4. Kapitel

Es war halb eins als Harry die Wohnung verließ um sich mit dem Plan, den Toby für ihn gekennzeichnet hatte, auf den Weg zu machen. Er hatte beschlossen ein wenig früher zu gehen, da er sich eventuell noch ein paar Schuhe kaufen wollte. Schließlich konnte er nicht nur in seinen Stiefeln herumlaufen.

Fünfzehn Minuten später stand er vor einem kleinen aber modernen Schuhladen. Er sah durch die großen Auslagefenster und entdeckte Toby, der gerade ein junges Mädchen bediente. Mit dem Klingeln der Tür trat er ein und Toby rief ihm „Bin gleich bei Ihnen" zu, ohne aufzusehen. Harry lächelte und sah sich einstweilen um. Er hatte selten so viele Schuhe auf einmal gesehen, die ihm alle gefielen. Meist hatte er Dudley's alte Turnschuhe geerbt und als ihm diese einfach zu groß waren, hatten ihm die Dursleys nur irgendwelche billigen Schuhe aus dem Secondhand-Shop gekauft.

Nun aber konnte er sich selbst aussuchen, was er wollte und schlenderte durch die Gänge zwischen den Regalen. Er vernahm wieder das Klingeln der Tür und sah, dass das Mädchen den Laden verlassen hatte, als sich zwei Arme von hinten um ihn schlangen.

„Ich hab dich vermisst," säuselte Toby und küsste ihn in den Nacken.

Harry drehte sich zu Toby um und legte seine Lippen auf die Toby's.

„Ich hab dich auch vermisst," murmelte er kurz, bevor er mit seiner Zunge Toby's Lippen teilte und sie dann in dessen Mund gleiten ließ. Hungrig presste er seinen Körper an Toby und umarmte ihn fest.

Nach einer Weile löste sich Toby aus dem Kuss und lächelte Harry an.

„Du musst mich ja wirklich schmerzlich vermisst haben," grinste er. „Aber es ist erst kurz vor eins, ich hab erst in einer Stunde Pause."

„Ehrlich gesagt bin ich gar nicht wegen dir hier," meinte Harry und lachte über Toby's fragenden Gesichtsausdruck. „Ich brauche Schuhe," fügte er hinzu. „Aber natürlich," er zog Toby wieder an sich. „- bin ich in erster Linie hier, weil ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe ohne dich." Wieder küsste er Toby und schmiegte sich an ihn.

Es war ein Glück, dass niemand hereinkam, während Harry und Toby sich innig küssten und streichelten.

„Also," meinte Toby, nachdem sie den Kuss beendet hatten. „Wonach suchst du?"

Harry schaute etwas verlegen. „Naja, eigentlich hab ich außer meiner Stiefel und dem einen Paar Turnschuhe gar keine Schuhe." Er sah auf und erkannte Toby's Staunen.

„Ok, dann lass uns mal loslegen," sagte Toby schließlich und huschte davon. „Setz dich, ich bring dir mal ein paar Sachen. – Welche Schuhgröße hast du? 43?" Und schon war er hinter einem Vorhang neben der Theke verschwunden.

„Ja, 43," rief ihm Harry nach und setzte sich dann auf den gemütlichen Sessel.

Es dauerte nicht lange und Toby kam mit etlichen Schachteln beladen zurück.

„Also," er setzte die Kisten ab und nahm gegenüber von Harry Platz. „Converse müssen auf jeden Fall sein. Die sind Kult und außerdem ideal für Sommer und Übergangswetter. Schwarz sind die Klassiker, aber auch die farbigen haben ihren Reiz…"

Harry war fasziniert davon, wie Toby von Schuhen sprach - als seien sie das Wichtigste auf Erden und einige Zeit später war Harry um vier Paar Schuhe reicher.

Es war kurz vor zwei und kein weiterer Kunde war gekommen. Harry saß mit Toby auf einem Sofa. Seine Hand hatte er auf Toby's Knie gelegt und er hauchte Toby immer wieder sanfte Küsse auf den Hals, das Ohr oder den Nacken.

„Harry," seufzte Toby. „Ich bin hier um zu arbeiten."

„Aber es ist doch gar kein Kunde hier," meinte Harry schmollend und ließ seine Zunge über Toby's Ohrmuschel gleiten.

„Nicht Harry," keuchte Toby und lehnte sich gleichzeitig weiter in Harry's Umarmung.

„Was nicht?" grinste Harry und fuhr mit seiner Hand Toby's Oberschenkel nach oben und wieder zurück zum Knie. Während seine Lippen sich an dem weichen Hals festsaugten, glitt er mit den tastenden Fingern diesmal an der Schenkelinnenseite nach oben, bis er Toby's Schoß berührte.

„Harry, ich…" Toby stöhnte als Harry leichten Druck auf seine aufkommende Erektion ausübte. Er schloss genüsslich die Auge und sprang dann plötzlich aus. „Komm mit," murmelte er und zog Harry mit sich hinter den Vorhang, wo sich das Lager für die Schuhe befand. Sofort zog er Harry in einen gierigen Kuss und machte sich an dessen Hose zu schaffen.

Etwas verspätet verließen die beiden eine Weile später lachend den Laden. Harry war immer noch berauscht von der Gefahr des Entdecktwerdens und hüpfte nahezu neben Toby her. Sie aßen in einem kleinen Lokal in der Innenstadt zu Mittag. Die Sonne prallte auf sie herunter und Harry genoss sein Leben in vollen Zügen.

„Was hast du heute noch vor?" fragte Toby nach einer Weile.

„Ich werd mal bei mir nach dem Rechten sehen und eventuell ein wenig für die Schule lernen," antwortete Harry und nahm einen Schluck von seinem Eistee. „Dieser verdammte Snape hat wie immer einen ewig langen Aufsatz aufgegeben."

Harry war so in der Ruhe versunken, dass er gar nicht bemerkte, was er soeben erzählt hatte. Toby jedoch wurde aufmerksam.

„Was unterrichtet dieser Snape denn?" erkundigte er sich beiläufig.

Doch nun kam Harry wieder zu sich. Er hatte eine Art Sperre in seinem Kopf errichtet, die verhinderte, dass er das Wort „zaubern" aussprach. Es war ihm nicht sonderlich schwer gefallen, da er jahrelang bei den Dursleys gelernt hatte, nicht davon zu sprechen.

„Chemie" antwortete er deshalb und wusste, dass dieses Fach dem von Snape unterrichteten noch am nächsten kam.

„Ich hab Chemie gehasst," grummelte Toby gleich. „Einmal hätte ich beinahe das ganze Klassenzimmer in die Luft gesprengt." Er lachte bei der Erinnerung und Harry setzte mit ein.

„Wie haben auch so einen. Der schafft es wirklich jedes Mal eine kleine Katastrophe heraufzubeschwören." Er dachte dabei an Neville, der sich zwar in den letzten Jahren sehr gemausert hatte, doch in Zaubertränke war er so schlecht wie eh und je und alles nur, weil er so große Angst vor Snape hatte.

„Meinst du, du wirst heute Abend mit deinem Aufsatz fertig werden?" Toby lehnte sich zu Harry und küsste ihn auf den Hals. „Ich würde gern für uns kochen."

Harry schnurrte sanft. „Ob ich fertig werde oder nicht – wann soll ich da sein?"

Toby grinste. „So um Acht?"

„Ich kann's kaum erwarten."

Die Mittagspause ging dem Ende zu und Harry begleitete Toby noch zurück zu seinem Laden, verabschiedete sich mit einem langen Kuss und machte sich dann auf den Weg in den tropfenden Kessel.

„Ah Mister Potter," wurde er sogleich von Tom, dem Wirten begrüßt. „Ich wollte schon eine Vermisstenanzeige aufgeben. Aber wie ich sehe, geht es ihnen gut."

„Ja Tom, danke," antwortete Harry. „Ich werde auch in den nächsten Tagen wenig hier sein. Könnten Sie sich eventuell ein wenig um Hedwig kümmern?"

„Natürlich Mister Potter," meinte Tom lächelnd. „Es wird mir eine Ehre sein."

„Danke Tom," sagte Harry noch und stieg dann die Treppe zu seinem Zimmer hinauf. Hedwig saß auf ihrem Käfig und schlief.

„Hi Hed," murmelte Harry und kraulte ihr den Kopf. Dann entdeckte er die Post auf seinem Bett und machte sich daran, sie zu öffnen.

Es war eine Karte von Ron und Hermione aus Frankreich dabei. Sie zeigte den Eifelturm bei Nacht. Harry drehte sie um und las die Nachricht:

Hi Harry, stand da in Ron's gekrakelter Schrift. Paris ist echt geil. Du solltest unbedingt mal hierher kommen. Hier gibt's die heißesten Mädchen, da findest sogar du eine.

Harry lachte und las weiter. Jetzt schrieb Hermione.

Vergiss was Ron sagt, Harry. Du wirst auch in England jemanden finden. Ich freu mich schon dich wieder zu sehen. Ach übrigens, ich bin Schulsprecherin geworden, ist das nicht toll? Harry freute sich natürlich für Hermione, obwohl er nichts anderes erwartet hatte. Allerdings gemeinsam mit Malfoy. Was Dumbledore sich nur dabei gedacht hat. Naja, wie auch immer. Genieß deine Ferien.

Liebe Grüße Hermione & Ron

Malfoy war Schulsprecher? Wie konnte denn das passieren? Harry hätte geschworen, dass Ron es werden würde, nachdem er auch Vertrauensschüler geworden war. Doch Harry verdrängte jeden weiteren Gedanken an Malfoy und widmete sich dem Rest seiner Post.

Der alljährliche Brief aus Hogwarts war dabei, mit der Liste der neuen Bücher und einer Reihe von anderen Utensilien, die vor allem für den praktischen Unterricht für die UTZ-Prüfungen gebraucht wurden.

Außerdem war noch ein weiterer Brief dabei, mit einem Phönix-Siegel. Harry entfaltete das Pergament und entdeckte Dumbledores Handschrift. Er wunderte sich kurz über die persönliche Nachricht des Schuldirektors, bevor er zu lesen begann.

Lieber Harry,
Tom hat mir erzählt, dass du in den letzten beiden Tagen nicht im Tropfenden Kessel warst. Ich hoffe es geht dir gut und du genießt deine Ferien. Du solltest vor allem Muggel-London besichtigen. Ich bin mir sicher, dein neuer Freund kann dir alles sehenswerte zeigen. Pass auf dich auf.
Mit freundlichen Grüßen
Albus Dumbledore
P.S. Bring mir doch bitte aus diesem Muggel-Süßigkeitsladen in der Walley-Street ein paar von diesen Cola-Brause-Lollys mit

Verwirrt und geschockt ließ Harry den Brief sinken. Woher wusste Dumbledore von Toby? Was musste er nur von Harry denken. Schließlich kannte er Toby erst so kurz und hatte schon bei ihm übernachtet, war quasi bei ihm eingezogen. Harry spürte, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg. Ihm wurde selbst erst jetzt bewusst, wie schnell alles gegangen war. Er hatte Toby von Beginn an vertraut und deshalb einfach seine Hemmungen verloren. Und nun, erst zwei Tage später, fühlte er sich bei Toby so sicher und zu Hause, als würde er ihn seit Jahren schon kennen.

Harry nahm Pergament und Feder aus seinem Schrank und setzte sich an den Tisch um eine Antwort an Dumbledore zu verfassen.

Sehr geehrter Professor,
ich danke Ihnen für Ihren netten Brief. Mir geht es sehr gut und ich fühle mich wohl hier. Muggel-London ist wirklich eine tolle Stadt. Ich werde mich gleich morgen auf den Weg machen und Ihnen die gewünschten Süßigkeiten besorgen.
Mit freundlichen Grüßen
Harry Potter

Kurz hatte Harry überlegt zu fragen, woher Dumbledore von Toby wusste, doch er hatte es sich anders überlegt. Dumbledore wusste schließlich immer über alles genau Bescheid und hatte noch nie seine Quellen verraten.

Harry faltete das Pergament und ging hinüber zu Hedwig, die sofort schuhute als Harry den Brief an ihrem Bein befestigte.

„Tut mir leid, dass ich die letzten beiden Tage nicht hier war und mich um dich gekümmert habe. Tom hat mir versprochen nach dir zu sehen." Hedwig pickte Harry strafend in die Hand, doch schuhute dann wieder verzeihend und erbot sich, um Harry's Brief auszutragen.

Den Rest des Nachmittags verbrachte Harry damit, seine Sachen für die Schule zu besorgen. Er schlenderte durch die Winkelgasse und genoss mal wieder Zauberer um sich zu haben. Jetzt wo er wieder hier in der Zaubererwelt war, realisierte er erst, wie ihn all die Magie gefehlt hatte. Er war nunmal ein Zauberer und gehörte in diese Welt, auch wenn er sich bei Toby zu Hause fühlte, er konnte sich ein Leben ohne Magie nicht mehr vorstellen.

Als er fröhlich und mit Tüten vollbepackt wieder in sein Zimmer trat, musste er mit Schrecken feststellen, dass es schon sieben Uhr war. Schnell nahm er eine Dusche und zog sich um.