Im Jahre 26 nach der Schlacht von Yavin - Ein Jahr und sechs Wochen nach dem Einmarsch der Yuuzhan Vong in die weit, weit entfernte Galaxis – Planet Takodana im Mittleren Rand

Danni und ihre Zufallsbekanntschaft liefen ins Schiff des daneben am Boden liegenden Feindesagenten und kaum hatte ihr Begleiter die Steuerungskonsole erreicht, schloss sich die Rampe. Das Schiff erhob sich schnell und Danni kauerte auf dem Boden, um den Druck von unten besser abfangen zu können. Takodanas grüne Wälder blieben unter ihnen zurück und Danni schluckte, um sich an die veränderten Höhenverhältnisse zu gewöhnen.

„Können Sie die Turbolaserkanonen bedienen?", rief der neue Pilot des Schiffs Danni zu.

„Wo sind die?", fragte Danni und stand langsam vom Boden auf.

„Gleich rechts. Der rote und der grüne Knopf – dann die Lenksteuerung. Es ist ein selbsterklärendes Menü."

Danni ging dorthin. „Sie kennen sich hier aber sehr gut aus."

„Hab so eine Kiste schon geflogen. Ist Massenproduktion", kam es leichthin von vorn zurück.

Sie ging in die Richtung und ließ sich auf dem Sessel nieder, dann umschlangen ihre Hände die beiden Knüppel der Lenksteuerung, um die Waffen auszurichten.

Und er hat gar nicht abgewartet, ob ich ja oder nein sage.

Sie fand zwei Ziele und entschied sich für das linke, aber die beiden Skips tänzelten im Zick-Zack hin und her, als würden sie die Bedrohung ahnen und sich ihr wie zum Hohn als wechselndes, derweil zu bewegliches Ziel anbieten. Echten Jedi wären sie nicht zu schnell!

„Kriff!", fluchte Danni, als die zwei Korallenskipper versuchten, ihrem Schiff den Weg abzuschneiden.

Sie schoss und der grüne Strahl streifte die Unterseite eines Ziels, ohne dass ihr Feuer eine Wirkung zeigte. Zu ihrer Verwunderung lösten sich die lilanen Angreifer trotz des Fehlschusses in Fontänen von Staubpartikeln und Gesteinsbrocken auf, denen ihr Pilot vorne gekonnt auswich. Rote Energiestrahlen durchschnitten die Luft, und jetzt erst erkannte Danni, dass ihr Pilot nicht den Trümmern ausgewichen war.

Danni stutzte. „Das sind nicht unsere."

„Wir sollten ihnen trotzdem sagen, dass wir kein Feindschiff sind, falls sie wissen, wem das Schiff einst gehörte."

Ihr Komlink knackte und sofort nahm sie die Verbindung an. „Verdammt Danni, wo stecken Sie?", hörte sie Eryls aufgeregte Stimme.

„Wir entführen gerade das Schiff des feindlichen Agenten", erwiderte Danni und hielt den Atem an, als das Schiff abrupt einen Rechtsschwenk machte und sie sich an der Lehne festhalten musste, um nicht hinzufallen. Höchste Zeit sich anzuschnallen!

„Wer ist wir?", fragte Eryl gereizt. „Alle anderen sind auf den beiden Schiffen verteilt, die uns gerade fortbringen."

„Es ist ein Gast, der an meinem Tisch drunten in der Festung saß", sagte Danni und merkte selbst, wie albern das klang. Ihr Hirn war noch damit beschäftigt, nach der rasanten Rechtskurve den Zustand des Gleichgewichts wiederherzustellen. Von vorn hörte sie, wie der Pilot sich wie angekündigt mit jemandem vom plötzlich aufgetauchten fremden Geschwader unterhielt. „Ist eine skurrile Geschichte", informierte sie Eryl, „aber er ist in Ordnung. Wo sollen wir hin?"

Für eine Weile entstand Schweigen.

Eryls Stimme klang belegt bei den folgenden zwei Worten. „Fresia Raumhafen."

„Und wer sind die, die uns helfen?", fragte Danni und wies auf den Himmel, der von Tie-Jägern gespickt war, während sich die Skips des Feindes zurückzogen. „Das sind keine lokalen Einheiten, oder?"

„Warten Sie, ich schalte Sie mit dazu, dann hören Sie selbst!", rief Eryl, dann knackte es und eine weitere Stimme ertönte durch Dannis Komlink. „Hier spricht Captain Mynar Devis vom imperialen Interdiktor-Kreuzer Wrack. Wir haben die Meldung erhalten, dass die Yuuzhan Vong versuchen, eine neutrale Zone zu infiltrieren und dabei friedliche Nachbarn des Imperiums zu attackieren."

„Wir wissen Ihre Hilfsbereitschaft zu schätzen, Captain Devis", erwiderte Eryl. „Sie waren sehr schnell hier."

„Wir haben gute Beobachter vor Ort – auch wenn die Yuuzhan Vong das nicht vermuten."

„Genauso wenig wie wir", hörte Danni Raynar Thul sagen.

Danni war drauf und dran, danach zu fragen, ob die Frau im Kapuzenanzug mit den stark geschminkten Augenbrauen die imperiale Informantin war, von der der Imperiale soeben gesprochen hatte, beschloss jedoch, sich diese Frage für später aufzuheben. Sie mussten von hier fort, wenn sie schon derartigen Geleitschutz eines unerwarteten Verbündeten bekamen. Die Sicht wurde wieder frei und die Tie-Jäger kehrten zum dreieckigen Mutterschiff zurück.

„Der Feind zieht sich zurück", sagte Captain Devis. „Ich schlage vor, dass ich Sie noch zum nächsten Sprungpunkt eskortiere."

Danni hörte, wie Raynar Thul leise mit jemandem sprach, der außerhalb ihrer Hörweite war. Sie konnte weder verstehen, was der Jedi sagte, noch mit wem er sprach, doch fühlte sie die Skepsis in Raynars Stimme. Instinktiv wusste sie, dass es um ihren Begleiter ging, nicht um die Imperialen.

„Vielen Dank für Ihre Hilfe, Captain Devis", sagte Eryl Besa so laut, dass es unangenehm in Dannis Ohren klang. „Ich denke, bis zum Sprungpunkt müsste reichen." Dann wandte sie sich wieder an Danni. „Wir sehen uns dann vor der Ahnenburg von Fresias Hauptstadt."

Die Verbindung war beendet und Danni erhob sich von ihrem Sessel, um zum Piloten ins Cockpit zu gehen. Mittlerweile war der Himmel um sie herum schwarz geworden. Keine Skips waren mehr zu sehen, auch keine ovalen oder knolligen Mutterschiffe. Ein kurzer Lichtregen auf zehn Uhr kündete davon, dass das imperiale Dreieck in den Hyperraum gesprungen war und auch Danni wollte nur noch von hier fort.

Ihr Pilot ließ sich Zeit, bevor er zu ihr herumschwang. „Wo soll's also hingehen?"

„Fresia Hauptstadt Ahnenburg. Kennen Sie diese Welt?"

„Mein Bruder war einmal dort. Es gibt dort noch weniger Landmasse als auf Glee Anselm. Schade, dass die Einheimischen dort so wenig Tourismus betreiben. Das könnte echt was bringen. Möchten Sie meine Co-Pilotin sein?"

Sofort verließ Danni ihre Position hinter den Turbolasern und setzte sich auf den Sitz neben ihm. „Was hat Ihr Bruder denn auf Fresia gemacht?"

„Einen Augenblick. Es wird gleich etwas ruckeln." Er drückte einige Knöpfe und das Schiff sprang in den Hyperraum. „Mein Bruder hat versucht, die Incom-Gesellschaft wieder ins Leben zu rufen, nachdem Palpatine diese Firma aufgelöst hatte, weil sie angeblich die Rebellion unterstützt hatte."

„Incom", wiederholte Danni das ihr fremde Wort. „Was hat die Firma denn hergestellt?"

Seine blauen Augen glänzten geheimnisvoll. „Incom hat die Prototypen der X-Wings hergestellt. Eigentlich sollten sie die Tie-Jäger ablösen, aber dann wurden kurz vor der Schlacht von Yavin alle Prototypen gestohlen und die Wissenschaftler, die an ihrer Produktion beteiligt waren, verschwanden auf einmal spurlos. Der Imperator verstand da keinen Spaß."

Danni nickte. „Der eine Bruder beschäftigt sich mit Pflanzen, der andere mit Raumschiffen, um Neues zu erschaffen. Sie sind eine sehr produktive Familie. Wo genau leben Sie denn jetzt?"

„Ich miete ein Apartment auf Coruscant, wenn ich längere Zeit keine Aufträge habe."

„Dort arbeite ich am Institut für Exo-Biologie der ExGal-Gesellschaft."

„Dann kennen Sie Dr. Terklik?"

Über Dannis Gesicht legte sich ein Lächeln. „Er ist mein Chef. Woher kennen Sie ihn?"

„Wir haben uns auf einem Kongress getroffen und unterhalten", er schaute wieder zu Boden, als versuche er, sich an Einzelheiten zu erinnern. „Es ging um die Re-Kultivierung von Honoghr."

Danni nickte. „Auf Honoghr haben die Imperialen mit der Aussaat des Kholmgrases so ein monströses biologisches Verbrechen begangen. Und jetzt haben sie uns geholfen."

Er schenkte ihr ein spöttisches Lächeln, bei dem sich Fältchen um seine Augen legten. „Palpatine oder Thrawn hätte euch bestimmt nicht geholfen. Seit wann arbeiten Sie denn im Institut für Exo-Biologie?"

Eine Falte erschien auf Dannis Stirn, verschwand jedoch sogleich wieder, als sie anfing zu reden. „Vor knapp einem Jahr. Ich war vorher auf Belkadan gewesen, auf der ExGal4-Station."

„Das ist doch so ein astronomischer Beobachtungsposten, nicht wahr?"

Danni fühlte, wie Wärme sie durchflutete. Ihr Pilot war gut informiert und interessierte sich für das, was sie tat – und getan hatte. Sie merkte nicht mehr, wie die Zeit verging, als all die Erlebnisse ihrer Zeit in Gefangenschaft bei den Yuuzhan Vong aus ihr heraussprudelten.

„… und dann hat Da'Gara mich in die Offiziersmesse mitgenommen, um mich zwei Präfektenkollegen vorzustellen."

„Ein gutes Stichwort", sagte er und löste die Gurte, um vom Pilotensessel aufzustehen. „Wir haben in Maz' Kastell nur etwas getrunken. Ich denke, es wird Zeit für einen kleinen Imbiss."

Sie gingen am Aufenthaltsraum vorbei zu einem Raum, der die Küche beherbergte. „Jetzt schauen wir doch mal, wovon sich der Feind so ernährt hat."

Sie öffneten den Kühlschrank und fanden dort gefrorenen Fisch und andere Dinge, die Danni nur grob zuordnen konnte.

„Sie sind die Exo-Biologin", sagte er feierlich. „Und Sie waren auf Helska VI in einem Schiff des Feindes. Also, was würden Sie wählen?"

„Den Fisch, der schmeckt wirklich gut", entschied Danni. „Und die Pilze – die müssten auch gehen."

Er öffnete nacheinander die Schränke, um Teller und Besteck zu finden.

„Besteck brauchen wir nicht", meinte Danni. „Die Yuuzhan Vong essen alles roh und warm muss es bei denen auch nicht sein."

Er hob eine Braue. „Und das hat Ihnen so geschmeckt?"

Sie nickte. „Vor allem der Fisch, den kann ich mir warm und gebraten gar nicht vorstellen."

Er tranchierte den Fisch und verteilte zwei Portionen auf zwei Teller. „Woher stammen Sie eigentlich?"

„Ich komme von Commenor." Sie zögerte. „Und ich bin Danni."

Er legte die Hand aufs Herz. „Und ich bin Trevius." Er lächelte schal. „Ich habe von Ihrem Senator Fyor Rodan gehört."

Sie verzog abfällig die Oberlippe. „Also den habe ich weder gewählt, noch nach Coruscant geschickt. Der Mann ist einfach nur nervig … nein, eigentlich ist er sogar gefährlich."

„Gefährlich?"

„Er hasst die Jedi."

Er hob beide Brauen. „Hat er dafür irgendeinen Grund?"

Danni biss in ihren Teil des Aals. „Ich glaube, er ist einfach nur neidisch, weil Jedi Sachen können, die er nicht kann."

„Dann ist er dumm, denn die Jedi könnten ihm helfen. So wie sie auf Helska IV Ihnen geholfen haben."

Sie nickte stumm und schaute auf ihr Essen – auch für ihn das Zeichen, endlich mit dem Essen anzufangen. Sie ließen es sich schmecken und während der Mahlzeit erzählte Danni weiter von ihren Erlebnissen als Gefangene des Feindes.

„Dann hat der Präfekt Sie doch eigentlich gut behandelt", meinte Dannis Begleiter.

Sie zog die Brauen nach unten. „Ich mag es aber nicht, wenn stattdessen meine Kollegen vor meinen Augen hingerichtet werden."

Er senkte den Blick, bevor er sie mitfühlend anschaute. „Ja, das ist furchtbar. Und doch ist es ein ganz besonderes Geschenk, dass Sie überlebt haben."

„Ein Geschenk, das mir der Jedi Jacen Solo gemacht hat, ansonsten hätte ich vermutlich das Schicksal des Senators Elegos A'Kla geteilt."

Er nickte betroffen. „Ja, das war in der Tat tragisch."

Tragisch. Das Wort grub sich in Dannis Eingeweide. Jacen wäre gerne auf diese Mission mitgekommen, so hatte er sich zumindest über Komlink angehört, als er sie über die Mission informiert und ihr die Details gesagt hatte. Aber Danni war es eigentlich ganz recht gewesen, dass er nicht mitgekommen war. Schon bald würde sie einer leibhaftigen Yuuzhan Vong gegenüberstehen und mit ihr sprechen müssen wie mit einer Verbündeten, ihr Wohlgesonnenen. Jemanden dabeizuhaben, von dem sie wusste, dass er sich mehr von ihr erhoffte, wäre ihr schier zu viel. Trotzdem plagte sie ein schlechtes Gewissen, dass sie überhaupt so empfand.

Wieso konnte nicht alles ganz einfach sein? Wieso konnte sie sich nicht wie im Holodrama einfach in den Mann verlieben, der ihr das Leben gerettet hatte?

„Es war doch noch ein Jedi dort auf Helska IV."

Die Frage ihres Tischgenossen riss sie aus ihren Selbstzweifeln und ließ sie aufhorchen. Nur wenige Leute hatten sich bisher für das Schicksal des Jedi interessiert, der es nicht von der Eiskugel, die Helska IV gewesen war, heruntergeschafft hatte.

Er schenkte ihr ein warmes Lächeln. „Jetzt sagen Sie mir bitte nicht, Sie hätten seinen Namen bereits vergessen."

Sie kniff sich unter dem Tisch mit der linken Hand in den Oberschenkel. Diese Vermutung war das Letzte, was sie mit ihrem Schweigen zum Ausdruck bringen wollte. „Er hieß Miko Reglia … und er war ein Freund. Er hat sich geopfert, um mir und Jacen Solo die Flucht zu ermöglichen."

Er nickte bedächtig. „Ich habe schon viel vom Edelmut der Jedi gehört. Und so war es zweifelsohne besser, als hätte der Präfekt selbst den Jedi schon vorher geopfert."

Danni wollte ihren Gesprächspartner bereits fragen, wie er darauf kam, denn irgendwann hätte Da'Gara das zweifelsohne getan, doch er redete bereits weiter. „Daran sieht man wieder einmal, wie gut es die Macht mit den Jedi meint." Er lächelte zuversichtlich und um seine blauen Augen legten sich dabei Fältchen. „Und ich bin mir sicher, sie wird auch weiter mit ihnen sein."

Eine warme Welle spülte über Dannis verspannten Rücken hinweg. Für einen Moment hatte sie doch wirklich angenommen, dass ihr Gegenüber vielleicht auch für die Friedensbrigade arbeiten würde, so interessiert, wie er sie ausfragte, aber ein Friedensbrigadist würde so etwas niemals sagen.

„Ähm, ich müsste mal auf die Toilette."

Sofort stand er auf, zögerte danach jedoch und wechselte im Gehen die Richtung. „Ich glaube es ist dort rechts."

Sie gingen in die Richtung und erreichten eine unscheinbar wirkende Tür, und als Danni sie öffnete – erstarrte sie. Das war keine Toilette, sondern nur eine kleine Abstellkammer. Eine Reihe Villips lag im mittleren Regal in einem Nährstoffbottich. Die organischen Sachen, die in den anderen Regalen verstaut waren - teilweise schlangenartige Wesen, andere wiederum muschelartig - kannte sie nicht. Sie hatte auf diesem Schiff zwar etwas in der Art erwartet, aber jetzt so urplötzlich in dieser ansonsten technischen Umgebung vor sich ausgebreitet zu sehen, was sie von Helska IV in derart unangenehmer Erinnerung hatte, verursachte ihr ein flaues Gefühl im Magen.

Zögerlich streckte Danni die Hand aus und nahm einen der Villips in die Hand. „Meinen Sie, die Vong können uns damit irgendwie orten?"

Er zuckte mit den Schultern und hatte in Ekel die Lippen geschürzt. „Ich kann damit ja noch nicht einmal eine Verbindung herstellen."

Sie setzte den Villip wieder zurück in die Nährstofflösung. „Ich hab mal einen zerschossen und das reicht mir dann auch."

Er lachte kurz auf. „Das ist gut, denn vielleicht würde das Gegenstück es merken, wenn Sie jetzt seinen Partner erschießen."

Sie wurde erneut nachdenklich. „Vielleicht testen wir das später einmal, wenn wir zwei von einem Paar in die Finger bekommen."

Sie gingen weiter, kamen am Ausstieg vorbei und nahmen noch eine Biegung, so dass sie drei Viertel eines Kreises hinter sich hatten. Er öffnete eine Tür und wies zuvorkommend mit der Hand ins Innere des kleinen Raums. „Bitte sehr."

Nachdem Danni sich in der engen Kabine eingesperrt hatte, untersuchte sie die Wände, die Decke und den Boden nach irgendwelchen verdächtigen Dingen. Aber dieser Yuuzhan Vong, den sie auf Takodana zurückgelassen hatten, war genauso aufs Klo gegangen wie Menschen oder Twi'lek. Selbst das Toilettenpapier war tot und von der Konsistenz, wie sie es kannte. Während sie auf der Schüssel saß und presste, kam ihr der Gedanke, dass Yuuzhan Vong und die Spezies in der Galaxis später noch andere Gemeinsamkeiten finden mochten, die ein friedliches Zusammenleben ermöglichten.

Nicht allzu hastig ging sie wieder zurück ins Cockpit, von wo ihr Pilot sie anstrahlte. „Gerade noch rechtzeitig. In fünf Minuten treten wir aus dem Hyperraum aus."

Die Streifen verzogen sich zu Sternen und unter ihnen lag Fresia in all seiner blau-ockerfarbenen Kugeligkeit. Die Insel, die sie ansteuerten, war im Verhältnis zu anderen Kontinenten des Planeten eher klein, aber Danni wusste, dass die Herrscher dieses Teils von Fresia es eher abgeschieden liebten.

„Es ist schon unglaublich, dass so eine kleine Insel den gesamten Planeten beherrscht", meinte der Pilot.

„Fresia Minor ist lediglich für die Außenpolitik zuständig und muss sich dabei ständig der Unterstützung der großen Kontinentalreiche des Planeten versichern", sagte Danni, was sie über die politischen Verhältnisse auf Fresia wusste. „Aber eigentlich machen die alle, was sie wollen, solange es gegenüber dem Senat auf Coruscant ein halbwegs geschlossenes Bild abgibt."

Er schien darüber nachzudenken und Danni zog ihr Komlink aus der Tasche. Sie überlegte, wann sie ihm ihre Kontaktdaten geben sollte … für ein Wiedersehen auf Coruscant … oder wo auch immer, ohne ihn bei seinem Landemanöver zu stören. Dann rief sie die Verbindung an, die sie mit Raynar vereinbart hatte.

„Danni, schön, dass ihr auch hier seid!" Raynar Thuls Stimme klang mehr als erleichtert bei diesen Worten und es ärgerte Danni, dass der Jedi ihrem Begleiter vor der Abreise von Takodana derart misstraut hatte.

„Also bis dann in der Ahnenburg", teilte Raynar ihr mit und gab ihr die Koordinaten.

Danni musterte das aus mehreren Steinkegeln bestehende Bauwerk, das mindestens fünfhundert Meter hoch sein musste.

„Die Fresianer haben imposante Bauten", meinte sie.

„Von einer Burg in die nächste", erwiderte er lakonisch.

Sie kaute an ihrer Unterlippe. „Doch wohl hoffentlich nicht in den nächsten Vong-Angriff."

Er schwieg und seinem Gesichtsausdruck nach schien er seine Bemerkung bereits zu bereuen. „Natürlich nicht."

Näher und näher kam der hellbraune Boden der Insel. Danni erkannte, dass sie als letzte ankamen, standen doch die beiden Schiffe, mit denen sie nach Takodana gekommen waren, bereits dort unten.

Sie gingen zur Ausstiegsrampe. Zu Dannis Verwunderung war keiner ihrer Kollegen anwesend, dafür stand vor einem der beiden Schiffe ein junger Mann in Pilotenkluft, den Danni nicht kannte. „Wo sind die anderen?", fragte sie irritiert.

„Bereits oben in der Burg." Er wandte sich Dannis Begleiter zu. „Und Sie sind?"

„Ich bleib nicht hier", sagte er schnell und wandte sich Danni zu. „Es ist Zeit für den Abschied. Ich bedanke mich für die Reise und für die Zeit davor mit Ihnen auch."

Sie schaute ihn an. Der Glanz in seinen blauen Augen wetteiferte mit dem der Haare seiner hellbraunen Fellweste, die in ihrer natürlichen Flussrichtung lagen und voller Spannkraft schienen, als würde das Tier, aus dem die Weste gefertigt war, noch immer leben.

„Was ist das für ein Fell, Trevius?"

„Es stammt von einem Vornskr."

„Sehr originell. Und Sie hatten Recht, als Sie auf Takodana sagten, dass dieses Schiff voller Informationen über den Feind sei", wechselte sie das Thema. „Sie bringen dieses Schiff nach Coruscant, ja?" Sie kramte ein Kärtchen aus ihrer Handtasche und schrieb etwas auf die Rückseite. „Hier sind meine Kontaktdaten." Sie lächelte ihn etwas schüchtern an. „Sie melden sich, sobald es dort sicher ist, ja."

„Und ich." Er lächelte etwas linkisch zurück. „Wie könnte ich auch nicht. Bis dann."

Er wandte sich von ihr ab und ging zurück zum Schiff.

„Er wird Sie ganz sicher anrufen, ansonsten wäre er echt bescheuert", versicherte ihr der unbekannte Pilot von der Seite, während Trevius mit dem corellianischen Frachter abhob und ihr noch einmal vom Cockpit aus zuwinkte.

Sie winkte zurück … und zuckte zusammen … überlegte, warum. War es nur die Tatsache, dass es vielleicht sehr lange dauern würde, bis sie Trevius wiedersehen würde?

Er hätte mir auch eine Karte geben können!

Sie wandte sich dem Einmann-Empfangskomitee zu. Der Mann mochte nur wenig älter sein als sie selbst, war dunkelhaarig und strahlte eine jugendliche Unbefangenheit aus, die ihr voriger Pilot ebenfalls besessen haben musste, als er noch in jenem Alter gewesen war. „Mein Name ist Poe Dameron und ich soll Sie von hier fortbringen."

„Was?"

Dameron wies auf eines der beiden Schiffe. „Die Königin, die Baronin und vor allem die alte Maz als Gastgeberin wollten nicht riskieren, dass Sie erneut in eine Falle laufen."

„Was heißt erneut?", empörte sie sich. „Ich hab die drei gerade einmal gesehen und sie reden bereits davon, dass ich ständig in Fallen tappe?"

Poe winkte ab. „Besser einmal zu viel als einmal zu wenig." Er machte eine Handbewegung zu einem X-Wing, der hinter einem der mittelgroßen Schiffe stand. „Und jetzt bringe ich sie zu den anderen."

„Zu welchen anderen? Und woher weiß ich, dass Sie nicht von der Friedensbrigade sind, um mich von den anderen, die ich meine, zu trennen?"

Dameron lächelte herablassend und deutete mit dem Finger auf ihre Brust. „Sind Sie denn so wichtig?"

„Hey, es gibt auch wichtige Leute, die keine Jedi sind! Ich habe auf Coruscant …", ihr fiel ein, dass sie sensible Informationen besser für sich behalten sollte, „… warten Sie."

Sie wählte die Verbindung zu Raynar Thul und der Jedi nahm die Verbindung an. „Raynar, was geht hier vor? Hier steht ein Poe Dameron und er sagt …"

„Die alte Maz vertraut ihm. Und das solltest du auch."

Danni senkte den Kopf. So wie Raynar das sagte, duldete er keinen Widerspruch. „Ich verstehe", sagte sie, obwohl sie überhaupt nichts verstand.

Die Kanzel des X-Wings öffnete sich und Danni stieg in den Sitz hinter Poe Dameron. „Ich hab noch nie X-Wings für zwei Personen gesehen."

Poe lächelte sie spöttisch an, bevor er sich umdrehte und alles für den Abflug klarmachte. „Nur weil die Krabbenjungs in ihren Korallenskippern immer allein fliegen, müssen wir das nicht auch immer so handhaben. Aber keine Sorge, wir haben dem Feind ein kleines Souvenir dagelassen, damit die Reise nicht ganz umsonst sein wird."

Dannis Augen schossen weit auf. „Sie kommen auch hierher?"

„Beeilt euch", hörte sie hinter Raynars Gesicht Eryl Besas Stimme.

„Ihr wolltet Ihn abhängen, richtig?"

Raynars Blick wurde hart. „Sicher ist sicher", dann brach die Verbindung ab.

Sie hoben ab, und als Danni nach unten schaute, sah sie, dass die beiden anderen Schiffe am Boden blieben. Ein Stich fuhr ihr durchs Herz, denn jener leichte HWK-290-Frachter corellianischer Bauart war genau das Schiff, mit dem sie mit den anderen Jedi nach Takodana gereist war. Bei Ankunft auf dem Planeten hatten sie sich getrennt, um als Gruppe weniger Aufsehen zu erregen, und Danni hatte das Gefühl, dass es dieses Mal ein ähnliches Täuschungsmanöver war.

„Was ist mit den Schiffen am Boden?", fragte Danni ihren neuen Piloten, während sie auf die majestätische Kegelansammlung der Ahnenburg zurückschaute, die sie nicht betreten hatte sollen. „Warum folgen sie uns nicht?"

„Wir müssen den Sprungpunkt erreichen", drängte Poe. „Alles andere hat Zeit bis später."

Sie biss sich auf die Zunge. Genauso hatte Trevius am Anfang ihrer Flucht von Takodana auch mit ihr gesprochen. Sie hatte die Nase voll davon, dass alle Leute um sie herum geheime Pläne schmiedeten und sie als allerletzte davon erfuhr. Und doch war sie es gewesen, die vor gar nicht langer Zeit den Auftrag erhalten hatte, in Maz' Cantina mögliche Feinde im Blick zu behalten.

„Machen Sie sich mal keine Gedanken", tröstete Poe Dameron sie, als hätte er ihre Gedanken gelesen. „Manchmal bleibt einfach keine Zeit für lange Erklärungen, denn wenn man sie zum falschen Zeitpunkt hört, können sie dich dein Leben kosten."

Sie stiegen auf und beschleunigten. Auf elf Uhr sah Danni ein dunkles, keulenartiges Gebilde, das sich kaum vom immer finsterer werdenden Himmel abhob. „Das ist in der Tat keiner von uns."

Poe lachte und hielt direkt auf den Feind zu. „Wäre ich einer von der Friedensbrigade, könnte ich mir mit Ihnen bestimmt ein ordentliches Sümmchen verdienen."

Mit mehr als Besorgnis nahm Danni wahr, dass Poes Manöver nicht unbemerkt blieb. Eine Schar kleiner Punkte löste sich von dem keulenartigen Mutterschiff und steuerte zielbewusst in ihre Richtung. Dannis Finger gruben sich über die Rückenlehne des Piloten hinweg von hinten in dessen Schultern. „Was machen Sie denn da?! Wird das eine Selbstmordaktion?"

Die Sekunden verrannen und die Punkte, die ihnen entgegenkamen, wurden größer und nahmen eine lilane Färbung an.

„Ich hasse Sie!"

Dannis Brüllen erstarb, als Poe Dameron statt einer verspäteten Antwort den X-Wing herumriss und sie dabei derart in die Seite gedrückt wurde, dass sie das Gefühl hatte, die Halterungsgurte würden sie gleich an der Hüfte zweiteilen. Instinktiv ließ sie seine Schultern wieder los und drückte die Arme stattdessen gegen die Wand des X-Flüglers, um den Druck von ihrer Taille zu nehmen.

„Nein, das war nur ein kleiner Scherz", hörte sie von vorne die verspätete Antwort ihres neuen Piloten. „Weil Sie immer so misstrauisch sind ... nein, um die Krabbenkerle auf eine falsche Fährte zu locken, von der sie so schnell nicht wieder runterkommen."

Mach das noch einmal, dann werde ich es sein, die dich dem Feind ausliefert – wenn der dich überhaupt haben will!

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Drei Standardminuten später

Die Tarak-shi von Kommandant Tsaak Vootuh bewegte sich schnell auf die Ahnenburg von Fresia zu, und Tsaak Vootuh wurde unwohl, als er den einsamen X-Wing fortfliegen sah. So etwas Ähnliches hatte sich bereits vor einem Jahr auf dem Planeten Birgis abgespielt. Damals hatte er dem abhauenden Mandalorianerschiff keine Beachtung geschenkt – bis Boba Fett und dessen Söldner die Sache der Yuuzhan Vong nur wenig später verraten hatten.

Die Tarak-shi stoppte in einigen Kilometern Höhe und der Kommandant wechselte mit dem frisch eingetroffenen Agenten in ein Landungsboot, dem ersten einer Phalanx aus zehn derselben Art, die in keilförmiger Formation zur Insel Fresia Minor herabsanken. Er blies die mehrfach geschlitzten Wangen auf, als sein quaderförmiges Landungsskiff als Spitze der V-Formation auf dem Boden Fresias aufsetzte.

Die Ausstiegsklappe öffnete und Tsaak Vootuh schaute Nom Anor an. „Ich hoffe doch, dass ihre Informationen dieses Mal stimmen, Exekutor."

Nom Anor nickte zuversichtlich. „Heute werden wir unser Versagen über Dibrook vor einem Jahr wiedergutmachen, Kommandant. Nina Galfridian und ihre Verbündeten sitzen vor uns wie auf einem Präsentierteller."

„Aber ich sehe nirgendwo die Tsam P'ah."

„Die Königin wird unser Sklavenschiff gar nicht mitgenommen haben, um unauffälliger zu reisen. Hatte ich das nicht in unserer Eingangsbesprechung erwähnt?"

„Nein, haben Sie nicht."

Nom Anor beschloss, das Thema Sklavenschiff nicht zu vertiefen. „Und wenn wir noch mehr Glück haben, werden wir auch ein paar Jedi für den Kriegsmeister einfangen."

„Drei Jedi sind schon ganz ordentlich."

„Vielleicht werden wir sie nicht alle erwischen, aber einen könnte man von den anderen separieren. Das wird meine Aufgabe sein."

„Zuerst nehmen wir Ihre Baroness als Gefangene, dann erledigen wir die Königin von Artorias, bevor sie die Moral unserer Leute weiter untergraben kann", entgegnete Tsaak Vootuh herrisch. „Danach werden die Jedi demoralisiert genug sein, dass wir sie leichter fangen können."

Die anderen Landungsschiffe fächerten die Formation auf und bildeten bei ihrer Landung einen Ring um die Ahnenburg, während eine Schar Korallenskipper die beiden am Boden stehenden Schiffe einkreiste, mit denen die Jedi nach Takodana gekommen und von dort geflohen waren. Der Kommandant ließ zwei Krieger vortreten und sich an die Einstiegsluke des HWK-290-Frachters postieren, zwei andere sicherten den Eingang zum anderen Schiff. Aus dem zuletzt landenden Skiff kam eine Gruppe reptiloider Chazrach, um den Ring von hinten zu sichern.

„Ihr Part", sagte Tsaak mürrisch zu Nom Anor, während er den Kriegern weiter hinten das Signal zum Angriff auf die Ahnenburg gab.

Nom Anor holte sein Komlink aus der Tasche seiner braunen Verwaltertracht und aktivierte es auf dem offenen Kanal der Notfallfrequenz. „An alle Insassen: Wer sich ergibt, dem wird das Leben geschenkt. Wer jedoch Widerstand leistet, der wird erfahren, was bereits die Leute auf Duro erfuhren, die sich uns in den Weg stellten - vergeblich."

Keine Reaktion.

„Öffnet den Einstieg!", befahl Vootuh den beiden Kriegern vor dem HWK-290-Frachter, dann wandte er sich an Nom Anor. „Und sie ist wirklich dort drin, nicht in der Burg? Ich finde das ungewöhnlich."

„Ich ebenso, Kommandant, möglicherweise ist dies eine List, aber die Burg ist ja bereits so gut wie unser."

„Falls sich diese List als erfolgreich erweist, dann haben Sie das letzte Mal mein Schiff betreten, Nom Anor."

Die beiden Krieger versuchten, mit den spitzen Enden ihrer Amphistäbe von unten die Luke aufzuhebeln, jedoch ohne Erfolg. Die Oberfläche war einfach zu glatt und es gab keine Rillen, an denen man ansetzen konnte.

Tsaak Vootuh ließ vier Chazrach von hinten dazukommen, die sich sofort in zwei Teams aufteilten, um sich die beiden Schiffe vorzunehmen. Einer der grün-bräunlichen Reptiloiden steckte mehrere Segmente aus weißer Koralle übereinander, um diese organische Leiter an den HWK-290-Frachter zu lehnen, während der andere mit einem ebensolchen Gesteck zum anderen Schiff ging. Einer der beiden anderen Chazrachs kletterte die erste Leiter hinauf und setzten eine Art organischen Lavabrenner ein – die Miniaturausgabe der Plasmakanonen, um Stück für Stück die Türen aufzuschmelzen.

Es dauerte drei Minuten, dann stieg der Chazrach vor dem HWK-290-Frachter wieder von der Leiter und nur wenig später fiel das an den Rändern glühende Rechteck auf den braunen Boden von Fresia Minor. Kurz darauf folgte die Einstiegsluke des anderen Schiffs. Die wartenden Krieger ignorierten die Leitern. Sie nahmen Anlauf und überwanden die Höhe von einem Meter fünfzig, um behände ins eine Schiff zu springen und die Räume zu durchsuchen.

Nom Anor nahm ebenso Anlauf für das Schiff, in welchem er die Baroness wähnte. Er erreichte das Einstiegsloch gerade so mit den Ellbogen und musste den Rest seines Körpers zum noch warmen Metall des aufgeschweißten Türrahmens hinaufziehen, was den Kriegern hinter ihm abfälliges Gelächter entlockte. Ich muss das wieder mehr trainieren.

Zwei Krieger folgten ihm, um seinen Einstieg zu sichern, und Nom Anor schaute auf den kleinen, organischen Helfer, der ihm den Weg wies …

Der Weg führte in den Aufenthaltsraum. Er sah sich um und duckte sich, um etwaige Feinde oder die Baronin unter dem Tisch versteckt zu erspähen, aber dort war niemand. Zögerlich ging er zur Wand, wie es ihm sein Wegfinder anzeigte. Dort auf der fahlgelben Tischplatte stand eine einsame, graue Schachtel und Nom Anor erbleichte.

Er öffnete langsam den Deckel der Schachtel, die etwa halb so groß war wie seine Hand, und fand das aufgespürte Nisbat, den organischen Partner seines Wegfinders, darin liegen – ein paar geronnene Blutstropfen klebten noch daran.

Diese List des Feindes war in der Tat geglückt, doch hatten die Krieger die Burg umstellt, aus der es kein Entrinnen geben konnte – dazu waren es einfach zu viele.

„Hallo, Krabbenjungs", hörte er von der Seite eine fröhlich-jungenhaft tönende Stimme und fuhr zu dem Klang herum, während die beiden Krieger hinter ihm abfällig grunzten.

„Gefällt euch unser Souvenir?", fragte ein dunkelhaariger Mensch im Fliegeroverall. Der Fremde sprach aus einem einfachen Holotransmitter, welcher wie achtlos hingeworfen an der gegenüberliegenden Wand lag. Nom Anor hatte ihn beim Eintreten nicht gesehen, weil ...

Sein gutes Auge starrte auf die bläuliche Holoprojektion über dem am Boden liegenden Ding. Der Unbekannte trug nicht die Kleidung der Piloten einer der bekannten Staffeln der Neuen Republik, und sein Gesichtsausdruck verhieß Nom Anor, dass er solchen Schabernack häufig trieb.

„Sie haben keine Chance, die Burg ist umstellt", erwiderte Nom Anor. „Und um Ihre Frage zu beantworten, nein, mir gefällt Ihr Souvenir nicht. Wo ist die Baroness, wo Nina Galfridian? Und wo ist das Sklavenschiff, das ihr das Herz von Artorias nennt?"

Der virtuelle Mensch auf der anderen Seite der Verbindung blinzelte, gab jedoch zunächst keine Antwort und Nom Anor wurde derart wütend, dass er den Augenblick herbeisehnte, diesen Holotransmitter einfach unter seinem schweren Stiefel zu zermalmen.

„Ihr Mutter", sagte der freche Pilot ruhig.

„Wie bitte?", fragte Nom Anor, verblüfft über diese Gesprächswendung.

Wieder entstand eine unnatürlich lang wirkende Pause. Nom Anor war das nur recht, denn so konnte er Zeit schinden, den Feind ablenken und vielleicht sogar die eine oder andere Information gewinnen.

„Wo sind Sie? Warum sprechen wir nicht von Angesicht zu Angesicht miteinander, wie es ehrenhafte Leute tun? Sie müssen sehr nahe sein."

„Grüßen Sie doch bitte Ihre Mutter von mir", ignorierte der andere ungerührt seine Frage. „Sie wartet doch bestimmt auf irgendeinem von diesen großen Weltschiffen auf Sie, oder?"

Nom Anor hob eine Braue. „Meine Mutter ist vor kurzem gestorben und ich glaube nicht, dass jetzt die Zeit für Scherze …"

„Ihre Mutter muss wirklich sehr stolz auf Sie sein", sagte der Pilot und grinste.

„Wer sind Sie?", fragte Nom Anor, doch das Grinsen über dem Holotransmitter fror ein und blieb so für einige Sekunden, bis es erlosch.

Erst jetzt realisierte Nom Anor, dass es die anderen waren, die mit dieser vorgefertigten Nachricht Zeit geschunden hatten. Deshalb hatte sich der Pilot mit seinen Antworten auch so viel Zeit gelassen. Er winkte den Kriegern, dass sie das Schiff wieder verlassen konnten, dann ging er zu dem Gerät, hob sein rechtes Bein und ließ von Kniehöhe seinen Stiefelabsatz auf das technische Gerät niedersausen.

Einmal … noch einmal … und noch ein drittes Mal,

obwohl das Ding bereits total kaputt in Scherben auf dem Boden lag. Immer noch wütend verließ er das Schiff und trat an den mindestens ebenso verärgert wirkenden Tsaak Vootuh heran.

„Leider befanden sich weder die Baronin, noch die Königin in diesem Schiff", sagte er in bemühter Würde.

„Genauso wenig wie in dem anderen Schiff", fuhr ihn Tsaak Vootuh an. „Unsere Leute sind in die Burg eingedrungen und haben auch dort niemanden gefunden, auf den Ihre Beschreibungen passen würden. Ihre Spur ist erkaltet, Nom Anor. Von Nina Galfridian und der Tsam P'ah ist weit und breit nichts zu sehen oder zu spüren. Und ich habe meine Truppen völlig umsonst zu dieser öden Welt geschleppt."

„Das würde ich so nicht sagen, Kommandant", widersprach Nom Anor. „Fresia ist immerhin eine Kernwelt, die sehr dünn besiedelt ist, also für unsere Leute eine gute Heimat abgeben wird."

„Eine Welt, auf der die Tage länger sind als die Jahre, vielen Dank auch!"

„Noch", gab Nom Anor zu, „aber ich bin mir sicher, dass unsere Gestalter das ändern können."

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Nur wenig später bewegte sich die Tarak-shi wieder von Fresia fort. Der Kommandant und Nom Anor standen vor dem Villip des Kriegsmeisters und erstatteten ihren Bericht.

„Woher wussten Sie eigentlich, dass die Ungläubigen angeblich nach Fresia fliehen würden?", fragte Tsavong Lah den Kommandanten.

Tsaak Vootuh sah Nom Anor an und der sprach: „Ich hatte einer der Beteiligten der von mir initiierten Konferenz ein Nisbat angehängt. Sie hat es jedoch entfernen lassen und uns so auf eine falsche Fährte gelockt."

Der Kriegsmeister zog die Brauen zusammen. „Dann wissen die Ungläubigen jetzt also auch von dieser Sache und werden in Zukunft gezielt nach so etwas suchen, was uns eines taktischen Vorteils beraubt. Ich nehme an, dass Nina Galfridian diejenige war, die das Nisbat in der Ungläubigen entdeckt hat. Sie hätten so etwas einkalkulieren müssen, Nom Anor."

Nom Anor schüttelte den Kopf. „Nisbat hin oder her - wäre das sogenannte Restimperium den Versammelten nicht zu Hilfe geeilt, dann hätten sie keine Chance auf ein Entkommen gehabt. Das konnte niemand wissen. Die Imperialen sind völlig unvermutet in diesem System aufgetaucht."

„Unsere diplomatische Abteilung wird sich darum kümmern, dass so etwas nicht noch einmal vorkommt, Exekutor."

Nom Anors echtes Auge wurde so groß wie sein Plaeryn Bol. „Diplomatische Abteilung?"

„Wenden Sie sich an Hochpräfekt Yoog Skell, der Ihnen diese neue Einrichtung unserer Verwalterkaste erklären wird", erwiderte Tsavong Lah abweisend. „Ich kann sehr wohl verstehen, dass Sie und der Kommandant die Gelegenheit nutzen wollten, um Ihr Versagen über Dibrook wiedergutzumachen, ab jetzt jedoch widmen Sie sich wieder ausschließlich den von mir aufgetragenen Missionen ... und Sie", er sah Nom Anor streng an, „verlassen sofort diesen Raum."

Nom Anor blinzelte, dann tat er widerstrebend wie geheißen.

Der Kriegsmeister wandte sich dem Kommandanten zu. „Und Sie, Tsaak Vootuh, werden jetzt eine neue Chance bekommen, ihr Versagen wiedergutzumachen. Auf dem vierten Mond des Yavin-Systems gibt es eine Jeedaischule, wo sich zurzeit nicht viele Jeedai aufhalten. Sie werden dieses sogenannte Praxeum schleifen und der Meistergestalterin Mezhan Kwaad alle Jeedai bringen, deren Sie dort habhaft werden. Das Schiff der Gestalterin ist bereits auf dem Weg dorthin."

„Dieser Kommandant ist Ihnen ein treuer Diener", erwiderte Tsaak Vootuh förmlich.

„Dann ergreifen Sie diese Chance. Ich dulde dabei keinerlei Versagen!"

Der Villip des Kriegsmeisters stülpte sich um und Tsaak Vootuh trat durch die Türmembran wieder nach draußen. Nom Anor stand dort, als habe er ihm befohlen zu warten.

„Was wollen Sie denn noch hier?", schnauzte der Kommandant den Verwalter an. „Der Kriegsmeister hat Sie rausgeschickt und Sie wissen, was Sie wo zu tun haben."

„Das schon, aber wissen Sie denn auch, was aus jenem kleinen Schiff der Ungläubigen geworden ist, das vorhin in den Himmel Fresias aufgestiegen ist, bevor wir über dessen Hauptstadt Halt machten?", konterte Nom Anor kühl.

„Sie haben doch gesehen, wie unsere Yorik-ets ausgeschwärmt sind, um es abzufangen."

„Was war mit dem Schiff? Wer flog es?"

„Das hat Sie nicht mehr zu interessieren, Nom Anor", erwiderte Vootuh barsch und wandte sich demonstrativ von ihm ab.

Er würde der Sache später nachgehen. Ihm fiel ein, dass Nom Anor ihm damals vor einem Jahr auf Birgis dieselbe Frage gestellt hatte, und ihm lief ein kalter Schauer das Rückgrat hinunter, als ihm bewusst wurde, dass er gerade ein Déjà-vu erlebt hatte. Seit jener Zeit waren seine Missionen nicht mehr so reibungslos verlaufen wie zuvor. Es hatte Gegenaktionen der Neuen Republik gegeben. Interdiktorkreuzer waren aufgetaucht, noch bevor er bestimmte Planeten überhaupt angegriffen hatte. Bestimmt hatten diese verfluchten Mandalorianer Informationen weitergegeben, bevor jene ihrer Frauen dran glauben musste, die sie später nach Neu-Holgha mitgenommen hatten – die in der roten Rüstung. Sicher kannte Nom Anor noch ihren Namen, aber jetzt hatte dieser ihn erneut in eine Sackgasse geführt.

Hoffentlich sehe ich dich niemals wieder, du dreckiger Verwal

Einer seiner Schultervillips stülpte sich um. Er nahm ihn von seiner Schulter und schaute in ein verhärmtes, menschliches Gesicht. „Sie sind also der Mensch von der Friedensbrigade."

„Mein Name ist Captain Imsatad", stellte sich der bereits ältere Mann vor. „Ich soll Ihnen auf Wunsch des Kriegsmeisters in der Operation Yavin IV zur Hand gehen."

„Wie viele Leute befehligen Sie?"

Das verhärmte, wettergegerbte Gesicht straffte sich merklich. „Es sind zweihundert."

Vootuh nickte. „Das ist für den Anfang ganz ordentlich. Sehen Sie zu, dass Sie einige Jeedai von ihrer Gruppe isolieren und einfangen können. Danach wird der Rest für uns leichte Beute sein, wenn mein Schiff in zwei Tagen über dem Mond eintreffen wird."

„Es ist uns eine Ehre, Ihnen zur Hand gehen zu dürfen, Kommandant Vootuh."

Der Kommandant stülpte den Villip wieder um. Aber ich werde mich durch deine Hilfe beflecken, Technikanbeter!

Das schale Gefühl in Tsaak Vootuhs Magen blieb bestehen und verstärkte sich, als der Leutnant eintrat, der ihm über den von Fresia aufgestiegenen einsamen Jäger der Ungläubigen berichten sollte.

„Das Schiff hat auf einmal eine scharfe Biegung genommen und ist nur Augenblicke darauf in den Hyperraum gesprungen. So schnell konnten wir gar nicht unsere Yaret-kors neu ausrichten, um ihn erneut ins Visier zu nehmen."

Vootuh krümmte eine Klauenhand um den Hals des Boten und drückte zu. „Und wieso erfahre ich davon erst jetzt, auf ausdrückliche Nachfrage?"

„Sie waren …", röchelte der Leutnant, „im Gespräch mit Nnnom Annor ... und dann …"

„Ich will diesen Namen nie wieder hören!", zischte der Kommandant, so dass der Speichel durch seine Wangenschlitze spritzte; dann entschied er, dass der entflohene Jäger bedeutungslos geworden war, und ließ sein Opfer wieder los.

Der entflohene Jäger war im Grunde genauso bedeutungslos geworden wie Nom Anor. Ob sich dieser Captain Imsatad wohl auch als Trottel erweisen würde, oder hatte der Ungläubige gar ein besseres Händchen bei der Ergreifung von Jeedai als … Nein, er wollte diesen Namen noch nicht einmal mehr denken!

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Einen halben Tag später auf dem Planeten Atollon

Als Poe Damerons X-Wing auf dem terrassierten Grund des Planeten landete, war es das letzte der Schiffe, die ankamen. Anstelle der beiden auf Fresia zurückgelassenen Schiffe sah Danni drei imperiale Transporter, bestimmt eine Aufmerksamkeit vom hilfreichen Captain über Takodana.

Das Gebäude, vor dem Dameron gelandet war, war eine Art großer Hangar, wie er schon seit langem in der Galaxis zu finden war – mit einem Landeplatz davor und kleineren Quartieren für die dauerhaften Bewohner des früheren Rebellenstützpunktes nebenan.

Raynar Thuls blonder Haarschopf leuchtete ihr von unten entgegen. Neben ihm stand Eryl Besa und beide wirkten glücklich darüber, dass Danni es auch hierher geschafft hatte.

„Willkommen auf der Chopper-Basis", begrüßte Raynar die beiden Ankömmlinge.

„Dann kommen Sie ja jetzt auch allein zurecht", meinte Poe zu Danni.

„Wollen Sie nicht mit reinkommen?", fragte Raynar den Piloten.

„Danke, aber ich werde noch anderswo gebraucht. Es war inspirierend, mit Ihnen zusammenzuarbeiten." Poe winkte den Jedi zu, während er wieder in seinen X-Wing stieg. „Bis irgendwann einmal."

Poe Dameron wandte sich den Kontrollen zu und Danni beschlich das Gefühl, als habe sie genau diese Bewegungsabläufe schon einmal irgendwo gesehen – aber irgendetwas stimmte nicht, und weder die Wissenschaftlerin in ihr noch ihre Intuition fanden eine Erklärung für ihre unstimmige Wahrnehmung.

Sie gingen in den Hangar zum vorbereiteten Konferenztisch und setzten sich.

„Schön, dass wir jetzt alle zusammen sind und uns auch ordentlich einander vorstellen können, ohne dass Sie draußen wieder Schmiere stehen müssen und das Wichtigste verpassen", sagte die Yuuzhan Vong-Frau zu Danni. „Ich bin Königin Nina Galfridian von Artorias."

„Ich bin Bana – Gesandter der großmächtigen Borga", stellte sich der Hutt vor.

„Baroness Feena D'Asta vom Astanischen Sektor", sagte die weißhaarige Frau mit den schwarzen Augen, dann wies sie auf ihre rothaarige Begleiterin. „Und das ist meine treue Leibwächterin Mirith Sinn."

„Eryl und Raynar kennst du ja bereits", sagte die gelbe Bith-Jedi zu Danni. „Und ich bin Ulaha Kore."

„Sie spielen sehr gut Sobriquet", sagte Danni, dann fiel ihr Blick auf jene Frau mit den stark geschminkten Brauen im Kapuzenkleid.

„Ich bin Lieutenant Bazine Netal", stellte sich die Frau vor. „Captain Mynar Devis war der Meinung, dass das Imperium der Königin von Artorias seinen Dank schuldet, nachdem diese vor neun Monaten auf der imperialen Welt Shramar den Verräter Devry zur Rechenschaft zog, der damals dort Sektorenkommandant gewesen war. Und Devis' Vater hat sich dieser Meinung angeschlossen."

„Sein Vater?", fragte Raynar.

„Viele wissen es nicht, aber Captain Mynar Devis ist der Sohn von Großadmiral Gilad Pellaeon."

Sie setzten sich und erneut begannen die Gespräche, die vorhin auf Takodana so abrupt unterbrochen worden waren und später auf Fresia gar nicht stattfinden konnten.

„Sie verstehen sicherlich, dass das Imperium von Großadmiral Pellaeon nicht offiziell solch einem Bündnis gegen die Yuuzhan Vong beitreten kann, aber wir werden Sie unterstützen, wann immer es geht", versicherte Bazine Netal.

„Diese ganze Unterredung ist für alle Beteiligten absolut inoffiziell", bestätigte Nina Galfridian, „Aber bei Großadmiral Pellaeon habe ich das Gefühl, dass er zu seinem Wort steht."

Man vereinbarte regelmäßigen Austausch, die Kanäle dazu, und nach etwa zwei Stunden war die Konferenz auch schon vorüber. Es wurde vereinbart, dass die Königin von Artorias mit den Jedi mitfliegen sollte, da sie auf Coruscant noch Dinge zu erledigen hatte.

Bevor Danni in jenes der beiden Raumschiffe der Jedi stieg, mit dem auch die Königin reisen würde, kam Bazine Netal auf sie zu. „Nur ein kleiner Tipp, falls Sie wieder mal Schmiere stehen müssen. Es reicht vollkommen aus, wenn Sie zweimal zu mir rüberschauen, um mich zu observieren. Dass ich ein Komlink nutze, ist während einer Observation derart irrelevant wie nichts in dieser Galaxis, falls sie die Gespräche nicht mithören können. Es ist auf der anderen Seite jedoch ein gutes Mittel, um herauszufinden, ob einen jemand beobachtet."

Dannis Kehle wurde trocken. „Danke für den Tipp."

Die schwarzgekleidete Frau ging zu ihrem Schiff und Danni zu dem der Jedi.

„Ich freue mich, auch einmal allein mit Ihnen sprechen zu können, Danni", begann die Königin als Ältere. „Wie ich hörte, war ihr Start mit unserem Volk nicht gerade der beste gewesen."

„Nicht der Beste ist gut", begann Danni bitter lächelnd, „aber ich hörte, dass Sie schon weit eher in diese Galaxis gekommen sind, als ich noch ein Kind war. Ich hoffe, Ihre Ankunft hier war besser als meine in Ihrer Welt."

„Ich wünschte, es wäre so gewesen." Nina Galfridian lächelte wehmütig. „Die Praetorite Vong waren schon immer etwas Besonderes, nicht zu vergleichen mit der Welt, wo ich herkam, der eines Gestalterschiffes", erwiderte Nina. „Obwohl ich bezweifle, dass es Ihnen auf unserem Schiff oder dem des Kriegsmeisters viel besser ergangen wäre – im Gegenteil." Die Königin erzählte von ihren ersten Schritten auf Artorias, wie sie die Liebe ihres Lebens gefunden und wieder verloren hatte.

„Mir ist so etwas ähnliches passiert", wisperte Danni, „und ich kann Mara Jade noch nicht einmal böse sein, dieses Monster getötet zu haben, das meine Kollegen einen nach dem anderen abgeschlachtet hat, während ich glaubte, Yomin Carr sei einfach nur ein schüchterner, junger Mann in meinem Alter gewesen."

Die Worte sprudelten aus ihr heraus, noch viel mehr und viel persönlicher, als es gegenüber Trevius an Bord des corellianischen Frachters geschehen war – aber es war etwas anderes, mit einer Frau darüber zu sprechen, selbst wenn sie nicht derselben Spezies angehörte wie sie – oder Trevius. Irgendwann im Verlauf des Gesprächs bot sie ihr das Du an, etwas, was sie gegenüber einer Yuuzhan Vong nie für möglich gehalten hatte.

Nina legte ihr beruhigend die graue Hand auf ihre Hand. „Das konntest du nicht wissen, Danni. Agenten sind darauf trainiert, andere zu täuschen und für ihre Zwecke auszunutzen."

„Das ist es ja gerade. Yomin Carr hat nie irgendetwas von mir gewollt, hat mich nicht angelogen oder mir etwas versprochen. Er wirkte, als wäre er einfach nur, der er war. Und er war disziplinierter und fleißiger als viele meiner Kollegen. Es gab so viele Männer, die sich für mich interessiert hatten, auch in meinem Team auf Belkadan. Warum musste ich mich ausgerechnet in ihn verlieben?"

„Vielleicht, weil du dir immer etwas Unerreichbares gewünscht hast?", mutmaßte die Königin. „Du bist nach ExGal4 gekommen, um außergalaktisches Leben aufzuspüren. Und dann ist es gekommen. Irgendwann musst du lernen, das zu schätzen, was um dich herum liegt. Yomin Carr war damals zwar da, und trotzdem war er unerreichbar für dich, weil er seine Gefühle im Zaum hielt, wenn er denn je welche für dich hatte."

„Ich vermute es. Als ich ihn gefragt hatte, ob er mit nach Helska IV kommt, da hat eine meiner Locken sein Gesicht gestreift – und da hat er mich angeschaut, als wenn er irgendwie verbrannt worden wäre. Ich glaube, es war ihm peinlich gewesen … und doch habe ich ihn manchmal erwischt, wie er mich von der Seite angesehen hat, wenn er dachte, ich würde es nicht bemerken."

Danni wollte nicht länger darüber reden. „Glauben Sie, die Yuuzhan Vong und die Menschen und andere Spezies können irgendwann einmal ganz normal zusammenleben – so wie wir hier gerade miteinander sprechen? Ohne Angst zu haben, dass einem der Gesprächspartner ein Messer in den Rücken rammt, kaum dass man sich umgedreht hat?"

Nina nickte langsam. „In zehn Standardjahren vielleicht. Aber dazu muss zuerst dieser Krieg enden."

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Später auf Coruscant

Luke und Mara Skywalker standen auf dem Finis-Valorum-Raumhafen, um die Jedi und die Königin in Empfang zu nehmen.

„Wir sehen uns", sagte Nina Galfridian und winkte Danni zum Abschied aus ihrem Gleiter zu, dann wandte sie sich ab.

Danni zuckte zusammen, und wusste zunächst nicht, wieso, dann schloss sie die Augen und ließ Revue passieren, wie sich die Königin von ihr abgewandt und ihre winkende Hand wieder heruntergenommen hatte. Und dann, mit einem Mal erkannte sie die Ursache für das erste Zusammenzucken beim Abschied von Trevius … es war der Moment, als er sich von ihr abgewandt hatte. Sie sah es plastisch und unmittelbar vor sich … in Zeitlupe – viel näher, als sie ihm tatsächlich gewesen war.

„Sein linkes Auge hat sich nicht mitbewegt."

„Was?", fragte Raynar.

„Auf Fresia, als sich Trevius von mir verabschiedet hatte. Ich hab es mir zunächst nicht erklären können, aber auf dem Schiff des Feindes kam es mir vor, dass er mich immer nur so statisch angesehen hatte. Zunächst dachte ich, es wäre eben seine Art, aber beim Wechsel in der Blickrichtung hat er die ganze Zeit über auf dem Schiff den Blick stets zu Boden gesenkt, bevor er mich oder etwas anderes wieder angeschaut hatte – bis zum Abschied auf Fresia, wo er mir zuwinkte, und sich dann abwandte, um sich den Kontrollen zu widmen."

So also kaschiert man diesen Makel. Wie viele von diesen einäugigen Spionen …?!

„Aber das ist doch Quatsch", mischte sich Eryl Besa ein. „Wäre er wirklich ein feindlicher Agent gewesen, dann hätte er dich auch einfach an Bord des Schiffes umbringen, aus der Luftschleuse werfen und wieder abhauen können."

Dannis Gesicht lief rot an. „Nein, er hat vorher noch richtig viele Informationen abgeschöpft – meine Seite der Ereignisse auf Helska IV!"

„Aber du bist jetzt eine Jedi. Selbst wenn es so wäre, wie du es beschreibst, dann hättest du doch in der Macht spüren müssen, dass etwas mit ihm nicht stimmt, oder?", meinte Raynar.

Darauf wusste Danni keine Antwort. Sie befürchtete, dass sie allmählich paranoid wurde. Ihr gegenüber am Esstisch und später im Cockpit hatte ein Mensch gesessen! Nicht alle Einäugigen waren automatisch verkleidete Yuuzhan Vong! Und nicht alle Menschen, egal ob einäugig oder nicht, waren verkappte Friedensbrigadisten, darauf aus, ihren Yuuzhan Vong-Herren Jedi zu servieren.

„Weißt du was?", sagte Danni betont sachlich. „Vielleicht war Pedric Cuf niemals auf Takodana gewesen, und womöglich auch niemals auf Fresia. Und irgendwann wird der Frachter, mit dem ich von Takodana nach Fresia geflogen wurde, bestimmt nach Coruscant gebracht werden, genau wie Trevius es mir versprochen hat. Er weiß, dass ich in der Zentrale der ExGal-Gesellschaft auf Coruscant arbeite."

Raynar schenkte ihr ein Lächeln. „Danni, das ist die erste vernünftige Aussage, die ich von dir in dieser Sache höre."

„Du entschuldigst uns", sagte Eryl zu Danni, dann hakte sie sich bei Raynar unter und die beiden gingen zusammen davon.

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Derweil auf dem Mond Yavin IV

Talon Karrde fand es ziemlich clever, den Friedensbrigadisten Captain Imsatad glauben zu lassen, dass er für ihn arbeiten würde. Söldnerseelen wie Imsatad waren nur zu geneigt, anzunehmen, dass jedes Wesen so käuflich und prinzipienlos war wie sie selbst. Der abgehalfterte Captain wollte das Kopfgeld für die Jedi um jeden Preis, und Talon Karrde hatte ihm versprochen, ihm dabei behilflich zu sein – für einen gewissen Preis, wohlgemerkt. Es hatte Imsatad eingeleuchtet, dass er zwar mehr Männer und Schiffe hatte als der Schmuggler, der schon oft für die Neue Republik gearbeitet hatte, aber die Friedensbrigadisten kannten den Mond und seine Besonderheiten nicht. Es war dem Captain zudem peinlich gewesen, vor Talon Karrde zuzugeben, dass seine Ausrüstung einer gewissen Erneuerung bedurfte. Und um das Paket voll und rund zu schnüren, hatte Talon Karrde außerdem auf gewisse Fähigkeiten verwiesen, um Schätze aufzuspüren.

Jetzt durchkämmten zwanzig Leute, Friedensbrigadisten und Söldner, zusammen mit Talon Karrde und dreien von dessen Leuten die von Pflanzen überwucherten Ruinen in der Nähe des Jedi-Praxeums, und Talon Karrde sorgte mit seinen beiden tierischen Begleitern dafür, dass sie sich zu jenem Hort der Jedi hin bewegten.

„Hier haben wir bereits gesucht", erklärte Maber Yeff, der die Friedensbrigadisten der Gruppe anführte, und zeigte dabei auf eine bestimmte Ruine.

Karrde setzte eine herablassende Miene auf. „Das glaube ich Ihnen gern, doch haben Sie bestimmt nicht mit Vornskrs gesucht."

Yeffs blasses Gesicht schaute auf die beiden langbeinigen Tiere mit dichtem, graubraunem Fell, die rechts und links neben Talon Karrde dahintrotteten. „Woher wollen Sie wissen, dass sie keine Wompratten oder ähnliche Beute wittern?"

Karrde lachte. „Auf Yavin IV gibt es aber keine Wompratten, und Tatooine liegt sehr weit weg. Könnten die Tiere sie trotzdem wittern, wären sie für alle Kriegsparteien unschätzbare Helfer."

„Was wollen wir dann mit denen?", fragte Yeff weiter.

„Vornskrs nehmen die Macht wahr", begann Karrde zu erklären. „insbesondere Geschöpfe, die sie nutzen können. Deshalb eignen sie sich besonders gut für die Jagd auf Jedi."

„Ach? Und wo können wir uns welche besorgen? Sie wären sehr nützlich bei unserer Arbeit."

Karrde tätschelte einem seiner beiden Schoßtiere die Kruppe. „Leider sind meine die einzigen zahmen Exemplare, die es gibt. Und mit wilden wollen weder Sie noch die Jedi etwas zu tun haben, glauben Sie mir."

Die Tiere führten die heterogene Gruppe zu einem Schacht, der sich nach unten hin verengte. Sie stiegen nach unten und gelangten zu einem dunklen Höhleneingang.

„Nach Ihnen", sagte Karrde.

„Es sind Ihre Tiere", widersprach Yeff. „Sie gehen voran."

„Wie Sie wünschen."

Sie betraten die Höhle und entzündeten Glühstäbe, um etwas sehen zu können. Schriftzeichen erschienen an den Wänden, die sie nicht lesen konnten, da in alter Sithschrift geschrieben. Die Vornskrs blieben stehen und begannen zu fauchen. Karrde erstarrte, als er für eine Millisekunde den Bruchteil eines Gesichts sehen konnte, das er kannte. Dann war der Eindruck wieder verschwunden, und man sah nur den nackten Fels, doch die Vornskrs schauten genau in jene Richtung. Mit Illusionen kann man nur jene täuschen, die nicht Bescheid wissen.

„Wo sind sie?", fragte Maber Yeff mit Hilflosigkeit in der Stimme und beschrieb dabei mit seinem Glühstab einen Kreis. „Ich sehe nichts."

„Nein", antwortete Karrde und Yeff verstand nicht, ob das jetzt eine Zustimmung oder ein Widerspruch war. „Ich auch nicht", setzte Karrde hinzu, dann erhob er seinen Blaster und gab einen Schuss ab.

Yeff ging zu Boden und Karrde sprang zur Seite, um der Rache der Friedensbrigadisten zu entgehen. Vom Höhleneingang peitschten Schüsse ins Innere – und Karrde wusste, dass seine Verstärkung eingetroffen war. Er und seine drei Leute beeilten sich, die Höhle wieder nach oben hin zu verlassen, während sie immer wieder nach hinten schossen, um weitere Söldner und Friedensbrigadisten aus dem Verkehr zu ziehen. Aus den Augenwinkeln konnte Karrde den Widerschein von mehreren hellen Farbstäben sehen, begleitet von Zischen. Die Jedi in der Höhle hatten ihre Tarnillusion abgestreift und verteidigten sich – gingen zum Angriff über.

Nach einer Viertelstunde war es vorüber und die Jedi traten ans Licht. Talon Karrde erkannte den etwa gleichalten Kam Solusar und dessen Ehefrau Tionne, eine weißhaarige Jedi mit perlweißen Augen, dahinter mehrere Kinder.

„Wie konnten Sie nur die Vornskrs hierher bringen, Karrde?", fragte Kam Solusar vorwurfsvoll. „Was, wenn sie die Schüler angegriffen hätten in diesem Durcheinander?"

„Sie greifen nur auf meinen Befehl hin an", versicherte Talon Karrde dem Jedi, „aber ich musste Sie und die Jünglinge finden, um Sie von hier wegbringen zu können. Mein Schiff ist nicht weit, und von der Friedensbrigade stehen jetzt auch noch herrenlose Frachter bereit."

Solusar schaute nachdenklich auf eine der Leichen. „Sie sind ein ziemliches Risiko eingegangen."

„Ich habe Luke Skywalker versprochen, die Schüler von Yavin Vier fortzubringen. Und ja, ich bin bereit Risiken einzugehen, um mein Wort zu halten."

„Ich denke, das meinte Kam nicht", mischte sich Tionne ein. „Sondern die Tatsache, dass die Friedensbrigade jetzt weiß, dass es Vornskrs gibt und was sie können."

Karrde schaute zum Inneren der Höhle. „Aber wir haben sie doch alle erwischt, oder?"

Sie zählten die Leichen, zwei davon Karrdes Leute, aber auch nach zwei Durchgängen Zählens stellten sie fest, dass drei Leute der Gegenseite fehlten.

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Zur selben Zeit auf dem Planeten Savareen im Äußeren Rand

Die Mühlen der Raffinerie mahlten träge im heißen Wind, der Han Solo und seinem älteren Sohn um die Nase wehte. Die paar Hütten, die der altgediente Schmuggler von seinem ersten Besuch auf dieser Welt in Erinnerung hatte, waren festen Steinhäusern gewichen, nicht so kühn und hoch wie Wolkenkratzer auf Coruscant, doch einige von ihnen wiesen immerhin vier Stockwerke auf. Es gab einen kleinen Raumhafen, auf dem Han ganz ordentlich und legal den Milleniumfalken gelandet hatte - und gleich neben dem Raumhafen stand ein Krankenhaus.

„Savareen hat sich ganz schön gemausert, seit ich fort war", sagte Han anerkennend zu seinem Sohn. „Das ist nicht zuletzt mein Verdienst, denn ich habe damals genügend Coaxium hiergelassen, um diese Welt zumindest einigermaßen für die Verbrechen zu entschädigen, die das Verbrechersyndikat Crimson Dawn damals hier begangen hatte."

Jacen hob die Oberlippe. „Und doch hilfst du jetzt wieder Gangstern, also erspar mir bitte dein Selbstlob. Wäre es nicht für Mom, ich wäre nicht hier."

„Denkst du, ich?", fauchte Han. „Was hättest du denn für eine Möglichkeit gesehen? Du bist manchmal sowas von selbstgefällig, hat dir das eigentlich schon mal jemand gesagt?"

„Wir hätten auch Freunde von Mom fragen können, ob sie uns Credits geben."

„Und wofür? Um ihnen zu erzählen, dass Leia verletzt ist und Hilfe braucht? Das sind alles sensible Informationen. Und selbst wenn diese Freunde es gut meinen, dann könnten sie es trotzdem jemandem erzählen, der …"

„Und diese Lady Proxima und ihre Speichellecker sind selbstverständlich absolut verschwiegen und vertrauenswürdig."

Han seufzte. „Weißt du, Jacen, in jener rauen Welt jenseits der Gesetze gibt es auch Gesetze – härtere zwar, aber sie werden auch härter befolgt. Und ja, darauf vertraue ich jetzt."

Jacen ballte die Rechte zur Faust. „Wirklich schade, dass die Yuuzhan Vong nicht unsere Verbündeten sind – wo sie doch so strenge Gesetze haben, an die sie sich sicherlich immer peinlich genau halten."

Eine Frau Mitte fünfzig kam ihnen entgegen, die roten Locken zu einem Pferdeschwanz gebunden, ein breites Lächeln im sommersprossigen Gesicht.

„Enfys!", rief Han und schloss sie in die Arme. „Wie geht's?"

„Schön, dass du dich nach den zwanzig Jahren mal wieder blicken lässt. Das ist Jacen, nicht wahr?"

„Mein ältester Sohn, richtig."

Jacen setzte ein artiges Sohnemannlächeln auf. „Hi Enfys."

„Jacen, das ist Enfys Nest. Ich und sie haben früher gelegentlich zusammen den Armen gegen Verbrechersyndikate geholfen."

Han wandte sich wieder an die Gastgeberin. „Wie geht es deinen Leuten jetzt?"

„Siehst du doch." Sie breitete die Arme aus und wies stolz auf das Krankenhaus. „Und wir haben uns auf dem Planeten Selvaris eine ebenso gute Existenz aufgebaut."

Han hob eine Braue. „Aber Selvaris ist Yuuzhan Vong-Gebiet."

Enfys nickte. „Aber der Kommandant, der dort das Sagen hat, lässt die Einheimischen weitgehend in Ruhe. Es gibt dort ein Gefangenenlager, aber es herrscht eine unausgesprochene Übereinkunft, dass uns die Vong nicht behelligen, solange wir sie ebenso in Ruhe lassen. Und das tun wir, um anderswo zu helfen. Und die Vong mögen unser Essen, damit können wir sie einigermaßen bei Laune halten."

„Ich könnte deine Hilfe auch gut gebrauchen", kam Han zur Sache.

„Es ist wegen Leia, nicht wahr?"

„Woher weiß du das?"

Sie lächelte und strich sich eine rote Locke aus dem Gesicht, welche der Wind dorthin geweht hatte. „Ach komm schon, Han, ihr werdet beide im Holonet als vermisst bezeichnet, und jetzt tauchst du bei mir auf. Also, was willst du und wann brauchst du es?"

„Du kannst dich doch noch an den Überfall auf den Conveyex-Zug damals vor fünfunddreißig Jahren erinnern."

Enfys' braune Augen schauten in eine längst vergangene Ferne. „Aber sicher doch."

Um Hans Augen legten sich Fältchen. „Damals haben wir gegeneinander gekämpft, aber gemeinsam schaffen wir es bestimmt. Und wenn wir dann Fifty-Fifty machen ..."

Die nicht mehr ganz so junge Freischärlerin von damals strahlte ihn an. „So etwas habe ich mir schon lange gewünscht – gerade in Zeiten wie diesen. Aber nur, wenn du mir genau erzählst, was passierte und für wen du das Coaxium dieses Mal brauchst. Crimson Dawn wird es nämlich immer noch nicht kriegen."

Han nickte eifrig. „Keine Sorge, mit denen bin ich für immer fertig. Es handelt sich dabei um eine lokale Gruppierung auf Corellia, der ich was schulde und die Leia gerade gesundpflegen, ohne dass es einer mitbekommt. Und natürlich erwarten sie etwas für ihre Fürsorge und Diskretion."

Enfys Nest ignorierte Jacens Grimasse bei den Worten seines Vaters und hielt Han die Hand zum Einschlagen hin. „Kein Problem, Han Solo."

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Derweil auf dem Planeten Duro

Nom Anor suchte nach einem Anlass, um mit Yoog Skell, dem derzeitigen Oberpräfekten seiner Verwalterkaste, zu sprechen, aber es wollte ihm kein solcher einfallen. Keine Information, die seinen Vorgesetzten derart geneigt machen würde, ihn in den Rang eines Konsuls zu erheben, und damit einem Distrikt zuzuweisen, wo er später einmal Präfekt werden konnte. Er hatte schon einige lukrative Landstriche in petto, wo er gerne leben und arbeiten würde – am besten wäre freilich, Coruscant wäre bereits erobert, denn dort kannte er sich aus und war stets gerne dort gewesen.

Der grünbemooste Würfel auf Duro, in welchem sich sein Büro befand, garantierte ihm im Gegensatz zu den meisten Yuuzhan Vong freien Zugang zum Holonet und andere technische Dienstbarkeiten. Wenn er dieses geheime Technikreich jedoch verließ und hinaus auf den Planeten ging, den Tsavong Lah mit seiner Hilfe so schnell erobert hatte, dann fühlte Nom Anor, warum sein Volk in diese Galaxis gekommen war. Der gelbe Nebel, der den Planeten Duro seit Jahrtausenden umgeben und unbewohnbar gemacht hatte, hatte sich deutlich gelichtet; die Sonne schien heller und wärmer. Mannigfaltige Pflanzen sprossen um ihn herum aus dem Boden und sorgten für Nachschub an Getreide, Pilzen, Schnecken und Villips. Die Fefze-Käfer hatte man mit einer speziellen Mikrobe ausgerottet, welche die Fruchtbarkeit jener Tiere zerstörte, ohne in der Art auf andere Wesen zu wirken. Und so würde es weitergehen – Welt um Welt, Mond um Mond, so bewohnbar. In nur einem Klekket* würde man auf Duro keinerlei Atemmasken mehr brauchen, hatten die Gestalter angekündigt. Schutzanzüge brauchte man für einen Spaziergang auf Duros Oberfläche bereits jetzt nicht mehr.

Er überlegte, was Leia wohl vom neuen Duro unter Yuuzhan Vong-Herrschaft halten würde, und ihm fielen wieder die Worte des Kriegsmeisters ein: „… , dass Sie sich fürderhin ganz auf die Mission Yag D'hul konzentrieren werden, sobald Leia Organa Solo aufgespürt und unschädlich gemacht wurde." Noch war die ehemalige Staatschefin nicht aufgespürt worden, und ihn beschlich der Gedanke, dass Leia ruhig noch ein wenig länger leben könnte, wenn ihm das einen Grund gab, Viqi Shesh wiederzusehen, ohne Tsavong Lah zu verärgern.

Doch Viqi Shesh ging nach wie vor nicht an ihr Interkom, wenn er versuchte, sie zu erreichen. Ständig wurde entweder kein Anruf entgegengenommen, oder, wenn er es von einer anderen Nummer aus versuchte (er besaß mehrere Interkom-Nummern), dann hörte er die Stimme von entweder diesem jungen Mann namens Mandulys, oder von dem anderen – den Namen hatte er vergessen und hatte auch nicht die Absicht, ihn erneut in Erfahrung zu bringen. Viqi hatte ihm versprochen, sich mit ihm auf Corellia zu treffen, und auch wenn Tsavong Lah ihm – und möglicherweise auch Viqi Shesh – ein solches Treffen in aller Deutlichkeit verboten hatte, so war das noch lange kein Grund, ihn jetzt derart hängenzulassen!

Viqi hinterging Borsk Fey'lya, den Senat, den NRI, und selbst wenn sie Tsavong Lah nicht in derselben Weise austrickste, so hatte Nom Anor doch erwartet, dass sie ihm zumindest persönlich absagen würde. Diese Chance für die Senatorin war verstrichen, als er im Holonet gehört und gesehen hatte, dass Thrackan Sal-Solo zum Präsidenten Corellias gewählt worden war. Nach der Wahl Kontakt zu dem Menschen aufzunehmen, wäre gewiss kein Fehler, und da fiel ihm wieder ein, was Tsavong Lah ihm vor einer Woche außerdem gesagt hatte.

Es war ungefähr ein Kilometer vom grünen Würfel bis zum Hauptquartier des Kriegsmeisters und dort traf Nom Anor Seef, die Villipwärterin. Die junge Frau wirkte trotz ihres jungen Alters sehr ernsthaft und stoisch und ihm gefielen die drei Ehrenstreifen, die man ihr in die Wangen eingebrannt hatte – oder hatte sie das gar selbst getan, so wie er damals den glühenden Holzpflock geführt hatte, bevor er in jener Augenhöhle seinen Plaeryn Bol erhielt?

„Der Villip von Yoog Skell, Nom Anor", sagte Seef förmlich.

Während Seef ihm den Villip in die Hand drückte, kam ihm der Gedanke, dass sein Vater bestimmt erfreut wäre, würde er ihm Nachwuchs mit der jungen Verwalterin verkünden, doch stand ihm danach nicht der Sinn. Er ging in den für ihn vorbereiteten Raum, wo er ungestört sein Gespräch führen konnte.

„Nom Anor, was kann ich für Sie tun?", hörte er die sichtlich erfreute Stimme des Hochpräfekten.

„Ich habe gehört, dass es jetzt eine diplomatische Abteilung gibt, die sich serienmäßig mit formalen Angelegenheiten zwischen unserem Volk und den Ungläubigen kümmert."

„Dann haben Sie unser Schreiben in dieser Angelegenheit noch nicht erhalten?"

„Nein."

„Das ist bedauerlich, Nom Anor", sagte Yoog Skell und Nom Anor fühlte echtes Bedauern in dessen Stimme. „Leider kommt es immer wieder vor, dass trotz des Waffenstillstandes Ungläubige unsere Schiffe angreifen und zerstören. Damit gehen zuweilen auch Nachrichten verloren. Offiziell gehören sie nicht zur Neuen Republik, zumindest behauptet Borsk Fey'lya das." Er lächelte. „Nun ja, man tut für den Frieden, was man kann. Oder auch gerade nicht."

Nom Anor musste schmunzeln ob dieses Wortspiels des Hochpräfekten. „Wäre es möglich, einen Villip vom Leiter jener diplomatischen Abteilung zu erhalten?"

Skell schenkte ihm ein nachsichtiges Lächeln. „Ich glaube, den müssten Sie bereits haben."

Nom Anor neigte den Kopf in Unverständnis. „Hochpräfekt?"

„Sie brauchen einfach nur Konsul Ash'ett zu kontaktieren, dann können Sie gerne mit ihm sprechen."

„Konsul Ash'ett?"

„Die Ernennung erfolgte vor einer Woche in einer Zeremonie hier auf dem Weltschiff meiner Domäne."

„Genau darüber wollte ich mit Ihnen sprechen", kam Nom Anor zu seinem Anliegen. „Wenn unsere Streitkräfte Ord Cantrell erobern sollten, dann würde ich als Konsul gerne in einem jener Landstriche meinen Dienst leisten."

„Von jener Welt habe ich noch nie gehört, aber ich freue mich immer über Vorschläge von tatkräftigen Zuarbeitern, wie Sie einer sind, Exekutor. Wenn die Reihe an Ord Cantrell kommt, so seien Sie versichert, dort an erster Stelle für neue Verwalterwürden zu stehen, Nom Anor."

Nom Anor neigte den Kopf, hoffend, dass der andere sich dieses Versprechens später auch erinnern würde. „Ich danke Ihnen, Hochpräfekt Yoog Skell."

Yoog Skell schenkte ihm ein weiteres echtes Lächeln. „Möge Yun-Harla Ihnen auch weiterhin gewogen sein."

Nom Anor brachte Seef den Villip wieder zurück. Ihr erbaulicher Anblick schwächte seine Wut nur mäßig ab. Die Wut darauf, wieder einmal übergangen worden zu sein. Er hätte es sein müssen, der sich jetzt im Ruhm sonnte, die neu geschaffene Stelle als Chefdiplomat der Yuuzhan Vong zu bekleiden, nicht dieser miese Intrigant Ash'ett! Und doch war jetzt der andere Exekutor Konsul geworden – und zudem eine Art Außenminister, so würde es die Neue Republik nennen. Überall Einladungen – neue, wertvolle Kontakte, weitere lukrative Mauschelgeschäfte – Anerkennung! Während er, Nom Anor, von Yoog Skell lediglich ein tatkräftiger Zuarbeiter genannt worden war. Skell hätte auch gleich nützlicher Idiot sagen können!

Er kehrte wieder zu seinem Büro zurück. Nein, Ash'ett würde er gewiss nicht anrufen, nachdem dieser ihn vor Tsavong Lah derart brüskiert hatte, aber später … später! Er schloss die Tür auf, und stellte fest, dass sie bereits offen war. Der mechanische Schließmechanismus, der auch ohne Energie funktionierte, drehte sich im Schloss, ohne dass dabei etwas klackte oder einrastete. Irgendjemand musste sich während seiner Abwesenheit daran zu schaffen gemacht haben. Noch bevor er weitere Überlegungen anstellen konnte, wurde die Tür nach außen hin aufgestoßen und Nom Anor wurde von einem grauen Blitz auf den Boden gedrückt. Zornige, gelbe Augen blickten in sein gutes Auge – ein kleiner, argentumfarbener Strahl fuhr von oben auf sein einziges, ihm verbliebenes Sehorgan zu.

Zu wenig Zeit, um den Plaeryn Bol zur Verteidigung vorzubereiten!

Im letzten Sekundenbruchteil gelang es ihm, seinen Kopf wegzudrehen, bevor die kleine, feine Attentäterwaffe seine Wange anritzte, ohne ihr eigentliches Ziel zu erreichen. Die Klingenspitze landete im grünen Moos vor der Tür und mit einem konzertierten Stoß beider Fäuste stieß Nom Anor den Angreifer von sich fort und war fast gleichzeitig wieder auf den Beinen. Der kleine, graue Mann war ebenfalls behände auf beide, nein, auf vier Pfoten gekommen und nun stob er auf allen vieren davon, so schnell, dass Nom Anor ihm in diesem Tempo nicht folgen konnte. Der Yuuzhan Vong zog seinen D11-Blaster aus einer Tasche seiner braunen Verwaltertracht, um den Einbrecher auf diese Weise zu stellen, doch gingen seine Schüsse ins Leere, verfehlten den angesichts des Blasterfeuers ins Zick-Zack-Laufen verfallenden Noghri nur knapp.

Zwei Krieger kamen herbeigeeilt, offenbar aufgeschreckt vom Lärm, den sein Blaster verursacht hatte. Schnell und unauffällig ließ Nom Anor die unzivilisierte Waffe der Ungläubigen in den verborgenen Taschen seiner Verwaltertracht verschwinden, so dass die Krieger sie nicht bemerkten.

„Es ist einer von Leias Noghri-Leibwächtern, der entkommen konnte", erklärte Nom Anor den beiden Männern. „Er ist in mein Büro eingebrochen. Und er ist bewaffnet."

Ein Krieger grinste. „Sind Noghri das nicht immer?"

Mit einem Achselzucken tat Nom Anor ab, dass der Mann schon ziemlich viel über diese Galaxis zu wissen schien. „Es muss verhindert werden, dass er den Planeten verlassen kann."

Sofort zückte der Krieger einen Villip und gab eine entsprechende Meldung durch. Nom Anor selbst begab sich zu jenem Platz, wo er seinen VCX-100-Frachter geparkt hatte. Das Schiff stand immer noch an seinem Platz, was schon einmal gut war. Aber so viel er wusste, waren alle Schiffe, mit denen damals Durgard Brarun und die ganzen anderen Verräter neben der damaligen Siedlung Gateway gelandet waren, bereits verschrottet wurden. Das würde bedeuten, dass der Noghri es entweder fertiggebracht hatte, sich mit einem organischen Schiff der Yuuzhan Vong davonzustehlen, oder aber, und diese Möglichkeit behagte Nom Anor genauso wenig: Der Noghri befand sich immer noch auf dem Planeten und lauerte auf eine weitere günstige Gelegenheit – wie gerade eben.

Es gefiel ihm nicht, zwei Krieger bei seinem Schiff zurückzulassen, aber er musste zurück in sein Büro, um zu kontrollieren, ob dort etwas fehlte. Als er schlussendlich dort eintrat, sah er, dass sein Computer angeschaltet worden war. Also hatte der Noghri es auf Daten abgesehen! Obwohl er seine Browserverläufe für Fälle wie diese konsequent vor dem Ausschalten löschte, konnte man nie wissen. Sein gutes Auge scannte den Schreibtisch und er bemerkte zu seinem Erschrecken, dass auch einige Datenträger fehlten, die er in der Sicherheit der massierten Truppen der Besatzungsmacht auf Duro offen auf der Tischplatte hatte liegen lassen.

Etwas Warmes rann über seine rechte Wange und er erinnerte sich wieder an das dünne Stilett, welches ihm jene Wunde zugefügt hatte. Und erst jetzt bemerkte er, dass sich ein schwarzes Rinnsal bereits einen Weg hinunter auf seine braune Verwaltertracht gebahnt hatte. Er riss ein Stück Moos von der Wand und betupfte damit die Wunde, um die Blutung zu stillen. Um seine Kleidung würde er sich später kümmern.

Und in diesem Moment realisierte Nom Anor, dass er in dieser Galaxis niemals unbeschwert und in Frieden würde leben können – nicht auf Coruscant, nicht auf Ord Cantrell, noch nicht einmal auf Duro, wo der Kriegsmeister seit dem grandiosen Sieg seines Volkes von vor einer Woche höchstpersönlich residierte. Der Spuk würde erst dann aufhören, wenn Coruscant erobert worden war.

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Irgendwo auf Coruscant

Peros Buckley schaute um sich. Es war niemand in der Nähe, der ihn und seinen Freund stören würde. Der Inhaber des kleinen Kiosks, der noch vorhin mangels Kundschaft vor seinem Laden gesessen und die Passanten beobachtet hatte, war gerade hinein gegangen, wohl nachdem er einen Anruf erhalten hatte, wie das penetrante Klingelgeräusch aus dem Inneren des Kiosks vermuten hatte lassen. Das angetrunkene Pärchen, dass küssenderweise durch die Straße zog, war außer Sichtweise getorkelt und auch der Gleiter der Streifenpolizisten war vor einer halben Minute genauso schnell wieder verschwunden, wie er gekommen war, um weiter seine Route abzuklappern. Die Luft war rein.

Kleytis Doomlin stieg die Leiter hinauf und entrollte das Plakat, von dem er nur noch die Unterfolie abziehen musste, um die selbstklebende Rückseite an der bislang nackten Permabetonwand andrücken zu können. Er zog die obere rechte Ecke jener Folie vom Plakat, platzierte jene Ecke des Plakats an der Wand und drückte den rechten Unterarm dagegen, um diesen für das Plakat requirierten Platz zu sichern. Von unten hörte er Buckley leise und vergnügt pfeifen.

„Spar dir das Gepfeife für später, wenn ich fertig bin, und guck dich lieber um", zischte er nach unten, dann wandte er sich wieder dem Plakat zu.

Weitere Partien der Rückseitenfolie wurden vom Plakat abgezogen. Jetzt klebte auch die linke obere Seite an der Wand fest – die spätere Position des Plakats war gesichert und ab jetzt war alles kinderleicht.

Kleytis zog die restliche Folie von der Rückseite und wischte nun mit beiden Unterarmen über das Plakat, bis keine Ecke und keine Falte mehr abstand. Er stemmte sich von der Wand fort und begutachtete, immer noch auf der Leiter stehend, sein Werk. Das rechteckige Plakat lag exakt waagerecht auf der grauen Wandfläche, wie er zufrieden feststellte. Bei ihrer vorherigen Aktion dieser Art vor gerademal zehn Standardminuten in der Nähe vom Monument Plaza war das dortige Plakat leicht schief geraten, aber da hatten sie auch nicht so viel Zeit gehabt, hatte Peros doch Gefahr im Verzug gemeldet. Kleytis stieg die Leiter wieder hinunter und klappte sie zusammen, um damit hinter seinem Schmieresteher zurück zum Gleiter zu gehen.

„Stopp!"

Die beiden jungen Männer rissen die Augen auf, sahen jedoch niemanden. Aber das währte nur einen Augenblick, dann erhoben sich drei Polizisten hinter dem abgestellten Gleiter. Sie mussten dort bereits gewartet haben. Wie hatten sie sie übersehen können? Kleytis warf Peros einen vernichtenden Blick zu.

Peros' schwarze Augen verengten sich. „Hör schon auf, so zu gucken, die waren doch sicherlich schon vor meinem Pfeifen da."

Einer der Polizisten nickte. „Genau. Und deshalb werden Sie jetzt auch woanders einsteigen."

„Hey, wir haben hier nur ein Plakat angeklebt", fauchte Doomlin. „Das ist eine freie, politische Meinungsäußerung!"

„Wäre es nur das", gab einer der blau uniformierten Polizisten zurück. „Aber Blasterschüsse auf Ackdools Gleiter und auf den Mon Calamari selbst abzufeuern geht doch weit über eine Meinungsäußerung hinaus."

Buckley riss die Augen auf. „Häh?"

„Sagt mal, hört ihr beiden keine Nachrichten oder tut ihr nur so?", höhnte ein anderer Polizist und wedelte mit seinem Schlagstock. „Wir haben Beweise und jetzt bewegt euch!"

Durch das vergitterte Fenster im hinteren Teil des gepanzerten Polizeigleiters konnten Doomlin und Buckley das frisch angeklebte Plakat bewundern.

Nom Anor bleibt unvergessen

Ackdool wird bezahlen!

Wieder Schwarz auf Rot. Und rechts unten der sauber geköpfte Astromech.

„Ihr werdet jetzt bezahlen", sagte einer der Polizisten durch das kleine vergitterte Fenster ins Hinterteil des Gleiters.

„Ja, sie werden das Plakat entfernen lassen", brummte Kleytis Doomlin finster.

„Dieser Fetzen wird in der Tat bald verschwinden", bestätigte der Polizist. „Aber leider wird man Nom Anor nicht so schnell vergessen – nicht mehr."

Die beiden Delinquenten schauten sich an.

„Er sagt das so komisch", meinte Peros Buckley zu seinem Kompagnon.

Kleytis Doomlin lehnte sich im Sitzen auf dem nackten Fahrzeugboden lässig an die Wand des Transporters und verschränkte die Arme hinter dem Kopf, als läge er unbeschwert in einer Sonnenliege am Strand eines Urlaubsparadieses. „Und wenn schon, ohne meinen Anwalt läuft hier eh nix. Hast du denn eigentlich schon einen Anwalt?"

Peros schüttelte den Kopf. „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Vielleicht kann deiner mich vertreten? Wir haben doch dieselben Interessen."

Kleytis schaute kurz vor sich auf den Boden. „Ich werde ihn mal fragen."

Der Rest der Fahrt verlief schweigend, bis sie die Polizeiwache erreicht hatten. Die beiden Delinquenten wurden in ein Wartezimmer gebracht, in dem ein großer Plasmabildschirm an der Wand hing, wo gerade die Nachrichten liefen. Doomlin warf Buckley einen skeptischen Blick zu.

„Setzen Sie sich bitte und warten Sie", sagte ein Polizist höflich und deutete auf eine Reihe Stühle, die rund um den Bildschirm gruppiert waren, aber Doomlin blieb an der Tür stehen und schaute den Polizisten abfällig von oben an. „Ich warte hier auf meinen Anwalt."

„Es wird etwas dauern, bis dein Anwalt hier ist", erwiderte der Polizist eine Nuance weniger höflich. „Und solange werdet ihr hier im Warteraum bleiben und die Holonet-News schauen."

Kleytis Doomlin grinste abfällig. „Was für ein Service."

Der Beamte lächelte zurück. „Wartet erstmal, bis ihr die Zellen eurer Untersuchungshaft seht."

„Hey, das dürfen Sie gar nicht!", rief Kleytis. „Nicht, bevor mein Anwalt …"

Die Tür schloss sich von außen und etwas klickte. Die Tür war also verriegelt und die beiden Verdächtigen schauten zur laufenden Holo-Konsole an der Wand. Eine blonde, menschliche Nachrichtensprecherin redete.

„ … es immer noch Widerstand gegen die Besatzer im Huttraum. Und wie erst seit heute bekannt ist, hat Nom Anor, der Anführer der Roten Ritter für das Leben auf dem Planeten Rhommamool, seinen Tod über diesem Planeten lediglich vorgetäuscht. Augenzeugen berichten, dass er sich damals nur als Mensch ausgegeben hatte. Nom Anor ist in Wahrheit jedoch ein Yuuzhan Vong, der zuletzt auf dem vom Feind eingenommenen Planeten Duro gesichtet wurde, wo er zur Tarnung eine Maske trug, die ihn wie ein Duros erscheinen ließ."

„Hmmm", machte Doomlin nachdenklich.

Ein gezeichnetes Phantombild wurde eingeblendet, das Nom Anor unverhüllt und mit der leeren linken Augenhöhle zeigte.

Nom Anor wird auch für die Aufstände auf Adumar, Neu Holgha und Ter Abbes verantwortlich gemacht, wo es ebenfalls sogenannte Rote Ritter für das Leben gibt", fuhr die blonde Nachrichtensprecherin fort zu verkünden.

Peros Buckley studierte die gelblichen Züge des Phantombildes mit den dunkelgrauen Tätowierungen, seine Stimme apathisch bis ausdruckslos. „Also das hätte ich jetzt nicht geglaubt."

„Was hättest du nicht geglaubt?", fuhr Kleytis ihn an. „Dass es sich nicht lohnt, für das Leben zu kämpfen? Nom Anor hat uns auf Rhommamool die Wahrheit gebracht!"

„Ähm, Nom Anor hatte uns damals versprochen, dass es uns besser gehen würde als Osarian", antwortete Buckley langsam. „Aber den Rhommamoolianern geht es jetzt dreckiger als je zuvor. Und den Osarianern geht es mittlerweile auch nicht mehr besser. Das ist nicht die Gleichheit, die ich mir vorgestellt habe."

„Das haben die Osarianer verdient!", rief Doomlin.

„Aber wir nicht."

„Aber du wirst doch dicht halten und nicht singen, oder?" Kleytis' braune Augen schauten das erste Mal an diesem Tage unsicher drein. „Gerade jetzt müssen wir zusammenstehen. Genauso einen Zwist wollen die Bonzen doch hier auf Coruscant."

Buckley hob beschwichtigend die Hände. „Natürlich werde ich denen nix sagen außer dem, was sie eh jetzt gesehen haben. Aber ich hab auch keine Lust, mir jede zweite Nacht damit um die Ohren zu schlagen, um irgendwo heimlich Plakate und Aufkleber anzubringen – immer wieder dasselbe – und das für einen Typen, der uns so dreist verarscht hat – schon seit neunzehn Jahren."

Doomlin beugte sich zu Buckley hinüber. „Hey, pass auf, wie du über Nom Anor redest, hörst du?"

Peros bewegte die Handflächen beschwichtigend auf und ab. „Er hat sich ein Jahr lang nicht mehr auf Rhommamool blicken lassen, da wird er es nicht eilig haben, mich jetzt dafür zu bestrafen."

Kleytis' ansonsten regelmäßige Gesichtszüge verzerrten sich in Zorn. „Nom Anor musste sich verstecken, nachdem die Neue Republik ihre Schergen nach Rhommamool geschickt hat. Und jetzt ist er eben wieder da. Und überhaupt – du bist erst siebzehn, wie also kann er dich seit neunzehn Jahren verarscht haben, hä?"

„Aber er ist gar kein Mensch, sondern ein Yuuzhan Vong."

„Und wenn schon. Sag mal, bist du von der Menschenliga von Thrackan Sal-Solo?" Kleytis stemmte die Arme in die Hüften. „Nom Anor hat uns die Wahrheit gebracht. Ansonsten wäre sein Volk nicht so siegreich."

Peros zuckte mit den Schultern. Ein leises Klicken kündigte das Öffnen der Tür an. „Mr. Doomlin, Ihr Anwalt ist da", sagte der Polizist von vorhin mit gestelzter Stimme und ein dicker, kleiner Mensch trat ein.

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Währenddessen auf dem Planeten Kuat in der Hauptstadt Kuat City

Master Dautzen Prillip war noch verschlafen, als die beiden Monteure an seiner Pforte läuteten.

„Sie sollten doch erst in drei Stunden kommen", brummte der bekannte Maler mürrisch.

„Es wird nicht lange dauern", versicherte der größere der beiden Handwerker.

Das Trio stieg in den Keller hinab, um das Objekt der Inspektion zu begutachten. Dautzen Prillip schloss die Tür auf, hinter der sich jener orangefarbene Zylinder befand, der die Villa Prillip mit Wärme versorgte.

Der eine Monteur drückte Knöpfe, holte ein Messgerät heraus und las damit Emissionen und Energieverbrauch ab; der andere – kleiner und etwas untersetzt – stand daneben und schaute zu.

„Und jetzt zeige ich dir den Druckregler", sagte der arbeitende Monteur zu seinem Kollegen. „Er wird gerade angelernt", erklärte er dem Kunden.

Zum Schluss der Wartung stand der große Monteur reglos neben dem Gerät und schaute angestrengt abwechselnd auf die Anzeigen und dann wieder auf das Display seines Messgerätes. „Ich muss jetzt einen Langzeittest machen", rechtfertigte er sein Tun vor dem Hausherrn, „das dauert jetzt etwa zehn Minuten."

Er wandte sich an seinen untersetzten Kollegen: „Du kannst schon mal zum Gleiter gehen. Hier gibt es nicht mehr viel zu sehen."

Dautzen Prillip spielte ungeduldig an seiner fetten Aurodiumkette herum, die er zum Schlafen nicht abgenommen hatte, und glotzte wie der Monteur mal auf die Anzeigen seiner Wärmepumpe, mal auf das Messgerät.

„Tja, Herr Prillip, Wartungen sind langweilig, aber notwendig. Sie haben aber auch ein sehr hochwertiges Gerät hier unten im Keller."

„Jaja", kam es teilnahmslos-genervt von dem Maler zurück.

Von oben konnte man hören, wie der kleinere Monteur die Haustür öffnete und wieder schloss.

Nachdem Master Dautzen Prillip den langen Monteur verabschiedet hatte, lief er sofort wieder in sein Bett zurück, entschied sich dann jedoch, dass er nicht mehr schlafen konnte. Also machte er sich frisch und fertig für den Tag und begann also, an seinem derzeitigen Bild zu malen, bevor er zur Vernissage fahren würde, um dort wie öffentlich angekündigt eines seiner bereits fertigen Bilder vorzustellen.

Keine drei Stunden später klingelte es erneut an der Tür. Ein Monteur stand davor. „Sie wissen ja Bescheid. Wärmepumpeninspektion."

„Ihre beiden Kollegen waren aber bereits hier."

„Davon ist mir nichts bekannt."

Es folgten Komlink-Gespräche mit der beauftragten Firma, die bestätigte, dass die Inspektion bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht stattgefunden hatte. Auf die Frage, wie denn die ominösen Monteure hießen, wusste der Maler keine Antwort. Ihn hatten noch nie die Namen von austauschbaren Dienstleistern wie Monteuren interessiert. Und die Unterschrift auf dem Formular, das ihm der Lange in die Hand gedrückt hatte, war absolut unleserlich. Diese zweite Inspektion lief so ähnlich ab wie die vorherige, mit einer Ausnahme.

„Tja, das war's dann. Alles in Ordnung", meinte der Monteur zufrieden.

„Und der Langzeittest? Für zehn Minuten?", fragte Dautzen Prillip misstrauisch.

Der Monteur zuckte mit den Schultern. „So etwas brauchen wir nicht."

In diesem Moment überlegte Prillip ernsthaft, ob er wirklich zu jener Vernissage fahren oder vorher doch lieber die Polizei alarmieren sollte, aber wer wusste schon, wie lange die Polizisten brauchen würden, um die Sache aufzuklären. Dann entschied er, dass er das immer noch nach der Vernissage tun konnte – falls denn wirklich etwas in seinem geräumigen Haus fehlen sollte.

Ronen Showolter wartete noch eine Viertelstunde, bis er sicher war, dass der Maler für seinen auswärtigen Termin auch wirklich sein Haus verlassen hatte, dann verließ er seine Deckung, einen Kleiderschrank in einem Gästezimmer, wie er es eingeschätzt hatte, damit er unbehelligt blieb.

Wäre der Computer des Malers derart gut mit Daten gefüttert gewesen, wie es die Computer der Zustellfirma KDL gewesen waren, dann hätte der Hacker Zakarisz Ghent die Suche nach Beweisen einer Verbindung von Pedric Cuf zur Senatorin Viqi Shesh auch aus der Distanz von Coruscant durchführen können, aber auch bei KDL war als Auftraggeber der Bildschenkung lediglich der bekannte Maler Kuats aufgetreten. Und offenbar gehörte Dautzen Prillip auch zu jener Art Leuten, die für die Führung ihrer Arbeits- und Einkommensnachweise noch immer Papierbögen nutzten, die in altmodischen Aktenordnern gesammelt wurden.

Einen solchen Aktenordner blätterte Showolter gerade durch. Die meisten Summen waren viel zu klein, um sein Aufsehen zu erregen, die erledigten Aufträge für jedes Jahr waren noch nicht einmal chronologisch sortiert, so dass der NRI-Agent wirklich jedes einzelne Blatt durchgehen musste. Aber auch dieser Ordner enthielt nicht, was er suchte, und es war der letzte dieser Art im Büro, den er noch durchzuschauen hatte.

Wieder nichts.

Niedergeschlagen starrte er auf den Computer, dessen Passwort Zakarisz Ghent von der Ferne geknackt hatte – ebenso nutzlos.

Sein Blick schweifte über den unordentlichen Schreibtisch und er ging die Flimsiplastfolien und Papierbögen ebenso durch wie die Akten vorhin. Und dann, nach einer halben Stunde Umschichten von einem Berg auf den anderen – lag plötzlich das schon arg verknitterte Papier mit dem Beweis in seinen Händen.

Tekshar Wasserfälle – 300 000 Credits – von Pedric Cuf für Viqi Shesh. Und keine Kopie dabei.

Hastig schob Showolter das wertvolle Dokument in seine Monteurtasche, dann verließ er das Büro, nicht ohne die Papierstapel auf dem Schreibtisch wieder einigermaßen so zu arrangieren, wie er sie vorgefunden hatte. Nach abgeschlossener Beweisaufnahme würde der NRI Prillip die Rechnung zurücksenden.

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Derweil auf Yavin IV

Vom Fenster ihres organischen Schiffes aus schaute Meistergestalterin Mezhan Kwaad dabei zu, wie die Leute von der Friedensbrigade in ihren hässlichen, mechanischen Schiffen versuchten, die Jedi einzufangen, die verzweifelt versuchten, den Planeten zu verlassen. Da war hoch droben ein großes Schiff, dass den Jedi von oben die Flanke deckte, und die Schiffe der Friedensbrigade mit Feuer beharkte, aber es waren einfach zu viele Schiffe der Verbündeten der Yuuzhan Vong, als dass diese Schützenhilfe von oben genügen würde, um den Jedi die Flucht zu ermöglichen.

Kurz dachte Mezhan Kwaad an ihre beiden vorherigen Versuchsobjekte, deren Namen der Wahrheitsrochen als Lomi Plo und Welk angegeben hatte, während die beiden Gefangenen selbst beharrlich geschwiegen hatten. Dieser Widerstand hatte sie beeindruckt, aber nicht das war es, was sie für ihre Forschungen brauchte. Widerstand war schön und gut, solange er der Sache der Yuuzhan Vong diente, aber die beiden Versuchsobjekte waren bereits zu alt und damit zu voreingenommen gewesen, um die Wahrheit zu erkennen. Also hatte Mezhan Kwaad sie vor etwa einem halben Jahr an ihren Meisterkollegen Yal Phaath abgetreten und überlegte, ob sie jetzt, wo die Jedi dort draußen so verzweifelt um ihr Überleben kämpften, vielleicht bereuen würde, die beiden älteren Machtnutzer hergegeben zu haben.

Das Große Auge zeigte ihr das Schiff, in dem die Jedi sitzen mussten. Rein äußerlich unterschied es sich nicht sonderlich von den Schiffen der Friedensbrigade, obwohl ihr geübtes Auge nach und nach durchaus Unterschiede zwischen den einzelnen Schiffstypen erkennen konnte.

Die Luke des bedrängten Schiffs ging auf und heraus sprang ein weißhaariger, alter Mensch, um in einer für sein Alter äußerst eleganten Dreipunktlandung auf dem Boden zu landen. Manche Sachen sind eben in allen Galaxien gleich.

Mezhan Kwaad hatte schon viele abenteuerliche Geschichten über Jedi gehört, aber welchen Sinn hatte es …? Das Schiff der Jedi hing eine Weile in der Luft, dann bekam es Auftrieb. Der Alte am Boden hatte seine Hände erhoben und obwohl die Laserkanonen der Schiffe der Friedensbrigade aus allen verfügbaren Rohren auf jenen schossen, kam unerklärlicherweise kein Schuss durch, sondern schien an einer unsichtbaren Kugel um ihn herum abzuprallen und unnütz hinter, neben und vor ihm zu krepieren. Schade, dass Nen Yim anderweitig beschäftigt ist. Sie sollte das hier sehen!

Rechts und links vom Schiff der Jedi kamen zwei Schiffe der Friedensbrigade näher, nur um plötzlich in der Luft hängen zu bleiben, als würde sie etwas daran hindern, noch näher zu rücken, um ihr Opfer zum Boden abzudrängen. Das Jedi-Schiff hielt seine Höhe, stieg jedoch nicht weiter auf, und die Meistergestalterin fragte sich, warum. Ihr dämmerte erst jetzt, dass der Alte nur deshalb nach unten gesprungen war, um ihnen von dieser strategischen Position aus mehr Deckung zu geben, damit sie fliehen konnten, und die Jedi wussten dieses noble Opfer nicht zu schätzen? Vielleicht würden die Jedi versuchen, auch diesen zu retten – gegen jede Chance. Würden sie irgendeinen Trick anwenden?

Ein Schuss ging durch die unsichtbare Kugel, die den Alten umgab, aber er hielt weiter seine Arme hoch, auch wenn er jetzt im Gehen taumelte, dann in die Knie ging. Angeknackste Jedi-Macht! Das Schiff der Jedi begann zu zittern, offenbar hatte es ebenso Treffer der Friedensbrigade kassieren müssen, doch der Alte lief nicht weg, und fiel mit immer noch erhobenen Armen gänzlich zu Boden. Das Schiff der Jedi hing noch eine Weile in der Luft, dann gewann es gehörig an Auftrieb. Die Beute floh. Endgültig.

„Diese unfähigen Ungläubigen!", entfuhr es ihr.

Der alte Jedi lag reglos am Boden und tot nützte er ihr höchstens zum Sezieren, aber da hatte es bereits andere, bessere Exemplare gegeben. Sie wollte sich gerade vom Großen Auge abwenden, als etwas Unerwartetes, Unverhofftes passierte. Die Luke des Jedischiffs öffnete sich ein weiteres Mal, und ein sehr junges Mädchen streckte ihre Hand nach draußen. Noch während Mezhan Kwaad überlegte, was das jetzt sollte, fiel die junge Menschenfrau nach unten, ruderte mit den Armen – und wirklich, ihr Sturz wurde abgefedert, so wie bei dem Alten zuvor, nur aus größerer Höhe. Sie sah die Schiffe der Friedensbrigade nach unten sinken, während sich das Mädchen über den Alten beugte, ihn rüttelte, versuchte, ihn hoch zu zerren. Dann ließ sie von ihm ab und richtete sich auf, die Arme in ähnlicher Abwehrbewegung wie der Alte vorhin weit von sich gestreckt. Entsetzte, aber auch entschlossene Augen schienen direkt von der anderen Seite des Großen Auges zu Mezhan Kwaad herüberzuschauen – und instinktiv wich die Meistergestalterin einen Schritt zurück. Konnte diese Jedi etwa …?

Mehrere Männer kamen von der Seite ins Bild – Menschen wie die Jedi. Sie packten das junge Ding – und erst jetzt traute sich Mezhan Kwaad, wieder vorzutreten und das Bild mit der lebendigen Linse des Großen Auges näher heran zu zoomen. Sie sah blonde, wellige Haare, die das Gesicht eines höchstens fünfzehn Jahre alten Teenagers umrahmten, der Körper schlank und durchtrainiert – genau die Art Material, das sie sich für ihre Forschungen schon lange gewünscht hatte.

Sie versetzte das Große Auge in den Ruhezustand und schaute aus dem Fenster, wo sie die Damutek-Samenkapseln sah, die sich schon bald in die Erde Yavin IVs bohren würden. Es würde nur ein paar Tage brauchen, bis die neuen Gestalterwerkstätten, die es so seit tausend Jahren nicht mehr gegeben hatte, da keine natürliche Welt vorhanden gewesen – genügend tiefe Wurzeln geschlagen und ihre volle Größe erreicht hatten. So lange würden sie noch im Schiff bleiben, das sie bereits so lange bewohnte, wie sie denken konnte.

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Zur selben Zeit auf dem Planeten Bimmiel im Äußeren Rand

Priester Harrar stand aufrecht inmitten seiner bewaffneten Eskorte, als die Gäste eintrafen. Direkt hinter ihm stand der degradierte Krieger Tsalok, der seit der Entfernung seiner Schulterhaken stets eine Art Harnisch an jenen Stellen trug, welcher in seiner wabenförmigen Struktur an den Panzer einer Schildkröte erinnerte.

Dem organischen Schiff entstieg eine Priesterin der Yuuzhan Vong, die er bislang nur dem Namen nach kannte. Das eckige Gesicht wurde von schwarzen Zöpfen umrahmt, die mit Knochenringen geschmückt waren, wie auch in den Löchern ihrer langgezogenen Ohrläppchen Knochenschmuck steckte. Sie war in ein hellbraunes Leinengewand gekleidet und hielt in ihrer Hand ein muschelartiges Gefäß – ihre Reisetasche. Hinter ihr kam ein Wesen aus der Einstiegsluke, dessen lilafarbenes Gefieder Harrar bestens bekannt war. Trotzdem begrüßte er zuerst die Priesterin.

„Priesterin Ngaaluh, es ist schon länger her, dass ich hier solch hohen Besuch empfangen habe."

„Ihre Ehrlichkeit in allen Ehren, Priester Harrar, mithilfe der Götter wird dieses Ihr Exil bald enden." Ngaaluh schaute zu ihrer Begleitung. „Wie mir meine Intima Vergere sagte, sind Sie bereits miteinander bekannt."

Harrar nickte höflich. „Lassen Sie uns in meinen Grashal gehen und dort beim Mittagessen alles weitere besprechen."

Sie gingen über ausgedörrten Grund, dessen aufgeplatzte Kruste wie ein Netz zu ihren Füßen lag, zu jener Grashalsiedlung und dort zum größten Schneckenhaus aus perlmuttartigem Material, worin ganz früher einmal wirklich eine Schnecke gelebt hatte.

„Ist es nicht eine Ironie der Geschichte", begann Harrar, als sie den Eingang der Behausung durchquerten, „dass die Schnecke, an welcher dieses Haus gewachsen ist, daraus vertrieben wurde, damit wir hier wohnen können? So dass die nun nackte Schnecke gezwungen war, sich eine neue Behausung wachsen zu lassen, nur, damit unsere Gestalter sie ihr erneut wegnehmen? Manchmal denke ich, ich bin auch nicht mehr als solch eine Schnecke, wurde ich doch von Obroa-skai hierher versetzt, um nun auch auf Bimmiel die Saat der Wahrheit unseres Volkes einzupflanzen."

„Das ist das Schicksal unseres Volkes seit langer Zeit", entgegnete Ngaaluh. „Und ich hoffe doch stark, dass Ihnen hier mehr Erfolg beschieden sein wird, als dem unglückseligen Mongei Shai, der vor vielen Jahren auf dieser Welt sein Leben ließ, nur um von wilden Tieren aufgefressen zu werden."

Sie setzten sich und zwei Krieger brachten die Speisen aus der Küche.

„Sie haben hier keine Bediensteten, sondern lassen die Krieger die Speisen zubereiten?", wunderte sich Ngaaluh.

„Irgendwann wird der Krieg vorbei sein und dann werden auch die Krieger zwischen ihren Trainingseinheiten ganz normalen Tätigkeiten nachgehen", erklärte Harrar und führte ein Glas mit einer orangefarbenen Flüssigkeit zum Mund. „Warum also nicht gleich damit anfangen, bevor diese Männer sich beginnen zu langweilen und auf dumme Gedanken kommen?"

„Ich habe gehört, dass Shedao Shais Großvater damals von sogenannten Schlitzerratten aufgefressen wurde", kam Ngaaluh wieder zu ihrem vorherigen Thema zurück. „Sind diese Tiere hier so ein Problem?"

„Nicht mehr", winkte Harrar ab. „Vorausgesetzt, man beachtete einige Dinge. Zum Beispiel sondert eine getötete Schlitzerratte einen Geruch ab, den sogenannten Stinker, der Artgenossen von jenem Ort fernhält. Die Gestalterin Mezhan Kwaad war so freundlich, diese Duftstoffe für uns zu reproduzieren, so dass wir die Biester mittlerweile noch nicht einmal mehr töten müssen, um den Rest ihrer Rudel abzuschrecken. Nichtsdestotrotz geben sie gute Trainingsziele für meine Krieger ab, während Mongei Shai zu jener Zeit allein und wohl auch sehr geschwächt gewesen sein muss, um derart zu enden."

„Ihr damaliger Planungspartner während der Operation Elan, Nom Anor, ist wieder zu großen Ehren in unserem Volk gelangt", schnitt Ngaaluh ein neues Thema an. „Ich persönlich glaube, Sie hätten eine ebensolche Chance verdient wie sie jener jetzt auf Duro bekommen hat."

„Fürs Erste bin ich damit zufrieden, auf diesem Außenposten meiner Priesterbestimmung zu folgen und darüber hinaus Informationen zu sammeln. Vielleicht mögen Sie mir ja dabei helfen."

Ngaaluh lächelte. „Wo immer ich von Nutzen sein kann."

„Auf dieser Welt wurde vor ein paar Wochen der Kommandant Tla getötet, der ebenso wie ich nach dem Fehlschlag der Operation Elan degradiert und hierher versetzt wurde. Seine Verletzungen weisen nicht auf Tierangriffe hin, und vor ein paar Tagen verschwand ein weiterer Krieger, und wir wissen nicht, ob er noch lebt oder was aus ihm wurde."

Die Gäste ließen sich weitere Einzelheiten erzählen, dann schmiedeten sie einen Plan.

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Das organische Schiff war auf Yavin IV gelandet, und nur ein paar Hundert Meter entfernt sah Mezhan Kwaad das Damutek, das ihr neues Zuhause sein würde, aus dem Boden sprießen. Die Meistergestalterin musste sich beherrschen, um nicht mit den Füßen zu wippen angesichts des Besuches, der ihr bevorstand. Eigentlich ging es ihr weniger um den Besucher, als vielmehr um das, was er ihr mitbringen würde.

Die organische Tür schwang auf und Kommandant Tsaak Vootuh kam herein, flankiert von seinen Kriegern. Die Schlitze, die der Kommandant in seine Wangen hatte schneiden lassen, bebten in Erwartung von Anerkennung und Lob, während er die Luft darüber hineinsog und wieder ausstieß, als wären es Kiemen.

Sein knappes Kopfnicken war für einen Krieger schon viel an Respekt gegenüber einer Gestalterin. „Wie Sie und der Kriegsmeister wünschen, Meistergestalterin – eine frische, junge Jedi."

Die Reihe der Krieger teilte sich, um Platz für zwei der Ihren zu machen, die eine Trage mit sich führten. Und auf dieser Trage lag das junge, blonde Mädchen, das vor kurzem noch versucht hatte, den Alten zu retten, die Augen fest geschlossen. Mezhan Kwaad trat heran und nahm eine Strähne des blonden, welligen Haares in ihre achtfingrige Gestalterhand. Weicher und seidiger als Yuuzhan Vong-Haar fühlte sich das an. Um wieviel weicher und empfindlicher als unserer wird wohl ihr Körper sein?

Sie lächelte den Kommandanten an. „Tsaak Vootuh, im Namen von Yun-Ne'Shel und meiner Kaste bedanke ich mich für Ihre wertvolle Zuarbeit. Möge Yun-Yammka Ihnen und ihren Mannen auch weiterhin gewogen sein."

Ein weiteres Nicken in ihre Richtung. „Es war mir eine Ehre, Meistergestalterin Mezhan Kwaad."

Die Krieger stellten die Tage neben ihr ab und verschwanden mit ihrem Vorgesetzten.

Sie befahl zwei Initiaten, die Gefangene ins Labor zu tragen, und wich ihnen derweil nicht von der Seite, bis sichergestellt war, dass die junge Jedi auch gut und ausbruchssicher verstaut war. Dann ging Mezhan Kwaad zum Quartier ihrer besten Adeptin, um ihr die Neuigkeit zu erzählen, allein Nen Yim war nicht dort.

„Sie ist draußen", klärte sie ein Initiat auf, der gerade vorüber kam.

„Draußen?", fragte sie den niederrangigen Gestalter, den sich noch für unwürdig hielt, ein Adept zu werden.

„Vor dem Schiff."

Mezhan Kwaad musste sich zügeln, nicht zu schnell zu laufen, um die Würde an den Tag zu legen, wie es sich für eine Meistergestalterin wie sie schickte.

Als sie endlich vor die organische Einstiegsöffnung trat, bot sich ihr ein ungewohntes Bild. Ihre Adeptin Nen Yim saß draußen auf dem braunen Boden von Yavin IV, hatte ihre Schuhlappen ausgezogen und ihre Zehen bohrten sich scheinbar lustvoll in die Erde. Ihre hellblauen Hände wühlten ebenfalls darin herum, führten einige Erdklumpen an die abgeschnittene Nase, um daran zu riechen. Die grünen Augen hatte die junge Yuuzhan Vong halb geschlossen, als würde sie träumen.

„Adeptin Nen Yim."

Die grünen Augen der jungen Frau schossen auf und schauten sie erschrocken an – genauso wie es die Augen der jungen Jedi kurz zuvor durch das Große Auge getan hatten. Jetzt erst erinnerte sich Mezhan Kwaad daran, dass sie grün gewesen waren – genauso grün wie die von Nen Yim.

„Adeptin Nen Yim, es schickt sich nicht, derart selbstvergessen auf der Erde zu sitzen und zu träumen, im Dreck zu wühlen. Dort drüben stehen unsere Wachen und beobachten Sie."

„Es sind nur Wachen und es ist ihr Job. Es gibt wichtigeres für sie." Die grünen Augen schauten kurz nach unten. „Verzeiht, Meistergestalterin, aber das hier ist eine echte Welt … ein echter Mond, meine ich. Es ist alles so … real und … vielschichtig – einfach überwältigend."

„Stehen Sie auf und kommen Sie, Adept", sagte die Meisterin. „Es wird Zeit für Sie, eine Hand zu erhalten, die Ihrer würdig ist."

„Jetzt schon?"

Mezhan Kwaad lächelte „Dass unser Volk endlich auf echten Welten landet, hat bereits lang genug gedauert. Und jetzt haben wir endlich auch einen jener Jeedai in die Gestalterfinger bekommen, um ihn zu untersuchen. Overlord Shimrra beobachtet sehr genau, was wir tun. Und wir werden ihn nicht enttäuschen."

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Kriegsmeister Tsavong Lah musste nicht lange warten, bis Viqi Shesh zu dem umgestülpten Villip eilte.

„Viqi", begann er, „unsere Zuträger von der Friedensbrigade haben uns von Tieren namens Vornskr erzählt, die in der Lage sind, Jedi aufzuspüren und zu jagen. Können Sie das bestätigen?"

Ihr Villip nickte. „Ja, Kriegsmeister, das ist richtig."

„Wo genau leben diese Tiere?"

„Nur einen kleinen Moment, Kriegsmeister", raunte Viqi in einem verschwörerischen Tonfall. „Ich bin gleich wieder da."

Für eine Weile fror Viqis Villip-Gesicht ein und Tsavong Lah nahm an, dass seine Informantin gerade eine ihrer technischen Scheußlichkeiten bemühte, um ihm die benötigte Antwort zu geben. Jedoch musste der Kriegsmeister nur eine kurze Weile warten, bis Viqis Gesicht auf dem Villip wieder zur gewohnten Lebhaftigkeit zurückkehrte. „Sie leben auf einer Welt namens Myrkr im Mittleren Rand."

„Viqi", schlug der Kriegsmeister auf einmal einen sehr vertraulichen Ton an, „vielen Dank für Ihre Hilfe. Dann werden wir aus der Friedensbrigade also eine Bissop-Patrouille machen."

„Eine was?"

Tsavong Lah gestattete sich ein knappes Grinsen angesichts ihrer Unwissenheit. „Bissops sind Spürtiere der Yuuzhan Vong. Und ich bin mir sicher, dass unsere Gestalter Großartiges mit Ihren Vornskrs anfangen können."

Die Senatorin schien über etwas nachzudenken, dann kehrte ihr Lächeln von vorhin zurück. „Ich danke Ihnen, Kriegsmeister. Darf ich Sie in diesem Zusammenhang auf die Belohnung ansprechen, die ich nach dem Sieg über die Neue Republik für meine Tätigkeit in Ihrem Dienst als angemessen erachte?"

Er stellte die langen Ohren an und da er nichts weiter sagte, redete sie weiter. „Sie brauchen für die neu eroberten Welten doch sicherlich neue Gouverneure und da sich meine Heimatwelt Kuat auch ohne einen Angriff von Ihrer Seite in Ihren Einflussbereich einfügen würde, da dachte ich ..."

„Es ist schon richtig, dass wir für die neu eroberten Welten einheimische Gouverneure haben wollen", erwiderte Tsavong Lah bedächtig, „und ich denke, bevor Sie einen Lim-Baum erklimmen, sollten Sie sicherstellen, dass die Äste, auf denen Sie emporklettern, Sie auch tragen können."

Für eine Mikrosekunde zuckten Viqis Mundwinkel in Protest, dann bekam sie den spontan aufgewallten mimischen Widerstand wieder unter Kontrolle. „Meinten Sie können oder wollen?"

„Ich meine, was ich sage", wies er sie zurecht, dann schenkte er ihr ein hartes Lächeln. „Aber wenn Sie es zudem noch bewerkstelligen, mir Jacen Solo zu bringen – lebendig und mit den nötigen Sicherheitsvorkehrungen – dann können Sie gewiss sein, dass der Posten, den Sie so heiß ersehnen, bereits auf Sie wartet."


Note der Autorin: In diesem Kapitel geht es unter anderem um Ereignisse der Buchreihe „Star Wars - Das Erbe der Jediritter", Bd. 7 „Anakin und die Yuuzhan Vong" von Greg Keyes (2004) sowie Bd. 2 „Die Schwarze Flut" von Michael Stackpole (2001) sowie Personen aus den Filmen „Star Wars VII – das Erwachen der Macht" (2015) und „Han Solo – A Star Wars Story" (2018).

*Klekket – Yuuzhan Vong-Zeitangabe für den Zeitraum von zwei Monaten