SveanJa, danacull & Miriel17
Daaanke für eure lieben Worte!
Frangolie
Freut mich, dass es jetzt besser klappt! Meine größte Angst war, ehrlich gesagt, dass Jillian nicht akzeptiert oder mit Bella verglichen wird. Ich hoffe, dass sie weiterhin gut ankommt :)
Melanie - Merci beaucoup!
_________________________________________________________________
Jillian.
Mit rasendem Herz sah ich, wie sie zu dritt auf den Jungen zustürzten, den ich so sehr liebte und den ich unbedingt beschützen musste. Ich rannte los, ich musste ihn sofort erreichen. Ich versuchte alles, um zu ihm zu kommen, aber ich spürte meine Beine nicht und statt ihm näher zu kommen, zerrte mich etwas nach hinten... ich wollte aufschreien, aber aus meinem Mund kam kein Ton. Starr vor Entsetzen merkte ich, wie die Hitze immer näher kam, ich merkte, wie sie sich an meinem Arm festkrallten... gleich würde ich-
"Jill, jetzt wach auf!", riss Lanas Stimme mich aus dem Schlaf und nach Luft schnappend fuhr ich hoch. Mein Herz hämmerte und ich drückte erschrocken meine Hände an die Brust.
"Du hast verpennt! Ich dachte, du bist schon auf, aber du hast einfach verschlafen!", sagte Lana vorwurfsvoll, aber mit einer gewissen Schadenfreude. Siedend heiß fiel mir wieder ein, dass ich den Wecker nur stellen wollte, bevor ich eingeschlafen war. Mist!
"Oh Gott, es tut mir Leid!", rief ich, schlug die Bettdecke zurück und sprang hoch. Leider blieb ich mit den Füßen hängen und fiel wie ein nasser Sack zu Boden. Ich stützte mich instinktiv mit den Armen ab und strampelte mit den Beinen die Bettdecke ab. Lana bekam einen ihrer Lachanfälle und musste sich an meinem Schreibtischstuhl abstützen, um nicht ebenfalls hinzufallen. Ich ignorierte ihr helles Gekicher und rannte ins Bad, wo ich mich in Rekordzeit duschte, cremte, frisierte, anzog und schließlich schminkte. Da ich zum Föhnen keine Zeit mehr hatte, rollte ich meine Haare nur schnell zusammen und versuchte, aus dem Wirrwarr einen halbwegs passablen Knoten zu formen. Ich musste ja sowieso die Haube anziehen und kämmen konnte ich mich dann in der Pause. Melissa hatte sowieso immer ihre Notfallutensilien in der Tasche, bestimmt war da auch ein Haarspray dabei.
Ich warf also mein Handy, meinen Geldbeutel und meine Bürste in meine Tasche, krallte mir den Autoschlüssel, zog meine Schuhe an und rannte dann ausnahmsweise mal Lana nach, die mich am Arm zog. Abwechslung muss sein, dachte ich trocken, und startete den Motor. In Lanas Augen standen immer noch die Lachtränen.
"Haha, sah das blöd aus.", brachte sie zwischen zwei Lachanfällen heraus und ich verzog den Mund.
"Schnall dich an, du Monster.", erwiderte ich und fuhr los. Da wir heute mehr als 15 Minuten zu spät waren, musste ich noch mit zum Sekreteriat, um ihr einen Verspätungsnachweis zu unterschreiben. Nachdem ich ihr noch Geld für Frühstück in die Hand gedrückt hatte - zum Brote machen war wirklich keine Zeit mehr gewesen - fuhr ich weiter zum Krankenhaus. Erst da fiel mir mein Finger wieder ein. Am Tag vorher hatte ich in der Notaufnahme lustigerweise Dr. Thompson wieder getroffen, der sich auch tatsächlich noch an mich erinnern konnte. Wir hatten ziemlich viel rumgeblödelt, während er einen Druckverband an meinem Finger anlegte und auch Melissa hatte sich in das Gespräch eingeklinkt. Danach hatte der Koch mich nach Hause geschickt. Heute würde ich vermutlich nichts schälen dürfen. Aber so schlimm war das nicht, wenn jemand eine blutige Verletzung hatte, bekam er immer Handschuhe an und musste entweder Gemüse in den Schneider werfen oder ab und zu die großen Kochtöpfe umrühren. Das würde ein lockerer Tag werden und außerdem war auch schon Donnerstag, bald war Wochenende.
Ich parkte schnell meinen kleinen Wagen, lief zum Haupteingang und von dort weiter in Richtung Küche. In der Umkleide zog ich den weißen Schürzenkittel an, drückte die Haube auf meine nassen Haare und legte meine Tasche in den Spind. Dann betrat ich die Küche und wie zu Erwarten gewesen war, warf der Koch mir gleich zwei Handschuhe zu. Ich gesellte mich zu Melissa.
"Wow, sie lebt.", begrüßte diese mich. Sie war dabei, die Teller vom Frühstück in die Spülmaschinen zu räumen und ich ging ihr zur Hand.
"Ja. Ach, es war gar nichtmal so schlecht, gestern so früh frei zu haben.", sagte ich und beim Gedanken daran musste ich sofort strahlen.
"Stimmt, du warst ja bei deinem Herzblatt. Wie war's? War er angemessen besorgt?", fragte sie. Ich rollte mit den Augen.
"Hör auf, der war total überbesorgt. Ist die ganze Zeit um mich herum geschlichen, als würde ich auf dem Sterbebett liegen. Er hat mir Schokolade ohne Ende gebracht und ist extra noch zur Videothek gefahren, um mir eine DVD auszuleihen. Süß, oder?", schmachtete ich vor mich hin und Melissa lachte.
"Ja, ist echt niedlich.", stimmte sie zu und warf zwei von diesen Reinigungspads in die Spülmaschine, bevor sie sie anschaltete. Dann fiel mir etwas ein.
"Ach Gott, heute Nacht hab ich vielleicht etwas bescheuertes geträumt." Einen kleinen Augenblick überlegte ich, ob ich ihr überhaupt davon erzählen sollte, immerhin kannte ich Melissa erst seit drei Monaten. Andererseits hatte sie auch meinen Astrotick gut aufgenommen und mich nicht als total gestört abgestempelt.
"Was denn?", erkundigte sie sich und sah mich neugierig an. Ich zögerte.
"Naja, weiß nicht. Ich träum das schon seit einiger Zeit immer wieder. Da ist ein Kerl, dürfte so in unserem Alter sein, aber gleichzeitig kommt er mir vor wie ein Kind. Er ist wegen irgendwas in... naja, in Lebensgefahr und ich will ihn unbedingt retten, aber ich kann mich nicht richtig bewegen. Ich will hinlaufen, aber irgendwas hält mich fest, ich kann nicht schreien und dann wird alles ganz heiß und ich wache auf. Es ist immer das gleiche.", erzählte ich und es hörte sich fast wie ein Geständnis an. Gleich darauf begann mein Gesicht zu brennen und ich drückte hastig auf den An-Knopf der nächsten Spülmaschine. Als ich wieder zu Melissa sah, sah sie nachdenklich aus.
"Komisch. Hast du mal in einem Traum-Deutungsbuch nachgeschaut?", fragte sie und ich schüttelte den Kopf.
"Eine Freundin meiner Mum ist Psychotherapeutin, die meinte, das wäre ein Stresstraum, sowas gäbe es öfter, wenn irgendwas großes bevor steht, wie z.B. mein Schulabschluss. Meistens war es auch so, aber im Moment hab ich nur frei und daher passt das eigentlich nicht. Außerdem kommt es mir immer ziemlich real vor. Aber naja, der Schrecken verfliegt immer wieder schnell und ich hab den Traum eigentlich auch schon länger nicht mehr gehabt." Melissa zuckte mit den Schultern.
"Vielleicht war das auch irgendwie deine Art, die Verletzung am Finger zu verarbeiten oder so. Wie geht's der eigentlich?" Wir sahen beide synchron zu meinem Finger, aber erkennen konnten wir nichts, da dieser ja im Handschuh steckte.
"Sah heute morgen ganz gut aus, als ich duschen war, ich hab ihn nochmal eingewickelt. Schien nicht mehr aufgebrochen zu sein, Dr. Thompson hatte ihn ja auch ganz schön zusammengequetscht." Melissa grinste breit.
"Oh, der war ein Schneckchen, was?", neckte sie mich und ich kicherte.
"Melissa! Der ist bestimmt schon über 30!", sagte ich, scheinbar entrüstet und sie lachte ebenfalls.
"Ja, schon ein richtiger Opa, was?" Ich wollte gerade etwas erwidern, als der Koch sich plötzlich neben uns aufbaute.
"Wenn die Damen mal nicht so viel quatschen, sondern arbeiten würden, würden wir viel schneller vorankommen und vielleicht wären diverse Körperteile dann auch noch unverletzt! Parker, kommen Sie mal mit, sie können dahinten den Knoblauch anbraten, den Löffel können Sie ja halten, oder?", sagte er missgelaunt und winkte mich mit sich. Ich verzog das Gesicht und folgte ihm dann brav zu der Pfanne, um den Knoblauch zu überwachen.
_________________________________________________________________
"Gott sei Dank ist der nicht schlecht drauf.", sagte Melissa, nachdem sie mich wie üblich gegen zehn aus der Küche gezogen hatte, mit einem Kopfnicken zum Koch.
"Du, ich kann ihn sogar verstehen.", antwortete ich nachsichtig und nahm meine Bürste aus dem Spind. Meine Haube zog ich ab und löste den Knoten.
"Oha.", sagte Melissa mit einem Blick auf meinen Kopf. Ich drückte ihr die Bürste in die Hand.
"Kannst du mir die Haare machen?", fragte ich. "Ich hatte heute morgen keine Zeit mehr zum Föhnen und hab deswegen nur den Knoten gemacht."
"Das nutzt nix, wenn ich sie dir jetzt mache, du musst die Haube ja eh wieder anziehen. Ich mach sie dir, bevor wir heute Mittag fahren, ja?", entgegenete sie und gab mir die Bürste zurück. Ich stimmte zu, machte mir wieder den provisorischen Knoten, betete kurz, dass mich auf dem Weg in die Caféteria niemand sah, den ich kannte und dann machten wir uns auf zu unserem wohlverdienten Kaffee.
"Sollen wir nichtmal kurz Dr. Thompson besuchen?", fragte Melissa, als wir uns wieder auf dem Weg zurück in die Küche befanden. "Dann kann er nochmal kurz nach deinem Finger schauen." Ich sah sie ungläubig an.
"Du stehst ernsthaft auf diesen Arzt?", fragte ich belustigt und sie streckte mir die Zunge heraus.
"Nein, der ist mir zu alt. Aber ich schau ihn gerne an." Ich schüttelte den Kopf. "Hey, ich bin Single, ich darf gucken.", lachte sie und aß den Rest ihres Donuts auf.
"Die haben doch viel zu viel zu tun, du hast doch gesehen, was da gestern los war. Meinem Finger geht's gut, da muss er nicht mehr nachgucken. Wir lassen die besser in Ruhe ihren Job machen.", erwiderte ich und Melissa zuckte mit den Schultern. Dann nicht, schien sie sagen zu wollen.
Den Rest der Zeit arbeiteten wir wieder an verschiedenen Stellen, ich rührte die Töpfe um, Melissa gab das Essen aus und schließlich räumte sie die Teller wieder in die Spülmaschine und ich wusch die Essenswägen ab. Um viertel nach drei hatten wir soweit alles geschafft und unsere Schicht war offiziell zu Ende.
"Ha, endlich frei, cool!", jubelte Melissa, als wir wieder am Spind standen. Zur Antwort warf ich ihr meine Bürste zu und sie griff grinsend nach ihrem Haarspray. Dann quetschen wir uns zusammen auf die Mitarbeitertoilette und Melissa bürstete und sprühte an mir herum, bis sie zufrieden war (was ziemlich lange dauerte...). Meine Haare waren nicht mehr so platt gedrückt und hingen auch nicht mehr schlaff herunter, im Gegenteil, sie wirkten richtig voluminös und wellten sich verheißungsvoll.
"Wow, toll. Danke! Das muss ich Marc zeigen, ich ruf ihn gleich an, vielleicht kann ich noch vorbeikommen!", freute ich mich und umarmte Melissa stürmisch. Ich war richtig begeistert von meinen Haaren.
"Warte nur, wie das erst wird, wenn wir dir morgen eine andere Haarfarbe verpassen. Ich hab da schon was im Auge.", sagte sie nur und schloss die Tür wieder auf. Wir gingen zurück in die Umkleide, nahmen unser Zeug und befanden uns keine Minute später in einem der Flure, von wo aus ich sofort Marc anrief. Als ich fragte, ob ich noch vorbeikommen könnte, stimmte er sofort zu und ich begann ihm von meinen Haaren zu erzählen.
"... die stinken jetzt zwar total nach Haarspray, aber dafür fallen sie voll schön.", sagte ich und in diesem Moment bog aus einem angrenzenden Flur direkt vor uns Dr. Thompson in unseren Gang ein.
"Na, die Stimme kenn ich doch.", begrüßte er uns und zwinkerte Melissa und mir zu, die sich sofort mit einem strahlenden Lächeln in Szene setzte. Ich lachte.
"Marc, ich muss Schluss machen, bis später.", verabschiedete ich meinen Freund, legte auf und grinste den Arzt an.
"Wie geht's deinem Finger?", erkundigte er sich und ich hielt meine Hand hoch.
"Ach, ganz gut, es blutet nicht mehr.", antwortete ich und steckte mein Handy weg. "Danke nochmal. Haben Sie schon frei?" Er schüttelte den Kopf.
"Nein, Carlisle und ich machen nur Pause, wir-", er stockte und sah sich suchend um. "Äh, Carlisle?", fragte er und blickte in den Gang zurück, aus dem er gekommen war, dann lachte er.
"Wieso bleibst du stehen? Schau mal, das sind Jillian und Melissa, sie arbeiten in der Küche. Jillian war gestern wegen ihrem Finger in der Notaufnahme.", erklärte er und zog einen blonden Mann neben sich. Ich starrte ihn an und bemerkte, dass auch Melissa ziemlich baff war. Wenn Dr. Thompson nach Blairs Definition heiß war, dann war - ich warf einen Blick auf sein Schild - Dr. Cullen super-mega-hyper-heiß. Er sah vom Boden auf zu Melissa und dann zu mir. Ich hielt unwillkürlich die Luft an, als ich in pures Gold blickte. Gott, wie konnte man solche Augen haben? Plötzlich verspürte ich das seltsame, drängende Bedürfnis zu ihm zu rennen und mich in seine Arme zu werfen. Es waren nur ein paar Schritte, ich musste nur hingehen und meine Hand ausstrecken und dann könnte ich ihn berühren...
Im nächsten Moment wurde mir klar, wie sehr ich stierte und schaute schnell zu Boden. Mein Gesicht brannte und ich war mir ziemlich sicher, dass es die Farbe von sonnengereiften, italienischen Tomaten annahm.
"Ja, äh...", sagte Dr. Thompson, der ein bisschen den Faden zu verlieren schien. "Naja, jetzt geht's dem Finger aber wieder gut.", endete er. Es entstand eine kleine Pause.
"Das freut mich.", sagte schließlich die melodischste, die sanfteste Stimme, die ich je gehört hatte und ich konnte nicht anders, als wieder nach oben zu sehen und Dr. Cullen anzustarren. Schon wieder dieser Drang, zu ihm zu rennen. Was war nur los?
"Naja, wir wollen Sie echt nicht aufhalten.", sagte Melissa und griff nach meinem Arm. "Wir müssen uns auch etwas beeilen, wir wollen noch ins Kino.", fügte sie hinzu und zog mich mit sich.
"Alles klar, dann viel Spaß ihr zwei. Ciao.", sagte Dr. Thompson vergnügt. Melissa winkte strahlend. Die beiden Ärzte sahen uns nach und ich bemerkte mit einer seltsamen Genugtuung, dass Dr. Cullen meinen Blick die gesamte Zeit erwiderte. Ich konnte erst wieder halbwegs klar denken, als wir um die nächste Biegung waren und ich ihm nicht mehr in die Augen sehen konnte.
"Ein Wunder, dass du ihn nicht aufgefressen hast. Es war auch gar nicht unauffällig, dass du die gerade die ganze Zeit über die Schulter zurückgestarrt hast.", sagte Melissa sarkastisch, als wir ins Freie traten. "Was war das denn?" Wie sollte ich das denn beantworten? Woher sollte ich denn wissen, was gewesen war? Ich hatte noch nie erlebt, dass meine Augen so an etwas festkleben konnten wie sie es gerade bei Dr. Cullen getan hatten. Ich hatte überhaupt nicht mehr wegsehen können.
"Weiß nicht.", ließ ich meine Standardantwort auf unangenehme Fragen ab und wechselte das Thema. "In welchen Film willst du denn?" Melissa rollte mit den Augen.
"Oh Jill, das war eine Ausrede. Ich fahr jetzt nach Hause. Viel Spaß bei Marc und bis morgen." Wir trennten uns und ich lief langsam zu meinem Auto. Marc, ach ja, genau. Ich war ja noch verabredet.
