Alright, New York
„Commander Baker"
„Ja?"
„Wir haben soeben eine Meldung von einem Streifenwagen erhalten. Sie haben unser Team am östlichen Waldrand entdeckt."
„Und die Zielperson?"
„Am Leben und in Sicherheit. Sie erfährt in diesem Moment ärztliche Behandlung."
„Dann ist die Mission hiermit erfolgreich abgeschlossen. Übermitteln Sie unserem Team, dass ich sofort mit ihnen sprechen will."
„Jawohl"
„Sir"
„Was gibt es?"
„Die Instrumente sind tot. Ich… Ich empfange keine Signale mehr."
„Was soll das heißen?"
„Die Bildschirme sind schwarz. Da draußen tut sich nichts mehr, fast so, als hätte sich der Entitus in Luft aufgelöst."
„Sind Sie sich sicher?"
„Positiv, der Entitus ist verschwunden."
Der schwarz lackierte Wagen bog mit quietschenden Reifen auf die asphaltlose Seitenstraße ein und passierte dabei ein Ortschild mit der Aufschrift „Weeks". Die Insassen des Fahrzeugs hatten das kleine Städtchen vor gerade Mal fünf Minuten hinter sich gelassen, nun befanden sie sich auf dem Land. Am Horizont konnte man hier und da ein einsames Farmhaus erkennen, die meisten der sanft geschwungenen Hügel waren jedoch von kleinen Wäldern bedeckt. Mit gedrosselter Geschwindigkeit verschwand das Auto nun in einem der Wäldchen und folgte einem unscheinbaren Weg, der ins Nichts zu führen schien.
„Bist du dir sicher, dass wir hier richtig sind?"
„Aber natürlich, du hast die Dame doch gehört. Nach dem Schild die erste Abzweigung auf…"
„Ja, ja, ich weiß. Ich vertrau den Leuten nur irgendwie nicht."
„Warum das?"
„Sagen wir einfach, dass ich schon zu viele schlechte Horrorfilme gesehen habe, in denen die Hauptpersonen von genau solchen Leuten in die falsche Richtung geschickt werden."
„Im Ernst?"
„Und außerdem scheinen sie nicht gerade begeistert von unserem Ziel zu sein. Hast du gesehen, wie der eine Kerl ausgespuckt hat, als wir ihn nach der Farm gefragt haben? Ich hoffe, die wollen uns nicht auf den Arm nehmen, oder so was."
„Wir sind in den ländlichen USA. Das einzige, was die von uns wollen, ist, dass wir möglichst bald wieder abhauen."
„Da hast du wohl recht", sagte Dwight und warf einen Seitenblick auf Claudette, die neben ihm im Beifahrersitz saß und aus dem Fenster schaute. Ihr Blick fuhr über die sanften Hügel und kleinen Täler, während sie eine Hand schützend gegen die Sonne hob. Dann schaute sie wieder nach vorne und murmelte: „Sie haben sich wirklich das letzte Loch ausgesucht."
„Das war ja auch der Sinn der Sache", entgegnete Dwight und drosselte das Tempo, als er einen Ast auf der Fahrbahn entdeckte. Langsam rollte er über das Hindernis hinweg und gab dann wieder Gas. „Ich meine, in einer Großstadt hätten sie sich wohl kaum ein Zuhause einrichten können, oder?"
„Es wäre aber trotzdem schön gewesen, Meg hin und wieder zu sehen."
„Fehlt sie dir so sehr?"
„Natürlich fehlt sie mir", antwortete Claudette und drehte sich zu Dwight, mit dem Ellbogen gegen das Fenster gestützt. „Sie ist meine beste Freundin, wahrscheinlich die zweitwichtigste Person in meinem Leben."
„Und wer ist die wichtigste?"
„Hugh Jackman"
„Ich hasse dich."
Claudette entblößte ihre weißen Zähne in einem scharfen Lächeln und lehnte sich dann herüber, um Dwight einen schnellen Kuss auf die Wange zu drücken. Er hatte letzten Monat damit begonnen, sich einen Bart wachsen zu lassen und auch wenn Claudette zuerst dagegen gewesen war, so konnte sie doch nicht abstreiten, dass es ihm einen verführerischen Akzent verlieh. Der Wagen rollte nun um eine Biegung und die Straße wurde mit jedem Meter schmaler. Sträucher und Büsche schienen die Schneise zurückerobern zu wollen und ein paar Mal streifte sogar ein Ast die Seite des Fahrzeugs. Dwight warf einen Blick zu Claudette und fragte: „Was meinst du, wie geht es…"
„DWIGHT PASS AUF"
Erschrocken riss er die Augen nach vorne und trat mit aller Kraft auf die Bremse, als er den Jungen entdeckte, der gerade eben auf die Fahrbahn gelaufen war. Dwight und Claudette wurden vom plötzlichen Bremsmanöver nach vorne in ihre Sicherheitsgurte gezogen, bis der Wagen einen halben Meter vor dem in Schock erstarrten Kind zum Stehen kam. Die beiden tauschten einen erschrockenen Blick aus, bevor sie ausstiegen und nach vorne liefen.
„Sorry, sorry, es tut mir leid, ich wollte nicht…"
„Geht es dir gut?", rief Claudette und kniete sich vor dem Jungen, der nicht älter als neun sein konnte auf den Boden. „Bist du verletzt?"
„Nein, ich bin okay. Sorry. Ich hab das Auto nicht gesehen, und…"
„Schon in Ordnung", beschwichtigte die Kanadierin und ließ den Blick über den vor Schreck zitternden Körper gleiten, um nach Abschürfungen oder Ähnlichem zu suchen. Sie konnte nichts entdecken. Dwight stand mit verschränkten Armen hinter ihr und hätte dem Bengel am liebsten zurechtgewiesen, kam jedoch zum Schluss, dass Claudettes Herangehensweise die Bessere war. Auf dieser Straße fuhren wahrscheinlich im gesamten Jahr keine zehn Autos durch. Es war also kein Wunder, dass die Kinder hier im Wald achtlos umhertollten. Er drehte den Kopf, als zwei weitere Jungen und ein Mädchen aus dem Unterholz gelaufen kamen und in einigem Abstand stehen blieben. Mit misstrauischen, jedoch gleichzeitig kindlich neugierigen Blicken musterten sie das Paar.
„Sind das deine Freunde?", fragte Claudette den Jungen und er nickte mit gesenktem Kopf.
„Gut, dann kann ich es gleich mehreren sagen", rief Dwight: „Straßen sind gefährlich. Ich weiß, dass hier nicht oft Autos durchkommen, aber passt bitte trotzdem auf, wenn ihr auf die andere Seite hinüberwollt."
„Wer seid ihr?", wollte das kleine Mädchen vorlaut wissen, ganz so als hätte sie Dwights Worte überhaupt nicht gehört. „Wir haben euch hier noch nie gesehen."
Dwight zog die Augenbrauen nach oben und schaute zu Claudette, die nur belustigt grinste. Dann sagte er: „Wir sind auch nicht von hier."
„Warum seid ihr dann hier?"
„Wir wollen Bekannte besuchen."
„Dann seid ihr hier falsch", sagte das Mädchen und trat einen Schritt nach vorne: „Hier wohnen keine Bekannten."
„Ich hab's dir doch gesagt", murmelte Dwight an Claudette gewandt: „Die haben uns in die Irre geführt."
Die Kanadierin schenkte ihm keine Beachtung und fragte stattdessen das Mädchen, das sich wohl als kesse Anführerin der Gruppe sah: „Ich gebe zu, wir haben uns etwas verlaufen und den richtigen Weg verloren. Wisst ihr zufällig, wie wir zur Coldwind Farm gelangen?"
Die Kinder wechselten erstaunte Blicke und tuschelten kurz untereinander, bevor das Mädchen einen Schritt nach vorne machte und herausfordernd wissen wollte: „Warum sucht ihr die Coldwind Farm?"
„Wie gesagt, wir wollen Bekannte besuchen gehen."
„Auf der Coldwind Farm leben aber keine Bekannten", gab das Mädchen zurück: „Nur die Außenseiterin."
„Die Außenseiterin?"
„Sie ist vor einem Jahr hierhergezogen", erzählte das Mädchen: „und hat sich die alte Farm gekauft. Jetzt wohnt sie da und kommt nur einmal die Woche in die Stadt, um Sachen zu kaufen. Sie sagt nie viel und verschwindet dann wieder. Mein Dad meint, sie ist verrückt."
„Verrückt, warum denn das?"
„Weil es auf der Farm spukt", murmelte das Mädchen und machte ein Gruselgesicht: „Das weiß doch jeder. Vor vielen Jahren hat dort jemand eine Familie ermordet und seitdem sind das Haus und die umliegenden Wälder verflucht. Niemand darf in die Nähe, weil es gefährlich ist. Weil man nie weiß, welchen Kreaturen man begegnet. Aber sie hat die Farm gekauft und lebt jetzt dort, könnt ihr euch das vorstellen?"
Dwight und Claudette tauschten einen Blick aus, überrascht, dass Meg unter der Landbevölkerung als verrückte Außenseiterin galt. In der Stadt hatte man etwas höflicher einfach erzählt, dass man nichts über sie wusste. Wahrscheinlich hatten die Leute im privaten eine dickere Lippe.
„Also liegt die Coldwind Farm in dieser Richtung?", fragte Dwight und zeigte den Weg entlang. Das Mädchen nickte und antwortete: „Ja, aber da darf man nicht hin."
„Und wohin wart ihr dann unterwegs?", wollte Claudette wissen, womit sie die Kinder sichtlich überrumpelte. Wieder tuschelten sie für einen Moment, bevor einer der Jungen sagte: „Wir wollten eine Mutprobe machen. Aber bitte sagen sie unseren Eltern nichts davon. Sonst kriegen wir Hausarrest."
„Versprochen", antwortete Claudette: „Wenn ihr uns sagt, was das für eine Mutprobe sein soll."
„Eine Gefährliche", rief das Mädchen und die anderen stimmten ihr zu. Dwight wartete einen Moment und fragte dann: „Ist das alles?"
„Wir wollen einen Waldgeist finden.", rief einer der Jungen. „Ja", schrie ein andere und ein dritter sagte: „Und dann wollen wir ihn anfassen."
„Ihr wollt einen Waldgeist anfassen?", lachte Claudette und sah zwischen den Kindern hin und her, doch sie schienen todernst. „Wie kommt ihr darauf, dass es so etwas gibt?"
„Wir haben sie gesehen."
„Im Wald"
„Sie sind groß und hässlich."
„Groß und hässlich?", fragte Claudette erstaunt: „Und es sind mehrere?"
„Zwei", rief das Mädchen: „Der eine ist ein Kerl und schaut aus wie ein Stück Holz. Er hat einen Hut auf und atmet immer so komisch." Sie machte einen röchelnden Ton. „Die andere ist ein Mädchen, glaube ich. Deswegen ist sie auch viel cooler. Sie hat eine Axt und einen Hasenkopf mit langen Ohren."
Dwight und Claudette wechselten einen Blick und brachen dann beide in Gelächter aus, was den Kindern ganz und gar nicht zu gefallen schien.
„Das ist die Wahrheit", rief das Mädchen.
„Ich glaube euch doch", antwortete Claudette und bückte sich zu ihr hinunter: „Aber bitte versprecht mir, dass ihr vorsichtig seid. Und ich verrate euch ein Geheimnis. Die Waldgeister sind freundlich, aber dennoch gefährlich. Ihr dürft sie nicht erschrecken oder angreifen, denn dann werden sie zornig und wenn sie zornig sind, dann verteidigen sie sich und könnten euch wehtun."
Die Jungen machten einen nervösen Eindruck, doch das Mädchen ließ sich nicht beirren: „Das ist nicht wahr. Waldgeister sind Geister und Geister sind böse. Außerdem können sie uns nichts tun."
„Warum nicht?"
„Weil Geister aus Luft sind", entgegnete das Mädchen: „Und an Luft kann man sich nicht verletzten."
„Wie wollt ihr sie dann anfassen?"
Darauf schienen die Kinder keine Antwort zu wissen.
„Wie heißt ihr überhaupt", fragte Dwight nach einem Moment.
„Karl"
„Johnny"
„Alex"
„Jimmy"
„Anna"
„Anna?", fragte Claudette und zog die Augenbrauen nach oben: „Ein schöner Name"
„Der schönste auf der Welt", rief das Mädchen.
Dwight schüttelte den Kopf und sagte dann: „Also, die Farm liegt ganz sicher in dieser Richtung?"
Zwei der Jungen nickten schüchtern.
„Gut, dann machen wir uns am besten auf den Weg"
Claudette stimmte ihm zu und ging zurück zum Wagen. Während sie einstieg, rief sie den Kindern nochmal zu: „Passt auf euch auf."
Dann schlossen sich die Türen mit einem dumpfen Schlag und Dwight murmelte: „Mein Gott, ist die Göre eingebildet."
„Ein wenig", pflichtete Claudette schmunzelnd bei: „Aber wir sind auf dem richtigen Weg."
Dwight nickte und drehte den Schlüssel. Brummend erwachte das Auto zum Leben und fuhr langsam an, als Dwight das Gaspedal nach unten drückte.
„Glaubst du, das war schlau?", wollte er wissen: „Sie bei ihrer Waldgeistjagd noch zu ermutigen?"
„Oh bitte", winkte Claudette ab: „Sobald die Max oder Anna auch nur von weitem sehen, haben sie wieder die Hosen voll."
„Glaubst du?"
„Natürlich. Die haben noch nicht mal entdeckt, dass Anna nur eine Maske trägt. Wenn die sie schon mal gesehen haben, dann nur über die Schulter beim Abhauen."
„Ich hoffe es kommt zu keinen Zwischenfällen" murmelte Dwight und Claudette warf ihm einen besorgten Blick zu: „Komm schon, die beiden sind doch die friedfertigsten Wesen, die ich kenne. Seit sie aus dem Nebel raus sind, haben sie keiner Fliege was zu leide getan."
„Ich hätte nie gedacht, dass du mal so über den Hinterwäldler sprichst."
„Das war vor langer Zeit, Dwight."
„Eineinhalb Jahre"
„Sie haben sich verändert."
„Ich weiß, aber ihre Axt trägt Anna immer noch mit sich rum."
„Sally und Meg passen schon auf… sieh mal."
Das Auto war gerade um eine Kurve gefahren und mit einem Schlag hatte sich der Wald gelichtet. Claudette konnte nun die gesamte Straße entlang sehen, die sich zwischen zwei kleinen Hügeln und einem Kornfeld auf ein großes Farmhaus zu schlängelte.
„Das ist es."
„Sieht schön aus", murmelte Dwight und lenkte den Wagen gekonnt den Weg hinab. „Ganz anders, als ich es in Erinnerung habe."
„Du warst doch noch nie hier", bemerkte Claudette und sah nach rechts aus dem Fenster. Dwight schaute kurz zu ihr hinüber und entgegnete dann: „Ich meine im Nebel. Der Entitus hat es in einer der Arenen nachgebaut, weiß du noch?"
„Natürlich", sagte Claudette und richtete den Blick wieder nach vorne auf die Farm: „Aber das war etwas ganz anderes."
„Da hast du wohl recht."
Dee Wagen wirbelte eine Staubwolke auf, als er vor dem Haus zum Stehen kam und Claudette stieg bereits aus, während Dwight noch die Handbremse anzog und nach dem Schlüssel griff. Sie legte den Kopf in den Nacken und schaute hinauf zum Dach des hohen Gebäudes. Es hatte nicht die Löcher und Schäden, die sie aus dem Nebel kannte und auch die Front schien erst vor kurzem gestrichen worden zu sein. Auf der rechten Seite befand sich außerdem ein hölzernes, langgezogenes Gebäude, das es im Reich des Entitus so nicht gegeben hatte. Gerade als Dwight die Tür des Wagens zuwarf, öffnete sich jene der Farm und ein rothaariges Mädchen in Sportbekleidung trat breit lächelnd auf die Terrasse heraus.
„Meg", rief Claudette und rannte auf ihre Freundin zu. Lachend fielen sich die beiden in die Arme, während Dwight gemütlich die Stufen nach oben stieg. Hinter den beiden Mädchen sah er eine weitere Person aus dem Haus kommen, die sich geduldig im Hintergrund hielt. Sie trug ein hübsches, weißes Kleid, hatte ihre schwarzen Haare zu einem Knoten zusammengebunden und musterte die Besucher mit einem freundlichen, orangen Auge.
„Sally", grüßte Dwight und schüttelte ihr die Hand: „Wie schön dich immer noch wohlauf zu sehen."
„So leicht werdet ihr mich nicht los", antwortete die ehemalige Krankenschwester grinsend und wandte sich dann an Claudette: „Bitte, kommt rein. Wir haben es angenehm kühl im Haus, hier draußen herrscht ja eine immense Hitze."
Es war eine Aufforderung, der Claudette und Dwight liebend gern folge leisteten und wenig später saßen sie bereits an einem runden Tisch inmitten einer gemütlichen Stube. Die Wände waren frisch gestrichen, die Fenster sauber und der gesamte Wohnbereich machte alles in allem einen sehr guten Eindruck. Einige der Möbel schienen erst vor kurzem aufgestellt worden zu sein, während sich andere wohl schon länger an Ort und Stelle befanden.
„Ihr habt die Hütte ja richtig auf Vordermann gebracht", staunte Dwight und schaut sich um. Claudette hatte ihren Blick derweil direkt auf Meg gerichtet und sagte: „Es ist so schön, euch wieder zu sehen. Ich bin sicher, ihr habt uns so viel zu erzählen. Wie geht es Anna und Max? Wo sind die beiden überhaupt? Und wie geht es eigentlich euch?"
„Jetzt lass sie doch mal antworten", warf Dwight belustigt ein.
„Uns geht´s gut, würde ich sagen", antwortete Meg und warf einen Blick zu Sally, die hinzufügte: „Ich bin immer noch etwas schwach, aber es geht."
Nach der endgültigen Auslöschung des Entitus war Sally zusammengebrochen und hatte sich mehrere Wochen lang nicht gerührt. Claudette hatte bereits befürchtet, sie wäre gestorben, aber schließlich hatte die Krankenschwester doch noch ihre Augen geöffnet. Sie war eines großen Teils ihrer Energie beraubt worden, während Max, Anna und Philip kaum eine Veränderung gespürt hatten, doch zum Glück hatte sie nach über einem Jahr viel ihrer alten Kraft zurückgewonnen.
„Immer noch keine Ahnung, warum es dich so hart erwischt hat?", wollte Claudette wissen und Sally schüttelte den Kopf: „Ich glaube auch nicht, dass ich das jemals herausfinden werde. Ich schätze, es hat einfach damit zu tun, wie der Entitus mich verändert hat. Spektraler Körper und so. Aber lassen wir diese Dinge, ich würde viel lieber über euch zwei sprechen. Ihr seht so glücklich miteinander aus."
„Wohl wahr", pflichtete Meg bei: „Wie läuft dein Studium?"
„Hervorragend", antwortete Claudette: „Einer der Professoren hat sogar meinen Eltern einen Brief geschrieben, in dem er sich lobend über mich äußert."
„Beeindruckend"
„Und nächstes Semester beginne ich dann mein Masterstudium mit einem Fachschwerpunkt auf biotischer Interaktion, Physiologie und Zellbiologie."
„Irgendwas mit Pflanzen", erklärte Dwight und kassierte dafür einen bösen, aber dennoch belustigten Blick von seiner Freundin.
„Das klingt furchtbar interessant", sagte Meg: „Und furchtbar kompliziert. Ich weiß noch, in Biologie war ich immer eine Niete."
„Und ich in Sport", entgegnete Claudette mit einem Lächeln: „So hat eben jeder sein Spezialgebiet."
„Ich war überall schlecht", warf Dwight ein: „Sport, Biologie, aber vor allem Mathe. Das war der absolute Horror."
„Ach komm, in Geschichte warst du doch immer gut, hast du mir erzählt", widersprach Claudette tröstend: „Und außerdem ist das jetzt doch alles egal" Sie wandte sich wieder an Sally und Meg. „Er ist vor kurzem befördert worden. Hat die Leitung über eine kleine Abteilung übertragen bekommen, was bedeutet, dass er jetzt nicht mehr James unterstellt ist."
„Gefällt dir die Arbeit?", wollte Meg wissen.
„Jetzt, wo ich etwas höher in der Nahrungskette postiert bin, ja. Ist ganz interessant.", antwortete Dwight: „Mein Boss ist zwar so ein reicher Arsch, aber dafür kann ich mich jetzt mit meinem Vater über ihn auslassen. Wir haben denselben Chef."
„Und wie geht es den anderen?", wollte Meg wissen: „Ich habe ja schon eine Ewigkeit nichts mehr von Nea gehört."
„Sie ist ziemlich beschäftigt", antwortete Claudette: „Hat sie dir schon erzählt, dass sie den Platz an der Kunstschule bekommen hat?"
„Nein", schüttelte Meg den Kopf: „Das sind ja großartige Neuigkeiten."
„Die Schule ist gleich bei meiner Uni um die Ecke", erzählte Claudette: „Ich habe ein paar Mal vorbeigeschaut und ihre Professorin hat mir erzählt, dass sie selten eine so talentierte Bühnenbildnerin gesehen hat. Allerdings tut sie sich mit dem Theorieteil etwas schwer."
„Das kann ich mit vorstellen", lachte Meg: „Und David?"
„Hat einen Job als Coach in einer Grundschule gekriegt", antwortete Dwight: „Es ist zwar keine fixe Stelle, aber die Kids lieben ihn. Zumindest sobald sie keine Angst mehr vor ihm haben, wegen seiner Narbe."
„David als Lehrer", staunte Meg: „Hätte ich mir nie vorstellen können. Aber wie das Leben so spielt…"
„Er und Nea sind so ein süßes Paar", erzählte Claudette: „Sie passen so gut zueinander."
„Ich weiß nicht, ob süß das richtige Wort ist", bemerkte Dwight grinsend: „Immerhin haben sie deine gesamte Abschlussfeier unter den Tisch getrunken, ohne eine Miene zu verziehen. Und wir reden hier von Studenten…"
„Morgen Abend seht ihr sie sowieso", fügte Claudette hinzu und Sally fragte: „Gibt es etwas Neues von Philip. Ich hoffe, er ist nicht aufgeflogen."
„Keineswegs", antwortete Dwight: „Ich schätze außer uns und seiner Familie hat niemand auch nur die leiseste Ahnung, dass in Waltonfield ein Geist umgeht. Aber ich glaube, er langweilt sich ein wenig."
„Das kann ich mir denken", sagte Meg: „Ich meine, er hat ja nicht wirklich viel tun, außer sich versteckt zu halten, oder."
„Er hat angefangen zu lesen", erzählte Claudette: „Ich habe selten solche Stapel an Büchern neben einem Bett gesehen. Und er ist glücklich mit seiner Familie. So weit ich mitbekommen habe, ist seine Schwester wirklich froh, dass sie rund um die Uhr einen gratis Babysitter zu Verfügung hat. Außerdem passt er auf Jade auf, wenn sie sich beim Ausgehen wieder mal in irgendwelche dunkle Gassen verirrt. Sie ist etwas naiv, das muss man wirklich sagen."
„Ich hatte nie einen so coolen Babysitter", murmelte Dwight, woraufhin Meg fragte: „Wisst ihr etwas Neues von Ace und Jake?"
„Außer, dass sie sich in Südamerika herumtreiben, nicht wirklich viel", antwortete Claudette: „Jake hat ja versucht, sich wieder in seiner Familie einzufinden, aber bei den Mistkerlen hat er´s einfach nicht ausgehalten."
„Das müssen ja unangenehme Zeitgenossen sein", kommentierte Sally.
„Jedenfalls ist er mit Ace nach Argentinien gegangen und soweit ich weiß, ist er in einem großen Team angestellt, das Dokumentarfilme über die südamerikanische Natur dreht."
„Klingt Interessant", sagte Meg und die Kanadierin bestätigte: „Wahnsinnig interessant. Wenn ich das Geld hätte, würde ich ihn liebend gerne besuchen gehen."
„Und was macht Ace?", wollte Sally wissen, doch Dwight schüttelte den Kopf: „Keine Ahnung. Irgendwie hält er sich über Wasser und so wie ich ihn kenne, macht er das wohl mehr mit Glück als Verstand."
„Fehlt nur noch Feng", schloss Meg: „Hat sie sich mit ihren Eltern versöhnt?"
„Keine Chance", schüttelte Claudette: „Eigentlich Schade, aber die werden wohl nie mehr zu einer Familie zusammenwachsen. Sie arbeitet in Dwights Firma, ihre Abteilung liegt direkt nebenan."
„Sie macht irgendetwas Technisches", erzählte Dwight weiter: „Frag mich nicht, was genau sie tut, das ist dem gesamten Büro ein Mysterium. Wir wissen nur, dass unsere Programme und Netzwerke schneller laufen, seitdem wir sie dabeihaben."
„Habt ihr nicht gesagt, dass sie einen Verehrer hat?", hakte Meg nach und Claudette lachte: „Einen? Ich glaube im Moment sind es sogar zwei. Aber die wechseln am laufenden Band. Seit sie sich eine Wohnung genommen hat und auf eigenen Beinen steht, ist sie richtig lebensfroh und selbstbewusst geworden. Irgendwie scheint das die Männer magisch anzuziehen und naja, sie verschließt sich ihnen auch nicht gerade…"
„Sie ist ja auch hübsch", bemerkte Sally. Claudette nickte und sagte dann: „Aber jetzt erzählt uns doch mal etwas über euch. Wie geht es Anna und Max? Ich hoffe, die Stadtleute schöpfen keinen Verdacht."
„Überhaupt nicht", winkte Meg ab: „Die glauben ich wohne hier allein mit meiner Großmutter."
„Die wäre dann wohl ich", murmelte Sally.
„Aber Anna und Max geht es blendend", fuhr Meg fort: „Max leistet großartige Arbeit bei der Instandhaltung des Hauses und der Bewirtschaftung der Felder. Außerdem kümmert er sich um die Tiere. Er ist so fleißig."
„Anna hilft ihm so gut sie kann", fügte Sally hinzu: „Die beiden sind unzertrennlich. Neulich habe ich sie draußen auf der Terrasse sitzen sehen. Sie haben sich die Sterne angeschaut und in dem Buch gelesen, dass du ihnen damals geschickt hast."
„Das Buch über das Weltall?", fragte Claudette: „Es freut mich, dass es ihnen gefällt."
„Gefallen ist wohl etwas untertrieben", antwortete Sally: „Sie sind begeistert, auch wenn sie sich eher die Bilder anschauen als wirklich zu lesen. Aber sie erkennen die Sternbilder und sie machen gute Fortschritte mit ihren Übungen."
Meg stand auf und ging zu einem nebenstehenden Regal, wo sie ein Buch hervorzog, das sie anschließend auf den Tischlegte. Es war ein für kleine Kinder gedachtes Schulbuch, das Übungen zur englischen Sprache enthielt.
„Anna kann schon richtig gut sprechen", erzählte Meg und schlug den Deckel auf: „Max tut sich noch etwas schwer, aber er gibt sein Bestes."
Claudettes Blick fiel auf einen groß geschriebenen Text, in dem einzelnen Wörter mit Bildern ersetzt worden waren. Auf der nächsten Seite befanden sich die Bilder neben leeren Zeilen, in die jemand die entsprechenden Wörter mit Bleistift hineingekritzelt hatte.
„Ich kann euch kaum sagen, wie glücklich ich bin, mich endlich mit Anna unterhalten zu können", sagte Sally: „Und wie glücklich sie ist, endlich verstehen zu können, was die Menschen rund um sie herum sagen."
„Hat sie euch eigentlich schon ihr Gesicht gezeigt?", wollte Claudette wissen und Meg tauschte mit Sally einen Blick aus, bevor sie antwortete: „Ja, das hat sie, aber es war ein langwieriger Prozess. Das erste Mal hat sie vor Sally ihre Maske abgenommen, ihr vertraut sie schließlich am meisten. Dann wenig später vor Max. Bei mir hat es etwas länger gedauert, aber letzten Monat war es dann so weit. Seitdem sitzt sie beim Abendessen immer ohne ihre Maske da, aber ansonsten ist sie immer noch die Alte."
„Solche Angewohnheiten sind nur schwer loszukriegen", bemerkte Sally und Dwight sagte: „Das macht doch nichts. Wenn ihr ihre Maske gefällt, dann soll sie sie tragen. Ist doch schön."
„Du hast recht", antwortete die Krankenschwester: „Wichtig ist, dass sie glücklich ist."
„Wie sieht sie eigentlich aus?", fragte Claudette neugierig und Meg antwortete: „Nicht schlecht. Nachdem wir ihre Haare gewaschen und gekämmt haben, sah sie richtig gut aus. Sie ist ein richtig hübsches Mädchen."
Sally nickte und im selben Moment öffnete sich die Eingangstür.
„Wenn man vom Teufel spricht", murmelte Meg, als die Jägerin mit langen Schritten ins Haus marschierte und rief: „Sally, draußen steht schwarzes Auto."
„Schon gut, Anna", antwortete Sally: „Das gehört unseren Gästen."
Die Jägerin kam neugierig herüber ins Wohnzimmer und als sie Dwight und Claudette erblickte, legte sich ein freudiges Lächeln auf ihre Lippen.
„Hi Anna", grüßte Claudette und sah zu ihr hinauf.: „Ich habe ganz vergessen, wie groß du bist."
„Geht´s dir gut?", wollte Dwight wissen und Anna antwortete immer noch breit grinsend: „Geht mir sehr gut. Habe Hase gefangen."
Sie hob die linke Hand, in der sie ihre Beute hielt. Stolz präsentierte sie der Runde zwei tote Hasen, die auffallend breite Wunde aufwiesen. Wurfäxte, stellte Claudette fest.
„Gut gemacht", lobte Meg: „leg sie doch in die Küche, ich kümmere mich dann später um die Zubereitung."
Anna tat sie geheisen und brachte die erlegten Tiere in ein anderes Zimmer, bevor sie zurückkehrte und sich freudig an den Tisch setzte.
„Ihr versorgt euch also selbst?", wollte Dwight wissen und Meg antwortete: „Ein wenig. Mit einem Großteil des Geldes, das wir von Baker bekommen haben, haben wir uns das Haus gekauft. Der Rest fließt ihn Lebensmittel und sonstiges aus dem städtischen Supermarkt. Aber natürlich, dass Anna hin und wieder etwas fängt ist wirklich nützlich und die Kaninchen schmecken wirklich gut."
„Ist das überhaupt legal?", warf Dwight ein, doch Meg winkte ab: „Wir sind so gut wie allein in diesen Wäldern. Das fällt ohnehin niemandem auf."
„Wo wir gerade dabei sind", sagte Claudette: „Wir haben auf dem Weg hier her ein paar Kinder getroffen, die angeblich auf der Suche nach Waldgeistern sind. Darunter auch einem weiblichen Mit Axt und Hasenkopf."
Meg und Sally tauschten einen Blick aus, bevor die Krankenschwester antwortete: „Die meinen doch nicht etwa Anna?"
„Wen denn sonst?", entgegnete Meg: „Haben sie Max auch gesehen?"
„Ich glaube schon", sagte Dwight: „Aber ich würde mir keine allzu großen Sorgen machen. Anscheinend dürfen sie von ihren Eltern aus gar nicht in diese Gegend, was bedeutet, dass sie denen schon mal nichts erzählen. Und selbst wenn, dann würde man es wohl als kindliches Geschwätz abtun."
„Das hoffe ich", murmelte Meg: „Anna, hast du diese Kinder nicht bemerkt?"
„Ich natürlich gesehen habe", antwortete die Jägerin: „Sie glauben ich nicht gesehen habe, aber ich gesehen."
„Ich hoffe, du hast ihnen nichts getan", hakte Sally nach, aber Anna schüttelte den Kopf und sagte betrübt: „Sie Angst vor mir. Immer laufen davon in Wald."
„Ist vielleicht besser so", schloss Meg, aber Claudette bemerkte: „Wäre doch nicht so schlecht, wenn sie etwas Bekanntschaft mit der örtlichen Jugend macht. Dann müsstet ihr euch irgendwann nicht mehr so versteckt halten, wenn euch die Leute kennenlernen würden."
„Bist du dir sicher?", fragte Meg: „Ich glaube nicht, dass die Städter so gut reagieren würden."
„Früher oder später werden sie sich sowieso begegnen", warf Sally ein: „Wenn die Kinder und Anna weiterhin im Wald herumstromern. Aber geh vorsichtig mit ihnen um, Anna. Sonst könnten wir Probleme kriegen."
„Warum hast du uns eigentlich nichts gesagt?", wollte Meg wissen, aber die Jägerin zuckte nur mit den Schultern: „Ich Max gesagt. Habe ich falsch gemacht?"
„Nein, nein, alles in Ordnung", beschwichtigte Sally und Claudette wollte wissen: „Wo ist Max überhaupt? Ich habe ihn noch nicht gesehen."
„Ist draußen bei Tiere", erzählte Anna: „Gibt ihnen Futter."
„Wie ich schon sagte, Max hält die gesamte Farm im Alleingang in Schuss", sagte Meg: „Aber wir müssen ihm sagen, dass er aufpassen soll, wo er mit einer Kettensäge hinläuft, Sally. Jetzt wo im Wald Kinder herumlaufen."
Die Krankenschwester nickte. Claudette schnitt nun ein anderes Thema an und richtete sich an Anna: „Ich habe gehört, das Buch über die Sterne hat euch gefallen."
Die Jägerin nickte lächelnd und antwortete: „Buchstaben schwierig zu lesen sind, aber Bilder schön und neue Sachen interessant. Ich nie gewusst, dass Erde rund ist."
„Steht in eurem Buch auch, wie alt die Erde ist?"
„Erde sehr alt, in Urknall entstanden."
„Das ist richtig", bestätigte Claudette: „Und weißt du auch, dass die Menschen nicht immer schon auf der Erde waren?"
„Sie von anderen Planet gekommen?", fragte Anna verblüfft.
„Nein, sie haben sich entwickelt über einen langen Zeitraum", erklärte die Kanadierin belustigt: „Vor vielen Jahren gab es kein Leben auf der Erde und damals sah es noch ganz anders aus als heute. Aber…"
Sie griff nach unten in ihre Tasche und zog ein weiteres Buch hervor: „das steht alles da drin."
Meg konnte einen Blick auf das Cover werfen, als Claudette Anna das Buch reichte. In roten Lettern stand dort „Dinosaurier" geschrieben, darunter befand sich die Abbildung eines brüllenden Tyrannosaurus Rex. Es war eindeutig auf Kinder zugeschnitten, doch Anna nahm es begeistert entgegen. Neugierig schlug sie den Deckel auf und begann angestrengt die kurzen Texte zu entziffern, die neben den Bildern verschiedener Saurier standen.
„Gefällt´s dir?"
Anna nickte: „Viel Dankeschön"
„Gern geschehen", lachte Claudette: „Aber das ist auch für Max, nicht nur für dich."
„Haben diese Tiere gelebt wirklich?", wollte die Jägerin wissen und Dwight antwortete: „Ja, ist aber schon eine Weile her. Weißt du wie viel eine Million ist?"
Anna schüttelte den Kopf.
„Das sind tausend mal tausend Jahre", erklärte Dwight: „Und jetzt nimm 65-mal eine Million, so viele Jahre ist es schon her, dass diese Tiere gelebt haben."
Anna schien sich nicht wirklich etwas unter der Zahl vorstellen zu können, aber sie hatte verstanden, dass es sich um einen verdammt langen Zeitraum handelte. Mit staunenden Augen richtete sie wieder den Blick auf das Buch.
„Das ist aber ein schönes Geschenk", sagte Sally: „Ich muss zugeben, ich habe selbst kaum eine Ahnung von diesen Dingen. Weder Dinosaurier noch Weltall. Bei uns stand das nicht wirklich auf dem Schulprogramm."
„Es ist nie zu spät zum lernen", antwortete Claudette: „Vielleicht hat ja die Bibliothek in Weeks ein paar interessante Bücher für dich auf Lager."
„Soweit ich weiß gibt's da gar keine Bibliothek", entgegnete Meg und die Kanadierin machte eine empörte Miene: „Eine Stadt ohne Bibliothek? Das sind ja mittelalterliche Zustände hier bei euch."
„Es gibt ja Internet", entgegnete Meg: „Dort gibt es sicher einige interessante Onlinekurse. Die kann ich dir herunterladen und mitbringen."
„Das wäre sehr nett", sagte Sally und Dwight fügte hinzu: „Außerdem werdet ihr die nächsten drei Tage reichlich Gelegenheit haben, euch alles Material zu besorgen, das ihr braucht."
„Ich fragen darf", mischte sich Anna ein: „Warum Nea nicht gekommen?"
Dwight und Claudette schauten sich kurz an, bevor die Kanadierin antwortete: „Nea ist sehr beschäftigt. Aber wenn wir sie morgen treffen, sollen wir ihr etwas ausrichten?"
„Ihr sagt", murmelte Anna und überlegte kurz: „Ihr sagt, dass ich sie vermissen."
„Natürlich", antwortete Claudette lächelnd."
„Ich bin so aufgeregt", murmelte Sally: „Ich hoffe, ich fliege nicht auf."
Dwight winkte beruhigend ab: „Solange du die Sonnenbrille aufbehältst, wird schon niemand etwas bemerken."
„Bist du dir sicher?"
„Hunderprozentig", sagte Meg: „Außerdem ist es jetzt für einen Rückzieher zu spät. Alles ist geplant. Weißt du noch, wie wir das erste Mal darüber gesprochen haben?"
„Du meinst vor über einem Jahr?", fragte Sally.
„Jep", antwortete die Athletin: „Damals haben wir wohl beide nicht gedacht, dass es jemals so weit kommen wird. Aber morgen ist es soweit. Nervös?"
„Ja", nickte die Krankenschwester: „Aber auf eine gute Art und Weise."
Sally befand sich in vollkommener Dunkelheit. Gerade eben war es noch hell gewesen, doch nun hatte sie die Finsternis verschlungen. Rings herum hörte sie Schreie, Rufe und irgendwo brüllte jemand einen Namen, den sie nicht kannte. Sally schaute über die Schulter, doch sie konnte nichts sehen. Dann plötzlich ein Lichtblitz und fahles Licht erfüllte die Umgebung. Hastig drehte sie den Kopf wieder nach vorne und entdeckte eine Nebelwand, die direkt auf sie zurollte. Eine Hand legte sich auf ihre Schulter und als Sally zur Seite blickte, sah sie Nea, die aufgeregt rief: „Jetzt geht's los."
Es wurde Lauter, die Lichter wurden immer heller und um sie herum schien die Hölle losgebrochen zu sein. Ein dumpfes Hämmern ertönte und Nea drehte sich um, während Meg neben ihr einen Blick mit Sally austauschte. Die Athletin lächelte angespannt.
„Hey", rief die Schwedin Claudette und Dwight zu: „Dafür habt ihr später auch noch Zeit. Kommt, wir gehen nach vorne."
Die beiden angesprochenen lösten sich voneinander, während sich David an ihnen vorbeidrängte und der Gruppe einen Weg bahnte. Mit ausgestrecktem Ellbogen schob er sich durch die Masse, Feng war ihm dicht auf den Fersen. Meg setzte sich nun ebenfalls in Bewegung und zog Sally, die sich immer noch nervös umschaute, an der Hand nach. Nea erschien wieder an ihrer Seite und sagte: „Jetzt werdet ihr sehen, was man in Schweden unter Musik versteht."
Die Menge brach in Hemmungslosen Jubel aus, als der Drummer in ein wildes Solo ausbrach, scheinbar alle Trommeln und Becken gleichzeitig anschlagend. Sally zuckte kurz zusammen, während die übrigen Bandmitglieder auf die Bühne stürmten und eine tiefe Stimme aus den Lautsprechern ertönte: „ALRIGHT, NEW YORK. WE ARE SABATON. WE PLAY HEAVY METAL. AND THIS IS GHOST DIVISION."
Damit ist Aurora offiziell beendet. Da meine erzählerischen Fähigkeiten natürlich alles andere als perfekt sind, bitte ich nun die Leser dieser Geschichte um eine Rückmeldung zu folgenden Punkten und Beobachtungen meinerseits:
1. Wie hat dir die Geschichte gefallen? Allgemeine Kritik?
2. Ich wollte mich von Anfang an mit allen Charakteren beschäftigen, habe jedoch relativ schnell gemerkt, dass dies den Rahmen der Erzählung sprengen würde. Gibt es irgendwelche Charaktere, die deiner Meinung nach mehr oder weniger Aufmerksamkeit verdient hätten?
3. Ich wollte Philip einen Hintergrund geben, der den Menschen ihn ihm zur Geltung bringen sollte. War die Storyline über Philips Familie überflüssig, zu gering ausgebaut oder genau richtig? Konnte sie überzeugen und hat sie die gewünschte Wirkung entfaltet?
4. Meine Interpretation der Hexe stellt sie als liebenswürdig, aber etwas meschugge dar. War dies zu albern, zog es die gesamte Geschichte in eine unpassende Richtung oder war es unterhaltsam? Wie wäre es gewesen, wenn sie am Ende mit Evan oder Herman unter einer Decke gesteckt und die Überlebenden bewusst in eine Falle gelockt hätte?
5. Der Beziehung zwischen Dwight und Claudette wurde gegen Ende ja einiges an Text gewidmet. Dies war eigentlich nicht geplant und geschah eher zufällig, weshalb ich mir nicht ganz sicher war, ob sich die Storyline gut einfügen würde. Waren die Passagen überflüssig, lenkte sie von der eigentlichen Handlung ab, oder waren sie überzeugend und unterhaltsam?
6. Die Mehrzahl der guten Hauptcharaktere der Geschichte war weiblich. Dies geschah eher zufällig und als Resultat meiner persönlichen Interpretation der verschiedenen Killer (Doktor und Fallensteller böse, Sally und Anna gut). Findest du das gut, schlecht, oder ist es dir egal solange die Geschichte unterhaltsam ist?
7. Am Ende geht die Geschichte ja recht gut aus. War das Happy End befriedigen oder wäre es deiner Meinung nach besser gewesen, wenn ich einen auf George R. R. Martin gemacht hätte und ein Großteil der Figuren im Nebel verreckt wäre? Irgendetwas dazwischen?
Fortsetzung mit dem Titel "Oneiros" ist veröffentlicht.
Ich freue mich auf eure Rückmeldungen. Bis zum nächsten Mal.
Morrodes
