Kates Blick wanderte zum Fenster, das ihr Einzelbüro vom Großraumbüro trennte. Sie erblickte die Stapel Papierkram, die auf ihrem Schreibtisch lagen und heute Nachmittag noch abgearbeitet werden sollten. Es war nicht so, dass sie den Wunsch hatte, dort zu sitzen, mit schwindendem Interesse - was immer passierte bei der Politik, die das Captain-Dasein mit sich brachte - sie brauchte nur jemanden, um das Durcheinander zu ordnen, während sie ihrer Leidenschaft folgte: vor dem Mordfallbrett zu stehen.
Vielleicht könnte sie Ryan dafür bezahlen, ihr Stellvertreter zu sein? Er schien die Dinge in den Griff bekommen zu haben, während sie sich in den Hamptons erholt hatte.
Zugegeben, Espo hatte die Verantwortung übernommen, aber die Chancen, dass er ihren Papierkram erledigen würde, waren ungefähr so gut, als würde sie Rick fragen.
Unwahrscheinlich.
"Beckett?"
Sie nickte, ihr Blick wanderte zurück auf die Zeitachse und die Lücken darin. Das Wort 'Arbeit' füllte den Raum aus, aber sie hatten keine Ahnung, was ihr Opfer in diesen Stunden getrieben hatte, die einzigen Zeugen lagen jetzt im Bett und waren nicht in der Lage, ihnen irgendwelche Hinweise zu geben.
"Was hat Mr. Willis verdächtig gemacht? Abgesehen von dem Streitgespräch mit dir vor Ort, Espo."
Er schnaufte beleidigt, als er mit dem schwarzen Stift in seiner Hand auf das Brett tippte.
"Sicherlich ist er ein besorgter Vater, aber seine Sorge um unser Opfer war nicht existent. Antworten widersprachen früheren vom Tatort. Er war auf der Arbeit, aber nicht im Büro. Sein Kind war seit sechs Monaten glücklich dort hingegangen, aber er erwähnte, dass es Zeit für die Vorschule war, zweimal."
"Ryan?" Sie trat an den Schreibtisch hinter sich und setzte sich auf den Rand, während sie auf die andere Seite der Perspektive des Duos wartete.
"Er war nett -" Ein gezielter Blick von Kevin ließ seinen Partner verstummen, bevor irgendein Vorwurf herauskommen konnte. "Steif, ja, und nicht gerade am Boden zerstört, über das, was passiert ist, aber er hat ernsthaft über seinen Sohn und das Trauma gesprochen, das er vielleicht erlebt hat, obwohl er anscheinend den ganzen Tag auf dem iPad gespielt und nichts gesehen hat."
"Den ganzen Tag?" War es wirklich das, was Kinder in der Kindertagesstätte taten?
"Ja", schnaubte Ryan. "Sarahs Tagesstätte hat einen Kein-Bildschirm-Grundsatz, aber diese war... Mr. Willis war nicht beeindruckt, als er seinen Sohn zu Hause befragte, dass dies die Norm zu sein schien."
Kate hob eine Augenbraue. "Und das war das erste Mal, dass er daran gedacht hat, sein Kind zu fragen, was er den ganzen Tag gemacht hat?"
Espo schlug das Profilbild von Mr. Willis mit einem aufkommenden Grinsen auf das Mordfallbrett und der Magnet klickte, als er das Foto an seinem Platz hielt.
"Ja. Er arbeitet. Beschäftigt im Finanzdistrikt und so weiter." Der Detective schritt durch den Raum, ließ sich neben Beckett sinken und ruhte sich an der Stelle aus, die eigentlich Castles war.
Der war allerdings zu Hause, war gegangen, nachdem sie ihre eigenen Verhöre gemacht hatten, ein Anruf von Alexis zerrte ihn murrend aus dem Revier. Es war wie immer wunderbar gewesen, ihn hier zu haben, ihre Schultern berührten sich, während sie Seite an Seite in dem bequemen, eher für Familien und nicht für Verdächtige eingerichteten Zimmer saßen, die Sätze des jeweils anderen beendeten und Details erfragten von dem anderen Paar, dessen vierjähriger Sohn zu Hause war bei seiner Oma.
Aber Alexis kam zuerst und glücklicherweise waren ihre Interviewpartner viel weniger zurückhaltend und argwöhnisch, als die ihres Detectives-Pärchens.
"Was macht Mr. Willis eher zu einem Verdächtigen als zu einem verschlossenen Elternteil?" Kate stieß sich vom Schreibtisch ab und zwang sich, in die Gegenwart zurückzukehren.
"Ich denke, er schläft mit dem Kindermädchen", antwortete Espo. "Als er gefragt wurde, ob er jemals unser Opfer - Sue - außerhalb der Kindertagesstätte gesehen hatte, explodierte er, unberechenbar."
Ryan schüttelte den Kopf in Nichtübereinstimmung.
"Das sind große Worte, Mann, obwohl er definitiv ein älterer Vater und weit in seinen Fünfzigern ist", alle Augen richteten sich auf das Gesicht, das sie vom Foto anblickte, sein Profil gezeichnet vom Alter, sein Haar graumeliert, "gibt es keine Hinweise darauf, dass er eine Affäre hatte."
"Es ist eine Tatsache. Kerle bumsen ihre Kindermädchen."
Espo stellte sich dicht vor Ryan und streckte seine Brust nach vorne. Und so freundschaftlich und komisch es auch aussah, es schien, als wäre ihr Revier in einen Zoo verwandelt worden. Bullige Elefanten, die etwas beweisen wollten.
"Sie schlafen mit heißen Kindermädchen." Kevins Arme verschränkten sich, seine Schultern weiteten sich, als er seine Haltung änderte. "Und unser Opfer war nicht einmal ein Kindermädchen, sie war eine Tagesmutter. Sie hatte eine Kindertagesstätte. Sie betreute Kinder verschiedener Familien in ihrer eigenen Wohnung gegen eine tägliche Gebühr. Ein Kindermädchen kümmert sich um die Kinder einer Familie in deren Zuhause für eine astronomische Summe, von der ich nur träumen kann, sie mir leisten zu können."
Espo schüttelte den Kopf, ein Anflug von Abscheu erfüllte den geringen Abstand zwischen ihren Köpfen. "Jenny verdient was besseres, als dass du ein Kindermädchen in deinem Haus haben willst und mir ist der Unterschied zwischen den Berufsbezeichnungen egal. Ich sage dir, der Grund, warum er über seine Zeit mit ihr gelogen hat, war, weil sie eine Affäre hatten."
Das Posieren war zu viel und mit einem Schnaufen und einer Handbewegung, was beides von den Jungs unbemerkt blieb, schlüpfte Kate in die stillen Tiefen ihres Büros, um auf die nächste Runde von Eltern zu warten.
Wenigstens war der Papierkram still.
Seine Frau war wirklich außergewöhnlich. Die Entschlossenheit in ihren Augen, als sie das Dokument vor ihr überflog, verengte seinen Brustkorb, sein Herz schien einen Schlag auszusetzen, als sie ihre Unterlippe in ihren Mund zog, lose Locken rutschten nach vorne, als sie über den unteren Rand der Seite kritzelte.
Sie war die Seine, so wie er ihr gehörte und seine Finger zogen sich zur Faust zusammen. Vielleicht, wenn er sich selbst kniff, würde er versichert sein, dass das real war? In solchen Momenten überkam es ihn, wenn sie sich seines Starrens nicht bewusst war, dass es ihnen gut ging. Sie hatten es beide geschafft.
"Es ist immer noch unheimlich, Castle."
"Nur wenn ich es durch ein Teleskop mache."
Okay, er war erwischt worden, aber ihre Heiterkeit wehte mühelos zu ihm, ihr Blick war leicht, als sie seinen hielt.
"Sehr richtig. Alles okay?"
"Ja. Alexis ist..." Er winkte ab und löschte damit Kates Besorgnis. Seine Tochter war in Ordnung, mehr als das, aber er musste nach ihr sehen, wenn sie anrief und beweisen, dass sie eine Priorität war, dass dieses Baby ihren Platz nicht einnehmen würde.
"Ein anderer Elternteil ist angekommen." Er neigte den Kopf und deutete auf das Großraumbüro. "Die Mutter des Babys. Wie viele Familien hatten sie als Tagesmutter?"
Kate schwang noch einmal ihren Stift, bevor sie aufstand, ihr Rücken streckte sich, als sie sich rückwärts wölbte und er fragte sich, wie lange sie schon so gebückt da gesessen hatte.
"Ms. Longreach betreute dreizehn Familien in einer Fünf-Tage-Woche, einige kamen nur einmal pro Woche, aber das Baby war an vier Tagen hintereinander da."
Er nickte, während er nach seiner Frau griff. Er legte seine Handflächen auf ihre Schultern und massierte kraftvoll, ein Stöhnen, etwas unanständiger, als er es von ihr bei der Arbeit hören musste, rutschte aus ihrem Mund.
Mit etwas Glück würden sie bald von hier verschwinden und er könnte das Geräusch wieder von ihren Lippen entlocken. Im Privaten.
"Ist dies das letzte Verhör für heute?"
"Ja, Rick. Dann nach Hause. Mal sehen, ob wir deine magischen Finger nicht noch mehr zum Arbeiten bringen können."
Diese Energie im zweiten Trimester war alles, was er sich erhofft hatte.
"Ich kann es einfach nicht glauben." Die Frau vor ihnen rollte sich zusammen und heulte erneut. Kate beugte sich vor, bot die Taschentuchbox an und schüttelte diese diskret. Wenn das so weiterging, würde sie Castle losschicken müssen, um neue Taschentücher ausfindig zu machen.
Dreißig Minuten und die einzige Information, die sie von der verstörten Mutter bekommen hatten, war, dass sie wirklich nicht glauben konnte, dass das passiert war.
"Gab es kürzlich etwas, das seltsam erschien? Irgendwelche Veränderung in der Routine Ihrer Tagesmutter, die Sie bemerkt haben? Vielleicht Besucher im Haus?"
Blonde Locken fielen über Joy Kents Gesicht, als sie den Kopf schüttelte und ein langes, flaches Schluchzen erfüllte den Raum.
"Hat Sue jemals darüber geredet, was sie außerhalb der Arbeit gemacht hat? Haben Sie sie jemals getroffen? Kaffee zusammen getrunken …?"
Noch einmal kam ein stilles 'Nein', aber eine weitere Runde von Tränen begann über ihre bereits nassen Wangen zu fallen.
"Ich kann nicht glauben, dass sie tot ist."
Rick stupste ihren Oberschenkel mit seinem Knie an, immerhin unauffällig, und sie blickte in seine Richtung, seiner stillen Kommunikation zustimmend.
Sie würden nichts aus dieser Zeugin herausbekommen.
"Vielen Dank für Ihre Zeit, Ms. Kent. Wenn Sie sich an irgendetwas erinnern, egal wie groß oder klein, bitte kontaktieren Sie mich." Kate hielt ihr eine Visitenkarte hin, ein sanftes, besorgtes Lächeln auf ihren Lippen. Es war schwerlich Joys Schuld, dass dieser Fall schnell ins Stocken geriet.
Sie führte sie zur Tür hinaus und ging mit Castle zum Mordfallbrett und den Jungs, die an ihren Schreibtischen saßen. Mit etwas Glück hatten sie etwas losbrechen können.
"Sagt mir, dass ihr etwas habt?"
Espo und Ryan blickten gleichzeitig auf und erhoben sich von ihren Plätzen mit einer Anstrengung, die den langen Tag verriet, und Beckett verlagerte sich, um vor dem Mordfallbrett bequem zu stehen.
"Wir haben jetzt mit allen Familien gesprochen", begann Ryan. "Alles dasselbe. Sue Longreach blieb für sich allein. Sie haben nie Fragen gestellt, waren nur glücklich, jemanden zu haben, bei dem sie ihre Kinder absetzen und sich die Rechnung am Ende der Woche leisten konnten." Verachtung blitzte auf, aber er brachte seine Gesichtszüge unter Kontrolle, bevor sie etwas sagen konnte. "Wir haben nur noch... Bev O'Sullivan zu befragen."
Richtig. Die 'Hot Pink' Lady. Nachdem sie am Tatort zusammengebrochen war, hatten sie ihr schließlich einen Beamten zur Seite gestellt, der sie nach Hause begleiten sollte, bis sie bereit war herzukommen. Kein Elternteil, sondern eine Nachbarin aus derselben Etage.
"Okay, das machen wir." Kate deutete mit der Hand auf Mr. Willis am Mordfallbrett. "Ihr konzentriert euch darauf, ihn als unschuldig zu erklären oder ihn zu überführen. Morgen. Geht nach Hause, es wird spät."
Beide Detectives nickten, doch als Ryans Blick wieder auf das Mordfallbrett fiel, richtete er seinen Blick auf das Bild ihres Opfers.
"Ich verstehe es einfach nicht. Diese Eltern schienen überhaupt nicht daran interessiert zu sein, was sie vorhatte. Sie konnten grundlegende Fragen über ihren Hintergrund, ihre Interessen nicht beantworten. Jeden Tag und jede Woche hatte sie das Leben ihrer Kinder stundenlang in ihren Händen und..." Kevin seufzte und ließ die Schultern sinken. "Wir lieben Sarahs Kindertagesstätte, das Personal dort. Aber wir wollten Bescheid wissen, haben alles überprüft, gerade als Eltern, um sicherzustellen, dass es die beste Einrichtung für sie war."
Kate nickte, als sie ihren Mund öffnete, um ihn aufzumuntern, um den verletzten Blick auf dem Gesicht ihres Freundes zu reparieren. Aber bevor sie irgendetwas sagen konnte, bewegte sich ihr Blick an Ryan vorbei zu ihrem Ehemann.
Seine Haltung war eingefroren. Seine Schultern gebeugt. Das normalerweise klare und wunderschöne Blau in seinen Augen war getrübt.
"Du bist ein guter Vater, Bro", beruhigte Espo und schlug seinem Partner mit offener Handfläche auf den Rücken.
Sie gesellte sich in wortloser Zustimmung zu ihm, aber ihre Aufmerksamkeit konnte sich nicht weit von Rick entfernen. Um was in aller Welt ging es hier?
"Danke, dass Sie zu uns gekommen sind, Ms. O'Sullivan", sagte seine Frau, ihre Hände klappten ihr Notizbuch auf. "Wir haben nur ein paar Fragen. Wann haben Sie Sue Longreach das letzte Mal gesehen?"
"Wir sind uns vor der Arbeit im Flur begegnet. Ich bin auch Tagesmutter. Aber ich-" Ihre dünnen, blassen Finger verdrehten sich ineinander. "Ich habe mittwochs frei. Für Besorgungen. Das Fitnesscenter."
Rick schürzte seine Lippen, seine Ellbogen bohrten sich in seine Knie, als sich die Couch, auf der sie saßen, unter seinem Gewicht bewegte. Tagesmütter konnten freie Tage haben? Wählerisch vorgehen, wann sie arbeiten wollten?
"Und wie hat sie sich verhalten?", fragte Kate.
"Ganz normal." Bevs Achselzucken wirkte müde und lustlos.
"Haben Sie noch jemanden im Flur gesehen? Im Bereich des Gebäudes?"
"Nein. Ich-"
"Es spielt keine Rolle, wie klein das Detail sein mag." Rick beugte sich zu ihrer Zeugin vor und legte Besorgnis über seine Züge. "Sie würden überrascht sein, dass auch eine winzige Information die sein kann, die einen Fall knackt."
Bev nickte, ihr Blick fiel auf seinen und verweilte dort. Castle verstärkte seinen Charme. "Sue hatte Glück, dass Sie auf dem gleichen Flur wohnen, eine Freundin und eine andere Tagesmutter in der Nähe." Er ignorierte das leichte Zucken von Kates Lippen, das Lächeln, das sie zweifellos versuchte zu ersticken, aufgrund seines tieferen Tonfalls. "Sie haben oft mit ihr gesprochen. Kannten ihre Abläufe. Gab es Eltern, die blieben, wenn sie es nicht sollten? Haben Sie irgendwelche Gespräche mitbekommen, die Sie beunruhigt haben?"
Kate neigte den Kopf und passte sich seiner Position an. Ihr Gesicht war offen und vertrauensvoll. Er konnte den Krieg in Bevs Ausdruck sehen, hatte es schon oft gesehen, den Kampf zwischen der Loyalität zu ihrer Freundin und dem Verlangen alles vor ihnen auszuposaunen.
"Ich habe sie - Sue - außerhalb der Arbeit mit einem Elternteil gesehen." Um Bevs Erklärung herum gab es einen Hauch von Zorn und er bekämpfte das Zucken seiner Augenbrauen, als sie versuchten sich hochzuziehen. Nun, das war interessant. "Mehr als einmal. Ich finde das nicht gut. Arbeit und... außerhalb der Arbeit zu vermischen." Bev war an der Reihe, dass ihre Lippen sich fest schlossen, aber nicht wie Kates, nicht amüsiert. "Es war unprofessionell."
Kate zitterte an seiner Seite, der Nervenkitzel, den Fall zu lösen. Er konnte ihre Spur buchstäblich schmecken.
"Ms. O'Sullivan..." Becketts Stift klickte in Bereitschaft, sie spekulierte nicht gerne, aber hier hatten sie die Fakten und sie bewegte sich, um Mr. Willis' Namen auf ihre Notizzettel zu schreiben. "Mit wem haben Sie Ms. Longreach gesehen?"
"Es war Joy. Joy Kent. Ihr Baby war vier Tage die Woche bei Sue."
