Kapitel 2

Ich saß an etwas hartem gelehnt. Langsam erwachte ich wieder aus dem Traumland und viel in einen Halbschlaf. Für einen kurzen Moment dachte ich Pferdehufe in der Nähe zu hören, aber das konnte gar nicht sein, ich lag schließlich in meinem Bett. War es schon immer so hart? Und seit wann schlief ich im sitzen? Aber auf solche Fragen konnte ich mich nicht weiter konzentrieren dafür war ich noch zu tief im Schlaf. Plötzlich spürte ich einen Windhauch und eine Hand strich mir eine Haarsträne aus dem Gesicht, was mich wacher werden lies.

Als ich merkte dass ich nicht in meinem Bett saß, sondern ganz wo anders, schlug ich erschrocken die Augen auf und war im ersten Moment orientierungslos. Als mir alles wieder einfiel, von der Schlaflosigkeit im Gemeinschaftsraum bis hin zum Spaziergang im Verbotenen Wald, war ich wieder etwas ruhiger und rieb mir erstmal die Augen. Als ich sie aber aufschlug und ich vor mir vier Pferdebeine erblickte, erschreckte ich mich so sehr das ich mich heftig gegen den Baum unter dem ich saß drängte und mir den Kopf mit voller Wucht gegen den Stamm anstieß.

Meinen Hinterkopf reibend blickte ich nach oben in dunkle Augen, die mich still beobachteten. Als ich ihn mir genau anschaute, entdeckte ich, dass er kein Mensch war und dass ich mir die Pferdehufe nicht eingebildet hatte. Ich spürte das panische Angst langsam in mir hochstieg, ich wusste schließlich das Zentauren nicht immer die Nettesten waren, doch brach die Furcht nicht aus und ich blieb ruhig. Denn irgendetwas sagte mir, das er mir nichts tun würde. War er es, dessen Aura mich anlockte? Still musterte ich ihn, nicht aufdringlich, mein Blick huschte nur so über ihn hinweg. Er hatte blonde, glatte, lange Haare, zu einem Zopf zusammen gebunden. Sein Pferdeleib hatte dunkles Fell, gewiss braun aber durch die Dunkelheit konnte ich nicht viel erkennen und er hatte dünne, geschmeidige Beine. Wieder sah ich ihm in die Augen und glaubte ein Zwinkern zu sehen. Hatte er wirklich gezwinkert? In der Körpersprache hieß das nämlich man würde denjenigen mögen, den man angezwinkert hat. Ich zwinkerte zurück, da es mir am vernünftigsten erschien, ich wusste ja nicht ob er, wenn ich es nicht erwiderte, als Beleidigung aufnahm. Nun musste ich unweigerlich das Lächeln anfangen, denn die Situation war merkwürdig. Ich saß mitten im Wald vor einem Zentaur, vor dem wohl jeder andere wohl nur Angst haben würde, was ich komischerweise nicht hatte und wir zwinkerten uns gegenseitig zu.

Nun erschien auch auf seinem Gesicht ein Lächeln, was ich jedoch aber nur schlecht sah. „Entschuldige, bin ich in eurem Revier?", begann ich das Gespräch mit ihm. Ich fand es besser mit dem Schweigen aufzuhören und mich zu entschuldigen bevor der Frieden zusammenbricht und ich Angst darum haben muss, von ihm zertrampelt zu werden. Ich sprach ihn mit Absicht nicht mit „du" oder „sie" an, da ich wusste, das Zentauren ihren Stolz haben und es unklug wäre ihn anzusprechen, als wäre er ein normaler Mensch dem man auf der Straße trifft und nach der Uhrzeit fragt. „Nein, es fängt erst da hinten an, dies ist nur die Grenze", antwortete er mit einer sanften Stimme. Beruhigt darüber das er nicht sauer war und mein Leben offensichtlich verschont, wäre es wohl angemessen wenn ich ihm erklären würde was ich hier zu suchen hatte. „Ja…eh…ich war ein bisschen spazieren, weil ich nicht schlafen konnte, war dann aber müde und bin hier eingeschlafen", erklärte ich ihm. „Auch ich konnte nicht schlafen. … Willst du mit mir ein Stück gehen?" Erstaunt sah ich ihn an.

Ich konnte nicht glauben das er mit mir wirklich zusammen weiter gehen wollte, nicht nach dem was ich bisher über Zentauren gelesen hatte. Sie waren bekannt dafür das sie Menschen, ob Zauberer oder Muggel, nicht leiden konnten und sie mieden. Aber was soll's es war ja schließlich nichts dabei und er schien mir sehr nett und sympathisch. Ich nickte ihm zu, woraufhin er mir seine Hand hinhielt. Kurz sah ich sie erstaunt an, ergriff sie jedoch ohne Zögern und stand auf. Vor ihm stehend lächelte er mich wieder an, was ich natürlich erwiderte, aber diesmal nicht aus Vorsicht vor seinen tödlichen Hufen. „Ich zeig dir einen schönen Platz, jedoch darfst du nicht zu laut auftreten, sonst hören sie dich. Der Platz ist ziemlich tief in unserem Revier, aber ich beschütze dich, wenn sie dich angreifen." Wieder nickte ich ihm verstehend zu und achtete darauf auf keine Äste zu treten. Wir liefen nebeneinander her. Im Gehen musterte ich ihn wieder aus dem Augenwinkeln heraus und mir viel sein glattes, dunkles Fell auf. Es sah so wunderbar weich aus, doch ich musste mich davon abhalten es zu berühren, da es mich magisch anzog. Ich achtete kaum auf dem Weg, was mich einmal um haaresbreite zum stolpern brachte und sah nur auf den schöne Fell.

Du darfst mich ruhig berühren, ich habe dich auch angefasst. Es wäre also gleichstand", sagte er freundlich und lächelte. Ohne Zögern strich meine Hand über das Fell und es war genauso weich, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich strich über seinen Widerrist, seine Stockmaße betrug ungefähr 1,50 m, was ich durch meine eigene Größe abmessen konnte, da ich nur 1,60 m groß bin, und sein Widerrist bei meiner Nase endete. Immer mutiger werdend wanderte meine Hand über seine Flanke, seinen Schultern und blieb den restlichen Weg über an seiner Pferdebrust. Ich war verwirrt darüber das er es ohne ein Wort über sich ergehen lies. „Dürft ihr euch mit Menschen überhaupt einlassen?", fragte ich auch gleich aus Neugier, da mir alles Surreal vorkam. „Du kannst mich ruhig duzen, ich bin noch nicht so alt", sagte er lächelnd. Doch eine Antwort erhielt ich nicht auf meine Frage. Offensichtlich wollte er das Thema wechseln. „Danke, aber wie heißt du eigentlich?", fragte ich ihn um das unangenehme Schweigen zu brechen und natürlich aus Neugier. „Ich kann ihn dir leider nicht sagen, weil du nach mir fragen wirst, dann wissen sie dass ich mich mit dir abgegeben habe, verbannen mich und das würde ich wohl nicht überleben." Traurig lies ich den Kopf hängen. Er wollte mir wohl gar nichts sagen, auch wenn ich es verstand. Ich frage mich warum er dann überhaupt mit mir spazieren gehen wollte.

Schade, aber ich versteh es", antwortete ich und versuchte die Traurigkeit zu überspielen, damit er kein schlechtes Gewissen haben muss. „Danke für dein Verständnis." „Willst du wissen wie ich heiße?" Wenigstens sollte er meinen wissen. „Nein das weiß ich", Perplex blieb ich stehen und sah ihn irritiert an. Wie konnte er das wissen? Wir hatten uns doch noch nie gesehen. „Woher weißt du das? Haben es dir die Sterne gesagt?" Wieder lächelte er mich an. Er fand es wohl amüsant. Aber es mussten ihm die Sterne verraten haben, Zentauren waren bekannt für ihre astrologischen Fähigkeiten. „Nein, Namen spucken sie normalerweise nicht aus", erklärte er, begann zu lachen und wir liefen weiter. Auch ich musste das Lachen anfangen, doch fragte ich mich woher er ihn dann kennen sollte. Oder wollte er mich nur veräppeln? „Aber woher kennst du ihn dann?" „Ganz einfach, ich hab euch beim Wandertag durch den Wald gehört und da nannten sie dich beim Namen und rieten dir nicht vom Wege abzugehen." „Ahhh! Warum bist du dann nicht einfach gekommen und hast hallo gesagt?", fragte ich ihn freudig. „Hätte ich schon gewollt, aber es ist meiner Art verboten. Nicht einmal das dürfte ich." Wieder wurde ich traurig. Nun hatte er es bestätigt. Ich hatte es für einen Moment vergessen. Zentauren und Menschen war es verboten miteinander zu verkehren. Aber warum lud er mich zum Spaziergang ein?

Stimmt ja, ich vergas das es verboten ist", sagte ich schuldbewusst. Für wenige Momente waren wir still und liefen weiter durch den dicht bewachsenen Wald. Es war glücklicherweise keine unangenehme Stille, sondern einfach nur eine friedliche Pause in der wir unseren Gedanken nachhängen konnten. Von meinem Weg sind wir natürlich längst abgegangen, doch hatte ich deswegen keine Angst, ich war mir sicher dass er mich heil zurückbringen würde. Wieder begann ich ihn kurz zu mustern und mir fiel sein Haarband auf. Ich hatte mal gelesen das Zentauren jede Art von Kleidung ablehnen. Ob das auch für so ein Band galt? „Trägt ihr nicht normalerweise offne Haare? Ich dachte ihr lehnt Kleidung ab, oder gehören Haarbänder nicht dazu?" „Ja, aber es ist störend, ich hab mich eben für den Zopf entschieden, das ist praktischer und sie hängen nicht mehr so im Gesicht rum. Die anderen machten sich immer darüber lustig, wie menschlich ich damit aussähe, aber es war mir egal." „Aha." Wieder liefen wir schweigend nebeneinander her. Irgendwann brach er die Stille. „Da vorne ist der Platz. Wollen wir uns da in die Wiese setzen?", sagte er bevor er die Zweige eines Busches zur Seite bog damit ich es sehen konnte. „WOW! Ist das schön hier", rief ich begeistert aus, zwängte mich durch die Büsche und lief auf den Platz. Es war eine riesige grüne Wiese mit vielen duftenden, bunten Blumen.

Man hörte das rhythmische Zirpen der Grillen und einige Glühwürmchen flogen über die Grashalme. Und der Mond schien hell und lies noch alles idyllischer aussehen. Hinter mir hörte ich ein leises lachen, sah meinen Begleiter kurz lächelnd an und rannte auf die Wiese. Mittendrin blieb ich stehen und sah mir die vielen Blumen an, ganz betört von dem Anblick. Da ich Hufe auf mich zu traben hörte, sah ich mich um und lief ihm entgegen. „Ist es mir erlaubt ein paar Blumen zu pflücken?" „Ja, aber nur ein paar, Menschen dürfen nicht hierher und wir pflücken keine, weil wir im Einklang mit der Natur leben." Ich nickte lächelnd um ihn zum Verstehen zu geben das ich verstand. Direkt neben ihm hockte ich mich ins Gras, begann ein paar Veilchen zu pflücken und roch an ihnen. Auch der Zentaur neben mir setzte sich nun. Oder legte? Na ja, zumindest sein Pferdekörper lag, der menschliche Oberkörper blieb gerade. Aus den Augenwinkeln hatte ich ihn beobachtet. Mir fiel auf das er wirklich sehr geschmeidige Beine hatte, begann innerlich zu lächeln und roch noch einmal an den Blumen. „Was ist so komisch?" Verwirrt darüber was er wohl meinte sah ich ihn an, sah sein Lächeln und wurde ein wenig rot vor Scham. Mein Lächeln war anscheinend doch nicht so verinnerlicht. Schuldbewusst sah ich nun drein. Ich hatte nicht daran gedacht, das er es vielleicht unangenehm empfinden könnte von mir permanent so angesehen zu werden. „Ich wusste nicht das Zentauren so geschmeidige Bewegungen machen können", sagte ich ihm wahrheitsgemäß. Und wieder das tolle Lächeln.

Danke für das Kompliment." Wieder wurde ich leicht rosa um die Nase. Und wieder begann das Schweigen, in den ich nur an meinen Blumen roch und ihn ab und zu aus dem Augenwinkel kurz beobachtete. Er schien zu horchen. Aber auf was? Wahrscheinlich nur das rhythmische Zirpen. Vielleicht fand er es beruhigend. „Schau mal, die Sonne geht auf", unterbrach er die Stille. Neugierig blickte ich auf die ersten Sonnenstrahlen. „Wunderschön", staunte ich, denn ich hatte ihn noch nie gesehen, da ich sonst um die Zeit noch schlief oder nie aus dem Fenster blickte. Der frühe Morgennebel färbte sich langsam orange und rot, die ersten Strahlen stiegen hoch und die ganze Wiese war auf einmal vernebelt. „Hast du das schon öfter gesehen?", fragte ich, ohne den Blick abzuwenden. „An jeden Morgen." Je länger ich den Sonnenaufgang bewunderte desto klarer wurde mir wie spät es war und vor allem wie müde ich war. Die letzten Stunden waren sehr nervenaufreibend gewesen, natürlich im positiven Sinne, doch glücklicherweise war heute Samstag. Plötzlich musste ich gähnen und die ganze Müdigkeit die durch die Aufregung verdrängt worden war, übermannte mich nun und mir fielen die Augen fast zu. Ohne zu überlegen lehnte ich mich an den Zentaur neben mir. Sein Fell und seine Haut waren schön warm. Ehe ich realisierte an wen ich hier lehnte und aufschrecken konnte, hatte er schon einen Arm um mich gelegt, also schien er nichts dagegen zu haben, was ich eigenartig fand aber auch sehr genoss.

Für eine kurze Zeit saßen wir so im Gras, während ich versuchte krampfhaft nicht einzuschlafen. Doch gelingen würde es mir eh nie, da mir durch die Müdigkeit kalt war und ich begann trotz seiner Körperwärme leicht zu zittern. Bedenke man auch noch, dass sich mein Körper von der Lauferei sowieso schon abgekühlt hatte. Er hatte das Zittern wohl gemerkt, denn plötzlich packten mich zwei starke Arme unter den Knien und am Rücken, hoben mich mit Leichtigkeit hoch und platzierten mir direkt vor ihm, so das ich direkt auf seine Vorderbeine saß und schlang die Arme um mich um mich zu wärmen. Vom Adrenalin dieses Augenblicks hellwach, wurde ich nun schon wieder schläfrig, da es hier sehr gemütlich in seinen Armen war. Ich könnte mich glatt daran gewöhnen. Am liebsten würde ich für immer hier liegen. Hier bei ihm. Als ich nun speziell an ihn und an unsere momentane Situation dachte, begannen plötzlich hunderte von Schnätze in meinem Bauch zu kribbeln. Begann ich mich etwa in ihn zu verlieben? Nein, das konnte nicht sein. Aber er war ja auch ein toller Zentaur. Er war nett, sympathisch, er hatte Humor, hatte Verständnis für mein weniges Fachwissen über Zentaur und er hatte ein tolles Lächeln. Na ja, soweit ich es in der Dunkelheit beurteilen konnte. Während ich so darüber nachdachte bemerkte ich die Nase die leicht über meinen Kopf strich und an meinen Haaren roch. Ich lies es zu, denn es störte mich nicht im Geringsten, in Gegenteil, es brachte mir noch mehr kribbelnde Schnätze ein. „Es ist ein friedlicher Moment."

Ich sah ihn an und nickte zustimmend. Nun konnte ich seine graublauen Augen sehen, dessen Farbe vorher übertüncht wurde. Und auch seine Gesichtszüge sah ich nun deutlicher. Er hatte spitze Gesichtszüge und spitze Ohren. Diese erinnerten an einen Elbe. Plötzlich beugte er sich soweit hinunter das ich seinen warmen Atem auf meinem Gesicht spüren konnte. „Kann ich mir erlauben dir was zu stehlen?" Verdattert sah ich ihn an. Was sollte das heißen? „Was willst du mir denn stehlen, ich habe doch gar nichts hier." Wieder kam dieses Lächeln, wobei mir aber diesmal fast die Luft wegblieb, da ich es ja nun dank der Sonne richtig sehen konnte. „Nein, nichts materielles." Noch immer sah ich ihn verwirrt an und wieder sein belustigtes Lächeln. „Ich meine einen Kuss." Geschockt und überrascht sah ich ihn an. Meinte er das ernst? Ich spürte wieder Röte in mein Gesicht steigen. Sollte ich es ihm erlauben? Ich wollte es zwar sehr gerne, aber irgendwie schämte ich mich deswegen. Ich kannte ihn schließlich erst seit wenigen Stunden. Mit rötlichen Wangen sah ich ihn in die Augen und nickte.

Daraufhin legte er eine Hand auf meine Wange, strich kurz über diese, hob mein Kinn zu ihm hoch und senkte seine Lippen auf die Meinen. Als sich unsere Lippen trafen, blieb mein Herzschlag erst für einen Moment still und begann dann noch schneller zu schlagen als er es jemals tat. Ich hatte schon angst, er könnte es hören. Und die, inzwischen schon tausende, Schnätze in meinem Bauch begannen Mambo zu tanzen. Ich war hin und weg. Es war nur ein einfacher, zaghafter Kuss, ohne Zunge. Doch war das schon zu viel für mich. Aber es wurde noch aufregender als er den anderen Arm um meine Taille legte und meinen Rücken noch mehr an seinen Oberkörper drückte, was mir ein anregendes Gefühl in der Lendengegend einbrachte. Sämtliche Gefühle stoben nun in mir auf, wie das Meer an der Küste. Langsam beendeten wir den Kuss, ich öffnete die Augen, jetzt erst bemerkte ich dass ich sie geschlossen hatte. Wieder sah ich ihn in die Augen und sah dass er lächelte und mir zweimal zuzwinkerte. Daraufhin fiel mir schlagartig etwas ein. „Darfst du das? Hast du denn nicht jemanden in deiner Herde? Ich weiß nicht wie ihr es nennt. Weibchen, Gefährtin?" Und wieder brachte mir das ein amüsiertes Lächeln ein. Ich musste wohl noch viel lernen. „Ich bevorzuge eigentlich den Ausdruck Ehefrau. Aber nein, habe ich nicht." Beruhigt atmete ich aus. Wenn er eine gehabt hätte, hätte ich nicht gewusst wie darauf reagieren sollte. Aber auf jeden Fall würde ich sehr sauer auf ihn sein.

Warum denn, du siehst doch gar nicht so schlecht aus", platzte es aus mir heraus, bevor ich überhaupt nachdenken konnte. „Na ja, sie interessieren sich eben nicht für mich. Sie wollen Krieger und ich bin nun mal keiner. Ich bin gegen Krieg und hab damit nichts am Hut." „Find ich gut, ich bin auch gegen Gewalt." „Schön mal eine Frau mit derselben Einstellung zu treffen." Ehe ich über diesen Satz nachdenken konnte, versteifte sich sein Oberkörper und sah erschrocken auf. „Wir müssen weg, sie kommen gleich zur Jagdaufstellung", sagte er mit sehr ernster Stimme. Geschockt stand ich auf und sah ihn ängstlich an. Wer weiß was sie mit uns machen würden wenn sie mich hier fänden. „Ja, aber wohin", fragte ich verzweifelt. „Folge mir", sprach er und galoppierte voraus und rannte so schnell ich konnte hinter ihm her. Nach wenigen Metern war er schon so weit fort, dass ich Angst hatte ihn aus den Augen zu verlieren. Doch nach einem Stück blieb er glücklicherweise stehen und ich konnte ihn wieder einholen. „Wir sind zu langsam, wir müssen schneller werden." „Schneller kann ich nicht", antwortete ich verzweifelt und fast außer Atem.

Dann muss es sein." Geschockt und ängstlich sah ich ihn an. Wollte er mich seiner Herde etwa vorwerfen wie Vieh? Aber er hatte doch gesagt dass er mich beschützen würde. Panik begann in mir hochzusteigen. Plötzlich bemerkte ich das er sich vor mir auf die Vorderbeine sinken lies. Wollte er etwa abwarten bis die anderen kamen? Mein Herz rast und ich glaubte es würde gleich stehen bleiben. „Steig auf meinen Rücken." Was? Erleichtert atmete ich aus. Er würde mich also doch nicht im Stich lassen. Aber irgendwie erschien mir der Gedanke auf seinen Rücken zu steigen falsch. „Das kann ich doch nicht." „Es muss sein", rief er fast flehentlich aus. Ohne weiter zu Zögern stieg ich auf sein Rücken. Kaum saß ich richtig, preschte er schon los. Wie eine ertrinkende klammerte ich mich um seinen Oberkörper. Für gewöhnlich ritt ich gut und gerne wenn ich zu Hause war. Doch da er von einem Moment zum Anderen gleich mit einem Jagdgalopp durch die Wiese raste, hatte ich keine Zeit mich seinem Rhythmus anzupassen. Es dauerte nicht lange und ich sah bereits Bäume an mir vorbeifliegen, was mir sagte das wir wieder im Wald waren. Wie ich merkte ging es aber in die Entgegengesetzte Richtung aus der wir gekommen sind. Aber es war mir gleichgültig, ich wusste das ich bei ihm sicher war und ich wollte ihn nicht so schnell verlassen. Nach einigen Minuten wechselte er in einem leichten Galopp, was mir die Chance gab, mit meinen Hüften den richtigen Takt zu finden, mitzuschwingen und nicht mehr so wie ein schwerer nasser Sack. Ich fühlte mich unwohl auf seinem Rücken, wer weiß wie es sich für ihn anfühlte. Wahrscheinlich war es sogar ne Qual. In diesem Augenblick war ich mir nicht sicher ob ich jemals wieder in den Ferien reiten konnte ohne schlechtes Gewissen.

Nach kurzer Zeit wurde er langsamer und schlussendlich zum stehen. Wir standen im tiefen Wald, umringt von hohen dick Bäumen und Büschen, doch im Kreis in dem wir waren, war nur Erde und Gras. Es erinnerte mich an einem großen Nest. „Hier dürften wir sicher sein", schnaufte er. „Danke", sagte ich und stieg sofort wieder ab. „Für dich muss es sehr unangenehm gewesen sein, als ich auf deinem Rücken war." „Es war ungewöhnlich für mich, aber es hat mir nichts ausgemacht, da ich dich mag und weiß, dass du mich nicht besitzen willst." Erstaunt und fröhlich sah ich ihn an. „Du magst mich?" Kurz blitzte wieder ein Lächeln über ein Gesicht, bevor er wieder ernster wurde. „Ja, ich würde nicht jemanden, den ich nicht mag küssen." Wieder schoss mir Röte ins Gesicht. Schlimmer aber noch als die letzten Male. „Ja stimmt", sagte ich etwas benommen. Ob ihm der Kuss etwas bedeutete? Mir schon, denn ich hatte mich noch von keinem einfach so küssen lassen und ich hoffe für ihn war es auch etwas Besonderes. Wieder das schöne Lächeln und wieder die Schnätze. Sanft berührte er meine Wange, sein Gesicht kam meinem immer näher und wieder küsste er mich und wieder vermehrten sich die Schnätze in Windeseile. Während wir uns so küssten legte ich meine Fingerspitzen auf die Schulter seines Pferdeleibes, da es durch das hinunterbeugen zu weit weg von mir war und streichelte das Fell dort leicht. Nun unterbrach er wieder den Kuss. „Ich mag es, das fühlt sich gut an", hauchte er und wieder gab er mir einen Kuss.

Mit der anderen Hand streichelte er mir über den Rücken während die eine noch auf meiner Wange lag. „So hab ich mich schon lange nicht mehr gefühlt." „Was meinst du? Welches Gefühl?", fragte ich ihn verdutzt. „Geliebt!" Starr wie ein Reh auf der Straße vor einem Auto stand ich da. Und blickte ihm ungläubig an. Woher wusste er das? Wie konnte er wissen, dass er mich mehr und mehr in der kurzen Zeit in seinen Bann zog? „Woher weißt du das?" „Das sehe ich dir an den Augen an." War ich so leicht zu durchschauen? Doch was soll's. So war es nun mal und das konnte ich nicht ändern. Ich konnte nur hoffen dass er das gleich empfand. „Ich habe mich noch mit niemanden je so verbunden gefühlt wie mit dir", beichtete ich ihm wahrheitsgemäß. Selbstbewusst und ernst sah ich ihm in die Augen. „Kannst du dir vorstellen …?" „Was vorstellen?" Warum war er auf einmal so schüchtern? Was sollte ich mir vorstellen? „Mit mir deine Zukunft zu teilen." Überrascht sah ich ihn an. Überrascht, ungläubig und doch wieder glücklich. Meinte er das wirklich ernst? Ich hoffte es. „Ich würde es mir mit niemand anderen als mit dir vorstellen können." Glücklich lächelte er mir zu. „Da sieht man es wieder, die Sterne lügen nie." Und wieder war ich verwirrt. „Wieso die Sterne?" „Sie haben dich mir vorausbestimmt und angekündigt."

Nun fiel es mir wie Schuppen von den Haaren. Deswegen hatte er mich geweckt und war so nett. Deswegen der Spaziergang. Deswegen der schöne Platz und der Kuss. Deshalb durfte ich ihn berühren. Das Leben ist doch immer wieder erstaunlich. Mutter Natur fiel immer wieder was Neues ein. Doch was tut es, ich war glücklich darüber. Doch wie sollte das nur funktionieren? Er war kein Mensch und ich kein Zentaur. Uns war es egal aber den anderen wird es nicht sein. Akzeptieren würden sie das nie. „Was machen wir jetzt? Wir können weder zu deinen Stamm zurück, noch zu mir." „Dann müssen wir weg." „Wohin?" Wie stellte er das sich denn vor? Auch wenn ich gerne bei ihm bleiben würde, ich musste und wollte meine Schule fertig machen. Bei der es sich glücklicherweise sowieso nur noch um Wochen handelte. „Wir müssen erst noch mal zurück, denn wenn ich einfach verschwinde, werden sie mich suchen und denken ich wäre von dir entführt worden, oder der gleichen." Wieder stieg Angst in mir hoch. Ich hatte ein ungutes Gefühl bei der Sache. Ich fürchtete mich wahnsinnig davor den anderen Zentauren jemals gegenüberzustehen. „Ich hab Angst davor mit dir zurück zu gehen. Ich weiß nicht was sie mit mir machen."

So können wir auch nicht zurück, so wie du jetzt bist?" Und wieder war ich verwirrt und sah ihn verständnislos an. „Du musst erst mein werden, dann können sie dich nicht töten", erklärte er. „Wie soll das von statten gehen?" Er wurde leicht rosa, was mich zweifellos in jeder anderen Situation zum Schmunzeln gebracht hätte. „Mein Geruch muss auf dich übergehen." Wieder verstand ich nur Bahnhof. Jeder hatte doch seinen Eigengeruch, den kann man nicht ewig übertünchen. „Wie soll das funktionieren?" „Durch körperliche Nähe." „Ja, aber wir waren doch …." Plötzlich wusste ich was er meinte. Wir waren zwar die letzten Stunden zusammen und er hatte mich auch in den Arm genommen, doch das reichte nicht aus, was ich zuerst aber gedacht hatte. Beschämt sah ich auf den Boden. Das war irgendwie sehr peinlich. Kaum kannten wir uns, mussten wir schon … gezwungener maßen … . Doch was machte das schon? Ich liebe und begehre ihn sogar, was ich früher offen gestanden nie für möglich gehalten hätte. Und wir mussten es viel früher machen als es unter normalen Umständen gewesen wäre. Aber das war egal, denn er war es mit dem ich es tat und gerne teilen würde. Ich ballte also die Fäuste, straffte meinen Körper und sah ihm in die Augen. „Also gut. Aber wie?"

Fortsetzung folgt …

A/N: Damit ihr das mit den Zwinkerreihen versteht, erkläre ich es hier einmal, damit ihr nicht denken müsst, die armen Leute haben andauernd was im Auge.

Einmal zwinkern: Ich mag dich.

Zweimal zwinkern: Ich find dich attraktiv.

Dreimal zwinkern: Ich würde gerne mit dir ******!

(JSMG = Jugend-Schmutz-Gesetz)

*grins*