Der Freitag kam schneller als erwartet. Harry kam gerade bei der Wohnungstür herein. Er hatte Toby den ganzen Tag bei den Vorbereitungen geholfen und war dann nur kurz im tropfenden Kessel gewesen um sich umzuziehen. Toby stand immer noch in der Küche und richtete die letzten Häppchen an einem Tablett an.
„Hi Baby," grüßte er Harry mit einem breiten Lächeln und einem Kuss. „Kommst du mit unter die Dusche?"
„Haben wir denn noch soviel Zeit?" fragte Harry zweifelnd und blickte auf die Guinness-Uhr über der CD-Anlage.
Toby presste seinen Körper an ihn und Harry konnte das bereits harte Glied deutlich spüren.
„Dafür ist immer Zeit," flüsterte ihm Toby verführerisch ins Ohr. „Außerdem kommen meine Freunde immer zu spät. Abgesehen von Amy vielleicht. Er leckte über Harrys Ohr, der genüsslich die Luft einsog.
„Also? Kommst du nun mit?" Nicht fähig noch irgendwelche Proteste anzubringen ließ sich Harry von Toby mitziehen, der sich schon aus seinen Jeans schälte, die das einzige waren was er anhatte. Und ehe Harry sich versah, war er schon unter den lauwarmen Duschstrahl geschubst und an die Wand gepinnt worden. Er fühlte Toby's Hände überall an seinem Körper. Seine Jeans wurden geöffnet und mit vereinten Kräften schafften sie es den durchnässten Stoff ganz von seiner Haut zu trennen.
„Oh Baby, ich bin so scharf auf dich, ich halte es kaum noch aus," murmelte Toby, drehte Harry mit der Brust zur Wand und schob seine Beine auseinander. Harry spürte die drängenden Finger, die gegen seinen Eingang drückten und sich langsam vorarbeiteten. Er war vollkommen entspannt durch das warme Wasser und so verspürte er auch überhaupt keinen Schmerz als Toby seine scheinbar mit Spucke angefeuchteten Finger in ihn schob. Er stöhnte laut auf, als Toby seine Prostata berührte.
„Mach endlich," keuchte er und spreizte seine Beine noch ein bisschen mehr.
Toby schien es schon wirklich eilig zu haben, er entfernte seine Finger und schon im nächsten Moment stieß er heftig sein steinhartes Glied in ihn. Sie stöhnten gleichzeitig laut auf. Harry bekam keine Sekunde um sich ein wenig zu beruhigen, denn Toby fand sich gleich in einen harten Rhythmus ein. Harry fasste mit einer Hand nach seiner eigenen Erektion und begann diese zu massieren.
„Dich zu nehmen ist das Größte," keuchte Toby in sein Ohr.
Und plötzlich hörte Harry die Eingangstür und Schritte. Er erstarrte. Sie hatten die Badezimmertür nicht geschlossen.
„Toby," hisste er nervös. Doch dieser war so sehr in seiner Lust gefangen, dass er ihn nicht zu hören schien.
„Lasst euch nicht stören," erklang da eine belustigte Frauenstimme und endlich verharrte Toby. „Ich mach schon mal Kaffee." Und schon bewegten sich die Schritte weiter.
Harry musste ziemlich verwirrt dreingesehen haben, denn Toby ließ sogleich ein erklärendes „Amy" hören und setzte dann wieder in seinen diesmal etwas ruhigeren Rhythmus ein.
„Toby," keuchte Harry. „Warte. Ich kann das nicht. Ich…" Doch Toby stieß mit einem Mal tief und kräftig zu und sofort war Amy vergessen. Harry nahm wieder die Massage seines prallen Glieds auf und spürte wie er seinem Höhepunkt immer näher kam. Er keuchte immer wieder Toby's Namen und beschleunigte die Bewegung seiner Hand.
Und dann kam er. Mit einem gewaltigen Schrei ergoss er sich über die Duschkacheln und zog seinen Schließmuskel um Toby's hämmerndes Glied zusammen. Jeder weitere Stoß, der seine Prostata traf, durchzuckte ihn wie ein gewaltiger Blitz. Er glaubte zerspringen zu müssen. Gerade in dem Moment als ihn seine Kraft verließ und er zu Boden sinken wollte, fasste ihn Toby um den Bauch und kam selbst mit einem tiefen Stöhnen.
Gemeinsam ließen sie sich zu Boden sinken und von dem warmen Wasserstrahl berieseln.
„Das war unglaublich," murmelte Harry nach einiger Zeit immer noch erschöpft.
„DU bist unglaublich, Baby," antwortete Toby mit einem warmen Lächeln. „Komm, lass uns die Party beginnen." Er küsste ihn, verließ die Dusche und erwartete Harry mit einem großen Frotteehandtuch. „Such dir einfach was aus meinem Schrank aus," grinste er mit Blick auf Harrys durchnässte Klamotten und verließ das Badezimmer, wieder nur in seine engen Jeans gekleidet. Wie er diese so schnell angezogen hatte, konnte Harry nicht erklären. Er war immer noch zu erschöpft und setzte sich einen Moment auf den heruntergeklappten Klodeckel um zu verschnaufen.
Dieses Erlebnis eben war einfach unglaublich gewesen. Zwar war es ihm wahnsinnig peinlich, da Amy zweifellos mitbekommen hatte, was sie hier getrieben hatten, doch das war es absolut wert gewesen. Toby war erneut extrem feurig gewesen und Harry musste wieder zugeben, dass er es mochte hart genommen zu werden. Er liebte es zwar auch, wenn Toby ihn durch langsame Bewegungen in den Wahnsinn trieb, doch diese Leidenschaft, diese Heftigkeit, wenn Toby ihn nahm wie eben, war einfach überwältigend.
Wohlig seufzend erhob sich Harry, trocknete sich ab und huschte dann mit um die Hüften gewickeltem Handtuch in den begehbaren Schrank um sich etwas zum anziehen rauszusuchen. Es war ja typisch. Da machte er sich einmal die Mühe und ging noch in den tropfenden Kessel um sich herzurichten und Toby machte alles zunichte. Grinsend griff er nach einem Paar Jeans und zwängte sich hinein. Toby war eindeutig zu dünn. Keuchend schaffte Harry es auch den letzten Knopf zu schließen und kontrollierte, ob man etwas davon sah, wie mühevoll er sich in die Hosen gequetscht hatte, konnte jedoch nichts erkennen. Außerdem griff er nach einem enganliegenden grünen Shirt mit schwarzem Aufdruck. Er machte sich nicht die Mühe die Buchstaben zu entziffern. Die Farbe würde seine Augen hervorragend betonen und er wollte schließlich vor Toby's Freunden brillieren.
Nach einem weiteren kurzen Besuch im Badezimmer und ein wenig Haargel fühlte er sich bereit seinem Feind gegenüberzutreten. Er lächelte innerlich bei dem Gedanken. Er hatte wesentlich schlimmere Feinde als Toby's Freunde. Sie würden ihm schon nicht den Kopf abreißen und auch keinen Avada Kedavra aufhetzen.
Noch einmal atmete er tief ein und aus um sich zu beruhigen, dann trat er in die Küche. Sofort wurde er von einem kleinen Mädchen mit blondem Wuschelkopf in Beschlag genommen und heftig umarmt.
„Du musst Harry sein," sprudelte sie gleich drauflos. „Ich hoffe Toby hat dich ordentlich rangenommen. Aber wenn ich mir dich so ansehe, dann kann ich mir kaum vorstellen, dass er sich selbst davon abhalten könnte." Harry wurde sofort rot, doch Amy hatte ihren Blick abgewandt und blinzelte Toby an. „Du hast nicht übertrieben, er ist tatsächlich ein Schnuckel."
Harry hustete verlegen, es war ihm unangenehm, dass so über ihn gesprochen wurde. Vorsichtig machte er sich aus Amys Umarmung frei und schritt zu Toby. Dieser legte besitzergreifend seinen Arm um Harrys Hüften. „Keine Chance Amy, Harry braucht keinen Beweis mehr dafür, dass er schwul ist." Amy lachte. „Nicht wahr," flüstere Toby in Harrys Ohr und küsste ihn dann leidenschaftlich auf den Mund.
Harry stöhnte als sich ihre Lippen trennten, doch nicht erregt sondern aus Resignation. „Ich geb auf." Toby und Amy sahen sich fragend an. „Ich lass mich von euch nicht aus der Fassung bringen. Reißt euch nur das Maul auf. Ich bin solang auf dem Balkon, ich brauch jetzt erstmal eine Zigarette." Damit blinzelte er Amy schelmisch an und warf Toby noch eine Kusshand zu, bevor er auf den Balkon trat und sich an Toby's Zigaretten, die da schon bereitlagen gütlich tat.
Es dauerte nicht lange da gesellte sich Amy zu ihm. Unaufgefordert setzte sie sich zu Harry auf die Hollywoodschaukel, griff nach Toby's Zigaretten und steckte sich eine an.
„Weißt du, dass ich richtig eifersüchtig auf dich bin?" fragte sie mit einem freundlichen Blitzen in den Augen. Harry zog nur fragend eine Augenbraue hoch. „In den letzten Jahren war ich immer der wichtigste Mensch in Toby's Leben und ich musste echt hart dafür arbeiten." Sie grinste verschwörerisch und Harry konnte sich vorstellen worauf sie anspielte. „Und jetzt fällst du aus den Wolken, verdrehst meinem Freund den Kopf und hast binnen zwei Tagen geschafft wofür ich 2 Jahre gebraucht hab. Das ist echt bewundernswert."
Harry konnte nur lächeln. Es war wirklich alles verdammt schnell gegangen.
„Ich kann zu meiner Entschuldigung wohl nur sagen, dass ich das nicht geplant hatte, wenn dir das weiterhilft." Er sah Amy musternd an. Sie sah ganz anders aus, als er sie sich vorgestellt hatte, aber er mochte sie sofort. Sie hatte ein offenes Lächeln, riesengroße Augen in undefinierbarer Farbe und wie es schien eben so schwer zu bändigendes Haar wie Harry von sich selbst kannte.
„Du musst dich nicht entschuldigen. Ehrlich gesagt bin ich sehr froh darüber, dass Toby endlich mal wieder verliebt ist, auch wenn ich mir, um ganz ehrlich zu sein, Sorgen mache." Harry blickte sie nur fragend an und ließ Amy fortfahren. Er fürchtete bereits zu wissen worauf Amy hinauswollte. Vermutlich ging es um seine Verschwiegenheit über sein Leben. Und er sollte Recht behalten.
„Weißt du Toby vertraut nicht schnell jemanden. Es wundert mich sehr, dass er das bei dir scheinbar anders hält und genau deshalb ist es mir besonders wichtig, ein Auge auf ihn zu halten. Er ist mein bester Freund und ich möchte nur ungern miterleben müssen, dass du ihm wehtust." Sie blickte offen in Harrys Augen und er erkannte ihre Sorge. „Ich halte dich zwar nicht für einen gefühllosen Trampel und glaube durchaus, dass du es ernst mit ihm meinst, aber wenn du meine Meinung hören willst, solltest du keine Geheimnisse vor ihm haben. Du kannst ihm vertrauen. Denk darüber nach."
Mit diesen letzten Worten drückte sie ihre Zigarette aus, gab Harry einen flüchtigen Kuss auf die Wange, der diesen sehr verwunderte, und stand auf. In diesem Moment kam Toby auf den Balkon, eine Flasche Prosecco und drei Gläser in der Hand.
„Verdirb ihn mir nicht, Amy," spöttelte er und warf dem immer noch verwirrt dreinblickenden Harry einen besorgten Blick zu.
„Keine Angst," lachte Amy nur. „Ich denke Harry ist viel zu unschuldig um für meine böse Art anfällig zu sein."
Sie ging auf Toby zu, nahm ihm die Flasche ab und wollte sie gerade öffnen, als es an der Tür läutete.
„Ich geh schon," rief sie und machte sich auf den Weg zur Eingangstür.
„Alles klar?" fragte Toby als er zu Harry trat.
Dieser lächelte nur. „Natürlich," sagte er und küsste Toby sanft auf die Lippen.
Amy hatte Recht. Er sollte keine Geheimnisse vor Toby haben, dennoch konnte er sich noch nicht überwinden Toby die ganze Wahrheit zu erzählen. Er hatte zu viel Angst davor, dass Toby ihn für abartig halten und von sich weisen würde. Ganz abgesehen davon, dass es per Zauberergesetz verboten war einem Muggel von ihnen zu erzählen, sofern es sich nicht um einen Ehepartner handelte.
Ehepartner – Harry lächelte schief. Durften Schwule Männer überhaupt heiraten? Er wusste es ehrlich nicht. Darüber hatte er sich bisher wirklich keine Gedanken gemacht.
Als Harry sich von Toby löste, trat gerade Amy mit einem Haufen fremder Menschen auf den Balkon.
Es wurde gelacht, umarmt, geküsst und nach und nach wurden Harry alle Freunde Toby's vorgestellt, wobei Amy die Führung übernahm und Harry besitzergreifend an sich riss, um ihn gleich mal von jedem der Anwesenden die wichtigsten Eigenheiten mitzuteilen.
Erstmal waren da Jason und Nick. Wie Amy ihm gleich berichtete war Jason einer von Toby's Ex-Freunden, ein sehr gutaussehender Informatik-Student, der nur leider nicht verrückt genug war, um es lange mit Toby auszuhalten. Er hatte sich also den etwas schüchtern wirkenden Nick unter den Nagel gerissen. Nick studierte Geschichte und sah auch ein wenig so aus. Harry konnte nicht glauben, dass es auch schwule Männer mit schlechtem Kleidungs-Geschmack gab, doch Nick war der Beweis mit seiner altmodischen Strickjacke und den kakifarbenen Stoffhosen. Er lächelte als er den beiden vorgestellt wurde und beäugte Jason misstrauisch. Doch dieser schien nur Augen für Nick zu haben und so hakte Harry seine Sorge gleich ab.
Als nächstes wurde ihm Kiki vorgestellt. Sie war eine Arbeitskollegin von Toby und schien ein verrücktes Huhn zu sein, worauf nicht nur ihre pinken Haare und die vielen Piercings schließen ließen, sondern auch das amüsierte Blitzen in ihrem Blick. Harry seufzte innerlich. Noch so jemanden wie Amy konnte er echt nicht gebrauchen, doch er begrüßte auch Kiki freundlich.
Tom war Toby's ältester Freund. Sie kannten sich seit dem Kindergarten und waren gemeinsam durch dick und dünn gegangen. Tom hatte die Karriere eingeschlagen, die Toby verweigert hatte und studierte Jura. Er war einer der wenigen Anwesenden Männer die hetero waren, aber nicht minder überdreht wie Harry später am Abend feststellen würde.
Der letzte in der Runde, den Harry noch nicht kannte war ein kleiner, dürrer Junge mit rotblondem Haar. Er stand bei Toby und redete sehr angeregt mit ihm. Amy verfolgte seinen Blick und erklärte, dass Bastian, der Junge bei Toby, ebenfalls ein Ex-Freund war. Harry fragte sich heimlich, mit wievielen Männern Toby schon zusammen gewesen war. Bis jetzt wusste Harry von dreien, von denen zwei nun hier waren, aber Harry ging davon aus, dass er nicht mit all seinen Verflossenen ein so gutes Verhältnis hatte. Vielleicht würde er ihn irgendwann mal fragen, doch jetzt war nicht der Moment dafür.
Amy hatte sich wieder der Prosecco-Flasche gewidmet und Harry machte sich daran noch weitere Gläser aus der Vitrine zu holen, da Toby nach wie vor in ein Gespräch mit Bastian vertieft war.
Der Abend schritt voran und Harry fand sich ständig in Gesprächen mit einem von Toby's Freunden. Irgendwann merkte er, dass Toby und Bastian nicht mehr auf dem Balkon waren. Auch nachdem er einen Blick in das Wohnzimmer geworfen hatte konnte er die beiden nicht ausmachen. Gerade als er hineingehen wollte um nachzusehen wo sie steckten, trat ihm Amy in den Weg.
„Lass mich raten." Sie hatte ein Funkeln in den Augen und wirkte leicht angeheitert, doch Harry war sich nicht sicher, ob das nicht ihr Normalzustand war. „Du suchst nach Toby und Bastian."
Harry konnte seine Unsicherheit nicht verstecken und nickte. Er glaubte zwar nicht, dass Toby ihn betrog, aber er wüsste trotzdem gerne, was die beiden taten.
Amy seufzte, schnappte sich Harry und zog ihn mit sich auf das Sofa im Wohnzimmer.
„Weißt du Toby ist sowas wie der Seelenmülleimer in unserer Clique. Irgendwie fühlt man sich bei ihm einfach aufgehoben mit all seinen Sorgen und glaub mir Bastian hat eine Menge Sorgen." Ein leichter Schatten legte sich über ihre Augen und Harry blinzelte verwirrt. Er konnte nachempfinden, dass Toby's Freunde sich bei ihm wohl fühlten und zu ihm kamen um seine Sorgen mit ihm zu teilen. Harry erging es ja nicht anders. Aber irgendwie wünschte er sich auch Toby's ungeteilte Aufmerksamkeit. Er wünschte sich, dass diese Fürsorge nur ihm galt. Natürlich war das selbstsüchtig, aber im Moment empfand Harry einfach so.
Amy beobachtete das Mienenspiel in Harrys Gesicht ehe sie sagte: „Bastian hat Aids."
Erschrocken blickte Harry auf und fühlte sich sofort schuldig. Wie konnte er einem kranken Mensch die Fürsorge seiner Freunde missgönnen. Im nächsten Moment fühlte er sich von panischer Angst überschwemmt. Bastian war Toby's Ex-Freund. Was wenn Toby auch…. Nein, das wüsste er. Toby hätte Harry niemals absichtlich in Gefahr gebracht, dennoch kam er sich plötzlich dumm vor, dass er einem wildfremden von Anbeginn so vertraut hatte. Er war wirklich naiv gewesen und es würde ihm recht geschehen, sich angesteckt zu haben. Ein bitteres Lachen entrang sich seiner Kehle. Voldemort würde sich sicher köstlich amüsieren, wenn sein Rivale vorzeitig durch eine Muggel-Krankheit dahingerafft würde.
Erst jetzt merkte er, dass Amy weiter gesprochen hatte. Sie erzählte irgendetwas von einem Ex-Freund von Bastian, einer der nicht Toby war, und dass dieser ihn angesteckt hatte.
„Bastian kämpft wie ein Löwe um sein Leben, aber natürlich wissen wir alle, dass sein Körper irgendwann nicht mehr mitspielen wird." Amy seufzte traurig. „Toby fühlt sich verantwortlich. Bastian hatte sich schnurstracks in diese neue Beziehung geflüchtet, nachdem Toby mit ihm Schluss gemacht hatte und jetzt denkt Toby, er hätte Bastian in den Tod getrieben." Sie schnaubte ärgerlich. „Das ist natürlich völliger Schwachsinn und das weiß er auch selber, aber trotzdem fühlt er sich für Bastian verantwortlich. Er geht mit ihm zum Arzt und übernachtet bei ihm, wenn es Bastian mal dreckig geht." Ein Hauch von Bewunderung tauchte in Amys Blick auf und Harry konnte sie gut nachempfinden. „Wir alle haben echt Schiss vor diesem Scheiß-Virus. Wenn du unter lauter Schwulen lebst, dann ist das eine ernst zu nehmende Gefahr. Aber Toby trotzt dem und er hat ja auch Recht, es ist ja nicht so als würde sich Aids über die Luft ausbreiten…" Sie ließ ihren Satz in der Luft hängen und ging still ihren Gedanken nach.
Harry versuchte das eben Gehörte zu verarbeiten. Toby hatte ihm nichts davon erzählt, aber sicher hatte er seine Gründe dafür. Dennoch verspürte er ein kleines bisschen Enttäuschung in sich aufsteigen. Aber viel stärker noch war die Angst, die ihn erfasste. Amy hatte Recht. Aids war eine ernst zu nehmende Sache mit der nicht zu spaßen war. Er bewunderte Toby für seinen Mut, gleichzeitig schalt er ihn innerlich einen Idioten, dass er sich dem Risiko aussetzte. Harry hatte sich nie mit dem Thema Aids auseinander gesetzt. Es war immer viel zu weit von ihm entfernt gewesen, deshalb wusste er auch viel zu wenig über dessen Ausbreitung, dennoch war es genug für ihn um sich große Sorgen um Toby zu machen.
Gerade als er sich aufrichtete um nach draußen zu gehen und auf den Schock erstmal eine Zigarette zu rauchen, traten Toby und Bastian in das Wohnzimmer. Ohne darüber nachzudenken warf sich Harry seinem Freund um den Hals und küsste ihn stürmisch auf den Mund. Wie ein Ertrinkender klammerte er sich an Toby, dessen Verblüffung völlig ignorierend.
Erst als Toby sich sachte aus Harrys Klammergriff löst, wurde ihm bewusst wie er zitterte und riss sich zusammen. Er blickte Toby entschuldigend an, doch dieser lächelte nur und nahm Harrys Hand.
„Harry, darf ich dir Bastian vorstellen? Er ist ein sehr guter Freund von mir. Bastian – das ist Harry."
Seine Angst verdrängend schüttelte Harry Bastians Hand.
„Freut mich sehr," sagte Bastian und lächelte offen. „Es tut mir leid, dass ich dir deinen Freund so lange entführt habe. Ich hatte Dringendes mit ihm zu besprechen." Bastians Augen strotzten vor Kraft und Mut. Harry schluckte beeindruckt und kam sich sofort wieder dumm vor.
„Kein Problem," sagte er. „Solange er am Ende wieder bei mir landet, lass ich ihn gerne mal ein wenig von der Leine."
Toby und Bastian lachten, während Harry sich selbst wieder fasste und ebenfalls lächelte.
„Ich kann dich verstehen," meinte Bastian schließlich, immer noch lachend. „Ich hätte ihn auch niemals freiwillig aufgegeben." Nicht eine Spur von Wehmut schwang in diesem Satz mit, dennoch spürte Harry, dass Bastian immer noch sehr viel für Toby empfand.
Toby's Arm schlängelte sich um Harrys Hüften. „Tja man kann nicht alles haben," grinste er und küsste Harry auf die Wange.
„Seid ihr dann bald soweit?" mischte sich Amy von der Couch ein. „Wir wollen endlich Karaoke-singen."
Harry sah geschockt auf. Karaoke singen? Er konnte doch nicht singen, doch seine Sorge stellte sich bald als unbegründet heraus, denn weder Toby noch Amy gaben das Mikrofon freiwillig her und so wurde die meiste Zeit des Abends von diesen beiden unterhalten.
Es wurde noch ein sehr vergnüglicher Abend. Eine Prosecco-Flasche nach der anderen wurde geleert und auch die Hausbar wurde merklich dezimiert. Gerade standen Tom und Toby auf der „Bühne", dem Teppich der zwischen Stereoanlage und Sofatisch ausgebreitet lag, und sangen „Kung Fu Fighting". Harry und die anderen lachten und applaudierten begeistert bei der Show die die beiden lieferten. Für einen angehend Anwalt war Tom wirklich sehr ausgelassen.
Als die beiden erschöpft auf dem Sofa zusammenbrachen, nahm Nick das Mikrofon an sich. Harry sah verblüfft auf, doch die anderen grölten. Nick hatte sich den ganzen Abend eher zurückhaltend gezeigt, deshalb überraschte es Harry sehr als dieser mit einer festen Stimme zu singen anfing. Sein Blick wich dabei nicht eine Sekunde von Jason. „The Power of Love" hallte durch Toby's Wohnzimmer und Harry erkannte sofort, dass Nick ein ausgezeichneter Sänger war. Seine Schüchternheit war immer noch präsent, doch er traf jeden Ton und sein Ausdruck verbarg seine Gefühle für Jason nicht.
Als er geendet hatte warf er ein schüchternes Lächeln in die Runde und setzte sich wieder zu Jason, der ihn sofort leidenschaftlich küsste.
Ohne dass es jemand gemerkt hätte war Bastian aufgestanden und hatte ein Lied ausgewühlt. Toby hatte sich zu Harry gelehnt um ihn etwas ins Ohr zu flüstern als die ersten Klänge von Freddy Mercurys „The Show must go on" erklangen. Toby erstarrte und klammerte sich an Harry. Es war komplett still geworden als Bastian zu singen begann. Seine Stimme war nicht annähernd so gut wie die von Nick, doch der Ausdruck auf seinem Gesicht als er das allzu bekannte Lied des Queen-Sängers darbrachte trieb allen Anwesenden einen Schauer über den Rücken. Nur am Rande nahm Harry das Glänzen in Toby's Augen und die hastige Handbewegung die eine verlorengegangene Träne wegwischte, wahr. Zu betroffen machte ihn das Lied und gleichzeitig empfand er so viel Bewunderung für Bastian, der nun seine Augen geschlossen hatte und mit verzweifelt kämpfendem Gesichtsausdruck das Mercury-Mantra herausschrie. „The Show must go on". Harry schluckte. Nur schwer konnte er seinen Blick von Bastian abwenden als Toby neben ihm aufstand und auf den Balkon hinaus flüchtete. Amys Versuch ihn zurückzuhalten ignorierend eilte er Toby nach und schloss die Balkontür hinter sich.
Toby stand am Geländer, eine Zigarette zwischen den Lippen und sein Körper bebte. Vorsichtig trat Harry an ihn heran und legte seine Arme um Toby. Sofort spürte er, wie dieser sich entspannte und in die Umarmung sacken ließ. Sie sprachen kein Wort und Harry fühlte sich an seine erste Nacht bei Toby erinnert. Damals war es umgekehrt gewesen und Toby hatte Harry getröstet. Es machte Harry glücklich, dass er sich nun auf dieselbe Weise revanchieren konnte.
„Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er irgendwann nicht mehr hier sein sollte." Toby begann ohne Vorwarnung zu sprechen. „Was soll ich nur tun, wenn er stirbt?"
Harry kaute unruhig auf seinen Lippen herum. Er war wahnsinnig ungeübt im Trösten. Doch Toby schien keine Worte von ihm zu erwarten. Irgendwann drehte er sich zu Harry um und küsste diesen mit salzig heißen Lippen. „Es tut mir leid," sprach er zwischen zwei Küssen. „Ich hätte es dir erzählen sollen. Aber ich hatte Angst, dass es dich verschrecken würde und du dir das mit dem schwul-sein nochmal überlegt hättest."
Harry lächelte. „Wie hätte ich da noch überlegen können nachdem du mich angesprochen hattest." Vorsichtig küsste er Toby's Tränen von dessen Wangen. „Mach dir keine Gedanken deswegen."
Toby lächelte und seufzte tief. Dann wischte er sich die Tränen von den Wangen und machte Anstalten wieder nach drinnen zu gehen. Doch gerade als Harry sich umdrehte kam ihnen Bastian entgegen. Harry nahm Toby's flehenden Blick wahr, küssten diesen zärtlich auf die Wange und lies die beiden alleine.
Als er wieder im Wohnzimmer war, hatte Amy bereits das Mikrofon wieder an sich gerissen und sang irgendeinen anzüglichen Song um die gedrückte Stimmung wieder zu heben. Dass sie für die klassische Feme Fatal eindeutig zu klein und auch ein wenig zu rund war, störte sie nicht im Geringsten und auch das Publikum war begeistert von ihrer Show.
Harry nahm einen großen Schluck von seinem Prosecco und setzte sich wieder auf das Sofa. Ein kurzer Blick durch die Balkontür zeigte ihm ein Bild von zwei sich verzweifelt umarmenden Menschen. Er seufzte traurig. Toby hätte verdient glücklich zu sein, doch die Angst, die Wut und die Verzweiflung die Harry in seinen Augen gesehen hatte, saßen zu tief um Toby je wieder in seinem Leben ganz loszulassen.
Eine halbe Stunde und 7 atemberaubenden Darbietungen von Amy später, gesellten sich Toby und Bastian wieder zu ihnen. Amy hatte gerade ein neues Lied angestimmt und sofort stieg Toby mit ein. Harry lächelte als er das Lied erkannte. „Ain't no mountain high enough" passte perfekt in die Situation.
Der Abend war zu einer späten Nacht geworden. Irgendwann hatten sich Nick und Jason verabschiedet und sich erboten Kiki nach Hause zu begleiten. Auch Bastian war irgendwann verschwunden und gemeinsam mit Tom und Amy ging die Nacht noch bis in die frühen Morgenstunden weiter. Amy und Toby erzählten Geschichten aus ihrer gemeinsamen Zeit, wobei sie bei ihrem einzigen gemeinsamen sexuellen Erlebnis für Harrys Geschmack ein wenig zu sehr in Detail gingen. Sie lachten sehr viel, aber sie unterhielten sich auch über Bastian. Toby berichtete von Bastians gesundheitlichem wie psychischen Zustand.
„Er fängt bereits an sein Begräbnis zu planen," erzählte Toby bedrückt. „Ich weiß gar nicht woher er all die Kraft nimmt. Aber noch weniger weiß ich, wie ich all seinen Wünschen nachkommen kann. Er will ein fröhliches Begräbnis. Er möchte dass wir da singen und tanzen. Wenn ich darüber nachdenke wird mir schlecht."
Alle waren bedrückt, auch Harry obwohl er Bastian erst so kurz kannte.
Es wurde bereits hell als Amy und Tom sich verabschiedeten und Toby sich mit Harry ins Bett kuschelte. Harry hielt Toby lange im Arm und streichelte dessen Rücken, bis irgendwann Toby's Tränen versiegten und er einschlief.
