Disclaimer: Die Figuren und Handlungsorte gehören alle Frau Rowling, ich verdiene kein Geld mit ihnen und leihe sie mir nur aus
Uff, das ist es also, das neue Kapitel. Viel Spaß!
Dunkle Wolken überzogen den Himmel und kündeten von einem nahenden Sturm. Lily lehnte gedankenverloren mit dem Kopf gegen das Fenster im Gemeinschaftsraum und ihre Hand spielte mit dem Schlüssel. Gewitter waren ihr seit jeher zuwider. Früher hatte sie sich dann immer zu ihren Eltern ins Bett verkrochen und abgewartet, bis es vorüber war. Es war immer so gewesen, als hätte etwas Böses sie bedroht. Sie erinnerte sich, als sei es gestern gewesen, als sie mit ihren vier Jahren ihren Vater gefragt hatte: „Papi, gibt es auch böse Zauberer? Denn es gibt ja auch schlechte und gute Wolken…"
Harry hatte ihr ehrlich geantwortet: „Ja, mein Schatz, es gibt auch böse Zauberer. Aber vor denen brauchst du dich nicht zu fürchten. Die werden nicht hierher kommen."
„Und was ist mit Hogwarts, da wo James schon ist?"
„Da wird dich auch niemand bedrohen."
„Versprichst du mir das?"
„Ja, Lily, ich verspreche es dir."
Der Wind drückte gegen das Fenster und Lily besann sich wieder darauf, wo sie war. Ein Klassenkamerad, Baldur, kam auf Lily zu und sagte: „Gespenstisch, was?"
„Ja, in anbetracht der Tatsache, dass es Geister tatsächlich gibt, schon."
„Könntest du mir vielleicht mit meinen Hausaufgaben für Professor Melodie helfen?"
„Ich denke, ich bin da die falsche Ansprechpartnerin. Du weißt doch, er kann mich nicht leiden."
„Bitte.", bettelte er.
„Na gut, dann zeig her."
Sie arbeitete es mit ihm durch, doch war sie etwas verwirrt, als er flüsterte: „Sag es ihr."
„Wie bitte?", hakte sie deshalb nach.
„Was? Ich habe nichts gesagt."
„Ach so, sorry."
Doch es hörte nicht auf. Sie hörte es ihn die ganze Zeit sagen, immer wieder: „Sag es ihr! Nein, ich trau mich nicht." Am Anfang war es ja noch erträglich, doch irgendwann wurde sie wütend, da er sich offensichtlich nicht konzentrierte. Er sah es wohl ihrem Gesicht an, denn er wurde tatsächlich ruhig.
Als die Zeit fürs Abendessen gekommen war, hatte sich Lily zwar wieder abgeregt, doch sie war trotzdem froh Baldur zu entkommen. Er war schon immer etwas komisch gewesen, eher ein Einzelgänger, immer mit der Nase in einem Buch. Natürlich hatte Lily nichts gegen ihn, doch jetzt kam er ihr ziemlich seltsam vor. Total in ihre Gedanken vertieft, rannte sie in eine ihrer Mitschülerinnen. Diese sagte total genervt: „Kannst du nicht besser aufpassen?"
„Entschuldigung.", murmelte Lily und zog den Kopf ein, bis sie an ihrem Platz saß.
„Hey, Lily, kommst du morgen mit nach Hogsmeade?", fragte Natasha kauend.
„Tasha, du weißt doch, dass man mit vollem Mund nicht reden darf.", sagte Marek, ebenfalls mit Essen im Mund.
„Ach, und gerade du, willst mich da belehren…sieh dich doch an: dein ganzes T-Shirt ist vollgekleckert." Natasha deutete auf besagte Stellen.
„Oh Shit.", meinte Marek dazu und versuchte, die Kürbissuppe abzuwischen, doch das Ergebnis war ein Lachen der Freundinnen, da er es durch diese Aktion nur noch schlimmer gemacht hatte.
„Lass mich mal.", sagte Lily. „Evanesco! So, damit ist der Fleck verschwunden."
„Ach was würden wir ohne dich nur tun!", bemerkte Marek in zeremoniellem Ton.
„Keine Ahnung.", antwortete Lily darauf mit einem Schulterzucken.
„Also, kommst du morgen mit?", lenkte Natasha das Gespräch wieder auf das Anfangsthema zurück.
„Ja, aber vermutlich werde ich was mit Nathanael unternehmen…"
Am nächsten Tag schien wieder die Sonne und als Lily aus dem Fenster blickte, sah sie dass diese Nacht Schnee gefallen war. Sie freute sich riesig auf den Tag und malte sich bereits eine Schneeballschlacht mit ihren Freunden aus. Sie sprang in ihre Kleidung und sauste zum Frühstück. Sie war so gut drauf, dass sie nicht einmal mitbekam, wie Malfoy sie interessiert musterte. Er hatte sein Ziel fast erreicht. Bald. Bald.
Am Frühstückstisch lächelte Lily nur Natasha entgegen.
„Wo ist Marek denn heute?", fragte sie deshalb.
Natasha antwortete nur mit einem Kopfnicken in Richtung Gabrielle und stocherte weiter in ihrem Essen herum. Auf einmal sah Lily total deutlich, was ihre beste Freundin bedrückte. Über ihrem Kopf erschien auf einmal ein rosa Herz mit dem Gesicht von Marek und Lily wusste sofort was vor sich ging.
„Du bist verliebt in Marek. Oh mein Gott, wieso sagst du ihm das nicht, Tasha?"
„Woher weißt du das? Ist es etwa schon so offensichtlich?" Sie schniefte.
„Nein, ich schwöre dir, das bekommt kein Mensch mit. Mir kam es nur eben gerade so, aber ehrlich: jeder der dich nicht so gut kennt wie ich, der weiß es unter Garantie nicht!"
„Ach, gib es schon zu: jeder weiß es, die ganze Schule und alle lachen sie hinter meinem Rücken darüber, dass ich mich ausgerechnet in meinen besten Kumpel verliebe…" Sie stürmte aus der Großen Halle und Lily hielt es für klüger sie in Ruhe zu lassen. Jedes weitere Wort und Natasha würde sie auf ewig hassen.
Sie saßen bei Madam Puddifoot´s und tranken eine Tasse heißen Kakao.
„Lily, nun sind wir schon in diesem Kitschcafe, dann solltest du mich nicht ignorieren."
„Ja, tut mir Leid Nathanael, ich kann mir vorstellen, was du durchleidest." Sie sah sich mitleidig um. Überall waren Herzen und generell war die einzige Farbe weit und breit rosa. „Aber du weißt ja, dass Natasha und ich uns gezofft haben."
„Ja, aber du willst mir vermutlich immer noch nicht erzählen, weshalb, oder?"
„Nathanael, wenn ich es dir erzähle, wird sie noch wütender."
„Ja, aber wenn du es in dich hineinfrisst, dann bekommst du ein Magengeschwür."
Sie lächelte, wurde aber sofort wieder ernst: „Außerdem will ich nicht, weil Malfoy nur drei Tische entfernt sitzt und der das sicher nicht für sich behalten würde."
„Da hast du Recht. Ich gehe schnell aufs WC, überleg dir derweil, worüber wir reden können, denn nur weil wir einen Fenstertisch haben, heißt das nicht, dass du die ganze Zeit aus dem Fenster starren sollst." Er küsste sie flüchtig und verschwand.
Sie ließ ihren Blick schweifen und streifte dabei den von Malfoy. Sie sah sofort weg, doch es war bereits zu spät. Er kam auf ihren Tisch zu. Zorn regte sich in ihr, doch sie beruhigte sich, indem sie dem Schnee beim Fallen zusah.
„Na Potter, magst du etwa Schnee? Man scheint dich zu Recht eiskalt zu nennen."
„Wieso sollte ich eiskalt sein?", fragte sie und ihre Neugierde siegte bei dem Kampf mit dem Verstand: Sie wendete sich ihm zu.
„Nun, in Slytherin hast du den Ruf, dass du dich nicht von jedem provozieren lässt. Wenn man es genau nimmt, nur von mir."
„Nun, wenn man es genau nimmt, haben deine Slytherin-Kumpels es auch noch nicht versucht."
„Und, würdest du dich herausfordern lassen?"
Sie lächelte ihm triumphierend zu. „Glaubst du etwa, dass du es noch schaffst, mich aus der Haut fahren zu lassen? Ich bezweifle es nämlich."
„Ach, tatsächlich. Okay, dann beweise ich dir das Gegenteil: Ich weiß dass McCain wie war noch gleich ihr Vorname? Ach ja Natasha, also dass sie in Marek Tschoska verliebt ist. Ich brauche nur ein Wort zu sagen und es weiß die ganze Schule."
„Das würdest du nicht tun, insbesondere deshalb, weil deine Freundin dich hierher geschleppt hat um dir zu sagen, dass sie schwanger ist und zwar von einem anderen. Im Moment überlegt sie, wie sie es dir beibringen soll. Und nun heißt es wohl: ein Wort von mir und morgen weiß die ganze Schule dass der große Scorpius Malfoy nicht in der Lage ist, seine Freundin an die kurze Leine zu binden." Sie hatte keine Ahnung, woher sie dieses Wissen auf einmal genommen hatte, doch dass es eine Tatsache war, stand für sie fest.
„Und woher willst du das wissen?", fragte er innerlich kochend.
„Weibliche Intuition.", erwiderte sie mit einem strahlenden Lächeln.
„Ich dachte es mir. Na dann Potter, dein Freund wird sicher gleich wieder da sein."
„Bye Malfoy.", meinte Lily und freute sich riesig, dass sie Malfoy einmal bei ihren Wortgefechten besiegt hatte. Irgendwie begann es richtig Spaß zu machen mit ihm zu streiten. Nur aus dem Augenwinkel bekam sie mit, dass Malfoy seine Freundin Leyla am Arm packte und mit ihr hinausging.
Nathanael kam bald darauf zurück und nun verlief ihr Gespräch bereits viel besser. Lily dachte währenddessen kaum noch an Natasha, doch sie nahm sich vor, vor dem Abendessen noch mal mit ihr zu reden.
Natasha lag auf dem Bett, als Lily eintrat. Sie wendete sich von Lily ab, doch diese hatte nichts anderes erwartet.
„Hör zu, Natasha. Eventuell ist es ja auch vorteilhaft, dass ich es weiß. So kann ich dir in brenzlichen Situationen helfen, denn dass du nicht willst, dass er es erfährt, hast du deutlich gemacht." Sie setzte sich auf die Bettkante. „Von mir erfährt keiner etwas, in Ordnung?"
Ihre beste Freundin drehte sich langsam zu ihr um und sagte: „Okay. Aber zum Abendessen will ich nicht kommen."
„Ist genehmigt. Aber ich gehe, ich habe einen Bärenhunger. Du wirst es nicht glauben: Malfoy hat mich heute angesprochen und versucht mich aufzuregen, aber weißt du was? Stattdessen ist er danach wütend rausgerannt." Und dann konnte Lily nicht mehr anders, sie erzählte ihrer besten Freundin, alles was in den letzten Wochen passiert war: angefangen von der „Nachtwanderung" bis hin zum Austauschschüler. Irgendwann holte sie eine Packung Bertie Botts Bohnen jeder Geschmacksrichtung heraus, da sie das Abendessen vollkommen vergessen hatte. Während alle anderen im Gemeinschaftsraum saßen, erzählte Lily alles, nur den Schlüssel, den Schlüssel verschwieg sie, während er an einem Kettchen an ihrem Hals baumelte.
