Das nächste Mal wachte Harry auf als ihm die Sonne an der Nase kitzelte und die Vögel draußen fröhlich zwitscherten. Sofort bemerkte Harry, dass Toby nicht mehr neben ihm lag und stand deshalb auch auf. Nackt wie er war verließ er das Schlafzimmer und folgte den Küchengeräuschen, die er nur schwer zwischen den lateinamerikanischen Klängen erkennen konnte. Als er den Wohn- und Küchenraum betrat, bot sich ihm ein wundervolles Bild: Toby, der nur seine engen Jeans trug, keine Socken, kein Shirt und in diese ein rotes Geschirrtuch als Schürze gesteckt hatte, in welchem er soeben seine Hände abwischte. Seine Hüften bewegte er zu den feurigen Rhythmen in verführerischen Kreisen und bereitete so tänzelnd das Frühstück.
„Guten Morgen," rief Harry und grinste Toby, der sich ertappt fühlte, an.
„Morgen," lachte Toby und tanzte auf Harry zu, schlang seine Arme um Harry's nackten Körper und wollte ihn auf den Mund küssen, doch Harry zog sich zurück und murmelte zwischen zusammengepressten Lippen: „Darf ich deine Zahnbürste benutzen?"
„Klar darfst du." Toby lachte und küsste Harry auf die Stirn. „Wenn du duschen willst, beeil dich, das Frühstück ist gleich fertig."
„Yes Sir," Harry salutierte und marschierte in Richtung Badezimmer.
„Handtücher sind im Schrank neben der Wanne." Rief im Toby nach. „Fühl dich wie zu Hause."
Harry betrat das Badezimmer und ließ die Tür hinter sich offen. Er mochte die Musik. Sie war voll Sonne und Freude und ließ Harry's Körper sich rhythmisch bewegen, ohne dass er etwas dazu tun musste. Harry stellte sich vor das Waschbecken, wusch sich sein Gesicht und putzte sich die Zähne. Es war ein angenehmes Gefühl Toby's Zahnbürste zu verwenden. Seine eigene hatte er noch nie mit jemandem geteilt.
Als er fertig war stieg er in die Dusche und ließ kaltes Wasser über seinen Körper laufen. Der Sommer hatte es in sich. Seit Tagen schon war es schrecklich heiß, doch Harry genoss die Wärme und die Sonne. Er war eindeutig ein Sommer-Mensch.
Das Wasser prasselte auf seine gebräunte Haut und Harry schloss die Augen während er sich einseifte.
„Verdammt," rief er leise auf als die Seife in seine Pofalte rann. Es brannte fürchterlich und Harry versuchte so schnell wie möglich die Seife abzuwaschen. Er hatte nicht gedacht, dass er an dieser Stelle noch so gereizt sein würde, doch jetzt erinnerte er sich nur zu gut an den Schmerz und verzog das Gesicht.
„Harry? Darf ich reinkommen?" vernahm er Toby's Stimme.
„Ja, klar." Harry war bemüht sich den Schmerz nicht anhören zu lassen. Er steckte seinen Kopf aus dem Duschvorhang und erkannte Toby, der eine kleine Dose in der Hand hielt.
„Ich hab hier was für dich," meinte Toby und stellte das Döschen auf die Waschmaschine. „Du solltest dich dick damit eincremen – gegen die Schmerzen." Er lächelte und verließ dann wieder das Bad.
Harry drehte das Wasser ab und kam aus der Dusche. Dann war es also normal, wenn es am nächsten Tag immernoch weh tat. Er rubbelte sich mit einem Frotteehandtuch ab und griff dann nach der Dose. Sie enthielt eine weiße fette Creme. Es war für Harry eigenartig sich selbst an dieser Stelle zu berühren, doch als die Creme sich kühlend an die wunde Haut schmiegte, vergaß er dieses Gefühl und verteilte sie großzügig in und um seinen Schließmuskel. Sofort ließ der Schmerz etwas nach und Harry war erleichtert. Er wusch sich die Hände und wickelte sich dann wieder das Handtuch um die Hüften, bevor er zu Toby in die Küche hinaus ging.
„Alles klar bei dir?" fragte Toby und empfing Harry mit einer Umarmung.
„Ja, danke." Harry lächelte und sah tief in Toby's blaue Augen. Dann küsste er ihn auf den Mund und ließ seine Zunge zwischen Toby's leicht geöffnete Lippen gleiten. Seine Arme legte er um die in den Jeans steckenden Hüften und massierte leicht Toby's Po. Dieser keuchte auf und beendete den Kuss. Harry grinste und wollte Toby sofort wieder an sich ziehen, doch der legte ihm nur einen Finger an die Lippen und flüsterte: „Später. Erst gibt es Frühstück."
Schmollend verzog Harry das Gesicht und wollte widersprechen, doch Toby gab ihm ein kurzes Küsschen auf die Lippen.
„Die letzte Tür links ist mein Schrank. Such dir einfach etwas zum anziehen raus. Ich decke einstweilen den Tisch."
Harry tat immer noch beleidigt, doch sein Magen ließ ein verräterisches Knurren hören und so befolgte er Toby's Anweisungen. Ihm war diese Tür in dem Vorraum noch gar nicht aufgefallen und als er sie öffnete staunte er. Es war ein kleiner Raum, an dem links und rechts bis zur Decke Schränke angebracht waren. Diese steckten über und über voll mit Schuhen und Klamotten.
Harry hatte schnell Boxershorts gefunden und entschied sich außerdem noch für eine dreiviertellange olivegrüne Hose aus einem leichten sommerlichen Stoff. Das Badetuch legte er beim Rückweg auf der Waschmaschine ab. Als er wieder in die Küche kam war Toby gerade dabei zwei Tassen Cafe Latte zu richten.
„Kann ich dir noch etwas helfen?" fragte er Toby und lehnte sich von hinten an ihn.
Toby drehte sich um und drückte Harry die Tassen in die Hand, gab ihm einen schnellen Kuss und nahm selbst einen Korb mit französischem Baguette.
„Es ist alles fertig," sagte er „Komm mit."
Harry folgte ihm hinaus auf den Balkon wo ein kleiner weißer Tisch gedeckt und übervoll mit allen möglichen Leckereien war.
„Ich hoffe du bist kein Vegetarier und magst es deftig," grinste Toby. Auf dem Tisch war alles für ein typisch englisches Frühstück versammelt. Von Speck über Baked Beans, Ei in mehreren Varianten, gebratene Tomaten und Würstchen bis zu frisch gepresstem Orangensaft und Kaffee.
Harry's Magen knurrte und er setzte sich.
„Ich liebe es deftig," sagte er und seine Augen blitzten auf. Auch Toby nahm Platz und sie begannen zu essen.
Harry fühlte sich wie im Schlaraffenland. Nichteinmal in Hogwarts gab es so viel Auswahl beim Frühstück. Er häufte sich von allem ein bisschen auf seinem Teller.
„Hast du gut geschlafen?" fragte Toby nach einer Weile.
Harry schluckte hinunter. „Ja danke." Er lächelte. „Ich hab geschlafen wie ein Baby."
„Das freut mich." Toby trank einen Schluck Kaffe. „Ich hab mir Sorgen um dich gemacht."
Harry sah fragend auf und erinnerte sich dann wieder an seinen nächtlichen Gefühlsausbruch. „Es ist alles ok. Das alles ist nur ziemlich neu für mich und hat mich einfach überrumpelt."
„Ja das kann ich verstehen," sagte Toby und wirkte dabei leicht niedergeschlagen. „Ich hätte dir mehr Zeit lassen sollen."
„Nein, hättest du nicht," betonte Harr und streckte seinen Arm um seine Hand auf die von Toby zu legen. „Es war die schönste Nacht meines bisherigen Lebens."
Toby lächelte. „Ich hoffe es war nicht die letzte?"
Es war mehr eine Frage und Harry spürte wie sein Herz auf und ab hüpfte.
„Das hoffe ich auch." Er stand auf und ging hinüber zu Toby, setzte sich auf dessen Schoß und schlang seine Arme um ihn.
Als sie sich küssten spürte Harry jedes einzelne Gefühl, das Toby in den Kuss legte und er glaubte, die selbe starke Zuneigung zu erkennen, wie er sie selbst auch empfand. Ihre Zungen tanzten miteinander. Harry streichelte mit einer Hand über Toby's kurzes Haar während die andere Hand nach Toby's Fingern suchte und sich sofort mit ihnen verkeilte, als sie auf sie traf.
„Ach Harry," keuchte Toby nachdem sich ihre Lippen trennten. „Du treibst mich in den Wahnsinn."
Harry lächelte verschmitzt. „Das war auch meine Absicht," murmelte er und senkte seine Lippen auf Toby's Stirn. Er hauchte hunderte von zarten Küssen auf Toby's Gesicht. Toby schloss die Augen und Harry platzierte sogleich auf die weichen Lider je ein Küsschen. Seine Hände tasteten inzwischen Tobys Oberkörper entlang und versuchten sich unter den engen Hosenbund zu schieben.
"Was genau hast du vor?" fragte Toby lachend, seine Erregung verriet jedoch genau, dass er wusste worauf Harry aus war.
Während Harry von Tobys Schoß rutschte, versuchte er seine Unsicherheit scherzhaft zu überspielen. "Ach, ich probier nur was aus. Du kannst inzwischen weiter frühstücken." Er hatte nun genug Raum um Toby's Jeans aufzuknöpfen und mitsamt der Shorts hinunterzuziehen. Toby der natürlich keine Anstalten machte sich dem Frühstück zuzuwenden, half ihm, indem er die Hüften anhob.
Als er es geschafft hatte und Toby nun vollkommen nackt vor ihm saß, suchte er mit seinen Fingern nach Toby's Erektion. Noch nie hatte er das Glied eines anderen Mannes berührt. Sanft strich er mit dem Daumen über die Spitze und entlockte Toby in Keuchen. Das gefiel Harry und er kam Toby's Aufforderung nach, als dieser die Hände in Harrys Haar grub und dessen Kopf in Richtung seines Schoß' dirigierte. Testend leckte Harry über die glänzende Spitze und beobachtete erfreut, dass Toby scharf die Luft einsog und seine Finger fester in Harry's Haar krallte.
Harry genoss Toby's Reaktionen und er fand Gefallen daran ihn zu necken, also ließ er wieder nur kurz seine Zunge über Toby's Glied huschen, doch als dieser sich gerade beschweren wollte, stülpte er seine Lippen über die Erektion und sog sie tief in sich auf.
Da Harry jegliche Erfahrung fehlte, wusste er nicht recht, was zu tun war, ließ sich jedoch von seinen Gefühlen leiten und reagierte auf Tobys Stöhnen, wenn er etwas veränderte, indem er die neugefundene Technik verstärkte. Als Tobys Hüften unruhig in seinem Sitz herumrutschten, nahm Harry eine Hand zu Hilfe und es dauerte nicht lange, ehe Toby sich in ihm ergoss.
Harry war berauscht. In seinem Mund hatte er die glitschige Flüssigkeit gesammelt und verteilte sie mit der Zunge über Toby's Spitze, die er immer noch zwischen seinen Lippen hielt eher er sich löste und den verbleibenden Saft hinunterschluckte.
Toby zog Harry wieder auf seinen Schoß und presste sich fest an seinen Körper. Er küsste ihn sanft auf die Nasenspitzer. „Du bist der absolute Wahnsinn," lächelte er und Harry grinste ihn als Antwort an.
„Ich hab schon immer schnell gelernt." Harry lachte und kuschelte sich dann zufrieden an Toby's Brust. Der jedoch versuchte sich aus dem Sessel zu schälen und so erhob sich Harry widerwillig und sah Toby mit großen Augen an.
„Tut mir leid," meinte Toby und zog sich wieder Shorts und Jeans an. „Aber ich brauche jetzt unbedingt eine Zigarette."
Harry grinste und setzte sich wieder auf seinen eigenen Sessel, während Toby hineinging und wenig später mit einem Aschenbecher und einer Zigarettenschachtel zurückkam.
„Möchtest du auch eine?" fragte Toby und küsste Harry kurz in den Nacken.
„Ähm…" Harry stockte. „Ich hab keine Ahnung. Ehrlich gesagt hab ich's noch nie probiert."
„Hier," meinte Toby sogleich, steckte Harry eine Zigarette in den Mund und zündete sie an. Harry zog daran und blies den Rauch dann wieder aus. „Und?" Toby hob eine Augenbraue.
„Schmeckt eigenartig." Harry nahm noch einen Zug und behielt den Rauch ein wenig in seinem Mund.
„Du musst einatmen," erklärte Toby und Harry folgte. Sofort wurde er von einem Hustenanfall gepackt und Tränen stiegen in seine Augen.
Toby klopfte ihm auf den Rücken und lachte. „Das war ein Lungenzug," meinte er und steckte sich nun endlich selbst eine Zigarette an. Er setzte sich an seinen Platz während Harry's Husten sich langsam beruhigte.
Toby begann leise zu summen und Harry beobachtete ihn interessiert. Er fand, dass Toby richtig cool aussah, als er da so saß, mit seinem Kaffe in der einen und der Zigarette in der anderen Hand. Wie einer dieser Helden aus alten Schwarz-Weiß Filmen. Ein richtiger James Dean. Toby hatte die Augen geschlossen und ließ sich von der Sonne bescheinen, dabei summte er leise vor sich hin und schien in Gedanken versunken.
„Woher kannst du so gut singen?" brach Harry die Stille.
Toby sah auf und lächelte. „Ich hab mich mal für eine Musicalschule beworben, aber sie haben mich nicht genommen. Seit dem singe ich nur noch für mich selbst."
„Und für mich," fügte Harry strahlend hinzu.
„Und für dich," lächelte Toby.
Harry räusperte sich „Danke Toby, dass du gestern einfach nur da warst und keine Fragen gestellt hast," und sah auf. Er wollte seine Beziehung zu Toby nicht von Anfang an durch Unehrlichkeit zum Scheitern verurteilen.
„Toby…"
Er stockte kurz, nahm dann aber doch all seinen Mut zusammen.
„Toby, es gibt Dinge von mir die ich dir einfach nicht erzählen kann. In meinem Leben ist so viel Ungewöhnliches passiert, dass ich es selbst nicht glauben kann. Vielleicht werd ich irgendwann in der Lage sein, dir alles zu erzählen, aber im Moment würde es mich, aber allem voran dich selbst belasten und vermutlich alles zerstören, was wir... Ich meine,…"
Er hatte bis jetzt einfach alles aus sich raussprudeln lassen, doch nun musste er jedes Wort genau wählen. Er war sich nicht sicher, wie weit sie schon waren, doch nun gab es kein Zurück mehr und er wollte Toby sagen, was er empfand.
„Toby, ich hab dich gern und… ich… ich…"
„Harry." Toby stand auf, ging vor Harry in die Hocke und legte seine Arme auf Harry's Beine. „Harry, ich hab dich auch sehr gern und ich würde dich gerne noch besser kennenlernen."
Harry atmete ein um etwas zu sagen, doch Toby sprach weiter.
„Ohne dir zu nahe treten zu wollen. Du brauchst mir von dir nichts zu erzählen, was dir unangenehm ist. Ich vertraue dir und werde Verständnis haben. Ich möchte mit dir zusammen sein."
„Ok." Harry's Stimme krächzte. "Kannst du mich bitte küssen?" Er konnte einfach nichts anderes sagen und denken in diesem Moment.
„Jederzeit," hauchte Toby und presste seine Lippen auf Harry's Mund.
Harry schien es, als würde dieser Kuss eine Ewigkeit dauern und er genoss jede Sekunde davon. Toby hatte ihm soeben gesagt, dass er mit ihm zusammen sein wollte. Harry konnte sein Glück nicht fassen.
„Ich wünschte, ich könnte ewig so mit dir zusammen sein," murmelte er, nachdem sie den Kuss beendet hatten und ließ seine Hand über dessen Wange gleiten.
„Das kannst du auch, Harry," lächelte Toby und stand dann auf. „Aber jetzt werden wir endlich richtig frühstücken und dann gehen wir spazieren. Was sagst du dazu?"
„Das ist eine hervorragende Idee." Harry rückte seinen Sessel wieder gerade zum Tisch und widmete sich seinem immernoch fast vollen Teller.
Das Frühstück zog sich über den gesamten Vormittag. Toby erzählte Harry die lustigsten Geschichten aus seiner Kindheit und auch Harry blühte immer mehr auf, bis er Toby sogar von den Dursleys und ihrer Pingeligkeit erzählte. Toby lachte bei der exakten Schilderung Harry's und bedauerte ihn gleichzeitig für diese grauenhafte Kindheit.
„Ich würde zu gern das Gesicht von deiner Tante sehen, wenn du mich mal mit zu ihnen nimmst und ihnen erklärst, dass ich dein Freund bin." Toby fand diese Vorstellung äußerst erheiternd und auch Harry überlegte einen Moment, ob er die Dursleys wohl wirklich mal überraschend besuchen sollte. Doch er verwarf diese Idee gleich wieder.
„Ich schätz sie würden mir den Hals umdrehen und dich mit allen möglichen Schimpftiraden bewerfen." Er schüttelte den Kopf. „Das tu ich uns lieber nicht an."
Uns – das klang gut, fand Harry und lächelte still in sich hinein.
Als gegen Mittag die Sonne so heftig auf sie herunterbrannte, dass es auf dem Balkon einfach nicht mehr auszuhalten war, beschlossen sie nun wirklich ein wenig in die Stadt zu gehen.
Toby merkte schnell, dass Harry sich nur sehr schlecht in London auskannte und machte spontan eine kleine Sightseeing-Tour mit ihm. Harry war fasziniert von der Stadt. Bis jetzt hatte er hauptsächlich den Bahnhof Kings Cross und ein paar Einkaufsstraßen kennengelernt, doch London hatte deutlich mehr zu bieten.
Es wurde schon dämmrig, als sie schließlich zur Ruhe kamen und sie vor einer kleinen Pizzeria in einer Nebengasse niederließen um das Knurren in ihren Mägen zu beruhigen.
Harry war glücklich. Er hatte an diesem wundervollen Tag so viel über Toby erfahren und fühlte sich ihm nun noch näher. Toby hatte von seinen Eltern erzählt und seiner kleinen Schwester Kate, die nun ebenfalls die Schule beendet hatte und in London Jura studieren wollte. Jedesmal wenn ihm wieder eine neue Geschichte aus seiner Kindheit eingefallen war, hatten seine Augen zu leuchten begonnen und Harry fühlte, wieviel Toby seine Familie und seine Vergangenheit bedeutete. Er hatte Harry auch den Tag geschildert, als er seinen Eltern erzählt hatte, dass er schwul war. Harry hörte aufmerksam zu, da es ihm ja noch bevorstand, seinen Freunden von seiner Entdeckung zu berichten. Es beruhigte ihn ungemein, dass Toby's Eltern es sehr gut aufgefasst und Toby sogar immer wieder aufgefordert hatten, seine Freunde mit nach Hause zu bringen und ihnen vorzustellen. Der Gedanke gefiel Harry, dass er eines Tages vielleicht Hand in Hand vor Toby's Eltern stehen würde und offiziell als Toby's Freund bekannt gemacht wurde.
Es schien ihm so richtig mit Toby zusammen zu sein und hier neben ihm im Gastgarten der Pizzeria zu sitzen und sich über alles Mögliche zu unterhalten.
„Musik war schon immer meine große Leidenschaft," erzählte Toby gerade. „Schon mit 8 Jahren hab ich angefangen Gitarre zu lernen. Mit 14 hab ich meine erste Band gegründet, aber es hat irgendwie nie so richtig hingehauen. Meine Eltern wollten immer, dass ich Jura studiere und in Vaters Fußstapfen trete und nun sieh mich an: ich bin ein armer Schuhverkäufer und meine kleine Schwester rettet die Ehre unserer Familie." Er lachte und wandte sich an Harry. „Was möchtest du mal machen?" fragte er und fügte grinsend hinzu: „Wenn du mal groß bist."
Harry lachte auch und überlegte dann. Eigentlich hatte er keine Ahnung, was er nach Hogwarts tun wollte. Auror würde ihn interessieren.
„Ich weiß es nicht so recht," antwortete er wahrheitsgemäß. „Vielleicht Spion oder Agent," grinste er verschwörerisch. Diese Beschreibung kam wohl der eines Auror's am nächsten.
Toby lachte auf. „Der kleine Harry Potter, ein großer Kämpfer für das Gute."
,Wenn du wüsstest…' schoss Harry der quälende Gedanke durch den Kopf, doch er lachte.
„Vielleicht werd ich auch Besen-Verkäufer," meinte er dann beiläufig.
„Besen?" fragte Toby erstaunt. „Wieso gerade Besen?"
„Ist mir gerade so eingefallen," erklärte Harry und lachte innerlich.
„Du steckst voller Geheimnisse, " murmelte Toby und lehnte sich zu Harry. „Und genau das macht dich so aufregend." Er legte seine Lippen auf Harry's und küsste ihn innig.
Sie saßen noch eine Weile in der Pizzeria und schlenderten dann langsam durch die Straßen. Toby hatte seinen Arm um Harry's Taille geschlungen und seine Hand in dessen hinterer Hosentasche gesteckt. Harry tat es ihm gleich und so spazierten sie schweigend nebeneinander her, während der Mond, der nun schon fast voll war, vom Himmel auf sie herab lächelte.
„Musst du morgen wieder arbeiten?" fragte Harry nach einer Weile und Toby nickte.
„Du kannst aber trotzdem gerne bei mir schlafen. Ich lass dir meinen Schlüssel da und wenn du auf bist bringst du ihn mir einfach im Geschäft vorbei."
Toby sah Harry hoffend an und Harry musste lachen.
„Was ist los? Wieso lachst du mich aus?" fragte Toby gespielt beleidigt. „Wenn du nicht willst, dann geh eben in dein stickiges kleines Hotelzimmer."
Der schmollende Ton in Toby's Stimme ließ Harry nur noch mehr lachen, doch er blieb stehen und zog Toby an sich.
„Ich halte es doch ohne dich nicht aus," flüsterte er Toby zu und küsste ihn dann lange und verlangen auf den Mund. „Und jetzt lass uns endlich zu dir gehen, ich bin schon ganz hibbelig."
Das wiederum brachte Toby zum Lachen und die beiden gingen weiter in Richtung Toby's Wohnung, um wieder alleine zu sein und sich einander voll und ganz hingeben zu können.
Nachdem Toby spät in der Nacht in Harry's Arm eingeschlafen war, lag Harry noch lange wach. Er dachte über sein Glück nach, das er verspürte, seit er Toby kennen gelernt hatte. Fast wünschte er sich, nicht wieder nach Hogwarts zu müssen und einfach mit Toby ein normales Leben führen zu können. Von dem Moment an, als Hagrid ihm von der Zaubererwelt erzählt und Harry in Hogwarts sein Zuhause gefunden hatte, hatte er sich kein anderes Leben mehr, als das eines Zauberers, vorstellen können.
Doch nun war er so glücklich. Nichts belastete ihn. Er hatte sich nicht der dunklen Seite und Lord Voldemort zu stellen, er musste nicht der Retter der gesamten Zaubererwelt sein. Hier in Toby's Arm konnte er einfach nur Harry sein. Sein Name war hier genauso unbekannt wie seine Narbe und seine Vergangenheit. Toby brauchte sich nicht ständig um ihn zu sorgen und Angst zu haben, dass er eines Tages von einem Todesser überfallen werden würde.
Nie war es so wie man es sich wünschte. Wäre Harry damals nicht mit Hagrid mitgegangen, dann würde er auch nicht jeden Sommer von den Dursleys abhauen und hätte somit niemals Toby kennengelernt. Doch so, in der Situation in der er nun war, konnte er es Toby einfach nicht zumuten, eine Beziehung mit ihm einzugehen. Ständig musste er ihn belügen oder ihm etwas verheimlichen und auch wenn Toby sagte, er vertraue Harry, irgendwann würde er wissen wollen, wer Harry Potter wirklich war und dann könnte ihm Harry nichts sagen und vermutlich würde die Beziehung zerbrechen, bevor Harry überhaupt die Chance bekam, sich Toby gegenüber zu öffnen und in sein Herz, in sein Leben zu lassen.
Gedankenverloren streichelte Harry mit seinen Fingerkuppen über Toby's Gesicht. Er malte seine feinen Züge nach und lächelte sanft, als Toby die Nase kräuselte, weil ihn die Berührungen kitzelten. Vorsichtig hauchte Harry einen Kuss auf Toby's weiche leicht geöffneten Lippen und war ziemlich erstaunt, als dieser zurückküsste, Harry an sich zog und seine Zunge in seinen Mund schlängelte. Harry war fasziniert von der Zärtlichkeit und Leichtigkeit, die Toby im Halbschlaf in seinen Kuss legte. Er war gebannt und konnte nicht anders, als den Kuss zu erwidern und fühlte sich Toby dabei näher als je zuvor. Sanft streichelte er Toby's nackten Körper, der sich wohlig räkelte und den Kuss mit einem leisen Gemurmel beendete. Dann kuschelte er sich wieder an Harry's Brust und wenige Augenblicke später, vernahm Harry wieder das gleichmäßige ein- und ausatmen.
Glücklich schloss er die Augen und schlief auch selbst bald ein.
Als Harry am nächsten Morgen aufwachte, war Toby schon weg. Doch erstaunlicherweise fühlte Harry sich keineswegs unwohl. Es war ein angenehmes Gefühl zu wissen, dass Toby ihm so ohne weiteres seine Wohnung anvertraute.
Zu allererst ging Harry in das Wohnzimmer um die Stereoanlage einzuschalten. Er mochte Musik. Sofort erklang Paolo Contes raue Stimme und Harry musste grinsen, bei der Erinnerung an die letzte Nacht als Toby plötzlich während ihres Liebesspieles aufgesprungen war, weil gerade sein Lieblingslied „Blue Tango" erklang. Das ganze Lied hindurch hatte er splitternackt am Bett getanzt und laut gesungen, während Harry ihm nur fasziniert hatte zusehen können. Der Sex nach Toby's Ausbruch war beschwingt gewesen und beide waren erschöpft vor Lachen und vor Anstrengung nebeneinander in die Kissen gesunken.
Nie hätte Harry geglaubt jemals soetwas zu erleben. Er lachte auf und ging dann ins Badezimmer um sich zu duschen und Zähne zu putzen.
Es war herrlich Toby's Wohnung so ganz für sich zu haben. Harry fühlte sich, als wäre dies sein einzig wahres zu Hause. Er spazierte nur mit einem Handtuch bekleidet in die Küche und wollte soeben nach etwas Essbaren suchen, als er einen Brief auf der Arbeitsfläche entdeckte. Er musste von Toby sein. Harry kannte zwar Toby's Handschrift nicht, doch diese schien perfekt zu ihm zu passen. Es waren feine Linien, die leicht schief lagen und kaum merkbare Schlingen an den F's und L's hatten. Harry begann zu lesen
„Guten Morgen mein Schatz,
ich hoffe du hast gut geschlafen. Ich wollte dich nicht wecken. Du hast einfach zu süß ausgesehen.
Fühl dich wie zu Hause und nimm dir aus meinem Schrank einfach etwas zu anziehen. Falls du die Creme suchst, sie ist in dem Regal neben der Wanne.
Ich hab dir die Espressomaschine schon hergerichtet, da ich nicht wusste, ob du sie bedienen kannst. Stell sie einfach auf die kleinste Herdplatte und warte bis sie zu sprudeln beginnt. Milch und Schinken sind im Kühlschrank. Toast ist neben der Mikrowelle.
Nimm dir einfach was du brauchst und wozu du Lust hast.
Falls dir etwas fehlt, ganz unten steht die Telefonnummer von meinem Laden, mein Handy liegt am Couch-Tisch.
Um zwei hab ich Mittagspause. Wenn du Lust hast können wir gemeinsam etwas Essen gehen. Nimm mein Handy mit, wenn du zu mir kommst.
Ich hab dir im Stadtplan genau eingezeichnet, wie du gehen musst.
Also, ich freu mich schon auf dich.
Kuss Toby"
Harry lächelte. Toby war einfach wundervoll. Er dachte an alles. Harry stellte die Espressomaschine auf die Herdplatte und schaltete diese ein. Dann ging er, um sich einzucremen und etwas aus Toby's übervollen Schrank auszusuchen. Er entschied sich zu der grünen Hose von gestern ein schwarzes ärmelloses Shirt anzuziehen.
Als er wieder in die Küche trat, begann gerade die Espressomaschine eigenartige Laute von sich zu geben und Harry öffnete leicht den Deckel um zu sehen, wie weit der Kaffe war.
Er entschied, dass dieser noch ein wenig brauchte und holte aus dem Kühlschrank Milch, Schinken und Marmelade.
