Liebe littledragonfly, DEIN Severus ist es nicht, der in diesem Kapitel seinen dramatischen Auftritt hat – meiner ist es seltsamerweise GERADE – obwohl die beiden sonst erstaunlich deckungsgleich zu sein scheinen… nichts für ungut – und Ihr anderen Leser seit herzlich eingeladen, Euch über ihn zu beschweren ;) Oder so viel Spaß zu haben wie ich an diesem snapischen Theater…

Der Schwur

Caryn Donnerstag, 21.3

Das Labor war heute verschlossen. Mit klopfendem Herzen und trockener Kehle klopfte Caryn daher an die Tür zu seinem Büro. Wie war sie in diese Gefühle geraten? Er hatte doch NICHTS getan, sie zu ermutigen! Im Gegenteil! Warum kehrte sie nicht in ihre bequeme Haßbeziehung zurück, nachdem er ihr heute Morgen eine goldene Brücke dahin gebaut hatte? Was tat sie hier im Sumpf verzweifelten Sehnens nach einem Mann, von dem sie nicht einmal wußte, daß er existierte? Vielleicht WARENda nichts als Sadismus und Haß? War das freie Kind, das er früher einmal gewesen sein mußte, weil JEDER Mensch das gewesen war, abgetötet? Sein Kern, von dem sie annahm, daß er ihn mit seiner destruktiven Art schützte, schon lange gestorben? Vielleicht würde sie in seinen Augen für immer vergeblich nach einer Spur Wärme suchen…?

Severus

Er war unruhig. Snape! Mächtig, abgebrüht, von niemandem seelisch abhängig. Was war Caryn, daß sie ihn so fühlen ließ?! Auf ihr Klopfen hin sprang er von seinem Schreibtisch auf und stellte sich frei, davor auf, der Tür zugewandt, bewußt beide Füße belastend, so daß er aufrecht und scheinbar gelassen auf sie herabblicken konnte. Das Überraschungsmoment war auf seiner Seite, wie immer. Caryn würde so viel damit zu tun haben, seine für sie völlig unvorhergesehenen Worte zu entschlüsseln und daraus die Konsequenzen für sich zu ziehen, daß sie Snape garantiert nicht genau unter die Lupe nehmen würde.

Die Methode der okklumentischen mentalen Mauer gegen sich selbst anwendend, sammelte er sich und rief sie mit unbeteiligter Stimme herein.

Caryn

Überrascht fand sie sich sofort in seinen Augen wieder, als sie sein Büro betrat. Er stand dort vor seinem Schreibtisch und hatte sie, wie es schien, erwartet. Noch bevor sie hatte entschlüsseln können, ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen sei, begann er zu sprechen.

„Kommen Sie herein, Miss Willson, und schließen Sie die Tür. Ich möchte etwas mit Ihnen besprechen." Seine Stimme klang neutral. Indem er von seinem Platz aus die Tür mit einem satten Klang versiegelte, stieß er Caryn in ein Gefühl, als sei sie ihm in die Falle gegangen. Aufs äußerste beunruhigt fühlte sie sich von ihm mit einer ungewöhnlichen, intensiven Konzentration gemustert. Was wollte er von ihr?! In seinen folgenden Worten lag dann seine übliche Ironie, welche ihn so desinteressiert wie immer wirken ließ. „Aus der Art, wie Sie mich neuerdings ansehen, Miss Willson, schließe ich, daß Sie Interesse daran haben, die Nachsitzstunden auf eine gewisse andere Weise abzuleisten."

Sein Kinn war erhoben, seine Augen blickten von oben herab auf Caryn und hielten ihre jetzt kalt und abschätzend fest. Zuerst verstand sie nicht. Verwirrt erwiderte sie seinen Blick. Sie wäre auch gar nicht in der Lage gewesen, ihre Augen aus seinen zu entfernen.

„Wie bitte?" stieß sie hervor.

„Sie haben mich schon verstanden", fuhr er emotionslos fort und entließ sie aus seinem Blick. Er ging um den Schreibtisch herum und ließ sich auf seinem Stuhl nieder. Caryn war ihm mit den Augen gefolgt und fragte sich kurz, warum sie keinen Fluchtimpuls verspürte. Jede einzelne Faser ihres Körpers einschließlich des Kopfes war von diesem Mann dort gefangen, welcher gerade im Begriff war, ihr sechs Jahre lang gewachsenes Weltbild an einem einzigen Abend wegzuwischen. Und sie war außerstande, weglaufen zu wollen?!

Er hatte sich entspannt zurückgelehnt, seine Arme vor der Brust verschränkt und betrachtete sie mit nun unverhohlenem Interesse.

„Ich möchte nur das Prozedere weniger langwierig und langweilig gestalten. Die Zeit, die wir verschwenden würden, umeinander herumzustreichen, könnten wir effektiver nutzen", sagte er wie nebenbei.

Caryn wagte nicht zu entschlüsseln, wie sie seine Worte deutete. Sie mußte da einen Fehler gemacht, etwas falsch verstanden haben... Aber der Alptraum ging weiter. Jetzt war er die pure Überheblichkeit.

„Sie irren sich, wenn Sie sich für die einzige Schülerin halten, die verrückt genug ist, sich in mich zu verlieben. Das kommt gar nicht mal so selten vor. – Überrascht?"

Er fing ihre Augen wieder ein. Zog spöttisch seine Augenbraue hoch und senkte das Kinn ein Stück. Caryn war zu perplex, um Scham zu fühlen. Und die geschäftsmäßige, routinierte, beinahe beiläufige Art, in der Snape seine Worte vortrug, so als rede er über irgendwelche Nachhilfeunterrichtsregelungen, tat das Ihrige, um sämtliche normalen Gefühlsreaktionen bei ihr im Keim zu ersticken. Ein irreales Traumgefühl ergriff sie stattdessen. Sie mußtegleich endlich aufwachen, sie wollte aufwachen...

„Was... reden Sie da?" preßte sie heraus.

„Selbst wenn ich nicht Legilimentik zu Hilfe nehmen könnte, bestünden keine Zweifel, was die Beweggründe für die Blicke angeht, die Sie mir zuwerfen. Nun, wenn Sie also mit mir schlafen wollen, so werde ich die notwendigen Vorkehrungen dafür treffen."

Seine ruhige, fast beiläufig klingende Stimme füllte den Raum wie Caryns Kopf bis in den letzten Winkel. Stocksteif stand sie an der verschlossenen Tür zu ihrer bisherigen Welt und hatte ihren langjährigen Lehrer mit weit aufgerissenem Mund angestarrt. Jetzt schloß sie ihn. Und schaffte es endlich, den Blick von ihm abzuwenden.

„Desillusioniere ich Sie?" fragte er überzogen mitleidig. Jetzt trat die gewohnte sarkastische Herablassung überdeutlich in seine Stimme. Allerdings hatte Caryn noch nie zuvor erlebt, daß er diese Herablassung auch auf ihn selbst bezog. Er sprach mit einer erbarmungslosen Selbstironie, die Caryn um ein Vielfaches tiefer traf als sein verletzendes Verhalten speziell gegen sie heute im Unterricht. Seine Art, mit sich selbst umzugehen, trieb ihr die Tränen der Verzweiflung in die Augen.

„Oh, ich verstehe", spottete er mit theatralischer Stimme und mit dem dramatischen Gebaren eines Schauspielers. „Sie lieben mich!"

Er hatte sich erhoben und schritt wieder um den Tisch herum, bis er wenige Zentimeter vor ihr zum Stehen kam. Caryn konnte den Abstand zu ihm nicht vergrößern, da sie jetzt mit dem Rücken an der Tür lehnte.

Er zog die linke Augenbraue hoch. „Das, nicht wahr?"

Er hob seine offenen, gespannten Hände. „Und das. Und.... ich brauche nur einen Vortrag über Zaubertränke zu halten..." Er ließ seine Stimme leise und seidig durch den Kerkerraum kriechen. „Schon sind Sie feucht...."

Er lachte. Nicht wirklich. Ließ sie nicht aus den Augen. Caryn hatte vor Scham die ihren geschlossen.

„Ja, Miss Willson, da kann man noch so häßlich, bösartig und grausam sein: Es gibt immer wieder Mädchen, die DARAUF hereinfallen."

Caryns Hals war zugeschnürt. Selbst wenn sie gewußt hätte, was sie hätte antworten können, wäre aus ihrem Mund kein Ton gekommen. Snape hatte dieses Problem offensichtlich nicht. Sein gnadenloser, alles verachtender Zynismus schlug sich in dramatischer Ironie nieder:

„Nein, sagen Sie, er spielt eine ROLLE! Er zeigt uns nicht sein WAHRESIch. Er ist zu kaputt. VERLETZT. Da ist doch das dunkle Geheimnis in seiner Vergangenheit.... ABER ICH ALLEIN KANN IHN HEILEN! – So denken Sie, nicht wahr? Miss Willson…?!"

Er streckte eine Hand nach ihr aus, faßte unter ihr Kinn und zwang ihr Gesicht in seine Richtung. Die Berührung raubte ihr sämtliche Kontrolle. Verzweifelt und vergeblich versuchte sie, seinem Griff zu entkommen; das einzige, was sie tun konnte, sich vor ihm zu schützen, war, ihre Augen geschlossen zu halten. Er lachte schnaubend. Stieß mit jedem einzelnen Laut auf sie beide ein wie mit Messern.

„Ich bin Todesser gewesen. Ich habe Menschen umgebracht. Gefoltert. Vergewaltigt. Halten Sie so etwas allen ernstes für ROMANTISCH?!" Er brachte sein Gesicht näher an ihres heran. „Egal was ich getan habe und egal wie widerwärtig ich mich gebe: In mir ist der fürsorgliche, liebevolle, treue Ehemann und Familienvater verborgen, nicht wahr? Sie KÜSSEN mich, und ich verwandle mich mit einem Knall wie in einem Muggelmärchen in Ihren Traumprinzen. UND DANN LEBEN WIR GLÜCKLICH BIS AN UNSER ENDE!"

Snapes Spott verhallte im großen steinernen Kerker. Er schien nicht einmal außer Atem zu sein. Ließ sie los und dort stehen. Caryn hörte seine Schritte sich von ihr entfernen und wagte, die Augen wieder zu öffnen.

„DAS ist es, was eine Figur wie MICH für unzählige junge Mädchen attraktiv macht", schloß er, in diesem Moment nur... müde – was ihn dennoch nicht davon abhielt, sie intensiv von seinem neuen Standpunkt aus zu beobachten, welcher sich nun in einigem Abstand zu ihr befand. Diese resignierte Müdigkeit war es, die Caryns Kopf erreichte, die sie aus ihrer Starre befreite. Ihr Denken regte sich wieder, und ihr Stolz erwachte aus seiner Ohnmacht. Noch immer spürte sie die schwarzen Augen dieses Mannes auf sich, und sie machte sich nicht die Illusion, daß ihm auch nur eine Kleinigkeit in ihrem Mienenspiel entging. Also riß sie sich zusammen, sammelte sich und hob ihre Augen wieder in seine.

„IST DAS IHR ERNST?!"

„Daß Sie mit mir schlafen können?" fragte er ohne jede wahrnehmbare innere Beteiligung. „Ja, das ist mein Ernst. Kommen Sie."

Er streckte seine Hand in ihre Richtung.

„Äh... ich meine, ALLES, was Sie da eben gesagt haben..."

„Was denken SIEdenn?" fuhr er sie an.

Er machte einige Schritte zu seinem Schreibtisch, so daß er unmittelbar hinter ihm stand, seine Hände umgriffen die Rückenlehne seines Stuhles. Dann mimte er einen überraschten Gesichtsausdruck und schlug sich mit der Hand an die Stirn.

„Aber NATÜRLICH!" rief er triumphierend, als sei ihm endlich die Lösung eingefallen, nachdem er zuerst den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen habe. „Sie meinen, ich versuche, Sie davon abzulenken, daß ich Ihre Liebe unsterblich erwidere, aber denke, ich hätte nicht verdient geliebt zu werden", lamentierte er theatralisch, mit grausamer Ironie versetzt, Caryn noch immer unbarmherzig fixierend. „Und jetzt verletze ich Sie, und wenn Sie das aushalten, erkenne ich, daß SIEes wert sind. Und öffne mich AUSSCHLIEßLICHIhnen. FÜR IMMER!"

Er machte eine erwartungsvolle Pause mit einer ausladenden Geste, als hätte er ein Kaninchen aus einem Muggelzylinder gezaubert und erwarte nun den Applaus dieser Untermenschen. Dann beugte er sich über seinen Schreibtisch, stützte sich mit seinen Händen auf der Tischplatte ab, so daß sich ihre beiden Gesichter auf einer Ebene befanden und sagte mit ausschließlich sachlicher Stimme, zum ersten Mal, seit sie ihn kannte, wirklich ohne jede Spur von Ironie:

„Miss Willson, wir vergeuden nur unsere Zeit. Ich versichere Ihnen: Ich bin ausschließlich das, was Sie von mir kennen. Und uns beiden ist klar, daß Sie DAS gewiß NICHT lieben. Ebenso wenig, wie ICH SIEfür etwas Besonderes halte. Aber Sie haben einen annehmbaren Körper, ich ebenfalls, denke ich. Da die letzte Schülerin zugegebenermaßen bereits eine Weile zurückliegt..., schlage ich vor, Sie überlegen sich die Sache. Wir werden den Unbrechbaren Schwur ablegen, damit ich nicht der Schule verwiesen werde oder gar in Azkaban lande, und dann steht dem einen oder anderen Schläferstündchen nichts mehr im Wege."

Die Schonungslosigkeit seiner Worte gegen sie, wie auch gegen sich selbst – in Verbindung mit dem völlig untypischen Fehlen sämtlichen Sarkasmus' darin – schockierte Caryn mehr als alles, was er ihr vorher mit dem Ziel, sie zu verletzen, an den Kopf geschleudert hatte. In diesen Worten hatte er sich ihr zum ersten Mal direkt, unverstellt gezeigt. Aber zu gleicher Zeit ließ er sie nicht im mindesten an sich heran. Das, WAS er sagte, machte ihn um ein Vielfaches unantastbarer, auch ohne die distanzierende Art, mit der er normalerweise redete. Dieser Widerspruch verwirrte Caryn noch mehr.

Sie mußte nachdenken. Sie WOLLTE ihn ja. An ihn herankommen. An IHN. Konnte all das, was er gesagt hatte, wirklich wahr sein? GABes ihn nicht? Den WIRKLICHEN Snape hinter dieser grausamen Fassade? Dem sie nah sein wollte. IHN LIEBEN. Von dem sie sich wünschte, daß er sie ansehen sollte, sie kennenlernen, sie irgendwann auch lieben. Er behauptete, daß dieser Mensch nicht existierte. Andererseits hatte sie noch nie das Gefühl gehabt, ihn so unverfälscht hinter seinem Zynismus erkennen zu können. DAS WAR ER DOCH! Auch wenn er sich unerreichbar gab: Sie hatte ihn doch SEHENkönnen!

Der Meister der Zaubertränke richtete sich auf und verschränkte die Arme in seiner charakteristischen, wohlbedachten Weise vor seiner Brust.

„Wenn Sie vorhatten, jungfräulich in die Ehe zu gehen, kann ich leider nichts für Sie tun. Ich werde Sie zu diesem Zweck nicht heiraten, Miss Willson."

Diesen Rückfall in seine übliche Art empfand Caryn als wohltuend vertraut. Zumal sein Ton geradezu freundlich gewesen war. Sie nahm all ihren Mut zusammen.

„Ich...", sie holte noch einmal Luft, „... liebe Sie, Professor. Und ich... würde gern mit Ihnen schlafen, aber noch nicht... so schnell."

Snape schien, gelinde gesagt, beeindruckt. Anscheinend brachten nicht viele dieser Schülerinnen – von denen sie nichts geahnt hatte! – den Schneid auf, ihm ins Gesicht zu sagen, was sie von ihmwollten. Caryn selbst hätte jetzt jedoch auch beinahe die Flucht ergriffen vor ihrer eigenen Courage. War sie verrückt geworden?!

Soeben zuzusagen, Sex mit ihm haben zu wollen?! Mit Snape, dem sie nicht das Mindeste bedeutete? Der sie niemals an sich herankommen lassen würde, der sie mißbrauchen wollte, verachten, wie er sich selbst verachtete?

Dennoch war sein Angebot verlockend. Nicht daß sie bisher weitergeträumt hätte, als von ihm erwählt und geküßt zu werden. Und so attraktiv sie ihn fand: Ihm wirklich NÄHER zu kommen, schien ihr trotz allem unglaublich beängstigend. Aber versuchen MUßTE sie es! Das war ihre einzige Chance, diesen Mann, in den sie verliebt war, vielleicht wirklich kennenzulernen! Eine zweite würde er ihr nicht geben! Snape entgegnete kalt:

„Ich stehe auch nicht für eine langsam sich anbahnende Freundschaft zur Verfügung, tut mir leid. Außerdem werde ich entweder – im Falle Ihrer Ablehnung – gleich Ihr Gedächtnis verändern, damit wir uns in Zukunft nicht in die Quere kommen werden. Oder wir werden den Schwur ableisten und... eine Zeitlang wenigstens ein bißchen Vergnügen miteinander haben."

Wie klang das denn?!

„WENIGSTENS EIN BIßCHEN VERGNÜGEN?!"

„Ich gehe davon aus, daß Sie noch nie Sex hatten?" erkundigte er sich beiläufig und rein rhetorisch. Caryn hatte sich mittlerweile an diese Konfrontationsmethode gewöhnt und zuckte kaum noch mit der Wimper.

„Nein."

„In dem Fall dauert es wahrscheinlich eine Zeit, bis Ihr Körper gelernt hat, die sexuellen Reize angemessen zu verarbeiten. Bis Sie es als Vergnügen empfinden können."

Er ließ sich wieder auf seinem Stuhl nieder. Caryn schob sämtliche verwirrende Unsicherheit beiseite und konzentrierte sich auf sachliche Fragen. Außerdem war ihr eben schon gelungen, ihn damit zu beeindrucken.

„Wie lange gilt denn ein solches... Arrangement gewöhnlich bei Ihnen?"

Wieder blickte Snape Caryn beinahe bewundernd an. Er hatte offenbar nicht damit gerechnet, daß sie sich auf seine Ebene würde begeben können. Die Genugtuung, die ihr diese Erkenntnis bereitete, ließ sie sich um einiges stärker fühlen.

„Das hängt davon ab, wie lange es Spaß macht. Und davon, wann die Frau aufhört, nach meinem vermeintlichen wahren Ich zu suchen."

„Sie brechen die Beziehung ab, wenn sie aufhört, danach zu suchen?" rutschte ihr entgeistert heraus. Er lachte schallend. Irritierend.

„Nein, die FRAUbricht sie ab! Weil die wenigsten es ertragen, mit einem Mann zu schlafen, ohne daß der sie liebt. Oder zumindest ihr als einmalig begehrenswertem Individuum VERFALLEN ist."

Severus

Dieses Mädchen übertraf seine kühnsten Erwartungen. Ungebeugt stand sie weiterhin vor ihm, nachdem er sein gesamtes Repertoire an zynischen Grausamkeiten abgespult hatte und… diskutierte mit ihm?! Ohne ihm ihre Verletzlichkeit zu zeigen – und sie WARverletzbar, das hatte er heute Morgen im Unterricht bewiesen.

„Ihnen ist völlig egal, WERsie ist?"

Da war sie. Die Frage nach IHRER persönlichen Rolle in dieser Affaire. Da waren doch alle Frauen gleich. Alle wollten sie geliebt werden. Etwas Besonderes sein. Auch diejenigen, die an dieser Stelle des Gesprächs noch nicht geflohen waren. Früher oder später (also vor einer sexuellen Beziehung oder währenddessen) scheiterten sie alle an diesem Punkt. Aber Caryn war stark. Das hatte sie bereits gezeigt. Caryn würde kämpfen. Was ihm keinen Spaß machen würde. Oder…? Er kämpfte den Anflug von Stolz auf diese Frau nieder, der sich in ihm geregt hatte, und holte zum nächsten Schlag aus:

„Ich werde mich an keinen Menschen binden."

„Ist Ihnen egal, wer jetzt hier steht?"

„Sie wollen von mir geliebt werden. Vergessen Sie es."

„Es würde mir reichen, wenn Sie MICH wahrnehmen würden."

Er zog beide Augenbrauen hoch und wiegte den Kopf.

„Das glaube ich Ihnen nicht."

In ihre Stimme wurde Eifer hörbar, wie er ihn von ihr kannte, wenn sie sich über etwas äußerte, das ihr wirklich am Herzen lag. Jetzt war ER dieses Etwas…

„Ich hatte nie erwartet, daß Sie mich lieben könnten. Aber ich möchte, daß Sie mich kennenlernen. Mit mir sprechen. Sich für mich interessieren."

Er durfte sich nicht einwickeln lassen von ihr. Mußte in seiner Rolle bleiben. Unbeteiligt. Unverletzbar.

„Ich sagte Ihnen bereits: Ich stehe für eine Freundschaft nicht zur Verfügung."

„Warum nicht?" Sie wollte das wirklich wissen!

„Weil ich mit Ihnen schlafen will."

MERLIN! WAShatte er da gesagt? Das war nicht SEIN Text in diesem Schauspiel! Verdammt, Severus, was ist in Dich gefahren?!

„Was?!"

Ihr war nicht entgangen, was er da von sich gegeben hatte. Was tat diese Frau ihm an? Die noch immer unbeugsam vor ihm stand, nicht von der Stelle wich, ihm ihre Stirn bot mit ungebrochenem Stolz? Ihm ihre BEDINGUNGEN darlegte. Er konnte und wollte mit niemandem befreundet sein! Freundschaft hatte zur Voraussetzung, daß beide sich mochten. IHN KONNTE NIEMAND MÖGEN! An dieser Stelle erklärte er normalerweise die technischen Zusammenhänge mit dem Gedächtniszauber!

„Sie haben mich gehört."

Mehr fällt Dir dazu nicht ein, Severus?!

„Warum wollen Sie... mit mir schlafen?"

Natürlich! Mit seiner Unzurechenbarkeit hatte er ihr eine Macht gegeben, die sie jetzt eiskalt ausnutzte. Eiskalt? Er sah in ihr Gesicht, und ihre Augen hatten nach ihrer unverfrorenen Frage wieder den Ausdruck von heute Morgen angenommen... Ihre Verliebtheit hatte seine Folter hier tatsächlich unbeschadet überstanden?! Wie stark sie war! Und plötzlich erschien ihm diese Stärke nicht mehr bedrohlich. Er konnte sich nicht helfen, sie gab ihm vielmehr das Gefühl, als könnte Caryn möglicherweise doch stark genug sein.... IHNzu erkennen. Und TROTZDEM ihn SO anzusehen.... Er hatte den Faden seiner Manipulationen verloren. Würde einfach ehrlich antworten. Leisten konnte er sich das, immerhin hatte ER in diesem Dialog die Macht. HATTE nicht ER SIE nicht verletzen können heute Morgen?! Was vergab er sich?

„Weil Sie gerade in mich verliebt sind. Weil ich Ihren Geruch angenehm finde. Weil ich Ihren Körper ansprechend finde. Weil Sie keine überkandidelte Schönheit sind. Weil Sie intelligent sind. Keine alberne Zicke. Weil sie ähnlich einsam sind wie ich." Weil ich Dich schon so lange ansehe... GENUG! Jetzt brauchte er aber schleunigst seine vertraute sarkastische Distanz! „Habe ich etwas vergessen?"

Zufrieden nahm er seinen schneidenden vor arroganter Herablassung strotzenden Tonfall wahr. Glücklicherweise konnte Caryn nicht ahnen, daß in der Vergangenheit der EINZIGE Grund, sich mit einem Mädchen einzulassen, die Tatsache gewesen war, daß dieseihn gewollt hatte. Daß ihm alle anderen ihrer Eigenschaften absolut gleichgültig gewesen waren.

In dieser Gegenwart starrte Caryn ihn wiederum entgeistert an.

Was willst Du denn noch, Mädchen! Dies ist eine Einladung auf einem goldenen Tablett, die vor Dir noch keine erhalten hat! Die mir mein Selbstvertrauen nehmen müßte, daß ich mich so weit herabgelassen habe! Aber aus irgendeinem teuflischen Grund ist es mir egal. Und das wiederum müßte mich dazu bringen, schleunigst das Weite zu suchen, anstatt hier auf Dich zu warten wie ein Bräutigam vor der Hochzeitsnacht!

„Kommen Sie, ich bin schon sehr weit auf Sie zugekommen. Daß Sie immer noch hier stehen und mit mir sprechen, beweist, daß sie es auch wollen. Worauf warten Sie? Schwören Sie mir, daß Sie niemals einer dritten Person mündlich oder schriftlich von unserem Arrangement berichten."

„Ich schwöre."

„Nicht so. Wir brauchen unsere Zauberstäbe. Ich habe eine Variante des Unbrechbaren Schwurs entwickelt, bei dem kein Dritter anwesend zu sein braucht. Extra für diese Zwecke. Sie wissen, was unbrechbar bedeutet?"

„Daß ich sterben muß, wenn ich unser Geheimnis jemandem verrate?"

„Genau. Sind Sie bereit?"

Ein weiteres Mal ging er zu ihr hinüber.

„Moment. Was ist, wenn Sie es sich anders überlegen, und wir heiraten? Müßte ich dann auch sterben?"

Er lachte laut. Sie war wirklich witzig!

„Das wird nicht nötig sein, weil ich Sie ja, wie ich Ihnen versichere, nicht heiraten WERDE. – Aber wenn Sie mir versprechen, daß Ihr Einwand nicht bedeutet, daß Sie mich in diesen anderen Mann verwandeln wollen, könnten wir von mir aus den Text ein Stück weit abändern."

Was war nur los mit ihm? War er so scharf auf sie, daß er das Gefühl hatte, alle möglichen Zugeständnisse machen zu müssen? – Aber das war es nicht. Außerdem erwartete sie diese Zugeständnisse noch nicht einmal. Er machte sie ihr trotzdem.

Ihr zuliebe. Weil es Dir Spaß macht!

Bei Merlin, wie sollte das noch enden?!

„Es sollte möglich sein, daß ich den Schwur lösen kann, indem ich bestimme, den Geheimnisstatus aufzuheben." Er gab vor, sich fürsorglich darum zu bemühen, es ihr recht zu machen. Legte sogar den Kopf schief, um seine Augenbraue in ihrer Funktion zu unterstützen. „Ist das in Ihrem Sinne?"

Caryn hatte die Unverschämtheit, seine Ironie schlicht zu übergehen. Ernsthaft nickte sie:

„Hm-m. – Soll ich auch schwören, daß ich Sie nicht in einen anderen Mann verwandeln will?"

Damit brachte sie ihn allen Ernstes zum Schmunzeln. Aber sie war wirklich süß!

„Das geht leider nicht." Er lächelte nun resigniert und seufzte. „Wenn Sie dieses Vorhaben tatsächlich aufgegeben hätten, stünden Sie an dieser Stelle unseres Gesprächs nicht mehr hier. Machen wir uns da nichts vor." Er straffte sich. „Also: Sind Sie bereit?"

„Wenn Sie mir auch eine Sache schwören, ja."

„Was denn jetzt noch?! Ich werde Ihnen keine Liebe und keine Ehe schwören!"

Allmählich strapazierte sie doch seine Geduld! Und wieder ignorierte sie die Tatsache, daß sein Ausspruch ironisch gewesen war.

„Das würde ich nie zu erzwingen versuchen. Nein, ich verlange, daß Sie mit mir schlafen, alsob Sie meinen Körper liebten."

„WIE BITTE?!"

„Ich will mich nicht benutzen lassen, damit Sie Ihre menschenverachtenden Spielchen spielen können. Ich verlange, daß Sie mich küssen... und streicheln und... zärtlich sind."

Es fiel ihr schwer, SO ETWAS in seiner Gegenwart auszusprechen.

Äußerst erregend, meine Liebe… !

„Damit Sie sich einbilden können, daß ich Sie liebe?!"

Sie hielt seinem Blick aus mißtrauisch verengten Augen stand.

„Damit Sie sich nicht in mir selbst befriedigen."

Er schnappte nach Luft. Fühlte sich ertappt und überspielte das mit einem Lachen. Weit von Selbstbefriedigung entfernt waren seine üblichen sexuellen Beziehungen tatsächlich nicht gewesen... Er entschied sich für eine Verkehrung der Wahrheit ins Ironische:

„Da haben Sie aber hohe Ansprüche, Miss Willson!"

Caryn

Caryn schaute ihn mit einem Selbstbewußtsein an, das zum größten Teil gespielt war. Sie schaffte, ihre Stimme mit schnippischer Herausforderung zu versetzen und hob sogar ironisch die Augenbrauen.

„Trauen Sie sich zu, sich darauf einlassen zu können, Professor Snape?"

Jetzt eindeutig belustigt erwiderte er ihren Blick.

„Ich muß sagen, es ist richtig witzig mit Ihnen, Miss Willson. Um irgend etwas mit Ihnen anzustellen, ist es heute mittlerweile leider zu spät. Die Formalitäten müssen wir aber heute noch erledigen. Geben Sie mir Ihre Hand."

Caryn wußte, daß sie genug von ihm verlangt hatte. Außerdem war sie trotz allem, womit er ihre Welt in der vergangenen halben Stunde durchgerüttelt hatte, von der gewiß irrationalen Überzeugung durchdrungen, daß sie ihm vertrauen konnte.

Bist Du verrückt geworden?!

Wie kam sie zu einem so unsinnigen Gefühl? Egal, sie würde das später analysieren.

Sie legte ihre linke Hand in seine dargebotene und nahm die Energie wahr, die in dieser Berührung zum Ausbruch kam. Ein Gefühl wie ein Ziehen in der Zwerchfellregion gehörte zu diesem Zustand, aber sie hatte den Verdacht, daß diese Empfindung dort nicht ganz an der richtigen Stelle war. Nur war ihr Körper anscheinend noch nicht in der Lage, es richtig zu verarbeiten und zu kanalisieren…

Es war ein anstrengendes, fast schmerzhaftes Gefühl, und sie stieß einen Seufzer aus. Unter Snapes forschendem Blick zuckte sie zusammen und wandte ihre Aufmerksamkeit dem Anblick ihrer verschlungenen Hände zu. Mit seinem Zauberstab in der Rechten deutete er auf ihre Hände, und sie tat es ihm mit ihrem nach. Er fixierte die Stelle einige Sekunden mit den Augen und dachte wohl eine Beschwörung. Caryn zitterte vor Aufregung, sie hatte die Assoziation, daß sie beide feierlich heirateten.

„Schwören Sie! Sie werden über alle Aspekte Ihrer Beziehung mit mir schweigen gegenüber jeder dritten Person. Sie werden nichts darüber aufschreiben. Sie werden nichts davon zeigen mit der Absicht, mich zu verraten. Solange ich nicht erkläre, daß es kein Geheimnis mehr ist."

„Ich schwöre", sagte Caryn, und eine gelbe Lichtschlange entsprang der Spitze ihres Zauberstabs und schlang sich um ihre Hände und Handgelenke. Während sie allmählich verblaßte, hinterließ ihr Licht auf der Netzhaut ein Muster. Erwartungsvoll blickte der Mann, dem diese Hand in ihrer gehörte, jetzt Caryn an. Diese holte Luft und sprach bedächtig:

„Sie.... werden mich anständig behandeln und nicht verletzen. Sie werden mich körperlich lieben. Mich küssen und zärtlich sein und sich um meine Bedürfnisse kümmern."

Ein grimmiges Lächeln hatte seine Stirn gerunzelt. Er dachte drei Sekunden nach, dann sagte er mit fester Stimme:

„Ich schwöre, daß ich mich um die Bedürfnisse Ihres Körpers kümmern werde."

Die Lichtschlange aus seinem Zauberstab schlängelte sich um ihre verschränkten Hände. Er löste die Verbindung.

„Und der Rest?" begehrte Caryn auf.

Snape grinste sarkastisch.

„Da Sie mich zugenüge kennen, werden Sie mir glauben, daß ich mich in Lebensgefahr begeben würde, wenn ich schwüre, Sie niemals mehr zu verletzen. Anständig kann bisweilen sehr subjektiv zu verstehen sein. Und über Liebe haben wir bereits gesprochen. Ich möchte meinen vorzeitigen Tod an dieser Stelle vermeiden."

Herausfordernd sah er sie an.

„Na? Höre ich gar nicht, wie unfair das ist?"

Caryn drehte ihr Gesicht weg.

„Ich möchte doch auch nicht, daß Du aus Versehen stirbst..." sagte sie leise.

Der erste Kuß

Severus

Ihre Worte durchfuhren ihn wie ein Schock. Severus war nicht in der Lage zu sprechen. Die Sehnsucht, von dieser Frau wirklich geliebt zu werden, war einen Augenblick lang in ihm übermächtig. Caryns Stimme holte ihn zurück.

„Soll ich morgen Abend wiederkommen?"

Ja!

„Wir sollten sich nicht einbürgern lassen, daß wir uns zu oft sehen. Ein realistischer Rhythmus ist ein Treffen pro Woche."

„Aber heute haben wir doch noch gar nicht angefangen! Und außerdem muß ich morgen noch nachsitzen!"

„Dann kommen Sie morgen ins Labor, um bei ihrem Professor zu arbeiten. Und in der anderen Hinsicht sehen wir uns ab jetzt jeden Freitag."

„Morgen ISTFreitag!"

Er mußte grinsen über ihrer Hartnäckigkeit. Daß sie so scharf auf ihn war, hätte er dann doch nicht gedacht.

„Na gut. Aber das ist eine Ausnahme. Danach sehen wir uns erst am nächsten Freitag."

Caryn machte keine Anstalten zu gehen. Er sah sie wieder an.

„Severus?" fragte sie zögernd, seinen Vornamen auf ihrer Zunge ausprobierend. Wo blieben seine Alarmglocken? Wie kam sie dazu, ihn so zu nennen? Es gab keinen Grund, wegen ihres Arrangements auf die förmliche Distanz zu verzichten!

Sie hatte Severus auf eine besondere Weise ausgesprochen. Sivírus klang es beinahe. Ihm gefiel das irgendwie. Da sie es bewußt tat. Weil sie seinen Namen so richtiger fand. Es klang gut. Ernster. Weiter entfernt von Lilys Sev, was er nie gemocht hatte… Unverwandt hielt sie ihren nachdenklichen Blick auf ihn gerichtet.

„Ja?"

„Könnten… Könntest Du mich nur... einmal küssen…?"

Nur?! Ich küsse keine Schülerinnen, mußte er erwidern. Küssen ist zu intim. Diese Mädchen zu küssen, war ihm immer überflüssig oder gar abstoßend erschienen.

Jetzt sprachen der Schwall von heißem Blut zwischen seinen Beinen und ein Ziehen im Zwerchfellbereich eine andere Sprache.

Caryn ist ein spezieller Fall, aber das muß gar nichts bedeuten, redete er sich ein. Außerdem hatte er geschworen, sich um die Bedürfnisse ihres Körpers zu kümmern. Wenn geküßt zu werden, ihr Bedürfnis war, würde er bei ihr eine Ausnahme machen müssen...

Er zog sie an sich heran und legte seine Lippen tastend an ihre. Weich. Trotzdem fest. Ein Stückchen offen. Feucht. Er ließ seinen Mund an ihrem liegen, erspürte den Druck, den ihrer darstellte, übte seinerseits nur einen leichten Gegendruck aus. Bei ihr nahm er das Gefühl des revolutionär Neuen wahr, die Verwirrung gänzlich ungewohnter Reize, für die noch keine ausgefahrenen Nervenverbindungen existierten. ER würde dafür sorgen, daß diese Verbindungen reibungslos funktionieren würden. Das gehörte ohne Zweifel zu den Bedürfnissen ihres Körpers. Konnte man sich eine aufregendere Aufgabe vorstellen?

Behutsam versenkte er seine Lippen in ihren Mund und tickte sacht mit der Zungenspitze an ihre.

Caryn

Überschwemmt von den Empfindungen seines Mundes an ihrem bemühte sie sich gleichzeitig, seine Arme um sich wahrzunehmen und seinen schon lange geliebten Geruch um sie herum nicht zu verpassen. Alles auf einmal war zu viel. Bedauernd konzentrierte sie sich wieder auf ihre Lippen, die seinen behutsam an sich spürend. Sie öffnete sie ihm, seiner bedächtig forschenden Zunge, und dann war sie im Innern ihres Mundes, überall um sie herum angenehmes Schwarz, ruhige Konzentration, nichts was sie von ihrem, seinem Küssen ablenkte. Sie WAR ihre Zunge, die seinige in Empfang nahm, sich von dieser liebkosen, umschlingen ließ, bis er sich wieder zurückzog und seinen Mund von ihrem löste.

„Mehr!" verlangte sie instinktiv, als sie seine Arme sich lockern fühlte, und er tat ihr tatsächlich den Gefallen und ließ seinen Mund zurück in ihren kommen…

Severus

Ihm stockte der Atem ob ihrer gemurmelten Forderung nach MEHR; scharf sog er Luft ein, um seiner gewaltigen Erregung Herr zu werden. Wie unglaublich erotisch sie war, kein Vergleich mit all den langweiligen, unbeteiligten Jungfrauen, die sonst starr unter ihm gelegen hatten!

Darauf achtend, daß sein Unterkörper sie nicht berührte, bot er ihr noch einmal seinen Mund dar. Diesmal fühlte er sofort ihre Zunge zwischen seinen geöffneten Lippen. Er schmunzelte unwillkürlich, was sie als Entfernung auffaßte, und sie preßte fordernder ihre Lippen gegen seine. Diese verlangende Zärtlichkeit entlockte ihm ein Aufstöhnen, bevor er das hätte unterdrücken können, und natürlich ermutigte sie das. Nachdrücklich zog sie ihn enger in ihre Arme, und er mochte sich dafür verfluchen: Er fühlte sichdadurch NICHT überfahren oder eingeengt. Nein, seine Arme drückten ihrerseits dieses Mädchen fest an sich, und ihr Bauch an seiner Erektion war ihm eine Erleichterung. Ihre Münder verschlangen einander in immer heftigerer Weise, und sie mußten von Zeit zu Zeit ein Stöhnen entweichen lassen.

Mädchen, nicht alles auf einmal!

„Caryn", er hatte ihren Namen einfach zu oft im Kopf gehabt, während er in den vergangenen Monaten mit ihr beschäftigt gewesen war – und war es nicht auch egal? Er würde die Distanz dennoch wahren, nannte er nicht sogar Minerva beim Vornamen? „Caryn, das genügt für die erste Stunde…"

Er löste sich von ihr, bemüht, nicht zu behutsam zu erscheinen, und mußte sich von ihr abwenden, um dem drängenden Impuls zu widerstehen, ihr über die Wange zu streichen. Lag es daran, daß sein letzter Kuß unzählige Jahre zurücklag? Oder sorgte ein geteilter Kuß automatisch für eine Intimität, der man sich so schwer entziehen konnte? Wie hatte er sich auf ein derart gefährliches Spiel einlassen können?!

Und was tat Caryn? Mutig drehte er sich ihr wieder zu und sah sie lächeln. Sie hatte doch wohl nichts von seinen Gedanken mitbekommen?! Jetzt legte sie versonnen den Kopf schief.

„Bis morgen dann." Sie wandte sich zum Gehen, verharrte eine Sekunde, den Türgriff schon in der Hand. „Ich... es ist sehr schön, Sie zu küssen, Professor."

Sie öffnete die Tür und war verschwunden. Verdammt, und sie hatte auch noch verteufelt recht damit!

Caryn

Ungläubig unglaublich glücklich, von seiner Nähe, seiner Umarmung, seinem Kuß berauscht, blieb sie vor seiner Bürotür stehen und tat einen tiefen Atemzug. Ihre aufs Äußerste durchbluteten Lippen lächelten automatisch.

Ich liebe ihn! – Wie bitte?!

Dieser Mann hatte nach eigenen Angaben dutzende von ihm emotional wie schulisch abhängige Schülerinnen ausgenutzt, sexuell ausgebeutet. Diese so grausam und herzlos behandelt wie auch sie, Caryn, zu Beginn des Gesprächs. Wieso um Himmels willen FÜHLTE sie sich dann nicht ausgenutzt?

Sie fühlte sich…. freudig (und anderweitig in vielfach neuer, unbekannter Weise) erregt. Er wollte mit ihr schlafen! – Er liebte sie nicht. Hatte ihr gesagt, sie sei nichts Besonderes. – Aber wie hatte er dann noch gesagt? Weil ich ihren Geruch angenehm finde... weil Sie keine überkandidelte Schönheit sind....weil Sie intelligent sind, keine alberne Zicke.... Sie unterschied sich doch von seinen anderen Geliebten.

Ungeliebten. Sie WARetwas Besonderes. Und so fühlte sie sich auch. Sie fühlte sich nicht wie all die anderen. Sie war die Frau, die erlieben würde. Sie würde den wahren Snape befreien....

STOP!

Er hatte behauptet, es gäbe keinen anderen als ihn, den sie bereits kannte... Er hatte sie gebeten aufzuhören, in ihm ihren Traummann zu suchen. Beinahe traurig hatte er sich angehört. Sie wollte auf keinen Fall, daß er traurig war. Sie würde ihm JEDEN Gefallen tun, um ihn glücklich zu machen!

Und? Wie fühlt es sich an, dann mit diesem kalten, zynischen Scheusal vorlieb nehmen zu müssen?

Aber er hatte mit ihr gelacht! Hatte dafür gesorgt, daß sie wegen des Schwurs nicht aus Versehen sterben würde. Hatte sie GEKÜßT... absolut neu und die Nervenbahnen noch gar nicht verknüpft. Das hatte er auch gesagt. Daß es eine Zeit dauern würde, bis ihr Körper diese erotischen Tätigkeiten zu verarbeiten gelernt habe. Woher wußte er das, wenn er nicht über eine gewisse Einfühlsamkeit verfügte? (Den Gedanken an ihn mit diesen anderen Schülerinnen schob sie ganz schnell beiseite.) Und sein Ton am Schluß, als er ihren Kuß beenden wollte… der war eindeutig liebevoll gewesen!

SIE LIEBTE IHN! Ganz egal, wie er letztendlich war! Er würde der erste Mann in ihrem Leben sein! Wie sehr sie sich das wünschte! Welch wunderbare Wendung er ihrem Leben heute Abend gegeben hatte!

Severus

Was tust Du hier?!

Er war an dem Fleck stehengeblieben, an dem sie ihn verlassen hatte und versuchte, dieses Gefühl abzuschütteln. Solch ein Quatsch! Da fühlte sich endlich einmal etwas unglaublich gut an, und er sollte es loswerden wollen?! Nein, da hatte er auch keine Chance. Erfüllt, berauscht, euphorisch war er; da war keine Spur von der Ernüchterung, die er sonst nach der ersten sexuellen Begegnung mit einer Neuen verspürte. Es machte schlicht mehr Spaß, mit jemandem Sex zu haben, der einem nicht vollkommen gleichgültig war, da war überhaupt nichts dabei...

Es ist SIE. Du willst sie wirklich. Und das ist gegen die Regeln. Sie will Dich nicht. Nicht wirklich DICH. Spätestens in vier Wochen ist sie weg….

Sie war anders...

Das wünschst Du Dir, und allein DAS ist erbärmlich! Mach Dir nichts vor, Severus, sieh zu, daß Du einigermaßen heil aus der Sache raus kommst!

Er seufzte und versiegelte seine Tür. Sollte er den Kontakt abbrechen? Ein kleiner Zauber, und sie würde ihn nie wieder beachten..... geschweige denn, sich an ihn pressen und nach mehr verlangen...

Mehr... Er stieß Luft aus. Oh Gott, er wollte sie. Er wollte sie unbedingt. Das durfte sie nicht wissen. Er mußte die alleinige Macht inne behalten. Sie durfte ihm nicht zu wichtig werden.

Tja, Severus, wenn das mal nicht schon zu spät ist... klang die fiese Stimme in seinem Kopf nach.