Endspurt
Caryn Freitag, 29.3
„Na, Dein Widersacher guckt heute ja gar nicht!" Lucas warf einen Blick zum Lehrertisch, als er neben Caryn die Große Halle in Richtung Muggelkunde verließ. HEUTE kann ich mir den Luxus erlauben, mir das egal sein zu lassen! antwortete sie bei sich. „Aber Ihr habt ja gestern auch zu Eurer alten Umgangsform zurückgefunden. Ich hatte mich Dienstag schon gewundert! Kein Kampf in eineinhalb Stunden...?"
Argwöhnisch erwiderte sie seinen neugierigen Blick. Er war doch wohl nicht wirklich mißtrauisch? Wobei das strenggenommen auch egal war, solange er sie überhaupt nach Severus ausfragte. So oder so mußte höllisch aufpassen: Hier trat der schwarzmagische Fluch in Kraft. Jedes Wort konnte falsch sein…Caryn verbarg ihr ausuferndes Herzklopfen, indem sie Lucas gereizt anfuhr:
„Sag mal, hast Du nichts anderes zu tun, als mich zu beobachten?!"
„Dich und SNAPE zu beobachten!" verbesserte Lucas mit befriedigter Miene. „Und da bin ich bestimmt nicht der einzige. Ihr seid schon ein SEHR interessantes Paar."
„Wir sind ÜBERHAUPT kein Paar!" versetzte sie scharf. Was wird jetzt geschehen? Wie starb man denn eigentlich an solch einem Fluch? Beklommen erwartete sie jede Sekunde ihren Tod von oben auf sie niedersausen, aber, das Gegenteil des Verbotenen auszusprechen, war anscheinend erlaubt. Zumindest konnte sie Lucas' Antwort noch hören, der ihr einen belustigten Seitenblick zuwarf:
„Was nicht ist, kann ja noch werden!"
Es reicht! Hör auf, Dir diese Gedanken zu machen, ich sterbe! Caryn preßte die Lippen aufeinander. Sarkasmus half da herzlich wenig! „Erzähl Lauren lieber, daß Du ein Zauberer bist!" startete sie einen Ablenkungs-Gegenangriff. Jetzt wäre es an Lucas, sich zu verteidigen. Er tat es prompt:
„Ich habe halt Angst, daß sie die Flucht ergreift."
Es tut mir so leid, aber darauf muß ich jetzt mal rumhacken! Das grimmige Grinsen unterdrückend, meinte sie unbarmherzig: „Je länger Du damit wartest, desto geschockter wird sie sein!"
Ihr Kamerad schien sich über ihre mangelnde Einfühlsamkeit nicht weiter zu wundern.
„Du hast ja recht. Nur... wie soll ich das nur machen?"
Versöhnlicher fuhr Caryn fort:
„Es ihr persönlich sagen natürlich. Am nächsten Hogsmeade-Wochenende. Wenn sie Dich wirklich liebt, verläßt sie Dich nicht", beruhigte sie den armen Jungen.
„Du hast leicht reden! Hast Du einen Muggelfreund, dem Du bereits gebeichtet hast, daß Du eine Hexe bist?"
„Liebe ist nie einfach!" seufzte Caryn, ehe sie es schwurtechnisch geprüft hatte. Dein Erschrecken kommt da eindeutig zu spät! schallt sie sich. Doch auch diese Äußerung wurde von der Magie des Schwurs offensichtlich geduldet. Du hast Deine Unbedarftheit doch tatsächlich ein weiteres Mal überlebt! Diesmal war ihre innere Stimme Severus. Ihre Mundwinkel zogen sich nach oben.
„Erfahrung?" erkundigte sich Lucas neugierig.
Ach Lucas! Caryn seufzte und schüttelte den Kopf, um ihren Kameraden anzulügen. Sie HAßTE das! SO gern hätte sie ihm von Severus erzählt. Hätte ihn um Rat aus männlicher Perspektive gebeten. Hätte ihm signalisiert, daß auch sie ihn daran teilhaben lassen wollte, was sie beschäftigte. Hätte einfach genossen, mit einem netten Gleichaltrigen über Beziehungen zu reden. Aber das hatte ihr Liebster vereitelt. – Naja. Er riskierte Kopf und Kragen. Und vertraute ihr nicht.
„Nicht viel. Leider", sagte sie einfach, und Lucas nickte und versank in seinen eigenen Gedanken. Dabei hatte sie eigentlich vermeiden wollen, mit ihren eigenen um heute Abend kreisenden Gedanken allein zu sein. Ohne Ablenkung würde sie diese endlosen Stunden niemals überstehen! Du bewegst Dich zwischen Leben und Tod! Verspottete sie sich mit Severus' Stimme. Ob dieser böse Mann DAS verdient hat? Daß gerade dieses BÖSE sie dermaßen erregte, war schlicht peinlich zu nennen!
Lucas war schweigsam geblieben, offenbar hatte sie ihn wirklich in eine Krise gestürzt. So ergriff Caryn – als sie beide wiederum vor Ankunft der übrigen Kursteilnehmer mit Charity in ihrem Büro auf dem Sofa saßen – die Gelegenheit:
„Darf ich Dich mal was fragen?" fragte sie ihre Lehrerin vorsichtig.
„Klar!"
„Wie hast Du Deinem Mann beigebracht, daß Du eine Hexe bist?"
Zu ihrer Überraschung röteten sich Charitys Wangen auffällig. Aber sie lächelte.
„Die genauen Umstände sind zu privat. Aber was ich sagen kann: Ich habe einfach in seiner Gegenwart gezaubert!"
„Ohne Vorwarnung?!" rief Lucas aufgebracht. Charity sah ihn an.
„Ach so, Deine Freundin weiß noch nicht, daß Du ein Zauberer bist, nicht wahr?" Sie überlegte. Lächelte dann wieder.
„Ich glaube, da gibt es keine Patentrezepte."
„Ich glaube kaum, daß Lauren das so ohne weiteres hinnehmen würde, ohne erst mal die Flucht zu ergreifen!"
„Das kannst Du am besten einschätzen", antwortete Charity freundlich. „Aber was ich doch noch wichtig finde: Wenn es wirklich etwas Ernstes ist mit Euch beiden, wird sie Dich doch unter allen Umständen wollen. Auch wenn Du ein Zauberer bist."
Jetzt grinste sie verschmitzt:
„Womöglich findet sie gerade das hinreißend! – Ben war sehr angetan von meiner wahren Identität!"
„Wo habt Ihr Euch denn kennengelernt?" wollte Caryn wissen.
„An der Uni. Ich habe auch an der Muggeluniversität studiert. Pädagogik und Didaktik nämlich."
„Womit Du unter Deinen Kollegen ziemlich alleine dastehst!" lenkte Lucas das Gespräch in unverfängliche Bereiche. Männer! Caryns Gedanken schweiften ab. Wie kam es nur, daß sie immerzu daran denken mußte, für immer bei Severus zu bleiben?! Das war unreif und vermessen! Kaum jemand blieb mit seiner ersten Liebe zusammen! Zumal Du zu vergessen scheinst, daß zum Zusammenbleiben ZWEI gehören, Du dummes Kind! Warum hatte sie nur dieses aufdringliche Gefühl, das sie dessen so sicher sein ließ wie keiner Sache sonst. Nichts war SICHER in ihrer Zukunft!
Nun gut, daß sie auf keinen Fall einen Muggel heiraten wollte, das vielleicht. Sie hatte ihre Familie und ihre Kindheit weit hinter sich gelassen. Wollte dorthin nie wieder zurück. War in Hogwarts zu Hause, in der Zaubererwelt. Gut, daß sie Kinder wollte war sicher, Zaubererkinder. Und Severus.
DEN kriegst Du ganz sicher NICHT, blödes Gör!
Daß sie studieren wollte vielleicht. Daß sie das in London tun wollte. Und daß sie zu Hause bei ihrer Mutter wohnen mußte. DAS hassen würde. Eigentlich haßte sie ALLES nach der Schule. Vor allem diese entsetzliche Angst vor dem Loch, das in ihr zurückbleiben würde, wenn sie keinen Severus-Termin hätte, dem sie entgegenleben könnte. Wenn ihr die Zeit von Dienstag bis Freitag schon so unendlich lang vorkam – wie sollte sie es denn aushalten von eines Tages bis… immer?
Aber heute WAR Freitag. Und sie wußte – nach der herrlichen Schauspielstunde gestern – daß sie ihm willkommen war. Heute würde alles gut sein. Er würde sie begehren. Sie würde sich an seine Regeln halten. Sie würden richtig miteinander schlafen. Alles würde wunderschön sein. Er würde spüren, wie wunderschön es war. Und würde… Liebte man nicht automatisch, was so schön war? War das nicht so? Es mußte so sein!
Heute. GLEICH. Ja. ENDLICH!!
Liebesnacht mit einigen Abstrichen
Severus Freitag, 29.3
Sie kam herein, und heute wartete sie nicht erst auf ihn. Das sind natürlich wieder ihre seelischen Bedürfnisse, dachte er mit einem grimmigen Grinsen, während er sich von seinem Platz an seinem Schreibtisch erhob. Um dann NICHT zurückzuweichen, als Caryn schnell auf ihn zulief und ihn heftig umschlang. Wenn er sich nicht in ihre Umarmung gedreht und seine Arme für sie geöffnet hätte, wären sie beide umgefallen. Er mußte lachen.
„Na, Miss Willson, so stürmisch heute?" fragte er mit spöttisch hochgezogener Braue, sie sah es ja nicht.
„Ich will in Deinen Armen sein", wisperte sie an seinem Hals. „Ich habe so lange auf Dich gewartet, es ist ganz furchtbar, wenn Du so weit weg bist..."
Eigentlich hätten solche Worte sämtliche Alarmglocken in seinem Kopf zum Läuten bringen müssen. Jetzt HÄTTE er sie abblocken müssen:
Ich BIN so weit weg, und das werde ich auch bleiben! Das ist Deine Antwort, Severus, konzentrier Dich!
Caryn redete unbeirrt weiter.
„Ich will nie wieder anstrengend sein. Ich will Dich einfach nur lieben und mit allem zufrieden sein, was Du mir gibst! Ich WILL das, Severus, glaub mir!"
Seine körperliche Erregung war zu stark, er konnte sie jetzt nicht loslassen, er wollte sie überhaupt nicht mehr loslassen... quatsch, aber er mußte sie jetzt küssen, über alles andere würde er sich später Gedanken machen. Ihr Mund ließ sich gleich finden, war ebenso gierig wie er selbst, und wie gekonnt Caryn bereits saugen und drängen und kosen konnte, wie sie sich sofort mit aller verfügbaren Oberfläche an ihn preßte, wie herzerweichend atemlos sie ihren Mund ein Stückchen von abhob, um neue Luft zu schöpfen… Damit trug sie ihn fort aus seinen immerzu um sie kreisenden Gedanken; er ließ sich in ihren Kuß hineinsinken, spürte, wie er so die unentwegte Bewertung dieser Gedanken und alle vernünftigen Kalkulationen lassen konnte. Da war nur Caryn, und zwar unendlich erotisch in ihrer Nachdrücklichkeit, mit der sie ihren Mund mit seinem spielen ließ und dazu ihre Hände in seinem Gesicht bewegte. Und er schob die lästige Erkenntnis rigoros beiseite, daß er irgendwelche Hände in seinem Gesicht sonst immer lästig fand. Daß er solche Hände immer sofort von sich entfernte, an den Handgelenken auseinanderdrückte und die Inhaberin unter sich festhielt, um das mit ihr zu tun, was ER wollte.... An diese anderen mitsamt ihren unwillkommenen Händen wollte er jetzt überhaupt nicht erinnert werden, aber als er seine eigenen Hände in Caryns Gesicht ertappte, ging das endgültig zu weit.
Hör auf! Sieh zu, daß Du wegkommst! Lauf weg! So schnell Du kannst!
Herrgott, er zickte herum wie eine Jungfrau, Merlins Güte,Caryn mußte ja glauben, er habe Angst vor ihr! Angst? Vor dieser wunderschönen jungen Frau in seinen Armen, deren Atem jene andere Klangfarbe angenommen hatte, was ihm zeigte, daß sie jetzt nicht mehr in der Lage wäre, das zu artikulieren, was sie von ihm wünschte: Mehr… Langsam ließ er seine Hände ihren schlanken Hals hinunterstreichen. Löste seinen Mund von ihrem und bewegte seine Lippen ihre Wange entlang, fuhr mit seiner Zunge den Kieferknochen entlang, in die kleine Kuhle an der Unterseite ihres Kinns, bevor es in ihren Hals überging. Sie bog ihren Kopf instinktiv nach hinten – Wie schön Du bist! – und seufzte tiefer....
Gut, mein Mädchen, die Verbindung, die ich da aktiviere, ist anscheinend bereits ein Stück weit angelegt... Und die Erotisierung des Halses ist noch wichtiger, Du sollst das nächste Mal feucht werden, sobald Dich nur Dein Schal dort kitzelt....
Er ließ seinen Mund seinen Händen ihren Hals hinunter folgen, während letztere wartend auf ihren Schultern geruht hatten. Caryn konnte noch nicht so viele Reize zugleich verarbeiten, das nahm er deutlich wahr, sobald er es schaffte, sich dem Rausch, in den ihr Körper ihn versetzte, zu entziehen und seine Aufmerksamkeit auf ihre Empfindungen zu richten....
Sacht küßte er die Beuge zwischen Hals und Schulter und hörte sie leise stöhnen. Tat es wieder und merkte, wie sie ihren Körper, wie sie ihren Unterleib gegen ihn preßte. Als er einen Oberschenkel zwischen ihre Beine schob, war er überrascht, daß sie auf der Stelle den Kontakt an dieser Stelle verstärkte. Er spürte sie ihren Venushügel an ihm reiben, hörte ein neues Seufzen aus ihrem Mund, als sie versuchte, die verborgeneren Teile ihres Geschlechts einzubeziehen, was bei dem steilen Winkel seines Bein nicht leicht war.
„Caryn", sagte er amüsiert ermahnend, und als Antwort rutschte sie nur verzweifelter an ihn heran. „Warte, mein...", wo war denn in drei Teufels Namen dieses Kosewort in seinem Kopf hergekommen, weg damit! Er mußte dringend zumindest seine Hose öffnen, es tat mittlerweile einfach zu weh. „Ich brauche nur etwas Platz, hab keine Angst", hatte er das bei jeder gesagt? Wenn Du anfangen willst zu denken, kannst Du gleich sehen, daß Du weg kommst!!
„Ich habe keine Angst", antwortete sie atemlos und schob ihre Hand in seine Hose. War das jetzt richtig?
Merlin, wolltest Du sie daran hindern?
Caryn
Nein, sie hatte keine Angst, und es tat gut, sich einen Moment abzulenken von dieser sie ganz und gar verzehrenden Erregung, die sie noch nicht richtig ausleben konnte.
Er fühlte sich... weich an, zart, gab es irgendwo eine Haut am Menschen, die zarter war? Und sie fühlte sich beschenkt, daß er sie ihn dort berühren ließ, daß er ihr ein verheißungsvolles Stöhnen schenkte, obwohl sie es bestimmt nicht gut machte, aber er legte seine eigene Hand auf ihre und zeigte ihr, wie sie sein Glied umschließen und die Haut dort schieben konnte. Einen Moment später ließ er sie wieder los, als wolle er ihr sagen, daß sie sich bei ihrer Forschungsreise nicht um seine Belange kümmern müsse...
Caryn blickte in sein Gesicht und fand sich in weit geöffneten schwarzen Augen wieder. Ein überwältigendes Glück wallte in ihr auf und strahlte aus ihr heraus, daß sie hier bei ihm, wirklich BEI IHM war...
„Ich liebe Dich, Severus..."
Er lachte schnaubend, dennoch nicht bösartig.
„Du liebst den Mann, der Dir das hier zeigt, Caryn. Das hat mit MIR nichts zu tun."
Sie riß die Brauen in die Höhe.
„Aber das BIST doch DU! Ich danke Dir, Du machst.... es ist wunderschön... mit… DIR!"
Und in einer Sekunde sah sie wieder etwas in seinen Augen aufflackern, bevor er sich an ihr verkrampfte und sie spürte, daß er aus ihrer Nähe flüchten wollte. Vorsorglich hielt er ihn am Umhang fest.
„Ich brauche MEHR!" versuchte sie an ihren Erfolg am ersten Abend anzuknüpfen. Widerstrebend ließ er sich aufhalten.
Severus
Warum war er nicht in der Lage, sich seinen langjährig erprobten Regeln gemäß zu verhalten, Beziehungsgespräche solcher Art im Keim zu ersticken? Diese gleich zu bestrafen, indem er sich entzog, um den Mädchen dieses Gerede ein für allemal auszutreiben? -
Weil er Caryns überwältigende, überschäumende Zuneigung gefühlt hatte, weil er sich an dem Ort befunden hatte, auf den ihre Zuneigung ausgerichtet war, und weil sie recht hatte: Es WAR wunderschön. ESerfüllte ihn mit der bangen Ahnung, daß es schwer sein würde, etwas zu finden, das ebenso schön war. Daß er kein Bedürfnis danach hatte weiterzugehen. Daß Caryn ihm reichte. Für eine lange Zeit reichen würde. Und das hatte nur in zweiter Linie mit der Erotik zwischen ihnen zu tun, die schon jetzt, bevor Caryn fähig war, ihre erotischen Energien in die dafür vorgesehenen Bahnen zu lenken, überdeutlich zum Ausdruck kam. DU willst MEHR, Severus, fühlte er, und da brachte er es nicht fertig, die Gelegenheit, die sie ihm gab, indem sie ihn aufhielt, nicht zu ergreifen.
Doch in erster Linie... hatte sie ihn getroffen. An seiner empfindlichsten Stelle. Aber das BIST doch Du! Er war so beschäftigt damit gewesen, ihren wunderbaren Körper zu berühren, ihre wunderbaren, jungfräulichen Reaktionen auf diese Berührung zu beobachten, seine Reaktion auf ihre Reaktionen zu spüren, daß er zu denken aufgehört hatte. Sich einfach hatte treiben lassen.
Aber das BIST doch Du! Das WARER gewesen. Sie hatte IHN genossen. ERhatte sie dazu gebracht, dieses warme Strömen zu empfinden und es zu benennen: Ich liebe Dich, Severus...War das nicht sein Traum gewesen? So absolut und heftig von ihr geliebt zu werden, wie sie ihn früher gehaßt hatte?
„Ich will Dich!" behauptete sie jetzt mit Nachdruck, und er mußte schmunzeln, weil sie doch noch keine Ahnung hatte, wie sich DAS anfühlte. Daß das gut sein würde, stand für ihn genauso außer Zweifel. Auch wenn er es nicht heute geschehen lassen würde, das war für ihren Körper zu früh. Noch immer schmunzelte er, jetzt über ihre Ungeduld, mit der sie ihn küßte, und entschloß sich, ihr wenigstens einen Vorgeschmack zu geben.
„ICH WILL DICH, Severus!"
Er zog sie an sich, weil er ihr glaubte, daß sie sich in diesem Moment sicher war, daß sie wirklich IHN wollte, wie auch er sie wollte, nur sie, nur jetzt, aber er wollte CARYN.
Caryn
Warum wollte er ständig weg von ihr? Einen langen Augenblick hatte es so ausgesehen, daß er es auch jetzt tun würde. Ihre Hand im Stoff seines Umhangs würde ihn daran nicht hindern. Doch aus irgendeinem Grund hatte sie gewonnen, er hatte sich von ihr aufhalten lassen.
„Ich will Dich!" behauptete sie nachdrücklich, auch wenn sie ja noch gar nicht wußte, wie sich DAS anfühlen würde. Genau darüber sah ihn schmunzeln, und allein sein schmunzelndes Gesicht ließ sie ALLES wollen, solange sie dabei nur sein Gesicht so sehen konnte... Oder ihn lieber noch einmal küssen?
„ICH WILL DICH, SEVERUS!" murmelte sie ungeduldig, und endlich zog er sie an sich und hielt sie für einen kurzen Augenblick lang ausschließlich fest. Dieses Festgehaltenwerden prägte Caryn sich genauestens ein, um es in sich zu speichern und abrufen zu können, wenn er sie das nächste Mal von sich stoßen würde. Bevor sie sich gegenseitig hätten festhalten können, hatte Severus sich ein Stück wegbewegt.
Caryn wurde sich der Tatsache bewußt, daß DIESes war, das sie eigentlich gemeint hatte. Severus sollte sie in seinen Armen halten und ihr sagen, daß er sie liebte.
Tja, Mädchen, genau das bekommst Du von ihm nicht.
Aber als sie seine Hand auf dem Stoff über ihrem Busen fühlte, löste sich dieses seelische Sehnen auf in allumfassender Körperlichkeit. Sie sah vor ihrem geistigen Auge das Bild seiner Hände in Zaubertränke vor sich, wie sie, Caryn, auf ihrem Platz saß und sie aus der Ferne begehrte. Und eben diese Hände zerrten jetzt ihre Bluse aus dem Rock und wanderten darunter ihren Bauch herauf, um ihre nackten kleinen Brüste zu finden, sie zu halten, zu drücken, zu reiben....
„Caryn...." hörte sie ihn, nur ganz leise, und jetzt schmunzelte SIE, daß Männer ihre besondere Beziehung zu der Muttermilchquelle mit Sex verwechselten. Aber wie die Berührung ihrer Brüste IHN erregte, ließ sie diesen Gedanken vergessen und gab sich den Empfindungen hin. Wie das Hartwerden ihrer Knospen, welches sich eigentlich nur wie Frieren anfühlte, ihn laut aufstöhnen ließ, hatte wirklich etwas Rührendes, Berührendes, Erregendes.... Dann kam sein Mund an ihren Hals zurück, und das schickte ihr einen wohligen Schauer den Rücken hinunter und ließ keinen Zweifel daran, daß ihr Hals für sie wohl immer mehr mit Sex zu tun haben würde als ihr Busen...Ihr fiel wieder ein, daß seine Hose noch offen war, wo er doch auch so herrlich gestöhnt hatte....
„Caryn, wir werden noch nicht miteinander schlafen heute, aber möchtest Du trotzdem mit mir zum Bett kommen?" fragte er atemlos, was sie beinahe mehr berührte als sein harter Penis in ihren Händen... was seine Hände von ihr abgelenkt hatte.... Sie konnte nur heftig nicken, und sah mit klopfendem Herzen zu, wie er die Versiegelung der Bürotür aktivierte, sie bei der Hand nahm – Oh, Gott, allein Händchenhaltend mit ihm zu gehen, war so schön! – und sie nach nebenan ins Labor führte. Dort ging er allerdings nicht die Treppe hinauf zu seiner Wohnung, sondern ließ mit einem Zauberstabschlenker eine weitere Tür seitlich unter der Treppe erscheinen, die er gleichzeitig aufspringen ließ. Ein kleiner Raum mit einer großen Liegefläche kam zum Vorschein. Caryn erstarrte.
WIE KONNTE ER!
Nun war es an ihr wegzulaufen. Voller qualvoller Eifersucht auf die hundert, TAUSEND Gründe, die ihn dazu gebracht hatten, dieses Bett zu benutzen, weil er die unwichtigen Mädchen nicht mit in seine privaten Räume zu nehmen bereit war.
Diesmal hielt ER sie am Ärmel zurück.
„Was hast Du?" Kalt klang er, so als hätte er ein Recht darauf, sie in die endlose Reihe seiner Schülerinnen einzureihen.
„Ich will keine von DENEN sein!" zischte sie, und ohne zu überlegen, riß sie sich von ihm los. Fragte sich erst bei dem folgenden Schritt und dem nächsten, ob sie wirklich die Kraft hätte, jetzt zu gehen und ihn für allezeit zu vergessen, nicht mehr zu lieben und weiterzuleben, als ob all dies nie geschehen wäre. Er fragte sich das anscheinend auch, denn er schleuderte ihr in einem angewiderten Ton, als hätte er sich eigentlich lieber die Zunge abgebissen, hinterher:
„Das bist Du nicht!"
Die Erleichterung nahm ihrem Körper sämtliche Spannung, und sie mußte sich darauf konzentrieren, nicht zusammenzusacken, während sie stehenblieb und sich zu ihm umwandte. Tränen traten in ihre Augen, als sie ihn ansah, wie er wütend zu ihr herüberstarrte.
„Komm zurück!" befahl er, und sie war ihm so dankbar, daß er sie gestoppt hatte, daß sie ihm gehorchte und sich von ihm mit beiden Händen fest an den Oberarmen fassen ließ.
„Hör zu, Caryn, du hast keinen Anspruch auf Exklusivität! Ich will nicht, daß Du mich erpreßt. Ich will nicht von Dir gezwungen werden, Dir irgendwelche Sachen zu sagen. Wir haben unsere Abmachung, und an die halten wir uns. Diese Abmachung betrifft unsere Körper, und für Deine Seele BIN ICH NICHT ZUSTÄNDIG, hast Du mich verstanden?!!"
Dieser Ausbruch weckte dann doch ihren Stolz.
„Ich habe versäumt, meine Seele vorher aus meinem Körper zu entfernen, entschuldige bitte!" fauchte sie ihm mit zitternder Stimme ins Gesicht und sah etwas in seinem aufwallen, was wohl am ehesten Zorn war. Mit hochgezogenen Schultern und zusammengekniffenen Augen erwartete sie seine Ohrfeige, aber stattdessen krallten sich seine Hände tiefer in ihre Arme, bis er sie von einer Sekunde auf die nächste losließ. Caryn ließ ihre Schultern gleich oben, jetzt in Erwartung seines Weggangs. Severus stand vor ihr und blickte durch sie hindurch. Wiederum hatte sie sich dazu hinreißen lassen, ihn damit zu konfrontieren, daß sie nicht bereit war, sich an seine Regeln zu halten. Wieder war sie unbequem gewesen, fordernd, während sie nach seiner Meinung nichts zu fordern hatte. Was sollte er anderes tun, als sie ein für alle Mal hinauswerfen und sich die nächste, bequemere Schülerin zu nehmen? ? SIE war austauschbar für ihn. Und dennoch hätte sie jetzt ihr ganzes Leben darum gegeben, die letzten Minuten ungeschehen zu machen.
Was TUST Du überhaupt hier?! Du BIST eine von tausend anderen! Du willst von IHM geliebt werden, und das wird er nicht tun. NIE! Und er hat es Dir GESAGT!
Sie hätte sich nie hierauf einlassen dürfen. Er wollte nicht SIE. Sie wollte NUR IHN. Egal zu welchem Preis. IHN. Sie liebte ihn. Er würde sie nicht lieben. Er würde sie kaputt machen. Sie WOLLTE ihn. Mit Leib und Seele. AUCH mit ihrer Seele. Gerade mit der. Und er würde versuchen, ihre Seele auszumerzen. Ging das EGAL zu welchem Preis so weit, daß sie das mit sich machen lassen würde? Und wie verrückt war sie – zum Teufel – daß sie jetzt hier stehen blieb und ihre Angst alleinig darin bestand, daß er sie doch noch zum Teufel jagen könnte?!
Wird erwachsen, Mädchen! LAß das nicht mit Dir machen! Stell Bedingungen! Mach eigene Regeln! Sie wollte ihn – egal zu welchem Preis!
Dann tu wenigstens so, als ob das anders wäre! Er WIRD Dich jetzt nicht mehr wegjagen!
Das hätte er tun MÜSSEN, nach ihrer vermessenen Forderung eben – und hatte ihr stattdessen das gesagt, was sie hatte hören wollen: Das bist Du nicht. Gut, glauben konnte sie das nicht, immerhin hatte sie diese Worte erpreßt. ABER er hatte sie ihr gegeben, weil er sie hatte zurückhalten wollen. ER wollte diese Sache ebenfalls nicht beenden, jetzt noch nicht, und da konnte sie sich wohl wirklich leisten, ihre Seele zu schützen!
Severus
Wie viele Jahre hatte er diesen Raum benutzt? Wie viele Mädchen hatten ihn die Tür heraufbeschwören und öffnen sehen, und keiner einzigen war vorher von ihm das Gefühl gegeben worden, sie hätte das Recht, eifersüchtig zu sein auf all die anderen.
„Wenn Sie wollen, können Sie mit mir schlafen." - „Gut, schwören Sie." – „Gut, ziehen Sie sich aus." - „Liegen Sie still, ich tue Ihnen nicht weh."
Keine hatte aufgemuckt, wenn sie dieses Zimmer gesehen hatte. Oder wenn er ihre Hände aus seinem Gesicht genommen hatte. Oder wenn er ihr verweigert hatte, sie zu küssen. War überhaupt eine auf die Idee gekommen, ihn küssen zu wollen?!
Caryn hatte er beobachtet. Bewundert. GEKÜßT! Ihre Hände in seinem Gesicht GEMOCHT und ihren Namen auf der Zunge. Götter, er hatte kaum gewußt, wie all die anderen geheißen hatten, und es hatte ihn auch nicht interessiert! UND WAS TAT CARYN?!
Verließ ihn, weil sie nicht ertragen konnte, daß sie nicht die erste Frau in seinem Leben war?! Und er war so… DÄMLICH, ihr auch noch das zu sagen, was sie hören wollte. Was er ihr obendrein schon unzählige Male durch sein unzensiertes Verhalten gezeigt hatte in ihren wenigen Begegnungen. Und sie hatte garantiert jedes einzelne Mal analysiert und registriert! Aber nein, das genügt nicht, der lieben Miss Willson muß es explizit gesagt werden. Irgendwann würde der Alptraum anfangen mit Liebst Du mich? Liebst Du mich? Sag mir, daß Du mich liebst!!
Eine unendlich lange Sekunde hätte er sie am liebsten ins Gesicht geschlagen, hatte seine Hände an ihr festgekrallt, um das zu verhindern. Dann war der Impuls verschwunden, und er stand müde da, Caryn gegenüber, die nun nicht mehr weglaufen wollte.
Er haßte diese Situation, er haßte die Frauen, er haßte DIESE Frau dafür, daß er für sie Dinge zu tun bereit war, die er haßte, nur um zu verhindern, daß sie ihn verließ. Und am meisten haßte er sich selbst dafür, daß jetzt die wievielte Situation stattgefunden hatte, an der er die ganze Sache mit ihr hätte beenden müssen? ABER er war hier, bei ihr, nicht mehr im mindesten sexuell erregt, völlig ernüchtert sogar und konnte trotzdem nicht gehen.
Du WILLST nicht gehen, Severus. Und um Sex geht es nicht, sie hat etwas anderes, das Du willst, das Du brauchst, auch wenn Du Dir all die Jahre eingeredet hast, daß Du das nicht nötig hast.
CARYN LIEBTE IHN.
Hatten das nicht alle getan? – Nein, doch... natürlich NICHT... doch das war ihm gleichgültig gewesen. Bei Caryn war das anders. Warum sollte er sie verschwenden, wenn er gerade IHREZuneigung wollte?
Weil es keine Zuneigung für DICH ist.
Weil Liebe und Zuneigung Illusionen sind.
Weil Du beides schneller wieder verlierst als Du Adieu sagen kannst.
Weil Du Verbrecher nicht die mindeste Zuneigung verdienst.
Weil Du überhaupt keine schmierige Liebe von irgendeiner dahergelaufenen Frau willst.
Weil...
Seine Augen stellten Caryn scharf.
„ICH MÖCHTE für Deine SEELE zuständig sein", stellte diese in diesem Moment fast trotzig fest. Wie kann sie so etwas sagen?! „Und Du mußt in Kauf nehmen, daß ein großer Teil meiner Seele untrennbar mit meinem Körper verwachsen ist. Die mußt Du ertragen, wenn Du mich willst." Jetzt aller Trotz verschwunden.
Und wenn DIESE Frau mit ihrer LIEBE hier vor Dir steht und wagt, derartiges auszusprechen, dann weiß sie es: Daß Du sie mehr willst, als gut für Dich ist ...
Sie sah ihn herausfordernd an, und er schwieg. Wahrscheinlich hatte er einen ebensolchen Gesichtsausdruck. Wartete auf...
„JETZTwill ich Dich. Ein paar Minuten. Wenn Du nichts dagegen hast." Seine Stimme war gepreßt, und die Ironie hatte er schneidender geplant, aber egal. Caryn trat schließlich willig über die Schwelle des kleinen Zimmers und drehte sich unschlüssig zu ihm um. Er ließ die einzelne Fackel auflodern, verschloß die Tür hinter ihnen. Durfte er jetzt die Hoffnung hegen, daß für den restlichen Abend alles unkompliziert verlaufen würde? Nur Umhang und Schuhe zog er aus und legte sich auf das Bett. Er verschränkte seine Arme im Nacken, während Caryn am Bett stehengeblieben war und ihn abwartend musterte. Daß er nicht gedachte, sich weiterer Kleidung zu entledigen, enttäuschte sie offensichtlich. Plötzlich konnte er über sie schmunzeln.
„Sei nicht so ungeduldig, Caryn. Du wirst alles bekommen, was Du willst, KÖRPERLICH, meine ich. Aber doch nicht alles auf einmal. Wenn wir uns jetzt Zeit lassen, ist es besser für Dich. Du hast von mir verlangt, daß ich mich um die Interessen Deines Körpers kümmern soll, und ich habe das geschworen."
„Machst Du das immer so?" fragte sie mit gerunzelter Stirn, ohne die Lippen zu bewegen, da sie natürlich wußte, daß sie sich diese Frage hätte verkneifen müssen. Soviel zu der Hoffnung auf einen unkomplizierten Abschluß dieser Beziehungstortur. Er seufzte ergeben. Also: Sollte er sie anlügen?
Na, das wäre ja wohl lächerlich! „Nein." Aber wenn Du weiterbohrst, Caryn, schmeiße ich Dich raus! Oh ja, genau das würde er tun. Ob sie das in seinem Gesicht gelesen hatte? Jedenfalls lächelte sie ihn an und murmelte nur:
„Da bin ich froh."
Ich auch, Caryn. Daß Du endlich STILL bist!
Endlich legte sie sich zu ihm, sie lagen schweigend nebeneinander auf dem Bett, und ebenfalls zum ersten Mal verspürte er in Gegenwart einer Frau das Bedürfnis, jetzt hier liegenzubleiben und einfach einzuschlafen. Dieses Mädchen brachte ihn noch um den Verstand.... Nur ihre erwartungsvolle Aufgeregtheit neben ihm hielt ihn davon ab.
Caryn
Neben ihm liegend auf ihren Ellenbogen gestützt, sah sie auf ihn hinunter. Sie hatte es ihm nicht leicht gemacht.
MOMENT! Wenn ER nicht so zynisch wäre, könnte er mit ihr immer den Himmel auf Erden haben!
Sie sah, wie erschöpft er war. Mit geschlossenen Augen und gerunzelter Stirn lag er da. Er war doch nicht absichtlich so, erinnerte sie sich. Für ihn war das wahrscheinlich genauso aufreibend wie für sie. Vorsichtig streckte sie ihre Hand aus und berührte mit den Fingerspitzen seine gerunzelte Stirn. Er zuckte zusammen und schlug alarmiert die Augen auf. Als Caryn nur leicht die Linien seiner Fältchen nachfuhr, entspannte er sich wieder und duldete, allerdings unter seiner visuellen Kontrolle, daß sie seine Augenbrauen entlang strich, das Jochbein, seine Nase, die Rinne weiter, die zu seinen Lippen hinunterführte... Seine Lippen! Ihre eigenen fühlten sich ganz seltsam an, während sie seine nicht aus den Augen lassen konnte. Jetzt zuckte sie zusammen, hatte seine ausgestreckte Hand nicht kommen sehen. Seine Fingerspitzen tasteten ihren Mund, der sich instinktiv öffnete, um seinen Fingern die größtmögliche Angriffsfläche zu bieten. Caryn mußte die Augen schließen, weil Severus mit seinen Fingern einen unwiderstehlichen Druck auf ihre Lippen ausübte, sie zwang, seine Fingerspitzen hereinzulassen, zu küssen, IHN hereinzulassen, WEITER hereinzulassen... Oh Gott, wie erregend dieses Spiel war! Sie öffnete den Mund jetzt weiter für ein kleines Stöhnen, und da ihre Augen geschlossen waren, traf seiner sie völlig unvorbereitet, er hatte seine Finger vorher nicht entfernt...
Sein Kuß drückte sie aufs Bett und verdrängte seine eigene Hand von ihrem Mund, brachte jedoch keine Erleichterung ihres wieder unüberhörbaren Sehnens, im Gegenteil, ihr unterer Bauchbereich fühlte sich entsetzlich unbegrenzt an, diese mangelnde Grenze war so anstrengend, sie brauchte Severus da, ÜBERALL DA...
Sie wand sich auf dem Bett, bemüht, weiter an ihn heranzurutschen, aber eine seiner Hände war im Weg... Atemlos fühlte sie, wie er ihren Rocksaum hochschob und zielstrebig ihr Höschen erreichte, mit deutlichem Druck über ihren Venushügel strich und gemeinsam mit ihr aufstöhnte, als er den nassen Stoff in ihrem Schritt ertastete. Aus ihrem Mund kam ein unbekannter Laut, als seine Finger emsig den Stoff über ihren Schamlippen, über ihrer Klitoris streiften, den Steg ihres Höschens beiseite nestelten und endlich ganz in ihre Nässe eintauchten.
„Caryn", murmelte er erstickt, als sie ihm ihre Scham entgegenpreßte, weil sie seine Finger in sich aufsaugen wollte, seine ganze Hand dort unten brauchte, sie brauchte alles von ihm, ALLES, IMMER…
Severus
Wie herrlich sie war! Wie unwiderstehlich erotisch ihre überquellende Feuchtigkeit, ihre wachsende Erregung, die ihn nichts anderes wünschen ließ als in sie einzutauchen, von ihr empfangen, verschlungen zu werden, in sie einzudringen, seinen vor Härte schmerzenden Penis in sie zu stoßen, stoßen, wieder…Nicht heute, nein… Nein, heute noch nicht, aber...
Er rollte sich auf den Rücken und zog sie über sich. Befreite sie von ihrem Höschen, schob seine lange Hose ein Stück hinunter, damit ihr Venushügel auf der schmerzhaften Ausbuchtung seiner immerhin weicheren Unterhose zu liegen kam. Er hörte sie erleichtert aufseufzen und spürte sie ihre Beine öffnen, damit sie ihre Feuchtigkeit an seiner gesicherten Erektion reiben konnte, ihren Eingang an seiner Härte reizen… reizen… reiben… Oh, meine Güte, Caryn… Ihre Bewegungen wurden hastiger, atemloser, er faßte ihre Oberschenkel, schob beide Hände mit festem Griff unter ihren Rock, fuhr die Schenkel hinauf zu ihrem Po, bis er ihre Pobacken in seinen Händen hatte, Caryn damit heftiger an sein Glied pressen konnte. Ein lautes Stöhnen aus ihrem Mund zeigte ihm, daß seine Idee richtig gewesen war. Sie rieb sich hastiger an ihm, er verstärkte den Druck auf ihren Po, er selbst bekam viel zu wenig von diesem Reiz ab..... Mit dem nächsten Atemzug verkrampfte sie sich und stieß mehrere laute Seufzer aus. Imitierte aus einem wunderbaren Instinkt heraus seine Stöße, die er noch nicht machen durfte. Er zog ihre Hinterbacken auseinander, tat nun seinerseits einen leider eher imaginären Stoß, und Caryn SCHRIE auf ihm. Leise, erstickt, vollständig ergriffen, in diesem Moment IHM verfallen, der sie vereinnehmenden Lust, die ER ihr bescherte. Mächtiger Merlin, wie wunderbar sie war!
Caryn
Verlegen wußte sie im ersten Augenblick nicht, was sie jetzt tun sollte nach ihrem Alleingang, als sie jedoch in seinem Gesicht den Ausdruck von... Bewunderung... aber auch rührendem Verlangen sah, war ihr klar, daß sie gar nicht allein gegangen WAR.
„Und DU?"fragte sie schüchtern, nachdem ihr Atem sich weitgehend beruhigt hatte. „Die sollte weg..." Scheu strich sie über seine Unterhose. Es war immer noch ungewohnt, ihn liebevoll lächeln zu sehen.
„Kümmere Dich erst einmal um Deine eigenen Eindrücke. Ich laufe Dir in dieser Hinsicht nicht weg."
„Nein?" Hatte sie früher auch so oft ihre Augenbrauen hochgezogen?
„In DIESER HINSICHT!" stellte er streng klar. Sie strahlte ihn trotzdem an.
„Ich laufe Dir auch nicht weg. In JEDER Hinsicht!"
„Diese Hinsichten sind bei Dir im Augenblick alle dieselben", erwiderte er mit gutmütiger Belustigung.
„Das ist nicht wahr", war nur Lippenbewegung.
„Du mußt immer das letzte Wort haben", stellte er, immer noch freundlich, fest.
„Ich liebe Dich aber."
„Das meinte ich." Grinsend. Ja, wirklich. Er nahm sie nicht ernst!
„ICH LIEBE DICH!"
„Das nehme ich jetzt mal als Kompliment, heute alles richtig gemacht zu haben", entschied er lässig. Sie konnte ihm nicht böse sein.
„Du machst das wunderbar, ich werde niemals genug von Dir bekommen können, NIE!"
„Ich bin noch nicht aufgebraucht", kam trocken zurück. Und war da nicht vielleicht doch wirklich eine Spur... Zärtlichkeit für ihre Seele? Diese seelischen Sehnsüchte drängte sie erst einmal beiseite. Das mit den Körpern war da doch um einiges einfacher zu handhaben. Obwohl sie, wenn sie ehrlich war, all das Neue erst einmal verdauen mußte. Plötzlich war sie unendlich müde und brauchte dringend ihren Körper für sich allein. Als hätte er das gespürt, sagte Severus:
„Du mußt Dich jetzt ausruhen."
„Ist das normal, daß ich so erschöpft bin jetzt?"
„Neue Nervenbahnen bilden sich am besten im Schlaf."
„Aber ich will Dich nicht im Stich lassen..."
„ZUlieb von Dir", grinste er, als ob er ihren altruistischen Motiven nicht glaube. Dann aber war er ganz ernst. „Wir müssen Deinem Körper Zeit lassen, Caryn."
„Warum bist Du eigentlich so besorgt um mich? In DIESER HINSICHT?"
Severus
„Weil ich geschworen habe, mich um Deinen Körper zu kümmern." Und das war eindeutig nur ein Teil der Wahrheit.
„Du tust das sehr... GEWISSENHAFT!"
Da hatte sie recht, und eigentlich wollte er die Gründe dafür auch lieber überhaupt nicht im einzelnen ansehen. Dennoch... Caryn über sich zu haben und sie ihren allerersten Orgasmus auf einem Mann erleben zu sehen, war das Erregendste gewesen, das er sich vorstellen konnte. Sein Genuß, die unverfälschte Wirkung jeder einzelnen seiner Berührungen an Caryn zu beobachten, stellte sämtliche vollendeten Geschlechtsakte der Vergangenheit in den Schatten, völlig unabhängig von der absoluten Nebensächlichkeit, daß er eben nicht einmal gekommen war. Und schließlich handelte es sich um eine eigene Art der Macht, die er bei den Anderen gänzlich vernachlässigt hatte.
Diesen Anderen gegenüber hatte seine Macht darin bestanden, sie zu benutzen, ohne sie an sich heranzulassen, ohne sich um ihre Bedürfnisse zu kümmern. Nicht, daß sie überhaupt nichts davon gehabt hatten, natürlich hatte er sie auch berührt, aber eben nur, um sich selbst zu erregen. Damit zu erregen, daß er sie benutzen konnte, wie es ihm paßte, während es ihnen schlecht ging, und sie dann verstoßen, wenn er mit ihnen fertig war, ohne ihnen etwas wiedergeben zu müssen.
Caryn hatte es bei ihrem Schwur instinktiv anders von ihm verlangt. Oder genauer: Sie hatte so viele Dinge von ihm verlangt, die er ihr nicht zu geben bereit war, daß dieses Sich-um-sie-Kümmern das einzige gewesen war, das er ihr guten Gewissens hatte versprechen können, ohne sich selbst zu verraten. Und dieser Schwur war ein überaus glücklicher Zufall gewesen...
„Das tust Du sehr... GEWISSENHAFT!"
Er sagte nichts darauf und stand auf.
„Und Dienstag machen wir weiter?" kam ihre Stimme beflissen hinter seinem Rücken, und er mußte schon wieder lächeln über ihren Eifer und dann den Mund verziehen über das Verlangen, mit dem sein Körper ihm das Wort MORGEN! in den Mund legen wollte.
„Nächsten Freitag sehen wir uns HIER wieder", zwang er sich zu antworten.
„Aber Dienstag...?"
„ARBEITEN wir."
„Wir haben es noch nicht einmal RICHTIGgetan!"
„Es WAR alles richtig." Er sagte eindeutig zu viele Dinge, die Snape nicht sagen würde, dachte er grimmig.
„Bis Freitag dauert es zu lange. Das kann ich nicht aushalten. BITTE!"
Warum fiel es ihm so verflucht schwer, dieses völlig unzumutbare Bedrängen niederzubügeln? Sie mußte lernen, daß sie damit bei ihm nicht durchkam!
„Bitte, Severus! In einer Woche habe ich alles wieder vergessen!"
Sag ihr, daß sie sich zum Teufel scheren soll!
Es war möglich, daß sie recht hatte. Für ihren Körper war es in diesem Stadium bestimmt ungünstig, wenn sie zu lange Pausen machten. Und er hatte geschworen...
„Wenn wir nächste Woche noch eine Ausnahme machen, heißt das, daß das immer noch eine AUSNAHMEist. Ist das klar?"
Sie kümmerte sich nicht um seinen autoritären Tonfall, sondern umarmte ihn stürmisch.
„Also Dienstag? Dann ist das Warten auf den folgenden Freitag nicht so lang."
„Du sollst Dein Leben nicht damit verschwenden, auf unsere Treffen zu warten!"
„Wenn wir uns jeden Tag sehen würden, bräuchte ich überhaupt nicht zu warten!"
„Caryn, wir führen keine Ehe, nicht einmal eine Liebesbeziehung. Akzeptier das endlich!"
„Ist ja schon gut! Ich freue mich auf Dienstag!" Sie sah ihn erwartungsvoll an.
NEIN, das wirst Du von mir nicht hören! Er kräuselte die Lippen. „Ich auch."
Sie lächelte befriedigt.
Sie wird Dir auf der Nase herumtanzen!
„Bekomme ich noch einen Kuß?"
Siehst Du? „Für heute reicht es, Caryn."
Sie war nicht einmal enttäuscht.
„In vier Tagen dann", sagte sie, und schaffte es unglaublicherweise, ohne weitere Komplikationen zu verschwinden. Wahrscheinlich nur, um ihm nicht die Möglichkeit zu geben, sein Zugeständnis zurückzunehmen.
Caryn
Nichts wie weg, damit sie ihn nicht noch mehr bedrängen und verärgern konnte! Warum hatte sie sich nicht besser im Griff? Warum mußte sie nach seiner ganzen Hand verlangen, wenn er ihr seinen Finger geschenkt hatte? Seine Finger... Seine Hand... Sie lief die Treppe zur Vorhalle hinauf und wandte sich in Richtung Ravenclaw-Turm. Andererseits hatte er auf ihr Generve hin schon wieder eine Ausnahme gemacht. Solange er sie immer belohnte, würde sie wohl kaum damit aufhören können! Sie liebte ihn so sehr! ALLES würde sie für ihn tun!
Nur nicht ihn in Ruhe lassen.
Grimmig schnaubte sie über den gefährlich fordernden Teil in ihr. Sie mußte ihn besser in den Griff bekommen, wenn sie nicht riskieren wollte, Severus zu verlieren!
NIEMALS MEHR will ich ihn verlieren!
„Wie heißt die Himmelsmacht, die dennoch auch für die Zaubererwelt gilt?" wurde sie vom Adler in Form des Türklopfers in der Tür zum Gemeinschaftsraum gefragt. Erschrocken starrte sie ihn an. „Dein Schwur ist mir gegenüber ungefährlich, weil ich kein menschliches Wesen bin", beruhigte sie der Adler, der ihren Schreck richtig gedeutet hatte.
„Woher weißt Du, daß ich gerade von meinem Liebsten komme?" fragte Caryn zurück, und der Adler lachte:
„Das ist meine Magie. Außerdem strahlst Du das aus!"
Caryn strahlte zurück, sagte „Die Liebe!" und wurde eingelassen.
Wie fürsorglich Severus ihr gegenüber sein konnte! Er hatte doch wohl nicht mit all diesen Schülerinnen geschlafen, um seine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen? Ihr gegenüber verhielt er sich so, wie es für sie, Caryn, am besten war. Wie er geschworen hat. Klar.
Es war schon weit nach zehn, leise schlich sie sich in den Schlafsaal und zog sich rasch aus. Den anderen hatte er doch wohl nichts geschworen? Nein, hatte er gesagt. Aber war das die Wahrheit gewesen? War es möglich, daß er gelogen hatte? Vielleicht war der Schwur sein Text gewesen, den er routinemäßig aufsagte, nachdem die Mädchen gehorsam gelobt hatten, ihn nicht zu verraten?
Oh Gott, laß das nicht wahr sein!
Ihr Herz war klamm, zitternd schlüpfte sie unter ihre Decke und rollte sich zu einer fröstelnden Kugel zusammen. Was, wenn er zu jeder so liebevoll war? Was, wenn sie, Caryn, ihm vollkommen gleichgültig war? Wenn er nur seine körperlichen Bedürfnisse in ihr befriedigen wollte? Was, wenn sie seine Seele nie erreichen würde? Die nackte Angst lähmte ihre Gedanken. Tränen verklumpten sich in ihrer Kehle, und die Luft paßte nicht mehr hindurch.
Beruhige Dich, Mädchen, denk doch an all die kleinen Zeichen, die Du an ihm wahrnimmst. Und hat er Dir nicht sogar AUSDRÜCKLICH GESAGT, daß Du keine von den Anderen bist?
Weshalb sollte er sie anlügen, um ihr etwas Gutes sagen zu können? Wo er doch auch keine Gelegenheit ausließ, sie zu verletzen, wenn ihm danach war?
Er hatte heute so oft ertragen müssen, von ihr unter Druck gesetzt zu werden. Und er war nicht weggelaufen. Sondern hatte ihr danach sogar all seine Zärtlichkeit geschenkt. Seine eigenen Bedürfnisse zurückgestellt ihr, naja, ihrem KÖRPERzuliebe... Aber irgendwie gelang es ihr nicht, einen wirklichen Unterschied zwischen Körper und Seele bei sich festzustellen… Er hatte sich um SIE gekümmert. Und das so, daß sie das immer wieder erleben wollte. DAS genügte ihr für ihr ganzes Leben! Und nächstes Mal würde sie für SEINEBedürfnisse sorgen!
Severus
Ich laufe Dir auch nicht weg, in jeder Hinsicht... Ich liebe Dich. Ich liebe Dich, Severus...
Das stressige Ende hatte er anscheinend bereits verdrängt.
Verdammt, kannst Du endlich mal zur Kenntnis nehmen, daß Du Dich da Illusionen hingibst?
Sicher, Caryn WAR eine Illusion. Aber war es wirklich notwendig, sie jetzt schon aufzugeben? Konnte er sie eine Weile nicht einfach noch weiter genießen? Was war daran gefährlich? Dies, was sie in diesem Stadium von ihm erwartete, konnte er leisten.Na Darin verstellte er sich nicht, er gab sich in ihren Armen ganz entspannt, war er selbst. In dieser Hinsicht konnte er ihr geben, was sie ersehnte. ER GAB IHR NUR ZU GERNE, WAS SIE ERSEHNTE. Weil es gleichzeitig sein eigenes Sehnen war.
Und: Warum sollten sie beide nicht bekommen, wonach sie sich sehnten? Wenn sie Dinge von ihm wollte, die er ihr geben konnte.
Illusionen!
Caryn kannte ihn nicht wirklich. Hatte nur eine vage Ahnung von seiner Vergangenheit. Es würde bei ihr genauso sein wie bei allen anderen Schülerinnen vor ihr. Es MUßTE so sein. Daß sie sich ein romantisches Bild von ihm gemacht hatte, das sie jetzt anhimmelte, bis sie von der Realität eingeholt wurde.
Zeig ihr die Realität, Severus!
Dienstag also. Dann RICHTIG? Hatte er das nach der Tortur durch ihr Gefühlsleben heute nicht verdient? VERDIENTE er etwas? Wollte sie es denn nicht auch?
Er hatte bis dahin noch Zeit, darüber nachdenken. Er würde dringend seine Distanz zu ihr wiedererlangen müssen. Das war nur schwierig, solange sein Körper sie so heftig begehrte. Wenn er sie ein paar Mal gehabt hätte, würde er sich wieder zurückziehen, seine Unabhängigkeit wiedererlangen und Caryn handhaben wie alle anderen auch. Naja, aufzuhören, sie zu küssen, war jetzt auch nicht mehr notwendig – er leckte sich die Lippen – und sich um ihre Bedürfnisse, die KÖRPERLICHEN, zu kümmern, war er ja gezwungen. Diese überwältigende Anziehung lag nur in diesem untypischen Beginn ihrer Liaison begründet. Dieser hatte ihn verwirrt, so einfach war das. Ich liebe Dich, Severus... DAS WAR die Illusion.
Internatsalltag
Caryn Wochenende, 30. 1.3
Erst spät wachte sie auf und fühlte sich gleich zuversichtlicher. Es war so WUNDRSCHÖN gewesen, und aller Streit war beim Abschied doch schon vergessen gewesen. Unzählige Male hatte er ihr in die Augen gesehen, er hatte freundlich, oft sogar freundschaftlich mit ihr gesprochen... und gestöhnt.... Caryn mußte die Augen wieder schließen, schlucken und einen tiefen Seufzer ausstoßen, um das Gefühl ihrer auf sie einströmenden Feuchtigkeit auszuhalten. Atmete ein paar Mal tief durch, bevor ihre Beine in der Lage waren, sie zu tragen, und sie aufstehen konnte. Das Frühstück – wohin sich die letzten beiden Mädchen gerade auf den Weg machten – würde sie ausfallen lassen – ER würde ja doch nicht da sein – und sie würde sich aufraffen, all die liegengebliebene Arbeit nachzuholen, die in der vergangenen Woche ihrer erotischen Besessenheit zum Opfer gefallen war.
Im leeren Schlafsaal übte sie zum ersten Mal seit der Extrastunde bei Flitwick den Evanesco, welcher ihr in der Tat nicht schwer fiel. Sie schaffte es auf Anhieb, Kleidungsstücke, Bücher und Lebensmittel verschwinden zu lassen, noch genügte allerdings ein Finite Incantatem, um sie wieder heraufzubeschwören. Das sei am Anfang ganz normal, hatte Flitwick beteuert, mit der Zeit sollte sie allerdings in der Lage sein, die Molekularstruktur der Gegenstände vollständig im Nichts auseinanderbrechen zu lassen, so daß sie wirklich verschwunden seien. Danach siedelte sie in die Bibliothek über, wo sie sich in die Hausaufgaben stürzte und wirklich bis zum Abend noch immer nicht fertig war.
„Na? Ich würde sagen, ich entführe Dich erst einmal zum Abendessen. Du scheinst Dich seit heute Mittag nicht von der Stelle gerührt zu haben! Da war ich schon mal hier!" Caryn sah auf. Lucas stand grinsend mit den Händen in den Hosentaschen vor ihrem Tisch.
„Das ist lieb von Dir", antwortete sie, ihre Sachen zusammenraffend, und stand auf. „Ich habe allerhand zu tun gehabt, aber jetzt reicht es auch! – Wo sind Deine Kumpels?"
„Vorgegangen", sagte er, indem er ihr einen Stapel Bücher abnahm und auf Caryns Geheiß zu Madam Pince brachte. Nachdem Caryn ihre privaten von der Bibliothekarin hatte kontrollieren lassen, machten sie sich gemeinsam auf den Weg in die Große Halle. „Ich wollte Dich fragen, ob Du Lust hast, morgen Nachmittag mit zum Quidditchfeld zu kommen, wir wollen uns einen Schulbesen leihen und ein bißchen herumfliegen." Lucas hielt ihr die Tür auf und schlüpfte hinter ihr hindurch.
„Fliegen kann und mag ich überhaupt nicht!" entgegnete Caryn schnell. „Vielleicht komme ich mal vorbei und sehe Euch zu. Ich habe auch noch total viel Arbeit, die ich irgendwie morgen bewerkstelligen muß..."
„Freitag warst Du doch wieder nachsitzen bei Deinem speziellen Freund, stimmt's?" hakte Lucas nach. Caryn sagte nichts. „Aber bei ihm selbst, oder? – Mußtest Du irgendwelche abstoßenden Zutaten präparieren, Nacktschnecken verquirlen oder Würmern die Haut abziehen? Die Leute erzählen sich doch immer die ekligsten Sachen über seinen Sadismus!"
Caryn überlegte, ob von ihr erwartet wurde, eine neue Schauergeschichte in die Welt zu setzen. Es würde ihr nichts ausmachen, im Gegenteil. Je abstoßender die anderen Snape fanden, desto mehr hatte sie ihn für sich allein. Nicht auszudenken außerdem, wenn einer neuen Schülerin auffallen würde, wie attraktiv er war...
„Ich durfte einen Trank herstellen, der ihm ausgegangen war", log Caryn stattdessen. Sie hatte irgendwie keine Lust, viel auf anstrengende Erzählpassagen.
„Das heißt, er behandelt Dich wirklich anders als die anderen Schüler, oder?" erkundigte sich Lucas neugierig.
„Quatsch! Er brauchte diesen Trank gerade, da hatte ich einfach Glück!" Caryns Stimme war belegt, hoffentlich war Lucas nicht mit feineren Antennen ausgerüstet, als gut für sie war. Sie spürte den nachdenklichen Blick ihres Kameraden auf sich, als er ihr die Tür zur Großen Halle aufhielt. Automatisch war Caryns ganze Aufmerksamkeit heimlich auf die Frage gerichtet, ob ihr Liebster vielleicht entgegen seiner Gewohnheit hier sein könnte? Könnte er nicht Sehnsucht nach ihr haben und einen kleinen Blick auf sie werfen wollen...? Warum hat er keine Sehnsucht nach mir, verdammt?
„Komm zu uns, Lucas!" meldete sich sein Freund vom anderen Ende des Ravenclawtisches, als sie sich dem gerade näherten.
„Geh nur", sagte Caryn, die sowieso lieber so sitzen wollte, daß sie den Mittelgang und den Lehrertisch im Blick hatte. Außerdem mußte sie echt aufpassen, daß Lucas nicht zu nachdenklich wurde. Seine Antennen waren anscheinend ziemlich empfindlich.
Severus tat ihr NICHT den Gefallen, sie zu vermissen. SIE ihn dafür umso mehr...
Nachdem sie am Sonntag Vormittag ihre Aufgaben weitgehend bewältigt hatte, meldete sie sich bei Flitwick ab und machte sich zu einem Spaziergang auf. Dem Quidditchfeld samt den ausgelassenen Besenfliegern stattete sie nur einen kurzen Besuch ab, winkte Lucas, der im Flug richtig freundschaftlich zurückwinkte. Einen Moment lang bedauerte sie, daß sie gesagt hatte, sie interessiere sich nicht für seine Fliegerei. Dann wandte sie sich dem Saum des Verbotenen Waldes zu. Hier bestand immerhin die Möglichkeit, dem Zaubertränkemeister auf einer seiner Zutatenbeschaffungsausflüge zu begegnen. In ihrer Phantasie TRAF sie Snape, der auch seinen Sehnsüchten nach ihr ent-gehen mußte...
Auch in der Realität kam sie einigermaßen entspannt in die Schule zurück und durfte abends zumindest auf einen Blick in der Großen Halle AUF ihn hoffen, nachdem er das Wochenende wie üblich seine Räume anscheinend nicht verlassen hatte. Einen VON ihm zu wünschen, wäre ein vergebliches Unterfangen.
Er hatte vorgestern in ihren Armen gelegen, und sie hatte sich so wohl gefühlt, so angenommen, so… geliebt…? Das war blödsinnig, so etwas zu denken, aber konnte er ihr dann heute nicht wenigstens EINMAL, GANZ KURZ in die Augen sehen? Die Tage bis Dienstag zogen sich noch so endlos hin!
Seine hohe, schwarze Gestalt durchschwebte den Mittelgang und brachte Caryns Innereien zu einer unangenehmen Verschlingung. Und er warf ihr natürlich KEINEN, nicht den ALLERKLEINSTEN Blick zu. NIE hatte sie ihn ein Mädchen sehnsuchtsvoll anschauen sehen. Und Caryn war NICHTS Besonderes. Bin ich nicht? JEDE der Mädchen hatte sich für ebensoBESONDERS gehalten! Wahrscheinlich verhielt ein Mann sich der Frau gegenüber immer so liebevoll, sobald sie ihm in Aussicht stellte, Sex mit ihr zu haben. Gab es erotische Reflexe, die den Begriff der körperlichen Liebe bedingten? Welche mit seelischer Zuneigung grundsätzlich nichts zu tun hatten? Hatte er ihr nicht aber mittlerweile unzählige kleine Zeichen gegeben, daß sie ihm keineswegs so gleichgültig war, wie er immerfort behauptete? Kleine Äußerungen, kleine Antworten, kleine Blicke...
Mit einer Aufwallung dieser Freude schickte sie ihren Blick kurz in seine Richtung am Lehrertisch. Flehte ihn stumm an. Und er hob den Kopf! Er sah sie an! Sah ihr eine, zwei… drei! Sekunden ernst in die Augen, bevor er sich wieder seinem Essen zuwandte. Caryn kontrollierte ihre aufwallenden Körperfunktionen samt dem euphorischen Strom, der aus ihrem Gesicht strahlen wollte, und schaffte es, diesen in ein kleines Lächeln zu bannen. Sein Blick würde reichen, um sie direkt nach dem Abendbrot ins Bett zu bringen und ihr zu erlauben, sich unter der Decke süßen Tagträumen hinzugeben...
Severus Sonntag, 1.3
Sie machte ihre Sache gut. Für jemanden, der sich nicht auf Legilimentik verstand, war nicht zu merken, daß Caryns Ausstrahlung sich verändert hatte. Sie war nach innen gerichtet, sie nutzte ihre Energien, um ihre Gefühle – ihre Gefühle für Dich, Severus! – in sich zu halten und nach außen hin zu verbergen. Dumbledore würde das natürlich auffallen, der würde auch den Schluß ziehen, daß das Mädchen heimlich verbotener Weise verliebt war. Was in ihrem Alter ja nicht so selten vorkam. Snape hatte auch vorher nicht genau sagen können, ob sein Direktor Caryn in besonderer Weise wahrnahm. Was seltsam war, normalerweise hielt der alte Mann sich in Schülerhinsicht nicht so bedeckt. Und Caryn war ja bei weitem kein unauffälliger Charakter. Was die übrigen Lehrer anging, so war Snape sich sicher, daß niemandem bis auf Flitwick aufgefallen war, daß Caryn etwas Besonderes war. Über eine besondere emotionale Intensität verfügte, die Severus in so untypischer Weise gefangengenommen hatte.
Obwohl er das ja sehr gut im Griff hatte. Das Wochenende hatte er in gewohnter Manier im Labor und an seinem Schreibtisch verbracht, ein wenig gelesen, ein wenig gewerkelt – und seine Gedanken schweifen lassen. Welche verständlicherweise vor allem bei IHR gelandet waren, aber war das nicht normal, wenn ein Mann sich in der Phase unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr mit einer neu eroberten Frau befand? Hatte er nicht früher auch an seine jeweils neue Schülerin gedacht?
Ja, Severus? Hast Du Dich auch damals unentwegt in Erinnerungen vergangen? In Bildern geschwelgt? Deine Hand nicht von DIR lassen können, weil Du Dich sonst auf nichts konzentrieren konntest?
Bei DIESER SCHÜLERIN – bei Caryn – ja, bei Caryn war eben die Körperliche Anziehung besonders stark.
Weil sie so gut aussieht? So sexy ist? So…
Verführerisch eben. So ursprünglich. Spontan. Ihren Gefühlen so ausgeliefert. IHM so ausgeliefert… Er spannte die Beckenbodenmuskeln an. Ich liebe Dich, Severus! Hörte er sie in seinem Kopf, und daß ihn DAS NICHT abturnte, MÜßTE ihm zu denken geben. Aber was sollte er über etwas nachdenken, das nur vorübergehend da war und das sich einfach GUT anfühlte?
Eigentlich konnte er sich erlauben, ihr den Blick zu schenken, nach dem sie sich so sehnte, wie er sehr wohl wahrnahm. Ihre in sich gerichtete Energie brach von Zeit zu Zeit in Form einer Welle in seine Richtung. Auch das würde niemand bis auf Dumbledore wahrnehmen können, und der auch nur dann, wenn er sich auf Caryn konzentrierte. Im Moment war der Schulleiter in eine angeregte Konversation mit Minerva vertieft. Gut. Snape wartete, bis Caryns Augen ihrem Geist folgen würden und genoß das Gefühl, daß sie ihn anflehte. Es war zweifellos ein gutes Gefühl, von der richtigen Frau geliebt zu werden! Er hob den Kopf und sah ihr ernst in die Augen.... und mußte sich eine Sekunde lang auf seine Selbstkontrolle konzentrieren, um seine Schwingungen in sich zu halten. WAS für Schwingungen?!
Du machst Dich lächerlich, Severus!
Derartig überflüssige Entgleisungen würden sich ja wohl in Zukunft vermeiden lassen!
