Kapitel 5
Es war warm und gemütlich da wo ich lag. Fest schlief ich auf meiner schönen Matratze von einem Mann. Genauer gesagt von einem Zentaur. Doch plötzlich durchdrang meiner Matratze einen Ruck und rüttelte an meinen Schultern. „Diana, schnell, wach auf, sie kommen. Sie kommen! Wach auf!" Das Rütteln wurde heftiger, doch brachte es mich endlich zum erwachen. Mühsam öffnete ich meine Augen. „Was'n los?", nuschelte ich mit trockener leiser Stimme. „Sie kommen." „Wer?" Ich war noch nicht ganz wach und völlig neben der Rolle. „Die anderen Zentauren." Blitzartig war ich hellwach und suchte meine sieben Sachen zusammen während er endlich aufstehen konnte. Steif stellte er sich in die Richtung aus der sie zu kommen schienen und blickte stur geradeaus während seine Ohren aufgeregt hin und her zuckten. „Was machst du da?", fragte ich während ich bereits mein Oberteil anzog. Schlüpfer und Rock waren schnell rübergestreift. „Observieren." „Was ist …?" „Erkläre ich dir später." Ich hatte mir gerade noch meinen Umhang anziehen können, ehe ich schon in der Nähe Hufgetrampel hörte. Und nur wenige Herzschläge später kamen sie schon durch die Büsche gesprungen. Es waren vier Zentauren. „Da bist du ja Tristan, wo bleibst …" Fassungslos sahen sie uns beide an und es dauerte nur ein Bruchteil einer Sekunde in der sich ihr Gesichtsausdruck verfinsterte. „Tristan was sucht dieses Menschenmädchen bei dir?", fragte noch einmal der selbige der zuerst das Wort an Tristan erhoben hatte. Er war schätzungsweise im selben Alter, brauner Körper, stechende grüne Augen und sehr wild aussehend. Tristan antwortete zunächst nicht und stellte sich erst schützend vor mich ehe er antwortete. „Das ist meine …" „WAS IST DAS AN DEINEM HALS?", schrie der zweite Zentaur aufgebracht und alle begannen sie langsam mit den Hufen auf den Boden zu scharren. Auf mich wirkte es sehr Nervenaufreibend, da es für mich den Eindruck machte, dass sie uns gleich angreifen würden. Doch Tristan blieb seelenruhig. „Ein Biss!", antwortete mein, mich beschützender Zentaur sachlich. „DAS SEHEN WIR AUCH! Ist es etwa von diesem MENSCHEN? Wie KANNST du nur?", fragte wieder der erste. „Tja, es war ganz leicht. Ich musste mich nur vorbeugen und zubeißen, so wie du es einst bei Gorgo getan hattest." „Lass sie da raus! Wie kannst du das nur vergleichen?" „Warst du etwa schon so verzweifelt, weil dich Schwächling keine haben will? Haben dir diese Maulesel von der Koppel nicht gereicht? Oder warst du zu lange mit ihnen zusammen, so dass du den Drang hattest dich auch versklaven zu lassen? Du hattest schon immer deine kleinen Eigenarten, wir haben sie akzeptiert, aber das geht zu weit. Und das auch noch bei der Rangordnung die du bei uns hast. Eine Schande für deinen Vater", schrie der dritte kastanienfarbene Zentaur spottend aus. „Und deswegen warst du in letzter Zeit so komisch. Immerzu hattest du versucht mit uns über die Menschen zu reden. Ich dachte es wäre reine Neugierde, aber ich hätte ahnen müssen das so etwas dabei heraus kommt", sprach wieder der erste herablassend. Mit rasendem Herzklopfen sah ich zu Tristan, was mich noch mehr ängstigte. Dieser war noch steifer geworden, hatte die Fäuste geballt und scharrte schon ebenfalls auf dem Boden. Ich hatte wahnsinnige Angst dass es in einem Desaster endet. Für einen Moment war alles still. Der schwarze Zentaur und Tristan funkelten sich böse an. Es schien als fochten sie einen Kampf aus. Plötzlich machte der Schwarze anstallten sich zu uns zu bewegen und Tristan schien nichts dagegen einzuwenden. Der Schwarze kam direkt auf mich zu, woraufhin ich einen Schritt zurückging. Hilflos sah ich Tristan an, da mir das Herz bis zum Hals schlug, doch dieser sendete mir einen aufmunternden Blick, der mich allerdings nicht sehr beruhigte. Doch ich blieb dennoch reglos stehen. Auch noch als der Schwarze mir, meiner Meinung nach, viel zu nahe kam. Von oben beäugte er mich kritisch und ich fühlte mich dementsprechend sehr unwohl. Langsam wanderte sein Blick von oben nach unten, und als er an meinen Beinen ankam, zumindest das was unterhalb des Rockes zu sehen war, verengten sich seine Augen zusehends. Offensichtlich angewidert nahm er ein paar Schritte abwärts. Verwirrend sah auch ich hinunter, spürte deutlich die Röte in meinem Gesicht aufsteigen und wäre am liebsten vom Erdboden verschluckt worden. Die Spermien von Tristan klebten noch immer daran und hatten sich, als wir auf dem Boden lagen, sogar noch mit Dreck vermischt, was es nicht gerade ansehnlicher erscheinen ließ. Da im Gegensatz zum Menschen bei Zentauren viel mehr raus kam, ist es natürlich nicht brav innen geblieben, nein, es musste so richtig schön die Beine, genauer gesagt am Knie entlang laufen. Noch immer angewidert besah sich nun Tristan. Und als er sah was ich nun schon befürchtete, stampfte er wütend mit einem Vorderhuf auf. „Das ist ja widerlich. Was geht in dir vor, das du so was machst? Igitt, es klebt sogar noch an dir. Schämst du dich nicht?" „Warum sollte ich? So etwas ist doch normal. Hast du eigentlich schon mal bemerkt was du so immer noch an dir hast wenn du Gorgo beglückt hast. Und bei dir ist es nicht irgendwo am Körper, bei dir ist es so richtig schön um den Mund verteilt. Und dann läufst du auch noch mit so einem ekligen triumphierenden Grinsen durch die Gegend als hättest du, ich weiß nicht wen bezwungen", erwiderte Tristan trotzig. „DAS ist gewiss NICHT normal. Und ich sagte doch schon dass du Gorgo raushalten sollst. Was meinen Triumph angeht, hatte ich wenigsten einen. Ich bekam die schönste aller Zentaurenfrauen. Und du? Nur ein Menschenmädchen." „Das ist doch egal ob sie ein Mensch ist. Sie ist mein, der Rest ist unwichtig. Und was meine Schwester angeht, hatte sie keine Wahl. Sie war noch jung, noch mittendrin zu einer Frau zu werden. Hättest du ihr nicht so imponiert und den starken Mann gespielt, hätte ihre körperliche Leidenschaft sie nicht zu dir getrieben", schrie Tristan zurück, was mich ein wenig zusammenzucken lies. „WAS? " Wütend bäumte sich der schwarze Zentaur auf seine Hinterbeine auf und versuchte mit den Vorderbeinen nach Tristan zu treten, was ihm glücklicherweise nicht gelang. Denn dieser wich zunächst zurück um es ihm sofort nachzutun, jedoch mit Erfolg, da der Schwarze nicht so schnell reagieren konnte, war er doch ein Bruchteil einer Sekunde vorher erst wieder auf den Boden angelangt, taumelte dieser rückwärts. Im ersten Moment schien er wieder Angreifen zu wollen, doch stattdessen wich seiner wütenden Fratze ein fieses Lächeln. „Wir werden ja sehen ob du immer noch so eine große Klappe hast, wenn dein Vater vor dir steht. Ich bin gespannt was er dazu zu sagen hat", sagte er, schon mit einem Siegerlächeln beschmückt. Und plötzlich ohne Vorwarnung ertönte aus seinem weit geöffneten Mund ein beängstig klingendes lautstarkes Wiehern. Ich schreckte mit einem lautlosen Schrei zurück, zitterte, weil ich nicht wusste wie das enden sollte und drückte mich an den Pferdebauch von Tristan. Und da merkte ich dass auch er unkontrolliert leicht bebte. Der schwarze Zentaur wiederholte diese furcht erregenden Rufe ein paar Mal, wartete einen Augenblick und schon eine kurze Zeit später hörte man aus der Ferne jemanden auf die Selbe Art antworten. Als diese antwortenden Töne immer näher kamen, spürte ich wie Tristan immer aufgeregter wurde. Doch er wagte es dennoch nicht zurückzuweichen, wie ich es tat. Mutig blieb er auf der Stelle stehen und rührte sich keinen Schritt. Es dauerten keine zwei Minuten und wieder brachen drei Zentauren durch die Büsche. „Devious was ist los? Ist was … passiert", rief er zunächst sorgenerfüllt, doch beim Erkennen der Situation, stierte er erst nur ungläubig auf mich herab. Sein Blick war sehr komisch, nicht wie bei den anderen. Erst ungläubig, dann trat eine Art Melancholie in seinen Augen auf und zu guter letzt stieg doch eine brennende Wut auf, als er die Bissspuren an Tristans Nacken erblickte. „Tristan, wer ist dieses Mädchen bei dir? Und warum ist sie überhaupt hier?", fragte er mit einer tiefen Stimme, der man lieber nicht widersprechen sollte. „Das ist …!" „Das ist seine kleine Freundin und er hat sie zu seiner Gefährtin gemacht, dieses Maulesel", sprach der schwarze Zentaur mit Namen Devious Tristan dazwischen. „WAS? Sohn, bist du noch bei Sinnen?" „Das frag ich mich auch?" „Devious, du hältst dich raus", donnerte der Älteste ihn an, woraufhin dieser zusammenzuckte, einen Schritt zurückging und sogar demütig nickte. Doch es wunderte mich nicht dass selbst der Schwarze da so reagierte. Der Vater von Tristan war eine sehr imposante Gestalt. Sehr groß, breitschultrig und muskulös, einen ernsten Blick, sehr wild aussehend und sein Körper wies schon etliche Kämpfe auf. „Tristan antworte auf meine Fragen!" „Sie ist mir bei meinem Sparziergang, nahe dem Waldrand begegnet. Wir haben miteinander geredet und uns gut verstanden. Ich fragte sie ob nicht mit mir zusammen weiter laufen wolle … und … ich habe sie zu meiner Gefährtin gemacht", erzählte Tristan zaghaft. Doch warum erzählte er dass wir uns am Waldrand getroffen haben? Wohl damit sein Vater nicht erfährt, das ich die Jenige war, die bereits am Anfang die Regeln gebrochen hatte, und unerlaubt so weit in den Wald gegangen war. Für einen Moment sah sein Vater uns stillschweigend an. Völlig ruhig, wie vor dem Sturm. Die anderen Zentauren blickten ihn an und warteten gespannt darauf was passieren würde. Plötzlich sah er mich an, ganz ruhig, von oben bis unten. Bis er zu meinen Beinen kam und die Sauerer sah. Doch blieb er noch immer ruhig. Es schien in ihm zu arbeiten. Als ich schon dachte, dass wohl nichts weiter passieren würde, kam er plötzlich auf uns zu gelaufen. Kurz vor seinem angespannten Sohn blieb er stehen und sah ihm in die Augen. „Hast du es genossen?" „Ja", sagte Tristan kleinlaut und versuchte seinen Blick nicht abzuweichen, was im offensichtlich sehr schwer fiel. „Liebst du sie?" „Ja!" Wieder sah der Ältere ihm nur stumm in die Augen. Und wieder stieg diese Melancholie in seinen Augen auf, als er seinem Sohn scheinbar tief in die Seele sah. „VERSCHWINDE!", schrie der Ältere ihn an, drehte sich um und ging. Tristan und ich zuckten auf heftigste zusammen. Ich ging einige Schritte weiter weg, doch Tristan lief seinem Vater hinterher. „Aber Vater …" „Verschwinde habe ich gesagte", schrie der Ältere noch einmal und stieß seinen Sohn gewaltvoll von sich weg, sodass dieser fast stolperte. „Vater!", versuchte es der jüngere noch einmal. Doch plötzlich drehte sich sein Vater um, stützte sich auf die Hinterbeine und trat ihn schmerzlich auf die Brust. „Verschwinde sagte ich und nenn mich nie wieder Vater. Du bist nicht mehr mein Sohn. Bane ist nun mein einziger richtiger Sohn. Und er wird auch der jenige sein, der die Herde übernehmen wird. Verschwinde und nimm diesen Menschen mit." Als Tristan noch immer nicht von seiner Seite wich und ihn flehendlich ansah, bäumte er sich ein weiteres Mal auf und verpasste Tristan noch einen Tritt. Daraufhin rannte Tristan verängstigt auf mich zu, packte mich, hievte mich auf seinen Rücken und rannte als ginge es um unser Leben. Ich hatte mühe mich festzuhalten um nicht runter zu fallen. Doch als ich einen Blick hinter uns riskierte verstand ich, denn die anderen waren tatsächlich hinter uns her. Jagten und trieben uns vorwärts.
Wie vom Teufel gehetzt rannte Tristan immer weiter. Sprang über jedes Wurzelgeflecht, jeden Busch und jeden umgestürzten Baum. Ich klammerte Arme und Beine so fest um ihn, das mir nach kurzer Zeit die Gelenke schmerzten. Zweimal wäre ich fast hinuntergefallen wenn er mich nicht gehalten hätte und einmal stolperte er ganz böse, lief aber dennoch weiter. Plötzlich hörte ich ein Zischen an meinem Ohr und ein Pfeil landete in dem Baum an dem wir vorbei galoppierten. Starr vor Schreck klammerte ich mich, wenn möglich, noch mehr an Tristan rann. Ich konnte es nicht glauben. Sie schossen mit Pfeilen. Ich wagte es nicht hinter uns zu sehen. Nach einer Ewigkeit, wir mir schien erreichten wir den Waldrand, in der Nähe von Hagrids Hütte. Dort kam er abrupt zum Stehen, ging aber noch ein paar Schritte um wieder hinunter zu kommen und suchte währenddessen einen Platz für uns aus in dem wir uns verstecken konnten. Nach kurzer Zeit fand er einen geeigneten Platz, umringt von Büschen und Sträuchern. Als er still stand, sprang ich sofort von ihm runter. Und da meine Knie wacklig waren und zitterten, knickten sie auch gleich zusammen. Tristan aber blieb stehen, blickte starr vor sich hin und war noch völlig außer Atem. Sein Anblick versetzte mir einen Stich ins Herz. Wegen mir hatte er gerade seine Familie und Freunde verloren. Äußerlich sah er auch nicht gesund aus. Das Gesicht blass, auf der Brust ein Hufabdruck, die Flanken verschwitzt und blutig. Und auch an einem seiner Knöchel am Vorderhuf haftete Blut. Meine Augen begannen zu flattern, bevor sich Tränen bildeten, die mir die Wangen hinunter liefen. Ich war noch total aufgewühlt. Stumm saß ich da, blickte zu ihm auf, doch auch die Schluchzer die mich heftig schüttelten ließen sich irgendwann nicht mehr unterdrücken. Aus seiner Gedankenwelt gerissen blickte mich Tristan fragend an. „Was hast du denn?", fragte er besorgt, kniete sich zu mir hinunter und wischte mir die Tränen weg. „Es … Es tut … Es tut mir leid. … So schrecklich … Leid. Wegen mir … hast du … deine Herde … verloren." „Schh, schon gut. Es war auch meine Entscheidung. Ich wusste das es so weit kommen würde." „Wirklich?", fragte ich verblüfft. Er hatte es die ganze Zeit gewusst? Warum war er dann auf mich eingegangen? „Ja! Und eigentlich waren sie noch ganz nett zu uns. Unter anderen Umständen hätten sie mich umgebracht. Dir würden sie nichts tun, da du noch ein Fohlen bist. … Wenn auch nicht mehr lange. Wenn wir uns nicht gebissen hätten, ich nicht der Sohn des Leitzentauren wäre und du schon Erwachsen gewesen wärst, hätte es keinen Happy End gegeben." „Aber warum bist du dann auf mich eingegangen? Warum hattest du mich gefragt ob ich mit dir gehe? Du hättest mich zurückschicken können." Stumm blickte er mir in die Augen. Sein Blick drang tief in meine Augen und ich hatte das Gefühl er sähe meine Seele an. „Ist das nicht offensichtlich?" Ich konnte nicht antworten, ich wusste nicht was ich sagen sollte. Und ich musste gestehen ich wusste nicht recht was er meinte. „Mir ist meine Liebe wichtiger als die Familie." Plötzlich machte mein Herz einen mächtigen Sprung, es fühlte sich an als wenn es gleich platzen würde. Es bildeten sich noch mehr Tränen in den Augen, diesmal aber nicht wegen Schuldgefühlen. Ich war einfach nur gerührt und glücklich. Überwältigt umarmte ich ihn und wollte ihn küssen, doch so weit kam es nicht. „AU! …" „O tut mir leid." Vorsichtig strich ich über den Hufabdruck, den seine Brust zierte. Sanft legte sich seine Hand auf meine. „Es geht schon. Du solltest ins Schloss gehen, sonst vermisst man dich noch. Ich komm schon klar." „Ach was, ich lass dich doch nicht so einfach hier liegen." Wieder sah er mir in die Augen. Sie waren voller Schmerz, und ich wusste dass er mich nicht nur zurückschickte, weil mich jemand vermissen könnte. Er wollte für eine Weile mit sich allein sein. „Bitte. Geh", sagte er, und strich mir noch einmal über die Wange, ehe ich aufstand und hinauf ins Schloss ging.
Fortsetzung folgt …
