13. Kapitel

Als Harry den Raum betrat, saß Malfoy bereits auf seinem Patz, die Füße auf den Tisch gelegt und in einem Buch lesend.

"Auch schon da, Potter?" begrüßte er Harry, ohne von seinem Buch aufzusehen.

"Sorry," meinte der nur. "Ich war noch bei Dumbledore. Er lässt dich grüßen."

Fragend blickte Malfoy auf und zog eine Augenbraue hoch. Zu Harrys Erleichterung ging er jedoch nicht näher darauf ein. Unsicher trat Harry von einem Bein auf das andere. Er wusste nicht genau was er tun sollte. Sollte er sich einfach neben Malfoy setzen und abwarten. Natürlich hatte er nicht daran gedacht sich irgendeine Form der Beschäftigung mitzunehmen, da er damit gerechnet hatte 12 Stunden lang unentwegt in den Trank starren zu müssen. Nachdem er aber auch nicht die ganze Nacht im Türrahmen rumstehen wollte, schritt er schließlich auf ihren gemeinsamen Arbeitstisch zu und warf einen prüfenden Blick in den Kessel.

"Was macht unser Trank?" fragt er, mehr um die unangenehme Stille zu durchbrechen, als aus tatsächlichem Interesse.

Malfoy klappte sein Buch zusammen, nahm die Beine vom Tisch und stand auf. "Ich habe bereits die vorletzte Zutat hinzugefügt. Jetzt heißt es abwarten. Es kann bis zu zwölf Stunden dauern, bis sich was tut, aber sobald es soweit ist, muss schnell gehandelt werden." Er deutete auf ein kleines Fläschchen das aussah als wäre es mit einer Art flüssigem Rauch gefüllt. "Sobald der Trank zu zischen anfängt, muss das Serum der Wiederherstellung hinein. Es ist die wichtigste Zutat und wird entscheidend für die spätere Wirkung des Tranks sein. Je länger es dauert, bis der Trank zu zischen beginnt, desto stärker wird die Wirkung des Serums sein."

Harry konnte nicht leugnen, dass er diesen Trank äußerst faszinierend fand. Nur wenige Tränke hatte er bisher kennengelernt, die ähnlich machtvoll waren. Der Felix Felicis zum Beispiel und natürlich Veritaserum. Einmal mehr wünschte er sich, er hätte einen Zaubertranklehrer gehabt, der es nicht auf ihn abgesehen hatte und bei dem er tatsächlich die Kunst des Tränkebrauens zu schätzen gelernt hätte.

Wieder kehrte Schweigen ein und Malfoy nahm erneut sein Buch auf und begab sich in die scheinbar bequeme Position, mit den Füßen auf der Arbeitsfläche verkreuzt. Harry stand etwas verlegen herum. Was sollte er nur die ganze Nacht hindurch tun? Es war zu dumm, dass er nicht daran gedachte hatte sich Beschäftigung mitzubringen. Mit den Händen wühlte er in seinen Umhangtaschen um vielleicht irgendwas nützliches zu finden, stieß aber lediglich auf seine Zigaretten.

Na toll, dachte er. Jetzt hab ich auch noch Lust eine zu rauchen.

Um sich von dem Gedanken abzulenken, schritt er durch das Klassenzimmer und besah sich die Zaubertrankinkredienzien, die in den verstaubten Regalen herumstanden. Angewidert betrachtete er ein Glas voll Frettchenaugen. Er wollte sich gar nicht vorstellen was für ein Trank das sein mochte, der solche Zutaten benötigte. Als er weiterging, entdeckte er ein Buch zwischen all den Gläsern und Fläschchen. In der Hoffnung eine Ablenkung für die kommenden Stunden gefunden zu haben, zog er es hervor und sah sich den Titel an: "Die Geschichte des Tränke Brauens". Frustriert seufzte Harry auf, nahm das Buch aber dennoch mit zu seinem Platz.

"Ist das dein Ernst, Potter?" Malfoy sah ihn erneut mit fragend hochgezogener Augenbraue an. "Das ist mit Abstand das langweiligste Buch über die Zaubertrankkunst, das es gibt."

Harry zuckte mit den Schultern. "Immernoch besser als gar nichts zu lesen zu haben und einfach nur dumm rumzusitzen," konterte er genervt.

Malfoy lachte auf. "Wieso hast du dir denn nichts mitgebracht?" fragte er schmunzelnd. Dann legte sich ein anzügliches Grinsen auf sein Gesicht und Harry wappnete sich für was immer gleich kommen würde. "Was dachtest du denn, was wir hier die ganze Nacht machen?" Wieder zog Malfoy seine elendslangen Beine vom Tisch und richtete sich vor Harry auf. Harry hatte noch nie bewusst wahrgenommen, dass Malfoy ein ganzes Stück größer war als er. Kein Wunder, bei den langen Beinen, schoss es ihm durch den Kopf.

Malfoys herausfordernder Blick machte Harry nervös und er räusperte sich, wusste jedoch nicht was er sagen sollte. Er schluckte. Wieso musste Malfoy nur so nah bei ihm stehen. Wie sollte er da nachdenken. Die Herausforderung wich immer mehr einem amüsierten Funkeln und Harry war sich bewusst, dass Malfoy ihn jeden Moment auslachen würde, wenn er nicht bald etwas sagte.

"Was denkst du, Malfoy?" giftete er los und gab seinem Gegenüber einen leichten Stoß gegen die Brust um endlich mehr Abstand zwischen sie zu bringen. "Ich bin davon ausgegangen, dass wir hier einen Trank brauen." Wütend wandte er sich ab um noch mehr Raum zwischen ihnen zu schaffen. Er durfte sich von Malfoy nicht so aus der Fassung bringen lassen. Doch noch ehe er zwei Schritte gegangen war, spürte er, wie Malfoy ihn am Handgelenk packte und zurückzog. Benommen knallte er gegen Malfoys Brust und erstarrte.

"Schade eigentlich," raunte Malfoy ihm zu. "Ich dachte du hättest vielleicht endlich Vernunft angenommen und dich von deinem Muddelfreund getrennt." Wie paralysiert sah Harry in das Gesicht des Slytherin und konnte sich nicht losreißen. Innerlich focht er einen Kampf aus, der ihn hin und her riss zwischen dem unbändigen Verlangen Malfoy die Kleider vom Leib zu reißen und seinem schreienden Herz, das ihm Bilder von Toby vorhielt.

"Lass mich," brachte er schwach hervor und wurde sich schmerzlich bewusst, dass er Malfoy in seinem Blick gerade all seine Schwächen, Ängste und heimlichen Wünsche offenbarte. Er konnte nur noch hoffen, dass wie aus einem Wunder Malfoy ihn einfach gehen ließ, denn sonst würde Harry sich ihm hingeben.

Und dann geschah es. Das Wunder wurde wahr und Malfoy trat einen Schritt zurück, seinen eisernen Griff um Harrys Handgelenk lockernd. Verwirrung und unendliche Erleichterung machten sich in Harry breit. Er versuchte Malfoys Blick zu lesen, herauszufinden, was ihn dazu gebracht hatte, Harry gehen zu lassen, doch Malfoy wandte sich ab und brachte nun seinerseits Abstand zwischen sie beide.

"Du brauchst nicht die ganze Nacht hier zu bleiben," drang schließlich die sachliche Stimme Malfoys an sein Ohr. "Ich schaff das auch alleine." Er wandte sich um und hatte wieder seine steinerne Maske aufgesetzt.

Harry schluckte. Kurz hatte er geglaubt in Malfoys Augen echte Emotionen gelesen zu haben, doch jetzt war dessen Blick wieder leer. Es tat ihm leid, dass der Slytherin zu seinem altbekannten Ausdruck zurückgekehrt war, doch gleichzeitig war er auch erleichtert, nicht mehr in die Tiefe dieser silbergrauen Augen sinken zu müssen.

"Wenn es ok ist, hol ich mir nur schnell was zu lesen aus meinem Schlafraum und komme dann wieder," sagte Harry leise und kaute nervös auf seiner Unterlippe herum. "Es ist immerhin auch mein Trank und ich möchte mir die gute Note auch verdient haben, wenn ich schonmal Chancen habe eine zu bekommen." Er versuchte sich an einem Lächeln, wandte sich dann ab und verließ dein Raum.

Kaum war er aus dem Klassenzimmer getreten, musste er sich erstmal sammeln. Zitternd lehnte er sich an die Wand und schloss die Augen. Was war hier eben passiert? Harry war sich schon länger bewusst, dass er sich körperlich zu Malfoy hingezogen fühlte, doch eben war da noch mehr gewesen. Er glaubte nicht, dass er verliebt war. Aber Malfoys veränderte Art verwirrte Harry so sehr, dass er nicht wusste, wie er damit umgehen sollte. Er war plötzlich unendlich neugierig, was für ein Mensch Malfoy war, woher sein Verhalten früher und das entgegengesetzte Benehmen heute herrührte. Wer war dieser Junge eigentlich, den Harry seit er ihn das erste Mal gesehen hatte, hasste?

Immernoch bebend drückte er sich von der Wand ab und machte sich auf den Weg in den Gryffindorturm. Er musste sich zusammenreißen. Nur weil er Malfoys Persönlichkeit plötzlich spannend fand und sein Körper sich blöderweise auch noch zu ihm hingezogen fühlte, durfte er sich nicht gehen lassen. Er wusste, dass er Toby liebte und dass er ihm nicht weh tun wollte. Doch mit jedem Zusammentreffen mit Malfoy wurde es schwieriger, seinen Vorsätzen treu zu bleiben.

Im Schlafraum angekommen überlegte Harry, was er sich eigentlich als Beschäftigung mitnehmen wollte. Er war nicht der große Lesefreund und hatte entsprechend auch keine Bücher dabei. Kurzentschlossen griff er einfach zu seiner Schultasche. Wenn er schon dazu verdonnert war, die ganze Nacht wach zu bleiben, dann konnte er genauso gut auch gleich seine Hausaufgaben machen. Er entwickelte sich wirklich immer mehr zu einem Streber. Hermine wäre stolz auf ihn und Ron wäre entsetzt. Harry schmunzelte und machte Kehrt um zurück in den Zaubertränkeraum zu gehen. Unterwegs machte er kurz Halt und schlich sich nach draußen, wo er versteckt hinter einem Rosenbusch schnell eine Zigarette rauchte, in der Hoffnung, dass dies seine Nerven ein wenig beruhigte.

Als er schließlich wieder den düsteren Raum betrat, saß Malfoy wie eh und je an seinem Platz und las. Harry schluckte seine Nervosität hinunter und setzte sich daneben. Er kramte seine Verwandlungs-Unterlagen hervor und fing an seinen Aufsatz über Animagi zu schreiben. Zum Glück hatte er bei dem Thema einen kleinen Vorteil, da Sirius ihm einiges darüber erzählt hatte.

"Du hast geraucht." Stellte Malfoy neben ihm fest und sah über den Rand seines Buchs zu Harry.

Ertappt blickte Harry ebenfalls auf. "Sorry," meinte er schuldbewusst. "War dringend notwendig."

Malfoy grinste und Harry konnte nicht anders, als das zu erwidern. Er war froh über das stillschweigende Einverständnis das Geschehene auf sich beruhen zu lassen und er war außerdem glücklich Malfoy wieder menschlich zu sehen, ohne seine eiserne Maske.

"Hast du eine für mich?"Die Frage überraschte Harry, doch er griff automatisch in seine Umhangtasche.

"Du rauchst?" Die Verwunderung war ihm ins Gesicht geschrieben.

"Selten," gab malfoy zu und zog eine Zigarette aus dem ihm dargebotenen Päkchen. Als er sie jedoch gleich in den Mund steckte und mit seinem Zauberstab entfachte, sprang Harry erschrocken auf.

"Bist du wahnsinnig?" rief er. "Du kannst doch nicht hier im Klassenraum rauchen!"

Verzweifelt versuchte Harry Malfoy die Zigarette zu entwinden um sie auszudämpfen, doch der stand auf und hielt seinen Arm grinsend in die Höhe, sodass Harry nicht an die Zigarette herankam.

"Reg dich nicht auf, Potter;" schnarrte er von oben herab. "Mit dem richtigen Zauber ist das alles kein Problem." Mit der freien Hand schwang er seinen Zauberstab, sprach "Fumarcede" und Harry sah, wie der Rauch sich zu einer Kugel formte, als würde er in eine runde Glasglocke eingesaugt.

Fasziniert griff Harry nach dem Rauchball und fuhr mit der Hand hindurch. Kurz löste er sich in Schwaden auf, formte sich aber sofort wieder zu einer neuen Kugel.

"Der Zauber kann den Rauch von bis zu zehn Zigaretten binden," erklärte Malfoy. "Also entspann dich."

Wieder einmal war Harry froh, dass es Magie gab und er Teil daran haben durfte. Es gab soviele praktische Zauber, die einem das Leben erleichterten und dieser war einer der besten die er je gesehen hatte. Freudig nahm er sich ebenfalls eine Zigarette und entzündete sie mit seinem Zippo.

"Potter," kam Malfoys verwunderte Stimme. "So viel Stil hätte ich dir gar nicht zugetraut." Er nahm ihm das Feuerzeug aus der Hand und betrachtete es. Es war ein Geschenk von Toby gewesen und hatte in die matt silbrige Fläche einen irischen Segenswunsch eingraviert.

"Gum biodh ràth le do thurus," las Malfoy und seine Aussprache klang, als hätte er Ahnung von der gälischen Sprache - ganz im Gegensatz Harry.

"Du sprichst gälisch?" fragte dieser verwundert und nahm sein Zippo wieder zurück.

"Ein wenig," behauptete Malfoy und zog wieder an seiner Zigarette. Der Rauch wurde nach oben gezogen und in der Kugel absorbiert. "Mein Kindermädchen hat immer auf gälisch geflucht und nachdem ich als 6-jähriger extrem neugierig war, hab ich begonnen mir ein wenig gälisch beizubringen um zu verstehen, was sie sagte. Als sie das mitbekam, hat sie mir ein paar Basics beigebracht. Ab dem Zeitpunkt hat sie mich immer verschmitzt angegrinst, wenn sie Vater auf gälisch einen sturen Idioten schimpfte." Malfoy lächelte bei der Erinnerung und Harry staunte. Es war das erste Mal, dass er je eine Geschichte aus Malfoys Kindheit hörte. Er hatte ein wenig Schwierigkeiten sich den kleinen, sechsjährigen Knaben vorzustellen, wie er gemeinsam mit seiner liebevollen Nanny gälisch übte nur um seinem Vater eins auszuwischen.

"Also, Potter," riss Malfoy ihn aus seinen Gedanken. "Wonach suchst du?"

"Wie bitte?" fragte Harry, der dem blonden nicht folgen konnte.

"Der Spruch?" Harry musste wirklich sehr verwirrt aussehen, den Malfoy schnaubte und blies ihm seinen Zigarettenrauch entgegen. "Ehrlich, Potter! Du hast ein Feuerzeug mit einem Spruch drauf und keine Ahnung was er bedeutet?" fragte er mit sarkastischem Unterton.

Harry errötete. "Ich… äh…" stammelte er. Er konnte Malfoy wohl kaum erzählen, dass er Toby vor Freude sofort besprungen hatte, als er ihm das Geschenk gegeben hatte und gar nicht auf die Idee gekommen war, nach dem Spruch zu fragen. "Es war ein Geschenk…" versuchte er seine Unwissenheit zu rechtfertigen.

"Das macht es nicht besser," entgegnete Malfoy. "Du kannst doch nicht ernsthaft mit einem Gegenstand herumlaufen, auf dem etwas steht von dem du nicht weißt, was es bedeutet. Hast du in den letzten sechs Jahren gar nichts gelernt?"

Harry verstand immer weniger was Malfoy eigentlich von ihm wollte. Doch dieser griff sich fassungslos an die Stirn.

"Du bist so naiv, Potter!" schalt er ihn direkt. "Was wenn es ein Fluch wäre? Manchmal frage ich mich wirklich, wie du es geschafft hast mit deiner Auffassungsgabe nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach dem Dunklen Lord entkommen zu sein."

Jetzt reichte es Harry. Er hatte genug davon, sich von Malfoy beschimpfen zu lassen. "Warum sollte Toby mir etwas schenken, was verflucht ist? Er weiß doch nichtmal, dass es sowas wie Flüche überhaupt gibt." Schrie er dem Blonden entgegen.

"Was nur bedeutet, dass man ihm umso leichter einen verfluchten Gegenstand unterjubeln könnte, damit er ihn dir gibt," argumentierte Malfoy. Harry wusste überhaupt nicht, wieso Malfoy sich so aufregte. Was störte es ihn, wenn Harry einen verfluchten Gegenstand mit sich herumtrug, außerdem glaubte er nicht, dass sein Zippo tatsächlich verflucht war. Niemand wusste von Toby, also war Malfoys Geschichte völlig ausgeschlossen.

"Na dann sag schon endlich, was draufsteht, wenn du es weißt," forderte Harry. "Wenns ein Fluch ist, umso besser für dich, wenn du ihn ungestraft auf mich wirken kannst. Keiner wird dich je verdächtigen."

"Du bist irre," behauptete Malfoy, in Fassungslosigkeit seinen Kopf schüttelnd. "Aber bitte. Möge deine Suche erfolgreich sein."

"Wie bitte?"

"Mensch, Potter," fuhr Malfoy ihn an. "Stell dich nicht dämlicher als du bist." Langsam schien der Blonde tatsächlich die Geduld zu verlieren. "Das steht auf deinem Zippo: Möge deine Suche erfolgreich sein."

Stille kehrte ein und Harry dämmerte. Nun machte das ganze Gespräch Sinn. Nun abgesehen von dem Teil mit den Flüchen. Er fühlte sich ziemlich dämlich. Die Zeit hätte er sich wirklich mal nehmen können, um Toby nach dem Spruch zu fragen, aber er hatte einfach nicht mehr daran gedacht.

"Also," wieder holte Malfoy. "Wonach suchst du?"

Und dann traf Harry die Erkenntnis. Röte stieg ihm ins Gesicht. Toby konnte nur eines damit gemeint haben. Nervös versuchte Harry dem Grund für das Geschenk nicht in die Augen sehen zu müssen. Einfach abstreiten, dachte er sich und rüstete sich um doch seinen Blick zu heben.

"Ich glaube nicht, dass der Spruch eine nähere Bedeutung hat," brachte er viel zu steif hervor, um natürlich und vor allem glaubhaft zu wirken.

"Klar, Potter," schnaubte Malfoy. "Wer's glaubt…" Damit dämpfte er seine Zigarette aus und setzte sich wieder hin.

Harry schnaufte. Wie sollte er nur je die ganze Nacht überstehen, wenn jedes Gespräch zu einer Falle für ihn wurde. Fast schon hoffte er, dass ihr Trank nicht die beste Wirkung haben würde, dafür aber möglichst bald zu zischen anfing.

Die nächsten Stunden vergingen ohne gröbere Zwischenfälle. Harry hatte inzwischen sowohl seinen Verwandlungsaufsatz, als auch seine Traumdeutung für Wahrsagen fertiggestellt. Zweiteres hatte ihm wesentlich mehr Kopfzerbrechen bereitet und er hatte sich mehrfach genervte Blicke von Malfoy eingefangen, wenn er mal wieder seine ansonsten stille Arbeit mit gemurmelten Flüchen untermalte.

"Warum tust du dir dieses unnötige Fach überhaupt an?" fragte Malfoy als Harry einen Absatz durchstrich, an dem er bereits seit einer halben Stunde feilte.

"Mir tut Professor Trelawney leid," gestand er. "Von den 25 Schülern in der dritten Klasse sind nur noch acht übriggeblieben. Alle anderen haben aufgegeben, dabei kann sie ja nichts dafür, dass sie nur so selten echte Eingebungen hat."

"Du bist echt ein unerträglicher Gutmensch, Potter!" schnaubte Malfoy und wandte sich wieder seinem Buch zu.

"Kann sein," murmelte Harry und dachte darüber nach, wie es dazu gekommen war. Ihm war bewusst, dass er sich oftmals unnötig in Gefahr brachte, nur um andere zu beschützen. Und dabei musste es sich nichtmal um enge Freunde handeln. Egal wer, Harry hatte immer das Gefühl sein Leben für ihres geben zu müssen, wenn es hart auf hart kam. So wie damals als er beim trimagischen Turnier Fleurs kleine Schwester um jeden Preis hatte retten wollen und dabei selbst fast nicht mehr an die Wasseroberfläche gekommen wäre. Er hatte einen dramatischen Hang zum Heldentum und das obwohl er nichts mehr hasste, als von anderen für das was er war verehrt zu werden.

Er gähnte und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Fürs erste hatte er genug von Hausaufgaben. Es war inzwischen 2 Uhr nachts und ihr Trank machte nicht geringsten Anschein in nächster Zeit zu zischen. Er bewunderte Malfoy, der seit Stunden in der selben Position auf seinem Stuhl saß und las. Harry tat bereits alles weh und er sehnte sich nach seinem Bett. Die zwei Stunden Schlaf in Trelawneys Unterricht waren eindeutig zu wenig gewesen und auch der viele Unterricht der letzten Wochen forderte seinen Tribut. Wenn er wirklich die ganze Nacht wach blieb, würde er morgen wie eine Leiche durch den Schultag wandeln, soviel stand fest. Aber zumindest war dann schon Freitag und nicht mehr lange bis zum lang ersehnten Wochenende.

In Gedanken versunken fielen ihm die Augen zu und ehe er sich versah, war er eingeschlafen.