Er hörte jene die damals gegangen waren zu mir sprechen, hörte sie sagen, dass es meine Schuld sei, dass sie gehen mussten. Ich verdunkelte den Raum, da ich überall, an den Wände, auf meinem Bett, überall sah ich Blut. Ich verschloss meine Tür von innen, hatte Wright den Schlüssel abgeluchst, und kauerte mich in der Ecke zusammen. Sollte Apollo mich suchen, weil Wright es ihm gesagt hat, soll er mich nicht so sehen.
Dann wurde es schlimmer. Ich fing an mich an die Dunkelheit zu gewöhnen, sah die Flecken nun zwar nur schemenhaft, aber wusste, dass sie da waren. Ich schloss meine Augen, doch dann sah ich wieder diese Bilder von damals, sah sie in völliger Klarheit, wie um mir klar zu machen, was passiert war.
Danach wurde es unerträglich. Als ich mir erlaubte auf zu sehen, da sah ich ihn blutend vor mir stehen. Er sah mich aus leeren Augen an sagte mir, es sei meine Schuld. Ich sah weg und da war plötzlich an meinem Körper Blut. Überall Blut und seine Stimme so laut.
Ich fing an zu schreien, versuchte das Blut ab zu kratzen. Ich wollte das nicht, er soll weggehen.
Am Ende tat es dann nur noch weh. Die Lachkrämpfe setzten ein, die immer da waren wenn ich Blut sah. Zwischendurch schrie ich immer so laut ich konnte. Ich kratzte an meinen Armen, um das Blut, das an ihnen klebte ab zu kratzen. Kratzte überall wo Blut war, wo ich es sehen konnte. Es tat weh, alles tat weh, das Blut, die Stimmen, die nun praktisch schrien, der Schmerz der da war, wenn ich versuchte, das Blut ab zu kratzen. Doch das Kratzen half nicht, immer wenn ich gerade einen Blutfleck weggekratzt hatte quoll Neues hervor.
Tränen flossen an meinen Wangen herunter und ich kauerte mich zusammen, schrie und lachte, weinte. Ich will endlich sterben, will endlich gehen. Warum lassen sie mich nicht. Es wird nicht besser werden, es kommt immer wieder. Lasst mich doch einfach sterben, ich will sterben, endlich sterben können.
Irgendwann merkte ich, wie das Licht anging und sah auf. Wright war in mein Zimmer gekommen, hatte das Licht angemacht, zog jetzt die Vorhänge auf und kam dann mit schnellen Schritten auf mich zu. Um ihn herum, überall nur nicht an ihm, war Blut. Doch Er war auch noch da. Sah Wright verachtend an. Ich schrie und schüttelte den Kopf. Er hockte sich vor mich, nahm alles andere außer sich aus meiner Sicht. Doch ich konnte nicht aufhören, wollte nicht aufhören.
Er umarmte mich sanft, wog mich in seinen Armen und irgendwann hörte ich auf zu schreien, weinte nur noch.
"Shh…Alles ist gut, nur ich bin hier, siehst du? Niemand anders und auch kein Blut, du kannst ganz ruhig bleiben, alles ist gut. Ich bin hier und ich lass nicht zu, dass irgendwer dir etwas tut.", flüsterte er leise.
Er strich durch meine Haare und über den Rücken, das machte er immer wenn es so schlimm ist. Und irgendwann, es kam mir wie eine Ewigkeit vor, beruhigte ich mich komplett. Als ich aufgehört hatte zu zittern, wollte ich an mir herunter sehen, wissen ob ich mir wieder die Haut aufgekratzt hatte. Es passierte fast immer, wenn ich die Kontrolle verlor. Er hielt mich davon ab, zwang mich ihm in die Augen zu sehen. Dann hielt er eine Hand über meine Augen.
"Ich möchte, dass du deine Augen schließt und ganz ruhig atmest. Nicht luchsen und erst wieder öffnen, wenn ich sage. Verstanden?", erklärte er ruhig.
Ich nickte und machte meine Augen zu. Er nahm seine Hand weg und nahm einen meiner Arme. Also hatte ich mir wieder die Haut aufgekratzt. Er behandelte ihn mit etwas kühlem und dann machte er einen Verband rum.
"Alles gut, ich bin hier.", sagte er ruhig.
Ich nickte erneut und er machte sich an zweiten Arm zu schaffen.
"Warum warst du nicht beim Frühstück? Apollo und ich haben uns Sorgen gemacht.", fragte er ruhig, während er die Wunden reinigte.
"M-mir war schlecht.", flüsterte ich.
"Und warum hast du mir meine Schlüssel geklaut?", fragte er erneut.
Er klang nicht wütend, eher besorgt.
"Du weißt doch, dass ich immer einen Weg hier rein finde, und wenn du es mir schwer machst, dann mache ich mir nur mehr Sorgen.", fügte er hinzu.
"Ich…ich wollte nicht, dass Apollo das sieht…mich…so…", antwortete ich leise.
"Edle Absicht, aber nicht nötig. Ich wäre schon früher hier gewesen, wenn du dich nicht eingesperrt hättest. Apollo wäre mich sofort holen gerannt.", erklärte er leise.
Natürlich wusste ich das, aber…ich wollte nicht, dass jemand meine schwache Seite sieht, hasste es. Er half mir auf und zog mir mein Oberteil über den Kopf. Es musste was abbekommen haben. Dann zupfte er an meiner Hose. Ich spürte wie mir Hitze ins Gesicht stieg. Stimmt…ich war ja immer noch in Schlafbekleidung.
"Die muss runter. Keine Angst, wir hatten das doch schon öfter. Die Tür ist zu und ich hab gesagt, ich will nicht gestört werden. Wir ziehen dich nur schnell um und dann gehen wir was essen.", erklärte er ruhig.
"Wenn ich nicht genau wüsste, dass Sie mein Therapeut sind, und nur mein Bestes wollen, würde ich Sie wegen sexueller Belästigung anzeigen.", flüsterte ich und zog meine Hose runter.
Er hatte von mir abgelassen, wahrscheinlich um ein paar Sachen aus meinem Schrank zu holen. Als die Hose unten war, war er wieder bei mir. Er half mir in meine Unterhose zu steigen und ließ mich dann kurz allein. Unschlüssig stand ich da und langsam wurde mir kalt. Als ich hörte, dass die Tür wieder aufging, hatte ich kurz Angst, die sich nur verstärkte, als sich zwei Arme um meinen noch nackten Oberkörper schlossen.
"Augen auf.", sagte Wrights fröhliche Stimme.
Ich öffnete meine Augen und sah ihn an. Er stand vor mir und hatte seine Arme um meinen Körper geschlungen. Dann sah ich mich im Zimmer um. Es war alles weiß, wie immer, kein Blut. Auf meinem Bett lagen eine schwarze Jeans und ein dunkelrotes Oberteil, wahrscheinlich mit langen Ärmeln und Rollkragen, wie ich es gern hatte.
"Ach man, so ein gut aussehender, junger Mann, warum muss er denn nur mein Patient sein?", fragte er leise.
"Doktor Wright, könnten Sie mich bitte loslassen, ich würde mich gerne anziehen.", merkte ich ruhig an.
Sofort ließ er mich los und brachte mir die Sachen. Ein weißes Unterhemd, Socken und Schuhe noch dazu. Dann zog ich mich schnell an, beachtete die weißen Verbände an meinen Armen nicht einmal. Als ich fertig war nahm Wright mich an die Hand und führte mich aus dem Zimmer. Wir gingen in den Speisesaal, welcher schon komplett leer war.
"Wie lange ist Frühstück schon vorbei?", fragte ich ruhig.
"Lange…ich mein Mittag ist ja schon seit gut 1 ½ Stunden vorbei. Ich hab eine dreiviertel Stunde gebraucht um in dein Zimmer zu kommen und eine weitere dreiviertel Stunde um dich zu beruhigen", erklärte er ruhig und führte mich zu dem Tisch, wo ich und Apollo immer aßen. Meistens allein, wenn Wright sich nicht zu uns setzt, was er fast immer tat, da der Rest mich meidet, wahrscheinlich aus Angst, aber war mir recht.
Ich setzte mich hin und er holte mir etwas zu essen. Es ging schnell und er war schnell mit einem Teller, mit einer undefinierbaren Brühe und einem Löffel wieder da. Ich zog eine Augenbraue hoch.
"Wer zu spät kommt den bestraft das Leben.", sagte er nur und stellte es vor mir ab.
Wortlos begann ich trotzdem zu essen, da ich erst jetzt bemerkte, was für einen Hunger ich überhaupt hatte.
"Wunder dich nicht, wenn beim Abendbrot hier noch ein junger Mann mit bei euch ist. Wir haben einen Neuzugang und da Apollo so allein war, hab ich ihn zu ihm gesetzt.", erklärte Wright ruhig.
Verwirrt sah ich ihn an. Es nervt manchmal schon, dass ich für Apollo den Babysitter spielen muss, obwohl ich psychisch genauso labil bin wie er. Obwohl es nervt nicht mehr so sehr, wie anfangs immer, immerhin ist der Kleine ruhig und weiß wann er mich in Ruhe lassen muss. Nerven tut nur sein Drang sich an mich zu kuscheln, immer wenn er mir beim Lesen zusieht. Aber irgendwie tut es auch gut, für ihn da sein zu können, wenn er nicht mit Wright reden will oder nicht allein sein will. Zum Glück hatte ich von Wright einen Dauerpass für die Bibliothek bekommen, ansonsten würde ich nur in meinem Zimmer hocken und das wäre nicht gut für mich.
"Er heißt Klavier und ist Blackquills Patient. Und anscheinend ritzt er sich. Aber er ist ziemlich ruhig und zurückgezogen. Stake Symptomen einer Depression.", erklärte er mir knapp.
Ich sah zu ihm, einigermaßen satt und unfähig noch mehr von der Brühe herunter zu bekommen. Er lächelte mich an, woraufhin ich die Augenbrauen hoch zog.
"Sind solche Information nicht eigentlich geheim?", fragte ich ruhig.
Er zwinkerte mir zu und stand auf.
"Ich weiß doch, dass du eh mit keinem sprichst. Und wenn ich dir schon noch ein schüchternes Kind aufdrücke, dann sollst du wenigstens wissen, was er hat.", erklärte er ruhig.
Dann nahm er meinen Teller und ging weg. Ich stand auf und ging ihm schnell hinterher. Klavier…woher kenne ich diesen Namen? Irgendwo hatte ich den schon mal gehört.
"Nachname?", fragte ich ruhig.
Er war in der Küche verschwunden, was mich seufzen lies.
"Gavin.", rief er aus der Küche raus.
Er kam aus einer anderen Tür wieder raus und ich ging zu ihm. Er war ruhig geworden. Irgendwas ist los, oder er gibt mir doch noch eine Standpauke wegen dem Schlüssel. Gavin…Den Namen kenne ich leider gut genug, doch der Mann der mir dazu einfällt hieß nicht Klavier. Vielleicht ein Verwandter von ihm. Hoffentlich ist er mir nicht genau so unsympathisch.
"Was hast du jetzt vor zu machen?", fragte er ruhig, leise.
Irgendwas bedrückte ihn, machte ihn traurig. Etwas stimmte nicht, doch was, dass wusste ich nicht. Es war doch alles wie immer. Er berührte meinen Arm, meine Hand, ganz leicht, aber ich merkte es. Er würde am liebsten meine Hand nehmen, machte es nach einer Weile auch. Nicht auf seine normale, rasche Art, sondern sanft, vorsichtig, als könnte er mir wehtun. Ich zog meine Hand weg, hasste solche Berührungen.
"Bibliothek.", sagte ich einfach und ging weg.
Ich ließ ihn einfach dort stehen und ging meines Weges. Er wusste, dass ich sterben will, dass ich keinen richtigen Willen mehr hatte zu leben, warum versucht er mich zu überzeugen. Einmal hat er sogar geweint, als er dachte ich schlafe, da war ich noch nicht lange hier. Da hatte ich wirklich noch geglaubt, dass alles wieder gut werden könnte. Ich hatte es nie angesprochen, doch ich wusste genau, dass ich ihm irgendwie wehtat. Warum macht er dann weiter. Warum lässt er mich nicht wieder in eine Zelle stecken, in Zwangsjacke, so wie es richtig wäre. Doch vor mir lächelt er immer.
Er kam mir auch so bekannt vor, schon seit ich ihn das erste Mal richtig gesehen hatte. Hat er vielleicht etwas mit den Erinnerungen zu tun, die nicht zurückkommen wollen? Bevor ich zur Bibliothek ging, musste ich noch zu meinem Zimmer. Ich brauchte meine Brille, ansonsten würde ich in kürze Kopfschmerzen bekommen. Schnell holte ich sie raus und ging dann zu dem einzigen Ort an dem ich mich in dieser verdammten Anstalt, an dem ich mich wohl fühlte.
Ich nahm mir ein Buch und setzte mich in meine Ecke. Apollo war schon da hatte gewusst, dass ich irgendwann kommen würde. Seufzend sah ich nach unten und setzte mich neben ihn. Es brauchte nicht lange, da hatte er sich an mich gelehnt und sich zusammen gekauert. Ich warf einen Blick auf ihn. Er hatte dunkle, tiefe Ringe unter den Augen.
"Du hast nicht geschlafen.", merkte ich an.
Ich spürte wie er gegen meinen Arm nickte und sich nun richtig an mich kuschelte. Er zitterte leicht. Ihm war kalt.
"Weiß Wright davon?", fragte ich ruhig und strich ihm über den Kopf.
Er schüttelte den Kopf. Er wollte keine Medikamente bekommen. Vorsichtig legte ich mein Buch in seinen Schoß und stand auf. Ich spürte seinen ängstlichen Blick auf mir, doch ich durchquerte den Raum nur einmal und holte auf einem der großen Schränke eine Decke. Ein paar waren immer hier, für die kalten Wintertage. Da es Anfang Herbst war, waren die Schränke wieder offen, im Sommer waren sie immer verschlossen.
Schnell ging ich zu ihm und legte ihm die Decke um die Schultern. Dann setzte ich mich neben ihn, nahm das Buch und fing an zu lesen. Er kuschelte sich wieder an mich und atmete ruhig.
"Da ist ein Neuer. Er sieht normal aus.", murmelte er leise.
"Weiß ich schon. Schlaf jetzt ein wenig.", erwiderte ich ruhig.
Warte…er sieht normal aus? Niemand sieht für Apollo normal aus. Ich sah wieder zu ihm und bemerkte, dass er sah zu mir hoch, sah mich ganz angestrengt an. Er war zwei Monate nach mir hier angekommen und schnell hatte ich mitbekommen, dass er alle Menschen in seinem Umfeld als groteske Monster sieht. Manchmal hat er schon versucht mir zu beschreiben wie ich aussah, für ihn, und es war ziemlich interessant gewesen was dabei rauskam.
Wright hatte mich gezwungen bei ihm zu sein während der Mahlzeiten, damit ich nicht allein bin und er auch nicht. Erst hatte er Angst vor mir, irgendwann hat sich das dann gelegt. Dann hatte er immer meine Nähe gesucht, da Wright meistens beschäftigt war. Als er gemerkt hatte, dass ich die meiste Zeit in der Bibliothek verbringe, hatte er sich immer reingeschlichen.
"Du siehst fast normal aus. Nur Schuppen auf der Haut. Als wärst du ein Drachenmensch.", sagte er ruhig.
Er lächelte ein bisschen und lehnte seinen Kopf gegen meine Schulter. Das sollte ich vielleicht Wright erzählen. Bisher war ich immer irgendein Monster mit Schuppen und Fell, an das er sich gut kuscheln konnte. Jetzt war ich schon wieder fast menschlich in seinen Augen.
"Und der Junge?", fragte ich ruhig.
Ich sah wieder zu meinem Buch, versuchte mir nichts anmerken zu lassen.
"Gar nichts. Er sah komplett normal aus. Glaubst du es wird besser?", fragte er leise.
"Ich weiß es nicht. Das solltest du aber Wright erzählen.", riet ich ihm.
Bisher war bei keinem von uns je eine Besserung zu erkennen gewesen. Meine Anfälle kamen immer unregelmäßiger und Apollo hatte vor dem Großteil der Menschheit Angst. Aber wenn es sich bei Apollo bessert, dann kann ich vielleicht hoffen, dass es bei mir auch besser wird. Vielleicht nur ganz vielleicht wird es ja auch besser werden. Wenn ich Wright nicht mehr so ausschließe, dann kann er mir vielleicht wirklich helfen.
"Hast du dir wieder wehgetan?", fragte er leise.
"Schlaf jetzt, ich weck dich, wenn es Abendbrot gibt.", erwiderte ich ruhig.
Er schien zu merken, dass ich nicht darüber reden will und blieb ruhig. Ich machte mir auch keine Gedanken mehr über das was Apollo gesagt hatte. Nach dem Abendbrot werde ich mit Wright darüber reden und dann soll er mir endlich alle meine Antworten gewähren. Immer wenn ich über mein lückenhaftes Gedächtnis rede, dann wechselt er das Thema.
Nach einer Weile schloss ich selbst meine Augen und lehnte meinen Kopf gegen die Wand hinter mir. Ich konnte von mir selbst nicht behaupten gut geschlafen zu haben aber bei Apollo kann ich es verstehen. An mein Bett fixiert könnte ich wahrscheinlich auch nicht schlafen. Aber wenn es besser wird bei ihm, dann kann er vielleicht bald auch ohne diese Maßnahme schlafen.
Als ich meine Augen öffnete war mein Hals steif. Ich musste eingenickt gewesen sein. Und das in dieser unvorteilhaften Position. Das erste was ich sah, waren zwei dunkle Augen, dann bemerkte ich die schwarzen Haare und seufzte. Wright war hier, heißt er will was. Ich rieb mir kurz die Augen unter meiner Brille und sah dann zur Seite. Apollo schlief noch friedlich neben mir. Ich richtete den Blick wieder nach vorne.
"Es ist besser wichtig, denn ich will ihn eigentlich nicht aufwecken.", fauchte ich noch leicht schlaftrunken.
"Abendbrot.", flüsterte er nur woraufhin ich seufzte.
Er nahm mir die unangenehme Aufgabe ab Apollo zu wecken. Er wachte leider nicht so ruhig auf wie ich, sondern fuhr mit einem Ruck hoch und klammerte sich dann an meinen Arm. Ängstlich und noch nicht richtig wach sah er sich um, dann bemerkte er, dass er sich keinen Fleck bewegt hatte und ließ mich erleichtert los.
"Es gibt Essen.", flüsterte ich leise, um ihn nicht noch mal zu erschrecken.
Er nickte und stand auf, ich tat es ihm gleich.
"Habt ihr die Nacht wieder nicht geschlafen, dass ihr so müde wart?", fragte Wright ruhig, als wir losgingen.
Der Speisesaal lag am anderen Ende des Gebäudes, heißt der Weg würde seine Zeit dauern.
"Ihre Präsenz ist halt ermüdend.", antwortete ich leicht schnippisch.
Ich hörte Apollo neben mir kichern und sah wie Wright uns schmollend ansah.
"Nicht lustig. Wenn ihr nicht schlaft, dann muss ich das wissen.", erwiderte er ruhig.
Er war nicht wütend, er wurde fast nie wütend. Nur wenn wir uns wirklich falsch benehmen und ihn reizen wird er wütend. Ich durfte mir schon ein paar Mal eine Standpauke anhören, weil ich mich rausgeschlichen hatte und weil ich leichtfertig darüber gesprochen hatte mich um zu bringen.
"Ich hatte Albträume.", flüsterte Apollo.
"Ich konnte einfach nicht schlafen.", sagte ich ruhig.
Er nickte uns zu und machte ein paar mentale Notizen. Der Rest des Weges verlief ruhig. Als wir im Speisesaal ankamen, war er schon recht voll. An dem Tisch ganz hinten, wo ich und Apollo immer saßen, saß ein junger Mann mit blonden Haaren. Ich sah zu Wright und hob eine Augenbraue.
"Das ist unser Neuzugang. Sei bitte, bitte lieb zu ihm.", flehte er schon fast und ging dann.
Seufzend ging ich mit Apollo dort hin und setzte mich, wie immer, neben Apollo. Der Junge sah hoch. Ich erschrak leicht. Er sah fast genauso aus wie Kristoph Gavin. Er sah mich ebenfalls erschrocken an. Ob er wusste wer ich war? Hoffentlich nicht, ansonsten würde das unangenehm werden. Ich konnte keinen überneugierigen Teenager gebrauchen, der zu viele Fragen stellt.
"H-Hi Klavier…", murmelte Apollo leise und lächelte ihn leicht an.
Klavier…Gavin…
Ich verkniff mir die Frage ob er einen Bruder hat, doch ihm schien das, mit dem Fragen verkneifen, nicht so leicht zu fallen.
"Sie…Sie sind doch Miles Edgeworth…der berühmte Staatsanwalt…oder?", fragte er leise.
Seufzend sah ich nach unten.
"Und wenn schon.", fauchte ich leise.
"Nicht Feuer spucken.", sagte Apollo leise.
Klavier sah ihn leicht verwirrt an. Wusste er es nicht…nein wahrscheinlich nicht. Obwohl, Apollo ist damit sehr offen, aber vielleicht ist das auch besser. Er weiß was er für ein Problem hat, so kann Wright vielleicht besser herausfinden, wie er ihn wieder in Ordnung bringt.
"Tut mir leid, hatte nicht die Intention. Sieht er immer noch normal aus?", fragte ich ruhig.
Apollo nickte nur. Dann kam schon jemand mit der Platte mit Fleisch und Käse. Ich richtete meinen Blick auf diesen Klavier. Er hatte seinen Blick gesenkt rieb sich ein wenig an den Armen. Er ritzt sich hatte Wright gesagt, das konnte man aber auch an der Sache mit den Armen und seinem ständigem Blick zu seinem Messer erkennen. Ist ja erstaunlich, dass Blackquill ihm das Messer gelassen hatte.
"Darfst du es benutzen?", fragte ich ruhig.
Überrascht sah er zu mir. Dann nickte er.
"Warum…darf ich fragen warum Sie hier sind?", fragte er leise, ängstlich.
"Weil ich verrückt bin, ganz einfach.", antwortete ich kurz und knapp.
Es war wahr und schreckte die meisten ab. Apollo hatte mich nie gefragt, deswegen hätte ihn auch nie abschrecken können, doch es schreckte ihn auch nicht ab, wenn ich es zu anderen sagte. Doch Klavier…schien es auch nicht ab zu schrecken. Er sah zwar kurz ein wenig erschrocken aus, aber nur für einen Moment.
"Glaub ihm kein Wort! Miles ist einer der nettesten Menschen hier und außer Doktor Wright der einzige der sich um mich kümmert.", sagte Apollo sofort.
Seufzend griff ich mir ein Brötchen und legte Apollo auch eins auf den Teller. Das stellte ihn sofort ruhig.
"Jetzt wird gegessen.", grummelte ich leise.
Klavier nahm sich auf ein Brötchen zitterte aber sehr beim Versuch es auf zu schneiden. Apollo sah ihn leicht besorgt an. Nach einer Weile konnte ich das nicht mehr mit ansehen und nahm ihm das Brötchen und das Messer weg.
"Wirklich erstaunlich, dass sie dir das Ding hier liegen lassen haben.", murmelte ich genervt und schnitt das Brötchen auf.
Er sah mich erschrocken an, als ich es ihm wieder hinlegte. Ich widmete mich wieder meinem Brötchen und beachtete ihn nicht. Nach einer Weile setzte sich jemand neben ihn, das erkannte ich aus meinen Augenwinkeln, wer wusste ich ganz genau, da Wright nie mit den anderen Therapeuten isst und mich immer nervt.
"Ist Miles auch nett zu dir? Wenn nicht, sag es mir, ich halt ihn schon davon ab zu beißen.", sagte er gut gelaunt.
Genervt sah ich zu ihm hoch.
"Ihn werde ich schon nicht beißen keine Sorge, wie das mit einem gewissen Therapeuten aussieht weiß ich noch nicht.", fauchte ich ihn an.
Apollo stupste mich leicht an und lehnt dann seinen Kopf auf meine Schulter. Er war fertig mit Essen oder hatte keinen Hunger mehr, auf alle Fälle, wollte er nicht, dass ich so gemein zu Wright bin. Dieser lächelte nur sanft und nahm sich die zweite Brötchenhälfte von Apollos Teller. Ich ignorierte ihn und sah zu Klavier, welcher zwischen mir und Wright hin und her sah.
"Du musst ihm nicht zuhören. Glaub mir, es kommt nur Mist raus, wenn er den Mund aufmacht.", erklärte ich ihm ruhig und spürte wie Apollo mich leicht boxte.
Wright lachte daraufhin und grinste mich an.
"Der Kleine ist auf meiner Seite. Also hör auf so böse zu sein.", sagte er ruhig.
Klavier richtete seinen Blick wieder nach unten. Seine Atmung ging leicht schneller und er fing wieder an, sich an den Armen zu reiben. Er würde sie am liebsten aufschneiden, das sah man ihm an. Ich sah zu Wright und machte eine kleine Kopfbewegung zu Klavier hin. Dann sah ich zu Apollo. Seine Augen waren geschlossen und sein Atem ging in regelmäßigen Zügen.
"Nicht einschlafen.", ermahnte ich ihn ruhig.
Er öffnete seine Augen und sah mich an.
"Geschirr wegbringen und dann ab ins Bett.", flüsterte ich ihm zu.
Wright hatte derweil angefangen Klavier zu beruhigen. Apollo und ich standen auf und nahmen unser Geschirr. Ich hatte mein Brötchen kaum angerührt, Apollo hatte wie immer eine Hälfte gegessen und Klavier schien auch eine Hälfte gegessen haben. Irgendwie war mir immer noch schlecht, hoffentlich geht das schnell weg. Er sah kurz zu mir.
"Soll ich-?", setzte er an, doch ich unterbrach ihn mit einem Nicken
Dann nickte ich einmal in Apollos Richtung und ging ihm hinterher. Ich sah Wright noch nicken, brachte dann mein Geschirr weg. Apollo schien auf mich zu warten. Ich schüttelte nur den Kopf, als er einen Lappen nahm, um den Tisch ab zu wischen. Verwirrt sah er mich an.
"Lass Wright und den Jungen mal allein. Wright macht das dann bestimmt.", erklärte ich ruhig.
Wir verließen den Speisesaal und ich führte ihm zu seinem Zimmer.
"Kennst du ihn?", fragte Apollo leise.
Wir waren bei seinem Zimmer angekommen, doch er blieb vor der Tür stehen und sah mich an. Sein Blick wirkte anders…entschlossener, selbstbewusster. Wahrscheinlich würde ich mit keiner Antwort nicht davon kommen. Ich schüttelte nur den Kopf.
"Als bei mir im Kopf noch alles in Ordnung war, war ich doch Staatsanwalt. Wahrscheinlich hat er mal einen Artikel über mich gelesen.", erklärte ich leise.
Apollo sah nach unten.
"Ab ins Bett. Wright kommt nachher noch vorbei, um dich zu fixieren.", fügte ich ruhig hinzu und öffnete seine Tür.
Da passierte etwas, was mir fremd war…zumindest wenn es um Apollo geht. Er stellte sich auf seine Zehenspitzen und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Auf seinen Wangen war ein leichter Rotschimmer zu sehen und er sah schnell nach unten und huschte in sein Zimmer.
"Schlaf gut.", hörte ich ihn noch nuscheln, bevor er die Tür schloss.
Leicht irritiert ging zu meinem Zimmer. Was war das denn? Verwirrt beschloss nicht weiter darüber nach zu denken und in meinem Zimmer auf Wright zu warten. Das schien jedoch eine Weile länger zu dauern, weswegen ich mir irgendwann einen Stuhl nahm, ihn ans Fenster stellte und aus dem Fenster sah. Es sah alles so friedlich aus. Jeder Unwissende würde nie wissen, was wir, die wir hier drinnen sein müssen, für Probleme haben.
Ich schloss meine Augen und erinnerte mich an früher. Wo noch alles gut war. Erinnerte mich an Neil und Kay, die mich immer im Büro genervt haben, an Lana, die immer ein offenes Ohr für mich hatte. Jake, der Neil immer wieder belehrt hat, wenn er auch nur halb so engagiert wäre wie ich, dann wäre er schon viel weiter als Staatsanwalt. Franziska und Lang, die nie aufhören konnten mir meine Fehler zu zeigen und auf ihre besondere Art und Weise zu helfen. Ray, der mich selbst aus den tiefsten Abgründen versucht hat raus zu zerren und dann war da noch Dick…der mich immer genervt hat, mit seinen kleinen tollpatschigen Fehlern und mich immer wieder hat zum Lächeln bringen können.
Seufzend öffnete ich meine Augen und sah weiter aus dem Fenster, als ich hörte wie die Tür geöffnet wurde.
"Tut mir Leid, hat länger gedauert. Was liegt dir denn auf dem Herzen?", fragte er mich ruhig.
Er nahm den zweiten Stuhl aus dem Zimmer und stellte ihn sich neben mich.
"Wer sind Sie? Ich will endlich die verdammte Wahrheit wissen. Warum gibt jemand, der mich anscheinend nicht kennt sich so große Mühe, dass ich wieder ok werde. Ich merkte doch, dass ich Sie mit meiner zunehmenden Verschlossenheit verletze, doch Sie machen weiter. Was wissen Sie über die Erinnerungen in meinem Gedächtnis, die nicht zurückkommen wollen. Und glauben Sie nicht, ich gebe mich mit keiner Antwort, oder beschwichtigenden Worten zufrieden, wenn Sie mir nicht antworten, sehen Sie mich morgen hier nicht mehr, dann sehe ich zu, dass ich mir aus der Küche ein Messer schnappe und es mir in die Pulsader ramme!"
Ich redete ohne Pause auf ihn ein und wurde gegen Ende lauter und ich meine alles vollkommen ernst. Ich habe es satt hier seit einem Jahr zu leiden und nicht einmal Antworten zu bekommen. Er legte seine Hand auf meinen Arm, doch ich zuckte weg und sah zu ihm. Sein Gesicht war ernst, vielleicht würde er mir endlich Antworten geben.
"Wahrscheinlich wirst du mir kein Wort glauben und dir trotzdem ein Messer in die Pulsader rammen, aber ich schwöre, die nächsten Worte sind die reine Wahrheit. Blackquill und die anderen haben mir geraten dir nichts zu sagen, aber es ist mir egal, ich will dich nicht noch einmal verlieren müssen. Miles, wir kennen uns seit der Grundschule. Wir sind zusammen in die dritte und teils in die vierte Klasse gegangen. Wir waren beste Freunde. Irgendwann bist du plötzlich verschwunden, die Lehrer hatten mir gesagt, dass du die Schule gewechselt hättest. Ich war unendlich traurig gewesen. Dann ich weiß nicht wie viele Jahre das her ist, hörte ich Gerüchte, dass du ein skrupelloser Staatsanwalt geworden bist. Ich konnte und wollte das nicht glauben, doch schaffte es nicht, mich mit dir in Verbindung zu setzen. Dann vor 2 ½ Jahren ist eine sehr gut Freundin von mir gestorben. Du wurdest als Staatsanwalt eingesetzt. Da haben wir uns das erste Mal wieder gesehen. Du warst anders als in den Zeitungen beschrieben, aber auch anders als damals. Wir hatten uns zwar normal unterhalten, doch was passiert war, hast du mir nie erklärt. Dann wurdest du von diesem Mann angegriffen und hast dein Gedächtnis verloren…und…und na ja du konntest dich halt nicht mehr an mich erinnern. Ich war traurig darüber, sehr traurig. Als ich dann vor einem Jahr wegen deinen Fall zu Rate gezogen wurde, da konnte ich nicht anders. Ich dachte, wenn du mich siehst, erinnerst du dich von selbst wieder an mich… Deswegen kämpfe ich so, dass du wieder gesund wirst. Ich will dich einfach nicht nochmal verlieren. Ich will dir helfen."
Für die nächsten paar Sekunden konnte ich ihn nur anstarren. Während seinem Redeschwall hatte er begonnen zu weinen und nun wischte er sich die Tränen aus dem Gesicht.
"Tut mir leid…", flüsterte er leise.
Wie damals vor einem Jahr konnte ich nicht anders als ihm zu glauben. Es fühlte sich einfach richtig an.
"Ich…ich glaube…Ihnen…", sagte ich leise.
Weitere Tränen flossen seine Wangen runter und irgendwie tat er mir leid. Doch ich wusste nicht damit um zu gehen. Wahrscheinlich verfluchte er sich selbst gerade, dass er so einen Ausbruch hatte, denn eigentlich dürfte ihm das schon gar nicht vor einem Patienten passieren. Ich erinnerte mich daran, was er tut, wenn ich weine und schreie und einfach weg will. Also stand ich auf, überbrückte die paar Schritte zu ihm und legte meine Arme vorsichtig um ihn.
Ich hörte ihn erschrocken aufkeuchen. Doch schnell beruhigte er sich. Dann stand er ebenfalls auf und lächelte mich sanft an.
"Tut mir leid, sowas ist ja total untypisch für mich. Das bleibt doch unter uns, oder?", fragte er ruhig.
Ich nahm meine Arme weg und nickte.
"Nur zwei Fragen noch.", murmelte ich leise.
"Ist gut, frag was du willst, ich schwöre, ab heute nichts als die Wahrheit.", erwiderte er ruhig.
"Die erste…Warum dürfen Sie mein Therapeut sein, wenn persönliche…Gefühle dahinter stecken, das darf doch gar nicht sein, oder? Und die zweite…Kann ich wirklich noch hoffen, dass alles wieder normal wird mit mir?"
Er hörte sich meine Fragen ruhig und lächelte mich weiterhin an.
"Also zu der Ersten, du merkst doch hoffentlich, dass ich der einzige bin der dich ruhig bekommt, oder? Wenn dich mir wegnehmen, dann würden die dir jedes Mal was spritzen müssen, um dich ruhig zu kriegen und das hat ja keinen Sinn. Und zur Zweiten. Solange ich hier bin, werde ich dich nicht aufgeben. Ja du kannst hoffen, denn ich werde dich heilen, das verspreche ich dir. Es wird alles wieder gut werden.", erklärte er.
Meinen Blick nach unten gerichtet nickte ich.
"Gut dann wünsche ich dir eine gute Nacht. Versuch ein wenig zu schlafen. Wenn noch etwas sein sollte, ich werde jetzt nach Apollo sehen.", verabschiedete er sich leise und ging aus dem Zimmer.
Fast automatisch zog ich mich um. Neues Schlafzeug war in meinen Schrank gehängt worden. Dieses zog ich an und legte mich dann hin. Als ich die Augen schloss sah ich nichts, keine Bilder, kein Blut, hörte keine Stimmen. Ich war wieder müde und mein Kopf war ruhig. Ich hatte das Gefühl in dieser Nacht würde ich das erste Mal seit Monaten wieder durchschlafen…
Und da begann ich wieder zu hoffen…
Oh mein Gott ich bin ein schrecklicher Mensch!
Es tut mir so unendlich leid, dass ich so lange gebraucht habe Q.Q
Aber irgendwie hatte ich zwischen Schule und meinen d
Krankenhausaufenthalten irgendwie keine Zeit...
Es Tut Mir Leid!Q.Q
Bitte seid mir nicht böse...
und denne ist Miles wahrscheinlich auch noch sowas von OOC
seufz...
na ja trotzdem viel spaß
lg Ryuuichi formerly Kain ;)
P.S.: ich hafte immer noch nicht für Rechtschreib- und Gramatikfehler
