So Leute! Es wird Zeit, dass ich ein bisschen meine sadistische Seite kennenlernt.

11. Malfoy Manor III - Bloodline

Es waren schon einige Tage vergangen, in denen sie viel unternommen hatten. Der Weihnachtsmorgen war wenigstens ruhig verlaufen, sprich Draco und seine Großmutter hatten sich nicht ständig zerfetzt, doch ihre Blicke sprachen Bände. (So wie „STIRB!" „Nach dir.")

Die anwesenden Slytherins und Gryffindors, so wie Draco Cousinen lagen bei jeder Mahlzeit vor lachen, wenn der Blonde und die alte Schachtel sich ihre Kleinkriege lieferten. Bis auf weitere Hetzjagden, die Draco und die Kleinen veranstalteten, er mehr unfreiwillig, passierte nichts Gravierendes bis zum 31. Dezember.

Gerade an diesem Tag hatte Draco alle Mädchen zum shoppen eingeladen, sprich, er zahlte. So verbrachten sie den ganzen Vormittag. Nach dem Mittagessen, bei dem er und seine Großmutter sich wieder ein Wortgefecht geliefert hatten, ließ er sich schwerfällig auf die Couch sinken und wagte es tatsächlich seine Lernsachen raus zu holen. Mitten am Tag. Im Beisein seiner älteren Cousinen, Tanten, Mutter und Mitschüler.

„Hey, lerne nicht so viel, Bücherwurm.", kicherte Leony und nahm Draco das Buch weg.

Dieser sprang protestierend auf und wollte sich sein Lernmaterial wieder zurück erobern, als Michelle plötzlich Musik aufdrehte und zu singen begann.

Draco stöhnte genervt und wollte sich abwenden, als sich Valery und Nathalie vor ihm aufbauten und laut mitsangen:

Is there a man out there

Someone to here my pray

Gimme Gimme Gimme a man after midnight

Want somebody help to chase the shadows away

Gimme Gimme Gimme a man after midnight

Take me trough the darkness till the break of the day

Schnell wirbelte der Blonde herum und wollte fliehen, doch schon hatten Mary und Leony sich vor ihm aufgebaut und sangen voller Inbrunst mit. Es war Draco sichtlich peinlich und er sah sich nach weiteren Fluchmöglichkeiten um, während seine Mitschüler ungläubig zu den Cousinen starrten.

Narzissa setzte sich in Bewegung, um bei dem Spaß mit zu machen und Draco weitete entsetzt die Augen.

„Mom! Nein!"

Natürlich hörte sie nicht auf ihn. In Folge dessen verschaffte er sich Ablenkung, in dem er sich sein Buch zurückholen wollte, während seine Cousinen eine bühnenreife Show abzogen. Zum Glück endete das Lied, Draco hatte sein Buch wieder und setzte sich auf die Couch zurück, als…

Seine Mutter zu „Mamma mia" anstimmte.

„Bei dem Krach kann ich nicht lernen.", fauchte er mit geröteten Wangen und wollte sich erheben, als seine Tanten ihn mit so einem merkwürdigen Funkeln in den Augen ansehen.

„Wir haben noch ein Kleid abzustecken.", bemerkte eine von ihnen hämisch und Dracos Mitschüler kicherten, bzw. grinsten.

„Oh, nein. Vergesst es!", zischte er, wie eine Katze, die die Ohren zurücklegte, machte auf dem Absatz kehrt und wollte durch einen Geheimgang aus dem Zimmer stürmen.

Draco…

Er war so abrupt stehen geblieben, dass seine Tanten beinahe in ihn hinein gelaufen waren. Scheinbar konnte nur er sie hören.

Draco…

Er blickte um sich und ignorierte die fragenden Blicke seiner Tanten und die besorgten Worte seiner Mutter.

Draco…

Hinter ihm! Er wirbelte herum und lief aus dem Zimmer, der Stimme immerzu folgend. Sein Weg führte ihn hinauf zu dem hinteren Teil des Anwesends, das statt einem Ziegeldach, eine Art Flachdach mit Brustwehr hatte. Hastig lief er die lange Wendeltreppe hinauf, der Kälte entgegen, bis er einen kurzen Gang erreichte. Am ende dieses Ganges befand sich eine schnurrgerade Treppe, die zu einer Türe führte. Draco stieg diese empor, entriegelte die Türe und trat hinaus ins Freie.

Ein eisiger Wind blies ihm ins Gesicht und ließ ihn für einen Moment erschaudern. Die Sonne blendete ihn für einen Moment, dann glaubte er eine Person ihm gegenüber am Ende des Dachen auf der Brustwehr stehen zu sehn. Alles war er erkannte war ein weißes Kleid und langes goldgelocktes Haar, welches im Wind flatterte. Nach nur einem Lidschlag war die Person verschwunden, als hätte es sie nie gegeben.

Der Blonde legte die Stirn in Falten und trat langsam zur Brustwehr vor. Er legte beide Hände auf den schneebedeckten Stein und beugte sich etwas nach vorne, um in die Tiefe zu schauen, als ein grausiges Gefühl von ihm Besitz ergriff und er erschrocken zurück strauchelte. Er zitterte am ganzen Leib, doch wohl gemerkt nicht vor Kälte. Es war eine einnehmende und erstickende Angst, die von ihm Besitz ergriff und in ihm nur einen Drang auslöste. Flucht!

Weiter unten am Gang begegnete er seiner Mutter, die gerade aus dem Zimmer, welches sie zuvor besetzt hatten, gekommen war.

„Was ist auf dem Dach passiert?", forderte er zu wissen. Seine Stimme bebte.

Narzissa schaute ihren Spross perplex an. „Wovon redest du?"

„Was ist auf dem Dach passiert?", wiederholte er mit mehr Nachdruck und in dem Zimmer wurde es zusehend leise.

„Schatz, ich weiß nicht wovon du sprichst.", sagte Narzisse und Draco merkte, dass sie log.

„WAS IST AUF DIESEM VERDAMMTEN DACH PASSIERT?!", schrie er plötzlich und zitterte heftiger denn je. In dem Zimmer war es komplett still. Er hatte seit mehreren Jahren nicht mehr so laut geschrien und er wusste nicht, was ihn so derartig aufwühlte, aber er musste wissen was geschehen war. Seine Mutter war blasser als zuvor und wandte ihren Blick ab.

„Was ist los? Warum regst du dich so auf, Dracolein?", wollte eine seiner zig Tanten wissen, die aus dem Zimmer gekommen war.

„Behandle mich nicht wie ein kleines Kind.", zischte er hasserfüllt und erschrak zugleich über seine plötzliche Wut.

Seine Tante war verstummt, dafür schlich seine Großmutter auf sie zu.

„Mäßige dich! Du bringst Schande über unsere Familie."

„Sag mir gefälligst, was da oben passiert ist.", knurrte er bedrohlich und seine Augen wurden zusehen dunkler, um nicht zu sagen pechschwarz. Narzissa zog erschrocken die Luft ein, doch die Großmutter ließ sich nicht von ihrem Enkel anherrschen, ging auf ihn zu und verpasste ihm eine harte Ohrfeige.

„Mutter!", schrie Narzissa bestürzt und wollte ihrem Sohn aufhelfen.

„Fass mich nicht an!", zischte dieser, stieß sie von sich und trat mit einem letzten hasserfüllten Blick auf seine Großmutter die Flucht an.

Hermione hatte zusammen mit den anderen Draco schon seit Stunden gesucht, bisher jedoch ohne Erfolg. Sie alle trafen sie wieder in einem Gang im 4. Stock, nur um festzustellen, dass er nicht unter ihnen war.

„Hey! Dort ist er!", rief Leony aus, die vor einem großen Fenster stand und zur Klippe deutete. Alle stürmten zu ihr und überzeugten sich selbst davon, dass der Blonde tatsächlich auf der Klippe stand. Sein Blick war in die Ferne gerichtete und der Wind zerrte an seinem Haar und der Kleidung. Hermione tat es weh, ihn so zu sehen, weil er einsam und verloren wirkte.

Sie war auch die Erste, die bei ihm ankam, doch er drehte sich weder zu ihr um, noch sagte er etwas. Wortlos schlang sie ihre Arme von hinten um ihn und drückte sich an seinen kühlen Körper.

„Warum antworten sie mir nicht einfach?", fragte er schließlich. Seine Stimme klang fern.

„Sie wollen dich wahrscheinlich nur schützen.", mutmaßte sie und ergriff seine eiskalte Hand, um sie zu wärmen.

„Ich will nicht beschützt werden… Ich will die Wahrheit wissen.", meinte er schließlich missmutig, erwiderte ihre Berührung allerdings nicht.

„Tut deine Wange noch weh?", fragte sie, um das Thema zu wechseln und er schüttelte den Kopf.

„Emily ist dort oben... sie ist dort irgendwie gestorben. Ich bin mir sicher, dass es so war."

„Du bist der einzige Zeuge.", rutschte es Hermione raus und gewann somit ungewollte Dracos gesamte Aufmerksamkeit.

„Wie war das?"

„Du... naja, das hat mir Blaise erzählt. Du bist der Einzige, der weiß, was damals passiert ist. Du bist der einzige Zeuge, und wenn du nicht weißt, was passiert ist, weiß es niemand. Nur scheinbar hast du vor deinem Zusammenbruch nicht darüber geredet und danach hattest du alles verdrängt."

„Das sind ja tolle Aussichten.", brummte er und richtete seinen Blick wieder aufs Meer. Es folgte eine lange Pause, dann stellte er eine Fragte, mit der Hermione nicht gerechnet hätte.

„Wie kommt Erebus eigentlich drauf, mich zu jagen. Nur über Tod? Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Noch dazu... Der Todesengel meinte, dass das was ich besitze sehr viel Macht beinhaltet. Vor seiner Spaltung in drei Persönlichkeiten war er der mächtigste Mann der Welt. Und er ist auch jetzt noch ziemlich mächtig, wenn noch nicht einmal der Tod ihn bezwingen kann. Wozu braucht er dann dieses Etwas von mir? Ich meine... da fehlt doch jede Logik!"

„Du hast Recht...", murmelte Hermione, ließ von dem Blonden ab und trat neben ihn, „Außerdem... warum ist der Tod persönlich hinter dir her, bzw. ... wenn der Todesengel Recht behält und sie etwas von dir will... sie könnte es sich so leicht nehmen... Gegen den personifizierten Tod hast du doch nicht die geringste Chance!"

„Danke, du weiß, wie man einen aufbaut.", schnaubte er missmutig und wandte sich etwas ab.

Hermione packte ihn an der Schulter und drehte ihn zu sich um, „Draco, über lege doch! Sie will etwas von dir, aber sie zögert. Ist Frage ist, warum sie zögert. Was hält sie davon ab, dir dieses „Etwas" und somit auch dein Leben zu nehmen?"

Der Blonde schien zu verstehen. „Weil sie es mir nicht nehmen kann."

„Oder zumindest noch nicht.", schloss die Gryffindor.

„Nur was muss geschehen, dass sie es von mir nehmen kann?", überlegte er und begann aufgeregt auf und abzugehen.

„Du musst dich verändern.", vermutete Hermione und er blieb schlagartig stehen.

„Mich erinnern?"

„Vielleicht."

„Nein. Ich glaube nicht. Wenn Emily tatsächlich mir etwas sagen will, dass wird sie mich wohl kaum mit Absicht in Gefahr bringen. Sie hat mich sehr geliebt, genauso wie ich sie. Sie würde so etwas nie tun."

„Hm... vielleicht musst irgendwas passieren."

„Ja... ich glaube schon... auch wenn ich nicht weiß was..."

Wieder entstand eine Pause.

„Worauf will dich Emily aufmerksam machen?"

„Auf ihren Tod... Es sieht so aus, als wäre es Selbstmord gewesen, aber ich will nicht glauben, dass es so war. Ich habe vielleicht keine klaren Erinnerungen an sie, aber.. ich spüre es... oder sie.. was auch immer... ich habe das Gefühl, dass sie ein sehr fröhlicher Mensch war. Zu fröhlich, um Probleme zu haben. Zu fröhlich, um so etwas wie Suizid zu begehen."

„Du hast Recht. Unser Cousinchen war eine wahre Frohnatur.", bestätigte eine Stimme und die Zwei wirbelten herum. Hinter ihnen standen alle älteren Cousinen und alle Hogwartsschüler. Valery hatte gesprochen.

„Ich ward unzertrennlich.", meinte Leony traurig.

„Ein Herz und eine Seele.", setzte Michelle mit einer Grabes stimme fort.

„Und nach ihrem Tod, bis auch du gestorben. Innerlich.", sagte Mary bedrückt.

„Als hätte man dir die Seele genommen.", fügte Nathalie mit einem traurigen Lächeln hinzu.

„Und dann zwangen sie uns zu schweigen. Mich bändigte deine Großmutter mit einem unbrechbaren Schwur. Das war das Ende der Geschichte.", schloss Blaise.

„Das ist echt hart.", murmelte Weasley und Draco nickte.

„Mädels...", begann Draco, da ihm etwas eingefallen war, „Ihr gehört doch auch zum Orden von Orleans... was kann so ein Typ wie Erebus von mir wollen?"

„Erebus? Sag bloß, der ist hinter dir her!", rief Val ungläubig und auch die anderen stutzten.

„Erm... schon...", druckste der Blonde herum und die Mädchen verfielen.

„Und du lebst noch?!"

„Sieht ganz so aus..."

„Er hat nicht versucht dich zu töten?"

„... töten... das ist so ein weitläufiger Begriff..."

„Du willst doch damit nicht sagen, dass…", begann Valery aufgeregt, doch Dracos Aufmerksamkeit wurde je durch etwas anderes abgelenkt. Er starrte in die Ferne, wo er glaubte ein Mädchen mit langem blonden Haar in einem weißen Kleid stehen zu sehn. Sie kam immer näher, dass er sie immer deutlich erkennen konnte, ehe sie ihm mit einem sanften Lächeln zunickte und ihm somit scheinbar sagen wollte „Folge mir".

Dem Wortregen seiner Cousinen nicht lauschend, ging er der einzigen Person nach, die ihm Antworten auf seine Fragen geben konnte und wollte. Emily.

Sie marschierten eine Weile durch den nahegelegenen Wald gefolgt von den Anderen, die alle – bis auf Blaise und Hermione – Abstand zu dem Blonden hielten. Es begann zu schneien, doch das störte Draco nicht, da ihm die Kälte schon lange in die Glieder gekrochen war. Sie gelangten zu einer Wiese, welche von Bäumen umsäumt war.

„Ich kenne diesen Ort…", nuschelte Draco und wagte sich etwas weiter nach vorne, ehe er sich zu seinen Cousinen umwandte.

„Ihr habt mich immerzu von dieser Wiese ferngehalten. Warum…?"

Leony war die erste, die widerstrebend zu erzählen begann, „Diese Lichtung, war quasi euer Revier. Hier habt ihr oft zusammen gespielt, oder die verbleibenden Gottheiten gerufen, was diese Wiese zu einem Art Heiligtum macht. Wir haben diesen Ort deshalb immerzu gemieden, weil Großmutter und Tante Zissy uns verboten hatte, hier her zu kommen. Auch jetzt dürfen wir nur hier sein, weil du hier her geführt wurdest."

Nathalie trat vor. „Emily ist hier, stimmts? Sie hat dich doch geführt."

Draco schaute zur Seite, wo in knapper Entfernung seine Zwillingsschwester stand und ihm lächelnd zunickte.

„Ja, sie ist da…"

Alle starrten auf die Stelle, wo Emily sich befand, ohne dass sie sie je sehen konnten. Das Mädchen drehte sich einmal um die eigene Achse und die dicken Schneeflocken, welche zu Boden segelten, verwandelten sich in Blüten. Ebenso die Schneedecke am Boden, so wie die schneidende Kälte, verschwand und die Lichtung wurde vom gelblichen Dämmerlicht erhellt.

„Wow…", keuchte Pavati.

„Das ist genauso, wie vor drei Jahren. Wisst ihr noch? Als es goldene Funken geregnet hatte.", meinte Michelle aufgeregt und fing einpaar der Blüten.

„Oh mein…", wisperte Blaise und alle folgten seinem Blick.

Emily stand auf einem spiralförmigen Podest aus Blüten und drehte sich mehrmals um die eigene Achse. Manche Blüten zogen sich wie dünne Schnüre um ihren zierlichen Körper, ihr langes gewelltes Haar wirbelte durch die Luft, fiel ihr manchmal ins Gesicht. Ihr Tanz war ebenso faszinierend, die bannend. Vor Dracos geistigem Auge blitzen so manche Bilder auf, in denen sie und er so einen ähnlichen Tanz schon öfter vollzogen hatten. Allerdings befanden sie da nicht auf Blüten, sondern Emily auf einem Podest aus Wasser und Draco auf einem, das aus Feuer bestand.

Ein weiteres Bild zeigte, wie vier leuchtende Kugeln in den Farben rot, blau, gelb und grün auf Draco zuschossen. Die gelbe und die grüne verschwanden jeweils in einer von Dracos Händen, die blaue in seiner Stirn und die rote in seiner Brust. Bei Emily war es fast gleich, bis auf, dass die rote Kugel in der Stirn und die blaue in ihrer Brust verschwand.

Draco blinzelte mehrfach und die Bilder verschwanden wieder. Wie er merkte, hatte Emily zu tanzen aufgehört, sah ihn alarmiert an und versuchte ihm etwas mitzuteilen. Doch leider verstand er sie nicht. Er schüttelte den Kopf und hob die Hände, um ihr klar zu machen, dass er kein Wort verstand, da deutete sie auf einem Punkt hinter ihm.

Ihn packte das eisige Graue, als er sich umgedreht hatte.

„Scheiße!", keuchte er aufgebracht.

Erebus kam langsam auf sie zu. Die Blüten wurden wieder zu Schneeflocken und die wohlige Wärme entschwand. Der Mann zog seine Waffe und zielte auf Draco. Ehe dieser noch agieren konnte, hatten sich seine fünf Cousinen vor ihn gestellt und einen Schutzwall errichtet.

„Lauft!!", schrie Valery, während Erebus Kugel versuchte durch den Wall zu dringen.

Ohne zu zögern, ergriff Draco Hermiones Handgelenk und zerrte sie mit sich in Richtung Wald. Zusammen hetzten sie durch den Schnee, der sie bei ihrer Flucht nahezu behinderte. Unterwegs stürzte Pansy mit einem entsetzten Quieken, doch Blaise half ihr rasch auf und zog sie an der Hand mit sich.

Plötzlich erschien etwas aus dem Nichts und riss Draco brutal zu Boden. Spitze Zähne bohrten sich tief in Dracos Arm, welchen er sich zum Schutz vor das Gesicht gehalten hatte. Ein schmerzerfüllter Schrei schallte durch den Wald und Blut befleckte den reinen Schnee. Ein lautes irres Lachen erschallte und die Bestie wurde von dem Blonden hinunter gezerrt. Dracos Arm schien regelrecht in Flammen zu stehen. Benommen setzte er sich auf, zog den Ärmel zurück und hätte ihm sogleich wieder über den Arm geschoben. Aus den Wunden rann kein rotes, sondern pechschwarzes Blut.

„Och, hat dich mein kleines Hundchen verletzt.", höhnte eine fremde Stimme.

Draco hob den Blick. Vor ihm stand ein hellgrau gekleideter, vermummter Mann mit einem Cowboyhut, der die hundeähnliche Bestie an einer schweren Eisenkette zurückhielt. Auf seinem Oberarm prangte das Zeichen mit den drei Tropfen.

„Spiel dich nicht mit unserem Opfer.", brummte eine tiefe Stimme.

Rechts von Draco befand sich ein in schwarz gekleideter vermummter Mann mit einem Cowboyhut, der ebenfalls das Symbol auf dem Oberarm seines Mantels eingenäht hatte.

Mit einem Rauschen erschien links von Draco Erebus.

„Wir haben nicht viel Zeit. Die Mädchen habe ich ausgeschalten, aber die alten Hexen werden bald da sein."

Noch nie in seinem ganzen Leben hatte Draco so viel Angst empfunden, wie in diesem Augenblick. Seine Freunde waren an den umstehenden Bäumen gefesselt und mussten dem Ganzen beiwohnen, er wusste nicht, ob seine Cousinen noch lebten und noch weniger war ihm klar, ob er selbst die nächste Sekunden überleben würde.

„Kleine Sorge, wir haben 13 Schutzwalle erschaffen. Die brauen mindestens eine Stunde, bis sie da durch sind.", brummte der Schwarze.

Draco nahm weder seinen schmerzenden Arm, noch sein vor Angst flatterndes Herz wahr. Seine Gedanken rasten. Irgendwie musste er hier rauskommen!!! Lebend!

„Subere! Das Opfer! Schnell!", bellte Erebus und der hellgrau gekleidete Mann, welcher der Jüngste der drei zu sei schien, riss der hundeähnlichen Bestie mit einem Ruck den Kopf von den Schultern, auf dass selbst noch die Wirbelsäule mitging. Draco verspürte einen starken Drang sich zu übergeben und presste sich die Hand auf den Mund, während sich das schwarze Blut auf dem Schnee verteilte. Aus der Lache formten sich feine Linien, die sich zu einem kreisförmigen Ornament, auf dessen Außenlinie die drei Männer standen, zusammenschlossen.

„Spielen wir noch etwas mit ihm?", fragte der Hellgraue aufgeregt.

Der Schwarze und Erebus tauschten Blicke, dann nickten sie.

„Spielen wir noch etwas mit ihm."

Draco hatte die leise Ahnung, dass „Spielen wir mit ihm" nicht gerade schmerzfrei für ihn ausgehen würde. Leider musste sich seine Befürchtung auch bewahrheiten, da drei schwarze überdimensionale Dornen aus dem Boden schossen. Zwei durchbohrten seine Schultern, die dritte stieß von vorne in seinen Bauch und kam beim Rücken wieder raus, auf das dem Jungen ein entsetzter Schrei einfuhr. So hing er nun in der Luft, hätte sich am liebsten übergeben, wäre sein Körper nicht vor Schmerzen gelähmt.

Er nahm den Geruch seines eigenen Blutes, das widerlich metallisch roch. Erebus grinste unter dem Tuch, welches die Hälfte seines Gesichtes abdeckte. Hämisch schnarrend fragte er, „Kennst du Schwarzstrom? Er schmerzt doppelst so sehr wie normaler Strom, nur dass er nicht tötet und auch nichts beschädigt. So wurden früher jene gefoltert, die diverse Verbrechen begannen hatten."

„Nicht…", keuchte Draco, der nun wirklich Angst hatte.

Ihm gefroren die Eingeweide, als der Schwarze schnarrte, „Geben wir ihm eine Kostprobe."

Das Spektakel begann.

ooOoo

Dracos Schrei ebbte wieder ab. Er wusste nicht wie viel Zeit schon vergangen war. Was sie mit ihm machten war grausam, doch er war noch nicht einmal in der Lage sich zu wehren. Erneut floss schwarzer Strom über die Dornen in seinen Körper und er wand sich schreiend unter den Schmerzen. Weder spürte er das Blut, welches reichlich über seinen verletzten Arm floss, noch die heißen Tränen, die sein bleiches Gesicht benetzten.

Wieder entschwand der Strom um Dracos Körper sackte in sich zusammen. Würden ihn die Dornen nicht in der Luft halten, wäre er schon längst zu Boden gesunken. Das wollte er auch machen. Am Boden zusammensinken, die Beine anziehen, in einen traumlosen Schlaf sinken und vergessen. Vergessen was hier passierte. Vergessen was man ihm gerade antat. Doch halt! Das ganze ist schon einmal geschehen.

Draco Hob den Blick und schaute direkt in Erebus dunkle Augen. Ja, genau. Er hatte ihn schon einmal dazu gebracht, alles zu vergessen. Seine Schwester, ihren Tod, ihre gemeinsame Vergangenheit. Nur… warum sollte er so etwas machen?

„Du hast se ermordet…", keuchte Draco mit einer rauen Stimme, als er glaubte zu verstehen.

Erebus Blick verfinsterte sich und er straffte die Schultern.

„Du hast Emily ermordet…", wiederholte Draco.

Mit einem Mal rissen sich die Dornen aus seinem Körper und versanken im Erdboden, auf den Draco hart stürzte. Keiner Sprach, doch der Blick von Subere zeugte von Unwillen. Erebus hob seine Hand, um Subere Einhalt zu gebieten, dann schritt er auf Draco zu.

„Du erinnerst dich also an mein kleines Geheimnis. Weißt du auch noch, dass du mich damals gesehen hast?"

Draco war zu schwach zu reden, schüttelte träge den Kopf.

Erebus packte ihn am Schopf, zwang seinen Körper in eine kniende Position, so dass er zu ihm nach oben ins Gesicht sah.

„Ja, ich habe die kleine Emily ermordet. Sie war nicht mehr als eine Marionette für mich."

Seine Augen zeugten von Hass.

„Die hat dich überlistet und ist zurückgekehrt.", erwiderte Draco mit einem matten, triumphierenden Lächeln.

Erebus Miene verfinsterte sich. Er zog seinen Colt, drehte ihn flink um und schlug Draco mit dem Griff auf die Stirn, so dass der Junge mit einer Platzwunde zu Boden sank.

Er gab allerdings nicht nach, raffte sich schwerfällig auf und drehte sich zu Erebus um, dass er ihm in die Augen sehen konnte. Er wankte.

„Ich werde sie rächen… und dich töten…"

Dies war keine Drohung. Auch keine Warnung. Sondern ein Versprechen.

Erebus hielt Dracos Blick stand, Ruhe legte sich über das Waldstück, dann zerriss ein Schuss die Stille.

9