Liebe sternenwasser,

an dieser Stelle noch einmal mein ALLERHERZLICHSTER Dank für Deine wunderschönen Reviews – die ich heute morgen gleich noch einmal Satz für Satz genossen habe und die mir schon wieder ein riesengroßes Honigkuchenpferdelächeln aufs Gesicht gezaubert haben – was sich auch nie ändern wird: Es sind Geschenke für die Ewigkeit! ;)

Liebe littledragonfly,

DIR ebenso mein INNIGSTER Dank für Deine Mühe des Beta-Lesens – und für Deine – wie gewohnt ;) – punktgenauen Rückmeldungen, die unseren Severus so einfangen, wie ich ihn rüberbringen wollte. *glücklich strahl* Ich genieße Deine zuverlässige Begleitung durch meine Geschichte – auf der wir ja mittlerweile Gesellschaft von Deiner Minerva bekommen haben, was ich – wie Du weißt – seeeehr begrüße! :)

Mittalltag

Caryn Montag, 25.3

Das Leben war lang. Die Tage. Die Nächte. Die Stunden. Die Minuten. Die sich zum ganzen Leben dehnten. Sie vermißte ihn so sehr. SO SEHR. Mehr als gut war. Mehr als Spaß machte. Mehr. Ich brauche Dich so sehr. Mehr von Dir… Oh Severus! Viel mehr…

Schon der Sonntag war unendlich gewesen. Unendlich bedeutungslos. Unendlich langweilig. Unendlich lang. ER brachte das Wochenende ja immer gänzlich versteckt in seinen Räumen zu. Machte wohl allerhöchstens Stipvisiten bei seinen Slytherin-Schülern. Warum war sie nur nicht dorthin sortiert worden?! IHR war nur geblieben, die unendlich sich aneinanderreihenden Stunden eine nach der anderen zu auszuhalten. Totzuschlagen. Hinter sich zu bringen. Bis zum Montag. Wo sie erst einmal die Einsamkeit eines Frühstück ohne Severus Snape erwartete – er erschien grundsätzlich niemals zum Frühstück in der Großen Halle – und ein unendlich langer Vormittag ohne Zaubertränke.

Jetzt – endlich – war Mittagessenszeit. Endlich! Endlich würde sie ihn wenigstens SEHEN. Von Ferne. Ohne daß er ihr das kleinste Zeichen zukommen lassen würde. Nie schenkte er ihr auch nur einen einzigen Blick. Eine Augenbraue wäre natürlich undenkbar Ganz zu schweigen von einem Lächeln….

Nur ein kleiner Blick, Severus, bitte! Ich habe Dich soo lange nicht gesehen…

Caryn setzte sich in großem Abstand zu den Lehrern an den Ravenclawtisch, um ihn unauffälliger im Auge behalten können. Beobachtete den Mittelgang, den er gleich würde durchqueren müssen. Ihr ganzer Bauchbereich war verkrampft, innen und außen. Wie konnte dieser an sich unerträgliche Zustand, welcher ja schon an KRANKHEIT grenzte, gleichzeitig so unwiderstehlich wunderbar sein?!

DA war er: Sein autoritärer Blick glitt nach links und rechts, kurz nachdem er die Große Halle betreten hatte, OHNE an ihr hängen zu bleiben…

Oh Severus, wie kannst Du?! Du kannst doch nicht vergessen haben, was wir miteinander getan haben…?

Selbstverständlich KONNTE Severus das. ER DACHTE nicht einmal an sie. Warum sollte er auch? SIE war ihm gleichgültig. Er hatte sie begehrt, klar. Aber das war für einen Mann keine Kunst. Das hatte nichts mit ihrer Person zu tun. Alleinig mit der Tatsache, daß sie weiblich war. Und auch daß er sich so… zärtlich angefühlt hatte, so hungrig, aber auch fast… ehrfurchtsvoll, als er sie geküßt hatte… Oder so hinreißend egoistisch, als er ihr in die Augen gesehen hatte und gesagt (Die Erinnerung funktionierte immer noch, konnte sie auf der Stelle feucht werden lassen) ICH WERDE DICH KÜSSEN…

Ehrfurchtgebietend durchmaß er den Mittelgang mit seinen schwungvollen Schritten, sein Umhang wehte hinter ihm her, majestätisch, ja, das WAR er, ein wahrhaft STATTLICHER Mann… Das stimmte: Früher hatte sie sich manchmal gefragt, auf welchen realen Mann wohl der Begriff stattlich passen würde. ER WAR ES, und er war der einzige, der ihr einfiel!

Sie untersagte sich, ihm mit den Augen zu folgen, während er sich im nächsten Moment umwenden und sich auf seinem Platz am Lehrertisch niederlassen würde. Er sollte nicht auch noch sauer auf sie werden. Seine Gleichgültigkeit war schlimm genug!

KIND, soll er jedem hier auf die Nase binden, daß Ihr etwas MITEINANDER HABT?!

Allein diese Vokabel ließ sie schon wieder erschaudern. Sie HATTEN ETWAS miteinander, jawohl! Und er könnte doch um dessen willen wenigstens EIN EINZIGES MAL zu ihr herübersehen! Ihr zeigen, daß er sich DESSEN bewußt war! Daß er sie küssen würde, Caryn seufzte tief, wenn sie jetzt miteinander allein wären. Das WÜRDE er doch!

Wieder einmal war sie dankbar dafür, daß Lucas seine Clique ihr vorzog, so daß niemand neben ihr saß, der auf sie achtete, der hätte mitbekommen können, wie schnell ihr Herz schlug und ihre Hände zitterten. Sie mußte sich disziplinieren, um nicht vor Erregung herumzuzappeln! Snape dagegen saß still, unbeteiligt von allen Menschen um ihn herum – sie eingeschlossen – auf seinem Platz und aß. Caryn bemühte sich, den Stich zu ignorieren, ERLEBEN zu müssen, daß ihre Verliebtheit einseitig war.

In seinen Armen würde es wieder so einfach sein, diese Tatsache zu vergessen, wenn er sie küßte, berührte, wenn sie ihn berühren durfte – sie spürte eine leichte Hitze im Gesicht – wenn er stöhnen würde für sie.... Um nicht selbst aufzustöhnen, hinderte sie die Luft in ihren Lungen daran, schon jetzt zu entweichen. Er HATTE gestöhnt, FÜR SIE!

Wieder ein Stich, schmerzhafter diesmal, als der Gedanke an all die anderen sie traf, bei denen er sogar haufenweise Orgasmen erlebt hatte, was garantiert auch nicht leise vonstatten gegangen war... Und er hatte gewiß Mädchen mit Erfahrung gehabt, die ihm ganz andere Genüsse hatten bieten können als sie, die sie noch alle Hände voll mit sich selbst zu tun hatte...

Warum muß Liebe so weh tun?! – Weil Du Dir zu diesem Zweck den kompliziertesten und kaputtesten Mann ausgesucht hast, den Du finden konntest. Selbst Schuld, kann man da nur sagen!

Und Severus Snape sah nicht ein einziges Mal zu ihr herüber.

Besessenheit

Severus Montag, 25.3

Seine Gedanken kreisten permanent um sie, und er hatte von Tag zu Tag mehr Schwierigkeiten, das unangenehm zu finden. Im Gegenteil: Er mußte zugeben, daß er schließlich begonnen hatte, diese Besessenheit ohne schlechtes Gewissen zu genießen. Sex. Nur Sex. Aber eben wunderbar. Wunderbarer, als er sich je gefühlt hatte.Er rief sich die Erinnerungen an ihre bisherigen Begegnungen ins Gedächtnis, spielte sie durch, schwelgte darin, kostete jede Einzelheit. ER war es, der das erlebt hatte – und er würde es wieder erleben… Und noch viel mehr… MEHR… Caryn, die sich weigerte, aus ihrem allerersten Kuß aufzutauchen. Nie hatte er etwas so Erotisches erlebt. Nie eine ihn so erotisierende Frau in seinen Armen gehabt. Ich WERDE Dich küssen! Erschaudert war sie, miteinander waren sie erschaudert, weil DAS es war, was sie miteinander teilen wollten. Sex. Wundervoller Sex. Severus lächelte.

Wie ihr Körper wohl aussah, den er hatte heranwachsen und sich entwickeln sehen und den er sich – bereits vor der Besiegelung ihrer Beziehung – unter ihrer Schuluniform vorzustellen versucht hatte. Schließlich war er ja sicher gewesen, daß sie sich eines Tages in ihn verlieben würde, fügte er schnell gedanklich hinzu.

Gefühlt hatte er ihren Körper bereits, ihren Busen an seinem Zwerchfell, ihren flachen Bauch gegen ihn gedrückt, ihren überraschend schmalen Rücken unter seinen Händen....

Seine seit vorgestern immerwährende Erregung war schon anstrengend, aber noch nie hatte er eine Liaison mit einem der Mädchen so sehr auskosten können. Nie hatte er eine so sehr gewollt. Nie

Bis auf Lily natürlich – diese jedoch auf ausschließlich leidvolle Weise – und das hatte sämtliche erotischen Impulse von vornherein ausgeschlossen. Aber dieses Leid war jetzt wieder dort, wo es hingehörte: zugedeckt am Boden seines Bewußtseins. Caryn ließ schlicht keinen Platz dafür. Und nicht zuletzt deswegen WAR es wundervoll.

Natürlich zog dieser Zustand Assoziationen nach sich. Es war wohl schon eine Form von Abhängigkeit, welche er ja zutiefst verabscheute. Abhängigkeit bedeutete Schwäche. Ausgeliefertsein. Scham. GEFAHR. Daß Caryn ihn ebenso wollte wie er sie, war dabei belanglos. Für ihre Gefühle für ihn gab es schließlich keine Garantie.

Im Gegenteil! Sie wird GARANTIERT aufhören, Dich zu lieben, sobald sie erkannt haben wird, wer Du wirklich bist. Außerdem ist sie gerade mal siebzehn!

Er machte sich ihr gegenüber verletzlich. Das zu leugnen, war sinnlos. Und daß sie ihn verlassen würde, stand nun mal unanzweifelbar fest.

Selbstverständlich wäre es für ihn kein Problem, sich aus dieser Besessenheit von ihr zu reißen. Allem bereits jetzt ein Ende zu machen. ALLEM, aber eben auch diesen verlockenden Aussichten auf den besten Sex Deines Lebens. Und das war indiskutabel zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Er mußte sie erst besitzen, sie unter sich haben, seinen Samen in sie spritzen. Mehrfach, so schien es. Dann würde alles in seinen gewohnten Lauf zurückfließen. Sie würde ihm langweilig, er ihr unerträglich und alles wieder in Ordnung sein. Daher war es nicht nötig, sich jetzt zu zwingen, alles zu beenden. Es würde sich ohnehin erledigen. Ganz von allein.

Insofern konnte man nicht von wahrhaftiger Abhängigkeit reden. Es handelte sich sozusagen um eine selbstgewählte und vorübergehende Abhängigkeit. Er konnte sich die Freiheit ruhig nehmen, sich in Caryns Nähe zu wagen und sie zu genießen. Ganz unproblematisch. Solange er das wollte. Und solange SIE das wollte.

Sie, der nicht auszutreiben war, ihr Arrangement mit LIEBE zu vermischen. Egal, was er dazu gesagt hatte. Das ist mir EGAL! Dieser ihr Trotz war gefährlich. Die Gegebenheiten seiner Person DURFTEN ihr nicht egal sein! LIEBE war ein Tabu. Das zuzulassen er noch nie geduldet hatte. Nicht dulden DÜRFTE. Und ihr gegenüber tat er es. Weil er keine Wahl hatte. Caryn war einfach nicht GEGANGEN, egal, was er ihr an den Kopf geworfen hatte. Sie hatte sich nicht verjagen lassen. Was hätte er denn dagegen tun sollen?! Das einzige, DAS er tun konnte, war, es ihr immer wieder zu SAGEN: KEINE LIEBE. Irgendwann mußte sie es begreifen. So einfach war das.

Worüber machst Du Dir eigentlich Gedanken?! Ihre LIEBE wird aufhören. Da brauchst DU überhaupt nichts zu tun. Das wird sie ganz von allein! Und da ändert auch nichts, was Du ihr zuliebe sonst noch gesagt hast!

Das WAR lächerlich. ER machte sich lächerlich! Nie zuvor war er je auf die Idee gekommen, einer Frau derartige Zugeständnisse zu machen. Zugeständnisse jedweder Art. Warum tat er das? Nur damit sie bei ihm blieb?!

Sie WIRD nicht bleiben, Severus! Sie wird GEHEN.

Sie würde gehen, und das war der natürliche Lauf der Welt. Das WAR es ja gerade, das ihr Verhältnis leicht machte. Ungefährlich. Tolerierbar.

Hast Du Lily schon vergessen? VERLUST IST GEFÄHRLICH! Lilys Verlust hast Du nur mit knapper Not überlebt.

Mit Lily war das anders gewesen. ALLES war anders gewesen. Lily hatte er schließlich GELIEBT. UND nicht einmal geküßt!

„ICH WERDE DICH KÜSSEN…"

Noch nie hatte er eine Frau so sehr küssen wollen wie Caryn. Nie hatte ihn eine so geküßt, als ob sie gerade IHN so sehr wollte...

Caryn ist noch Jungfrau. Wie soll sie denn beurteilen können, daß sie nun gerade Dich will? Sie würde zu jedem Mann Mehr sagen...

Nein, das würde sie nicht. Sie TATes nicht. Caryn kam NUR zu ihm. SIE KÜßTE NUR IHN. Wollte NUR VON IHM geküßt werden. ER hatte die Macht über sie. Alles unter Kontrolle. Severus Snape hatte alles unter Kontrolle.

Caryn Dienstag, 26.3

Jeden Morgen war es schwieriger, diese anstrengenden Gedanken abzuschütteln, wieviel – oder wie wenig – sie ihm bedeutete. Als er sie geküßt hatte und auch noch danach war sie sich so sicher gewesen, daß er sie gewollt hatte. SEHR gewollt. Je länger diese Erfahrung zurücklag, desto unbedeutender kam sie ihr vor. Er hatte mit ihr schlafen wollen, klar. Aber was bedeutete das schon für einen Mann? Erst recht für IHN, der er in seinem Lehrerdasein nichts anderes tat als mit jeder Schülerin zu schlafen, die sich ihm anbot?

Hast Du die Antwort in unserem Kuß nicht gehört?

Wie hatte er geschafft, ihr am Sonnabend so wenig echte Antworten zu geben? Selbst die explizit geforderte Antwort auf ihre Frage, ob sie ihm wichtig sei, auf der sie geschafft hatte, trotz eben dieses Kusses zu bestehen, war schließlich von ihm mittels Ironie so verfälscht worden, daß sie daraus auch keinen Trost ziehen konnte. Auch wenn ihr immer noch heiß wurde bei dem Gedanken an seine verlangenden Worte: ICH WERDE DICH KÜSSEN…

Er war selbst Teil dessen gewesen, das diesem Verlangen ausgeliefert war. Er ließ sich selbst keine Wahl, als sie küssen zu müssen und an sich pressen und…

Oder war es doch so, daß sie sich nur weigerte, die schlimme Wahrheit anzunehmen? Daß er sie mißbrauchen wollte. Sex mit ihr haben. Ohne daß es auch nur eine Rolle spielte, daß SIE es war. Daß nur zufällig SIE es gewesen war, die bei ihm gewesen war, als er es ausgesprochen hatte: Ich WERDE Dich küssen… Wahrscheinlich sagt er das zu jeder…

Verdammt! SIE WOLLTE BRAUCHTE LIEBTE IHN!! Und war IHM gänzlich gleichgültig.

Dennoch hatte es mehrere Momente gegeben, in denen sie das sichere Gefühl gehabt hatte, daß ER selbst anwesend gewesen war. Unverstellt. Schwäche gezeigt hatte. Gelacht hatte. Sie geküßt. SO SEHR geküßt… Es hatte sich angefühlt, als ob er niemals mehr damit hatte aufhören wollen. Es BESTAND Hoffnung. Auch dessen war sie sich in einem Augenblick sicher gewesen. Er sehnte sich danach geliebt zu werden. Jeder Mensch tut das. Ohne Ausnahme. Und in dem Moment, in dem er sich zugestand, ihre Liebe zu wollen, hatte sie ihn. Dann wäre ER von IHR abhängig. Dann würde ER SIE brauchen. Darauf mußte sie vertrauen. Was blieb ihr anderes übrig, wenn sie die Sache nicht abbrechen wollte? Sie wollte sie UNTER GAR KEINEN UMSTÄNDEN abbrechen. Sie wollte weitermachen, egal wie. Egal, was sie von ihm bekam. Egal zu welchem Preis. Dieser Mann war alles, was sie wollte. IHN wollte sie küssen, und IHM wollte sie ihre Jungfräulichkeit schenken.

Caryn seufzte tief. Erst Dienstag war heute, und sie war bereits jetzt verrückt vor unerfüllter Sehnsucht! Die absolut keinen Spaß mehr machte, sie war ausschließlich aufreibend, auslaugend, schmerzhaft. Dieses Sehnen verklumpte sich in ihrem Bauch und machte irgendwie alle Erinnerungen kaputt, welche ihr doch so herrliche Träume hätten bescheren können.

ER LIEBT MICH NICHT.

Er küßte sie wunderbar, aber sie war ihm gleichgültig. Er vermißte sie nicht, es war ihm egal, ob sie da war. Sie brauchte gar nicht wieder zu kommen. Aber… seine Stimme war … weich gewesen. Wenn Du das möchtest, kannst Du Freitag wiederkommen. Beinahe behutsam. Als habe er sich gewünscht, wirklich gewünscht, daß sie das wollte.

Weil ich gerne in Deiner Nähe bin...

Hatte er das wirklich gesagt? Und warum verhielt er sich dann nicht dementsprechend?

So wie er Dich geküßt hat…

Keine Frau hielt es lange mit ihm aus, weil er so war, wie er war, hatte er gesagt. Reihte Caryn sich doch nur in die endlose Reihe seiner Opfer ein? War ihre Liebe bereits erschöpft, so daß sie nicht einmal eine Woche auf ihn warten konnte?

Du BIST eine von seinen austauschbaren Schülerinnen!

Wie hatte sie sich darauf einlassen können?! Sie ließ ihn ihr seine Bedingungen aufzwingen, ohne ihr das Geringste zurückzugeben! Wenn er sie wollte – und Sex mit ihr wollte er jedenfalls – dann mußte er auf ihre Bedürfnisse Rücksicht nehmen. Und zwar auch auf ihre seelischen.

Sie würde heute nach Zaubertränke zu ihm gehen! Zumindest dann, wenn er sich einigermaßen menschlich gab. Naja. Vielleicht auch gerade dann, wenn er sich nicht menschlich gab.

Konnte ein Mensch aushalten, ständig von einander widersprechenden, wild durcheinanderwirbelnden Gedanken heimgesucht zu werden?

Sie wurde noch verrückt!

Das erste Spiel

Caryn Dienstag, 26.3

Alles in und an ihr zitterte, als Caryn aufreibend langsam ihre Sachen in ihrer Tasche verstaute, während die anderen Schüler mit der üblichen Hektik so schnell wie möglich Snapes Klassenraum verließen. Sie spürte den fragenden Blick von Lucas, den er ihr über die Schulter zuwarf, sah ihn aber nicht an.

Im Unterricht eben war Snape so nett gewesen, Caryn zu ignorieren. War es nicht unklug, diese Freundlichkeit nicht zu belohnen, indem sie sich jetzt bequem gab? Gleich würde er sauer sein, das war ihr klar, und sie konnte absolut nicht begreifen, weshalb sie trotzdem hier blieb. Wo er doch schon aus diesem Grund ihren Wunsch nicht erfüllen würde. Noch war es nicht zu spät.... Sie zuckte zusammen.

Doch.

„Was wollen Sie, Miss Willson?" knurrte er sie an, unmittelbar hinter ihr stehend. Caryn ignorierte den sie anspringenden Fluchtimpuls. Sie MUßTE es tun.

„Ich möchte eine Strafarbeit, Professor..." antwortete sie, auf den Tisch vor sich starrend, ohne sich diese Worte vorher zurechtgelegt zu haben.

„Da wird sich aber freuen!" schnarrte er gemein.

Verzweifelt sprang sie auf, er trat provozierend nachlässig einen halben Schritt zur Seite, so daß sie sich gerade eben nicht berührten.

„Bitte, Severus, ich halte es nicht länger aus..." Flehen lag in ihrer Stimme, aber genau das tat sie. Ihn anflehen. Was brachte es, das verschleiern zu wollen? „Ich muß Dich sehen. Egal wie. Ich könnte vielleicht einfach heute Abend bei Dir arbeiten. Einen von den Tränken machen, die Du herausgesucht hattest. Ich möchte einfach nur ein bißchen bei Dir sein..." Je mehr sie aufhören wollte, desto schneller redete sie. Verflucht, das ist alles falsch! Wahrscheinlich war sie ihm jetzt so zuwider, daß er sie überhaupt nicht mehr sehen wollte... Sie schaute ihm nicht ins Gesicht, hielt den Atem an, drei Sekunden, vier... während er geringschätzig auf sie herabsah.

„Du kannst Dir denken, wie sehr mir ein so klammerndes Verhalten zuwider ist?"

Seine Stimme war kalt.

So bin ICH, Severus. Aber MIR gibst Du das Recht dazu nicht.

Caryn holte Luft und wandte sich zum Gehen.

Severus

Ich halte es nicht länger aus... Der Schwall ihres intensiven Sehnens hatte ihn wieder einmal bereits erfüllt, bevor er seine Wahrnehmung auf ihre Gefühle gerichtet hatte. Sie wollte bei ihm sein, das war bei ihr ein Bedürfnis der Seele, und das allein hätte ihn in die Flucht schlagen müssen.

Diese Worte sollten Dich anwidern, Severus, nicht in Begierde stürzen!

Vier Sekunden ließ er verstreichen, nachdem sie ausgeredet hatte, dann sagte er kalt, was er sagen mußte:

„Du kannst Dir denken, wie sehr mir ein so klammerndes Verhalten zuwider ist?"

Sie hatte es begriffen. Das war es ja, was er hatte erreichen müssen. Sie griff nach ihrer Tasche und wollte weg. Nicht doch, Caryn! Er veränderte seine Stimme, machte sie samtig und provokant weich. „Wenn Sie wollen, Miss Willson, versuchen wir es noch einmal. Fangen Sie es anders an!" schickte er ihr hinterher. Verblüfft verharrte sie mitten in der Bewegung. Starrte ihn entgeistert über ihre Schulter an.

„Sag Deinen ersten Satz noch mal, der war... richtig", forderte er sie leise und in seiner tiefsten Stimmlage auf. Er GENOß ihre Reaktion: Ihren stockenden Atem. Die sich öffnenden Lippen. Die fragenden Augen. Wachsames Zögern. Wie unglaublich erotisch Du bist! Dann drehte sie sich gänzlich zu ihm um, unsicher, murmelte:

„Ich halte es nicht länger aus..."

Gut. Mehr....

„Noch mal. ... LAUTER."

Er hörte das Begehren in seiner eigenen, Gehorsam verlangenden Stimme.

„Ich halte es nicht mehr aus."

Die Luft bewußt einziehend, hob er seine Braue.

„Dazu schien mir der zweite Teil aber nicht zu passen." Wieder die fragende Miene. Er fühlte seine Mundwinkel zucken. „Habe ich etwas von… Arbeit gehört?"

„Ich dachte nur..."

Caryn

„Wenn Du das gesagt hast, solltest Du auch dazu stehen", sagte er sanft. „Ich erwarte Dich heute Abend zum ARBEITEN bei mir. AUSSCHLIEßLICHzum Arbeiten."

Etwas an seinem Tonfall irritierte sie.

„Einverstanden... Ich... wollte ja nur in Deiner Nähe sein. Reden. Helfen. Tee trinken vielleicht."

"TEE TRINKEN?!"

„Tee…" Unsicher zog sie die Schutern ein.

„Gu-ut." Langgezogen. Überlegend. Dann spielerisch herausfordernd: „Okay. Wir machen es so: Wenn Du schaffst, es wirklich durchzuhalten und mir nicht zu nahe zu kommen, kannst Du ab jetzt jeden Dienstag zum Arbeiten zu mir kommen."

Caryn merkte, wie Freude sich in ihr ausbreitete.

„Ist das Dein Ernst?" fragte sie strahlend.

„Freu Dich nicht zu früh, das wird nicht so einfach!" warnte er in einem – nun eindeutig – aufreizend anzüglichen Ton. Caryn riß die Augen auf. Daher wehte der Wind. Sie öffnete den Mund, schloß ihn wieder. „Na, Miss Willson, meine Nähe scheint Ihnen immer öfter die Sprache zu verschlagen..."

„Ähm... Gut. – Wie Du willst. Aber… DU darfst mich auch nicht anfassen."

„Es SEI denn, Du BITTEST mich darum." Eine seltsame Schwäche kroch ihre Beine herauf. Die Genugtuung, die Siegesgewißheit in seiner Samtstimme machten sie zittrig. Matschig. Sie brauchte zwei Atemzüge, um herausfordernd zu erwidern:

„Darauf kannst Du lange warten!"

„So gefallen Sie mir viel besser!" Er lächelte. Nicht Snape. Severus? Derselbe der ihr auf den Kopf zugesagt hatte: Ich WERDE Dich küssen… In diesem Moment fing er das ganz anders an:

„Darf ich Ihnen einen Kuß anbieten, Miss Willson?" bot er arglos an.

„Leider wollen Sie mich nur reinlegen, Professor Snape!"

Sprach's und stolzierte aus seinem Zimmer. So würde es zumindest aus seiner Sicht wirken.

Severus

Voller Vorfreude auf ihr Spiel öffnete er ihr die Tür per Hand. Trat ihr aufdringlich in den Weg und musterte sie mit diesmal vor Anerkennung gehobenen Brauen. Sie hatte ihren Umhang abgelegt und trug auf ihrer Haut lediglich eine dünne Bluse, die ihre Brustwarzen deutlichst durchschimmern ließ, unter einer lose über den Schultern liegenden Strickjacke, die fast schon von allein herunterrutschte. Unten herum einen anderen Rock als sonst, aus weichfallendem, dünnerem Stoff als ihr Jeansrock oder der der Schuluniform. Darunter eine hauchdünne, durchsichtige Strumpfhose. Sie mußte extra einen Wärmezauber bemüht haben...

Alle Achtung, Mädchen! Du erfüllst meine kühnsten Träume... Ich vergesse Dir Deinen Fauxpas von heute Morgen.

Caryn schlüpfte an ihm vorbei ins Büro, einer Berührung ausweichend, und drehte sich auffordernd zu ihm um.

„Was soll ich tun?"

„Wir könnten die Arbeit vergessen und uns miteinander nach nebenan begeben..." schlug er in gedehntem Ton vor.

„Und die zukünftigen Dienstage opfern? Wofür hältst Du mich?"

Er grinste über ihre Entrüstung, legte den Kopf schief. Machte seine Stimme so seidig wie möglich.

„Für... sehnsuchtsvoll?"

Sie lächelte ein wenig verkniffen.

„Hättest Du das vielleicht gern?"

„Möchtest Du es ausprobieren?"

Diesmal waren es ihre Augenbrauen, die hochgezogen wurden.

„Es gibt nur EINESache, die ich lieber tun würde."

Seine lösten ihre ab.

„Nämlich?"

„Jeden Dienstag zu Dir kommen!"

Er nickte anerkennend und schnitt eine ironisch-enttäuschte Grimasse.

„ZU bedauerlich."

„DU hast es so gewollt."

„Du hast damit ANGFANGEN."

Caryn seufzte, und sie lachten sich an. Schon DAS gehörte in die Kategorie der angenehmen Dinge, die mit ihrem Verhältnis einhergingen.

„Auf ins Labor! Ich gebe Dir die Tränke, die in den vier Unterrichtsstunden morgen durchgenommen werden müssen, und Du suchst die Rezepte und Zutaten heraus. Ich werde währenddessen die restlichen Hausaufgaben korrigieren."

Er setzte sich an seinen Schreibtisch, von wo er sie gut im Blick hatte. Befriedigt lehnte er sich zurück und genoß erst einmal einen Moment ihren Anblick.

Caryn

Es war wunderbar, mit ihm zu spielen! Allein schon, daß er mit ihr spielen wollte! Das anfängliche unbehagliche, sogar demütigende Gefühl, daß er seine Macht über sie ausnutzte, war verschwunden, seit sie sich auf sein Spiel eingelassen hatte. Sie lächelte, als sie sich seinen Blick ins Gedächtnis rief, mit dem er ihre Kleidung bedacht hatte. Und seine Augen auf ihr jetzt erregten sie wie das Wissen, daß er sie lieber mit seinen Händen berühren würde. Es war eher das WISSENdarum, daß dieses flatterige, undefinierte, verkrampfte, beinahe unangenehm anstrengende Gefühl, das sich in ihrem Bauch gesammelt hatte, Erregung war, die sich in ihrem Körper noch nicht die richtigen Wege zu bahnen vermochte, da sie ja noch nie am eigenen Leib erfahren hatte, wonach sie sich da sehnte. Doch ohne Zweifel würde sie es mit ihm erleben... Sie wollte es UNBEDINGT mit ihm erleben...

Erst einmal mußte sie aber seinen Unterricht vorbereiten. Stolz durchströmte sie: Er vertraute ihr seine eigene Arbeit an! Stellte er sie damit nicht mit ihm auf eine Stufe? Naja, es war keine wirklich schwierige Aufgabe… aber seine!

Sowohl das Regal mit den Rezeptbüchern als auch die Vorratskammer befanden sich im Blickfeld des Schreibtisches im Nebenraum. Caryn achtete darauf, daß die Tür zur Vorratskammer so weit wie möglich geöffnet blieb und daß sie selbst sich so viel wie möglich bewegte, ansonsten bemühte sie sich, sich trotz allem erst einmal auf ihre Arbeit zu konzentrieren.

Ärgerlicherweise war es mittlerweile doch zu kalt, auf die Strickjacke zu verzichten, und lose umgelegt konnte sie nicht arbeiten. Den Wärmezauber konnte sie auch nicht unbemerkt erneuern... – Egal. Er hatte ihre Brüste eben ja schon wahrgenommen.

Sie war fast fertig, als sie ihn aufstehen und mit Pergament rascheln hörte. Sie drehte sich nicht um, während sie auf sein Kommen wartete. Ihr Herz beschleunigte sich mit jedem seiner näherkommenden Schritte. Er trat sehr dicht hinter sie, beherzigte jedoch die Bedingung, sie nicht berühren zu dürfen, und beugte sich leicht vor, um in ihren Nacken zu atmen. Caryn lehnte sich in die Wärme seines kitzelnden Atems, ebenfalls darauf achtend, einen Mindestabstand einzuhalten.

„Na, schönes Mädchen, wie weit bist Du?" Sie lachte unwillkürlich auf ob dieser ja wirklich schon plump werbenden Wortwahl – ganz zu schweigen davon, daß sie sicher war, daß er den Klang seiner seidigen Stimme bis in die Feinheiten bewußt einsetzte. Daß diese Stimme sie dennoch in die Knie gehen ließ, war geradezu unverschämt von ihrem Körper!

„Weißt Du, daß Du Dir auf Deine Stimme ganz schön viel einbildest, lieber Severus?" Wie wunderbar, daß ihr erlaubt war, diese Vertraulichkeit anzubringen! Er schien nicht einmal verwundert darüber! Stattdessen spürte quasi im Nacken, wie sich auf seinem Gesicht ein ironisch arrogantes Grinsen ausbreitete.

„Ach? Und Du glaubst, ich bilde mir darauf zuviel ein...?"

„Und auf Deine Augenbraue erst recht!"

Jetzt lachte er leise. Machte sie damit fast automatisch an ihn lehnen, ein Impuls, den sie bewußt unterbinden mußte. Seine Stimme überall in ihrem Körper machte es nicht leichter:

„Solange sie sogar wirksam ist, wenn Du sie gar nicht siehst?"

Leise seufzend, legte sie sämtliche verfügbare Überheblichkeit in ihre Stimme:

„Ob diese Dinge denn tatsächlich so wirksam sind, müßte erst bewiesen werden!"

„Nichts lieber als das...!"

Du bist so gemein, Severus! „Das ist uns heute von Dir verboten!"

„Von DIR!"

Oh nein! „Du brauchst mir nur schriftlich zu geben, daß ich nächsten Dienstag trotzdem herkommen darf. Und laß Deine Augenbraue unten!"

Das war SO schön! In diesem Ton mit ihm reden zu dürfen. Die Schülerin war weit weg. FRAU war sie, eine begehrenswerte Frau, eine Frau, die DIESER Mann, Severus Snape, begehrte. Die er küssen wollte. WÜRDE… Seine Stimme ganz dicht:

„Die kannst Du nur sehen, indem Du Dich umdrehst!"

Die Notwendigkeit zu seufzen.

„Solange Du so nah bei mir stehst, stufe ich das als zu gefährlich ein."

„Mir würden da andere passende Vokabeln einfallen..."

Caryn drehte ihren Kopf zu ihm und sah ihn ironisch fragend an. Snape legte den Kopf schief.

„Ich lasse meine Augenbrauen unten, siehst Du? Ich bin nicht gefährlich..."

„Sie zucken aber."

„Das geschieht ohne meine Kontrolle, tut mir leid, wenn Dich das auch... verunsichert...?"

Caryn kniff grimmig die Lippen zusammen und stieß einen weiteren angestrengten Seufzer aus, während sie sich vorerst ihrer Arbeit zuwandte.

Severus

Er schmunzelte über ihren Seufzer. Eine Weile würde er sie noch zappeln lassen...

„Dreh Dich um", raunte er ihr in den Nacken.

„Tritt ein Stück zurück!"

„Zu Befehl, Miss Willson."

Langsam befolgte sie seinen, und Snape ließ seinen Blick intensiv über ihren Körper wandern. Caryn schloß die Augen, und er öffnete sich ihr, um die Welle ihrer Bereitschaft zu empfangen. Konkrete Erregung kannte ihr Körper noch nicht gut genug, um sie theoretisch vorwegnehmen zu können... Und diese Erkenntnis war es, die seine kontrolliert wallende Erregung mit einem Schlag zum Kochen brachte. Er MUßTEsie berühren. JETZT. Er mußte ihr zeigen, wonach sie in diesem Moment verlangte, ohne es selbst zu wissen! SEIN Wissen darum überschwemmte ihn und strömte in seine schmerzhafte Erektion, für welche es heute natürlich noch viel zu früh war....

„Komm her!" befahl er, rauh, hart fast. Hart, ja, was auch sonst? Caryn öffnete die Augen, um ihn skeptisch zu mustern. Er mußte lächeln. „Vergessen wir dieses Spiel. Du darfst trotzdem von nun an dienstags gerne meinen Unterricht für mich vorbereiten."

„Stimmt das auch?" fragte sie voller Mißtrauen. Er grinste.

„Du hältst mich für einen Unmenschen, oder?"

„Ich WEIß, daß Du einer BIST",stellte sie trocken fest. Er ließ sein Grinsen sich intensivieren. Bedauern in seinen Blick treten, während er bedeutungsschwer seinen Kopf schüttelte.

„Es tut mir aufrichtig leid, daß bei Ihnen dieser Eindruck entstanden ist, liebe Miss Willson, aber könnten Sie das bitte jetzt kurz vergessen und sich unverzüglich in meine Arme begeben? Ich möchte Ihre Unantastbarkeit nicht länger aushalten müssen."

Sie mit dieser ironischen Förmlichkeit zu necken, war seine Absicht gewesen, daß Caryn davon dermaßen prompt angezogen wurde, überraschte ihn. Sie stürzte ihm geradezu in die Arme, gar ehe er diese hatte öffnen können, und brachte den Augenblick zurück, als sie fast in ihn hineinappariert war. Und er sich nicht hatte erlauben dürfen, sie auch nur eine Sekunde festzuhalten. So wie er letzten Sonnabend seiner Lust, sie wieder aus dem Nichts in seine Armen kommend, zu erleben, nicht hatte folgen dürfen. Jetzt HATTE er diese Freiheit und ergriff sie, schloß sie ein in seine Umarmung. Fühlte sie mit einer Heftigkeit sich an ihn drängen, welche ihrer beider – durch die endlos lange, an sämtlichen Nerven zerrende Distanz ins Unermeßliche gesteigerte – Anziehung zum Ausdruck brachte und die ihm den Atem nahm.

Sein „Endlich..." schenkte er ihr – wenn auch ironisch getarnt –, was sie auf der Stelle belohnte, indem sie ihm ihr Gesicht zuwandte und ihren Mund für ihn öffnete. Diesmal war die größere Heftigkeit von ihrer Seite genauso da, ihre unbestimmte Erregung suchte sich im vertrauten Küssen einen Ausdruck. Er erwiderte ihr unmißverständliches Verlangen und drang nachdrücklicher, härter in ihrem Mund, war aber diesmal mit seiner Aufmerksamkeit gleichzeitig ganz bei ihr. Spürte regelrecht am eigenen Leib, wie sehr ihr Bauch die Begrenzung durch ihn – gerade IHN! – benötigte und gab seinem Körper nach, der enger zu ihr wollte, eng…, enger preßte er sein steifes Glied an sie und wußte in diesem Moment, daß sie diese Empfindung in sich aufnahm, daß diese anklang an den weiblichen Instinkt, den Mann in sich aufnehmen zu wollen. Daß sie ihn IN SICH wollte, IHN, daß sie ihn BRAUCHTE, ebenso wie er sich unendlich in sie hinein sehnte. In sie hinein. Nie gekannt, WIE SEHR... Und daß sie das zusammen erleben würden, sobald Caryn dazu bereit war.

Seine Hände ließ er auf ihrem Rücken wandern, dann hinunter zum Ansatz ihres Pos. Ihre Aufmerksamkeit bewegte sich auf demselben Weg dorthin und Snape spürte, wie sie ihren Kuß vergaß, um sich ganz auf diese neuen Reize konzentrieren zu können. Er glitt die sanfte Rundung dort hinunter, drückte kurz ihre Backen, rief seine Hände zurück auf ihre Hüften. Auf ihr herzerweichendes Seufzen hin wiederholte er dieses Unterfangen.

Caryn stand ganz nah bei ihm, dennoch vollkommen in sich selbst versunken – oder vielleicht doch ein wenig auch in IHN, der er ihr diese Empfindungen schenken durfte. Rührung überkam ihn; Dankbarkeit für das Geschenk, das sie ihm damit machte; Reue darüber, daß er sie so oft schlecht behandelt hatte. In diesem Moment bewegte sie ihren Bauch verstohlen an seiner harten Beule. Er lachte gerührt. Kannst Du es heute nicht aussprechen, Du süßes Geschöpf? Daß Du MEHR möchtest? Er küßte ihren Hals und lenkte seine Hände dorthin, wo sie sie auf so unwiderstehliche Art hinbeordert hatte. Wo es wundervoll war, Ihr Po fühlte sich wahrhaft wundervoll an, fest und rund und einladend, dazu einladend, das Kneten vorerst zu lassen, weiter hinunterzufahren, zur Mitte, durch den Rockstoff hindurch beide Pobacken zu greifen, sie auseinanderzuziehen, die Finger zu strecken, auszustrecken in die Ritze dort, ihren schärferen Atemzug zu hören, wieder einen, ihre widerstreitenden Impulse wie am eigenen Leibe zu spüren, sich zu gleicher Zeit vorne enger an ihn heranzudrängen – ja, das ist gut, er preßte sich ihr automatisch entgegen – oder lieber im Hohlkreuz seinen Fingern hinten entgegenzukommen… Er mußte unbedingt fühlen, ob sie feucht war, natürlich ist sie feucht, hör doch, wie Du sie zum Stöhnen bringst, sie stöhnt, als ob sie bereits… ER war es, der plötzlich viel mehr Sauerstoff benötigte… Der sich an ihr reiben mußte mit einer Vehemenz, die sie im ersten Moment verunsicherte, unwillkürlich Abstand suchen ließ…

Du überforderst sie! Reiß Dich zusammen, Severus!

Caryn

Wie nah der Po jenen Regionen war, hatte sie bisher in ihren Phantasien eindeutig vernachlässigt. Das war ihr erst jetzt bewußt geworden, als er den Ausflug seiner Hände auf ihre Pobacken beendet hatte und sie nichts anderes wünschte, als daß er ihn auf der Stelle wiederholen möge. Unauffällig rieb sie ihren Bauch ein wenig an der harten Beule, die unüberspürbar dort drückte. Noch mal, Severus! Er schien das verstanden zu haben, denn er lachte ganz leise, legte seinen Mund an ihren Hals – was auch nicht zu verachten war – tat ihr dann aber den Gefallen und ließ seine Hände abwärts wandern, langsam, genüßlich, wie es schien, so fühlte es sich wenigstens an: so wahnsinnig genießerisch… Sie hörte sich stöhnen, schier verzweifelt stöhnen. Seine Hände zogen ihre Hinterbacken auseinander, lösten damit ihre – in nie für möglich gehaltenener Feuchtigkeit aneinanderklebenden – Schamlippen. Atemlos hoffte sie, er würde seine Finger dorthin schieben, weiter, egal wie, egal, was er dort tun würde, egal, sie WOLLTE es, sie BRAUCHTE es… JETZT, Severus…

SEIN heftiges Stöhnen ließ sie im ersten Moment zusammenzucken, wie hart er sich jetzt an ihr rieb, natürlich wollte er jetzt sofort mit ihr schlafen, und das war ja auch gewollt, natürlich sollte er das, das war schließlich ihre Abmachung. Und sie wollte es doch auch, natürlich wollte sie das. Sie schluckte noch einmal, löste sich ein Stück und sah ihm in die Augen. Sah plötzlich seine ironische Belustigung darin, doch war da nicht eben noch viel mehr gewesen? Das, was sie auch in seinem Kuß, in ihrer Umarmung empfunden hatte… das Gefühl, daß Snape wirklich BEI IHR gewesen war, ihr ganz nah. Ohne Distanz. Beinahe LIEBEVOLL hatte er sich angefühlt, zärtlich, liebevoll, ganz BEI IHR.

Nun ja, was DAS anging, konnte sie sich auch irren. Vielleicht war dieses Gefühl normal, wenn man sich körperlich liebte, so hieß diese Tätigkeit immerhin ja auch. Doch was es auch war, sie wollte zweifelsohne MEHR davon....Auch wenn ihr sein unerwartet großes Verlangen im ersten Moment ein wenig unheimlich vorgekommen war, jetzt fand sie das wunderbar, er hatte sie ziemlich stark begehrt, DAS wenigstens HATTE sie gespürt, er hatte gestöhnt, LAUT gestöhnt, so sehr hatte er sie gewollt, eine Sekunde zuvor noch…

„Du hast genug für heute, wie mir scheint", bestimmte er jetzt... wieder mit einer Ahnung eines liebevollen Tonfalls. Sagt er das jetzt meinetwegen? Streng genommen hatte er recht, und es war so rührend von ihm, sich darum zu kümmern, was SIE wollte, anstatt seiner doch zweifellos großen Lust darauf, endlich mit ihr zu schlafen, egoistisch nachzugeben. Was er von diesen anderen Schülern hat durchblicken lassen, hört sich nicht so an, als seien deren Bedürfnisse ihm irgendwie wichtig gewesen… Dennoch war sie sich nicht sicher, ob SIE sich vielleicht einfach drücken wollte. Irgendwann MUßTEN sie es doch tun, warum nicht heute?Außerdem war das wahrscheinlich die einzige Möglichkeit zu verhindern, daß er sie gleich wegschickte. Während sie bei ihm sein wollte, in seinen Armen – wenn auch am liebsten, ohne irgendetwas Anstrengendes zu tun, einfach so, entspannt in seinen Armen liegen…

„Ich HABE noch nicht genug, ich möchte…" Sein völlig unsnapisches Lächeln brachte sie zum Verstummen, ebenso wie sein nachdenklicher Vorschlag:

„Ich könnte Dir vielleicht noch die Tasse Tee anbieten, die Du heute Morgen bestellt hattest."

Oh, Severus, Du bist so süß! Er schickte sie noch nicht weg, wollte sie nicht um jeden Preis loswerden, obwohl er sich offenbar entschlossen hatte, heute noch nicht mit ihr zu schlafen. Und Caryn hatte sie das starke Gefühl, daß er seine Anderen NICHT zum Tee eingeladen hatte! Noch nicht einmal DANACH. Sie strahlte ihn an.

Abwarten und Teetrinken

Severus

Es war anstrengend, seinen unvermindert drängenden Samen zu vergessen, während er sie dort auf der Arbeitsplatte in seinem Labor sitzen sah, in so exponierter Höhe, mit den Beinen baumelnd. Er bekämpfte den Drang, seine Hand, die ihr eben einen Becher Beruhigungstee gereicht hatte (den brauchte er jetzt), beiläufig ihren Schoß streifen zu lassen, um sie dann leicht auf ihren Schenkel zu legen, ihre Haut darunter zu spüren, ihr Erschaudern, ihre Wärme, ihren Atem sich daraufhin verändern zu hören, höher zu rutschen, noch höher, um endlich, endlich…

Severus, das genügt!

Ein zweites Mal würde er es nicht schaffen, seine Kontrolle wiederzuerlangen! Und es war nicht gut, Caryn zu überfordern, es würde die kommenden Genüsse schmälern, die kommen WÜRDEN. Sogar heute hätte sie ihm weiterzugehen erlaubt, was ihn ebenfalls anrührte: Ihm zuliebe hätte sie ihr eigenes Widerstreben ignoriert und hätte ihn gewähren lassen…

Aus diesem Grund war es ihm irgendwie unmöglich gewesen, sie wegzuschicken, obwohl er sie, wie gesagt, schlecht ertrug. Dennoch war es auf eine ungeahnte Weise… schön, sie jetzt dort einen Schluck Tee nehmen zu sehen, mit einem geradezu verklärten Lächeln auf ihren rotgeküßten Lippen… Sein eigenes Lächeln verblaßte, als sich ein erneutes Stöhnen in seinen Lenden formierte und er tief Atem schöpfte. Es wurde Zeit, aus diesen für seinen Geschmack eindeutig zu schwer eindämmbaren Empfindungen herauszukommen und sich stattdessen in die Realität zu zurückzubegeben. Wo war seine Ironie?

„Na, habe ich gewonnen?" wischte er ihr das Lächeln vom Gesicht. Eine Sekunde lang war sie entsetzt, bis er seinem Impuls nachgab und seine freie Hand versöhnlich ihre Wange streicheln ließ. Caryn drehte den Kopf weg und musterte ihn mißtrauisch.

„Das ist nicht Dein Ernst!"

Er schmunzelte gemeiner Weise über ihre schreckgeweiteten Augen, stellte rasch seinen Teebecher ab und stellte sich dicht vor sie hin. Zog seine Braue für sie hoch und schaffte es allein dadurch, ihr Mißtrauen vorläufig zu besänftigen und ein zärtliches Lächeln auf ihre Lippen zu zaubern.

„Ich HABE Dich dazu gebracht, FREIWILLIG in meine Arme zu kommen. Nach unseren Regeln…" Das Lächeln verließ ihr Gesicht. Nachdenklich sah sie ihn an, versuchte, in seinen Augen zu lesen. Unwillkürlich schmunzelte er. Sie gestattete sich eine wiederum noch provisorische Erleichterung.

„Ich dachte, ein Snape stehe zu seinem Wort…"

Er lachte.

„Ich bin slytherin, Caryn."

Sie überlegte eine Sekunde.

„Dann gehe ich mal davon aus, daß es ziemlich unslytherin wäre, Dir die Gelegenheit entgehen zu lassen, daß ich von nun an Deinen Unterricht für Mittwoch vorbereite…"

Seine Mundwinkel zog er anerkennend nach oben.

„DAS wäre ein Argument…"

Ihr Lächeln daraufhin hatte etwas Lauerndes. Gespannt erwartete er ihren nächsten Satz:

„Ich hatte außerdem den Eindruck, daß DU es warst, der es nicht länger aushalten konnte, mich nicht anfassen zu dürfen!" Das war nicht kokett gewesen, vielmehr drohend. Sein noch immer an Blutarmut leidendes Gehirn interpretierte die pure Verheißung hinein. Er holte Luft, hob die offenen Hände und schenkte ihr ein selbstironisches:

„Gut, ich gebe es zu: DU hast gewonnen!"

Caryn strahlte ihn an – aus Dankbarkeit, vielleicht jedoch auch aus dem Unbehagen heraus, daß er sich geschlagen gab – beides erschien ihm angemessen und auch… unbestreitbar schön.

„Dabei habe ICH es doch schon heute Morgen… nicht mehr ausgehalten…"

Das sich bereits wieder auf dem Weg in seinen restlichen Körper befindliche Blut war im selben Moment wieder in seinem bebeutelten Penis, und er trat einen Schritt zurück und wandte sich von ihr ab. Tief Luft holend, trank er seinen Becher mit einem Zug leer und hielt Caryn – sah sie irritiert aus? – keusch seine Hand hin, um sie zum Herunterrutschen von ihrem erhöhten Sitzplatz aufzufordern.

„Es ist spät, Caryn. Du mußt gehen."

Mit bedauerndem Stirnrunzeln ergriff sie seine Hand und ließ sich auf die Füße ziehen.

„Freitag dann…?"

Er nutzte einen Händedruck, um seiner Warnung mehr Nachdruck zu verleihen:

„Daß ich Dir jetzt den Dienstag zusätzlich angeboten, soll aber nicht heißen, daß Du jetzt Donnerstag wieder ankommst, klar? Bei diesen beiden Terminen in der Woche bleibt es jetzt. Ohne Diskussion. In Ordnung?"

Seine gesamte Strenge hatte er in seiner Stimme mitschwingen lassen, welche seltsamerweise ihre Wirkung verfehlte, denn diese Äußerung brachte ihm von Caryn ein… liebevolles Lächeln ein. Er ließ ihre Hand los. Jetzt war es seine Stirn, die sich runzelte. Er hatte eindeutig zu viel von sich preisgegeben heute!

„Ja, das kann ich einigermaßen ertragen!" sagte dieses Mädchen leichthin, sie sang es beinahe. Sah ihm dann regelrecht verschmitzt direkt in die Augen. „Bis wir heiraten, ist das so in Ordnung."

Er verzog den Mund zu einer Grimasse, aber – zur Hölle! – es gelang ihm wohl nicht hundertprozentig zu verbergen, wie sehr ihn diese Worte trafen. So albern, überflüssig, irrational das war, Caryns Bereitschaft, ihr LEBEN mit seinem verbinden zu wollen, ging auf unergründliche Weise über Heiraten – was interessieren MICH weiße Kleider, öffentliche Küsse, tausend heulende Gäste…?! – weit hinaus, schien für ihn irgendwie die Diskrepanz zu symbolisieren zwischen seinem realen Ich und dem, wie er sich einst gesehnt hatte sein zu können, AUCH sein zu können… Die kurze Pupillenreaktion – Ich bin ertappt – zu unterbinden, war früher eine seiner leichtesten Übungen gewesen, aber daß diese Frau hier ihn schlicht durcheinanderbrachte, war ja nichts Neues mehr. Verfluchte Schwanzhörigkeit!

Schön wäre es, Severus! Aber HEIRATEN hat dann doch nicht allzuviel mit Deinem SCHWANZ zu tun!

In der Folgesekunde ließ er Caryn in seinen Augen wieder die verordnete Unergründlichkeit wahrnehmen. So, wie sie ihn anstarrte, war ihr sein Moment der Schwäche aber keineswegs entgangen. Er verkniff sich, zurückzustarren, höchste Zeit, diese …Fassungslosigkeit, diese verachtenswürdige Entgleisung zu überspielen.

„Daß wir hier miteinander… SPIELEN, heißt nicht, daß Du die REGELN vergessen darfst. Wir haben ein Arrangement, Caryn!" sagte er scharf.

„Ja, keine Liebe, ich weiß…" murmelte sie betroffen. Sie HATTE diese Regel vergessen, er hatte ihr MÖGLICH gemacht, seine Regeln zu vergessen.

Du bist doch selber schuld, Mädchen, wenn Du jetzt traurig bist! Du WEIßT, wer ich bin! Ich habe es dir gesagt! Ich habe Dir GESAGT, Du sollest mir glauben!

„Es tut mir leid…", sagte sie leise. „Darf ich… Freitag trotzdem wiederkommen?"

„Natürlich", erwiderte er automatisch und schob sie in Richtung Ausgang, dann gleich auf den Gang hinaus. Es war ihm egal, daß sie jetzt traurig war! Er knallte seine Tür in ihren Rücken. Er HATTE es ihr gesagt!

BEVOR Du Dich hast einlullen lassen von ihr, von ihrer LIEBE!

Unsinn, bevor sein SCHWANZ ihn nachlässig hatte werden lassen!

HEIRATEN! Was bildete dieses Mädchen sich ein?! Welchen Eindruck seiner Person mußte er ihr vermittelt haben, daß sie sich in seiner Gegenwart traute, dieses Wort auch nur zu DENKEN?! Geschweige denn, es AUSZUSPRECHEN!

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen!

Nein, absolut nicht! Die Lage war viel zu ernst! GEFÄHRLICH ernst! Er HATTE sich ihr gegenüber so verhalten, daß sie an LIEBE denken konnte, und es war seine Aufgabe, ihr Derartiges auszutreiben, und zwar unverzüglich! UNVERZÜGLICH! MORGEN! Er mußte sie in ihre Schranken weisen!

Deine BEDÜRFNISE in ihre Schranken weisen!

Es waren SEXUELLE Bedürfnisse, und die waren einfach… zu groß, zu… überwältigend, zu…

Gefährlich! Caryn scheint hier nicht die einzige überforderte Jungfrau zu sein, Du… GRÜNER JÜNGLING!

Morgen. Morgen würde er sich wie ein MANN verhalten. Wie SEVERUS SNAPE. Es war allerhöchste Zeit.

Nachtgespenster

Caryn Nacht auf Mittwoch, 27.3

Wach lag sie in ihrem Bett, einsam, vielleicht endgültig einsam? Vielleicht würde er sie jetzt wirklich von sich stoßen, weil sie zu widerwärtig unbequem war! Stark verärgert hatte sie ihn, indem sie es vorhin nicht hatte lassen können, das Wort HEIRATEN in den Mund zu nehmen. Verdammt, warum ging auch immer ihr Mundwerk mit ihr durch?! Er hatte ihr so viel gegeben, sie zum Tee eingeladen, ihre Wange gestreichelt, ihr einen Zusatztermin geschenkt… Und dann mußte sie ihm deutlichst zu verstehen geben, daß sie mit nichts zufrieden war. Angstvoll hatte sie sich entschuldigt und ihn gefragt, ob sie trotzdem am Freitag wiederkommen dürfe.

„Natürlich!" hatte er ihr wie aus der Pistole geschossen entgegnet, sauer war er gewesen, aber er hatte nicht überlegt.

Rechtfertigte das, daß sie sich jetzt KEINE Sorgen machte? Sondern davon ausging, daß er sie Freitag wieder hereinbitten und an sich heranlassen würde? Sie WOLLTE sich keine Sorgen machen müssen. Die Zeit bis Freitag war zu lang dafür, wahnsinnig würde sie werden!

„Ich WERDE Dich küssen", rief sie sich ins Gedächtnis. Er WÜRDE das wieder wollen! Dazu hatte er sie heute zu sehr – SO SEHR – begehrt. Und hatte er ihr nicht letzten Samstag versichert, daß sie auch unbequem sein dürfe?

Du hast ihm keine Wahl gelassen! Und er hat es so ironisch ausgesprochen, daß das nicht die Wahrheit gewesen sein muß!

Caryn seufzte tief.

Aber sein unmißverständliches Stöhnen IST die Wahrheit gewesen!

Würde sich ein Mann durch ein unbedachtes Wort, für das sie sich entschuldigt hatte, nachdem er ihr auf ihre Vergewisserung hin noch einmal gesagt hatte, daß sie Freitag wiederkommen dürfe – Natürlich! – würde er sich dadurch davon abhalten lassen, endlich den versprochenen Sex mit ihr zu haben? – Nein, das würde er nicht. Nein. Severus hatte natürlich gesagt, und er MEINTE es auch. Sollte sie ihm eine Nachricht zukommen lassen, in der sie ihm versprach, nie wieder unbequem zu sein?

Ja, Caryn, gerade DAS könntest DU guten Gewissens versprechen, nicht wahr?!

Sie selbst wurde auch immer zynischer! Und ein Brief an ihn würde wirklich gute Schutzzauber erfordern, denn davon abgesehen daß sie sterben würde, wenn ihre Beziehung durch eine Notiz von ihr herauskäme – seinen Zorn daraufhin wollte sie sich lieber gar nicht erst vorstellen!

Nein, sie entschied das jetzt einfach. Daß er sie jetzt verlassen würde, machte die überwältigende körperliche Anziehung schlicht unmöglich. Äußerst unwahrscheinlich zumindest. Unentrinnbare körperliche Anziehung… Seufzend drehte sie sich auf die andere Seite und zog die Knie an die Brust. Hielt sich fest umschlungen und hatte SEIN Stöhnen im Ohr, wie er sich an sie gedrängt hatte… ICH WERDE DICH KÜSSEN! Und nicht nur DAS! Natürlich!

Severus

Bereits eine geschlagene Stunde saß er angezogen auf seiner Bettkante und wagte nicht, sich hinzulegen.

Er schien nicht in der Lage zu sein, die Sache mit Caryn korrekt zu handhaben. Alles war vollkommen anders gelaufen als sonst, und es verselbständigte sich, entwickelte sich in einem Tempo, dem er nicht zu folgen vermochte. Die Sache entglitt ihm immer mehr, er fühlte sich wie ein Spielball finsterster pubertärer Emotionen, die zu ihm überhaupt nicht zu gehören schienen, und dennoch spielten sie sich dazu auf, von seiner gesamten Person Besitz zu ergreifen, sein Verhalten zu steuern, es ihm unmöglich zu machen, diesem Mädchen seinen Platz zuzuweisen – sie dort zu halten, auf Abstand zu halten, in sicherem Abstand.

Es ist nur, weil ich sie endlich nehmen muß, versuchte er zu denken. Ich will sie FICKEN, so heißt das, mehr ist es nicht, und nicht einmal dieses Wort, das er normalerweise niemals auch nur DACHTE, half.

„FICKEN will ich sie, das ist alles!" sprach er laut und deutlich aus und wiederholte: „DAS IST ALLES!"

Wie erbärmlich bist Du eigentlich, daß Du Dich jetzt hier zum Proleten machst?!

IHR gegenüber, LILY gegenüber, war ein Wort wie dieses niemals EXISTENT gewesen. SIE hatte er geliebt, wahrhaft geliebt, GELIEBT, und der tat es noch, nicht wahr? Er verdiente sie nicht, hatte es nie, und jetzt war sie tot durch seine eigene Schuld, aber das war eben sein Schicksal. Dafür konnte Lily ihn jetzt vor diesen niederen Bedürfnissen schützen. Die nichts mit LIEBE zu tun hatten, NICHTS!

CARYN HAT NICHTS MIT LIEBE ZU TUN, dachte er in bewußten Worten. ICH LIEBE LILY.

Los, sprich es aus!

„Ich liebe…", er holte Luft. Stieß sie aus. Lily. Holte erneut Luft. „Caryn hat NICHTS mit LIEBE zu tun!" kam mit dem nächsten Atemzug.

Denk an Lily!

Er hat sie tatsächlich gekriegt, schau mal..."

Hand in Hand. Lily und James. Sie ihn verliebt lächelnd von der Seite anhimmelnd.

Ein schönes Paar!"

Ja, ich finde, sie passen zusammen. Man kann sie sich als Hochzeitspaar vorstellen, so würden sie sich auf ihrem Hochzeitsphoto ansehen!"

DU HAST ES DOCH DIE GANZE ZEIT GEWUßT, SEVERUS!

Lily ist zu gut, zu hübsch, zu freundlich, zu beliebt für ihn. Potter hat lange um sie geworben. Sie passen zusammen, das stimmt doch.

Solange Lily mit Severus befreundet gewesen war, hatte sie den sich um sie bemühenden James abblitzen lassen. Ein Trost, der Severus ebenso wenig erreicht hatte wie die Tatsache, daß er selbst daran schuld war, daß sie ihn verlassen hatte.

Und immerhin hatte sie länger als ein Jahr gewartet, ehe sie James erhörte.

Er hat die ganze Zeit gewußt, daß sie ihn wollte. Bevor sie selbst das gewußt hatte.

Es gibt keinen Trost. Der Halbblutprinz ist am Boden zerstört. Jetzt ist es endgültig. Lily wird IHN niemals küssen. Sie ist am Ziel, welches NICHT Severus ist.

DEIN ZIEL IST DER DUNKLE LORD. ER WILL DICH. WIRKLICH DICH.

Weil er begabt war. Brillant werden konnte mit der richtigen Ausbildung. Und eine Frau hätte dabei ohnehin gestört. So würde er sein Potential ausschöpfen können. Groß, mächtig, wichtig werden. Für das Höhere Wohl. Für den Dunklen Lord.

An James Arm hatte er Lily endlich hinter sich lassen müssen. Alle Hoffnung auf sie begraben. Endlich.

Lily liebt James, nicht Severus.

Anders wären es nicht sein Leben, seine Person gewesen.

Er war nicht einmal fähig dazu gewesen, an die Kraft seines Hasses zu kommen, wie der Dunkle Lord ihm gezeigt hatte. Stattdessen hatte er dagelegen, schwach und schlapp auf seinem Bett in den Slytherin-Kerkern, so weit wie möglich von der Sonne und den Gryffindors entfernt. War liegengeblieben, bis er irgendwann vom blanken, körperlichen Überlebenswillen zu irgendeiner Mahlzeit getrieben worden war. Von da an war es leichter gewesen. War leichter geblieben. An schwarzen Zaubern hatte er gearbeitet, Neuerungen entwickelt, war dafür mit Respekt belohnt worden. Und das Dunkle Mal hatte er - als besondere Ehre - erhalten, bevor er seine UTZ-Grade in der Tasche gehabt hatte.

Du bist das vielversprechendste Nachwuchstalent, Severus. Ich bin stolz auf Dich.

Sein Vater hatte ihm das nie gesagt. Aus Muggelsicht war er wertlos gewesen.

Deine Bestimmung ist die Rache an der Seite des Dunklen Lords!

Als Lilys und James Heiratsannonce im Tagespropheten gestanden hatte, war er bereits zum Mörder geworden, der damit das Recht auf seine Zweifel an seiner Entscheidung, an Voldemorts Regime verwirkt hatte. Lily hatte davon nichts geahnt. Hatte in James' Armen gelegen und ihren gemeinsamen Sohn gezeugt. Und Severus hatte schon vorher, lange vorher jegliches Recht verspielt, sie zu lieben. Hatte es dennoch getan. Hatte die Gestalt ihres Patronus mit Lily geteilt, was sie nicht mehr gekümmert hatte. An Lilys Reh hatte er sich festgehalten wie an einem Anker in einem anderen Leben, das ihm nicht vergönnt gewesen war. Ein Leben mit einem echten Vater, mit einem ihm zugewandten Dumbledore, mit einer ihn anstrahlenden Lily an seiner Seite. Wenn alles anders gewesen wäre.

Wenn ICH anders gewesen wäre....

Vielleicht hätte Lily ihn lieben können, wenn er anders gewesen wäre. Wie er WAR, hatte sie es nicht gekonnt. Ihm damit bewiesen, daß es unmöglich war. IHN zu lieben. Keine andere Frau hatte ihn geliebt. Nie. Alle hatten ihn in einer Weise HABEN wollen, über ihn verfügen wollen, ihn sich zu eigen machen wollen wie eine romantische Idee. Er hatte ihnen rigoros zu verstehen gegeben, daß er sich das nicht gefallen ließ. Ihnen bewiesen, daß sie sich irrten. Daß er SNAPE war, Sivírus…

VERDAMMT! Das KANN nicht sein! Sie hatte ganz gewiß nicht das RECHT, ihm einen neuen Namen zu geben! Und ZUM TEUFEL, es war wirklich das ALLERLETZTE, daß er auch nur auf ihn HÖRTE!

„Ich bin nämlich bereit, Dich… mich mit Dir einzulassen." In ihrem Gesicht war… Schmerz erschienen, und natürlich könnte er sagen, daß das ihr körperliches Verlangen gewesen war. Ihr Körper IST noch gar nicht so weit, Severus, und das weißt Du! Auch wenn ihre nächsten Worte auf der körperlichen Ebene gewesen waren: „Ich möchte Dich küssen und umarmen und …" Das IST ihre Seele, Du weißt das, Sivírus…

Er schüttelte heftig den Kopf.

Se-ve-rus! dachte er unentwegt. Severus, Severus, SEVERUS!

„Sivírus", hörte er in seinem Kopf. Sah ihre Lippen dabei, hörte aus ihrem Mund ein Stöhnen kommen, all das war KÖRPERLICH. Sie begehrten sich. Ziemlich stark, zugegebener Weise.

Sie LIEBT Dich, Severus, und Du hättest das auch fühlen können, wenn Du nicht so mit Deinem KÖRPER beschäftigt gewesen wärest.

Sie BILDETE sich EIN, ihn zu lieben. Sie LIEBTE den Mann, der sie in seinen Armen hielt, der sie küßte, der sie anlächelte, ihr Dinge sagte – und NICHT sagt – die sie zum Lächeln bringen, den Mann, der ihr einen weiteren Termin anbot, sie zum Tee einlud…

WER IST DIESER MANN, Severus? SIVÍRUS!

Wer war Caryn, daß sie so leichtfertig vom HEIRATEN sprechen konnte? Wer war ER, daß er dies nicht mit einem verächtlichen Lachen abtun konnte? Eine Siebzehnjährige hatte keine Ahnung vom Leben! Wie konnte eine Jungfrau zu behaupten wagen, über sich und die Liebe bescheid zu wissen?!

Lily war auch siebzehn gewesen, als sie sich für James entschieden hatte, ebenfalls noch Jungfrau (glaubte Severus zumindest). Und Severus hatte schon Jahre vorher gewußt, daß Lily James Potter heiraten würde. Dann könnte Caryn doch auch...

Wer bist Du, Severus, daß Du von ihr geheiratet werden könntest?!!

Welcher Mörder hätte dieses Recht?! Welcher Todesserspion! Welcher grausame, einsame, bemitleidenswerte Zyniker!

„Das ist mir alles egal, Sivírus!" schob sich davor. Hatte sie das wirklich gesagt? War es nicht so, daß er das nur GETRÄUMT hatte? Woher nahm er dann die Vermessenheit zu wissen: DAS IST DIE WAHRHEIT!

Sie HAT das gesagt, Sivírus. Caryn HAT das WIRKLICH gesagt...

Und sprach davon, daß sie ihn heiraten wollte. Küßte ihn wunderbar und strahlte ihn an. Ließ ihn ihre Zuneigung für ihn – IHN! – spüren, selbst wenn er sie ohne Legilimentik ansah. UND ER SAH SIE AN. Schon eine lange Zeit sah er sie an. Anders als alle nach Lily und alle vor ihr. ANDERS ALS LILY, denn die hatte er nicht einmal geküßt. CARYN KÜßTE ER. So, daß er damit nie wieder aufhören wollte. Wollte sie wieder und wieder küssen und seine Hände über ihren Po streicheln lassen, wollte endlich, ENDLICH ihre Feuchtigkeit, die er riechen konnte und an ihrem Atem hören, unter seinen Fingern spüren…

Aber erst, wenn sie für ihn bereit war. Bis dahin schickte er sie nicht weg, sondern reichte ihr Tee und spielte mit ihr, wartete gespannt auf ihre Worte, lächelte sie an. LACHTE mit ihr. Ertrug es, wenn sie Dinge tat und sagte, die er immer verabscheut hatte. Ertrug es, wenn sie ihn in schmerzliche Erinnerungen stürzte.

ICH WILL SIE TROTZDEM!.

Und Lilys Gesicht verschwand auf der Stelle, wenn Caryn ihn nur küßte. Lily war JETZT verschwunden, wo er sich nur an Caryns Küsse ERINNERTE. Diese Küsse WOLLTE er, und das bedeutete, daß er den Dingen eine Zeitlang ihren Lauf lassen mußte. Nein, er wollte sie nicht mehr von sich stoßen, das war sinnlos, immerhin wollte er mit ihr schlafen. Sobald er spürte, daß sie dazu bereit war. Und bis dahin hatte er absolut nichts dagegen, sie erst auf andere Art zu spüren. Zu küssen. Zu…

Severus, geh ENDLICH schlafen!

Ja, das sollte er tun. Und die Frau, die einen Anderen ihm vorgezogen hatte, war verschwunden, hatte einer anderen Frau Platz gemacht, eine, die IHN alles mit ihr machen ließ, die zu IHM kam, zu ihm ALLEIN. Trotz allem. Trotz allem, was er WAR, was er ihr angetan hatte. Diese Frau liebte ihn noch immer, und auch wenn sie mit dem Lieben aufhören würde, vermochte er einfach nicht wirklich, es abstoßend zu finden. Er HATTE ihr – am Anfang zumindest, ach was, LETZTE WOCHE noch! – schonungslos gezeigt, WER ER WAR. Caryn war einfach stark. Stärker als alle, die sich je in seine Nähe getraut hatten. Nun ja, vielleicht auch nur hartnäckiger. Beides beschwor wieder dieses neue Gefühl in ihm herauf. STOLZ. So hieß es wohl.

Der Preis für einen erfolgreichen Überfall

Caryn Mittwoch, 27.3

Sie war ihm verfallen. Würde es immer sein. Konnte die Gedanken an ihn und an die Erinnerungen daran, was er gestern mit ihr gemacht hatte, was sie IMMERZU mit ihm machen wollte, was er MEHR mit ihr machen würde, in keinem Moment des Tages abschütteln... Aber… WÜRDE er es machen…?

Die Angst, er könne sie wegen ihrer Heirats-Verfehlung verlassen, konnte sie ebensowenig eindämmen wie die ausufernden Bilder in ihrem Kopf. Es war wirklich unwahrscheinlich, daß er sich endgültig vor ihr zurückziehen würde, immerhin hatte er ihr GESAGT, daß sie natürlich wiederkommen solle. Und Severus Snape würde zu seinem Wort stehen, oder? Slytherin hin oder her!

Heute hätte sie einiges dafür gegeben, ihm wenigstens im Unterricht zu begegnen – so unerreichbar oder gar verletzend seine Anwesenheit dort auch gewesen wäre – denn daß er sich für ihre Heirats-Frechheit an ihr rächen würde, stand natürlich außer Frage. Doch sie hätte nach der Stunde nur ganz kurz zu ihm gehen können, um sich eine Vergewisserung ihrer freitäglichen Verabredung zu holen. In Ermangelung einer Zaubertränkestunde hatte sie nun den Vormittagsunterricht mit dem Gefühl von wild in ihr umherflatternden Innereien hinter sich gebracht und wanderte gerade – vom Verwandlungsunterricht kommend – mit konstant hohem Adrenalinpegel so langsam wie irgend möglich, ohne ZU auffällig zu sein, in Richtung Mittagessen.

Würde sie ihn WOMÖGLICH dazu bringen können, ihr einen klitzekleinen Blick zuzuwerfen, aus dem sie sie ersehnte Antwort würde herauslesen können…? Zu dem Zweck war sie allerdings darauf angewiesen, ihm – der er am liebsten stets als Letzter zu den Mahlzeiten kam, er liebte nun einmal den großen Auftritt – VOR der Halle zu begegnen oder wenigstens beim Hineingehen auf dem Mittelgang, denn wenn sie erst einmal auf ihrem Platz saß, hatte sie keine Chance mehr, da drehte er nicht einmal den Kopf in ihre Richtung…

Bisher war alles gut gelaufen, Lucas war mit seinen Freunden vorgegangen, ohne sich um Caryns Trödeln zu kümmern, McGonagall hatte sie gar nicht einspannen müssen, die sie – um eventuell Lucas loszuwerden – um den Autoren eines bestimmten Buches hatte bitten wollen. Jetzt stand Caryn oben auf der unteren Galerie, von der sie die Eingangshalle überblicken konnte, die im Augenblick noch von allen möglichen verspäteten Schülern durchquert wurde. Die Treppe zu seinen Kerkern konnte sie von hier aus leider nicht einsehen, sie würde schnell reagieren müssen, sobald sie einen Zipfel seiner schwarzen Gestalt mit den Augen erhaschen würde… Es waren nur sieben Stufen, also umsetzbar, bei ihm zu sein, bevor er die Tür zur Großen Halle erreicht haben würde.

Die Minuten vergingen, und Caryns Herz schlug jetzt bis zum Hals. War er am Ende schon hineingegangen, ehe sie hier angekommen war? Hatte sie die erste der beiden einzigen heutigen Gelegenheiten bereits verpaßt? Die Tür zur Halle stand noch offen, obwohl die Eingangshalle leer da lag. Wenn alle Lehrer anwesend waren, wurde die Flügeltür an sich geschlossen. Also war er bestimmt noch nicht da…

Zögerlich setzte Caryn sich in Bewegung, der störende Herzschlag und das Adrenalin in ihrem Blut machte ihre Schritte langsam und zittrig. Sieben Stufen. Eine nach der anderen. Die Augen geradeaus. Jeden Augenblick mußte er kommen. WENN er kam. Oft genug blieb er den Mahlzeiten auch fern. Warum, verdammt, Severus, warum vermißt Du mich nicht? Warum ist DIR egal, ob Du mich kurz sehen kannst?

Für sie war so wichtig, auch nur von fern seine Anwesenheit auf dieser Welt zu sehen, die so leer war und uninteressant, wenn sie nicht in seiner Nähe sein durfte! Nur ein BLICK, ein ganz kurzer, Severus… Auch abgesehen von der quälenden Angst wegen ihrer Hochzeitsunverfrorenheit… Sie seufzte tief – und hörte Schritte. Eilige Schritte. Ja, sie kamen von der Treppe aus dem Kerkergang! Siehst Du mich nicht, Severus? Er bremste nicht ab. Er würde nicht abbremsen! Er wird mich nicht beachten! Einfach an mir vorbeilaufen! Ihr Satz in die Mitte der Eingangshalle war ein Reflex. Sie war gezwungen, sich ihm unmittelbar in den Weg zu stellen!

„Miss Willson!" Die Erleichterung darüber, daß er doch noch stehengeblieben war, blieb ihr im selben Augenblick, als sie seinen zornigen Tonfall entschlüsselt hatte, in sämtlichen Adern stecken und verklumpte sich dort zu einem amorphen, schweren, schwarzen Niederschlag. Professor Snape war abrupt direkt vor ihr gestoppt und spießte sie regelrecht auf mit seinen zu Schlitzen verengten schwarzen Augen. Damit, daß er das nur aus dem Grunde tat, weil er befürchtete, daß sie aus der Halle heraus beobachtet werden könnten, tröstete Caryn sich gar nicht erst. Er WAR so. In dieser Minute hatte sie in seinem Leben nichts zu suchen. Und das hätte sie sich eigentlich denken müssen.

„Es tut mir leid, ich will nicht nerven, ich wollte mich nur vergewissern…"

„Seien Sie in Merlins Namen STILL!" fuhr er ihr über den Mund. Wie zuverlässig ihm das gelang, auch indem er nur ganz leise sprach, hätte beeindruckend sein können, wenn Caryn sich nicht gerade im Geiste in sich zusammengekauert hätte und sich Augen und Ohren zugehalten. JETZT würde er sie erst recht nicht mehr wollen, selbst wenn er ihr das Heiraten noch verziehen hätte… „WENN Sie sich einbilden, etwas derart WICHTIGES mit mir besprechen zu müssen, kommen Sie gefälligst OFFIZIELL nach dem Mittagessen vor mein Büro. Ich werde dann GEGEBENENFALLS Ihnen einige Minuten meiner Mittagspause widmen!"

Mit diesen Worten stieß er sie förmlich aus dem Weg und rauschte in die Große Halle. Daß er die Flügeltür hinter sich zuknallte, nahm Caryn die Frage ab, ob es besser sei, auch zum Essen zu gehen, oder sicherer, es bleiben zu lassen. Langsam, quälend langsam, vor Entsetzen noch immer wie gelähmt, wandte sie sich der Treppe in seine Kerker zu.

Jetzt hatte sie noch mehr kaputt gemacht. Ihm noch einmal in voller Ausprägung vor Augen geführt, wie widerwärtig nervig sie ein konnte. Daß sie immer wieder widerwärtig nervig sein würde, sogar dann, wenn sie sich nur DAFÜR entschuldigen wollte, DAß sie so war. WEIL sie so war. Sie WAR es einfach…

Warum denn nur?! Warum war ihr denn nicht möglich, einmal ein paar WENIGE Tage Ungewißheit – eine GEWISSE Ungewißheit, eine beinahe schon UNWAHRSCHEINLICHE Ungewißheit! – auszuhalten, bis Severus diese von sich aus beendet hätte? Stattdessen setzte Caryn alles auf's Spiel, behelligte ihn mit ihren Belangen, bloß um sich eventuell ein bißchen besser fühlen zu können?! JETZT jedenfalls fühlte sie sich erbärmlich – was ihr ja derlei Aktionen endlich ein für alle Mal austreiben würde, oder? – Nur war es jetzt wahrscheinlich ZU SPÄT!

An seiner Bürotür angekommen, schmiegte sich an die harte, kalte, rau-zerklüftete Wand und wartete. Das letzte Mal, da sie hier gestanden hatte, mit derselben unsicheren Ratlosigkeit, denselben leeren Armen, erschien ihr unendlich weit weg. Danach war so viel geschehen, tief Trauriges, wundervoll Schönes, wahnsinnig Erregendes… Und das konnte jetzt zu ende sein. Durch ihre eigene Schuld.

Mit zusammengekniffenen Augen starrte sie in die Schwärze ihrer Lider. Lauschte in die Stille, die von sämtlichen Geräuschen aus der oberen Welt unantastbar zu sein schien. Spürte die unendliche Unendlichkeit jeder einzelnen Minute, bis irgendwann – und vielleicht waren es gar nicht einmal soo viele Minuten gewesen – dieses Signal-Klicken ertönte – ihr direkt ins Innerste schoß – und schließlich der Klang SEINER Schritte diese Stille durchbrach.

Wenn sie eben noch geglaubt hatte, sie werde bis an aller Tage Ende hier stehen, ohne sich je wieder zu rühren, so wurde sie nun eines besseren belehrt. Sich automatisch stocksteif aufrichtend, stieß sie sich von der Wand ab und machte drei Schritte in die Mitte des Ganges. Bei seinem Anblick, wie er rasch und abweisend – dieser Mann brachte es sogar fertig, abweisend zu GEHEN – auf sie zukam, trieb sie ein überwältigender Fluchtimpuls an die Wand zurück.

Severus Snape würdigte sie keines Blickes – Severus, es tut mir so leid, ALLES tut mir so leid… –, während er mit seinem Zauberstab die Tür entsiegelte und – immer noch ohne sich um Caryn zu kümmern – hineinging. Allerdings zeigte er ihr diesmal durch die offene Tür, daß es ihr erlaubt sei einzutreten.

Kaum, daß sie die Schwelle überschritten hatte, ließ er die Tür hinter ihr zuknallen und versiegelte sie wieder. Das ist doch immerhin ein gutes Zeichen, oder? Mit unbewegter Miene und vor der Brust verschränkten Armen war er vor seinem Schreibtisch stehen geblieben. Vorsichtig wandte sie ihm ihr Gesicht zu. Er wartete nicht, bis sie sich so weit hätte sammelnkönnen, einen vernünftigen Satz zu produzieren.

„Was mir mitzuteilen könnte so DRINGEND und UNAUFSCHIEBBAR sein, daß Du dafür Dein Leben auf's Spiel setzt?" fragte er kalt.

Mein LEBEN?! „Was?"

Mit unverminderter Kälte musterte er sie abschätzig, während er scharf erklärte:

„Caryn, wenn Du mich ÖFFENTLICH mitten in der Eingangshalle fast umrennst…", daß er ihren Namen benutzt hatte, machte die gefühllose Distanz umso schlimmer. Severus, wo BIST Du? „…dann auch noch private Belange thematisierst, nachdem Du GESCHWOREN hast, Dich so zu verhalten, daß niemand…"

„Ich wollte doch nichts Schlimmes tun…"

„So etwas genügt bereits. Davon abgesehen, daß ich nicht wüßte, was denn so wichtig sein sollte, daß es nicht bis übermorgen Zeit hätte…"

Egal wie unwillig das geklungen hatte und wie weh ihr das tat, Caryn konnte nicht umhin, sich an dem einem Wort festzuklammern:

„Heißt das, ich DARF übermorgen zu Dir kommen?"

„Übermorgen ist Freitag, so weit ich weiß." Kühle Verständnislosigkeit, die dennoch Caryns Augen vor Erleichterung warm werden ließ. Ihre Worte purzelten von allein aus ihrem Mund: „Ich hatte solche Angst, daß Du mich wegstoßen würdest, weil ich so … weil ich mich nicht an die Regeln gehalten hatte, es tut mir so leid, ich wollte nur…"

„Die Regeln NOCH konsequenter umgehen, damit ich auch erkennen kann, WIE leid es Dir tut, ich verstehe!"

Völlig verblüfft hatte sie zwei Schrecksekunden gebraucht, ehe sein aus heiterem Himmel veränderter Tonfall in ihr Bewußtsein gesickert war. Da ist er wieder! Spöttisch. Arrogant. Distanziert. Aber ANDERS. Eindeutig belustigt. Vielleicht sogar… ein WENIG freundschaftlich… Caryn suchte seine Augen, um zu überprüfen, ob diese schreckliche Gefühllosigkeit von vorhin auch aus seinem Gesicht verschwunden war. Ihren forschenden Blick erwiderte er mit allen Ernstes erhobener Braue! Die Stirn runzelnd, versuchte Caryn sich daran zu hindern, sich vorschnell Entwarnung zu geben.

„Verzeihst Du mir denn?"

Unwillkürlich hatte auch sie ihre beiden Brauen hochgezogen. Severus sah sie mehrere Wimpernschläge lang vollkommen ernst an. Caryn konzentrierte sich auf seine Mundwinkel, wartete auf deren Zucken jedoch vergeblich. Umso verblüffter war sie, als er plötzlich grinste. Verschlagen. Gemein?Oh nein, Severus, tu mir das nicht an! Antworten tat er erst, als er sich von ihr abgekehrt hatte, um augenscheinlich ins Labor hinüberzugehen.

„Ja." Dementsprechend beiläufig hatte es geklungen.

„JA?!" Was soll dann dieses alarmierende Gegrinse?!

Caryn machte behutsame Schritte, folgte ihm so unauffällig wie möglich. Schreckte zusammen, als sie sich im folgenden Moment in seinen Armen wiederfand: Offenbar hatte er sich abrupt umgedreht, um sie zu schnappen.

„Aber NUR…" Das Drohende in seiner Stimme minderte die Samtigkeit darin nicht. Ein nicht enden wollender Schauer ergoß sich ihren Rücken hinunter. „…wenn Du mir versprichst, einen derartigen LEICHTSINN NIE MEHR zu wiederholen!" Sein Mund war ganz dicht an ihrem, sie konnte seine Lippen sich bewegen spüren, seinen warmen Atem, IHN. „Ich werde Dich NICHT küssen, ehe Du mir versprichst, daß Du das NIE WIEDER TUN wirst." Caryn sog seine Luft ein. Sein strenger Ton war komplett verschwendet, dafür fühlte ER sich viel zu wunderbar an! Sie kam ihm entgegen, spitze ihre Lippen so weit irgend möglich in der Hoffnung, seine dann endlich berühren zu können. Er wich vor ihr zurück. „Ehe Du nicht versprichst, daß Du es bei unseren Terminen beläßt…", artikulierten seine Lippen, ohne daß sie sich von ihren einfangen ließen. „… UND Dich streng an unsere Regeln hältst! – ERST dann…", er streifte ihren Mund nur ganz kurz, sie kam ihm nach, er entzog sich, „…würde ich…", wiederum ließ er seine Lippen nur einen winzigen Moment an ihre stoßen, mittlerweile war Caryn feuchter als je zuvor in ihrem Leben, „…Dich VIELLEICHT…" Ihre Lippen maximal geschürzt, offenst, vergeblich... „…küssen…"

„Severus!" flehte sie.

Seine erste Antwort war tatsächlich ein Stöhnen, welches Caryn veranlaßte, ihre immer noch geschlossenen Augen zu öffnen. Sie fand sich in seinen schwarzen wieder, wiederum weit weg, jedoch… unergründlich, nicht spöttisch, nicht amüsiert, nicht sauer, nur… schwarz. Glitzernd. Tief. Oh Severus!

„Ich verspreche es!" beteuerte sie mechanisch. Küß mich endlich, bitte, Severus!

Jetzt trat ein herablassendes Amüsement in sein Gesicht, auch wenn er – wie um sich das dadurch zu ermöglichen – zu diesem Zweck noch einmal tief Atem hatte schöpfen müssen. Du sollst mich lieber küssen! Ein unwilliger Seufzer kam aus ihrem Mund, was seine Belustigung verstärkte.

„Sie wissen ja überhaupt nicht mehr, WAS Sie da versprochen haben, liebe Miss Willson!" stellte er ironisch tadelnd fest.

„Daß ich immer alles tun werde, was Du willst…" begann sie – und stimmte, als ihr bewußt geworden war, was sie da von sich gegeben hatte, in sein spottendes Auflachen mit ein.

„Ich kann nicht leugnen, daß eine solche Antwort in meinen Ohren durchaus verlockend klingt…" hüllte er ihren – ohnehin wieder von seinem Mund an ihrem, unmittelbar an ihrem, nur einen einzigen Millimeter ZU WEIT von ihren entfernt, betörten – Verstand in seine seidige Stimme. Diesmal verhinderte er ein Entgegenkommen ihrer Lippen dadurch, daß er ihren Kopf in Stellung hielt, indem er ihr mit seiner rechten Hand ins Haar griff. Dieses Bild seiner offen demonstrierten männlichen Dominanz – auch wenn er sie lediglich andeutete, er tat ihr nicht weh, im Gegenteil: Er ging sogar äußerst sanft vor – trat in ihrem Innern eine überwältigend starke Lawine der Erregung los. Das ist garantiert keine populäre, emanzipierte Art zu empfinden, schoß Cary durch den Kopf – aber sich seiner Macht auszuliefern, seiner Forderung nach Unterwerfung zu folgen, schien ihr in diesen Minuten das Allererotischste auf der Welt zu sein.

„ICH WILL ALLES tun, was Du willst…!" wiederholte sie trotzig, in seinen geöffneten Mund hauchend, und das verschaffte ihr endlich das, wonach es sie verlangte. Endlich bekam sie den ersehnten Druck seiner Lippen an ihren, seine Zunge, ihre an seiner, ihren Mund an allem in seinem, sein Mund ALLES… Seine beiden Hände krallten sich jetzt in ihr Haar, aber das fühlte sich nicht mehr so an, als ob er das tat, um über sie zu bestimmen, sondern weil er sich an ihr festhalten müßte. Festhalten mußte Caryn sich ebenso an ihm, zumal sie leicht schwankten, weil er darauf achtete, daß sie seinem Unterleib nicht zu nahe kam. Dieser Beweis seiner Erregung, die er in diesem unpassenden Augenblick dennoch nicht zu verhindern vermochte, erfüllte sie mit einer tiefen Genugtuung. Auslieferung hin oder her: Er wollte sie ganz genauso, wie sie ihn, und das machte sie beiden – zumindest in diesem konkreten Moment – gleich.

Desungeachtet brachte er es nur einen Moment später fertig, ihr seinen Mund von einer Sekunde auf die nächste wieder zu entziehen. Severus, wie KANNST Du nur?! Versöhnt nahm Caryn seinen Kuß hinter ihrem Ohr in Empfang, stöhnte, als seine Lippen ihre Ohrmuschel streiften, der noch hoch frequentierte Luftstrom seiner Worteihr Ohr traf:

„Du versprichst mir alles, was ich verlange?" Ironisch. Kokett. Herausfordernd.

„Ja…!" war ein Reflex. Fordernd preßte sie sich an ihn, was ihn wieder zu einem amüsierten Lachen veranlaßte. Seine Lippen waren an ihren Mund zurückgekehrt, er ließ seine Zunge an ihre Lippen schnellen, zog sie zurück, lockte ihren Mund näher zu sich, um dann seinerseits ihren unvermittelt einzufangen, in eine tiefe Vereinigung zu ziehen, sich dann nur einen Moment später fast grob vollständig von ihr zu lösen, auf Abstand zu gehen, Caryn aus seiner Distanz zu betrachten.

„Alles…?"

Alles, was sie denken konnte war, wie sie ihn dazu bringen könne, auf der Stelle zu ihr zurückzukommen.

„ALLES!!" seufzte sie mit geschlossenen Augen, wie eine Blinde, die ihr Gesicht der Sonne zugewendet hat, die nur kurz hinter einer Wolke verschwunden ist. In der Folgesekunde verschwand diese Sonne. Caryn erstarrte, als stattdessen seine Worte sie trafen.

„Auch, mich nie wieder aufzusuchen?"

„NEIN!"

Sein Ton war spöttisch gewesen, amüsiert, eigentlich nicht wirklich so, als sei das ernst gemeint gewesen. Dennoch starrte Caryn ihn mit angstgeweiteten Augen an.

„WILLST Du das?!"

Zu ihrer grenzenlosen Erleichterung öffnete er seine Arme und nahm sie in Empfang, so daß sie weiteratmen konnte. Severus hielt sie locker im Arm, hörte aber nicht auf, leise in sich hineinzulachen. Empört machte sich nun Caryn von ihm los.

„Was soll daran witzig sein?!"

„Hast Du es nicht mitbekommen?" Er fand es WIRKLICH komisch! „Du warst bereit, mir ALLES zu versprechen. BIS auf eine einzige Sache!"

„Naja…", sie schmunzelte mit ihm. „Du hast recht: Das IST witzig. – Aber eigentlich auch nicht… Das wäre doch paradox: Ich könnte doch nicht…"

„…mich frei geben, solange Du mich LIEBST, nicht wahr?" fragte er dunkel. Vor Ironie? Egal, es war die Wahrheit!

„Nein, natürlich nicht!"

„Nein, natürlich nicht…" wiederholte Severus gedankenverloren. Wandte sich von ihr ab, um zur Bürotür zurückzugehen. Das Zeichen zu ihrem Aufbruch. Widerstrebend folgte sie ihm. KONNTE sie jetzt SICHER sein? Von ernsten Augen wurde sie an der Tür in Empfang genommen, die erst während ihres Blickkontaktes wieder den Ausdruck seines vertrauten Spottes annahmen. Daß er die Tür bereits entsiegelte, bedeutete zweifelsfrei, daß er leider Merlins nicht vorhatte, sie noch einmal zu berühren.

„LEIDER ist dies hier nur die Mittagspause, und LEIDER", er grinste wieder, „Du verschlagene ALLES-Versprecherin, habe ich Dich heute für Deinen Überfall schon viel zu sehr belohnt, um Dich wirkungsvoll daran zu hindern, mich erneut so aufzusuchen!" Auf ihre mißbilligend gerunzelte Stirn hin entließ er freundlicher Weise den Spott aus seinem Ton und sprach sachlich weiter: „Hör mir zu, Caryn: Du hast einen UNBRECHBAREN SCHWUR geleistet, und damit ist nicht zu spaßen. Selbst wenn es VIELLEICHT in den Augen von Hogwarts nicht weiter aufsehenserregend WÄRE, wenn Professor Snapes Kampfpartnerin diesen vor den Mahlzeiten in der Eingangshalle abfängt…"

„Ich werde Dich NIE WIEDER abfangen!" versprach sie schnell, bevor ihr der Einwand einfiel: „Nur…"

Severus' lautes Lachen erfüllte den Raum, und Caryn konnte sich dem nicht entziehen. Wenn IHR Lachen auch ein wenig widerstrebend war, denn was sie vergessen hatte, war sehr wichtig!

„Was aber, wenn ich Dich ganz dringend sprechen muß?"

„GANZ DRINGEND?" erkundigte er sich ironisch. „Wie zum Beispiel heute, als Du fragen mußtest, ob ich Dir noch EIN LETZTES MAL VERZEIHEN könne?"

Caryn beschloß, sich einfach nicht angegriffen zu fühlen.

„JA!"

Severus' spöttisches Schnauben war fast gutmütig.

„Einigen wir uns darauf, daß ich es Dir auf jeden Fall PERSÖNLICH mitteilen werde, wenn ich das Verlangen haben sollte, Dich zum Teufen zu jagen! So daß Du IMMER am nächsten DIENSTAG ODER FREITAG kommen wirst." Er öffnete die Tür. „Ist das in Ihrem Sinne, Miss Willson?"

Widerstrebend machte Caryn den Schritt über die Schwelle.

„Aber HEUTE willst Du es nicht?" fragte sie leise.

„Wenn Sie mich jetzt ENDLICH in Ruhe lassen, werde ich noch EINMAL davon absehen!"

Caryns Augen hingen an seinen Zügen. WAR er genervt? Hatte er genug von ihr? Oder ärgerte er sie nur? Severus kräuselte unwillig die Lippen und stieß zwischen zusammenbebissenen Zähnen hervor:

„Geh jetzt, Caryn, ich JAGE Dich NICHT zum Teufel, aber ich jage Dich RAUS! Verstehst Du den Unterschied?!"

Caryn zwang sich zu einem gequälten Lächeln, woraufhin er überglücklicherweise eine Braue hochzog.

„Ich liebe Dich, Severus!" wisperte sie unhörbar und rannte hastig den Gang entlang nach oben.

Severus

Rasch riß er sich vom Anblick ihrer mit flatterndem Umhang davonwehenden Gestalt los und schloß seine Tür zur Außenwelt. Sie würde ihm auf der Nase herumtanzen! Severus leckte sich die Lippen und mußte ganz kurz die Augen schließen.

„Ich verspreche es!"

ALLES hätte sie ihm versprochen in diesem Augenblick. Nur um von ihm geküßt zu werden. Nur um von ihm… Severus sog vermehrt Luft ein und entzerrte den Stoff seiner Hose im Schritt. Bevor er erneut schmunzelte.

Sie war einfach… köstlich. Unterhaltsam. Witzig. Selbstironisch. Was in ihrem emotional total involvierten Zustand schon respekteinflößend war. Und erotisch. Erotisch war sie. UNGLAUBLICH erotisch.

Küß mich, bitte, küß mich! Ihr stummes Flehen war für ihn greifbar gewesen. Oh, Caryn, wenn Du wüßtest… Der Schwall ihrer Erregung auf seine Machtdemonstrationen hin… Sie TEILTEN die aus seiner Macht über sie erwachsende Erregung. Die bisher nur geträumte. ERTRÄUMTE. Mit keiner hatte er derartiges erlebt. Zu schwach waren sie gewesen. Abturnend, verzagte, duldsame kleine Mädchen ihn erleiden zu sehen. Caryn war stark. Stark genug für ihn. Stark genug, auch schwach zu sein.

„ICH WILL ALLES tun, was Du willst…!" Sie HÄTTE alles getan. FAST alles, na gut. Doch in Wahrheit war es ICH WILL ALLES gewesen, das sie gemeint hatte. Und sie hatte sogar den Witz dessen erfassen können, auch wenn sie gleichzeitig mitten in dieser Doppelbindung gefangen gewesen war: Ich werde alles tun, was Du verlangst, nur nicht, Dich in Ruhe lassen.

Solange sie ihn liebte. Aber das würde nicht lange so sein.

Nun, er hatte sie unmißverständlich darauf hingewiesen, daß sie sich an die Regeln halten müsse.

Genau, Severus, und geantwortet hatte sie darauf mit ICH LIEBE DICH!

LIEBE? Das dazugehörige Schaudern bahnte sich den Weg in sein Gesicht. Seelische Abhängigkeit. Besitzanspruch. Das Recht, übereinander zu verfügen. Die Berechtigung, die Verantwortung für sich selbst abzugeben, das eigene Leben aus den Händen zu geben und den GELIEBTEN dazu zu zwingen, für das eigene Glück zuständig zu sein. Emotionale Erpressung. Gegenseitige Bevormundung. Leere Verpflichtung nach dem Abklingen der ersten körperlichen Anziehung. Liebe verwandelte vernünftige Männer in verweichlichte, lächerliche, hirnlose Gestalten.

Nur gut, daß ER sich da nicht einreihen würde. ER nicht. Warum auch?

Die Regeln für ihr Arrangement waren einfach und unmißverständlich. Über LIEBE brauchte er sich keine Gedanken zu machen. SEX war es, woran er denken wollte. SEX war es, was Caryn ihm versprach.

„Ich verspreche es!" „Alles!" Severus holte Luft. Am Freitag würde sie zu ihm kommen mit Herzklopfen und dem gewissen Blick. Mit all ihren Versprechungen. Und er würde sich erlauben, sie beim Wort zu nehmen. Ein Stück weit. Immer einen Schritt nach dem anderen.

Zaubertränkevorstellung

Caryn Donnerstag, 28.3

Zaubertränkeunterricht: Herzklopfen, stoßweise Atmung, zitternde Knie, Schweißausbrüche, Augen, die sie nicht unter Kontrolle hatte. Jedwede Konzentration unmöglich. Eine Krankheit?

Ich liebe ihn, ich liebe ihn, ich liebe ihn…

Sie liebte ihn. SIE LIEBTE IHN. Erlaubte sich nur einen ultrakurzen Blick, um ihn nicht zu verärgern oder die Magie des Fluchs herauszufordern. Wie wundervoll er aussah! Rasch sah sie auf ihre Hände. Wie herrlich schön SEINE Hände, die wie immer nur ein kleines Stückchen unter seinen überlangen Ärmeln hervorlugten… ! Verstohlen ließ sie ihre Augen deren Anblick suchen, ohne das Gesicht zu heben. Wie sie sich diese Hände bei sich wünschte! An ihrer Wange war eine gewesen, streichelnd…! Auf ihrem Rücken und von da aus… Sie atmete aus. Morgen. Morgen würde er DAS wieder tun. Endlich morgen… Wie gut, daß sie sich gestern die Gewißheit verschafft hatte, daß er ihr tatsächlich verziehen hatte! Auch wenn er ja sehr abweisend auf ihr Unterfangen reagiert hatte, so war sie sich doch sicher, daß er am Schluß nicht wirklich genervt gewesen war. Nein, sie war sich auch sicher, daß er sie sehr gerne in seinen Kuß gelockt hatte – Caryn atmete den nächsten Feuchtigkeitsschwall weg. Morgen, Severus, morgen wirst Du mich küssen…Wieviele Stunden noch bis dahin? Morgen…!

Seufzend malte Caryn ein Herz mit dem Zeigefinger auf die Tischplatte. Ein ganz kleines nur. Im selben Augenblick zuckte sie zusammen. Seine Stimme war zu ihr gedrungen in ironisch umgedrehter Enttäuschung:

„Und ich war mir so SICHER gewesen, daß Sie, Miss Willson, meine Frage beantworten könnten."

Sie sah auf in sein von Herablassung beherrschtes Gesicht. Ihr Herz verkrampfte sich, sie erinnerte sich bewußt an die Tatsache, daß niemand hier etwas bemerken durfte. Auch unabhängig davon, daß er über ihre widerwärtige Unbequemlichkeit verärgert sein könnte, war er gezwungen, sie so anzusehen. Allerdings fiel ihr schwer, sich seine anderen Gesichtsausdrücke vorzustellen. Geschweige denn, ihre Gewißheit zu fühlen, daß er ihr morgen anders begegnen würde. Ihre Stimme klang dementsprechend.

„Äh… Verzeihung, Professor, ich habe Ihre Frage leider nicht mitbekommen." Automatisch zog sie den Kopf ein. JETZT würde er auch noch auf sie einstechen. Ihr um die Ohren hauen, daß er sie NICHT heiraten wollte. Sie nicht auch nur ein kleines bißchen liebte. Sie vielmehr verachtete. Jetzt würde er sie verletzen. Auf Ihrer Liebe herumtrampeln, auf IHR herumtrampeln, wie er das immer getan hatte, wenn sie ihm zu nahe getreten war.

„Da muß ich Ihnen leider fünf Punkte aberkennen, es sei denn, Sie könnten sich dazu herablassen, mir zu beantworten, zu welchem Zweck wir die Ingwerwurzel zuerst in Kugeln verwandeln, bevor wir sie dem Trank beifügen?" Verblüfft hob sie den Kopf. In diesen Worten war seine sich hebende Augenbraue hörbar gewesen!

In spöttisch übersteigertem Interesse an ihr – aber er sieht mir in die Augen, er SEHT MICH an! – legte er jetzt den Kopf schief, was die hohe Braue noch besser zur Geltung brachte und sah in ironischer Erwartung auf sie herab. Sollte er etwa NICHT vorhaben, ihr weh zu tun…?

„Damit sich die Molekülkomplexe des Tranks über die größtmögliche Oberfläche verteilen und bestmöglich andocken können", konterte sie, ohne zu überlegen.

„Und wären Sie so freundlich, uns diese Molekülkomplexe näher zu beschreiben?" Sein Ton war jetzt ungeduldig-genervt, aber so, wie er immer mit Schülern sprach, und seine Schülerin WAR sie schließlich. HIER. Aber morgen…!

„Äh... ich habe leider eben verpaßt, um welchen Trank es sich genau handelt..."

„In diesem Fall sehe ich mich gezwungen, Sie mittels eines Abzug von zehn Hauspunkten daran zu erinnern, daß Sie in diesem Unterricht MIR folgen sollen und nicht ihren eigenen... zweifelsohne SEHR faszinierenden Gedanken..."

Oh, Severus! Ich liebe dich so sehr! Seine samtige Stimme war durch seine wunderbaren, tiefen, schwarzen Augen in jeden Winkel ihres Körpers gekrochen, er hatte allen Ernstes zugelassen, daß ihre Blicke sich fest ineinander verschränkten, daß er da vor ihr stand, hoch, schlank, und die Intensität seines schwarzen Blickes ließ Caryn beinahe ohnmächtig werden. Nein, er war ihr NICHT böse, und ja, er WÜRDE sie wieder küssen. Morgen schon! MORGEN!

Abrupt entzog er ihr seinen Blick, ließ sie im Sitzen taumeln. Zumindest benötigte sie einen Atemzug, noch einen, ehe sie wieder wußte, wo oben und unten war. Dann fand sie sich auf dem Boden der Tatsachen und die Erinnerung an seinen Punktabzug wieder.

„MOMENT! Professor!" rief sie ihm nach und erschauerte, weil er sehr wohl stehenblieb, wenn auch ohne sich zu ihr umzudrehen. Die Spannung ließ sämtliche ihrer Haare aufrecht nach oben stehen. „Ihre erste Frage habe ich doch richtig beantwortet", sprach sie leiser aus, als sie beabsichtigt hatte, betend, daß niemand der Anwesenden, die ihren Wortwechsel wie üblich gespannt verfolgten, das Beben in ihrer Stimme wahrgenommen hatte. Wie in Zeitlupe bewegte Snape seine linke Schulter zurück, ließ seine Hüfte folgen, verlagerte allmählich sein Gewicht mit seinem gesamten Oberkörper, um sich dann abrupt umzudrehen und nach vorne zu schießen. Er stürzte förmlich an Caryns Tisch, stützte sich dort mit ausgestreckten Armen auf und fixierte sie erneut Aug in Aug. Caryn spürte, wie sehr er dies aufgesetzte Gebaren genoß, bestimmt fühlte er sich wie auf einer Bühne, er als Starschauspieler das Publikum in seinen Bann ziehend. Atemlose Stille herrschte, allerdings war sie selbst, seine Partnerin – ja, auf dieser Bühne war sie seine Partnerin, frohlockte sie eine Sekunde lang – sogar noch atemloser als ihre Zuschauer.

„Was wollen Sie mir damit zu verstehen geben, Miss Willson?" schickte er lauernd durch den Raum.

„Äh…" Sie sah die Genugtuung in seinem Gesicht darüber, daß er sie zum Stottern brachte, und straffte sich. „Als ich die erste Frage nicht beantworten konnte, hätten Sie mir nur fünf Punkte abgezogen!" begehrte sie – nun schon vernehmlicher – auf. „Und die zweite Antwort habe ich Ihnen doch gegeben!"

„Das hätten Sie in dem Fall wohl besser gelassen", sagte er spöttisch, sich bedächtig aufrichtend, als wolle er ihr bedeuten, daß er sich jederzeit wieder auf sie stürzen könnte. Ja, Severus, ich WILL das!

„Herr Professor Snape, sogar SIE kommen nicht darum herum zuzugeben, daß Sie extrem ungerecht und unpädagogisch handeln!" rief sie anklagend, weil er ihr diesen Gefallen nicht tat. HEUTE nicht tun WOLLTE. Diesmal kam er langsam, dramatisch zurück an ihren Tisch, verschränkte die Arme vor der Brust und sah arrogant auf sie herab.

„Sie haben anscheinend lange keine Strafarbeit mehr bekommen, Miss Willson, ich schlage vor, das holen wir MORGEN Abend nach..." Seine Stimme war seidig und sanft, für die Klasse in Ironie verpackt. Caryn warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu: Wie gemein von ihm, ihr nicht heute eine Extrazeit zu gönnen!

„HEUTE Abend habe ich LEIDER keine Zeit, so LEID es mir tut", antwortete er ölig, wie auf ihren Gedanken. Caryn verzog den Mund. In seinen schwarzen Augen blitzte es.