Midnight Sanctuary/ 1
(Christina Aguilera – Prima Donna)
Die Show war vorbei und Erskine zog sich atemlos an die Bar zurück. Viele Gäste verließen den Club bereits und zogen ihre Mäntel enger um sich als kalte Luft auf ihre aufgeheizten Körper traf. Der Barkeeper nahm Erskines Bestellung auf. Er ließ den Blick durch den nun halbleeren Club schweifen, suchte nach ihr, doch vergebens. Grummelnd nahm er den Drink entgegen und stützte seine Arme auf dem Pult ab. Wenn sie nicht durch den Haupteingang den Club verließ, würde er sie verpassen! Er wollte sie für seine Burlesque Show gewinnen, jemand wie sie wäre ein wahrer Publikumsmagnet. Er versank in den Erinnerungen an ihre Stimme und wünschte sich sie hätte noch länger gesungen. Eine Bewegung rechts von ihm erregte seine Aufmerksamkeit. In einen dicken schwarzen Mantel gekleidet nahm sie auf dem quietschenden Hocker Platz. „Einen Whiskey Sour wie immer Earl." Erst jetzt konnte er ihre Augenfarbe ausmachen; ein tiefes Braun schien ihn in die Leere zu stürzen. Sie hatte den Lippenstift abgewischt und wirkte nun doch jünger als er gedacht hatte, sie konnte höchstens zwanzig sein.
„ Der Drink geht auf mich", Erskine hielt dem Barkeeper einen Zehner hin und winkte ab als dieser ihm das Wechselgeld geben wollte. „Vielen Dank", wandte sie sich an Erskine. Er tippte den Rand seines Hutes und neigte den Kopf in einer spendablen Geste. Als sie den ersten Schluck gemacht hatte erkannte Erskine seine Chance. Er streckte ihr seine Hand entgegen, „Erskine Ravel, es freut mich ihre Bekanntschaft zu machen. Sie haben eine wirklich … bezaubernde Stimme." Er ließ seinen Blick über ihren Körper schweifen, dabei waren seine Augen gekonnt mit der Hutkrempe verdeckt. Sie nahm seine Hand, ein entschlossener Griff, „Valkyrie Cain. Es freut mich zu hören, dass ihnen meine Show gefallen hat." Ein ehrliches Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Erskine hatte nicht gedacht, dass diese Frau noch unwiderstehlicher sein konnte. „Valkyrie", er testete ihren Namen auf seiner Zunge. „ Sie haben wirklich Talent, es ist eine Schande, dass sie in so einem Club wie diesem hier auftreten." Er blickte sich offensichtlich angewidert der Clubausstattung zu, nur um ihr dann eines seiner schiefen Lächeln zu schenken. Valkyries Gesicht verzog sich zu einer Grimasse, „Nun ja, vorerst muss es reichen, bis ich etwas Besseres gefunden habe. Die Rechnungen zahlen sich schließlich nicht von selbst." Ihr Lächeln wurde traurig. Sie ließ ihren Finger um den Rand ihres Glases kreisen. Perfekt, sie suchte nach einem besseren Job! Erskine räusperte sich, „Heute muss ihr Glückstag sein, Valkyrie. Wie es der Zufall so will, suche ich gerade nach einer neuen Leadsängerin für meine Show.", er nahm einen Schluck von seinem Drink, leckte sich die Lippen und ließ seinen Blick nun merklich über ihren Körper schweifen. „Sie besitzen einen Club?" Ihre Wangen färbten sich rot. Erskine lachte in sich hinein. „Ja, und einen gut besuchten möchte ich meinen." Er lehrte sein Glas, stand auf und nahm seinen Mantel vom Pult. „Falls sie interessiert sind, hier meine Visitenkarte. Schauen sie doch mal vorbei." Valkyrie nahm das kleine Kärtchen entgegen. Es war von dunkelroter Farbe mit schwarzer Aufschrift, schwarze Spitze umspielte den Rand.
„Vielen Dank, aber hier steht gar keine Numm…", Valkyrie blickte auf und Mister Ravel war verschwunden. Seltsam. Sie ließ sich in den Sessel sinken. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass sie sich verspannt hatte. Dieser Mister Ravel hatte etwas, dass sie nicht benennen konnte. Sie kippte den Rest ihres Drinks runter, zog ihren Mantel enger und eilte in die eisige Herbstluft. Morgen Abend würde interessant werden.
