Vorfreude
Severus Montag, 2.3
Er seufzte und schwang die Beine wieder aus dem Bett. Dann würde er eben noch NICHT schlafen. Einen Becher dieses Beruhigungstees machen, auch wenn der neulich auch ziemlich versagt hatte.
KÖNNTE das daran liegen, daß Du gar nicht beruhigt werden MÖCHTEST?
Dieser an sich unerträgliche Zustand machte ihm eindeutig viel zu viel Spaß. Er dachte ständig an sie, unentwegt tauchten ihre vor Lust verdunkelten Augen in ihm auf, ihr Seufzen, ihre Stimme, die von Liebe sprach, ihre bittende Forderung
Ich brauche mehr....
Gut, daß sie sich schon morgen zu diesem Zweck sehen würden, gut, daß er ihr an dieser Stelle entgegengekommen war, Enthaltsamkeit schien einfach etwas zu sein, das im Zusammenhang mit Caryn nicht funktionierte.
Du machst Dir eindeutig zu wenig Sorgen darüber, was es ist, das Dich diese Besessenheit so sehr genießen läßt. Professor Snape würde sich nicht VERLIEBEN. Erst recht nicht in eine Schülerin.
SELBSTVERSTÄNDLICH VERLIEBTE ER SICH NICHT! Nicht in eine andere als Lily, der er schuldig war, an ihr zu leiden, solange er lebte, um seine unbezahlbare Schuld an ihr und allen abzutragen. Er hatte gar nicht verdient, sich neu zu verlieben, geschweige denn, geliebt zu WERDEN.
Davon abgesehen wirst DU Dich ja wohl von niemandem seelisch abhängig machen!
Es war lediglich eine körperliche Abhängigkeit, eine freiwillige und vorübergehende, das hatte er doch schon entschieden. Diese Schattenseite mußte man schlicht in Kauf nehmen, wenn man diese heftige erotische Anziehung genießen wollte. Es war schlicht die andere Seite der Medaille. Der Preis für die wunderbare Erotik.
Und diese Erotik WOLLTE er! Caryns instinktive Bewegungen an ihm, ihr Stöhnen bei dem Versuch, diese sie überwältigenden neuen Empfindungen zu verarbeiten, ihre rasanten Fortschritte, ihren verlegenen Blick nach ihrem ersten Höhepunkt, ihre Worte, die sie an ihn richtete – Stop. Wie soll das?! – Nun ja, das, was sie sagte, war schlicht unglaublich erotisch.
Er mußte lediglich damit aufhören, sich so viele Gedanken zu machen. So maß man dem Ganzen nur zu viel Bedeutung bei. Leicht sollte es sein! Spaß machen! Ein SPIEL sein, ein wundervoll erotisches SPIEL!
Severus ließ den frisch zubereiteten Becher Tee unbeachtet auf der Arbeitsplatte zurück und begab sich ins Bett zurück. Warum sollte er sich die Bilder eines solchen Spiels nicht einfach gönnen? Vielleicht würde er darüber einschlafen können! Ha, ha! Er schnaubte, tat das aber mit einem gekräuselten Lächeln. Ließ sich mit einem resignierten Seufzen in die Kissen sinken und drehte sich auf die Seite. Die andere Seite der Medaille war verteufelt groß. Doch noch immer war er imstande zu lächeln.
Nicht alltägliche Spiele
Caryn Dienstag, 3.3
Die dienstägliche Zaubertränkestunde wollte sie in Vorfreude auf den Abend genießen. Auch wenn sie sämtliche Energie aufwenden mußte, um sich unentwegt davon zu überzeugen, daß sie sich ihre Nähe zueinander nicht eingebildet und daß er die Wahrheit gesagt hatte mit seinen Worten: Das bist Du nicht. In seinen Armen heute Abend würde alles leichter sein. Sie durfte ihn jetzt nur nicht wütend machen. Mußte zufrieden sein mit der Erinnerung an ihre letzten offiziellen Begegnungen: diejenige an ihr erregendes Spiel letzten Dienstag, an ihr Kampfspiel am Donnerstag und an den Blick, den er ihr Sonntag in der Großen Halle geschenkt hatte. Danach nicht wieder. Von der heutigen Stunde durfte sie nichts erwarten. Brauchte sie doch auch nicht, heute hatte sie den Luxus, davon unabhängig zu sein.
Den Kopf gesenkt, ihre Gefühle leise gedreht, wie ihr Vater früher immer von ihr verlangt hatte, ihre Konzentration auf die Aufgabe gerichtet, bemühte sie sich nach Kräften, seine Anwesenheit – seine Stimme! – in diesem Unterricht einfach still aufzusaugen.
Ihr stockte der Atem, als sie ihn, der er ihre Reihe eben durchschritten hatte, hinter sich stehenbleiben SPÜRTE.Was war in ihn gefahren?! Wollte er sie auf die Probe stellen? Sie in der folgenden Sekunde verletzen?Er sprach üblich desinteressiert zu der ganzen Klasse, während er dicht hinter ihr stand, und jeder Teil ihres Körpers von seiner Anwesenheit erfüllt war. Ihre Augen geschlossen und ihren Atem anhaltend, bemühte sie sich nach Kräften, die Aufruhr in ihrem Innern nach außen hin verborgen zu halten. Lucas sah bestimmt zu ihr nach vorne. Plötzlich wurde ihr bewußt, daß SIEsich mit solch einem aufreizenden Verhalten nach dem Schwur in Lebensgefahr begeben hätte. Und IHM war das erlaubt?!Sie drehte sich zu ihm um und blickte in stummer Anklage zu ihm hoch.
„Wollten Sie etwas anmerken, Miss Willson?" ließ er seine volle tiefe Stimme übertrieben liebenswürdig durch das Klassenzimmer tönen.
„Sie machen mich nervös!" entgegnete sie knurrend, wohl wissend, daß sie ihm eine riesige Angriffsfläche für seinen Verletzungsschlag bot.
„Was Sie nicht sagen..." Da sie wieder geradeaus guckte, konnte sie seine erhobene Braue nur HÖREN. Völlig verwundert war sie, wie er riskieren konnte, so viel Ungesagtes öffentlich preiszugeben. Andererseits hatte er das immer getan. Eigentlich war er oft so provokant sexistisch gewesen. Um alle Frauen zu demütigen. Nur daß diese Demütigung in ihrem erotischen Zusammenhang keine mehr war, ausschließlich süße Verheißung, die dafür sorgte, daß sie ihren Körper schwer daran hindern konnte, sich jetzt gleich und auf der Stelle ihm an den Hals zu werfen.
„Dabei sind SIE es doch gewesen, die mich schon wieder mit Ihrer Nähe fast umgeworfen hätte in der letzten Apparierstunde!" Auch wenn der Tonfall dieser Worte so verletzend war wie üblich, war es der samtige Klang, der einen weiteren Feuchtigkeitsschub verursachte. Snapes Umhang wehte an ihre Schulter, als er, ohne sich weiter um sie zu kümmern, aus ihrer Nähe abzog.
Oh, Severus!
Ihr Nachsitzen hatten sie ja schon, und das verlangte Arbeiten erübrigte sich ja wohl für alle Zeit…
Severus
Er hatte vorgehabt, sie zu ignorieren. Natürlich. Er war kein Jüngling mehr, der seine Tagträume mit in die Wirklichkeit hinüber nahm! Dennoch würde es Spaß machen, sie ein kleines bißchen zu ärgern, wieder ein bißchen zu spielen... Zumal er heute ja kein Risiko einging, sich zu einem zusätzlichen Treffen hinreißen zu lassen.
Routinemäßig durchschritt er die Gänge, während er seinen Vortrag über eine Komplikation bei der Bereitung des heutigen Trankes hielt. Seine Stimme versetzte er bewußt mit einem Unterton, von dem er wußte, daß Caryn darauf mit Gänsehaut reagierte, was allerdings sogleich nach hinten losging. Vorsichtshalber blieb er stehen, damit er sich lediglich auf Unbewegtheit seiner STIMME konzentrieren mußte, und nicht Gefahr lief, seine Erregung in seinen Bewegungen unfreiwillig zum Ausdruck zu bringen. Sobald er sich wieder gefaßt hatte, schritt er weiter, um nun hinter ihrem Rücken stehenzubleiben.
Na, Caryn, wie ist das?
Dieses Verlangen war schon wunderbar. Und daß sie es erwiderte, ein wirkliches Geschenk.
Zeig mir, daß Du es erwiderst, Geliebte!
Er schalt sich im Geiste, aber da tat sie ihm den Gefallen und blickte stirnrunzelnd von unter zu ihm herauf.
„Wollten Sie etwas anmerken, Miss Willson?" fragte er sanft.
Sie knurrte ihre Antwort, und er wollte sie dafür grob in seine Arme ziehen und auf der Stelle...
„Sie machen mich nervös!"
Das begrüße ich sehr, denn das beruht überaus glücklicherweise auf Gegenseitigkeit, meine Dame... „Was Sie nicht sagen..."
Die Schüler waren an solche Untertöne gewöhnt. Sie noch einmal explizit offiziell zum Nachsitzen einzuladen, wollte er dennoch lieber nicht riskieren. Obwohl es das Prickeln noch verstärkt hätte... Den Körperempfindungen, die ihn in diesem Moment überschwemmt hatten, hätte er gegenüber vernünftigen Erwägungen gern den Vorzug gegeben.... aber er war ohne Frage vernünftig und zog sich lieber zurück. Nicht ohne den übrigen Anwesenden Futter zu geben, wenn er es für Caryn auch mit einem begierdeweckenden Ton versah.
„Dabei sind SIEes doch gewesen, die mich schon wieder mit Ihrer Nähe fast umgeworfen hätte in der letzten Apparierstunde!"
Unter seinem Umhang hielt er seinen Zauberstab und konzentrierte sich darauf, den Stoff hochfliegen zu lassen, so daß der er ihre Schulter streifte, während er sich von ihr entfernte.
Caryn
Er war selbst schuld, nicht wahr? Sie in diese Erregung zu versetzen! Er hatte sie praktisch explizit dazu eingeladen, länger zu bleiben. Wie gut, daß die Schüler Snapes Klassenzimmer nach den Stunden immer so schnell wie möglich verließen! Obwohl Lucas sehr wohl registriert hatte, daß sie schon wieder trödelte. Ob sie daran auch sterben konnte? Snape würde ihr ja wohl nicht übelnehmen, daß sie nicht in der Lage war, ihren Körper dazu zu bringen, es den anderen gleichzutun? Der letzte Schüler war draußen. Und er ging zur Tür, Caryn hielt den Atem an... und frohlockte! Er versiegelte die Tür, und ihre Anspannung – nicht NUR – entwich ihr in Form eines leisen Stöhnens.
Langsam kam er auf sie zu. Seine Augen blitzten, und um seinen Mund spielte ein Zug, der sie mit einem Schlag zurückschickte in seine Arme letzten Freitag.
ER WILL MICH!
Er WOLLTE sie. So sehr, daß er im Unterricht mit ihr gespielt hatte. So sehr, daß er jetzt die Welt ausgesperrt hatte, damit...
„Na, Miss Willson, habe ich Ihre Einwilligung, Sie KURZ mit mir zusammen EINZUSPERREN?" Seine Stimme war ironisch, wie immer, aber jetzt wäre sie niemandem verletzend erschienen, nur unerträglich verlockend.... Zur Antwort konnte sie ihm nur ein scharfes Lufteinziehen geben.
„Das ist schön..." fuhr er fort, und jetzt konnte auch niemand sonst die Begierde in seiner Äußerung überhören. Caryn sah ihn nur mit großen Augen und geöffneten Lippen an. „Ich würde Ihr ANGEBOT sehr GERNE auf der Stelle annehmen... CARYN, aber leider ist dieser Raum nicht sicher." Auf ihren überraschten Blick hin erläuterte er: „Unser Schulleiter verfügt über Möglichkeiten, über beinahe alles, was in seiner Schule vorgeht, informiert zu sein. BEINAHE alles, denn glücklicherweise verfüge zum Beispiel ICH über Möglichkeiten, dieser Überwachung Hindernisse in den Weg zu stellen. Diese HINDERNISSE kann er allerdings sehr wohl wahrnehmen. Da er um meine... Vorgeschichte weiß UND mir vertraut, akzeptiert er, daß ich ihn nicht in meine privaten Räume sehen lasse. Nur habe ich natürlich keinen LEGALENGrund, diesen Unterrichtsraum vor ihm zu schützen..."
Er hob seine Hand und zog ihren Umhang beiseite. Mit angehaltenem Atem folgte Caryn ihr mit den Augen. Dann berührte er ganz sacht die Brustknospe, die sich aufgerichteter Weise deutlich unter dem dünnen Blusenstoff abzeichnete.
Ich werde nie wieder behaupten, daß mein Busen nichts mit Sex zu tun hat....
„Und das?" fragte sie heiser.
Es dauerte einen Atemzug länger, ehe er erwiderte:
„Er kann bestimmt wissen, daß WIR BEIDE uns in diesem Moment ALLEINE in diesem Raum befinden." Er hatte seine Stimme in alle verfügbare Seide gekleidet. Grinste dann unvermittelt – unwillkürlich tat sie es ihm nach, gerührt, wie jungenhaft er in diesem Moment aussah, als er sich Gedanken darüber machte, wie er seinen Direktor an der Nase herumführte. „Aber ich gehe davon aus, daß er denkt, daß ich Dich gerade zur Schnecke mache...", sagte er frech, und Caryns Grinsen verstärkte sich.
„Zur Schnecke... naja, EINEParallele würde mir da schon einfallen..."
Seine Überraschung verkehrte sich nach einer Sekunde in ein von einem winzigen Keuchen begleitetes Blinzeln.
Severus
„Ich kann bedauerlicherweise nicht wagen, die beiden Dinge zu tun, die ich gerade SEHR gerne täte..." raunte er der köstlichen Frau dicht vor ihm zu.
„Sag es...." bat sie atemlos.
Ahnst Du, wie unglaublich erotisch Du bist?
Er mußte zuerst das Krächzen in seiner Stimme überwinden, bevor er ihr den Gefallen tun konnte.
„Ich will Dich... anfassen... küssen", er schluckte hart. Ein Lächeln trat in sein Gesicht, als er sie das gleiche tun sah. Legte Berührung in seine an die betreffenden Stellen wandernden Augen und flüsterte: „Ich möchte meine Hände unter Deinen Rock schieben... nach oben bewegen... weiter..." Er schluckte wieder. War zu einem tiefen Atemzug gezwungen. Riß sich zusammen und fuhr mit normaler Stimme fort: „…und Deine dreiste Behauptung überprüfen, daß Du es mit einer SCHNECKE wirklich aufnehmen könntest!"
Ihr Lächeln verzerrte ihr Gesicht zu einer verzweifelten Grimasse:
„Ich will das!"
Alles Schlucken half nichts. Er räusperte sich wieder.
„Da bleibt uns leider nichts anderes übrig, als JETZT so zu tun, als ob Dumbledores Annahme mit der trockenen Schnecke zutrifft und die Untersuchung der feuchten auf heute Abend in meinen sicheren Räumen zu verlegen..."
Caryn lächelte unvermindert gequält. Daß er seine Hand erneut nach ihr ausstreckte, um ihr kurz über die Wange zu streicheln, barg eine Sexualität in sich, die er mit einer solchen Geste niemals in Verbindung gebracht hätte. Mit dieser harmlosen Geste brachte er Caryn dazu, scharf die Luft einzusaugen und ihre Wange gegen seine Hand zu pressen. Den Kopf zu drehen. Seiner Hand zu. Sie traf seine Handfläche mit ihrem Mund. Schlug ihre Zunge dagegen. Stieß. Saugte. Mein Gott, Caryn, ich KANN Dich jetzt nicht küssen! Geschweige denn…
Es wurde Zeit, das hier zu beenden. Den Schritt von ihr weg zu tun. Auch wenn er nichts anderes tun wollte, als diese Frau, der er nur seine Hand in ihren Mund schob – ein erbärmlicher Ersatz für … – als diese Frau gegen die nächstbeste Wand zu drücken, sein Knie zwischen ihre Schenkel zu zwängen, um endlich wenigstens seine Hand in ihre so frech angekündigten Nässe zu stecken…
Er zweifelte jedoch nicht daran, daß dem Alten möglich war, seinen und ihren Standpunkt hier im Raum relativ genau zu ermitteln – und daß Professor Snape eine Schülerin an eine Wand drängte, war wirklich nichts, worüber er den Direktor nachdenken lassen wollte.
„Dann wollen wir die Zeit, die ich zu dieser Verabredung benötige, nicht länger auseinanderziehen. Nicht daß unser verehrter Schulleiter doch noch anfängt, sich zu wundern...", ging er zur Tagesordnung über.
Hatte das zumindest VORGEHABT, doch seine Hand, zu Caryn geschickt, um sie zum Abschied in die Seite zu knuffen, war irgendwie unter ihren Umhang geraten. Mit seiner anderen den Stoff am anderen Ende ergreifend, hielt er die aufkeuchende Caryn auf sittlichem Abstand, während er mit langem Arm unter ihren Rock faßte, sich an ihrer Strumpfhose vorbeizerrend, ihrem Slip beiseite nestelnd… Caryn machte die Beine breiter, um seine Hand dort aufzunehmen, sie faßte ihn am Handgelenk, um ungestört mit ihrem feuchten Geschlecht an seinen Fingern entlang gleiten zu können… Sie stöhnte so sehr… ER stöhnte so… Caryn… Caryn!
„Caryn!"
Er entzog ihr seine Hand, diese unwillkürlich an seine Nase führend. Tief ihren wunderbaren Duft in sich aufnehmend. Mit errötenden Wangen, feuchten Lippen, glänzenden Augen – verklärt, alles verklärend… – blickte sie schweratmend zu ihm auf. Ihr leises „Severus…!" war wie ein Jammern.
„Caryn, wir sehen uns nachher…!" brachte er heraus, mühsam das Streben derselben Hand übergehend, jetzt sofort wieder ihre Wange zu streicheln.
Nachgespräch
Severus Dienstag, 3.3
Er öffnete ihr die Tür persönlich und zog sie in seine Arme, noch während er dabei war, den Versiegelungszauber wieder zu aktivieren.
„Wie habe ich nur annehmen können, daß eine Umarmung pro Woche mit Dir ausreichen könnte?" fragte er in ihr Haar, und sie hörte es trotzdem und erschauerte in einem wahrnehmbaren Freudenschwall.
„Da bin ich Dir wirklich sehr dankbar, daß Du Deinen Irrtum noch rechtzeitig bemerkt hast, bevor ich vor unerfüllter Sehnsucht GESTORBEN wäre!" seufzte sie glücklich.
„Wenn Du Deine Sehnsucht als unerfüllt bezeichnest, sehe ich mich gezwungen, schnell zu handeln!"
Er schenkte ihr ein verschmitztes Lächeln, bevor er endlich begann, sie zu küssen.
„Können wir wieder beieinander liegen?" fragte sie unschuldig mitten in diesen Kuß.
„Wie überaus erfreulich, daß Du Dich daran erinnerst...." grinste er. „Und ein Wärmezauber könnte diesmal auch nicht schaden, wenn wir mit unseren Lektionen fortfahren, es ist eindeutig Oktober!"
Und wieder einmal ritt ihn der Teufel, der ja wohl eindeutig Caryns Gestalt angenommen hatte. Aber es machte ihm einfach Spaß, sie hochzuheben und durch sein Labor zu seinem geheimen Schlafzimmer zu tragen, das Kunststück zu vollbringen, seinen Zauberstab aus seiner Hosentasche zufassen zu bekommen und die Tür mit dem einem etwas verkrampften Wedeln und einem etwas verwaschen gedachten Spruch sichtbar zu machen und zu öffnen, während sich Caryns Lippen an seinem Mund zuschaffen machten. Er ließ sie auf das Bett fallen und kitzelte sie aus Rache. Wie kindlich dieser Impuls war und wieviel Vertrautheit er voraussetzte, wurde ihm bewußt. Und wie groß die Nähe war, die aus einem gemeinsamen Kitzellachen entstand, gleichzeitig erotisch und unschuldig, auf jeden Fall aber zutiefst KÖRPERLICH.
Caryn
Diesmal war die ganze Welt richtig! Die Anderen hatte er doch wohl kaum getragen? Sie gekitzelt und mit ihnen gemeinsam gelacht? Um sich dann anschließend als Waffenstillstandsabkommen einfach zu umarmen und angezogen beieinander liegenzubleiben...
Caryn kostete das Gefühl aus, Severus so dicht bei sich zu haben, ohne von anderweitigen Empfindungen abgelenkt zu werden und kuschelte sich an ihn. Sie legte ihren Kopf seitlich auf seine Brust und sah zu seinem Gesicht hoch. Aufmerksam in ihr Gesicht sehend, hielt er ihren Oberkörper mit seinem linken Arm, während er mit der rechten Hand nach ihrer freien Hand griff und sie festhielt. Ein Glücksgefühl durchströmte sie, wie es Erotik nicht auszulösen vermochte. Das hier war wirkliche Nähe! MENSCHLICHE! Und er ließ sie zu und schien sich durchaus wohl zu fühlen. – Oder bedeutete es ihm nichts und er war es gewohnt mit den ungezählten Vorgängerinnen? Ob Caryn als Mensch interessant genug für ihn war, daß er mit ihr sprach, anstatt nur seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen?
Severus
Es fühlte sich gut an. Sie fühlt sich gut an. Vertraut in seinen Arm gekuschelt, ihre Wange auf seiner Brust, die Augen auf sein Gesicht geheftet, wirkte sie wie eine glückliche Geliebte... Wer sie jetzt so sehen würde, hätte keinen Grund anzunehmen, daß ihr irgendetwas fehlte... daß er falsch war. Entspannt sprach sie aus, was ihr wohl gerade durch den Kopf gegangen war:
„Ist es hier wirklich wie in diesem Muggelroman mit dem Big Brother? Dumbledore verfolgt jede Bewegung seiner... Untertanen hier im Schloß?!"
„Ich glaube nicht, daß er wirklich von dieser Möglichkeit gebrauch macht. Er KÖNNTE es zweifellos. Aber er ist ein Mensch, der jedem erst einmal vertraut. Und der seine eigene Macht reflektiert. – Es ist nur so, daß unser werter Direktor bisher über fast alles im Bilde war, was sich lohnte gewußt zu werden. Und ich gebe mich nicht der Illusion hin, daß ich ohne Sicherheitsvorkehrungen mit einer Schülerin schlafen könnte, ohne daß er davon erführe." Snape spürte, wie sie sich in seinen Armen versteifte. Aha, ihr Absolutheitsanspruch. Soviel zum Thema: Ihr fehlt bei Dir nichts. Jetzt verlangte sie, DIE EINZIGEin seinem Leben, ach was, in seinem HERZEN zu sein – und in einigen Wochen würde sie ihn für einen anderen, liebesfähigen jungen Mann verlassen! Er antwortete nicht. Hatte sie denn etwas gefragt?
„Du hast gesagt, daß ich keine von denen bin..."
Schön blöd von Dir, Severus.
„Ja."
Er spürte ihr Zögern. Seufzte grimmig. Caryn war mit dem Thema noch nicht fertig.
„Ist das die Wahrheit?"
„Ich würde Dich nicht anlügen, um Dir einen Gefallen zu tun." Diese Worte hatte er nicht vorher zensiert... egal. Die Energie ihrer Gedanken hatte nicht abgenommen. Er rückte ein Stück von ihr ab und war sich unangenehm der Kälte an seiner Seite bewußt, wo sie sich eben noch an ihn geschmiegt hatte. Bevor sie eifersüchtig geworden war. All die anderen waren das wirklich NIE gewesen.... Lag das daran, daß Caryn ihn… anders liebte? …Wahrhaft…? Sie war zusammengezuckt, als er seine Haut von ihrer gelöst hatte.
Geschieht ihr recht! Was muß sie auch immer die Harmonie stören? Warum konnte er nicht einfach so handeln wie er solche Querulantinnen immer behandelte?! Sie mit Rauswurf bestrafen und mit der Auflage: Wenn Sie mir versprechen, mich nicht wieder zu verärgern, dürfen Sie nächsten Freitag wiederkommen!
Das Schweigen dehnte sich zwischen ihnen. Warum ging er nicht einfach?
Genau DAS kannst Du nicht, Severus! Weil DU möchtest, daß sie hier ist. Weil Du sicher sein willst, daß sie Freitag wiederkommt! Und weil Du JETZT noch lange nicht verabschieden möchtest....
Schließlich konnte sie sich wohl überwinden zu sprechen:
„Wenn Du eine Frau wirklich, SEELISCH wolltest, würdest Du dann MICH wollen?"
Da ist es wieder. Liebst Du mich? Liebst Du mich? Bitte, bitte, liebe mich! Das war es, das er an Frauen verabscheute!
„Wollten wir nicht eigentlich etwas SCHÖNES miteinander tun?" fragte er verdrießlich. Caryn ließ sich davon nicht beirren.
„WÜRDEST Du MICH wollen?"
Du hast es so gewollt. „Caryn, Du wirst nicht von mir hören, was Du möchtest. Das Thema hatten wir schon neulich, und es war sehr unerfreulich im Ganzen!"
Sie zuckte zusammen und klammerte sich an den nächsten Strohhalm.
„Liebst Du eine andere Frau?"
Lily geht Dich nichts an. „Ich habe Dir doch gesagt, daß ich KEINE Frau will!" Keine lebendige zumindest. Und warum, bitte schön, sagte er ihr es dann überhaupt?!
„Und wenn..."
„Caryn, ich möchte mich mit Deinem wunderschönen Körper beschäftigen, und ich habe es wirklich genossen, mit Dir hier zu liegen und zu plaudern, aber gleich hast Du geschafft, daß ich vor Dir flüchte!" warnte er in seinem gefährlichsten Ton. Endlich war er zu ihr durchgedrungen. Kleinlaut kauerte sie sich in sich zusammen.
„Entschuldige... Ich… Ich will das gar nicht. Ich will gar nicht so sein..."
So etwas wie Mitleid konnte er nicht aufbringen. SIE tat so, als habe sie das Recht, etwas von ihm zu fordern. Immer mehr zu fordern. Sie hatten so viel miteinander, aber sie war niemals zufrieden! Sie verhielt sich genauso, wie er es an Frauen immer gehaßt hatte! Er fühlte sich angegriffen, verletzt, mißbraucht. Was tat sie ihm an mit ihren ewigen Übergriffen?!
Aber war all das nicht alles auch in IHREMGesicht? Seine Wut unterdrückend, musterte er sie heimlich. War nicht ER es gewesen, der SIE verletzt hatte? Indem er sie demütigte als eine von vielen austauschbaren Mädchen? Sie IST eine von ihnen! – Nur wenn Du Dich belügst, Severus! Was WAR sie für ihn? Wieso bekämpfte er sie? Wieso mußte er das tun?
Ihre Aura war getrübt, teilnahmslos lag sie neben ihm, eingerollt, sich selbst umschlungen haltend. All ihre sonst so unerschöpfliche, überschäumende Energie nach innen gerichtet. Um ihn zu ertragen. Ihn, den sie liebte, wie er das so deutlich wie nie zuvor in seinem Leben gespürt hatte. Und in diesem Moment wünschte er nichts mehr, als daß sie sich ihm wieder zuwenden, ihn wieder anlächeln, ihn ihre warme Zuneigung spüren lassen möge. Er vermißte sie. Schmerzhaft. Wirst Du nicht mehr zu mir kommen wollen? Habe ich das zerstört, was Dich hat bei mir sein lassen wollen? Wirst Du mich nicht mehr ansehen? Jetzt sah sie an ihm vorbei, mußte sich von ihm fernhalten, mehr noch: Sie müßte aufstehen und gehen und für immer wegbleiben. Das ist besser für Euch beide. Beende es, ehe es noch wirkliches Unglück zwischen Euch gibt!
Und was würde geschehen, wenn er das NICHT tat? Was würde geschehen, wenn er sie tröstete, wenn er ihr die Wahrheit sagte?
WAS IST DENN DIE WAHRHEIT?
Aus einem Entschluß heraus, an dem sein Verstand nicht beteiligt gewesen war, rutschte er an die eingerollte Caryn heran, beschwor eine Decke herauf, breitete sie über sie beide und zog sie in seinen Arm. Eine starke Empfindung von Geborgenheit breitete sich in ihm aus, die er automatisch an die unglückliche Frau neben ihm weiterzugeben wünschte. So ist es richtig. Das ist ohne Zweifel EINE Wahrheit. Er hielt die fröstelnde Caryn in seinen Armen und konzentrierte sich auf ihre Schwingungen. Fühlte, wie ihr Körper langsam warm wurde, diese Teilnahmslosigkeit von ihr abfiel und allmählich ihrer vertrauten Präsenz wich. Wie ein Baum nach dem Winter seine Blätter aus sich heraus wachsen ließ, wurden ihre Gefühle wieder stärker, und er selbst war vollkommen gelähmt von dem verzweifelten Wunsch, daß es ihm nicht gelungen sein möge, das, was sie für IHN empfand, auszumerzen. Von der panische Angst, daß es zu spät sein könnte.
Wie pervers war das eigentlich, daß er mit Gewalt dafür sorgen mußte, ihr ihre Liebe zu ihm auszutreiben, bloß um sich zu beweisen, daß sie ihn nicht liebte? So einfach ist das nicht! Caryn lag noch immer völlig passiv in seinem Arm, und Severus wurde von einem Schmerz überschwemmt, der alles einzunehmen schien, einschließlich ihn selbst. Es WAR zu spät.
Siehst Du, wie schnell das ging? So schnell hat sie sich von Dir zurückgezogen! Auch sie, die so vielversprechend war, die so viel Kraft hatte, konnte DICH gerade mal ein paar Wochen ertragen. NIEMAND kann Dich aushalten. Niemand.
Caryn
Er hielt sie in seinen Armen und wärmte sie. Er hatte eine Decke über sie beide gebreitet und schenkte ihr Geborgenheit, die ihm niemand zutrauen würde, und das, obwohl er von ihr noch gar nichts bekommen hatte. Konnte er so etwas mit all den anderen getan haben? Sie konnte sich das nicht vorstellen. Wenn er sich den anderen gegenüber so verhalten hatte wie zu Beginn ihres Erstgesprächs, hatte er diese nicht einmal unmittelbar nach dem Geschlechtsakt in den Armen gehalten. Caryn betete verzweifelt zu sämtlichen Göttern, daß sie sich nicht irrte. Mit ihr HATTE er das vorhin getan und sogar in diesem Streit, weil er sie trösten wollte, weil es ihm leid tat, daß er sie nicht lieben konnte.
Schon wieder hatte sie vergessen, daß er es doch nicht absichtlich tat. Vielleicht würde er sie gerne lieben und mit ihr zusammensein und glücklich. Und hatte er nicht schon so viele Schritte auf sie zu gemacht in der kurzen Zeit ihrer... Beziehung? Sie war nur so unendlich müde, und sie konnte sich nicht vorstellen, jemals wieder die Kraft zu haben, sich auf eine Auseinandersetzung mit ihm einzulassen. Wie als Reaktion auf diesen Gedanken erstarrte er. Seine Arme hielten sie nicht mehr, lagen nur da. Sie wandte sich ihm zu. Es ging ihm auch nicht gut? Er war genauso unglücklich wie sie?
Dabei hatte alles so schön angefangen. Warum konnte sie ihren Mund nicht halten? Warum mußte sie alles kaputtmachen, nur weil sie unbedingt geliebt werden wollte? Warum konnte sie nicht stark genug sein, um ihn wirklich so zu nehmen, wie er war? Die Tatsache, daß er sie nicht lieben konnte, als eine Eigenschaft von IHM nehmen, die sie mit lieben mußte, wenn sie ihn wollte? Wollte sie ihn denn nicht? Um JEDENPreis?
Sie schlang ihre Arme um ihn, zog sich näher an ihn heran, nahm dann sein Gesicht in ihre Hände. Strich über seine gerunzelte Stirn. Fuhr die Linien seiner Augenbrauen nach. Seine Jochbeine entlang. Legte ihre Fingerspitzen auf seine Lippen. Küßte seine geschlossenen Augen. Das Strömen ihrer Wärme für ihn war zurück wie ein Reflex. Das war doch, was sie wollte! Bei ihm sein. Ihn berühren. Ihm nah sein. IHN LIEBEN. Egal wie.
Severus
Sie konnte es noch ertragen, sein Gesicht zu berühren. Und mit ihren Händen in seinem Gesicht kam die Aura ihrer auf ihn gerichteten Wärme zurück. Ihre Gefühle für ihn kamen zurück, wenn sie in sein Gesicht sah? Was wollte er denn noch für Beweise? Es gibt keine Beweise für Liebe, das ist ja gerade das Problem!
Er öffnete die Augen, hob langsam eine Hand und legte sie an ihre Wange. Strich sanft zu ihrem Ohr hinüber, wie sie es bei ihm getan hatte, und es war gut. Er ließ ihre Blicke sich verschränken, und auch das fühlte sich gut an.
Caryn
Sie lagen miteinander im Bett, hatten die Hände im Gesicht des Anderen und sahen einander an. Was willst Du denn noch, Mädchen? Was glaubst Du, würde man denken, wenn man Euch jetzt so sehen könnte? Ihr seht so aus, als ob Ihr einander liebtet. Nein, sie konnte ihm nicht gleichgültig sein, wenn er sie so nah an sich heran ließ. So nah war sie ihm eben auch gewesen, und anstatt sich zu freuen und ihm ihre Liebe zu schenken, hatte sie ihn mit Gewalt dazu bringen wollen, sie zu lieben. Kein Wunder, daß er sie verletzt hatte!
„Verzeih mir", sagte sie leise. „Ich kann schrecklich nervig sein."
„Und ich kann schrecklich verletzend sein", antwortete er ruhig. „Und Du hast ja recht, Du MÜßTEST geliebt zu werden, Caryn. Ich wünschte, alles wäre anders. Ich wünschte, ICHwäre anders."
„Es ist egal. Ich will bei Dir sein."
Severus
Ich will, daß Du bei mir bist. Was hatte es für einen Sinn, sich das nicht einzugestehen? „Du bist jetzt bei mir."
„Ich weiß auch nicht, warum ich das unbedingt immer ausgesprochen hören muß."
Er merkte, wie sich seine Mundwinkel von allein hochzogen von einem Gefühl, welches nicht allein Belustigung war. Trotzdem spöttisch, zog er eine Braue hoch.
„Vielleicht solltest Du aufhören zu denken?"
Sie sah ihn traurig an.
„Das ist nicht so leicht."
Er war mit ihr ernst geworden.
„Du hast recht. Es ist alles nicht so leicht. Ich wünschte, es wäre anders."
Caryn kuschelte sich enger in seine Arme, und Severus hielt sie fest. Ihre Erotik war zugedeckt von etwas anderem, das ihm neu war, unvertraut, und das ihn mit einer tiefen Zufriedenheit erfüllte, mit einer starken Wärme, die die anderen, brodelnden Gefühle und Alarmglocken und Verbote in seinem Innern überdeckte und benebelte. Sobald er sie loslassen und sie sich trennen würden, würde all das Hindernde, all die Angst, all die schlimmen Erfahrungen mit den Konsequenzen daraus und die Schuld zu ihm zurückkommen, das war ihm klar. Aber jetzt war er bei Caryn, und es fühlte sich nur gut an.
Caryn
Sie hatte ihren Kopf wieder auf seine Brust gelegt, fühlte seinen ruhigen Atem unter ihr und ließ ihre Hand über den schwarzen Stoff über seiner Brust streichen. Ihre Augen waren auf das Heben und Senken seiner Brust gerichtet, während sie im selben Takt mit jedem ihrer eigenen Atemzüge mehr von seinem Duft und noch mehr Zuversicht einsog, die sie immer tiefer erfüllte.
Ich wünschte, ich wäre anders. Das konnte er bei all den Anderen nicht gewünscht haben, dessen durfte sie sich doch eigentlich sicher sein? Plötzlich sickerte die eigentliche Bedeutung dieser seiner Worte, die sie vorhin als Ich würde Dich gern lieben übersetzt hatte, in ihren Geist durch. Ihren Blick seinem Gesicht über ihr zuwendend, fragte sie leise:
„Severus?"
Er sah mißtrauisch auf sie herab.
„Na?"
„Du sagtest eben..." Sie sah ihn seine Augen unwillkürlich verengen und verfluchte sich. Er hatte schon Angst vor ihr! Konnte sie nicht EINMAL ihre Gedanken für sich behalten? „Ich mache keinen Streß jetzt, ich will nur, daß Du eine Sache weißt!" beteuerte sie schnell, worauf er natürlich wieder seine Braue hochzog. „Ich will nicht, daß DU anders bist", erklärte sie direkt, und auf seine unausgesprochene Frage fing sie noch einmal an: „Du sagtest eben, Du wünschtest, Du wärest anders. Aber dann", sie legte eine kleine Pause ein, in der sie sich auf den Ellenbogen stützte, um sein Gesicht besser im Blick zu haben, „hätte ich mich doch gar nicht in Dich verliebt!"
Ihren triumphierenden Blick erwiderte er stumm.
Severus
Manchmal brachte sie ihn mit ihren anstrengenden und schwierigen Fragen und ihrer drängenden, ungeduldigen Beharrlichkeit in Rage. Dann wieder sagte sie etwas, das genau das war, was er sich zu hören gewünscht hätte. HATTE.So wie jetzt.
Er antwortete nicht, aber das hatte sie offenbar auch nicht erwartet, zumindest legte sie ihren Kopf zurück an die Stelle auf seiner Brust, die irgendwie dafür gemacht zu sein schien, und überließ ihn wieder seinen einsamen Gedanken. Einsame Gedanken waren es, und er hatte gerade das genossen, bevor sie ihn eben daraus zurückgerufen hatte: Diesen Zustand, eine liebende, wärmende, ihrerseits nachdenkende Frau im Arm zu halten, während er dennoch seinem Denken freien Lauf lassen konnte. Dann hatten sie einige Worte gewechselt – genauer: Sie hatte ihm schöne Worte geschenkt – und anschließend war ihm seine denkerische Freiheit wieder gewährt worden.
Er erinnerte sich an die Abende ihres Nachsitzens. Sie war in der Lage gewesen, sich durchaus auf ihre Arbeit zu konzentrieren, sogar während sie sich aus der Ferne begehrt hatten. Eine Liebesbeziehung mußte anscheinend gar nicht zwangsläufig einengend sein... Wenn Caryn nicht gerade ihn dazu zu zwingen versuchte, sie zu lieben.
Andererseits hätte sie das in einer geklärten Beziehung vielleicht auch nicht mehr nötig. Er schätzte sie nicht so ein, als gehöre sie zu den Frauen, die ihren Mann dazu mißbrauchten, ihre eigene Unzufriedenheit mit dem Leben zu bekämpfen. All die Jahre hatte sie auf ihn nicht den Eindruck gemacht, als sei sie ein unzufriedener Mensch. Im Gegenteil: Sie hatte immer auffallend mit sich und ihrem Leben im Einklang gewirkt. So wie gerade jetzt. Er konzentrierte sich auf die Schwingungen, die von ihr ausgingen. Nur mit Mühe konnte er sie wahrnehmen, weil sie sich mit seinen eigenen Empfindungen fast deckten. Erstaunlich, wie sie miteinander harmonierten, während sie nur am Rande mit dem jeweils Anderen beschäftigt waren...
Gedankenverloren streichelte er über ihre Haare und beugte sich hinunter, um seine Nase darin zu versenken. Noch während er ihren Duft einatmete, drehte sie ihr Gesicht seinem zu und fand seinen Mund mit ihrem. Dieser Kuß brach die Ruhe, die sie verbunden hatte, und brachte das Aufregende, das Drängende, das Unausweichliche zwischen ihnen zurück, nicht weniger verbindend, nur auf eine ganz und gar entgegengesetzte Weise. Gedanken wurden gänzlich unwichtig, ersetzt durch Bilder, Hunger, Atemlosigkeit, Lust.
Er zog sie mit ihrem ganzen Körper auf sich und genoß ihr Gewicht auf seinem Bauch und weiter unten, wo das Blut bereits nicht mehr ungehindert fließen konnte. Die Wahrnehmung ihres weichen Rockes von letzter Woche, der seinen Händen auf ihrem Po die Ahnung ihrer weichen Haut bot, ließ ein Lächeln über sein Gesicht huschen. Wie schön, daß sie in diesem Moment die Idee hatte, seine Hose aus dem Weg haben zu wollen. Sie ließ sich neben ihn auf das Bett rutschen und untersuchte und öffnete den Verschluß. Ihre Hände kamen auf weitere Ideen in dieser Richtung, und er stöhnte leise auf, als sie sich ziemlich gut daran erinnerte, was er ihr letztes Mal gezeigt hatte....
Sein eigentlicher Hunger ging jedoch dahin, wo er sich heute noch nicht hineinzulassen gedachte, und er lenkte Caryn von ihren Bemühungen ab, indem er sie wieder auf sich ziehen wollte – diesmal nicht ohne seine ihn seiner Bewegungsfreiheit einengenden Hosen zumindest heruntergezogen zu haben, damit sie einigermaßen aus dem Weg war – und auch Caryn hatte offenbar das Bedürfnis vorzusorgen und sich ihrer Strumpfhose zu entledigen. Severus mußte schmunzeln, wie äußerst widerstrebend sie sich dazu bewegen ließ, wenigstens ihren Schlüpfer anzulassen, den er doch vorsichtshalber lieber zwischen ihnen wissen wollte.
„Später, Caryn…" vertröstete er sie, bettete sie endlich auf sich, ihren Venushügel so platzierend, daß sein steifes Glied zwischen ihre Beine gleiten konnte, Oh, Caryn… so nah dran… froh, daß sie noch vor ihm geschützt war. Die weiche Haut an ihren Innenschenkeln schenkte ihm die höchst willkommene Reibung vorerst auch. Er bewegte sich vor und zurück, spürte den Seligkeitstropfen an seiner Spitze ihre Schenkel benetzen, erste Wellen faßbarer Lust schwappten hoch… Behalt Dich unter Kontrolle, Severus!
Er hielt still. Seine Hände halfen ihm dabei, indem er sich darauf konzentrierte konnte, wie er sie auf die vertraute Reise über ihren Hintern schickte. Das entlockte Caryn ein erwartungsvolles Stöhnen, welches sich vervielfältigte, als er den Stoff ihres Rockes über ihre Pobacken hochzog, den Schlüpfer den entgegengesetzten Weg schob, so daß wenigstens seine Hände in den Genuß ihrer Nacktheit gelangen konnten. Auf diese Weise verschaffte er seinem sich bereits wieder emsig an ihr bewegenden Glied die zusätzliche Reibung ihres zwischen ihren Beinen gespannten Höschens, welches ihn andererseits zur Verzweiflung brachte, weil es ihn daran hinderte, an den Ort der Erfüllung zu gelangen. Seine gebremsten Stöße in die wenn auch falsche Ritze zusammen mit der Empfindung, mit seinen beiden Händen endlich in die pralle Haut ihrer Hinterbacken zu fassen, ließ seinen Samen steigen. Pause, Severus…
Ihm kam das unwiderstehliche Bedürfnis zupaß, seine Hand ihre richtige Ritze entlang zu schicken in die Tiefen der dort vergeblich auf ihn lauernden Nässe, und dies wurde von Caryn unüberspürbar geteilt. Sie hob ihren Po ihm so weit wie möglich entgegen, so daß seine Finger unausweichlich den Ursprung ihrer duftenden Feuchtigkeit fanden und ihren lockenden Eingang verlangend erforschen konnten. Kleine Laute ausstoßend, versuchte Caryn instinktiv, gleichzeitig für ihre Klitoris den unausweichlich enger werdenden Kontakt zu seiner Erektion – hinter der Wand ihres widerspenstigen Höschens – unter ihr herzustellen, sich aber nicht aus Versehen seinen von rückwärts kommenden Fingern zu entziehen. Hinreißend war sie, ihr Keuchen war schon lange nicht mehr das einzige in dem kleinen Raum, was nicht zuletzt mit ihren ausschweifenderen Bewegungen auf ihm einherging. Heilfroh über die sichernde Barriere zwischen ihren Geschlechtern, rieb er sich so fest wie möglich… fest… fester… zwischen ihren Oberschenkeln, verwundert, daß Caryn sich inmitten ihrer unübersehbaren, sie scheinbar gänzlich ergreifenden Lust dennoch seiner bewußt zu sein schien und ihre Beine nun so fest wie möglich… noch fester, Caryn, fester… um ihn zusammenpreßte. Severus hatte beinahe vergessen, daß ER heute nicht dran war, daß es um Caryns körperliche Bedürfnisse ging, daß dies hier ohnehin nur ein unzureichender Abklatsch seines eigentlichen Wünschens war…Seine Lust trug ihn weg, drohte ihn ganz zu übermannen, und das war nicht geplant gewesen. Davon abgesehen wollte er ganz gewiß nicht wie ein Schuljunge nicht zwischen ihren Schenkeln kommen und dann verstohlen einen Reinigungszauber über ihr Höschen sprechen müssen!
Diszipliniert stoppte er die wildgewordenen Bemühungen seines Schwanzes und wandte er sich wieder Caryn zu, ihre Augen suchend. Auch sie hatte ihr Spiel atemlos, mit geschlossenen Augen genossen, spürte aber offenbar, daß er sie ansah und ließ ihren umwölkten Blick von seinem einfangen. Weite Pupillen in den großen Augen verliehen ihr einen beinahe ehrfürchtigen Ausdruck. Weiteres Begehren durchflutete ihn heiß, als er in ihren ausgesandten Schwingungen entschlüsselte, wie sehr sie das, wovon sie gerade erfüllt war, mit der Wärme für SEINEPersonverband, wie sie IHN in sich aufsog, SEINE Nähe. Wie sie IHM…. – so fühlte sie es – verfallen war...
Ohne ihn aus ihren Augen zu lassen, preßte sie sich auf seine unbefriedigt pulsierende Erektion, versuchte, einen Weg zu finden, um sein Glied ihre Spalte finden zu lassen.
„Ich will, daß Du in mich kommst", murmelte sie, sich seinem Widerstreben widersetzend. Er stieß ein Stöhnen aus und hielt sich an ihren Armen fest.
„Heute noch nicht... Wir wollen nichts überstürzen..."
Ohne Zweifel war es richtig für Caryns Körper, also schwurgemäß, sich Zeit zu lassen, ehe er sie entjungferte. Aber nicht nur das Wissen, daß sie sich selbst überforderte, hielt ihn davon ab, ihr Angebot schon heute anzunehmen. Etwas anderes war auch noch daran beteiligt, etwas, das gewiß irrational war, das er sich gar nicht so genau bewußt machen mochte: Er hatte das Bedürfnis, Caryn von den Anderen abzusetzen. Seine unmittelbaren EGOISTISCHEN Bedürfnisse ihr zuliebe
zurückzustellen. Um stattdessen zu erleben, wie erfüllend es war, sich NURum sie zu kümmern. Caryn hatte da allerdings eigene Ideen.
„Letztes Mal habe ich..."
„Du bist sehr lieb, Caryn, aber ich kann warten", stellte er klar und kümmerte sich nicht weiter um ihren Protest. Dieser Protest hatte ihn nämlich auf eine Idee gebracht, eine Erinnerung zu erzeugen, mit der er später, für sich allein, den Abend ent-füllend würde beschließen können...
Noch immer sträubte sich Caryn, sich wieder in ihre eigene Lust fallenzulassen, und sein Entschluß, sie zu ihrer Lust zu ZWINGEN, ließ sein Herz schneller schlagen. Schnell schob er sie an seine rechte Seite, so daß sie seitlich an ihm lag und er vor allem sein vorwitzig nach neuen Reizen verlangendes Glied aus der Gefahrenzone brachte. Seine linke Hand legte er vorne an ihren Venushügel, um mit der rechten von hinten an den schönen Ort von eben zurückzukehren. Ihre Schamlippen beidseitig mit Nachdruck öffnend, schob er beide Hände sich entgegen, bis Caryns gesamtes Geschlecht offen in seinen Händen lag. Diese vergaß prompt ihre Weigerung und vermochte nicht, sich den von ihm verordneten Empfindungen zu entziehen. Snape ließ seinen Mittelfinger vorsichtig von hinten ein Stück weit in sie eindringen, während er von vorn mit dem der linken Hand ihren Kitzler berührte. Es war überflüssig, seine Hände zu bewegen, das besorgte Caryn allein. Ihr üppiges Haar, ihre geschwollene Knospe, ihren heißen, nassen Eingang, die Rose ihres Anus… alles gleichzeitig tastend, hatte er das Gefühl, ihren gesamten Bereich dort unten zu reizen, ohne auch nur einen Finger rühren zu müssen. Seine eigene Erregung war wieder in schwindelnde Höhen geschnellt. Caryn hatte ihre Augen geschlossen, war seinen Händen, war IHM vollständig ausgeliefert, und wenn er jetzt den Druck vorne nur eine kleine Idee verstärkte, wenn er hinten nur ein Stückchen weiter in sie eindrang, wenn er ihre Schamlippen nur ein winziges bißchen weiter auseinanderzog...
Instinktiv hatte er sich weiter zu ihr gedreht und stieß seine schmerzhaft harte Erektion wieder zwischen ihre Schenkel. Das war es schließlich, was Caryn in seinen Händen aufschreien und sich fast gewaltsam gegen diese pressen ließ. Mit angehaltenem Atem und Schließmuskel tastete er die Kontraktionen ihres Beckenbodens und sehnte sein Glied so sehr in sie hinein, wie er das noch nie zuvor ersehnt hatte. Und war, wie sie mit direkter eigener Lust auf seine Männlichkeit reagiert hatte, nicht vielleicht das Zeichen gewesen, daß sie wider Erwarten schon bereit war...?
Caryn
„Du bist gemein..." beschwerte sie sich wenig später, neben ihm auf dem Bauch liegend und ihn ansehend. „Du kümmerst Dich nicht gut um Deine EIGENENBedürfnisse!"
Er sah im ersten Moment irritiert aus. Wahrscheinlich war er nicht gewohnt, daß jemand sich um SEINE Bedürfnisse kümmerte…
„Das ist auch nicht notwendig..., solange ich mich darauf freuen darf, daß DU das tust, wenn Du so weit bist."
„Ich will das doch schon JETZT tun!" beteuerte sie hilflos. „Ich konnte nichts dafür... eben."
Er lächelte sie verschmitzt an.
„Nein, dafür konntest Du nichts... Und das war wirklich SEHR schön."
„Nicht für DICH..."
Er legte seine beiden, noch nach ihrer Feuchtigkeit duftenden Hände um ihr Gesicht und sagte dunkel:
„Du ahnst gar nicht, WIE schön es für mich ist, Dich dazu zu bringen, Dich so zu fühlen, Caryn."
Gebannt lauschte sie dem Tonfall hinter seinen Worten und bedauerte ihre Unsicherheit, ihn so deuten zu können, als was sie ihn spontan verstanden hatte...
Dann zog er ihr Gesicht zu sich heran und küßte sie sanft ihre Lippen, und ihre überschäumende Liebe zu ihm ließ ihr Zwerchfell sich zusammenziehen und bereits einen erneuten Feuchtigkeitsschwall in ihr entstehen. Sie drängte sich an ihn und schob ihre Hand zwischen seine Beine zurück, als er leise lachend ihre Hand festhielt.
„Wir müssen jetzt vernünftig sein und dafür sorgen, daß Du rechtzeitig nach oben kommst, Caryn!"
„Ich sorge lieber dafür, daß Du AUCH zu Deinem Recht kommst!" beharrte sie und befreite ihre Hand. An seiner hohen Braue sah sie, daß sie gewonnen hatte.
Severus
Behutsam umfaßte sie sein Glied und schob die Haut vor und zurück, wie er sie gelehrt hatte. Augenblicklich kehrte seine Härte ins volle Maß zurück, und er führte seine Hand in ihre feuchte Spalte zurück, benetzte sie mit ihrer geschmeidigen, duftenden Feuchtigkeit und bestrich seine Eichel damit. Sie hatte, um ihn an sich heranzulassen, ihr Gewicht verlagern müssen, so daß sie jetzt beide Hände frei hatte. Wundersamerweise hatte sie begriffen und tat es ihm nach, befeuchtete ihre Finger und berührte so den Ort, von dem er es sich wünschte. Neugierig eroberte sie die gesamte Region seines Geschlechts, erkundete seine prallrote Eichel samt Häutchen, umschloß seinen Schaft mit unterschiedlich festem Griff, fuhr hinunter zur Wurzel, ließ sich von ihm den empfindlichen Übergang zum Anus, drückte vorsichtig, heftiger, rieb ihn dort…
Gebannt war Severus' Blick auf ihr Gesicht geheftet, in dem sich dieselbe Erregung abzeichnete, welche ihre Handlungen in ihm auslösten. Oh Caryn, was tust Du mit mir…?
Es schien ihm aber jetzt trotzdem zu anstrengend, sich wirklich auf seine Lust einzulassen, sich ihr alleinig auszuliefern; irgendwie widerstrebte ihm auch einfach, daß sie – erregt oder nicht – ihm diesen Dienst erfüllte. Er war lange genug egoistisch gewesen... So genoß er ihre Berührung eine Weile, bis er seine Hände wieder ihrem Körper widmete: ihren Busen bedachte, der bisher eindeutig zu kurz gekommen war, ihren Hals, die Schulter ausgiebig küßte und schließlich Lippen und Hände sich an ihren Brüsten zusammenfinden ließ…
„Ich will doch jetzt gar nicht", kam von ihr, wobei der heisere Klang ihre Worte lügen strafte, was ihm wieder einen Schwall heiße Erregung durch die Lenden jagte.
Wie war es möglich, daß ihre Lust ihn weit mehr erregte, als jeder denkbare körperliche Reiz? Hingerissen lauschte er ihren Seufzern, den er mit der Liebkosung ihrer Brüste hervorlockte. Er spürte ihren Mund in seinem Haar und wurde von einem Bedürfnis nach ihrem Kuß nach oben getrieben, führte seine Lippen zu ihrem Schlüsselbein, seine Zunge in die kleine Kuhle, die seine Muggelgroßmutter immer Salzfäßchen genannt hatte, dann wanderte sein Mund über ihre Schulter, die Linie ihres Halses hinauf, und erst als er an ihren Lippen angekommen war, verstummten die kleinen Laute, mit der Caryn ihn begleitet hatte. Weich tauchte er in ihren Mund. Alle Gier war von ihnen beiden abgefallen, und sie genossen einander einfach so.
„Es ist spät, Caryn..." fühlte er sich eher verpflichtet zu sagen.
„Ich weiß...." Sie stütze sich neben ihm auf. „Severus? – Danke..."
Caryn
Sie schmunzelte über seine hohe Braue und tippte mit ihrem Zeigefinger darauf.
„Die spart viele Worte, oder?"
Er grinste zufrieden.
„Ich meine, daß... Du mir den Streit verziehen hast", antwortete Caryn. „Daß Du mich getröstet hast. Daß wir einfach so miteinander gelegen haben." Daß da mehr zwischen uns ist als Sex, war sie schlau genug, nicht auszusprechen. Seltsamerweise hatte sie dennoch das Gefühl, daß er es gehört hatte, denn er hatte es plötzlich sehr eilig, aufzustehen und aus ihrer Nähe zu flüchten. Caryn seufzte und bemühte sich, das als Beweis dafür zu nehmen, daß sie recht hatte. Denn für ihn war das gleichbedeutend mit einer Liebeserklärung. Ob er jemals so weit wäre, das bewußt zu tun?
Sie hatte sich so unauffällig wie möglich davonstehlen, ihn mit seinen bestimmt anstrengenden Gedanken in Ruhe lassen wollen. Erschrocken fuhr sie zusammen, als ihr Name aus seinem Mund sie aufhielt, bevor sie die Tür erreicht hatte.
„Caryn...!"
In angespannter Erwartung drehte sie sich um.
„Wir müssen vor Deiner nächsten Apparierstunde noch Deinen Schwur abändern."
„Warum? Habe ich nicht geschworen, daß ich nichts davon zeige mit der Absicht, Dich zu verraten? Diese Absicht HABE ich nicht!"
„Ich weiß... Ich denke nur, wir sollten da kein unnötiges Risiko eingehen."
Caryn ließ sich mehrere schöne Gedanken auf der Zunge zergehen und konnte nicht umhin, versonnen zu lächeln.
„Du meinst, Du hast mir das Leben gerettet, indem Du letztes Mal zur Seite gesprungen bist?"
„Da gibt es absolut nichts zu romantisieren, Caryn!" rief er fast empört. „Ich kann Dir versichern, daß ich weder ein Interesse daran habe, daß irgend jemand durch meine Schuld stirbt, noch daran, Dir jetzt Sonnabend für Sonnabend Dein Leben retten zu müssen!"
„Entschuldige, das habe ich nicht gemeint... Ich... habe nur nichts dagegen, daß mein Leben in Deinen Händen liegt..."
„Du bist wirklich… SIEBZEHN!" spuckte er aus, und Caryn wurde klar, daß sie ihn damit tatsächlich verletzt hatte.
„Das tut mir dann auch leid", sagte sie kleinlaut.
Er sah sie eine Weile ernst an. Seufzte dann und sagte in durchaus freundlichem Ton:
„Das Thema Tod ist eines, bei dem ich mir für mein Leben genug Schuld aufgebürdet habe. Daran ist für mich nichts Romantisches mehr, verstehst Du?"
„Ja. – Nein. – Ich bin wirklich erst siebzehn, Severus. Aber ich würde... gern will ich nicht sagen... Ich wünsche mir, daß Du mir darüber erzählst... eines Tages."
Er war vor ihr zurückgewichen, als hätte sie ihn schon wieder verletzt. Scheiße, erst siebzehn zu sein! Würde er eine ältere, reifere Frau eher lieben können? Rasch wandte sie sich ab und lief aus seinem Kerker.
Severus
Du hast gewußt, daß das Thema unvermeidlich eines Tages gekommen wäre.
Niemand konnte näher mit ihm zu tun haben, ohne auf diesen verfluchten Teil seines Lebens zu stoßen. Dann würde Caryn ihn endlich verlassen. Wie Lily.
Und dann wirst Du endlich wieder Deine Ruhe haben!
Er sollte froh sein, daß dieses Thema früher aufgetaucht war, als er gedacht hatte. Umso früher würde er es hinter sich haben. SIEhinter sich haben.
Und Dich selbst VOR Dir...
Das Gefühl war unangenehm. Ein Leben mit sich selbst. Allein. Leer. Unendlich leer.
Nein, es das war nicht fair. Nicht bevor er sie endlich gehabt hatte. Das MUßTE einen Mann ja depressiv machen! Eine Frau so wahnsinnig zu begehren, ohne je zum Zuge zu kommen. Er würde sich schließlich doch um seine eigenen Bedürfnisse kümmern müssen. Dann würde sich sein Horizont auch wieder gerade rücken lassen, der ihm im Augenblick vorgaukelte, daß sich das, was sie miteinander hatten, stetig weiter auszudehnen drohte. Daß da mehr zwischen uns ist als Sex… Er war ihr dankbar, daß sie es nicht ausgesprochen hatte. Was hatte er auch dazu sagen sollen? Es WAR ja so gewesen heute. Es WAR ja so.
Und? Was gedenkst Du, dagegen zu tun?
Konnte man etwas dagegen tun? Warum sollte er etwas gegen das unternehmen, das sich so richtig anfühlte?
Richtig?
Schön.
SCHÖN?! Was heißt das? Wozu solltest ausgerechnet DU das Recht dazu haben, etwas schön finden?
Nein, natürlich nicht. Und es würde sowieso aufhören, schön zu sein, wenn Caryn nachdrücklicher in seiner Vergangenheit bohren würde. Es spielte keine Rolle, wie schön es jetzt war. Es spielte keine Rolle. Es WAR schön. Nicht leicht. Anstrengend. Kompliziert. Schwierig. Aber nicht einmal das spielte eine Rolle.
Caryn
Es war vielleicht selbstverständlich, aber sie konnte nicht umhin, es als gutes Zeichen zu werten, daß er um ihr Leben bangte, obwohl es ihrer Meinung nach beim Wortlaut ihres Schwurs nicht unbedingt notwendig war.
Erst einmal jedoch war am nächsten Tag am schwarzen Brett zu lesen, daß die Apparierstunde am kommenden Sonnabend, dem ersten im Oktober, ausfiele, weil die Drittkläßler zu ihrem ersten Hogsmeade-Wochenende aufbrechen sollten. Alle jüngeren Jahrgänge sollten jetzt in Zeiten der Gefährdung durch diesen ausgebrochenen Sträfling Black Geleitschutz durch die Lehrer und die Sechst- und Siebtkläßler bekommen.
Ob Severus die Schüler nach Hogsmeade begleiten würde? Er war nie mit irgendwelchen Schülern oder Schülerinnen zusammen in Hogsmeade gesehen worden. Nie hatte sie eine dieser Anderen in seiner Nähe gesehen. Das gehörte wahrscheinlich eher zum Schwur als versehentliches In-ihn-hinein-Apparieren, oder?
Sie sehnte sich so danach, an seiner Seite zu gehen, an seiner Seite gesehen zu werden, als die Frau an seiner Seite wahrgenommen zu werden! Natürlich würde er sich nie darauf einlassen...
Womöglich könnte sie ihn zufällig in Hogsmeade treffen, mit ihm plaudern, dann zufällig mit ihm zusammenbleiben...?
Träum weiter, Mädchen!
Vielleicht sollte sie lediglich forcieren, von ihm gesehen zu werden. So daß er Lust bekommen würde, bei ihr zu sein...?
Die Aufforderung zum Träumen war ironisch gemeint!
