Kate fuhr mit ihren Fingerspitzen über Castles Stirn. Seine Sorgenfalten waren im tiefen Schlaf geglättet, nicht einmal ihr Handywecker hatte ihn heute Morgen geweckt.
Aber das war einfach zu beheben.
Vorwärtsrückend, bis ihr Kopf genau unter seinem Kinn lag, drückte sie ihre Zunge auf die entblößte Haut. Ein leises Seufzen zerzauste die losen Strähnen ihres Haars, Ricks Mund zuckte minimal zu einem Lächeln, während er aufwachte.
Aber immer noch nicht wach.
Sie drehte sich zur Seite, ihre Zähne fingen die Kurve seines Ohrläppchens, und so sanft wie möglich zog sie das Fleisch in ihren Mund. Sie liebte Momente wie diesen, die Tatsache, dass sie an einem Donnerstagmorgen im Bett liegen konnte, ihr Ehemann greifbar unter ihren Händen, die verborgene Wölbung ihres Bauches an seiner Hüfte.
Sie glaubten nicht, dass die anderen es sehen konnten, aber sie wussten es, standen mehr als einmal zusammen vor dem Spiegel, Hände auf den Veränderungen ihres Körpers, und nicht nur ihr Bauch. Ihre Brüste, sehr zu Ricks Freude, schienen mit dem Baby Schritt zu halten.
Ihrem Baby.
Keine Anzahl an Tagen oder Wochen, würde die überraschte Freude stoppen, die bei diesem Gedanken aufkam.
„Guten Morgen", grummelte er, sein Oberschenkel schob sich zwischen ihre, während er sie auf den Rücken rollte. Der Aufprall ihrer Wirbelsäule auf die Matratze ließ sie ruckartig Luft ausstoßen.
„Ist es. Aber wir müssen in einer Stunde zu der Befragung, also…"
„Ich beeil mich."
Ihre Finger griffen nach dem Saum seines Hemds und eine Augenbraue hob sich bei seiner Ankündigung.
„Lass uns nicht zu hastig sein, Rick."
Joy Kents zögerlicher Blick wanderte im Befragungsraum umher, eine Dauerschleife, die vom Spiegel zum Tisch vor ihr und dann zur einsamen Tür wanderte. Ihr Ausgang war gänzlich verschlossen.
Während sie gestern aufgelöst und nicht in der Lage war mehr als ein Kopfschütteln zustande zu bringen, waren die Tränen heute getrocknet, auch wenn ihre Augen noch blutunterlaufen waren, und Rick sich auf dem Stuhl neben Kate weiter zurücklehnte, ein gut einstudiertes Lächeln auf seinen Lippen.
„Wie geht es Ihrem Baby heute? Ella, richtig?"
„Äh, ihr geht es gut. Sie ist bei meiner Mom. Sie ist für ein, zwei Wochen aus Virginia gekommen. Bis…" Der Satz erstarb, als Joy zurück zu ihrem stummen Flehen nach Erlösung kam. Spiegel. Tisch. Tür.
„Es ist nicht einfach in der Stadt jemanden zu finden, der sich kümmern kann, vor allem so kurzfristig." Kates ruhige Stimme klang tröstend, aber Castle spannte sich an. Er wusste, wann seine Frau aus Erfahrung sprach, der Wahrheit entsprechend, und es klang in seinen Ohren definitiv als hätte sie schon danach gesucht.
Nun, das war keine Neuigkeit, er hat die Flyer gefunden, die das bewiesen.
„Wird das lange dauern? Ella…"
„Es sollte ganz und gar nicht lange dauern", antwortete Kate. „Wir müssen uns nur ein besseres Bild von Ms. Longreachs Tätigkeiten außerhalb der Arbeit machen."
„Oh. Oh, ich habe sie außerhalb der Arbeit nicht gesehen."
Er lehnte sich vor, seine Hände offen und locker auf der Tischplatte. „Und was arbeiten Sie?"
Es stand alles in ihrer Akte, aber Joy musste das nicht wissen.
„Ich bin Buchhalterin. Größtenteils kümmere ich mich um Steuern – ich mache immer was anderes, je nach dem."
Interessant…
„Ich bin schlecht, was Steuern angeht; zum Glück kann ich meinem Steuerberater alles überhelfen." Kate hatte das Stottern ihrer Verdächtigen offensichtlich bemerkt, wie sie ihre Worte geändert hatte. „Ich ziehe meinen Hut vor Ihnen. Ich habe keine Ahnung, wie Sie das alles schaffen."
Joy zuckt minimal mit ihrer Schulter, ihre Zähne erwischten die Haut um ihren Daumennagel, als sie darauf herum nagte.
„Es ist schon ok. Einfach–" Sie presste ihre Lippen zusammen, stoppte jedes weitere Wort.
„Wir haben einen Augenzeugen, die Sie und unser Opfer außerhalb der Arbeit gesehen hat. Zusammen. Mehr als einmal." Kate klappte die Akte, die auf dem Tisch lag, zu. Auch Castle musste sich zwingen, bei dem Richtungswechsel nicht zusammen zu zucken.
„Was? Nein. Ich– das muss ein Fehler sein." Schweiß brach plötzlich auf Joys Stirn aus, ihre Augen fiebrig gegen ihre blassen Züge.
Spiegel. Tisch. Tür.
„Haben Sie sich um Sues Steuern gekümmert? Als Geschäftsfrau brauchte sie jemanden." Jegliche Farbe, die noch im Gesicht ihrer Verdächtigen übrig war, entwich bei Becketts Frage, und Castle sah die Stücke sich zusammenfügen.
„Sie haben ihre Steuern gemacht. Haben Sie sie außerhalb der Geschäftszeiten gemacht? Haben Sie sie auch außerhalb des Gesetzes gemacht, Joy?" Castle hielt seine Stimme ruhig, ein Gegenteil zu Kates strengem Ton.
„Ich. Ich-"
„Haben Sie sie deswegen umgebracht, Joy?", fuhr Beckett für ihn fort. „Hat sie Sie erpresst? Ella als Geisel gehalten?"
„Was? Nein. Nein! Es waren nur Steuern." Die Augen ihrer Verdächtigen traten hervor. „Ich war gestern auf Arbeit." Ihre Gesichtszüge schienen sich unmöglich auszubreiten. „Sagen Sie es nicht meinem Boss. Wir dürfen keine Jobs unter der Hand annehmen. Aber Sue-" Ihre Panik zerbrach.
Sie legte ihren Kopf auf den Tisch ab, während trockene Schluchzer durch ihren Körper fuhren. Wieder und wieder schluchzte sie. „Sue musste etwas extra Geld verstecken, das sie bekommen hat. Ich habe nicht gefragt, woher, aber mir ist mehr als einmal aufgefallen, dass sie mehr Kinder betreut hat als erlaubt, also das hätte es erklärt", murmelte Joy. „Ella war glücklich und sie hat mich unterm Tisch bezahlt. Wir brauchen das Geld…"
„Wo haben Sie sich mit ihr getroffen?" Becketts sanfter Ton hob Joys Blick langsam.
„Wo immer wir konnten. Als letztes im Blue Bottle. Das am Rockefeller Plaza."
Castle nickte. Dort war es nicht ruhig, aber es tummelten sich genug Touristen da, und keiner von denen würde sich um zwei Frauen kümmern, die zusammen Kaffee tranken.
„Es gibt Papierkram darüber, was getan wurde. Wir haben zwei Bücher geführt. Beide sind in Sues Wohnung." Jetzt, wo die Wahrheit draußen war, schien ein Gewicht von Joys Schultern gehoben worden zu sein, ihr Körper streckte sich im Stuhl, auch wenn ihre Gesichtszüge verzweifelt blieben.
„Wir werden das prüfen. Wir müssen auch Ihren Aufenthaltsort gestern zwischen 12:45 Uhr und 13:15 Uhr bestätigen, Ms. Kent."
Eine kurze Unterhaltung mit Lanie diesen Morgen hatte ihnen dieses Detail gegeben, aber leider war das alles. Drei schwache Schläge hoch am Rücken, bevor die rechte Niere des Opfers tödlich verletzt wurde. Sue war verblutet, bevor die Kinder laut genug schreien konnten, um Aufmerksamkeit zu erregen.
„Ich war in einem Meeting mit einem Klienten. Greg Hammond. Das ging bis fast drei."
„Ernsthaft", murmelte Castle. Ekel erfüllte die Stille in Sue Longreachs Apartment. Es war das dritte Mal, dass er dieses Wort raunte als sein empörter Blick etwas Neues zu kritisieren fand. Allerdings nichts Hilfreiches, nur ein weiterer Haufen Müll, und Kate wandte sich wieder dem Tisch zu, auf dem sich Sues Papierkram befand.
Der wahrscheinlichste Ort, an dem sich Beweise für ihren Fall aufhielten.
Nicht, dass der viel sauberer war; unter der Oberfläche vertiefte sich das Chaos zu dem Punkt, an dem sie dankbar für die Handschuhe und die Dusche war, die zu Hause auf sie wartete.
Kinder verbrachten hier tatsächlich jeden Tag mehrere Stunden?
„Ich brauche einen Chemikalienschutzanzug." Das Grummeln aus dem jetzt offenen Schrank im Flur verscheuchte ihr Stirnrunzeln, Ricks Aussage traf ihre eigenen stummen Gedanken. Es war eines der besten Dinge daran, ihn wieder an ihrer Seite zu haben, der Humor, der Routinearbeit angenehm machte, die Tage etwas weniger lang. Sie war dankbar, dass er sich entschlossen hatte zum Zwölften zurückzukommen, und sie erstarrte, ihre Hände in Rechnungen vergraben. Hatte sie ihm das gesagt?
„Hey, Babe." Sein Kopf erschien hinter der Tür, scheinbar schwebend, während er sie erwartungsvoll anschaute. „Danke."
Rick verzog sein Gesicht, offensichtlich verwirrt. Sie zuckte ihre Schultern – Worte waren nicht ihre Stärke, er war derjenige, der Millionen mit diesem Talent verdiente – und wandte sich mit einem Lächeln wieder der Arbeit vor ihr zu.
„Ich weiß nicht, was die Kinder den ganzen Tag gemacht haben", murmelte Castle, sein Kopf wieder im Schrank. „Die Spielzeuge sind kaputt und wenn nicht, sind sie langweilig. Plastik und unstimulierend."
Kate hörte mit halbem Ohr zu, nickte zustimmen; unter den Rechnungen schienen die Steuerbescheide von letztem Jahr zu sein. Sie kam definitiv näher.
„Und es ist nicht nur das. Als Alexis klein war, haben wir Inseln aus Kissen gebaut, Piraten bekämpft und unseren Schatz gesichert. Wir haben Kuchen gebacken und Teepartys veranstaltet. Sind stundenlang durch Museen gewandert, Kunst, Geschichte, das war egal. Aber diese Kids…"
Ohhh, sie zog an zwei schwarzen Büchern, die fest am Boden der Unordnung lagen.
„Aber ich denke, nichts davon zählt was, Beckett."
„Hm?" Ihr Blick traf seinen, als das Buch in ihren Fingern sich plötzlich bewegte, und mit Fanfare hob sie ihren Preis. „Rate, was ich gefunden habe?"
Er kam zu ihr, das Buch öffnete sich währenddessen. An den Rändern standen in verschiedenen Farben Zahlen. Daten und Stenographie erfüllten die Seiten.
„Gut, Kate. Ich brauche eine Dusche."
Grinsend – eine Dusche für Zwei klang nach einer sehr guten Art ihren Fund zu feiern – deutete sie zum Ausgang. „Wir müssen die erst zurückbringen." Sie schob beide Bücher in eine durchsichtige Beweistüte, jetzt bereit zu gehen.
Castle war bereits an der Eingangstür, seine Hand griff mit übermäßigen Druck nach dem Türknauf, seine Knöchel wurden weiß. „Schön. So lange ich aus dem Ligusterweg wegkomme."
Neben ihm ankommend, hob sie eine Augenbraue. Ligusterweg? Aber als seine Mundwinkel zuckten, musste sie lachen.
Auch wenn die Wohnung niemals den Standard von Tante Petunia treffen würde, brachte sie mit Sicherheit das deprimierende Gefühl mit sich.
„Hast du Alexis zu Halloween als Hermine verkleidet?" Ihr Herz erhob sich bei der Vorstellung über die Traditionen, die bald mit ihrem eigenen Kind wiederholt werden würden.
„Ja, und du musst wissen, ich gebe einen sehr niedlichen Harry ab. Habe sogar die passende Narbe. Irgendwie."
„Oh, Castle." Sie kämpfte darum das Lachen zu unterdrücken, als sie den Treppenabsatz betrat. „Ich hätte dich als Dumbledore gesehen. Oder Hagrid."
Sein Mund öffnete und schloss sich in theatralischer Wut, klare blaue Augen tanzten mit Freude, die sein Schauspiel verrieten.
„Wie kannst-" Sein Satz blieb unvollständig, sein Gesicht nahm einen besorgten neutralen Ausdruck an. Sich drehend, schaute Kate den Flur hinunter, versuchte zu sehen, was ihn so schnell verstummen ließ.
Bev O'Sullivan stand unbeholfen vor der am weitesten entfernten Fahrstuhltür, ein Baby an ihre Brust gedrückt, während sie sie mit Bedacht beobachtete. „Haben Sie etwas gefunden?"
Castle einen schnellen Blick zuwerfend, ging Kate näher, schob die Beweise unter ihren Ellbogen in einem Versuch sie so gut wie möglich zu verstecken. Das Baby fing an zu schreien, ihre Faust vor Speichel triefend, als sie versuchte sie komplett in ihren Mund zu stecken.
„Wollen Sie reinkommen?" Bev bewegte sich zurück, die Tür öffnete sich für sie. „Ich muss einen kalten Beißring für Samantha holen."
Kate stimmte zu, Rick dicht auf ihren Fersen, aber ihre Schritte stoppten am Eingang, die Hände ihres Ehemanns legten sich auf ihre Hüften, als er von hinten in sie hineinlief.
„Wow", flüsterte er.
Wow, tatsächlich. War Sues Wohnung dunkel und überfüllt, so war Bevs hell und luftig. Glänzende hölzerne Oberflächen vervollständigten die Reichtümer, die im Raum verteilt lagen. Ein Puppenhaus in hellen Eichenfarben. Autos aus Holz, mit runden Figuren in den Anhängern. Blaue Steinchen lagen auf dem Boden einer klaren Wanne, und das Verlangen zu sitzen und ihre Finger durch die Wasserillusion zu fahren, war sehr verlockend.
„Bitte, setzen Sie sich." Bevs Stimme klang aus der Küche, der Grundriss ihrer Wohnung eine Kopie derer, die sie gerade durchsucht hatten. Aber das war alles, was sie gemein hatten.
Kate sank in ein sauberes Polstermöbel, schob die Bücher unter ihre Oberschenkel, versteckte sie halb, während sie den kleinen Jungen anlächelte, der in einer Bücherecke saß. Bücher standen ordentlich in den Regalen, gestrickte Kissen gaben einen weichen Platz um seinen Kopf abzulegen.
„Sie haben eine wunderschöne Wohnung, Ms. O'Sullivan."
Castle nickte, als er sich neben die Bücher setzte, sein Lächeln erweckte eines im Gesicht des Jungen.
„Danke. Ich tue, was ich kann." Als sie zurückkam, schmolz Bev vor ihnen dahin, als sie Ricks zu großen Körper auf dem Boden sitzen sah, ein kleines Pop-Up Buch in seiner Hand. „Tony muss Sie mögen. Normalerweise will er da allein sein."
Ihre Aussage bestätigend, setzte Tony sich dicht an Ricks Seite, kleine Finger blätterten die Seiten, bis sie wieder am Anfang waren, ein erwartungsvoller Ausdruck auf seinem Gesicht, als er zu Castle hinaufschaute.
Und Kates Herz drehte sich um, ließ fast Tränen fließen. Verdammte Hormone.
„Waren Sie früher in der Kinderbetreuung, Mr. Castle?"
„Es ist Rick, bitte, und nein." Ein Aufblitzen von… etwas schoss durch seine Augen. „Also abgesehen davon, meine Tochter großzuziehen."
Bev lächelte breiter. „Sie sind ein Naturtalent." Sie ging weiter zu Kate, setzte sich neben sie auf die Couch, das Baby schien sich wohler zu fühlen, jetzt wo sie auf dem runden Spielzeug rumkaute.
„Wollen Sie sie halten?"
Kates erster Instinkt war abzulehnen – sie war nicht der Typ für Babys – nur jetzt, naja, jetzt schon, oder würde sie. Bald. „Äh. Okay."
Mit einer Anmut, die, da war Kate sicher, sie niemals besitzen würde, legte Bev das kleine Mädchen in ihre Arme.
„Gab es Neuigkeiten wegen Sue?"
„Die Untersuchung geht voran. Gibt es etwas, was Sie uns mitteilen wollten?" Kate befreite vorsichtig ihr Haar aus den Fingern des Babys – oh, sie musste so schnell wie möglich Zopfgummis besorgen – und schaute Bev erwartungsvoll an.
„Oh. Oh nein. Ich wollte nur…" Bev wandte ihre Hände, schaute in die Ferne. „Ich hatte auf einen Durchbruch gewartet." Sie war nicht die Einzige.
„Hey, Espo." Kate schob das Handy zwischen ihre Schulter und Ohr, ließ ihre Hände weiter den Schrank durchsuchen. Vielleicht lag es an dem Druck ihrer Hosen den ganzen Tag, oder der Tatsache, dass Bevs Wohnung einer Musterwohnung gleichkam, aber nachdem sie nach Hause gekommen war – und nach einer langen Dusche – hatte sie beschlossen, dass es an der Zeit war ihr Schlafzimmer aufzuräumen.
Genauer genommen, ihre Kleidung.
„Bist du da?"
„Sorry, ja. Was habt ihr?" Das Entrümpeln musste einen Moment warten.
„Joy Kents Alibi stimmt. Sie war bis 14:55 Uhr bei dem Kunden. Hammond hat ein Taxi gerufen, als das Meeting zu Ende war, und er hat den Eintrag gefunden, der das bestätigt."
Nun, vom Steuerbetrug abgesehen, war sie immerhin keine Mörderin.
„Und ich habe Überwachungsvideos vom Rockefeller Center durchgeschaut, um ihre Behauptung das Opfer da getroffen zu haben, zu bestätigen.
„Du meinst Ryan oder Vikram taten das", warf sie zurück.
„Es war Vikram, aber darum geht's nicht."
Rums!
Das Handy rutschte durch ihre Finger, ihre freie Hand griff nach der Waffe an ihrer Hüfte – die, die sich momentan nicht an ihrer Hüfte befand – als sie durch das Arbeitszimmer in ihr Wohnzimmer raste.
„Mir geht's gut." Castles Versicherung wurde ignoriert, ihr panischer Blick suchte nach Verletzungen. Er schien noch in einem Stück zu sein. Wobei die Porzellanvase, die vor kurzem auf dem Klavier Platz gefunden hatte, nicht das gleiche behaupten konnte.
„Ich habe nur. Naja." Castle warf das Maßband hinter sich, aber nicht bevor sie es sehen konnte. „Ich hab sie ausversehen umgestoßen."
„Was hast du getan?"
Ihre Beinstellung wurde breiter, ihre Augen verengten sich. Sein Adamsapfel zuckte als Antwort.
„Ich habe geschaut, wie viel Platz hier ist."
„Wozu?"
Sein verlegener Ausdruck ließ Alarmglocken läuten, und sie holte tief Luft, bereitete sich auf seine Antwort vor.
„Ich habe überlegt meine eigene Tagesstätte zu eröffnen. Wenn das Baby geboren ist. Wir haben den Platz und die Mittel. Ich kann alles kaufen, was wir nicht haben, und es wäre großartig Spielgefährten zu haben…" Castle verstummte endlich. „Ich komm mit Kindern gut klar?"
Was. Zur. Hölle?
Ihr Handy klingelte im Schlafzimmer, ihr überraschter Blick flackerte zwischen ihrem Ehemann – der offensichtlich den Verstand verloren hatte – und Espo. Das Handy fallen zu lassen, war nicht geplant, und nicht ideal, da die Gruppe als Ganzes noch immer etwas schreckhaft war, wenn es um plötzliches Verschwinden ging.
„Ich muss-" Sie deutete mit ihrem Daumen zum Telefon. „Aber das ist noch nicht vorbei."
Sie schritt ins Schlafzimmer und hob das Handy vom Boden auf, nahm den Anruf mit einem Daumendruck an und berichtete sofort, „Uns geht's gut. Falscher Alarm."
Irgendwie.
„Will ich es wissen?"
„Nope."
Javi prustete. Laut. „Egal, wie ich sagte, wir haben die Videoaufzeichnung und sie haben sich getroffen, wie sie in ihrer Aussage sagte. Aber…"
Kate wartete, weigerte sich stumm, sein Spiel zu spielen.
„Sie waren nicht allein. Hinter ihnen und gerade so zu sehen, war unser „wütender Dad" Mr. Willis, sein Basecap tief ins Gesicht gezogen. Er hat eindeutig zu viele Jason Bourne Filme gesehen."
Nun, das war unerwartet. Aber wenigstens – anders als Castles Neuigkeiten – sehr willkommen.
