Und weiter geht es...

Die Tage zogen sich hin, dreimal am Tag brachte ihr jemand etwas zu Essen vorbei und Jean hatte ihr einige Bücher aus der Bibliothek heruntergebracht. Als Aquilia sich schon fragen wollte, woher Jean wissen konnte, was sie lesen wollte, fiel ihr ein, dass diese ja eine Telepathin war. Immer mal wieder bekam sie Besuch von Charles Xavier und einmal sogar von Kurt Wagner, den sie bei ihrer Rettung verletzt hatte, doch er schien es ihr nicht übel zu nehmen. Langsam aber sicher verlor sie sämtliches Zeitgefühl, sie schlief, wenn ihr danach war und laß viel.

Bei jedem Verbandswechsel sah ihre Haut besser aus, bald war es nicht mehr nötig ihre Arme zu bandagieren und Aquilia begann sich langsam an zu langweilen. Wann immer sie Besuch bekam, freute sie sich über ein wenig Abwechselung, war sie früher still und regelrecht wortkarg gewesen, freute sie sich nun über jeden Gesprächspartner. Ein paar mal kam auch Hank vorbei und erkundigte sich nach ihrer Heilung, jedes Mal schien er erfreut über ihre Fortschritte.
"Deine Verbrennungen scheinen schneller zu heilen, als bei anderen Menschen, ich finde das spannend." Er ließ sich auf dem Stuhl neben ihrem Bett nieder, ein Klemmbrett in seinen großen Händen. Sie zuckte mit den Schultern und antwortete: "Nur wenn es mit meiner Gabe zu tun hat, ich habe mich anfangs häufiger verbrannt und es heilte schneller, als hätte ich mich an etwas anderem verletzt!" Bisher hatte sich sich nie über so etwas Gedanken gemacht, aber nun da er sich drauf hinwies, fiel auch ihr es auf.
"Dein Gesicht ist runder geworden und du siehst gesünder aus, als bei deiner Ankunft!"
Aquilia spürte wie ihre Wangen warm wurden, als ihr die Röte ins Gesicht stieg, schüchtern sprach sie: "Ich bin nicht mehr auf der Flucht, bekomme regelmäßig und genug zu Essen, bewege mich sehr wenig, da ist es logisch, dass man zusetzt."
Unsicher lächelte die junge Frau den blauen Mutanten an und wurde mit einem Lächeln seinerseits belohnt, er erhob sich leichtfüßig und verschwand in sein Labor zurück.

Kurze Zeit später kam Jean an ihr Bett und befragte sie nach ihrem Befinden, sie schien mit den Antworten sehr zufrieden zu sein. "Hank hat sich für dich eingesetzt und bei mir ein gutes Wort eingelegt, er meint, du wärst jetzt bereit für ein Zimmer in den oberen Etagen!" In Aquilias Brust schien ein kleiner Vogel zu flattern, als sie realisierte, was diese Information für sie bedeutete. Ungläubig fragte sie: "Wirklich? Teilen Sie seine Meinung?" Jean spürte die Woge der Freude, die in der jungen Frau hochschäumte und so verkündetete sie fast feierlich: "Ja, ich bin auch der Meinung, dass du in ein eigenes Zimmer umziehen kannst. Das setzt natürlich voraus, dass du bei uns bleiben willst." Aquilia nickte knapp und gab sich völlig dem Gefühl der Freude hin, das sich sogar verstärkte, als sie den Fahrstuhl betrat.

Als sich die Türen öffneten, wurde sie von einem Mann mit einer Sonnenbrille und einem freundlichen Lächeln empfangen. "Hallo, ich bin Scott Summers und ich werde dir jetzt dein Zimmer zeigen." Er ging den Flur entlang und drehte sich um, um sich zu versichern, dass sie ihm folgte. Aquilia stand, wie versteinert vor dem Fahrstuhl und bewegte sich nicht einen Millimeter in seine Richtung. "Nun komm schon, das Zimmer ist gleich da vorne!" er zeigte hinter sich und endlich setzte de junge Frau sich in Bewegung. Scott öffnete eine Tür und zeigte Aquilia den Raum dahinter. Das Zimmer war klein und gemütlich, die Vorhänge waren offen und durch das Fenster fiel warmes Sonnenlicht hinein. "In dem Schrank findest du ein bisschen Kleidung für dich und hinter der Tür dort, ist ein kleines Bad mit Dusche und WC!", mit diesen Worten entfernte sich Scott wieder.

Aquilia schloss die Tür hinter sich und schaute in den Schrank, Scott hatte nicht übertrieben, die Kleidung im Schrank waren zwar Basics, aber davon reichlich. Sie trat an das Fenster und schaute hinaus, ihr Blick schweifte über ein weites Gelände und von Minuten zu Minute war sie überzeugter die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Nachdem sie einige Augenblicke ihr Gesicht in das Sonnenlicht gestreckt hatte, drehte sie sich um und nahm neue Kleidung aus dem Schrank, sie würde jetzt ersteinmal eine lange Dusche nehmen.

-11.02.2018-