An Marylein: Ich sage nur soviel… viel Alkohol…

Purity

5. Süße Träume

Die folgenden Wochen vergingen wie im Fluge. Blaise hatte sich bei Draco entschuldigt und ihn zur Versöhnung zu einer Umarmung gezwungen, es kursierten weiterhin Gerüchte über Draco Hermione, doch die Beiden waren sich seit dem Vorfall im Glashaus nicht mehr so nahe gekommen. Hin und wieder hatten sie sich zusammen unter einen abgelegenen Baum gesetzt und etwas gelesen, bzw. sie hat gelesen, er hat auf ihren Schoß geschlafen (Ja, so viel zu lernen kann schlauchen), oder die saßen auf ihren Stammplatz in der Bibliothek und machten Aufgaben, oder lernten. Manchmal versuchte Draco sogar über diesen gefährlichen Mann, oder den anderen, der an ihn gebunden war zu informieren, aber seine Mühen blieben erfolglos.

So kam es, dass sie wieder einmal ein Buch über die Geschichte von irgendjemand las und er mit dem Kopf auf ihrem Schoss lag und schlief, während Blaise auf die Zwei zukam.

„Na, schläft er wieder?", fragte er leise seufzend und ließ sich neben Hermione nieder.

„Sieht man ja.", meinte sie und schloss das Buch, hörte allerdings nicht auf Draco im Nacken zu kraulen. „Hat er die Nacht wieder durchgelernt?"

„Ja, ich konnte kaum schlafen.", erwiderte Blaise und gähnte verhalten. „Ich habe ihm gesagt, dass er einpaar Fächer canceln soll, aber er hört ja nicht auf mich."

„Er hat halt scheinen Stolz. Immerhin will er die Wette nicht verlieren.", erinnerte das Mädchen und musste schmunzeln, als der Blonde etwas im Schlaf murmelte.

„Welche Wette?"

Ohoh! Hatte Draco das Blaise nicht erzählt? Und wenn schon. Dann wäre er halt im schlimmsten Fall böse auf sie. Sie wusste schließlich, wie sie ihn wieder besänftigen konnte.

„Die Wette mit seiner Großmutter. Er soll alle möglichen Fächer des mit einem „Ohnegleichen" bestehen."

„Er soll was?!"

Blaise verfiel. Draco hatte der Gryffindor zwar nie so wirklich von seiner Familie erzählt, aber immerhin wusste sie, dass er seine Großmutter hasste, und dass sie ihn auch hassen musste. Wie musste es wohl sein, wenn man einen Feiertag, wie Weihnachten mit einem Menschen verbringen musste, der einen aus tiefsten Herzen hasste? Das wollte Hermione sich gar nicht erst vorstellen.

„Na ja, in cirka zwei Monaten lernst du das Biest eh kennen. Ich nehme an, du wirst bei Draco schlafen?"

Was sollte dieses anzügliche Grinsen?

„Schon, aber das kann dir doch egal sein, oder? Hast du niemanden, dem du nachlaufen kannst?", schnappte sie mit geröteten Wangen und schlug das Buch wieder auf.

Es legte sich ein wehmütiges Lächeln auf Blaise Lippen, als er gestand, „Nein. Die einzige die ich je liebte ist tot."

Überrascht sah Hermione auf den Ring, den Blaise an einer Kette unterm Hemd hervorgezogen hatte und sich ansah.

„Du.. sie… ihr ward verlobt?", hauchte sie schockiert und Blaise nickte, dann wollte sie noch wissen, „Mit ist da etwas aufgefallen, zwischen ihr und Draco…" Wieder nickte er. „Was, wirklich? Oh Merlin! Aber er-!"

„Hat sie und alles was mit ihr zu tun hatte verdräng. Einschließlich meiner Wenigkeit."

„Autsch.", wimmerte Hermione mitleidsvoll. „Was macht er nur für Sachen."

Sie konnte nicht anders, an ihn etwas hochzuheben, hinüber zu rutschen und ihn an ihre Brust zu drücken. Der Blonde schien dies sofort anzunehmen, da er seine Arme um ihre schlanke Taille legte und sich in die Umarmung kuschelte.

„Wenn man euch beiden so zusieht könnte man glatt neidisch werden. Dennoch. Ihr seid ein süßes Paar.", beglückwünschte Blaise sie lächelnd und wuschelte Draco sanft durchs Haar, welche nur leise schnaufte.

„Wir sind kein Paar.", widersprach das Mädchen ehe sie hinzufügte, „Wir mögen uns nur, das ist alles."

„Ach, so sehr, dann ihr eure frühere Rivalität gegen heiße Küsse und Kuschelaktionen getauscht hab? Wenn willst du hier verarschen? Es ist doch offensichtlich, dass ihr in einander-"

Bevor Blaise den Satz beenden konnte, hatte Hermione ihm den Mund zugehalten und sah ihn halb bittend halb ängstlich an.

„Bitte sprich es nicht aus. Wenn du es sagt, könnte es wahr werden. Es könnte alles zerstören, weil …"

„Ihr schlicht und einfach schiss davor habt euch eure Gefühle einzugestehen? Es würde euch niemand fressen, käme es heraus. Meine Güte, ihr seid freie Menschen. Genauso, wie man dir nicht verbieten kann ihn zu lieben, kann man mich nicht davon abbringen nach wie vor ein Mädchen zu lieben, das seit ca. 9 Jahren tot ist. Und glaub mir, meine Muter hat schon oft versucht, meine Aufmerksamkeit auf andere Mädchen zu lenken."

„Wie ist es passiert?", fragte die Gryffindor schließlich und begann Draco wieder im Nacken zu kraulen.

Blaise schüttelte den Kopf und gab zu, „Niemand bis auf Draco weiß genau, wie es passiert ist. Wir wissen nur, dass sie damals abgestürzt ist. Vielleicht war es Suizid, vielleicht auch nur ein Unfall. Wir wissen es nicht. Der Einzige, der es weiß wurde so sehr von seinem Gewissen gequält, bis er zusammengebrochen ist und alles verdrängt hatte. Weißt du... ich habe es gesehen. Sein altes Zimmer. Ich weiß zwar nicht, wer so krank sein könnte, aber irgendjemand hatte mit Blut Wörter wie „Mörder", „Du bist schuld" und „Du hast die getötet" auf die Wände geschrieben."

„Oh mein…", wisperte Hermione und ihre Stimme erstarb.

Selbst Blaise erschauderte, als er fort fuhr, „Ich war nur einmal dort, aber die Atmosphäre in diesem Raum war so schrecklich, dass ich schon nach wenigen Sekunden geflohen bin. Natürlich… erinnert Draco sich an sein altes Zimmer nicht und der Flügel des Hauses darf seit je her nicht mehr betreten werden."

„Wie kommt es, dann du mir davon erzählen kannst? Hast du nicht einen unbrechbaren Schwur geleistet?", fragte sie verdattert und legte den Kopf schief.

„Zu dem Schwur wurde ich gezwungen. Außerdem… darf ich nur Draco nichts davon erzählen.", meinte er mit einem verstohlenen Lächeln, welches Hermione nur erwidern konnte.

„Und sie ist der Schlüssel, huh? Wie heißt sie eigentlich?"

„Emily.", wisperte der Junge und ein verträumtes Lächeln legte sich auf seine Lippen.

„Emily.", wiederholte Hermione leise und hauchte Draco einen Kuss auf den Schopf. Wieder stieg in ihr dieses warme Gefühl auf, welches sich zusehend in ihrer Brust ausbreitete. War es tatsächlich Liebe? Wie fühlte sich Liebe überhaupt an und… konnte man sich so schnell in einen Menschen verlieben, denn man kaum kannte? Und das auf Grund eines einfachen Kusses?

Nein, das würde doch viel zu schnell gehen. Noch dazu war es für Hermione nicht üblich sich so schnell in jemanden anderes zu verlieben. Nein, das konnte keine Liebe sein. Aber was war es dann? Dieses Gefühl der Verbundenheit, der Wärme und Ruhe. Das hatte sie noch nie bei einem anderen Menschen empfunden. Vor allem nicht so intensiv.

Langsam sickerten Worte zu Dracos Bewusstsein durch und hörte dass Hermione mit jemanden unterhielt. Da ihre Stimme relativ ruhig war, nein sogar vergnügt klang, musste ihr wohl Blaise Gesellschaft leisten. Weiters vernahm er einen regelmäßigen Herzschlag, spürte eine angenehme Hand in seinem Nacken, die ihn sanft kraulte und merkte, dass er nicht mehr lag, sondern saß und an jemanden – zweifelsohne Hermione – gelehnt war.

Mit einem wohligen Schnaufen legte er beide Arme um ihre Taille und zog sie leicht an sich.

„Oh, Morgen Draco. Hast du gut geschlafen?", wollte das Mädchen wissen und Draco brummte müde. Er lag eindeutig zu gut dafür, als dass er aus seinem Schlummerzustand raus wollte, auch wenn es bereits kalt wurde.

„Wir sollten rein, bevor wir uns noch verkühlen. Immerhin haben wir schon bald Winter.", schlug Blaise vor, doch Draco brummte unwillig und drückte Hermione noch mehr an sich. Würden sie jetzt reingehen, hieße das, dass sie sich trennen müssten und das wollte er nicht. Am liebsten hätte er sie einfach in sein Bett mitgenommen und wäre dort wieder eingeschlafen. Das Leben konnte ja so ungerecht sein.

„Komm schon. Wir sehen uns morgen ohnehin wieder.", bot die Gryffindor an, bereute allerdings im gleichen Moment ihre Worte, da ihr klar wurde, dass auch sie nicht die Nacht alleine verbringen wollte. Ein schweres Seufzen verließ ihre rosigen Lippen. Das ganze war wohl doch komplizierte, als sie es angenommen hatte.

„Junge Liebe.", gluckste Blaise altklug, während er sich erhob, um zum Schloss zurückzuwandern.

Unwillig schaute Draco in Hermiones Augen, schoss die seinigen für einen Augenblick, als sie ihm einen Kuss auf die Stirn hauchte.

„Müssen wir wirklich schon gehen?", fragte Draco miesmutig und fühlte sich so, als würde er sich wie ein kleiner quengelnder Junge benehmen.

„Wir können uns treffen. Um elf. Im 7. Stock gegenüber dem Wandteppich von Barnabas dem Bekloppten.", hauchte sie mit zunehmender Aufregung und Draco nickte rasch.

Natürlich wurde er ebenfalls nach und nach aufgeregter, je mehr Zeit verging. Er ging bereits in Raum nervös auf und ab und wurde immerzu von Blaise verarscht, der sein Tun beobachtete. Schließlich vergrub er sich in seinen Lernunterlagen. Nach halb elf schlich er sich mit Blaise besten Glückwünschen aus dem Kerker und stieg in den 7. Stock hinauf. Unterweg währe er dreimal beinahe erwischt worden, doch das hielt ihn nicht davon ab am Bestimmungsort anzukommen und eine glückliche Hermione mit einem flüchtigen Kuss zu begrüßen.

Sie zog ihn durch in einen Raum und schloss die Türe hinter sich. Draco schaute sich erstaunt in dem Zimmer um, das nun mehr einem Schlafzimmer glich, somal ein riesiges Doppelbett in der Mitte des Raumes stand.

„Gefällt es dir?", wollte sie wissen und strahlte in förmlich an.

„Schon, wo sind wir?" Sein Blick fiel auf die Kerzen, welche alle das Zimmer spärlich erleuchteten, aber keine unangenehmen Duft verbreiteten.

„An einem Ort, der nur uns beiden gehört.", erklärte sie schmunzelnd und zog ihn zum Bett. Beide ließen sich darauf nieder und mit einem Mal war eine seltsam angespannte Atmosphäre da, die beide unruhig mache.

„Ich sollten schlafen, immerhin bin ich schon ziemlich müde.", schlug Draco vor, um die Stille zu brechen und sie nickte. Bevor sich nur einer von ihnen entkleidete, stellten sie schon einmal fest, dass sie nicht zum Umziehen hatten. Sie gaben sich einen Ruck und beschlossen in Unterwäsche zu schlafen, wobei so mancher scheuer Blick zum Körper des Anderen wanderte, während beide sich auszogen.

Schlussendlich lagen sie unter der Decke und das Licht wurde gelöscht. Jetzt war Draco noch nervöser, als in den Stunden zuvor. Er hätte sogar beinahe erschrocken aufgeschrien, als sie flüsterte, „Komm her."

Ihrer Aufforderung folgend, drehte er sich auf die Seite und rutschte etwas zu ihr. Kurz darauf spürte er ihre warme Hand, die in seinen Nacken glitt, um ihn dann dort sanft zu kraulen. Ein leises seliges Seufzen verließ seine Lippen und er schloss seine Augen. Die Anspannung wich nach und nach aus seinem Körper und er spürte, dass er zunehmend müde wurde. Er legte einen Arm um Hermiones Taille und merkte, wie schwer dieser nach kurzer Zeit wurde. Irgendwann war er so entspannt, dass er in einen traumlosen Schlaf hinüber glitt und nicht einmal mitbekam, dass Hermione ihm den Rücken kehrte, auf das er sie löffelte.