Holt die Sektflaschen raus, ich habe zwei Kapitel von zwei Geschichten an einem Tag geschrieben. Jetzt kann ich stolz auf mich sein ;-)

Aquilia fand die Küche gleich auf Anhieb, die Kühlschränke waren üppig gefüllt, sie nahm sich einen Teller und begann ihn mit Gemüse voll zu packen. Mit großem Hunger vertilgte sie die enorme Portion Tomaten, Salat und Gurke, erst jetzt merkte sie, wie hungrig sie war. Gerade, als sie den Teller in die Spülmaschine stellte, betrat jemand hinter ihr die Küche. "Ich sehe, du hast die Küche gefunden, also hat dir Jean Ausgang genehmigt. Bist du Vegetarierin?", fragte sie eine tiefe Stimme hinter ihr.
Erschrocken drehte sich Aquilia um, ihr Herz fiel ihr fast in die Hose, als sie den großen Mutanten sah, der von oben bis unten mit blauen Pelz bedeckt war. Schlagartig wich ihr sämtliche Farbe aus dem Gesicht, sie hatte wieder dieses Rauschen in den Ohren und begann zu taumeln. Eine blaue Hand hielt sie an der Schulter und bugsierte sie auf den nächsten Stuhl. "Na na, nicht ohnmächtig werden, schön tief atmen! Ich hätte nie gedacht, dass ich so einen durchschlagenden Effekt auf Andere habe!", sagte der blaue Mutant belustigt.
Aquilia hob den Kopf und sah ihn wortlos an. "Mein Name ist übrigens Hank McCoy, ich arbeite unten im Labor! Ich tue dir ganz sicher nichts!" Er hob zum Beweis beide Hände und zeigte ihr seine leeren Handflächen. Nachdem sie sich ein wenig erholt hatte, antwortete sie mit zitternder Stimme: "Ich habe keine Angst, ich war nur so lange auf der Flucht, ich habe einfach nicht damit gerechnet, dass mir jemand so nahe kommt, ohne dass ich es merke." Sie schenkte ihm ein unsicheres Lächeln, bevor sie sich vom Stuhl erhob, nur um sofort wieder auf die Sitzfläche zu sinken.
"Brauchst du Hilfe?", fragte Hank hilfsbereit, doch die junge Frau schüttelte den Kopf und winkte ab. "Nein, nein, es geht gleich wieder, ich brauche nur ein wenig Zeit!" Aquilia massierte sich die Schläfen, sie hatte das Gefühl, dass sich mörderische Kopfschmerzen ankündigen. "Zu Ihrer Frage, ich esse gelegentlich Fleisch, aber auf meiner Flucht war es schwer zu beschaffen, außerdem verdirbt es schnell. Meistens ernähre ich mich von Obst und Gemüse, häufig muss ich es nachts von Bäumen und aus Beeten stehlen. Zum anderen ist diese Art der Ernährung gesünder und man muss die Sachen häufig nicht einmal kochen!", wieder versuchte Aquilia aufzustehen, dieses Mal gelang es ihr länger auf den Beinen zu bleiben. Nach zwei überaus mühsamen und wackeligen Schritten gaben ihre Beine plötzlich nach, ihre Hände streckten sich haltsuchend aus und sie taumelte rückwärts in Hanks Arme.
"Alles ist gut, ich habe dich. Am Besten bringe ich dich nach unten zurück, du scheinst dich übernommen zu haben. Morgen kannst du deine Erkundungstour fortsetzen!" Das Lächeln in seinem Gesicht war warm, herzlich und ehrlich, während er sie zum nächsten Fahrstuhl trug. Eine Träne stahl sich aus ihrem Augenwinkel, es war ihr egal. Auf dem Weg nach unten verlor Aquilia mehrmals das Bewusstsein, sie hatte sich in der Tat übernommen, ihr fehlte sogar die Energie den Kopf zu heben.
Immer wieder hörte Aquilia Geräsche in ihrer Umgebung, jemand sprach mit ihr, sie schüttelte sich mehrmals und begann zu zittern, plötzlich war ihr unglaublich kalt. Sie wurde in ein Bett gelegt, helles Licht, über ihr war ein roter Haarschopf, aus der Ferne hörte sie die Stimme von Jean: "Aquilia, ich werde dich wieder an das EKG anschließen." Aquilia schloss die Augen, etwas Kaltes wurde auf ihren Oberkörper geklebt, wieder schüttelte es sie, etwas lag schwer auf ihr und es wurde wärmer, dann schlief sie ein.

Als sie aufwachte, war es völlig ruhig um sie herum, das Licht war gedämpft und ihre Bandagen waren erneuert worden. Aus ihrem Oberteil schlängelten sich dünne Kabel und ein durchsichtiger Schlauch endete in ihrem Handrücken. So sehr sie sich umschaute, nichts gab ihr Aufschluss, wie spät es war, aber so ruhig, wie es war, musste es mitten in der Nacht sein. Resigniert dreht sie sich auf die Seite und versuchte wieder einzuschlafen, es gelang ihr erstaunlich leicht.

Als sie das nächste Mal die Augen aufschlug, war es heller und Jean war weiter hinten an einem Schrank beschäftigt. Mit einem leisen Stöhnen richtete Aquilia in ihrem Bett auf, wieder war da dieser Druck, als würden sich starke Kopfschmerzen ankündigen, sie massierte sich mechanisch mit Daumen und Zeigefinger die Schläfen, der Druck ließ ein wenig nach. Als sie ihre Beine über die Bettkante schwingen wollte, wurde sie von Jean aufgehalten, die nun bemerkt hatte, dass Aquilia wach war. "Beweg dich besser nicht zu hektisch. Du hast uns einen gehörigen Schrecken eingejagt, was war los?" Aquilia schaute verwirrt drein, sie wusste nicht, was Jean meinte. "Als Hank dir hier runterhelfen wollte, bist du einfach ohnmächtig geworden und hast mehr als zwei Tage geschlafen, ich hatte schon mit dem Schlimmsten gerechnet!" Nun sah Aquilia ziemlich schuldbewusst drein und zuckte mit den Schultern. "Ich habe mich erst fast zu Tode erschreckt und plötzlich habe ich mich so schwach gefühlt, dass ich mich nicht mehr auf den Beinen halten konnte! Ich habe auch keine Ahnung, was das war!"
Jean sah sie streng an, dann sagte sie in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete: "Du wirst dich erstmal schonen, keine großen Spaziergänge und auch deine Erkundungstouren müssen noch ein wenig warten, bis du wieder vollkommen fit bist!" Aquilia senkte den Kopf und antwortete kleinlaut: "Okey, dann machen wir das so!" Nun bekam sie ein versöhnliches Lächeln von ihrem Gegenüber.
"Es führt zu keinem guten Ergebnis, wenn du ständig deine Grenzen ignorierst und dich übernimmst. Glaub mir, ich weis, wovon ich spreche. Irgendwann hängt dein Überleben davon ab, dass du über Energiereserven verfügst, um aus einer gefährlichen Situation zu entkommen."