Nach einer geradezu sadistisch langen Wartezeit kann ich mich jetzt endlich einmal dazu durchringen das 12. Kapitel on zu stellen. Ich werde mir auch mal selbst in den Hintern treten und diese FF weiterschreiben. Immerhin will ich sie bald zu Ende bringen, auch wenn noch mindestens 5 Kapitel kommen.

12. Zwischen Leben und Tod

„KOMM SCHON! DU KANNST NICHT EINFACH SO STERBEN!", schrie Dracos Großmutter verzweifelt und jagte einen weiteren Stromstoß durch seinen leblosen Körper. Um sie herum standen Dracos Freunde, Tanten, seine Mutter, Belinda und die älteren Cousinen. Der Blonde lag regungslos am kalten Waldboden. Seine Wunden waren versorgt und die drei Feinde geflogen. Doch die Kugel aus Erebus Waffe hatte Dracos Brust durchbohrt, woraufhin sich seine Lungen mit Blut gefüllt und er langsam dahingeschieden war.

Während das Augenmerkmal aller auf den toten Jungen und die alte Frau gerichtet war, fiel niemandem auf, dass nicht weit von der Gruppe entfernt eine schwarzgekleidete Frau mit langem rotem Haar und in blondes Mädchen mit einem weißen Kleid stand. Das Mädchen, Emily, sah zu der Frau auf, welche lediglich schwer seufzte und durch die Menschenmasse hindurch schritt, als wäre sie ein Geist.

Sie kniete neben dem Jungen nieder und beobachtete die schwarzen Koboldähnlichen Schatten, die sonst kein sterbliches Auge erblicken konnte. Sie rochen über Dracos Körper und schienen seine Seele aus seinem Leib zerren zu wollen.

Die Frau, Tod, schnippte einmal mit den Fingern, worauf hin die Schatten sich in Rauch auflösten. Dann streckte sie ihre Hand und hielt sie waagrecht vor den eigenen Mund.

„Lebe…", wisperte sie, pustete auf die Hand, woraufhin silberner Staub auf den Körper den Blonden fiel und er erstickt einatmete. Draco begann zu husten, rollte sich auf die Seite und etwas schwarze Flüssigkeit rann aus seinem Mund. Alle um ihn herum waren erleichtert bis euphorisch und Dracos Großmutter legte ihm ihre Hand auf die Schulter.

„Jag mir nie wieder so einen Schrecken ein!", mahnte sie streng.

Draco hätte jetzt einen bissigen Kommentar abgeben können, aber er war zu ausgelaugt, um die richtigen Worte zu finden. Stattdessen nickte er matt, legte den Kopf auf den eigenen Arm und schlief vor Erschöpfung sogleich ein.

Den restlichen Silvesterabend bekam er nicht mehr mit und selbst die nächsten Tage schlief er durch, was ihm niemand angesichts der vergangenen Ereignisse verübeln konnte. Hermione wich unterdessen keine einzige Sekunde von seiner Seite, wurde allerdings immerzu von Dracos Cousinen, seiner Mutter, oder ihren Freunden besucht und versorgt.

Am letzten Abend ihres Besuchs auf Malfoy Manor trommelte Belinda alle Hogwartsschüler und sogar seine älteren Cousinen zusammen, um mit ihnen über das Geschehene zu reden. Draco wirkte noch recht bedröpelt und nippte still schweigend an seinem Kaffee. Er pflichtete nur bei, dass die drei nicht mehr ganz dicht und die Folter nicht angenehm waren.

„Und du willst dich wirklich mit Erebus anlegen? Ich meine… wie du selbst gemerkt hast, ist der Kerl gefährlich.", harkte Belinda nach.

Draco nickte und musste ein herzhaftes Gähnen unterdrücken.

„Merlin, ich bin gerade einmal seit vier Stunden wach und möchte wieder ins Bett. Das ist schrecklich."

„Aber nicht verwunderlich, wenn man bedenk, was dir widerfahren ist.", warf Hermione mit einer besorgten Miene ein und strich Draco einpaar Strähnen aus dem Gesicht.

„Wie willst du Erebus töten? Der Kerl ist viel zu stark für dich! Du schaffst das niemals!"

„Danke, dass du mir so viel Mut machst, Val, aber ich weiß schon was ich tue. Ich kann Erebus sowieso nicht direkt angreifen. Ich habe jedoch schon eine Ahnung, wie ich es anstellen werde."

„Und was wenn es schief läuft?", harkte Pansy nach. Auch ihre Augen zeugten von Sorge.

Draco wandte schwer seufzend den Blick ab, stellte die Tasse vor sich auf den Tisch und ließ seinem Blick in der Runde wandern. Scheinbar zerbrechen sich nicht nur Val, Hermione und Pansy den Kopf über sein Wohlergehen.

Leise schnaubend erhob er sich und verließ die Runde, um sich vors Fenster zu stellen.

„Euch sollte, so wie mir, klar sein, dass ich so und so sterben muss. Erebus, Subere und der andere sind keine leichten Gegner. Selbst der Tod arbeitet gegen mich."

Er wandte sich zu der Gruppe um. Gerade schnell genug, um zu erkennen, dass Hermione ihren Blick gesenkt hatte. Wie könnte er sie nur je alleine zurücklassen?

„Ich weiß nicht, ob ich noch einen Monat, eine Woche, oder vielleicht nur noch einen Tag zu leben habe. Mit Erebus werde ich fertig, dessen bin ich mir sicher, aber gegen den personifizierten Tod… sie wird mir das Leben aushauchen, ehe ich es überhaupt merke. Davon einmal abgesehen… ich …"

Er musste sich wieder von den anderen abwenden, da er ihre fragenden Blicke nicht ertrug. Ihm war klar, dass er vor aller Augen einmal seine Maske der Gleichgültigkeit abgelegt und Hermione traurig angesehen hatte.

„Ich bin bereits tot… oder ich war es zu mindest… oft… sehr oft sogar…"

„Du spielst auf deine Suizidversuche an.", meinte Belinda und Draco hörte manche scharf die Luft einziehen.

Er legte eine Hand auf die kühle Glasscheibe.

„Wie viele waren es?", verlangte er mit gefestigter Stimme zu wissen.

„23.", sagte eine tiefe weibliche Stimme und Draco schaute erstaunt zur Türe.

„Großmutter…", hauchte er überrascht.

„Du hast dir die Pulsadern aufgeschlitzt, dich erhängt, in Tiefen gestürzt, Gift getrunken, hast dich ertränkt, Strom durch dein Herz gejagt und bist im Feuer erstickt. Ach ja… und einmal hast du dich selbst erschossen. Damals hast du stark gegen dein Leben rebelliert. Als wolltest du dich einfach zu Emily ins Grab legen und mit ihr sterben."

Draco erwiderte nichts. Senkte schuldbewusst den Blick.

„Und vor einpaar Tagen warst du auch noch so dumm, Erebus zu erzürnen und dir von ihm das Herz zerfetzen zu lassen.", schnaubte die Alte und setzte sich in den Futon.

„Er hat meine Schwester ermordet!", erinnerte Draco, ohne je die Verletztheit aus seiner Stimme zu bannen.

„Er hat was?"

„Sie ermordet! Vor meinen Augen! Oben am Dach! Es sollte wie Suizid aussehen, aber wahrscheinlich hatte er sie gelenkt. Wie eine Marionette…"

Ausgerechnet in diesem Moment musste der Schmerz wie eine Flutwelle auf ihn hereinbrechen und ihn nahezu ertränken.

„Das kann nicht sein. Emily war immer zu stark für den Imperius-Fluch und alle Abwandlungen dieses Fluches. Nicht einmal ein Magier hätte sie lenken können. Es sei denn…"

„Sie hat sich mit Absicht töten lassen.", keuchte Draco entsetzt und musste sich an der Wand festhalten. Emily soll tatsächlich Suizid begonnen haben, in dem sie sich Erebus ergeben hatte? Das wollte und konnte Draco nicht glauben! Warum sollte sie so etwas tun??

Zwar konnte er sich nicht wirklich an sie erinnern, aber so wie sie ihm entgegengetreten war, war sie doch ein viel zu fröhlicher Mensch, um so etwas wie Selbstmordgedanken zu hegen. Warum sollte sie sich von Erebus töten und Draco so sehr im Stich lassen? Hatte sie ihn denn nicht liebt gehabt? Doch, hatte sie. Sehr sogar.

„Das ergibt alles keinen Sinn."

„Glaub mir, Junge, wir fragen uns alle, was damals passiert ist.", versicherte die Alte trocken und niemand schien etwas darauf sagen zu können.

„… Erebus meinte, ich habe ihn gesehen, als er Emily ermordet hatte… das heißt… ich muss oben gewesen sein… oder?"

Er suchte den Blick seiner Großmutter, seiner Cousinen, den von Blaise, aber alle wichen ihm aus.

„Deine Mutter hatte einen seltsamen Satz in deinen Bericht geschrieben, bezogen auf einen schrecklichen Vorfall in deiner Vergangenheit. Falls ich mich nicht irre und das einfach nur ein Rätsel war. Sie schrieb, Zwei Kinder stürzen ab, eines lebt, das andere ist tot.", berichtete Belinda, während Draco sichtlich das Blut aus dem Gesicht wich.

„Meine Mutter mag keine Rätsel…", erklärte er mit einer dünnen Stimme und musste sich vorerst wieder neben Hermione setzen, die seine Hand ergriff.

„Wie ist das möglich? Wenn damit wirklich Draco und Emily gemeint sind, dann ist das doch unmöglich. Es sei denn er wäre auf ihr gelandet.", schnappte Pansy mit aufkommender Panik.

„Sie lagen nebeneinander, als wir sie fanden.", meinte die Großmutter mit einer kalten und harten Stimme. Draco rutschte etwas tiefer in die Couch, sein Magen zog sich zusammen. Hermione machte Anstalten ihn in den Arm zu nehmen, unterließ es jedoch, als er schwach den Kopf schüttelte. Er konnte gut ihre Sorge verstehen, aber im Augenblick wollte er nichts lieber als laut zu schreien und davonzulaufen, obgleich sein Körper wie gelähmt war.

„Wie ist das möglich? Sie sind beide abgestürzt und leben noch?"

Die Stimmen rückten immer mehr in den Hintergrund, während Schmerz und Angst sich in Draco breit machten und ihn regelrecht zerfraßen. Er musste diese Gefühle stoppen, ehe sie ihn zerstören würden! Er musste den Schmerz ablenken! Ablenken durch einen anderen Schmerz! Bevor ihn diese Emotionen noch zerrissen!

Wie von der Tarantel gestochen sprang der Blonde auf und floh aus dem Zimmer. Er musste sich weh tun! Egal mit was! Einem Dolch! Einem Messer! Hauptsache dieser Schmerz hörte auf!

ooOoo

„Wo…?", keuchte Valery, ehe sie entsetzt die Augen aufriss.

„Er wird sich weh tun!", rief sie bestürzt, was Hermione beinahe einen Herzinfarkt bescherte.

Sie und Blaise waren als erstes aus dem Zimmer und hetzten Draco hinterher. Er würde sich selbst verletzen!

„Er hat scheinbar einen Rückfall. Wundert mich nicht, bei all dem was hier passiert.", nuschelte Blaise atemlos, während sie den Gang hinab liefen. „Die Sache mit Erebus, die Erkenntnis um Emilys Tod, das Wissen, dass er nicht mehr lange leben wird. Der Druck ist zu groß für ihn. – Moment!"

Blaise war so plötzlich stehengeblieben.

„Das Tor zum Westflügel ist offen.", keuchte er und verwies auf das offenstehende Gittertor am Ende des Ganges. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, rannte er weiter und Hermione folgt ihn, bis sie einen Korridor erreichten, an dessen Ende eine Türe weit offenstand, so dass Licht in den dunklen Gang drang.

Sie gingen zu der Türe und ins Zimmer hinein. Hermione sah sich in dem hell eingerichteten Raum um, der mit so viel Wärme erfüllt war und hatte für einen Moment das Gefühl, sie müsste gleich weinen. Mitten im Raum stand Draco vor einem runden Tisch und hielt etwas, eine eingerahmtes Foto in den Händen.

Er sah über die Schulter zu Hermione. Eine einsame Träne lief über seine Wange und er musste leise schniefen, ehe sein Blick wieder schmerzerfüllt wurde, dass es Hermione wehtat ihn so zu sehen. Sie kam auf ihn zu und zog ihn in eine herzliche Umarmung, die er mit einem lauten Schluchzen erwiderte. Er drückte sie an sich und vergrub sein Gesicht in ihrer Halsbeuge, während etwas krachend am Boden aufkam.

Ein Blick über die Schulter verriet Hermione, dass es das Foto war, doch das war jetzt belanglos. Ihre Aufmerksamkeit galt viel mehr dem laut weinenden Jungen in ihren Armen. Völlig unerwartet gaben plötzlich seine Beine nach und er zog sie mit sich zu Boden. Sich von dem kurzen Schock erholend, strich sie ihm durchs seidige Haar und über den bebenden Rücken. Alles in der Hoffnung, dass sie ihm damit Trost spenden konnte.

Ein weiteres Mal schluchzte er laut und seine Schultern erzitterten. Hermione hauchte ihm einen sanften Kuss auf den Schopf und begann ihn leicht hin und her zu wiegen. Erst als sie zu Blaise aufsah, der sich ihnen gegenüber hingekniet hatte, merkte sie, dass ihr die Tränen in den Augen standen. Erneut hauchte sie ihm einen Kuss auf den Schopf und drückte ihn an sich.

Wenn sie nur daran dachte, dass er vielleicht schon bald nicht mehr leben würde...

Dieser Gedanke, er tot, für sie unerreichbar, war so schmerzhaft, dass sie selbst in Tränen ausbrach. Leise schniefend strich sie ihm durchs Haar, wog ihn hin und her, vermittelte ihm Sicherheit.

Mit der Zeit beruhigten sich beide und saßen nur mehr schweigend da. Blaise war so gütig und hatte sich auf den Weg gemacht, um den anderen zu sagen, dass sie Draco gefunden hatten.

„Ich liebe dich…", hauchte Draco mit einer gebrochenen Stimme und Hermione begann beinahe wieder zu weinen.

„Ich liebe dich auch.", erwiderte sie, war den Tränen nahe.

Eine Pause entstand, ehe sie mit brüchiger Stimme sagte, „Ich will nicht, dass du gehst."

„Das will ich auch nicht.", versicherte er und schien auch nahe am Wasser gebaut zu sein.

„Draco… ich bin schwanger…", gestand sie leise schluchzend. Er hob den Blick, sah in ihre verklärten Augen, dann lächelte er und küsste sie sanft, während Tränen seine Wangen hinab liefen. Sie wussten beide, dass eine gemeinsame Zukunft unter einem schlechten Stern stand, doch in diesem Augenblick machten sie ein unausgesprochenes Abkommen. Sie würden ihr Leben, ihre kleine Familie, so lange genießen, solange es ihnen die Zeit erlaubte. So lange, bis er gehen musste. Und wenn es nur ein Tag, oder eine Stunde, oder gar nur mehr eine Sekunde war. Sie würden ihre Beziehung bis zum letzen Augenblick auskosten.

ooOoo

Auf ihrer Rückreise hatten alle wieder ihre Plätze in dem kleinen Reisebus eingenommen. Sie redeten und scherzten mit einander, sprachen allerdings nicht die Ereignisse des vergangenen Abends an. Hin und wieder fielen Blicke nach hinten in die letzte Reihe, wo Draco es sich quer über die Sitzbank und Hermione mit dem Rücken zu ihm es sich auf ihm gemütlich gemacht hatte. Beide hatten ihre Augen geschlossen, sein einer Arm war um ihre Taille geschlungen, ihre Hand lag darauf. Die anderen Hände hatten sie ineinander verschlungen und strichen gelegentlich den Finger des anderen entlang. Manchmal hauchte er ihr einen Kuss auf den Schopf, dann schmiegte sie sich wiederum in seine Umarmung.

Ja, sie genossen die Zeit diese mit einander verbrachten. So lange sie konnten.

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