8. Kapitel

Als Harry am nächsten Morgen erwachte brummte sein Schädel und ihm war übel. Toby schien schon vor einer Weile aufgestanden zu sein, denn das Bett neben ihm war leer und kalt.

Stöhnend erhob sich Harry und wankte ins Badezimmer, wo er sich erstmal unter die kalte Dusche stellte und versuchte durch heftigstes Zähneputzen den fahlen Geschmack aus seinem Mund zu bekommen.

Er erinnerte sich nur noch schleierhaft an den gestrigen Abend. Wie er nach Hause gekommen war zum Beispiel wusste er überhaupt nicht mehr. Doch leider erinnerte er sich an jedes Wort aus der Unterhaltung mit Malfoy. Frustriert stöhnte Harry auf und schwor sich nie wieder Alkohol zu trinken, oder zumindest nicht mehr wenn Malfoy anwesend war. Was war nur in ihn gefahren, dass er sich überhaupt auf die Diskussion mit seinem Erzfeind eingelassen hatte? Ja er war ein wenig frustriert gewesen, als er von den Toiletten zurückgekehrt war und Toby mit Bastian an der Bar gesehen hatte. Dennoch hätte er sich sofort aus dem Staub machen sollen, als Malfoy ihn angesprochen hatte. Dieses Gespräch hatte eindeutig zu viele unangenehme Aspekte offenbart und damit meinte er nicht nur die Tatsache, dass scheinbar ganz Hogwarts schon seit Jahren wusste, dass er schul war.

So leid es Harry tat das zuzugeben, aber Toby hatte recht gehabt. Malfoy war verdammt sexy. Harry biss sich auf die Lippen. Er wollte das überhaupt nicht. Wie sollte er nur je wieder zu seinem Alltag geprägt von Streits und Schlägereinen mit Malfoy zurückkehren, nachdem er sich selbst eingestanden hatte, dass er Malfoy anziehend fand. Zwar fand er die Art des Blonden immer noch abstoßend, er verachtete dessen Machtgier, seine Kälte und Arroganz und sein überdimensionales Selbstbewusstsein, doch er konnte dennoch nicht darum herum zuzugeben, dass Malfoy gut aussah und ihn die Vorstellung eines nackten, sich vor Lust windenden Malfoys durchaus gefiel.

Wütend und frustriert stieg er schließlich aus der Dusche. Es machte keinen Sinn sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Er war sich sicher, dass er diesen abartigen Drang beherrschen konnte und er nie zu einem Problem für Harry würde.

Schlotternd schlüpfte Harry in Jeans und T-Shirt und machte sich auf die Suche nach Toby.

Er fand ihn auf dem Balkon, rauchend, Kaffee trinkend und ein Buch lesend.

„Guten Morgen," murmelte Harry als er neben Toby trat und sich zu ihm runter beugte um ihn zu küssen.

Toby erwiderte den Kuss, vertiefte ihn aber nicht.

„Morgen," antwortete er und reichte Harry eine große Tasse Kaffee. „Ich hab dir schonmal Kaffee gemacht." Toby lächelte sanft, doch das Lächeln erreichte seine Augen nicht.

Harry blickte ihn verwundert an, brachte aber nichts als ein „Danke" heraus und setzte sich zu Toby an den Tisch.

Sie schwiegen lange. Harry trank in kleinen Schlucken seinen Kaffee leer und Toby hatte sich wieder seinem Buch gewidmet.

Harry seufzte. „Tut mir leid, wegen gestern," brachte er schließlich hervor, da er das Gefühl hatte etwas sagen zu müssen und auch irgendwie glaubte, dass Toby möglicherweise sauer war wegen seines gestrigen Verhaltens.

Toby sah auf, klappte sein Buch zusammen, nachdem er die Seite mit einem Eselsohr markiert hatte und legte es auf den Tisch.

„Weißt du Harry, ich versteh ja, dass du jung bist, dass das alles neu für dich ist und du verwirrt bist. Ich versteh sogar, dass dir danach war dich zu betrinken…" Er legte die Stirn in Falten. „Aber es gefällt mir trotzdem nicht, wie du dich gestern mit diesem Malfoy unterhalten hast. Du sagtest ihr wäret Feinde, aber davon war gestern Abend nicht sehr viel zu sehen. Im Gegenteil…" Toby sprach nicht weiter. Er hatte seinen Blick von Harry abgewandt, dämpfte seine Zigarette aus und zündete sich sofort eine neue an.

Harry wusste nicht genau was er sagen sollte. Malfoy WAR sein Feind, nach wie vor, aber vor Toby zu leugnen, dass gestern irgendetwas in ihm passiert war, wäre nicht fair gewesen.

Wieder seufzte Harry. „Er hat mich einfach überrumpelt und der ganze Alkohol dazu…" Er kramte nach Ausreden und gleichzeitig wusste er, dass es keine Entschuldigung gab. „Ich liebe dich," flüsterte er und hoffte, dass Toby ihm glaubte.

„Wie wird das nur, wenn du wieder in der Schule bist? Muss ich mir dann ständig Sorgen machen. Immer fürchten, dass du mir eines Tages untreu wirst?" Toby's Stimme zitterte leicht. „Ich glaube dir, wenn du mir sagst dass du mich liebst, aber ich glaube auch, dass du Malfoy begehrst und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Einerseits ist mir klar, dass erste Beziehungen selten für die Ewigkeit gemacht sind, andererseits…" wieder ließ er den Satz in der Luft hängen. Er stand auf und trat an das Balkongeländer.

„Aber es ist doch überhaupt nichts passiert," versuchte Harry aufzubegehren. „Und ich will auch nicht, dass sich daran was ändert."

Er erkannte Toby's frustrierten Blick.

„Toby?" fragte er flüsternd.

„Ja?"

„Es tut mir wirklich leid." Traurig blickte Harry in seine Kaffeetasse.

Ein kleines Lächeln zeichnete sich auf Toby's Lippen ab. Harry stand auf und trat neben ihm. Vorsichtig legte er seine Arme um Toby und schmiegte sich an ihn. Ihre Lippen fanden sich in einem sanften Kuss. Harry musste die Augen schließen, da er Toby's traurigen Blick nicht ertrug. Er war wütend auf sich selbst, auf Malfoy, auf Bastian, der überhaupt erst Schuld daran war, dass Harry allein gewesen war.

Hätte er Toby's Befürchtungen heftiger abstreiten sollen? Behaupten, dass da wirklich nichts war? Aber hätte das Sinn gemacht? Toby schien genau zu wissen, was in Harry vorging. Es schien als würde Toby mit sich selbst einen Kampf ausfechten.

„Ich wünschte ich könnte hier bei dir bleiben," murmelte Harry, als sich ihre Lippen trennten.

„Das wünschte ich auch," seufzte Toby. „Auch wenn es das Problem nicht aus der Welt schaffen würde."

Harry schwieg. Die ganze Situation war ihm völlig entglitten. Gestern noch waren sie überglücklich gewesen und heute lag dieser tiefe Schatten über ihnen und alles nur wegen Malfoy.

„Ich glaube nicht, dass ich es ertragen kann, wenn du mit ihm schläfst." Toby klammerte sich haltsuchend an Harry und vergrub sein Gesicht in dessen Haaren.

„Was macht dich so sicher, dass ich das tun werde?" fragte Harry vorsichtig.

Toby zuckte kurz mit der Schulter. „Ich hab gesehen wie es zwischen euch geknistert hat. Ich sag nicht, dass es Liebe ist. Ehrlich Harry," er löste sich von Harry und blickte ihm tief in die Augen. „Ich weiß, dass du mich liebst. Umso mehr tut es weh. Aber das ist nunmal das Pech wenn man zuerst kommt."

„Aber ich brauche niemand anderen als dich. Ich WILL niemanden anderen. Ich fühl mich so geborgen bei dir, zum ersten Mal hab ich das Gefühl ein Zuhause zu haben. Ich muss nichts anderes kennen um zu wissen, dass genau das hier das Richtige für mich ist."

Toby lächelte wieder. Sein Blick sprach von Erkenntnis. „Doch Harry. Genau das brauchst du. Eine Bestätigung, dass das hier wahr ist. Sonst wachst du irgendwann auf und fragst dich, was es sonst noch auf der Welt gibt…" Ein Glitzern trat in seine Augen. „Finde es lieber jetzt heraus, als später. Und wenn du erkennst, dass wir Wirklichkeit sind, dann komm wieder zu mir und ich werde mich bemühen zu vergessen…"

Verzweiflung kämpfte sich in Harry hoch. Es wäre ihm lieber gewesen sie hätten gestritten, als diese Endgültigkeit in Toby's Gesicht zu lesen. Verdammt er wollte nichts mit Malfoy haben. Es wäre doch gelacht, wenn er diesem Idioten nicht widerstehen konnte und er brauchte auch keinen Beweis für seine Liebe. Er wusste, was er wollte. Am liebsten hätte er seine Verzweiflung laut raus geschrien. Stattdessen seufzte er nur frustriert.

„Können wir nicht einfach so tun als hätte es den letzten Abend nicht gegeben?" fragte Harry hoffnungsvoll.

Toby rieb einmal über seine Augen und lachte dann leise. „Natürlich werden wir das, Harry. Ich will doch die Zeit die wir noch haben genießen." Harry war nun endgültig verwirrt. „Ich wollte nur dass du weißt… wenn es soweit kommen sollte, werde ich es verstehen und mir alle Mühe geben, damit klar zu kommen."

„Aber…" doch bevor Harry noch etwas sagen konnte, hatte Toby ihm den Mund mit einem Kuss verschlossen. Zärtlich und weich, voll Liebe und Zuneigung, und immer leidenschaftlicher werdend küsste ihn Toby. Er klammerte sich an Harry wie ein Ertrinkender. Sein Körper bebte und er rieb seine Hüften an Harry.

In Harry spielten die Gefühle verrückt. Er war eindeutig im falschen Film. Was passierte hier mit ihm? Was bedeutete das alles? Er versuchte einen klaren Gedanken zu fassen, doch Toby's Hand die nun Harrys Schritt rieb, ließ ihm keine Chance dazu.

Er wollte aufbegehren und Toby sagen, dass er jetzt nicht konnte. Dass er die ganze Sache ausdiskutieren wollte. Dass er nicht einfach weitermachen konnte wie bisher, auch wenn er sich eben das vor einer Minute noch selbst gewünscht hatte.

„Harry," keuchte Toby an seinem Ohr. Und Harry wurde sich der pochenden Erektion bewusst, die gegen seine eigene presste. „Harry, verlass mich nicht schon jetzt."

Toby's Stimme klang flehend und Harry nahm die feuchte Hitze wahr, die seinen Hals benetzte. Weinte Toby?

Vollkommen überrumpelten von der Menge an Gefühlen die in Harry tanzten, ließ er sich einfach fallen. Er schaltete ab. Spürte nur noch Toby's nasse Lippen die ihn brennend küssten, den bebenden Körper unter seinen Fingern, das von leisen schluchzen begleitete Stöhnen Toby's.

Er war eindeutig im falschen Film. Doch im Moment war ihm das egal.

Er wusste nichtmehr wie sie ins Bett gelangt waren. Alles was er wahrnahm war die Innigkeit und verzweifelte Zärtlichkeit mit der Toby ihn liebte. Ihre schwitzenden Körper rieben aneinander, während Toby tief in ihn stieß, jede Bewegung mit einem lustvollen Stöhnen begleitet. Unbewusst führte Harry seine Arme um Toby, presste sich ihm entgegen. Toby zog ihn an sich, bis Harry auf Toby's Schoß saß, das harte Glied tief in sich vergraben. In fester Umarmung wiegten sie sich. Harry spürte wie seine Erektion an Toby's Bauch strich, wie seine harte Brustwarzen über die Toby's rieben. Sie küssten sich, heiß, innig, als wäre es das erste und gleichzeitig das letzte Mal. Toby löste den Kuss. Harry nahm den verklärten Blick in den wasserblauen Augen wahr. Er schien darin zu ertrinken als sich ihr gemeinsamer Orgasmus anbahnt.

„Harry," schrie Toby laut auf, als er sich in ihm ergoss. Er umklammerte Harry als wolle er ihm die Luft abdrücken und Harry spürte sein eigenes Sperma, das ihre Körper zusammen zu kleben schien. So nah war er Toby noch nie gewesen und in diesem Moment wünschte er sich fast, dass es sein letzter wäre. Dass sie so einfroren, aneinandergeklebt durch den Saft ihrer Liebe, und sich nie wieder bewegen mussten.

Das tiefe Seufzen Toby's riss ihn aus seinen Gedanken. Ein Lächeln, das voll Zufriedenheit, Liebe und Zuversicht steckte, malte Sonnenstrahlen in Toby's Gesicht. Es war nicht von Nöten, dass einer von ihnen aussprach, was sie beide fühlten. Es brauchte keiner Worte, denn sie beide wussten um ihre Gefühle.

Eine Ewigkeit saßen sie noch so da. Harry spürte wie Toby's Glied in ihm erschlaffte und langsam ganz von selbst aus ihm glitt. Irgendwann sanken sie gemeinsam in die Laken und schliefen ein.

Die Wochen vergingen und der erste September rückte immer näher. Toby hatte das Thema ihrer Diskussion kein weiteres Mal angesprochen und da auch Harry nicht heiß darauf war, die letzten Tage mit Toby in Streit zu verbringen, hatte er auch geschwiegen, obwohl ihm das ganze Thema mehr zu schaffen machte, als er sich eingestehen wollte. Dennoch wusste er, dass Toby Recht damit hatte, ihre gemeinsame Zeit vor Harrys Abreise genießen zu wollen.

Es waren nur noch drei Tage bis zu eben diesem Tag, als Harry in seinem Zimmer im tropfenden Kessel eine Nachricht von Ron und Hermine erhielt.

Hallo Harry! Es war Hermine's klare Schrift.
Ich hoffe es geht dir gut. Wir haben die ganzen Ferien nichts von dir gehört. Was hältst du davon, wenn wir uns morgen in London treffen. Ron und ich übernachten bis 1. September im tropfenden Kessel. Wenn es dir Recht ist, lass uns am 30. August in Muggellondon treffen. Es gibt da ein nettes Cafe in der Kensington Road. 15 Uhr. Wäre das für dich ok?
Liebe Grüße
Hermine und Ron

Harry überlegte nicht lange. Er würde zu dem Treffen gehen und er würde Toby mitnehmen, sofern dieser wollte. Sofort beschleunigte sich sein Herzschlag. Nun war es also so weit. Er würde seinen Freunden gestehen, dass er schwul war und ihnen gleichzeitig seinen Freund vorstellen. Dieser Gedanke zauberte ein Lächeln auf seine Lippen.

Er kritzelte schnell eine Nachricht für Ron und Hermine auf ein Pergament, das er bei Tom für sie hinterließ und machte sich dann auf dem Weg zu Toby. Seine Truhe stand schon gepackt mit all seinen neuen Klamotten, sowie seinen Schulsachen in seinem Zimmer und wartete darauf nach Hogwarts gebracht zu werden. Harry blickte diesem Tag mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits vermisste er die Schule, seine Freunde, das Zaubern, doch andererseits wusste er, dass er nichts davon auch nur annähernd so sehr vermisste wie ihm Toby fehlen würde, in der Zeit wo sie getrennt voneinander sein würden. Er wollte zwar auf jeden Fall die Weihnachtsferien bei Toby verbringen, doch bis dahin war noch so viel Zeit. Er musste ganz dringend einen Weg finden, wie er mit Toby kommunizieren konnte. In Hogwarts funktionierten weder Handys noch Internet. Er würde sich also auf die wesentlich langwierigere Art des Briefe Schreibens beschränken müssen, aber wie sollte er das Toby erklären? Harry seufzte. Wieder wünschte er sich, er könne Toby einfach von seiner Welt erzählen, doch nicht nur die Befürchtung, dass Toby ihn dann zurückweisen könnte, sondern auch die Angst Voldemort könnte Interesse an Toby zeigen, sobald Harry sich offen mit ihm in der Zaubererwelt zeigte, hielten ihn davon ab. Er würde Toby nicht in Gefahr bringen. Es war seine Aufgabe ihn zu beschützen, denn schließlich liebte er ihn.

Seinen Gedanken weiter nachhängend schlenderte er durch die Stadt. Es war noch recht früh und Toby würde bestimmt auch gerade erst auf dem Heimweg von der Arbeit sein, deshalb hatte Harry beschlossen den schönen Tag bei einem langen Fußmarsch zu genießen. In den letzten Wochen hatte er London lieben gelernt. In seiner Kindheit war er nur selten hier gewesen, wenn die Dursleys keinen Babysitter für ihn gefunden hatten, doch er hatte nie die Stadt kennen gelernt, wie sie wirklich war. Ja er würde auch London vermissen. Und den Luxus sich frei bewegen zu können ohne, dass ihn jeder den er passierte erkannte und ihm seltsame Blicke zuwarf. Die Anonymität die er in Muggellondon genoss, hatte ihn selbstbewusster gemacht. Immer wieder fiel ihm auf, dass ihn Menschen nachsahen, aber nicht aufgrund seiner Narbe oder seiner Lebensgeschichte, sondern weil er als Mensch, einfach Harry, der Junge in den engen Jeans, sie interessierte. Er wusste nun, dass er mehr war als nur der Junge der lebte, derjenige der eines Tages Voldemort würde töten müssen und er hoffte, dass diese neue Erkenntnis nicht sofort zunichte gemacht würde, sobald er wieder unter seinen „Fans" war. Harry schauderte. Wie er diesen Rummel hasste.

Als er schließlich bei Toby's Wohnung ankam empfing ihn dieser wie üblich nur in Jeans, mit einem warmen Lächeln auf den Lippen und einem zärtlichen Kuss.

„Hey Honey," begrüßte er ihn nach dem Kuss. „Komm rein. Ich bin gerade am Kochen."

Harry trat durch die Tür und sofort stieg ihm ein köstlicher Duft in die Nase. „Hm," seufzte er und sein Magen fing parallel zu knurren an. „Was gibt es denn Gutes."

„Crespelle mit Spinat-Ricotta-Füllung." Toby's Augen leuchteten. Harry staunte immer wieder über Toby's Kochkünste, sowie seine Liebe zur italienischen Küche.

„Was auch immer das ist," meinte Harry mit einem Zwinkern in den Augen, „es duftet köstlich."

Es stellte sich heraus, das Crespelle nichts anderes als Pfannkuchen waren, die pikant gefüllt und mit einer herrlich cremigen Schicht überbacken wurden.

Sie aßen schweigend auf dem Balkon und genossen die Wärme der Abendsonne.

„Wie lang musst du morgen arbeiten?" fragte Harry schließlich. Ihm war Hermine's und Ron's Brief wieder eingefallen.

„Ich habe morgen Frühschicht. Bin also so gegen 14 Uhr fertig," antwortete Toby, während er sich eine Zigarette ansteckte. „Wieso fragst du?" Ein anzügliches Grinsen zeichnete sich auf Toby's Lippen und Harry lachte laut auf, als er den verlangenden Blick spürte.

„Nicht aus dem Grund, an den du gerade denkst." Er kommentierte Toby's enttäuschten Blick wieder mit einem herzhaften Lachen. Dann holte er den Brief aus seiner Tasche und zeigte ihn Toby.

Dieser zuckte nur kurz erstaunt mit der Augenbraue, als er das für ihn seltsame Pergament berührte und fing dann zu lesen an.

Als Toby fertig gelesen hatte, ließ Harry ihm keine Zeit um Fragen zu stellen. „Begleitest du mich?"

Toby blickte auf, ein Lächeln zog sich über seine Lippen bis hin zu seinen Augen. „Natürlich."

Immer noch lächelnd stand er auf, kam zu Harry und küsste ihn lange und zärtlich.

Harry war aufgeregt als er am nächsten Tag pünktlich um 14 Uhr vor dem kleinen Schuhladen wartete in dem Toby arbeitete. Er rauchte eine Zigarette nach der anderen und sein Herz raste wie wild. Die ganze Nacht hatte er die verschiedensten Träume gehabt, wie Hermine und Ron reagieren würden. Er war sich ziemlich sicher, dass Hermine kein Problem damit haben würde, im Gegenteil, vermutlich hatte sie es schon lange vorher geahnt. Aber er war sich nicht sicher, was Ron sagen würde. Sie waren nun seit 6 Jahren die besten Freunde, hatten Zimmer, Bett, Gemeinschaftsdusche, Klamotten und auch sonst so ziemlich alles geteilt. Möglicherweise würde ihn der Gedanke erschrecken, dass Harry die ganze Zeit über schwul gewesen war. Andererseits fand Harry diese Vorstellung ziemlich lächerlich. Ron war sein bester Freund, aber ganz und gar nicht sein Typ. Er hatte nie auch nur einen Gedanken in irgendeiner anzüglichen Weise an Ron verschwendet. Sie waren mehr wie Brüder und damit war Ron für Harry ein asexuelles Wesen.

Er lachte kurz auf. Hermine sah das anscheinend anders. Aber das war auch gut so, die beiden hatten lange genug gebraucht um sich endlich zu trauen.

Völlig in Gedanken versunken, merkte Harry gar nicht, dass Toby den Laden verlassen hatte und hinter ihn getreten war. Erst als sich zwei schlanke Arme um ihn schlängelten und er einen feuchten Kuss in den Nacken gedrückt bekam, schrak er aus den Gedanken hoch.

„Na Süßer, nervös?" neckte Toby ihn und zog Harry in einen tiefen Kuss, ohne ihm die Chance zur Antwort zu lassen.

Eigentlich war es Blödsinn nervös zu sein, dachte Harry in diesem Moment. Er liebte Toby und deshalb war es richtig ihn seinen besten Freunden vorzustellen. Er war sich seiner Sache sicher und nichts würde daran etwas ändern.

Ermutigt löste er sich aus dem Kuss und grinste Toby schelmisch an. „Wenn hier jemand Grund hat, nervös zu sein, dann bist das du." Er wusste genau, dass Toby ebenso aufgeregt war wie er, nur dass dieser es besser überspielen konnte. „Ich bin ihr bester Freund. Wenn sie jemanden den Kopf abreißen, dann dir."

Toby's Gesichtsausdruck, der sich zwischen Schock und Schmollen bewegte war einfach zu göttlich und Harry drückte seinem Freund lachend einen Kuss auf die Wange.

„Komm schon, es wird schon nicht so schlimm werden." Damit nahm er Toby's Hand und sie spazierten los.

Sie waren ein wenig früher da, als verabredet und suchten sich schonmal einen Tisch in dem Cafè, von dem aus, sie gut die Straße überblicken konnten.

Gerade brachte eine Kellnerin ihnen ihre Getränke, als Harry Ron und Hermine erblickte. Noch einmal bäumte sich in ihm die Nervosität auf, doch er zwang sie hinunter, als er aufstand um seine Freunde zu empfangen.

Harry erkannte Hermine's fragenden Seitenblick auf Toby bevor sie ihm um den Hals fiel und fest drückte.

„Hallo Hermine," grüßte er sie und drückte sie seinerseits. „Wie war euer Urlaub?"

Das Mädchen winkte nur ab und ließ Ron vorbei, der Harry auf die Schulter klopfte und ebenfalls begrüßte. Die beiden waren braun gebrannt und sahen überglücklich aus. Doch zum ersten Mal, seit sie zusammen waren, spürte Harry nicht diesen Stich der Eifersucht in sich. Nun war er auch ein Teil einer Beziehung und glücklich. Er spürte Toby's unsicheren Blick im Rücken, als er sich zu ihm umwandte und ihn an der Hand hochzog.

„Das ist Toby," sagte er nur und sah zu, wie sowohl Hermine als auch Ron verwundert dessen Hand schüttelten. Es war eine eigenartige Situation und Harry wusste nicht recht, was er sagen sollte. Doch noch bevor er darüber nachdenken konnte, hatte Hermine schon das Wort ergriffen.

„Freut mich sehr, den Grund für Harrys Untreue seinen Freunden gegenüber kennenzulernen." Sie lächelte und auch Toby lachte auf diesen Kommentar hin auf.

„Tut mir wahnsinnig leid," sagt er. „Er war einfach nicht mehr von mir fernzuhalten."

„Ha!" Harry spielte empört. „Wer hat hier wen ständig in seine Wohnung beordert?"

Ron stand nur daneben und blickte abwechselnd von Harry zu Toby und dann wieder zu Hermine.

„Wieso bin eigentlich immer ich der, der alles als Letzter erfährt?" fragte er verzweifelt.

„Ganz einfach mein Schatz," meinte Hermine lachend. „Weil du die offensichtlichen Dinge die vor deiner Nase ablaufen, nicht wahrnimmst."

Damit war Harrys Verdacht bestätigt. Hermine hatte schon lange vor ihm geahnt, dass er schwul war.

„Was soll das wieder heißen?" fragte Ron und seine Ohren färbten sich rot, was ein Zeichen dafür war, dass er kurz davor stand wütend zu werden.

Harry warf Toby und Hermione einen kurzen flehenden Blick zu, dann schnappte er Ron und zog ihn ein Stückchen weit die Straße hinunter.

„Was soll das Harry?" fragte Ron nun schon zum fünften Mal und riss sich nun endgültig aus Harry's Klammergriff.

Unsicher sah Harry seinen besten Freund an. Wie sollte er nur anfangen? „Hör mal Ron," druckste er herum. „Du weißt doch, dass das mit mir und Cho damals nicht so richtig geklappt hat, oder?"

„Ja. Und?" fragte Ron und schien verwirrt. Die Wut hatte sich vorläufig wieder gelegt.

„Nun ja." Wieso war es nur so schwer, seinem besten Freund zu sagen, dass man schwul war? Harry nahm all seinen Mut zusammen und stammelte dann: „Es hat sich herausgestellt, dass das nicht an ihr lag."

Ron wollte natürlich sofort widersprechen, was Harry lächeln ließ. Als echter Freund würde Ron natürlich niemals zulassen, dass Harry die Schuld auf sich nahm. Aber Harry unterbrach ihn sofort in seinem Widerspruch.

„Ich mag keine Mädchen." Die Formulierung war ein wenig seltsam und Harry wollte sich am liebsten ohrfeigen dafür, dass er nicht die richtigen Worte fand.

„Es wird schon noch die richtige kommen. Ich mochte Hermione anfangs auch nicht, und jetzt…" Ron ließ den Satz offen und grinste etwas dümmlich.

„Das mein ich ja gar nicht," langsam verlor Harry die Geduld. Ja klar, er war nicht wahnsinnig eindeutig mit seinen Aussagen, aber dass Ron so begriffstutzig war, hätte er nicht gedacht. „Ich meinte eher, dass ich generell keine Mädchen mag. Also nicht so… so zum Verlieben und so."

Harry fühlte sich seltsam an seine Kindheit zurückerinnert, als er einmal im Fernsehen eine Quizshow gesehen hatte in der Kinder Begriffe umschreiben mussten. Er stellte sich gerade dämlicher an als ein Vierjähriger der erklärte, was eine Waschmaschine ist. Doch auch Ron's Gesichtsausdruck wirkte nicht sonderlich viel intelligenter.

„Ich bin schwul," presste Harry schließlich zwischen den Zähnen heraus. In der Show wäre dies ein Regelverstoß gewesen. Es war verboten, das gesuchte Wort in seine Beschreibung miteinzubeziehen. Aber andererseits würden sie sonst noch morgen dastehen.

Ron's Ohren färbten sich erneut rot. Diesmal war es jedoch keine Wut, wie Harry hoffte, sondern eher Verlegenheit. „Du bist… Was soll das heißen?"

„Ron, bitte. Stell dich nicht dümmer als du bist." Nun war es tatsächlich soweit, dass Harry der Geduldsfaden riss. „Es soll heißen, dass ich auf Jungs steh. Genauer gesagt… Toby ist mein Freund."

„Dein… Was?" Harry hätte aufgelacht bei Ron's Anblick, würde nicht tief in ihm die Angst sitzen, dass er gleich seinen besten Freund verlieren könnte.

„Es ist einfach so passiert. Ich hab es selbst nicht gewusst bis ich Toby getroffen habe. Es war reiner Zufall und dann haben wir…"

„Stop." Ron trat einen Schritt zurück und auf seinem Gesicht zeichnete sich eine Mischung aus Ekel, Schock und Fassungslosigkeit ab. „Verschon mich bitte mit den Details."

Stille trat zwischen ihnen ein. Harry wusste nicht, was er noch sagen sollte und Ron verarbeitete offensichtlich noch die letzten Informationen.

„Also… ich…," begann Harry nach einer Weile um die erdrückende Stille zu durchbrechen. „Sag doch was, Ron!" Die Angst, dass Ron ihn jeden Moment stehen ließ, wurde von Sekunde zu Sekunde größer.

"Ich weiß aber nicht, was," meinte Ron und die Verzweiflung war ihm anzusehen. Mit einer Hand wühlte er durch seine Haare sodass er am Ende eine schlimmere Frisur hatte als Harry. "Ist er wenigstens ein Zauberer?"

Harry schluckte. "Nein, er ist Muggel und er weiß nichts von Zauberern." Schuldbewusst nagte Harry an seiner Unterlippe und beobachtete Rons Mienenspiel, da sich zu seinem Erstaunen und großer Erleichterung in etwas wie Sorge umwandelte.

"Aber wie soll das gehen? Du fährst in zwei Tagen nach Hogwarts. Dann kannst du ihn ja ewig nicht sehen!"

Dass Ron sich darum Sorgen machte, fand Harry süß und ein großer Stein fiel ihm vom Herzen. Ganz so schlimm konnte Ron es also nicht aufgefasst haben, dass sein bester Freund schwul war.

Sie hatten inzwischen das Ende der Straße erreicht und beschlossen wortlos eine Runde um den Häuserblock zu machen. Harry war wusste, dass Toby bei Hermoine in guten Händen war und er sich nicht um ihn sorgen brauchte. Jetzt war es erst mal wichtig, dass Ron mit der Situation klar kam.

Die Aussichtslosigkeit der kommenden Monate war ein Thema, das Harry immer wieder verdrängt hatte und auch mit Toby hatte er noch nicht darüber gesprochen.

"Naja, wir werden uns Briefe schreiben…" erklärte er resigniert. "Was bleibt uns anderes übrig?"

Er sah seinen besten Freund an und immernoch war Gefühlschaos von seinen Zügen abzulesen.

"Mann, Harry. Bei dir aber auch echt immer was los," stellte Ron kopfschüttelnd fest. "Ich weiß nicht genau, was ich dazu sagen soll, dass du plötzlich auf… Kerle stehst," es kostete Ron sichtlich viel Mühe diese Tatsache auszusprechen. "… aber Mann, das ist schon eine scheiß Situation!"

Harry lachte betrübt auf. Ron hatte das Talent die Dinge manchmal exakt auf den Punkt zu bringen. "Das kannst du laut sagen!"

Schweigend gingen sie eine Weile nebeneinander her. Harry die zwiespältigen Gefühle die an Ron nagten und er konnte nur hoffen, dass sein bester Freund sich am Ende für ihre Freundschaft entschied. Bisher hatte Harry sich selbst nie Gedanken darüber gemacht, ob Homosexualität in der Zaubererwelt mehr akzeptiert war als in der Muggelwelt und er hatte keine Ahnung, wie die Weasley-Familie dem Thema gegenüber eingestellt war. Zwar glaubte er, dass herzensgute Menschen wie Arthur und Molly sich nicht aufgrund von Vorurteilen von Harry abwenden würden, doch vielleicht hatte Homosexualität in ihrer Tradition bisher nicht Einzug genommen und war daher befremdlich.

"Tut er dir gut?" Diese Frage kam wie aus heiterem Himmel und überraschte Harry so sehr, dass er einen Moment dachte, sich verhört zu haben. Er hätte nicht gedacht, dass Ron zu seiner Frage überhaupt im Stande war. Sie sprachen eigentlich selten über ihre tatsächlichen Befindlichkeiten, vor allem nicht, wenn es um Gefühle ging. Aber ein Blick zu Ron zeigte ihm, dass dieser tatsächlich versuchte, sich in Harrys Lage zu versetzen und sich außerdem sorgte.

"Ja." Harry lächelte und hoffte, dass ihm nicht gleich die Tränen der Rührung in die Augen stiegen. Er hätte Ron gerade umarmen können vor Freude, dass er troz innerlicher Differenzen für ihre Freundschaft kämpfte, hielt sich jedoch zurück, weil er Ron nicht noch mehr verunsichern wollte. "Ja, er tut mir sehr gut! Er gibt mir einen Grund mehr Voldemort endlich richtig in den Arsch zu treten und ein für alle Mal Schluss zu machen. Ich will meine Ruhe haben. Ich will mein Leben leben." Harry kickte frustriert eine Coladose aus dem Weg, die jemand achtlos auf den Boden geworfen hatte. "Und ich will es mit Toby leben!"

Vorsichtig sah er erneut zu Ron hinüber. Dieser nickte leicht und Harry konnte spüren, dass auch Ron sich endlich Frieden wünschte. Sie waren so jung und hatten schon so vieles durchgemacht. Wie sollten sie je zuversichtlich in die Zukunft schauen, solange dieser Wahnsinnige sein Unwesen trieb und zu jeder Zeit an jedem Ort zuschlagen konnte.

"Und wie wir ihm in den Arsch treten werden!" bestätigte Ron. Sie sahen sich kurz an und brachen dann gemeinsam in Gelächter aus. Es war befreiend. Zum Einen weil Harry wusste, dass Ron immer an seiner Seite kämpfen würde, solange bis Voldemort besiegt war und zum Anderen, weil Ron gerade sein stillschweigendes Einverständnis für Harrys Beziehung gegeben hatte, indem er seine Loyalität zu Harry bekannte.

Sie bogen um die nächste Ecke und das Cafe kam wieder in Sicht, wo Hermoine und Toby in der Sonne saßen und sich angeregt unterhielten.

„Also schön," meinte Ron und grinste Harry an. „Dann wollen wir den Kerl mal kennenlernen."

„Ist das dein Ernst?" fragte Harry um wirklich ganz sicher zu gehen.

„Klar." Ron zuckte mit den Schultern. „Was bleibt mir denn anderes übrig?"

Und damit war alles geklärt. Auf seine ganz eigenen Art hatte Ron mit dieser rhetorischen Frage ausgedrückt, dass er bei Harry bleiben würde, komme was wolle. Glücklich schlenderte Harry neben seinem besten Freund zurück zu dem Cafe.

Toby und Hermine hatten längst die zweite Runde bestellt und unterhielten sich. Als Harry und Ron zu ihnen traten verstummten sie. Hermione nahm Ron an der Hand, der diese drückte und somit ein Lächeln auf Hermines Kippen zauberte, das nicht nur Freude sondern auch stolz auf ihren dickköpfigen Freund ausdrückte. Harry setzte sich zu Toby und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. Die erste Hürde war überstanden.

„Also jetzt erzählt schon, wie euer Urlaub war," brach Harry schließlich die Stille, die seit ihrer Rückkehr eingetreten war.

Es wurde ein vergnüglicher Nachmittag. Hermine und Ron erzählten ausführlich von ihren Erlebnissen in Frankreich und quetschten dann ihrerseits Harry und Toby aus. Wie sie sich kennengelernt hatten, was Toby arbeitete, und was sie so getrieben hatten in den vergangenen Wochen. Harry warf Ron immer wieder besorgte Blicke zu und hoffte, dass dieser nicht von Toby's offener und schonungslos ehrlicher Schilderung angewidert war. Doch Ron hielt sich wacker und schien einfach die Informationen, die zu viel für ihn waren auszublenden.

Unweigerlich kam Hermine schließlich auf die Frage, wie es für sie in der Zukunft weitergehen sollte. Harry hatte zwar versucht dieses Thema zu meiden, da er und Toby ein stillschweigendes Abkommen geschlossen hatten, bis es soweit war keinen Gedanken an ihre Trennung zu verschwenden, doch Hermine schien die betretene Stille nach dieser Frage nicht erkannt zu haben und fragte weiter: „Ihr werdet euch Weihnachten sehen, nehm ich mal stark an, oder?"

Auch darüber hatten sie noch nicht gesprochen, auch wenn Harry davon ausging.

Es war Toby, der schließlich antwortete. „Sofern Harry es wagt, sich meinen Eltern auszusetzen."

Harry sah überrascht auf. Daran hatte er überhaupt nicht gedacht. Aber es war logisch, dass Toby Weihnachten mit seiner Familie verbringen würde. Ein Kloß bildete sich in seinem Hals. Würde Toby ihn tatsächlich mit zu seinen Eltern nehmen?

„Wir werden sehen," meinte Harry nur und versuchte das Gespräch von ihnen abzuwenden. „Was habt ihr denn in den Weihnachtsferien vor?"

Der Nachmittag wurde zum Abend und irgendwann verabschiedeten sich Hermine und Ron. Sie hatten abgemacht, dass sie Harry am 1. September am Bahnhof treffen würden. Als Harry und Toby bereits ein paar Schritte gegangen waren, rief Ron plötzlich nochmal nach Harry.

Harry entschuldigte sich kurz bei Toby und ging zurück zu seinem besten Freund.

"Fred und George experimentieren gerade mit Muggeltechnologien. Sie haben mir dieses Handy gegeben, damit ich testen kann, ob es in Hogwarts funktioniert," Ron druckste ein wenig herum. "Du weißt ja, dass ich mit diesen Dingen nicht so gut umgehen kann, aber vielleicht kannst du das machen?"

Freudestrahlend fiel Harry dem verdutzten Ron in die Arme. "Danke!" sagte er ehrlich und nahm das Handy entgegen.

"Ach, kein Thema, " antwortete der leicht verlegen Ron. " Ich wüsste ohnehin nicht, wen ich anrufen sollte." Und damit verabschiedete er sich endgültig und ging zu Hermine zurück, die ihn bereits lächelnd erwartete.

Harry winkte den beiden noch einmal nach und kehrte dann seinerseits zu Toby zurück.

"Was gabs denn noch?" fragte dieser neugierig.

Grinsend wedelte Hary mit dem Handy und küsste Toby auf den Mund. "Ich glaube Ron hat sich damit abgefunden, dass ich schwul bin." Er nahm Tobys Hand und gemeinsam machten sie sich auf den Weg nach Hause. Sie schwiegen den ganzen Heimweg hindurch und hangen jeder ihren Gedanken nach. Erst als sie mit einer Flasche Rotwein auf Toby's Balkon saßen, brach Toby die Stille.

„Wenn alles gut läuft und wir bis Weihnachten durchhalten," Harry schluckte bei dieser Formulierung, die Toby vorsichtig gewählt hatte „würdest du mich dann zu meinen Eltern begleiten."

„Ich möchte deine Eltern sehr gerne kennenlernen," antwortete Harry nur. „Wenn du das auch möchtest."

Toby lächelte. „Würde ich es nicht wollen, hätte ich es nicht vorgeschlagen."

„Es ist noch so lange bis dahin," meinte Harry und die Verzweiflung war deutlich aus seiner Stimme zu hören. „Ich wünschte du könntest mit mir kommen."

Toby nickte nur. Da war sie nun, die bedrückende Stimmung, die sie beide zu meiden versucht hatten. Es war ihr vorletzter gemeinsamer Abend, bevor Harry abreiste. Sie wollten die letzte Zeit doch genießen, andererseits irgendwann mussten diese Dinge zur Sprache kommen, sie konnten nicht ewig davor davonlaufen.

Harry seufzte. „Ich werd dir jeden Tag einen Brief schreiben."

„Einen Brief?" lachte Toby.

Harry kaute verlegen auf seiner Unterlippe herum. „Ganz ehrlich?" er blickte Toby peinlich berührt an. „Es mag zwar seltsam klingen, aber bei uns an der Schule gibt es ein Verbot für Handys. Computer gibt es gar nicht. Ist so eine Art Alternativ-Ding. Kein Elektrosmog und so." Er sah, dass Toby verwundert nach Luft schnappte. „Ich hab zwar jetzt Ron's Handy bekommen, aber die Schule liegt sehr abgelegen und ich kann noch nicht sagen, wie gut der Empfang sein wird. Wir können froh sein, dass es fließendes Wasser gib," Harry versuchte verzweifelt, die ganze Sache mit Humor zu sehen. Vielleicht würde er so tiefergehende Fragen von Toby's Seite abwenden können.

Nach einer Weile, die Harry wie eine Ewigkeit erschien, meinte Toby: „Dann also Briefe." Er lächelte. „Ist sowieso viel romantischer." Ein theatralischer Seufzer entwich ihm und Harry war froh, dass sich die Stimmung ein wenig zu entspannen schien. „Aber ich kann nicht versprechen, dass ich nicht eines Tages vor der Tür stehe, wenn du mir die Adresse, deiner geheimnisvollen Schule verrätst."

Harry lachte. „Keine Sorge. Die Schule hat ein Postfach, von dem aus alle Briefe weitergeleitet werden, du wirst also nicht in Versuchung geraten."

Toby's Blick wirkte ein klein wenig enttäuscht und auch Harry hätte den Gedanken von Toby Besuch zu bekommen sehr reizvoll gefunden.

Sie schwiegen wieder eine Weile, tranken ihren Wein, rauchten und genossen die stille Zweisamkeit.

„Ich bin ja nur froh, dass du nur noch ein Jahr Schule vor dir hast," meinte Toby schließlich. „Öfter würde ich so eine Trennung nicht ertragen."

Harry nickte zustimmend. „Ich bin auch froh. Ich bin es leid, immer dieselben Gesichter zu sehen, Tag ein Tag aus."

„Na toll," lachte Toby. „Heißt das, ich muss mich alle paar Monate einer Gesichtsoperation unterziehen um interessant für dich zu bleiben?"

„Mach ein Alle-paar-Wochen daraus und ich kann damit leben," feixte Harry.

Der Bann war gebrochen und sie waren wieder bei ihren unbekümmerten, schelmischen Unterhaltungen angelangt.

Als sie einige Zeit später gemeinsam zu Bett gingen, war von der Bedrückenden Stimmung die noch vor Kurzem zwischen ihnen geherrscht hatte nichts mehr zu spüren.

Sich küssend und streichelnd wanden sie sich auf dem Bett. Harry saugte gerade genüsslich an Toby's Schlüsselbein, während Toby mit seiner Hand Harrys Körper erkundete. Der Knutschfleck, den Harry erzeugt hatte entlockte ihm ein Grinsen.

„Du gehörst mir," knurrte er und biss spielerisch in Toby's Hals. „Ich bin ein Vampir und werde dich aussaugen."

Toby lachte auf. Er liebte es, wenn Harry spielerisch wurde. Überhaupt genoss er es, wenn sie im Bett lachten und Spaß hatten. Er löste sich von Harry und sah ihm grinsend in die Augen. „Mal sehen, wer hier gleich wen aussaugt."

Eine ganze Weile später ließ Harry keuchend, schwitzend und schwindlig vom Nachhall seines Orgasmus von Toby ab und rollte sich auf den Rücken. Er spürte die glühende Haut Toby's an seiner. Ihre Hände fanden sich irgendwo in der Mitte und verkeilten sich automatisch miteinander. Beide bebten, atmeten schwer und beruhigten sich nur langsam. Sie sprachen nicht, sahen sich nur an und hielten sich aneinander fest. Irgendwann war Harry eingeschlafen und schmiegte sich fest in Toby's Arme.