12. Kapitel

Der Tag war so vollgestopft mit Unterricht und Hausaufgaben, dass Harry kaum Zeit fand Dumbledore darüber zu informieren, dass er aufgrund seiner doch bescheidenen Noten in Zaubertränke zusammen mit Malfoy weiter an seinem Trank arbeiten musste und daher nur früher als verabredet zu ihrer wöchentlichen Besprechung in Dumbledores Büro kommen konnte. Schon wenige Minuten nachdem er Hedwig mit der Notiz losgeschickt hatte, erhielt er Rückmeldung von Dumbledore:

Lieber Harry,
natürlich gehen deine Schulnoten vor. Ich erwarte dich um 17 Uhr in meinem Büro. Alles weitere besprechen wir dann. Es freut mich zu hören, dass Mister Malfoy und du inzwischen zurecht kommt. Professor Snape hat mich bereits über deine erstaunlich gut funktionierende Partnerschaft mit Mister Malfoy informiert. Ich freue mich, von dir Näheres dazu zu erfahren.

Beste Grüße
Albus Dumbledore

Harry seufzte. Dumbledore hatte echt ein Talent immer die unpassendsten Formulierungen zu finden - von wegen funktionierende Partnerschaft - aber er konnte dem Direktor nicht böse sein. Bisher hatten seine versteckten Botschaften immer ein Fünkchen Wahrheit enthalten oder eine völlig unerwartete neue Wendung bewirkt. Nicht, dass Harry scharf darauf war, dass sich mit Malfoy irgendwelche schicksalhaften Wendungen ergaben, aber vielleicht war Dumbledores Ambition auch nur, durch Harrys Hilfe den Slytherin doch noch auf den richtigen Weg zu bringen.

Jetzt wo Harry so darüber nachdachte, fiel ihm auf, dass er seit dem letzten Schuljahr noch keine Muggel-feindliche oder Reinblut-fanatische Bemerkung von dem Blonden gehört hatte. 'Seltsam', dachte er und spürte einen Funken Neugierde in sich entfachen. Wieso war ihm das bisher noch nicht aufgefallen? War das der Grund, warum er inzwischen fast schon friedlich mit dem Slytherin umgehen konnte? Was mochte diese Veränderung ausgelöst haben? Auch seinen Vater hatte Malfoy bisher noch nicht erwähnt. Hatte es Streit zwischen den beiden gegeben? Vielleicht hatte Mister Malfoy herausgefunden, dass sein Sohn sich gerne in Muggel-Schwulenbars herumtrieb und war davon nicht erfreut gewesen? Aber Mister Malfoy hätte seinem Sohn wohl einfach den Kopf gewaschen und ihn solange bedroht, bis dieser seine Neigung von selbst aufgab. Der blonde Slytherin wirkte aber nicht, als würde ihn jemanden unter Druck setzen. Um genau zu sein, wirkte Malfoy fast schon ausgelassen und fröhlich, wenn man seinen derzeitigen Gemütszustand mit früheren verglich. Zwischendurch hatte Harry jedoch auch immer wieder etwas verletzliches, einen Blick von Traurigkeit bei Malfoy erhascht, was ihn noch mehr verwirrte, als alles andere.

Je genauer er darüber nachdachte, desto mehr stellte er fest, dass Malfoy sich nicht nur ihm gegenüber verändert hatte. Auch gegenüber den anderen Schülern verspritzte Malfoy sein Gift nicht mehr so wie früher. Selbst Hermine hatte bisher nur abfällige Blicke erhalten, wenn sie sich mal wieder übertrieben streberhaft zeigte und das konnte Harry gut nachvollziehen. Verwundert starrte er auf den blonden Haarschopf, der zwei Reihen vor ihm im Klassenzimmer von Professor Flitwick saß.

"Hermine!" Harry stieß seine Sitznachbarin an, während er im Flüsterton ihren Namen rief. Der braune Lockenschopf wandte sich fragend zu ihm um. "Findest du, dass Malfoy sich verändert hat?" Harry hatte mit vielem gerechnet, nicht aber mit der Besorgnis, die in Hermines Blick aufblitzte und schon gar nicht damit, dass Hermine nach dem immer unangenehmer werdenden, sekundenlangen Blickkontakt schließlich aufstand, ihre Hand auf den Bauch presste und Flitwick zurief: "Professor, mir ist schlecht. Kann Harry mich in den Krankenflügel bringen?"

Der verdutzte Harry konnte nichts anderes tun, als Hermine aus dem Raum hinauszufolgen und dem verdatterten Flitwick einen entschuldigenden Blick zuzuwerfen, ehe er sich von ihr den Gang entlang bis ins Klo der Maulenden Myrte zerren lassen musste.

"Hermine!" rief Harry verzweifelt. "Jetzt hör endlich auf an mir herumzuzerren und sag mir was los ist!"

Seine beste Freundin baute sich vor ihm auf, als wäre sie nicht einen knappen Kopf kleiner als er und wirkte so einschüchternd, dass Harry sofort verstummte.

"Ich soll DIR sagen, was los ist? Wie wäre es, wenn du MIR sagst, was in dich gefahren ist!" ratterte sie los und ließ Harry gar nicht erst zu Wort kommen. "Sag nicht, dass du dich nun in Malfoy verliebt hast?! Ich hab es gewusst, Harry! Von Anfang an hab ich gewusst, dass diese Streitereien zwischen euch nicht normal sind. Aber Harry, denk doch mal nach! Wie soll denn das gehen? Du und Malfoy? Glaubst du seine Familie wird freudig jubelnd danebenstehen, während ihr reinblütiger Sohn den größten Feind ihres hochverehrten Dunklen Lords vor den Altar führt? Sei doch nicht dumm, Harry! Schlag dir das aus dem Kopf. Du hast doch Toby! Denk an ihn. Bald ist Hogwarts vorbei und dann kannst du Malfoy für immer aus dem Weg gehen. Denk an deine Zukunft. Denk an…"

"STOP!" Harry war vor Hermines Wortschwall immer weiter zurückgewichen und stand im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Rücken an der Wand. "Hermine! Hör mir einen Moment zu: ich bin nicht in Malfoy verliebt!"

Stille kehrte ein und Harry konnte beobachten, wie erst eine zartrosa Farbe und schließlich eine heftige Röte in Hermines Gesicht aufstieg.

"Du bist nicht…?" fragte sie vorsichtig.

"Nein!" beteuerte Harry und fuhr sich frustriert durch die wirren Haare. Es erstaunte ihn selbst, wie überzeugt er dies von sich gegeben hatte und beäugte Hermine skeptisch, doch die schien sich inzwischen gefangen zu haben und auf eine andere plausible Erklärung zu warten. Harry sammelte sich. "Mir ist nur eben aufgefallen, dass Malfoy dieses Jahr noch zu niemanden richtig gemein war. Noch nichtmal zu dir." Er blickte Hermine kurz prüfend an, ob sie dies nicht als Beleidigung auffassen würde, doch ihr Ausdruck war eher überrascht. "Da kann doch was nicht stimmen, oder?"

So wie Malfoy ihn heute bereits ausgelacht hatte, als Harry sein Zaubertrankwissen durch seine Kocherfahrungen begründet hatte, lachte nun Hermine ihn aus und Harry kam sich langsam ziemlich dumm dabei vor.

"Was?" fragte er in einer Mischung aus Frustration und Genervtheit, doch Hermine musste sich erstmal wieder einkriegen vor lauter lachen.

"Es tut mir leid, Harry. Ehrlich. Ich wollte dich nicht auslachen." Das war nicht besonders überzeugend, da Hermine immer noch mit den Lachtränen kämpfte. "Ich hätte nur nicht gedacht, dass gerade du dir mal Sorgen machst, wenn Malfoy seine Bösartigkeit verliert."

Harry schnaubte. "Gerade eben hast du noch behauptet, schon immer gewusst zu haben, ich wäre in ihn verliebt," konterte er, nicht ohne einen Hauch von Vorwurf in seiner Stimme.

"Ja, das…. hm… lass uns einfach vergessen, dass ich das je gesagt habe, " stammelte Hermine verlegen. "Ok?"

Zu seiner eigenen Sicherheit stimmte er Hermine zu, obwohl ihn schon interessierte wie Hermine auf diese absurde These kam. Ok, sie war vielleicht nicht ganz so absurd, wie Harry es gerne hätte, aber dennoch absurd genug, um sich selbst davon zu überzeugen, dass es besser war, das Tuch des Vergessens darüber zu breiten.

"Also gut," stimmte Harry schließlich zu. "Können wir jetzt ernsthaft miteinander reden?" Hermine nickte und hockte sich auf einen der Waschbeckenränder. "Ich habe das Gefühl, dass über den Sommer irgendetwas passiert sein muss, das Malfoy komplett verändert hat. Oder er ist inzwischen ein so guter Schauspieler geworden, dass diese Lockerheit, die er in letzter Zeit ausstrahlt total echt wirkt. Ich kann es mir nicht erklären. Er fängt keine Streits mehr an, macht keine Witze über Muggelgeborene, rühmt sich nicht mit seiner Reinblütigkeit und er hat noch kein einziges Mal von seinem Vater gesprochen. Das ist doch nicht der Malfoy, den wir kennen!?"

Harry erwähnte absichtlich nicht seine Flirtbegegnungen, die er in den letzten Sommerwochen mit Malfoy hatte. Hermine brauchte schließlich nicht alles zu wissen und am Ende würde sie vielleicht doch wieder auf die Idee kommen, Harry Gefühle für Malfoy vorzuwerfen. Es reichte, wenn Toby das tat. Den Kopf schüttelnd, um diesen Gedanken gleich wieder loszuwerden, verpasste er fast Hermines Antwort.

"Vielleicht hat er sich endlich von seinem Vater abgenabelt," meinte sie nachdenklich.

"Denkst du, dass das möglich ist?" Harry versuchte verzweifelt den Malfoy, den er 6 Jahre lang gehasst hatte mit der Person zu verknüpfen, die er in den letzten Monaten kennengelernt hatte. "Er kommt mir wie ausgewechselt vor, wie ein guter Zwilling, der all die Jahre versteckt war und der nun im Austausch zum echten Malfoy hier ist."

Harry wusste, dass diese Theorie Blödsinn war, aber sie beschrieb am ehesten die Situation, wie sie ihm erschien.

"Ich weiß, was du meinst," antwortete Hermine und verfiel in ein tiefes Grübeln. Wenn sie diesen Ausdruck im Gesicht hatte, unterbrach man sie am Besten nicht und wartete einfach ab, bis sie zu einer Conclusio gekommen war. Schließlich rutschte Hermine vom Waschbeckenrand, strich ihre Robe glatt und trat mit ernstem Gesicht auf Harry zu. "Versprich mir, aufzupassen, Harry. Du weißt nicht, was mit ihm los ist. Er mag freundlicher wirken, als wir es gewohnt sind, aber du kennst die Beweggründe nicht."

Harry wollte aufbegehren. Auch wenn er diesen Verdacht selbst ausgesprochen hatte, so glaubte er nicht, dass Malfoy ihm etwas vorspielte. Im Gegenteil, er hatte das Gefühl, dass der Blonde zum ersten Mal er selbst war und nicht nur die Marionette seines Vaters. Hermine jedoch ließ ihn nicht zu Wort kommen. "Versprich es mir, Harry!" forderte sie eindringlich, aber mit einer Sanftheit die Harry schlucken ließ. Sie glaubte immer noch, dass Harry tiefere Gefühle für Malfoy hegte und er wusste, dass Widerrede bei ihr zwecklos war, also nickte er nur und versuchte sich die Nervosität, die plötzlich in ihm aufstieg nicht anmerken zu lassen.

Gemeinsam verließen sie das Klo der Maulenden Myrte, ihre Wege trennten sich jedoch bald, da Harry zu seinem letzten Fach für diesen Tag in den Wahrsageraum musste. Hermine hingegen hatte Arithmantik und anschließend noch Alte Runen. Nachdem Harry davon ausging, dass er in dieser Nacht wenig bis gar keinen Schlaf bekommen würde, beschloss er die Wahrsagedoppelstunde dazu zu nutzen, ein wenig auf Vorrat zu schlafen. Entsprechend wenig bekam er vom Unterricht mit und als Ron ihn schließlich rechtzeitig zum Ende der Stunde weckte, hatte er das Gefühl kaum fünf Minuten gedöst zu haben.

Erschlagen vor Müdigkeit kämpfte er sich in den Gryffindorturm um kalt zu duschen und wieder halbwegs zu Lebensenergie zu gelangen. Es blieb ihm schließlich eine knappe Viertelstunde um sich anzuziehen und auf den Weg zu Dumbledore zu machen. Sein Magen knurrte. Er hatte den ganzen Tag nichts gegessen und würde auch dank seines "Dates" mit Malfoy nicht zum Abendessen gehen können. Resigniert schlüpfte er in seine Jeans und einen warmen Pullover und warf sich seinen Umhang über. Einen Tag ohne Essen würde er schon überleben.

Bei Dumbledores Büro angekommen sprach er das Passwort - Kürbispastete - und sein Magen begann wie auf Kommando zu knurren. Das flaue Gefühl in seinem Bauch ignorierend stieg er die Treppe hoch und klopfte schließlich an die Tür des Direktors.

"Komm herein, Harry," hörte er die fröhliche Stimme Dumbledores und die Tür schwang auf. Ein herrlicher Duft stieg Harry in die Nase und sein Magen rebellierte nun so laut, dass selbst Dumbledore es hörte. "Hab ich mir doch gedacht, dass du Hunger haben wirst. Komm setz dich, Harry." Er wies auf den kleinen Couchtisch und die bequemen Ohrensessel auf denen sie zumeist saßen, wenn es nicht um ernste Themen wie die Bekämpfung Voldemorts ging. Harry schwante nichts Gutes. Sie hatten nur eine knappe Stunde Zeit und wenn sie essen und sich über weniger ernste Themen unterhalten würden, dann konnte das gerade an diesem Tag nur heißen, dass Dumbledore mit ihm über Malfoy sprechen wollte.

Es würde Harry nicht verwundern, wenn Dumbledore bereits wusste, dass er heute die große Erleuchtung bezüglich Malfoys verändertem Verhalten gehabt hatte, auch wenn ihm unklar war, woher Dumbledore dieses Wissen bezog. Harry nahm Platz und begutachtete erfreut die kleinen Kürbispastetchen, die heiß dampften und die Schale voll gebratenen Specks, der verführerisch duftete.

"Bedien dich, Harry," forderte Dumbledore ihn auf und setzte sich auf seinen violetten Ohrensessel. Harry konnte nicht widerstehen und griff zu. Es war eine seltsame Situation sich von Dumbledore beim Essen beobachten zu lassen, aber er konnte sich einfach nicht mehr zurückhalten. "Möchtest du ein Glas Wein?"

Erstaunt hob Harry den Blick. Dumbledore schien jedoch seine Antwort gar nicht erst abzuwarten und goss Harry einen himmelblauen Kelch voll mit dunkelrotem Wein. Wollte Dumbledore ihn auf die Probe stellen? Andererseits war es inzwischen auch zur Gewohnheit geworden, dass Harry rauchte, wenn er beim Direktor im Büro war, also konnte er sich nicht vorstellen, dass Dumbledore ihm Wein anbot wenn er etwas dagegen hatte, dass Harry ihn dann auch trank. Er bedankte sich also und nahm einen Schluck. Der Wein unterschied sich um Welten von denen die er mit Toby getrunken hatte. Vermutlich steckte irgendein magisches Herstellungsverfahren dahinter oder es war ein ganz speziell teurer Wein. Harry wollte darüber gar nicht nachdenken.

Einige Minuten lang saßen sie still beieinander. Harry aß und Dumbledore nippte lediglich an seinem eigenen Weinkelch. Als Harry das Gefühl hatte nicht mehr eines Hungertodes zu sterben, legte er sein Besteck ab, lehnte sich in seinem Sessel zurück und trank ebenfalls erneut von seinem Wein. Mit einem Wink seiner Hand brachte Dumbledore die Reste des Mahls zum Verschwinden und an deren Stelle tauchte ein Aschenbecher sowie Dumbledores Pfeifenzubehör auf.

"Professor Snape hat mir erzählt, dass Mister Malfoy und du an einem Conter-Schildtrank arbeitet," begann der Direktor zu Harrys Entsetzen die Unterhaltung genau in die Richtung die er befürchtet hatte. Er nickte. Vielleicht konnte er sein Gegenüber durch Passivität dazu bringen, ein anderes Thema einzuschlagen. "Wusstest du, dass Mister Malfoy solch einem Trank sein Leben verdankt?"

Harry verschluckte sich. "Wie bitte?"

Dumbledore lächelte. "Ah, er hat dir also noch nicht davon erzählt. Nun ich möchte Mister Malfoy nicht vorgreifen, er wird dir die Geschichte selbst erzählen, wenn er es für richtig empfindet. Aber du solltest wissen, dass ihm das Gelingen des Tranks ein großes Anliegen ist."

Harry wusste nicht recht, was er mit dieser Information anfangen sollte. Es war nicht so, dass er sonderlich viel zum Gelingen des Tranks beitragen konnte. Genau genommen war Malfoy vermutlich besser dran, wenn er ohne Harry weiterarbeiten würde, da immernoch die Chance bestand, dass Harry im letzten Moment doch noch alles versaute. Aber es machte ihn schon neugierig, wie Malfoy in die Situation gekommen war, dass sein Leben nur von einem Zaubertrank abhing.

"Severus hat mir außerdem berichtet, dass du überraschend gut auf die heutige Zaubertrankklasse vorbereitet warst. Es freut mich sehr, dass du inzwischen auch an diesem Fach Freude gefunden hast."

Irgendwie kam es Harry vor, als würde Dumbledore heute absichtlich um den heißen Brei herum reden. Was genau wollte der Direktor von ihm?

"Das war reines Glück," gestand Harry schließlich. "Ich war ein paar Minuten zu früh im Klassenraum und hatte noch Zeit kurz das neue Kapitel zu überfliegen. Hätte ich es nicht eben erst gelesen, hätte ich wie immer keine Ahnung gehabt, was Snape von mir will."

"Professor Snape," korrigierte Dumbledore mit einem fröhlichen Funkeln in den Augen, doch wie gewöhnlich ignorierte Harry diesen Einwand und steckte sich stattdessen eine Zigarette an.

"Ich habe überlegt Mister Malfoy in unseren Plan einzubeziehen." Wieder verschluckte sich Harry, diesmal jedoch am Rauch seiner Zigarette und er verfiel in einen heftigen Hustenanfall. Gemächlich stand Dumbledore auf, trat hinter Harry um ihm dreimal ordentlich auf den Rücken zu klopfen und setzte sich dann wieder, nachdem er zufrieden feststelle, dass Harrys Husten nachließ.

"Severus und ich haben einen Plan aufgestellt, wie wir Voldemort schwächen können, ehe du ihm zum letzten Gefecht aufsuchst," fing Dumbledore an. "Dieser Plan beinhaltet Einerseits einen sehr komplizierten Zaubertrank der das Mitwirken von drei Zauberern erfordert, als auch einen Überbringer dieses Tranks, der weniger Aufmerksamkeit auf sich zieht als Professor Snape es inzwischen tut."

"Sie wollen, dass Malfoy für unsere Seite kämpft?" fragte Harry ungläubig, obwohl er selbst sich heute bereits darüber Gedanken gemacht hatte, dass der Slytherin sich vielleicht seiner ehemaligen Meinung über den Dunklen Lord abgewandt hatte. Dennoch, dass Dumbledore ihn gleich in ihre streng geheimen Pläne einweihen wollte, erschien ihm doch etwas leichtsinnig.

"Nun, Harry," fuhr der Direktor mit ruhiger Stimme fort. "Wie dir bereits aufgefallen ist, hat Mister Malfoy sich in letzter Zeit stark verändert. Auch diese Geschichte zu erzählen liegt nicht an mir, aber ich kann dir versichern, dass Mister Malfoy bereits seit einiger Zeit den Wunsch hegte an unserer Seite zu kämpfen, jedoch erst diesen Sommer den ausschlaggebenden Ansporn dazu erhielt."

Wie immer sprach Dumbledore in Rätseln, aber Harry spürte, dass der Direktor hinter jedem seiner Worte stand und ernst meinte was er sagte. Er glaubte wirklich daran, dass Malfoy nun zu ihnen gehörte und er wollte von Harry, dass er mit seinem jahrelangen Feind zusammenarbeitet. In Harry begannen sich Fragen über Fragen zu türmen. Nicht nur, was Malfoys Loyalität anbelangte, sondern auch Bilder aus der Vergangenheit tauchten vor seinem inneren Auge auf. Situationen in denen Malfoy fies war, Streits, Schlägereien, Hermines Tränen als Malfoy sie das erste Mal ein Schlammblut nannte, die vielen gefährlichen Situationen in die Malfoy ihn und seine Freunde gebracht hatte. Konnte er dem Slytherin das alles tatsächlich verzeihen? Oder hatte er es bereits? Selbst die Erinnerung an all diese Momente hatten in Harry nur einen schwachen Abklatsch seines früheren Hasses auf Malfoy hervorgerufen. Es war genauso, wie er es Hermine gesagt hatte. Malfoy war ein anderer geworden und Harry merkte, dass er kein nachtragendes Herz hatte. Er wollte immer jedem eine zweite Chance geben und genau das wurde von ihm jetzt bei Malfoy verlangt.

"Ich möchte, dass du die Zeit die du mit Mister Malfoy verbringst nutzt, um dir ein neues Bild von ihm zu machen. Vergiss, was war, Harry und vergrab dein Herz nicht in vergangenem Gram. Auch Draco habe ich dazu geraten dir noch ein weiteres Mal die Hand entgegenzustrecken."

Ein weiteres Bild tauchte vor Harrys innerem Auge auf. Der elfjährige Malfoy, der ihm die Hand entgegenhielt und voll Stolz und Zuversicht darauf vertraute, nicht abgewiesen zu werden und dann der Bruchteil einer Sekunde indem Schmerz die eisgrauen Augen durchzuckte, als Harry ablehnte. Hätte von Anfang an, alles anders kommen können?

Harry war so in seine Gedanken vertieft, dass es eine Weile dauerte bis das Läuten der Kuckucksuhr ihn wieder zurück ins Hier und Jetzt riss. Erschrocken sprang er auf. "Ich muss gehen," erklärte er dem Direktor sein abruptes Verhalten und dämpfte seine Zigarette aus. "Vielen Dank für das Essen und den Wein…", der ihm in dem Moment in den Kopf stieg als er aufgesprungen war.

"Ich wünsche euch eine produktive, gemeinsame Nacht. Grüße Draco recht herzlich von mir," sagte Dumbledore und das Blitzen in seinen Augen war fast schon unverschämt. Doch Harry kümmerte sich nicht mehr darum und machte sich eiligst auf den Weg in die Kerker. Malfoy würde über sein Zuspätkommen nicht besonders erfreut sein, aber wenigstens war der Direktor eine gute Ausrede für seine Unpünktlichkeit.