Liebe littledragonfly, mit Deinem Review zu diesem Kapitel hast Du mich besonders glücklich gemacht – daß ich nicht umsonst geschwitzt habe, alles schlüssig zu beschreiben! *freu* Auch vielen Dank für Deinen Anti-Kitsch-Trost, den ich ja von Zeit zu Zeit nötig habe, wie einige von meinen Leserinnen wissen! *akkarim und inuverse zuwink*
Zeig Dich!
Caryn Donnerstag, 12.3
In Zaubertränke am späten Donnerstag Nachmittag traf sie gleich zu Beginn Snapes vernichtender Blick, als ihre Augen nur ganz kurz an seinen Lippen hängengeblieben waren. Automatisch senkte sie den Kopf, auch wenn ihr einfiel, daß sie ja gar nicht mehr unter dem Zauberschwur stand. Überrascht war sie natürlich nicht. Es hatte sich ja bereits angekündigt, daß Severus sich auf Konfrontationskurs befand. Ihre intensive Begegnung am Dienstag hatte viel von ihm gefordert, und da hatte es augenscheinlich auch nichts geholfen, daß sie es doch wirklich vorbildlich geschafft hatte, ihn rechtzeitig zu verlassen. Und daß er gestern doch mitbekommen haben mußte, daß sie sich NICHT von Lucas umarmen ließ. Und dafür in Kauf nahm, daß ihr Freund – auch vor dem Unterricht eben offensichtlich für Severus – dafür jetzt einen Bogen um sie machte. Das mußte ihm doch aufgefallen sein!
Wenn sie nur eine detaillierte Vorstellung davon hätte, was genau in ihm vorging! STIMMTE ihr Gefühl, daß sie ihm schlicht zu nahe kam? Daß er... sie liebte, wenn er auch das Wort an sich ablehnte? Wie willst Du sein Verhalten denn sonst interpretieren? – Sie könnte ihn nerven, ihm gleichgültig sein, ihn langweilen,... – Hat sein Flüstern Deines Namens sich gelangweilt angehört? – Nun, er war in ihr gewesen. Da waren alle Männer unzurechnungsfähig....
Snape war gereizt heute, und er ließ das ohne Zurückhaltung an jedem aus, der sich das geringste Vergehen zuschulden kommen ließ. Die ganze Zeit war Caryn sicher wie selten, daß er sie dabei aus den Augenwinkeln beobachtete, als wolle er ihr immerfort zurufen: Guck, so bin ich, sieh zu, daß Du Dich vor mir in Sicherheit bringst! Ganz still saß sie auf ihrem Platz, zeigte keine Regung angesichts seiner Gemeinheiten ihren Mitschülern gegenüber. Hoffte, das würde ausreichen, um ihm zu verstehen zu geben, daß es ihr egal war.
Perverserweise bewirkte seine Grausamkeit zu den anderen eine riesige Sehnsucht nach dem Mann, wie er ausschließlich in IHREN Armen war. Ein großes Geschmeicheltsein, daß SIE ALLEIN seine anderen Seiten kannte, daß er sie voller Zärtlichkeit und Bewunderung ansah, ihren Namen in ihr Ohr flüsterte... Plötzlich breitete sich mit einem Strahlen die Gewißheit in ihr aus, daß sie ihrem Gefühl trauen konnte, daß er...
„Miss Willson, wann gedenken Sie aus ihrer TRAUMWELT zu erwachen und sich der REALITÄT MEINES Unterrichts zu stellen?!" pfefferte er ihr in einem Ton um die Ohren, der sie augenblicklich in lähmende Angst versetzte.
Stoß mich nicht von Dir, ich bitte Dich, verlaß mich noch nicht... „Ich bin mit meinen Gedanken ausschließlich in der REALITÄT IHRES Unterrichts, Professor!" Ihr war gut gelungen, sämtliches Zittern und Flehen aus ihrer Stimme herauszuhalten, hatte stattdessen all ihre Aufrichtigkeit in diese Aussage gelegt. BITTE, SEVERUS, GLAUB MIR! Du MUßT mir glauben, daß ich Dich liebe. Daß alles gut wird. Daß…
„Das können Sie MIR nicht erzählen – solange Sie nicht wahrnehmen, was um sie herum passiert!" herrschte er sie an. Wieder legte sie all ihre Überzeugung in ihren Tonfall.
„Das ist nicht nötig, Sir. Das, was ich wissen muß, WEIß ich bereits."
„Woher nehmen Sie diese... ÜBERHEBLICHKEIT, Miss Willson?!" Reiner Haß in seiner Stimme. Caryn war in Panik erstarrt. Das war nicht der Zorn eines Lehrers über eine Unverschämtheit, die ein Schüler sich herausgenommen hatte. Das war ein Haß, der aus reinem Überlebensinstinkt geboren war. Was hatte sie getan, ihn dermaßen zu bedrohen, daß er sich so angegriffen fühlte? Es ist so schön gewesen, Severus, alles ist so schön gewesen, ich wollte Dir nicht weh tun, ich will Dir niemals weh tun…
„Wenn das so ist, können Sie gehen und auf alles, was sie noch VON MIR erfahren können, ein für alle Mal verzichten! Gehen Sie!"
Oh Gott, Severus, was ist mit Dir?! Was kann ich tun, um es wieder gut zu machen? Laß mich alles wieder gut machen… Offenbar war er tatsächlich schlimm verletzt. Ging es wieder um seine Überzeugung, daß sie nur ihr Bild von ihm liebte? Verdammt, hatte sie eben etwas Falsches gesagt? Oder war sein Impuls, auf sie einzuschlagen, einfach so groß gewesen, daß es auf jeden Fall ausgeartet wäre? Wie war das gewesen mit Ich will Dich nicht verletzen? Ein Extremfall, ja, ja! – Denk lieber nach, was Du jetzt machen sollst, verflucht noch mal!
„So habe ich das nicht gemeint, Professor. Natürlich will ich alles von Ihnen hören, was Sie für nötig erachten..." Plötzlich wurde sie der Zuschauer um sie herum gewahr. Ob diese die rasende Angst in ihren Worten wahrgenommen hatten? Lucas hatte garantiert alles auf's genaueste verfolgt... Ihre Panik schien irgendwie zu Severus durchgedrungen zu sein. Eine Sekunde lang musterte er sie kalt, dann wandte er sich abrupt um und ging in Richtung Tafel.
„Warum bekommt sie keine Strafarbeit?" wurde auf der anderen Seite gemurmelt, und Snapes Blick, dann er selbst schnellten in die betreffende Richtung wie ein Fluch.
„Wenn ich Ihre Stimme öfter bei SINNVOLLEN Äußerungen vernommen hätte, so daß es mir möglich wäre, sie zu identifizieren, könnten SIE SELBST sich heute Abend auf den Weg zu mir machen!" brüllte er. Zum Glück für den Angesprochenen duckten sich gleich mehrere Köpfe. Caryn zwang ihr Herzklopfen in erträgliche Frequenzen und schrie im Geiste das gleiche: Gib MIR die Strafarbeit, laß mich heute Abend zu Dir kommen! Du BRAUCHST mich, ich liebe Dich! Zusammen KÖNNEN wir dafür sorgen, daß alles gut wird…
Mußte sie heute zu ihm, ihm helfen, damit er sich nicht noch weiter von ihr entfernte? Oder war es besser zu warten, ob bis Morgen seine Sicherheit von allein zurückkehrte? Von ihm selbst erhielt sie keinen Anhaltspunkt, die sich permanent in ihrem Kopf wiederholenden Fragen zu entscheiden. Ein in die Enge getriebenes Raubtier, das war er. Fauchte, tobte, biß jeden, der ihm zu nahe kam. Caryn verschloß sich in sich selbst, sah ihn nicht an, bemühte sich, aus dem, was von ihm zu HÖREN war, irgendwelche Rückschlüsse darauf zu ziehen, wie sie sich gleich verhalten sollte. Äußerlich war sie starr vor Angst, wurde innen jedoch, je länger die Stunde voranschritt, auf eine ungewohnte Art… ruhig. Sie war in der Lage, zu denken, zu fühlen, anwesend mit ihrem gesamten Ich. Sie hatte Angst wie noch nie, nur hatte diese Angst nicht SIE im Griff. Sie war stark. Sie war BEI IHM. SIE LIEBTE IHN. Sie war stark genug. Sie würde es schaffen, alles gut zu machen!
Bis zum Ende der Stunde war die Entscheidung von selbst gefallen. Sie würde sich weigern, sich von ihrem Platz wegbewegen. Severus räumte auf, ohne die geringste Notiz von ihr zu nehmen. Als die letzten Geräusche der abziehenden Schüler auf dem Gang draußen verhallt waren (Lucas hatte sie zum Glück weiterhin nicht beachtet) und sich Stille wie Watte um ihre Ohren gelegt hatte, stand Caryn leise auf und verriegelte seine Tür mit einer Pauschalversiegelung, die auch dann wirkte, wenn man den Originalsiegelzauber nicht kannte. Noch immer tat Snape so, als ob sie nicht da wäre.
Zutiefst erleichtert darüber, daß er sie zumindest nicht einfach hinauswarf, ging sie zu ihrem Platz zurück und setzte sich wieder. Wartete ruhig – noch immer seltsam distanziert von ihrem rasenden Herzen und von der Lähmung durch die Überdosis Adrenalin in sämtlichen Blutbahnen. Früher oder später mußte er auf ihre Anwesenheit eingehen. Früher oder später mußte er sie beachten. Früher oder später… traf sie aus heiterem Himmel:
„Laß mich allein." Er hatte sie nicht angesehen. Stand viele Meter von ihr entfernt an der Seitentafel. Seine Wut greifbar. Kalt. Grausam. Verheerend. Von ihm ging eine Bedrohung aus, die ihrem Kopf nichts anderes zu verstehen gab, als daß es notwendig sei, seiner Aufforderung zu folgen.
„Nein." Ich liebe Dich. Ich KANN Dich gar nicht allein lassen!
„Geh endlich. JETZT. VERSCHWINDE!" Ernst. Es war sein voller Ernst. Er MEINTE, was er sagte. Er klang, als ob er sie wirklich niemals wiedersehen wolle. Als ob alles, was sie je miteinander gehabt hatten, vorbei sei. Schlimmer: Als sei es wertlos gewesen. Aber das stimmt nicht, Severus, es war wunderschön, was wir hatten. Ich habe Dich geliebt, und Du hast es zugelassen, Du wolltest…
„Ich will, daß Du gehst!"
„Nein." Du lügst. Ich weiß, daß Du lügst! „Ich bleibe."
Langsam verschränkte er die Arme vor der Brust. Stand dort hinten und dennoch VOR ihr. Aufrecht. Unbeirrbar. UNERREICHBAR. Fixierte sie aus seiner Distanz. Alles, was je zwischen ihnen geschehen war, verleugnend. Er wollte ihr nicht nahe kommen, er wollte ihr nie mehr nahe kommen. ER WOLLTE SIE NICHT MEHR.
Du WEIßT, daß Du Dir das nicht lange einreden kannst. Du weißt, daß Du mich eigentlich willst, Du WEIßT, daß wir glücklich sein können, Severus, BITTE, Du KANNST nicht jetzt alles kaputt machen…
Sie starrten einander an. Kein Laut war zu hören. Nur ihrer beider Atem füllte die Luft zwischen ihnen. Nur die Kälte aus seinen unendlich fernen Augen. Nur Caryns verzweifelte Angst, ihn nie wiederzusehen. Sich zu täuschen. Alles falsch interpretiert zu haben. Daß alles nie SO gewesen war. Oder für immer verloren.
Das GEHT nicht, Severus, es ist UNMÖGLICH, ich liebe Dich, und ich lasse nicht zu, daß Du das nicht anerkennst! Ich habe Dir meine Liebe gegeben, und Du wolltest sie. ICH WERDE NICHT GEHEN.
„DIES ist Deine LETZTE Chance zu GEHEN." Pure Drohung. Gefährlich. TÖDLICH. Es war möglich, daß er sie umbringen würde, dachte Caryn zynisch belustigt. Sie war ihm so wichtig, daß er sie umbringen würde...
Es würde mich umbringen zu GEHEN, Severus. „Du WILLST nicht, daß ich gehe. Nicht WIRKLICH." Ruhige Bestimmtheit. Sie war selbst überrascht, keine Spur all dessen zu hören, was in ihr durcheinander tobte. Vor allem keine Spur der sie auffressenden Angst, daß sie sich irrte.
Keine Antwort. Kein Beharren auf seinem Befehl, ihn zu verlassen. Gab das Anlaß zur Hoffnung? Kein GEH! mehr. Keine Bewegung. Kein Atmen. Dann zerriß er die Stille.
„Zieh Deinen Umhang aus und komm her!"
Ihr Herz setzte aus. Hatte sie DAS erwartet? Zum ersten Mal in all den Jahren hatte sie Angst vor der Brutalität in seiner Stimme. Er war außer sich, und er WOLLTE sie vernichten. SICH SELBST VERNICHTEN. Er wollte sie beide und alles zerstören. ALLES endgültig ungeschehen, UNGESCHEHBAR machen, was zwischen ihnen war. Jedes einzelne Wort, das je zwischen ihnen gesagt, jede einzelne Geste, die je zwischen ihnen gemacht worden war, zunichte machen. Nichtig. Nicht existent. ALLES wollte er TÖTEN, indem er ihr sein wahres Gesicht zeigte, ihr zeigte, WER, wie widerwärtig, brutal, tödlich er wirklich war.
„Komm her, habe ich gesagt!"
Und für eine kurze Sekunde flackerte etwas Anderes in ihr auf. Ein Teil in ihr. Den sie noch kaum kannte und von dem sie noch nicht sicher war, ob sie ihn in sich dulden wollte. Dieser Teil in ihr reagierte unabhängig von allem, was sonst in ihr vorging, unabhängig davon, wo sie war, was ER in diesem Moment war. Dieser Teil reagierte blind. Wie ein Reflex auf seinen Befehl. Für diese kurze Sekunde wurde sie überwältigt von einer nie gekannten Erregung. Diese unglaubliche, diese unglaublich starke Erregung riß sie mit sich und machte sie bereit für alles, was immer Severus mit ihr tun würde.
Der übrige Teil von ihr hatte schlicht ANGST. Und schon eine Sekunde später hatte diese Angst alles andere überdeckt. Es war weniger die Angst vor IHM. Sie liebte ihn, und sie wollte bei ihm sein. Wenn sie dabei SEINEN Willen überging, brauchte sie sich nicht zu wundern. Dann hatte sie verdient, was immer er mit ihr tun würde. SIE hatte sich dazu entschieden zu bleiben. Bei ihm zu bleiben um jeden Preis. SIE ZAHLTE JEDEN PREIS. Da war kein Grund, diesen zu fürchten. Nein. Viel größer war ihre entsetzliche Angst davor, wie SIE SELBST ihm gegenüber fühlen würde, wenn er mit dem, was er ihr antun würde, fertig war. Die Angst, daß SIE nicht stark genug sein würde. Ihre LIEBE nicht stark genug. Die sie ihm versprochen hatte, auf die sie ihr ganzes Leben aufgebaut hatte, die SIE SELBST war.
Es war die Angst, ihn nicht mehr lieben zu können, wenn er mit ihr fertig war.
Sie hätte gehen können, anders als sonst hatte sie die Schlüsselgewalt inne. Doch sie wußte genau, daß es hatte keinen Sinn hatte wegzulaufen. Weil sie und er an diesem Punkt bleiben würden. Weil DAS HIER, was immer es war, zwischen ihnen stand. Sie trennte. Für immer trennen würde, wenn sie diesen Punkt nicht aus dem Weg räumen, überwinden konnten. Um sich VIELLEICHT danach wieder nahe kommen zu können. Vielleicht auch nicht.
„Du sollst herkommen! Ohne den Umhang!" fuhr er sie an. Eine weitere Sekunde benötigte sie, um sich rühren zu können. Dann gehorchte sie. Mit zitternden Knien. Machte einen bangen Schritt nach dem anderen auf ihn zu, während sie mit klammen Fingern die Spange löste, so daß ihr Schulumhang von ihren Schultern glitt. Sie hatte ihre Augen auf sein Gesicht geheftet und versuchte sich daran zu erinnern, wie er AUCH aussehen konnte, wie er sie AUCHansehen konnte, so vollständig anders als jetzt, wo Haß und Abscheu sich in seine Züge gegraben hatten.
Und plötzlich war sie erfüllt von einer mächtigen Gewißheit. Von der Gewißheit, daß es nicht SIE war, die er verabscheute. Plötzlich war sie durchdrungen von dem Gefühl, daß sie auf wirklich IHNzuging. Auf Severus Snape. Welcher alles, was ihn bedrängte und verletzte, in seine eigene Aggressivität verwandelte, welcher seine Angst und Verletzlichkeit und Machtlosigkeit nach außen verlagerte, all das auslagerte in sein Gegenüber.
Er hatte ANGST. Viel mehr Angst als sie selbst. Er hatte Angst vor ihr, vor dem, was sie miteinander hatten, aber viel größere Angst vor sich selbst. ANGST war das, was sie in diesen Augenblicken teilten. Sie teilten eine gemeinsame Angst. Durch diese geteilte Angst waren sie miteinander verbunden. Dieses Gefühl brachte Caryns eigene Angst zum Verstummen. Zur Auflösung. Sie hatte keine Angst mehr.
Bevor sie ihn erreicht hatte, wußte sie, daß sie nicht zulassen mußte, daß er ihre Liebe zerstörte. Sie hatte die Macht, auch auf einem anderen, nicht destruktiven Weg ihm das zu geben, was er mit so selbstzerstörerischer Verzweiflung brauchte, um den Ausnahmezustand, in den er geraten war, zu überwinden. Nur anders, als ER das tun wollte. Indem sie ihm nämlich das von ihm Bezweckte verweigerte und ihm stattdessen das Gegenteil gab: Du willst mich für immer fortjagen, aber ich werde bei Dir bleiben.
Und so ließ sie sich von groben Händen an ihn ziehen und griff gleichzeitig, nicht minder heftig, mit ihren um sein Gesicht, um ihn zu zwingen, sie anzusehen. Er tat ihr nicht den Gefallen, schob brutal ihren Rock hoch und riß ihr Höschen weg. Ihren Versuch, ihn zu küssen, vereitelte er, indem er sie mit hartem Griff umdrehte und ihren Oberkörper gegen das Pult drückte. Sie hatte keine Angst. Caryn war bereit dazu, was immer er mit ihr tun würde. Und jetzt erlaubte sie jenem tabuisierten Teil in ihr zu existieren, lockte ihn sogar an die Oberfläche, ließ sich von ihm einnehmen. Severus wollte ihr weh tun, sie demütigen, sie gegen ihren Willen NEHMEN, so hieß das wohl. Aber DAS KONNTE er ihr gar nicht antun. Weil sie nämlich WOLLTE, daß er sie nahm. Sie war bereit, für ihn da zu sein. Seine Angst, seine Destruktivität, seinen Willen zu verletzen auszuhalten. DIESE SEITE VON IHM ANZUNEHMEN. Sie war bereit, sich ihm zur Verfügung zu stellen, damit er diese Seite überwinden konnte. Sie LIEBTE ihn, und er KONNTE sie nicht demütigen, indem er ihr gegenüber die Kontrolle über seine Angst verlor. Sie war der Anlaß für diese Angst, der Anlaß dafür, daß er sich in diesem Zustand befand, und sie würde ihm helfen, aus diesem Zustand herauszukommen. SIE WAR STARK GENUG.
Caryn war bewußt, daß er die Zeichen ihres Einverständnisses wegwischen wollte zugunsten des Vorsatzes, ihr Gewalt anzutun. Aber sie liebte ihn, und sie liebte seinen Körper, sie liebte es, wenn er in ihr war – und sie wußte, daß er das auch liebte. Sie war außerstande, es abstoßend zu empfinden, daß er in sie einzudringen beabsichtigte. Es war nicht wirklich Erregung, die die Feuchtigkeit und das Stöhnen aus ihr trieb, während er sie unumstößlich festhielt, sich mit einer Hand an seiner Hose zu schaffen machte, dann ihren Rock ungeduldig wieder hochschob, um mit einem Stoß tief in ihre Scheide einzudringen. Es war einfach die Verbindung ihrer Körper, die in diesem Akt zum Ausdruck kam, es war einfach das Zusammenspiel ihrer Körper – noch nicht wirklich vertraut, nichtsdestotrotz ORGANISCH, die natürliche Folge, wenn sie in die Nähe des Anderen kamen. Ihr Körper hieß seinen willkommen. SIE hieß IHN willkommen.
Sie öffnete sich ihm und nahm damit seinem Ziel, sie zu vertreiben, jedwede Bedeutung. Caryn griff mit beiden Händen hinter sich und krallte sich an seinen Oberschenkeln fest, um seinen Druck in sie zu verstärken. Sich an ihren Hüften haltend, stieß er heftig in sie.
Severus
Er mußte seine Wut an ihr auslassen, ihre nicht totzukriegende Liebe abschütteln, sie zerstören, sie vergewaltigen und damit endlich zum Verstummen bringen. Er versuchte krampfhaft, ihre Zeichen zu ignorieren, daß sie es WOLLTE, daß sie sich ihm ÖFFNETE, selbst jetzt, selbst SO. Er wollte auf sie einstoßen, sie bis ins Innerste verletzen, ihr Inneres, ihre verdammte Liebe ausmerzen, aber seine Stöße, die all ihre Zeichen des Einverständnisses ignorieren, sie zunichte machen sollten, schafften einfach nicht, Caryn zum Weinen, zum Leiden, zum Hassen zu bringen. Stattdessen verstärkte, verheftigte diese Frau mit ihren Händen an seinen Oberschenkeln eben diese Stöße, machte ein Hohlkreuz, um ihm zu erleichtern, so tief wie möglich in sie zu drängen. Und im Gegensatz zu ihrem Keuchen, in das sich jetzt auch noch – wider alles Denkbare – LUST mischte, seinen Schwanz mit in diese Lust hineinzog, so als seien ihre beiden Körper unabhängig von ihren Persönlichkeiten, abgespalten von allem, was sie sonst waren, losgelöst von dieser schrecklichen Situation. Und durch diese entsetzliche Lust spürte er, wie das Bewußtsein seiner Widerwärtigkeit sich in ihm ausbreitete und das Denken mit einem Schlag zurückkehrte.
Was tue ich hier? WAS zum Teufel tue ich hier?! Mit dieser Frau, die mich vorhin noch geliebt hat…?! Mit der Frau, die seit Wochen all seine Gedanken einnahm? Der er näher gekommen war, als er sich je hatte vorstellen können, einer Frau nahe zu sein? Sich in diese Nähe hatte fallenlassen können? DIESE GENOSSEN HATTE mehr als alles andere? Was tat er hier mit ihr, mitten in seinem Klassenzimmer, völlig ungeschützt vor dem Schulleiter, vor zurückkommenden Schülern, vor seiner Scham, sich so gehengelassen zu haben? Was zur Hölle tat er hier, nachdem er die Kontrolle in einem Maße verloren hatte, wie er sich seit seiner Jugend nicht mehr hatte vorstellen können!
Schlagartig ließ er von Caryn ab. Weg von ihr. Wollte nur weg. In heller Panik aus ihrer Nähe flüchten. Vor sich selbst flüchten. Aber Caryn war schneller. Schlang ihm von hinten ihre Arme um die Taille und ließ sich einfach mitziehen. Hing wie ein Gewicht an ihm, er mußte sie mitschleppen, sie weigerte sich, ihn wegzulassen.
„Du kannst ALLESmit mir machen, aber NICHT mich verlassen", sagte sie ruhig und bestimmt. Und Severus wartete auf den Impuls, sich mit einem Schlag aus ihrer Umschlingung zu befreien. Sich in Sicherheit zu bringen. Caryn von sich und ihr entgegen zu schleudern, daß sie nicht das Recht habe, ihn zu zwingen, bei ihr zu bleiben. Dieser Impuls blieb aus.
Stattdessen dreht er sich in ihre Umarmung und klammert sich an ihr fest. Auch das kann ihn nicht retten. Das ist ihm klar. Alle Aggressionen sacken in sich zusammen und hinterlassen ein Vakuum, das von überall her Emotionen in ihn hineinstürzen läßt, Chaos, viel zu viel, nicht zu verarbeiten, irreal, über ihm zusammenschlagend, ihn ertränkend, vernichtend. Er kann nicht atmen, hier bleiben, am Leben bleiben. Er muß weg. Weiter weg. Sterben. Endlich. Immer. Seine Beine gehorchen seinem Befehl nicht. BRINGT MICH VON HIER WEG… Sie knicken ein. Der Steinboden… ein Häufchen Elend… hereinkriechende Kälte… Es tut weh. Hände in seinem Gesicht… warum…? Sie verschwinden nicht… warum…? Sie bleiben. IHR gehören diese Hände. Und wenn er nicht mehr weg kann, dann ist das so. In diesem Moment. Nicht zu ändern. Nicht in diesem Moment. Aber schlimmer kann es nicht werden. Sterben kann er immer noch. Jetzt ist sie noch da, hält ihn, am Leben, Bleibt. NOCH. Atme. Sie ist noch da. ER ist noch da. Bleibt. In diesem Moment. Vorerst. Die Welle des Chaos verebbt. DU HAST ES WIEDER EINMAL ÜBERLEBT, ABER WIRD SIE ES?
Er – halb liegend – am Boden, von Caryn – kniend – auf ihren Schoß gezogen, ihre Arme ausdrücklich um ihn gelegt, ihre Wange an seiner.
„Bleib bei mir", hörte er aus ihrem Mund die Worte, die selbst auszusprechen zu dürfen er ALLES gegeben hätte. Stattdessen mußte er aufstehen, Caryn mit sich auf die Beine ziehen und sie davon abhalten, ihn zu berühren. Sie dachte gar nicht daran, sich das gefallen zu lassen und krallte sich an seine Arme, während er alle Kraft aufwenden mußte, ihre Hände zu greifen, sie von sich wegzuhalten und dieser unglaublichen Frau vor ihm in die Augen zu sehen.
„Bring Dich vor mir in Sicherheit, Caryn. Bitte." Er flehte sie an, wie er nur Dumbledore angefleht hatte. „Bitte, Caryn, geh. BITTE!"
„ICH BLEIBE BEI DIR. Du kannst ALLES von mir verlangen, aber ich werde Dich NICHT verlassen", wiederholte sie stur. „Du kannst ALLES mit mir machen, aber NICHT mich verlassen." Sie erwiderte seinen Blick mit der ihr eigenen Intensität, und seine Frage war überflüssig. War keine Frage.
„Ist das Dein Ernst?"
„Hast Du das nicht gemerkt?"
Das Glücksgefühl, das ihn zu ergreifen droht, ist fehl am Platz. Sie kann das nicht meinen, sie irrt sich, sie hat es nicht begriffen, die falschen Schlüsse gezogen, denn Severus kann nicht glücklich sein, das ist falsch. Er hat ihr unendlich wehgetan, damit sie geht, aber etwas ist falsch gewesen, denn sie IST nicht gegangen. Caryn drängt in seine Arme zurück, bedrängt ihn, überwältigt ihn wie dieses Glücksgefühl, aber das ist falsch, weil es nicht sein kann. Wie real es sich anfühlt, ist egal, die Realität KENNT er. Sie wird ihn verlassen, morgen schon, aber heute ist sie geblieben, er hat alles getan, sie zu vertreiben, aber sie ist da, und er will sie jetzt. Zum letzten Mal. Ganz.
Sie hat es ihm versprochen. ICH WILL ALLES TUN, WAS DU WILLST. Er nimmt sich nur, was sie ihm versprochen hat. Führt ihr vor Augen, WAS sie ihm versprochen hat. ZEIG ES IHR! Vielleicht wird sie daran erkennen, wer er ist, WIE er ist, heute hat er keine Worte, heute nimmt er sie, morgen wird sie gehen, morgen wird er es ihr SAGEN, aber JETZT will er sie. So GANZ UND GAR wie nie zuvor.
„Komm mit!" wies er sie erneut an. Und Caryn öffnete die Tür, er versiegelte sie hinter ihnen, und ohne sich nach ihr umzusehen ging er hinüber in sein Labor. Eine wilde Euphorie darüber, daß sie ihm folgte, ihm JETZT NOCH IMMER folgte, ließ sein Zwerchfell sich zusammenziehen. Sie folgte IHM. Nachdem sie ihn erlebt ohne Kontrolle, völlig außer sich, völlig untragbar. Dennoch folgte sie ihm. Noch immer. Ich will alles für Dich tun! Sie hatte es versprochen, und sie HIELT dieses Versprechen. Trotz allem, was er ihr angetan hatte. Egal, was er ihr antun WÜRDE. Das Gefühl, das DAS in ihm auslöste, war nicht eigentlich Glück, es war trügerisch, gefährlich, bedrohend. ALLES BEDROHEND. Es ist nicht so einfach, wußte er. Es IST nicht so, wie es scheint. Aber sie folgte ihm, und er WOLLTE sie. ALLES VON IHR. IMMER. Wenigstens JETZT. Ohne Rücksicht auf irgendetwas. UM JEDEN PREIS. Ganz gleich, wie die Welt morgen aussehen würde. Morgen würde sie ihn endgültig verlassen haben, aber jetzt WOLLTE er sie. Jetzt HATTE er sie. Sie hatte sich ihm versprochen, und er nahm sie sich. JETZT.
Er hörte sie hinter ihm den Raum betreten, versiegelte seine Tür mit dem Antispionagezauber und blieb dort stehen. Caryn drehte sich erwartungsvoll zu ihm um.
„Mach Deine Bluse auf", verlangte er rigoros und brachte damit ihre Augen zum Flackern. Er erreichte sie. Er ERREGTE sie. Mit diesem Befehl. Er erregte sie mit diesem Befehl. So sehr, daß sie einen Moment benötigte, ehe sie ihre Hände dazu zu bringen imstande war, diesen Befehl auszuführen. Er labte sich an dem Zittern ihrer Hände, als sie ineffektiv an ihren Knöpfen nestelte. WIE erregt sie war! Sein Jubeln daraufhin begrüßte er. Denn jetzt WOLLTE er das, was sein Schwanz daraufhin begehrte. JETZT sollte es so sein, daß alles AUßEN blieb, alles um sie herum, alles außen, das ganze LEBEN außen. Jetzt sollte es NUR SIE BEIDE geben, ZUM LETZTEN MAL. Jetzt wollte er Caryns größenwahnsinniges Versprechen eingelöst sehen, jetzt wollte er sich holen, was sie ihm versprochen hatte.
ALLES.
Und daß sie diesen seinen radikalen Egoismus GENOß, daß sie LUST an der Macht hatte, die er sich herausnahm – so sehr, daß sie ihren Mund öffnen mußte, als sein Blick ihre geweiteten Augen traf, daß sie ihre Augen kurz zusammenkneifen mußte, und es dennoch nicht schaffte, den letzten Knopf aus dem Loch zu bekommen – all das erfüllte ihn mit einem wahnsinnigen Gefühl, das er sich SO vorzustellen niemals getraut hätte.
Ein Schnippen mit seinem Zauberstab, und ihre Bluse und Strickjacke fielen zu Boden. Severus mußte die Lippen auseinandernehmen, um das Aufstöhnen entweichen zu lassen, das Caryns atemlose Überraschung aus ihm herausdrängen ließ. Wie der Anblick ihrer – allein durch seinen rigorosen Zwang – harten Brustknospen. Daß sie das Zittern ihrer Hände dadurch unter Kontrolle zu bringen versuchte, daß sie sich in den Stoff ihres verrutschten Rockes krallten. SIE WILL DAS HIER. Ganz genauso sehr wie ich, durchzuckte ihn hart. SO HART. Das war Wahnsinn. Nie geahnte Erregung. Nie erlebte Härte. Er mußte das auskosten.
Dies war kein Spiel, aber es hätte eines SEIN können. Wenn alles anders sein könnte, wäre all dies hier ein wundervolles Spiel. Und der beste Sex seines Lebens. Er wußte: Es WAR KEIN Spiel, und es ging nicht um Sex. Trotzdem war er so steif wie nie zuvor, trotzdem ereichte ihn über all die trennenden Meter der Geruch ihrer feuchten Scham. Sein Herz schlug in seiner schmerzenden Brust wie wild geworden, und er holte Luft, sammelte sich, gab seiner Augenbraue den bewußten Befehl, sich nach oben zu bewegen. Schaffte es, leichten Spott in seine Stimme zu legen. Überlegenheit. Amüsement.
„Deine Hände scheinen Dir nicht ganz zu gehorchen... Wie ist das mit Deinen Beinen?" Und er befahl ihr: „Komm her zu mir." Rauh. Sein Verlangen kaum verborgen. Sein ihn verzehrender Hunger. Seine Sucht nach IHR. Er konnte sehen, wie ihre Pupillen sich noch mehr weiteten. Sein stocksteif stehender Penis schien sich mit seiner Atemmuskulatur zu bewegen. Es war AUCH Sex, wunderbarer Sex, und diese herrliche Frau dort drüben empfand das unglaublicher Weise ganz genauso.
Überdeutlich nahm er ihre Schwingungen wahr. Da war keine Angst, war die ganze Zeit schon keine Angst mehr gewesen. Da war ausschließlich Verlangen nach ihm, GROßES Verlangen, verstohlener Genuß, in einigen Augenblicken sogar wilder Triumph...
Dies ist kein Spiel Caryn, dies ist bitterster Ernst! Hier geht es nicht um Sieger und Verlierer, wir HABEN bereits verloren, wir können nichts tun. Nachher wirst Du weggehen – oder morgen – und dann Du wirst weg sein, endgültig, und ALL DAS HIER wirst Du mit Dir nehmen… Du hast keinen Grund, Dich zu freuen! Ich werde Dich jetzt beim Wort nehmen, ich werde DICH nehmen, ich habe die Macht, ein letztes Mal mit Dir zu tun, WAS ICH WILL!
Und daß sie DAS auch wollte, daß sie DAS freute, mit einem Lidschluß bedachte, mit einem Heben ihres Kopfes und dem Öffnen ihrer Lippen, daß sie leise aufstöhnte unter seinem Blick, jagte das teuflische Glück durch seinen Körper, schmerzte in seinem geschwollenen Glied, ließ sein Zwerchfell sich in reinem Jubel zusammenkrampfen.
ICH BIN MÄCHTIG! Auch wenn ich Dich vielleicht nicht überleben werde, JETZT HABE ich die Macht!
Caryn schöpfte kurz Atem und machte einen zögernden Schritt auf ihn zu. Er schluckte, hielt doch lieber den Atem an, bevor er den Kopf schief legen konnte und sanft sagen:
„Ich glaube, es funktioniert nicht..."
„Doch, doch", beeilte sich Caryn, ihm zu versichern und ihre sich überschlagende Stimme trieb eine neue Welle reiner Wollust durch seinen Körper. Sie machte einen schnelleren Schritt.
„Na?" ICH lasse Dich zu mir kommen. Zu MIR kommst Du, weil ich es so will. Weil DU willst, daß ich das mit Dir tun will. DU WILLST ES! Komm, Caryn, komm!
Wieder ein Schritt. Noch einer. Komm! Noch einer. Als sie endlich angekommen war, verlor er keine Sekunde. Griff unverzüglich nach ihren Brüsten. Brachte sie zum Aufkeuchen. Du stöhnst für MICH, Caryn… Stöhn für mich… Sein pochendes Glied ließ keinen anderen Gedanken zu als den an die Nässe in ihr.
„Leg Dich auf diesen Tisch!" forderte er Caryn auf, und ihre Augen hingen wie ehrfürchtig an seinem Gesicht, als sie sich auf die Kante des Arbeitstisches setzte. „Hinlegen!" Sie bemühte sich, ihn nicht aus den Augen zu lassen, während sie seinem Befehl langsam folge leistete. Er stellte sich, den nahezu unbezwingbaren Impuls, über sie herzufallen, mühsam in Schach haltend, zu ihren Knien, die an der Tischkante gebeugt waren. Ihre Schenkel berührten sich, versperrten ihm die Sicht auf das, was er zu sehen begehrte.
„Stell Deine Füße auf." Caryn tat das, mittlerweile ohne zu zögern, allerdings nicht, ohne ihm durch Stimme, Blick und Kopfhaltung deutlichst zu signalisieren, wie groß ihr Verlangen danach war, daß er sie von ihrem Hunger nach ihm erlöste. Er fand in ihr nicht die Spur von Angst oder Ekel vor ihm. Nur ihren grenzenlosen Hunger. Nach IHM. JETZT. Denselben Hunger, der in ihm wütete. Sich eisern beherrschend, mischte er seiner samtigsten Stimme einen Hauch Spott bei:
„Wenn Du das vor Dir verantworten kannst, schieb den Rock hoch und entfern die Reste des Höschens." Ihr Aufstöhnen war laut. Seines wäre beinahe ebenso aus seinem Mund gedrungen. Dieses Mädchen hörte einfach nicht auf, mit allem, was sie tat, ganz genauso hinreißend zu sein wie am ersten Tag. Mit fahrigen Fingern zerrte sie an ihrer Kleidung herum, und er nahm erneut seinen Zauberstab zu Hilfe, so daß auf sein Geheiß hin ihr heißes Geschlecht im folgenden Moment so offen wie nur möglich vor ihm lag. Er schnappte nach Luft, als komme er an die Wasseroberfläche und müsse gleich wieder untertauchen, bevor er sie scheinbar lässig an ihr vorbeiging, um sie genau zu betrachten. Ihre Augen hingen an ihm wie mit Fäden, die ihn mit ihrer Begierde einspannen und sie mit seiner eigenen Begierde verflochten. Seine Berührung, die er Caryn und sich selbst nun schon so lange versagte, spürte er wie einen Phantomschmerz.
Da hatte sich diese wundervolle Frau IHMausgeliefert, vertrauensvoll, nachdem er vorhin bewiesen hatte, daß er nicht im mindesten ihres Vertrauens würdig war. Und sie blieb dort, dennoch, lag vor ihm und sah ihn an, als könne sie keine Sekunde länger ertragen, von ihm getrennt sein. Er stand wieder zu ihren Füßen und bohrte seinen Blick in ihre entblößte Scham, während er seine Hose öffnete. Ein Stück hinunterschob. Caryns Augen verengten sich in dem Maße, in dem ihr Mund sich öffnete, und er gab auf.
Sich fast auf sie stürzend, drang er in sie ein mit seinem Geschlecht ebenso wie mit seinem Blick, und sie erwiderte beide Berührungen mit Leidenschaft und nahm ihn, so tief ihr möglich war, in sich auf. Er zog sich aus ihr zurück, um ganz neu in sie zu stoßen, und wiederholte das wieder und wieder. In seinem Rhythmus kam sie ihm entgegen und ging, so weit es ihr möglich war, mit, um seinen Rückzug zu vereiteln.
„Beweg Dich nicht! Lieg still!" verlangte er mit rauher Stimme. Und Caryn LAG still, klammerte sich mit einer Hand an der Tischkante fest, die andere zur Faust geballt, und wimmerte verzweifelt, um auszuhalten, daß diese imaginäre Fessel ihren Körper daran hinderte, seiner Berührung entgegenzukommen, nach der es sie offensichtlich so sehr verlangte. Um auszuhalten, daß die Fessel sie daran hinderte, die Lust in ihren Bewegungen auszudrücken, die sie empfand. Ihr Wimmern und Stöhnen wurde lauter.
„Schschsch!" zischte er. „Ich verlange, daß Du ganz ruhig bist!" Er wollte alles fordern, er wollte mit ansehen, wie sie es ertrug, auch dieser Ausdrucksmöglichkeit beraubt zu sein. Mit zusammengekniffenen Augen lag sie da, nichts außen wahrnehmend, ausschließlich auf das konzentriert, was für ihn fühlbar in ihr tobte, und darauf, es in sich zu halten. Als ihr ein lauter Atemzug entwich, kniff sie ihre Augen und Mund fest zusammen. Ihre Scheide umschloß ihn wie ein Schraubstock, er lag auf steinharten Bauchmuskeln. Vollkommen reglos und still lag sie unter ihm, ausgeliefert seinen nun schnelleren Stößen, mit denen er ihrem Gehorsam alles abverlangte. Er selbst mußte bremsen, um nicht von seiner Lust, von ihrer lustvollen Qual, von ihrer freiwilligen Auslieferung in seine Macht weggerissen zu werden.
„Sieh mich an!" Seiner Stimme war anzuhören, daß er sich nicht mehr lange würde beherrschen können, aber wahrscheinlich war Caryn viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um das herauszufiltern. Als jedoch ihre Augen sich blinzelnd unter ihrer gerunzelten Stirn in seine öffneten, sie in seinen Augen unweigerlich das gewaltige Ausmaß seiner Lust sehen mußte, war es um ihrer beider Selbstbeherrschung geschehen. Er keuchte laut auf, und nach zwei Stößen, die Caryn still und bewegungslos ertrug, klang ihm ihr Schrei um die Ohren, und ihr Körper bäumte sich unter ihm auf, ihre Scheide knetete seinen prallen Penis und brachte Severus auf der Stelle über den Gipfel, so daß sein Schrei wie sein Samen aus ihm hervorbrachen, bevor ihr Orgasmus verklungen war.
Noch vollkommen außer Puste, zog Caryn ihn fest in ihre Arme und küßte ihn heftigst, wieder und wieder, überallhin, küßte alles, was sie von ihm erreichen konnte. So, wie sein Herz noch schlug, hätte er sich nicht rühren können, und so blieb ihm nichts, als sich in ihre Zärtlichkeit zu fügen. Er spürte äußerlich, wie sie ihn küßte, spürte jedoch zu gleicher Zeit, daß die Impulse dazu, die aus ihrem Innern kamen, spürte, wie sie zu ihren Küssen getrieben wurde von der Masse ihrer nicht enden wollenden, warmen, vertrauten Liebe für ihn. Noch immer. Nach all dem hier.
Noch immer hatte diese Frau Unmengen LIEBE für ihn.
NACH ALLEM, WAS DU IHR ANGETAN HAST. Was erwartete er denn noch?! Das WAR er doch. Der Beweis, den er gebraucht hatte. Das WAR es, das sie ihm versprochen hatte. Ich liebe DICH, ich will mich auf DICH einlassen. Caryn hatte die Wahrheit gesagt. Was verlangte er denn noch?
Gegen dieses ihn erneut verschlingende Glücksgefühl kann er ohnehin nichts tun, es macht ihn wieder ebenso weich und schwach und unfähig, ohne ihre Nähe auszukommen. Es ist die Biologie, die dieses Glück ausgelöst hat, eine einzige riesige Illusion, dessen erinnert er sich, aber diese Tatsache kann nichts daran ändern, daß es GLÜCK IST, das er EMPFINDET. Welches SIE mit ihm fühlt, das kann er ebenso deutlich spüren, und dieses Glück verbindet sie beide miteinander, auch dessen kann er sich in diesem Augenblick nicht erwehren.
In einem halbherzigen Versuch, das dennoch zu tun, seine PFLICHT zu tun, stützte er sich neben ihr auf.
Caryns Augen aber haben auf ihn gewartet, denn er hat keine Zeit gehabt, seine vor ihnen zu schützen. Weit sind ihre Pupillen, sie will IHN sehen, so viel wie möglich von ihm, jeden Lichtstrahl, auch wenn es doch IHRE Wärme ist, das IHN erst dazu befähigt zu strahlen. NUR IHRE WÄRME. IHN umfangend, auch jetzt, nachdem er ihr gezeigt hat, wie schlecht er ist. Caryn empfindet das nicht. Sie hat es ERLEBT, sie hat IHN erlebt, jede einzelne widerwärtige Sekunde von ihm, aber es scheint für sie nichts zu bedeuten. Das einzige, das er von ihr auffängt, ist, wie sie ihn liebt, und er bringt es noch immer nicht fertig, sich diesem Gefühl zu entziehen, sich IHR, ihrer LIEBE zu entziehen.
Irgendwo am Rande seines Bewußtseins, ruhte das Wissen darum, daß er das tun müßte; das Wissen darum, daß sie sich irren mußte; daß sie nicht begriffen hatte, wie sie sich jetzt fühlen müßte. Daß dieser Irrtum sie einholen würde und Caryns Liebe aufhören.
Viel größer als alles Wissen der Welt jedoch ist das Gefühl, daß er am Ziel ist. Dort, wohin er sich immer gesehnt hat, seit er Caryn kennt. BEVOR er sie gekannt hat. Severus hat sie gefunden, hat sich von ihr finden lassen, sie haben einander gefunden, und alles ist gut.
Ein nachdenkliches Lächeln erscheint in Caryns Augen, fließt dann weiter zu ihrem Mund. Sie öffnet ihn, verharrt eine, zwei Sekunden, ohne etwas zu sagen. Dann:
„Ich... damit hast Du jetzt erreicht, daß Du mich wirklich nie mehr los wirst."
„Hast Du eigentlich eine Ahnung davon, wie wunderbar Du bist?" formen seine Lippen, ungläubig, ohne daß Ton nachkommt; daran, daß ihr Lächeln intensiver wird, kann er sehen, daß ihr diese Aussage trotzdem nicht entgangen ist.
DAS GLÜCK BEDEUTET NICHTS, darf ihnen nichts bedeuten, das weiß er trotzdem, am Rand, an den Rand gedrängt von diesem allmächtigen, allgegenwärtigen Glück, dem es völlig egal ist, was sein Kopf über es weiß.
Caryn
Endlich war sie am Ziel. In seinen geliebten schwarzen Augen. Welche sie konzentriert ansahen. Ehrfürchtig. Scheu. Fast zaghaft. Endlich war sie angekommen. In seinen Augen, in denen schließlich ihre Wärme für ihn begonnen hatte, sich zu spiegeln. In denen diese Wärme endlich angekommen war und seine eigene sich hatte entfalten lassen. SEINE WÄRME FÜR SIE, er HATTE diese Wärme für sie, er WAR glücklich in ihren Armen, nein, sie täuschte sich nicht. Wirklich nicht. Ganz ohne Zweifel.
„Und ich hatte noch vor vier Wochen keine Ahnung, wie wunderbar das Leben mit Dir ist..." murmelte sie in diese ungläubigen schwarzen Augen. Welche sich daraufhin unverzüglich verengten und sie auf diese Weise unsanft in die Realität zurückwarfen.
Oh nein, Severus, keine Panik, das hätte ich nicht sagen dürfen…Was SOLLTE sie sagen? „Ich nehme es zurück. Ich nehme es zurück, okay?" Lauf nicht weg, nicht alles noch einmal, bitte, es ist alles gut, hab keine Angst…
Nein, das konnte er ihr nicht antun! Er konnte nicht all das noch einmal von ihr verlangen, nicht all die Angst, all die Anstrengung noch einmal! Gekämpft hatte sie, um IHN gekämpft. Dabei alles gegeben, wirklich alles, was sie zu geben hatte. ALLES. SICH SELBST. Und sie hatte doch GEWONNEN! War zu ihm vorgedrungen. Sie hatte ihn dazu bringen können, sie an sich heranzulassen, sich von ihr lieben zu lassen, und vielleicht auch… Da konnte er ihr nicht antun, ihr alles, was sie eben erreicht hatte, wieder zu entreißen…?!
Sie WOLLTE keine Angst mehr haben, sie hatte keine Lust mehr auf diese Tortur, wirklich nicht! Der Zorn darüber tat ihr gut, versorgte sie mit neuer Kraft. Sie stützte sich ebenfalls auf den Ellenbogen und blitzte ihn an.
„Du bist Se-ve-rus Snape", sie benutzte bewußt seinen normal ausgesprochenen Namen – „Ich weiß! Das Leben mit Dir DARF nicht schön sein. – Ist es das, was Du von mir hören willst? Bist Du jetzt zufrieden?!" Aufmüpfig reckte sie das Kinn. Sie hatte keine Ahnung, was sie erwartet hatte, wahrscheinlich hatte sie in diesem Augenblick überhaupt nichts erwartet, ganz sicher aber NICHT das unendlich traurige Lächeln, das auf seinem ernsten Gesicht erschien. Wenn in diesem Lächeln noch einmal sämtliche Wärme für sie gelegen hatte, derer sie eben noch so sicher gewesen war, so war nur einen winzigen Augenblick später alles, was auch nur an die Existenz dieser Wärme ERINNERTE, verschwunden. Zum Verschwinden gebracht genau wie ihre Wut. Da war nur noch die Angst. Die selbe, vertraute, verhaßte Angst. Mit der sie Severus sich erheben sah. Aufstehen. Sich mit einem einzigen Schritt unendlich weiter von ihr entfernen.
„Du hast wieder einmal genau den Punkt getroffen", antwortete er. Neutral. Ohne irgendeine erkennbare Regung.
„ABER DAS IST NICHT WAHR!! ES IST SCHÖN! ICH WILL BEI DIR SEIN! ICH WILL FÜR IMMER BEI DIR BLEIBEN! IMMER!!" Das ließ ihn vollkommen kalt.
„Das hieße, diesen PUNKTzu ignorieren", stellte er lediglich fest. So sehr Snape wie nie zuvor. Kalt. Unbeteiligt. Wie er seiner Meinung nach sein mußte. „Und diesen Punkt DARFST Du nicht ignorieren."
Alle verfügbare Selbstkontrolle zusammenraffend, klammerte Caryn sich an all die Gewißheiten, die sie vor wenigen Minuten noch gehabt hatte. Sie WUßTE, daß er sie wollte. Ihr nah sein wollte. Ihre Liebe wollte. Sie lieben wollte vielleicht sogar. Sie WOLLTE jetzt nicht schon wieder Angst haben! Sie WEIGERTE sich einfach, sich schon wieder von ihm Angst machen zu lassen! Schwach zu sein. – STARK wollte sie sein! Stark WAR sie! Sie hatte eben gewonnen, und sie würde es wieder. Warum sollte sie daran zweifeln? Sie mußte daran nicht zweifeln. Sie WAR stark! So gelangte sie endlich wieder an ihre Wut.
„Was kann ich tun, um diesen Punkt zu..." Grimmig suchte sie nach einem Wort, das furchtbar genug war, „...eliminieren?"
„Wenn das so einfach wäre, wäre ich ein anderer Mensch", kam sarkastisch von ihm zurück.
Oh nein, Severus, bitte tu mir das nicht an... Sie hatte sich geirrt. Ihr Sieg war nur Schein gewesen. Es hatte sich so angefühlt. ER hatte sich so angefühlt. Als HABE er sie an sich herangelassen. Aber das war eine Täuschung gewesen. Caryn verzog ihr Gesicht zu einer verzweifelten Grimasse. Aus ihr schrie die Trauer, die sie nicht gewollt hatte, für die sie jetzt keine Kraft mehr hatte, die sie nach all dem, was sie heute gemeinsam durchgemacht hatten, auch nicht verdient hatten. Die Trauer verwandelte sich in ihrer Stimme in resignierende Bitterkeit.
„Dir ist klar, daß das eine Doppelbindung ist, ja?" Dieselbe Bitterkeit erreichte sie von ihm.
„So BIN ich aber, Caryn, und das habe ich Dir von Anfang an gesagt."
„Heißt das..." Heißt das, ich habe Dich für immer verloren? Sie verstummte. Konnte es nicht auszusprechen. Spürte seinen Samen aus sich fließen, der die umwerfende Verbindung zwischen ihnen hätte beweisen müssen, und wußte, daß das nichts half. DAß NICHTS HALF. Panik ergriff sie. Sie liebten sich, wie Mann und Frau sich nur lieben konnten, und das bedeutete ihm nichts. Er ließ nicht zu, daß ihm das etwas bedeutete. Stattdessen warf er ihnen Steine in den Weg, drohte, sie, Caryn,mit Steinen zu bewerfen, drohte, alles kaputt zu machen und sie trotz allem, was sie miteinander hatten, was sie miteinander durchlebt hatten, zu verlassen.
Und sie, Caryn, war machtlos, sie konnte nichts tun, ihn dazu zu bringen, seinen Widerstand aufzugeben, bei ihr zu bleiben, sich vor sich selbst, geschweige denn, vor anderen, zu Caryn zu bekennen. Dabei hatte sie ihm ALLES von sich gegeben, hatte sich ihm vollständig hingegeben. Mehr besaß sie nicht. Und es hatte nicht gereicht.
Verdammt! Severus, tu mir das nicht an, bitte, es hat sich doch ganz anders angefühlt, wie kannst Du wirklich behaupten, daß all das Wunderbare nichts gilt…
„Du hast gewußt, daß man mich nicht lieben kann", wiederholte er stur. „Ich habe es Dir GESAGT." Dann veränderte sich wenigstens seine Stimme, erinnerte plötzlich wieder an den Mann, der er AUCH sein konnte. Für sie. Auch wenn das, WAS er sagte, ihr dennoch keine Hoffnung ließ. „Es GEHT nicht, Caryn, ich bin nicht der richtige Mann dafür. Es tut mir leid. Es tut mir WIRKLICH AUFRICHTIG leid…" Und dann, als habe er noch ein letztes Mal das Bedürfnis, zärtlich zu klingen, setzte er leise hinzu: „Caryn."
DAS HIER war Machtlosigkeit. Ohnmacht. Es kostete sie ihre letzte Kraft, nicht vor ihm zu weinen.
Severus
Es kostete ihn seine letzte Kraft, ihre ungeweinten Tränen zu ertragen. Sie hatte das nicht verdient. War tatsächlich geblieben. Hatte seine Verletzungen ertragen. Seine Kälte. Schließlich seinen totalen Kontrollverlust. Sie war bei ihm geblieben und hatte ihn ausgehalten. Ihn, Severus. So unerträglich er gewesen war. Sie hatte ihn ausgehalten und damit BEWIESEN, was sie ihm all die Zeit versprochen hatte: Ich bleibe bei Dir. Ich will Dich lieben um jeden Preis. Egal was ich dafür bekomme.
Sie hatte ihn ausgehalten, ihn GEhalten, hatte seine Widerstände besiegt, ihm ermöglicht, die Wärme für sie in all dem Chaos in seinem Innern wiederzufinden. Sie hatte gesiegt, ihre LIEBE zu ihm hatte gesiegt, aber ohne IHN zu besiegen, zu schwächen, zu demütigen. Sie hatte über etwas gesiegt, das außerhalb seiner Person wirkte. IHM SELBST hatte sie geholfen, seine Stärke wiederzuerlangen, aus diesem verheerenden Zustand aufzutauchen. Sie hatte ihn wieder in die Lage versetzt zu denken, zu sagen und zu tun, was er tun MUßTE. Was er GEZWUNGEN WAR zu tun. Auch wenn er nichts auf der Welt weniger WOLLTE. Auch wenn es in Wahrheit das Glück bei ihr war, das er wollte. Das Glück, das sie miteinander erleben konnten. Das sie wieder erlebt HATTEN. Dieses Glück wünschte er und wußte gleichzeitig, daß es richtig sein mußte, nicht danach zu handeln. Es mußte richtig sein, auch wenn es sich ausschließlich falsch anfühlte.
Es FÜHLTE sich falsch an. Die Leere in ihm, die Ohnmacht, Caryns Tränen, die sie nicht weinte, ihre alles überdeckende Angst, vermischt mit der verzweifelten Sehnsucht, bei ihm zu sein.
Dabei wird SIE es sein, die gehen wollen wird. SIE wird weinen, aber sie wird gehen. Wird in ihr freies Leben gehen. SIE wird leben! SIE hat keinen Grund zu weinen!
Als hätte der Anflug SEINER Wut auch IHR über ihre Schwäche hinweggeholfen, rappelte Caryn sich auf. Ihrerseits war jetzt jedoch keine Wut spürbar. Sie streckte ihre Hand nach ihm aus, und er wollte diese ein letztes Mal in seinem Gesicht spüren, bevor sie morgen vor ihm zurückschrecken würde. Sich das vorzustellen, ließ sich ihn schon jetzt verkrampfen. Er wich vor ihrer Berührung zurück.
„Wir werden morgen über diesen Punkt reden", sagte er, und es hörte sich hohl an, inhaltslos, trügerisch unsinnig. Wenn sie heute geblieben ist, selbst HEUTE, wo er ihr hatte weh tun wollen, dann würde sie doch morgen…
Mögest Du an dieser TÖRICHTEN Hoffnung ersticken! Sie wird hören, daß Du SCHULDIG bist, was es bedeutet, daß Du ein TODESSER warst, daß Du es wieder sein wirst. DANN WIRD sie gehen, das ist sicher, selbst wenn NICHTS ANDERES auf der Welt sicher ist!
Caryn war auch zurückgezuckt, als er vor ihrer Hand geflohen war. Jetzt drängte sie die Angst aus ihrem Gesicht und sah ihn ernst an, mit großen Augen, die sich eigentlich unwillkürlich verengen wollten. Gebannt erwiderte er ihren Blick, irgendwie machtlos gegen sie, gegen die Nähe, die nach allem zwischen ihnen war, gegen das Glück, das in ihm auf der Lauer zu liegen schien, um jeden Moment wieder zuzuschlagen. Alles morgen noch schwerer zu machen. Alles Leiden noch weiter zu vergrößern. Es SCHLUG zu, und er war gezwungen aufzuspringen und sich von Caryn zu entfernen, um sie nicht wieder in seine Arme zu reißen und sie zu zerquetschen, weil sie ihn morgen verlassen würde.
„Wir werden morgen einen Weg finden, daß es Dir besser geht mit uns", sagte sie, und er konnte hören, wie sie sich selbst zu überzeugen suchte.
„Wir reden morgen darüber", erwiderte er und mußte noch während er seine Kleidung ordnete, den Raum verlassen.
„Morgen ist Freitag, nicht wahr?" fragte sie eine Weile später, vorsichtig ins Büro schauend, sein Nicken abwartend, bevor sie leise verschwand. SIE ahnte noch immer nicht, daß es in Zukunft keine Freitage mehr geben würde.
