Disclaimer: Die Figuren und Handlungsorte gehören alle Frau Rowling, ich verdiene kein Geld mit ihnen und leihe sie mir nur aus.

Ich hoffe dieses Kapitel entspricht euren Erwartungen.

Sie wollte nicht aufstehen. Sie wollte weiter in ihrem Bett kuscheln und vor sich hinträumen, doch diesen Plan vereitelte Natasha ihr.

„Na los, steh auf, du Faulpelz, das ist ja kaum zu ertragen mit dir. Du liegst jetzt schon seit…" Sie blickte auf die Uhr. „… geschlagenen 20 Minuten im Bett. Und glaub ja nicht, dass ich nicht weiß, dass du wach bist. Na komm steh auf." Natasha setzte ihre Nervstimme auf und Lily schälte sich missgelaunt aus dem Bett.

Zwanzig Minuten später kam sie mit Natasha in die große Halle, wo sie sich gleich auf die Suche nach ihrem Freund Nathanael machte. Er war ein Hufflepuff und sie waren nun seit 5 Monaten zusammen, also ungefähr seit das neue Schuljahr angefangen hatte. Er liebte sie abgöttisch, was sie ihm gegenüber leider nicht empfand. Manchmal lag sie nachts wach und fragte sich wieso. Er sah gut aus, war nett und intelligent. Was wollte sie mehr? Doch immer wieder kam ihr in den Sinn: er ist kein Gryffindor; und das nutzte sie dann als Erklärung.

Sie entdeckte ihn und strich ihm sacht über den Rücken, als sie an ihm vorbeiging. Er drehte sich ihr zu und schenkte ihr ein Lächeln, das sie erwiderte. Es würden Stunden vergehen, bis sie unter sich waren.

Am Tisch setzten Natasha und sie sich dann zu ihrem Freund Marek.Dieserlas gerade den Tagespropheten und schnalzte missbilligend mit der Zunge.

„Was ist los? Irgendetwas passiert?", fragte Lily.

„Kann es sein, dass sich deine Mutter darüber freut, dass die Holyhead Harpies meine Lieblingsmannschaft geschlagen haben?" (1)

„Klar. Schließlich hat sie dort früher mal gespielt. Außerdem nehmen sie dort nur Frauen auf. So etwas nennt man Solidarität, mein Lieber.", meinte Lily darauf und zwinkerte Marek zu und die Natasha nickte zustimmend.

„Ich komme mir hier etwas alleine vor.", antwortete er und sah seine beiden Freundinnen gespielt ängstlich an. Dem nächsten Jungen-ein danach reichlich verwirrt dreinblickender Ravenclaw- rief er zu: „Hilf mir Genosse!", woraufhin die Mädchen anfingen schallend zu lachten.

Lily nahm sich nun ihre Post vor: ein Brief ihrer Eltern. Sie riss ihn auf und wusste schon davor, was darin stehen würde. Ihre Eltern hatten mal wieder die flotte Schreibfeder benutzt, dementsprechend lustig fiel auch der Brief aus:

Liebste Lilly,

wir freuen uns, dass es dir gut geht in Hogwarts. Das ist aber noch lange kein Grund nach deinem Vater zu schlagen.

Hey, das unfair Ginny, als ob du nie etwas verbrochen hättest.

Das braucht unsere Tochter ja nicht zu wissen, aber du mit deinen „Heldengeschichten" verwirrst die Kinder ja immer total. Also, was wir sagen wollen ist: Lily Luna Potter benimm dich! Du gehst auf die beste Schule der Welt und darfst Zaubern lernen. Du solltest es nutzen!

Und Spaß haben.

Nein, Harry, du siehst ja wie „Spaß haben" bei ihr ankommt, sie schleicht nachts in Hogwarts umher.

Nun, wir haben Schlimmeres gemacht, Ginny-Schatz. Daran solltest du dich noch erinnern.

Diese Sache hier Harry, hat nichts mit uns zu tun, also Lily benimm dich, ansonsten gibt es im Sommer… was war noch mal die Strafe?

Kein Quidditch.

Ach ja genau, also Lily, kein Quidditch im Sommer, wenn das mit den Vergehen nicht aufhört… Oh Harry, jetzt sieh dir mal den Brief an, der sieht ja mal wieder aus.

Ach komm, sie wird sich darüber bestimmt amüsieren.

Gut, dann wünschen wir dir noch viel Spaß heute und natürlich viel Glück beim Quidditchspiel am Samstag, du wirst den Schnatzschon finden.

Macht die Slytherins fertig!

Harry, bitte! Stachel unsere Kinder nicht zur Gewalt an.

Damit war der Brief zu Ende. Lily und ihre Freunde lachten sich halb tot, trotz der Drohung, dass Lily riskierte in den Sommerferien kein Quidditch spielen zu dürfen. Ihre gute Laune verschwand allerdings schlagartig als Scorpius Malfoy zu ihnen an den Tisch trat.

„Potter, es gab eine Planänderung. Das Nachsitzen wurde auf 18:45 Uhr vorgezogen. Wir sehen uns dann dort." Sie schluckte den Kloß in ihrem Hals herunter. Sie wollte da nicht hin!

„Was war das denn für eine schräge Nummer?", fragte Natasha, als Malfoy außer Hörweite war.

„Nichts.", erwiderte Lily.

„Weshalb musst du Nachsitzen?"

„Habt ihr bei dem Brief meiner Eltern nicht zugehört? Ich bin heute Nacht etwas auf Reisen gewesen."

„Oh du fängst an Schlafzuwandeln…", fingen ihre Freunde an, sie zu necken und damit war das Thema erledigt. Sie dachten vermutlich, dass Lily sich mit Nathanael getroffen hatte und ihr war es ganz Recht.

Die ganze Unterrichtszeit war Lily unkonzentriert. In Verwandlung schaffte sie es nicht ein Ei in eine Feder zu verwandeln und in Pflege magischer Geschöpfe versagte sie völlig und wurde von einem Bowtruckle gekratzt, woraufhin man sie zu Madame Pomfrey schickte. Alles in allem war der Tag eine einzige Katastrophe. Und Besserung war noch lange nicht in Sicht.

Die letzte Stunde endete und die Schüler und Schülerinnen strömten aus dem Klassenzimmer. Lily ging in eine andere Richtung, als die Anderen. Sie wusste, dass es dumm war, ihre Beziehung mit Nathanael zu verheimlichen, doch sie mochte das Gefühl, etwas ganz alleine mit ihm und ihren besten Freunden zu teilen. Sie trafen sich immer am selben Ort. Dem Ort an dem sie sich zum ersten Mal bewusst gesehen hatten. Er hatte sie umgerannt und als sie dabei waren, ihre Sachen einzusammeln, sah er ihr in die Augen und wusste, dass er sein ganzes Leben mit ihr verbringen wollte. Dass es ihr nicht so ging, auf diese Idee war er gar nicht gekommen.

Der Gang war in der Nähe der Kerker, doch war er lichtdurchflutet und als Lily ankam, wartete Nathanael bereits auf sie. Sie lief auf ihn zu und er fing sie auf. Er gab ihr einen leidenschaftlichen Kuss und sagte dann: „Ich habe dich vermisst."

„Wieso das denn?"

„Nun, es waren immerhin 24 Stunden. Und es macht mich ganz wahnsinnig, wenn du an mir vorbeigehst und ich dich nicht küssen darf."

„Ohh, das tut mir Leid.", sagte sie und strich ihm durch die braunen Haare. „Du musst wirklich Höllenqualen ausstehen." Und dann sagten sie nichts mehr, sondern geniesten einfach ihre Zweisamkeit.

Nach dem Hausaufgabenmachen verschwand Lily zum Nachsitzen. Malfoy stand bereits vor der Kellertür, als sie ankam. Sein Gesichtsausdruck war so negativ, dass ihr richtig unwohl wurde. Sekunden später ging die Tür auf und sie gingen in das Klassenzimmer. Sie setzte sich in die rechte vordere Ecke und er- wie sollte es anders sein- verkroch sich in die linke hintere. Wenigstens mussten sie sich dann nicht unterhalten. Doch da hatte sie die Rechnung ohne Professor Melodie gemacht.

„Nein, Malfoy bitte kommen sie auch hier vor, ja direkt neben Miss Potter. Gut, also ich habe eine Aufgabe für sie beide. Ich werde ihnen das Rezept für den Trank zehn Minuten lang zeigen, dann müssen sie es auswendig können. Sie werden den Trank zusammen brauen und haben nur 2 Versuche. Ansonsten kommen sie beide morgen wieder und probieren es erneut. In diesem Sinne: Viel Glück!"

Damit verschwand Professor Melodie aus dem Klassenzimmer und ließ sie alleine. Die Zutaten tauchten aus dem Nichts auf und die Beiden hielten jeweils ein Rezept in der Hand.

„Glaubst du, man kann von dem Ding eine Kopie anfertigen.", fragte Malfoy.

„Eher unwahrscheinlich. Gut, fangen wir an…" Sie beeilten sich, doch natürlich hatten sie nicht einmal ein Viertel von der Liste geschafft, als die Anleitung verschwand. Sie gaben beide ein murrendes Geräusch von sich, doch keiner wollte zuerst anfangen zu reden, obwohl die Stille unheimlich auf ihnen ruhte.

„Übrigens im Namen der gesamten Quidditchmannschaft von Slytherin wünschen wir euch viel Glück am Samstag.", sagte Malfoy irgendwann in die Stille, die nur dadurch unterbrochen wurde, wenn sie etwas in den vor sich blubbernden Kessel warfen.

„Danke, aber das Glück werdet eher ihr brauchen." Sie hatte komplett vergessen, dass Malfoy auch Sucher war. „Wir Gryffindors stützen uns eher auf Können, weißt du."

„Ich bezweifle stark, dass das ausreicht."

„Wir werden sehen.", sagte sie unfreundlich.

„Hey, du brauchst nicht gleich so aus der Haut zu fahren, oder ist dir eine Laus über die Leber gelaufen? Hast du dich mit deinem Freund gestritten? Wie hieß er noch gleich …hmm… ach ja: Nathanael Mitchell stimmt's? Ein Hufflepuff." Es klang verächtlich, doch Lily war viel zu entsetzt, als dass sie es hätte bemerken können.

„Woher weißt du das?"

„Ich bin über meine Quidditchgegner im Bilde. Und du bist wenigstens mal ein Interessanter."

„Wie, zum Teufel, hast du es herausgefunden?", fragte sie und versuchte ihren Zorn an den Kräutern auszulassen, die sie gerade zerstampfte um ihm nicht an die Gurgel zu springen.

„Ich bin dir gefolgt, seit einigen Wochen, einfach mal hin und wieder. Selbst beim eurem Training war ich dabei, ohne dass du es bemerkt hast, weißt du, du bist ein guter Sucher, bei solchen Vorfahren ist das kein Wunder, aber manchmal schweifst du mit deinen Gedanken ab. Das ist deine Schwäche und die werde ich mir zunutzen machen."

„Du verrätst mir jetzt schon deinen Plan?"

„Jetzt kannst du mit dieser Information noch nicht viel anfangen."

„Na dann. Weißt du was als Nächstes reinkommt?", fragte sie und deutete auf den Topf.

„Fledermausflügel."

„Bist du dir sicher? Ich hätte gesagt, zuerst die Wolfswurz."
„Nein.", entgegnete er und warf die Fledermausflügel in den Kessel, woraufhin das ganze Gemisch explodierte.

„Gut gemacht, Malfoy, jetzt dürfen wir von vorne anfangen.", sagte sie bissig.

Diesmal arbeiteten sie schweigend, was Lily sehr angenehm fand, da sie ihren eigenen Gedanken nachhing. Malfoy hatte sie ausspioniert, das war ja wohl nicht zu fassen! Nicht einmal vor ihrem „Privatleben" hatte er Halt gemacht.

Als sie endlich fertig waren, schnappte sie sich ihren Rucksack und verschwand ohne ein letztes Wort.

Zurück im Gemeinschaftsraum fühlte sie sich wohler, hierher konnte Malfoy ihr nicht folgen. Natasha rannte auf sie zu und rief ihr entgegen: „Sieh mal, was wir gefunden haben.", und streckte ihr einen Stein entgegen. Sie konnte damit nichts anfangen, doch Natasha liebte seltene Steine über alles und so spielte sie einfach mit: „Oh schön, was ist das für einer?", und ihre beste Freundin stürzte sich in einen langen und ausführlichen Bericht. Lilys Gedanken schweiften ab und im Stillen gab sie Malfoy sogar Recht, sie war wirklich oft woanders.

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(1) nur nebenbei: J.K. Rowling sagte in einem Interview, dass Ginny zuerst Karriere bei den Holyhead Harpies machte und danach freie Quidditch-Korrespondentin wurde, daher kommt das also.