Interessiert sah Aquilia zu, wie Jean die Verbände abwickelte und rümpfte die Nase, als sie feststellte, dass die unteren Schichten der Verbände auf ihrer Haut festklebten. Der ganze Vorgang dauerte unendlich lange, der leichte Teil war geschafft, nun würde es wirklich unangenehm werden, mit einem stillen Blick schien Jean nach ihrer Erlaubnis zu fragen, bevor sie die verklebten Lagen befeuchtete und vorsichtig abwickelte. Bevor sie aus Versehen einen Laut von sich geben konnte, biss Aquilia sich auf die Unterlippe, den Blick immer noch auf die Hände der Frau vor ihr gerichtet. Als die letzte Lage fiel, wurde es Aquilia zu viel, sämtliche Farbe wich ihr aus dem Gesicht, die Atmung wurde flacher, schwarze Punkte tanzten vor ihren Augen, alles drehte sich, sie hatte das Gefühl Watte in den Ohren zu haben. "Es wäre besser, wenn du dich hinlegen würdest, du bist ganz blass. Wir machen eine kurze Pause!" sagte Jean mit fester Stimme, während sie sich die Handschuhe auszog. Widerwillig legt sich Aquilia hin, sie hatte Angst sonst von der Liege zu fallen. Mit ernsten Augen musterte Jean Aquilia und verließ den Raum, kurz darauf kam sie mit einer Dose Cola zurück, die sie neben Aquilia abstellte. "Trink das, durch den Zucker sollte dein Kreislauf wieder in Schwung kommen und nicht die Beine überschlagen. Sammel dich erstmal, dann können wir weitermachen, ich kann dir auch noch was gegen die Schmerzen geben, wir haben Zeit." Sie ließ sich auf dem Stuhl neben der Liege nieder, nahm Aquilias Krankenblatt und trug etwas ein, während sie wartete, dass die junge Frau sich wieder von der Prozedur erholte. In kleinen Schlucken trank Aquilia die Cola und spürte, wie das wattige Gefühl aus ihrem Kopf verschwand. Vorsichtig setzte sie sich wieder auf und signalisierte Jean, dass sie weitermachen können.

Mit frischen weißen Verbänden stand sie von der Liege auf und sah sich fragend um. "Wenn du durch die Tür dort gehst, kommst du auf einen Flur, halte dich rechts, dann kommst du zu einem Aufzug, wir sind im zweiten Untergeschoss. Wenn du ins Erdgeschoss fährst, kannst du in den Garten gehen, das Büro von Professor Xavier findest du im zweiten Stock und eine Küche mit großem Kühlschrank findest du im ersten Stock!" Jean zwinkerte ihr verschwörerisch zu. "Du kannst die ganze Villa erkunden, wenn du müde wirst, komm einfach wieder hier runter."
"Und ich bin hier wirklich sicher? Auch im Garten?" Aquilia traute dem Frieden noch nicht.
"Auch im Garten, ja. Das Grundstück ist gut gesichert, du bist hier wirklich sicher. Ich würde dir empfehlen, als Erstes den Professor aufzusuchen, er wird deine Zweifel ernst nehmen und mit dir zusammen erörtern."
Aquilia nickte verstehend und ging zur Tür raus, nervös drückte sie den Knopf zum zweiten Obergeschoss.